Dumpfbacken, Pack, Dödel und Konsorten – die Regierungsparteien verschärfen den Ton

Kolumne

“Gott (§166 StGB), Gauck (§90 StGB) und Erdogan (§103 StGB) sind vom Gesetz ähnlich geschützt – aber nur bei Gott und Erdogan wird erwogen, die antiquierten Paragraphen zu streichen.” (Roland Tichy)

Hass und Beleidigungen, nicht nur im Internet, haben eine seltsame Wendung genommen. Auf dem 100. Deutschen Katholikentag in Leipzig hielt den Bundespräsidenten beim Thema Flüchtlinge, AfD und deren Vorwurf, die Kirchen hätten “aus kommerziellen Gründen ein massives Interesse an weiterer Zuwanderung” nichts mehr zurück: Er beschimpfte Mitglieder der AfD als “Dödel”.

Dieser Fall steht aber nicht alleine da. Die politischen Parteien schrecken offenbar auch vor Verdrehungen von Tatsachen nicht zurück.

Der stellvertretenden AfD-Chef Alexander Gauland sagte in einem Interview mit FAZ-Redakteuren: „Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.“ Das hätte die Bevölkerung als Beleidigung auffassen können, als Wählerbeschimpfung, aber warum sollte Boateng beleidigt worden sein? Aber wie auf Knopfdruck setzt unisono eine Schimpfkanonade von Politikern und Medien ein.

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Ganz besonders legen sich die ARD bei Facebook ins Zeug:

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Zur Meldung der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 29. Mai 2016 erklärt der stellvertretende Vorsitzende der AfD Alexander Gauland:

„Ich habe nie, wie die FAS insinuiert, Herrn Boateng beleidigt. Ich kenne ihn nicht und käme daher auch nicht auf die Idee, ihn als Persönlichkeit abzuwerten. Ich habe in dem vertraulichen Hintergrundgespräch die Einstellung mancher Menschen beschrieben, aber mich an keiner Stelle über Herrn Boateng geäußert, dessen gelungene Integration und christliches Glaubensbekenntnis mir aus Berichten über ihn bekannt sind. Selbstverständlich können wir stolz auf unsere Nationalmannschaft sein. Ich wünsche allen Spielern viel Glück für die Europameisterschaft.“

Diese Erklärung wird im verbalen Kanonendonner der besorgten Regierungsparteien und ihrer Medien verhallen.

 

S. Vancetti
Rein prophylaktisch: Weder Parteimitglied noch Anhänger der AfD

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Solarzellen: „Schwarze Löcher“ für Energie, Ressourcen und Geld

Solarstrom ist weder kostenlos noch unendlich verfügbar

Solarzellen: „Schwarze Löcher“ für Energie, Ressourcen und Geld

Deutschlands Bevölkerung ist einer aktuellen Meinungsumfrage zufolge zu rund 90 % vom Sinn und Nutzen der „Klimarettung“ nebst der dazugehörigen „Energiewende“ überzeugt. Die massive, von Politik, Medien, Wirtschaft und Ausbildungseinrichtungen ständig wiederholte Indoktrinierung hat im Sinne der Verantwortlichen reichlich Früchte getragen. Über ihre Stromrechnungen pumpen die Verbraucher Jahr für Jahr zweistellige Milliardenbeträge in die Taschen der Profiteure dieses „Gröbaz“ (Größter Betrug aller Zeiten). Die Gesamtkosten inklusive der bereits für die kommenden Jahre fest vereinbarten Zahlungsverpflichtungen haben inzwischen die Grenze von 500 Mrd. € längst überschritten. Doch was bekommt der Bürger dafür tatsächlich zurück? Um dies zu klären, unterziehen die beiden Schweizer Energiespezialisten Ferruccio Ferroni und Robert J. Hopkirk die in Deutschland und der Schweiz vielgepriesene Fotovoltaik einem gründlichen Faktencheck [FEHO].

Die von ihren Fans oft in den höchsten Tönen gelobte Fotovoltaik ist eine entscheidende Säule der „Energiewende“. Zu den bekanntesten Sprüchen ihrer Befürworter gehören „die Sonne schickt keine Rechnung“ sowie „die Sonne liefert uns unendlich viel Energie, man braucht sie nur zu ernten“. Schaut man sich jedoch die Realität an, so stellt man schnell fest, dass Solaranlagen keinesfalls kostenlose Energie liefern.

By: Wapster

Bild 1. By: Wapster Solche Solarleuchten sind Sommerkinder. Im Winter sterben die Batterien

Zudem ist diese meist gerade dann nicht verfügbar, wenn sie wirklich gebraucht würde, nämlich in der kalten Jahreszeit oder bei Dunkelheit. Das ficht die echten Solarfans jedoch nicht im geringsten an: Man verweist auf den hohen Verbraucherstrompreis von aktuell knapp unter 30 ct/kWh und behauptet, die eigene Solaranlage würde stattdessen Strom für 10 ct/ kWh liefern. Zur Überbrückung sonnenarmer bzw. sonnenloser Zeiten genüge eine Speicherbatterie oder die Batterie eines E-Autos, und schon sei man energetisch sozusagen auf der Sonnenseite des Lebens. Fachleute, die dagegen den Standpunkt vertreten, dass der Einsatz von Fotovoltaik im sonnenarmen Deutschland ungefähr soviel Sinn mache wie das Züchten von Ananas in Alaska, werden als „Dinosaurier“, Ewiggestrige“, ja als „Fortschrittsfeinde“ verunglimpft. Werfen wir deshalb zunächst einen Blick auf die aktuelle Situation.

Ein Berg hat gekreißt…

Abb_02

Bild 2. Das deutsche EEG belastet den Stromverbraucher bis zum Jahr 2015 mit Gesamtverpflichtungen von 216 Mrd. € allein für Fotovoltaikanlagen

Bei der Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) im Jahre 2000 wurde versprochen, dass die Kosten höchstens beim Gegenwert einer Kugel Eis im Monat liegen würden. Seitdem sind die Beträge, die den deutschen Solarkönigen und Windbaronen zugeflossen sind, auf jährlich mehr als 20 Mrd. € angestiegen, davon fast die Hälfte allein für Solarstrom. Kumuliert haben die deutschen Verbraucher bis Ende 2015 bereits mehr als 62 Mrd. € an die Besitzer von Fotovoltaikanlagen bezahlen dürfen. Doch das ist nur die halbe Story, denn mit jeder neu installierten Anlage wird der Verbraucher verpflichtet, auch für diese insgesamt 20 Jahre lang Zahlungen zu leisten. Entscheidend ist somit die Gesamtsumme aus bereits geleisteten Zahlungen und noch abzustotternden Verpflichtungen, die in Bild 2 gezeigt wird.

…doch die Maus ist lächerlich winzig

Insgesamt wurde der Stromverbraucher allein für Fotovoltaik bis Ende 2015 mit Gesamtverpflichtungen in Höhe von 216 Mrd. € belastet. Diese Summe ist noch für die nächsten 20 Jahre abzustottern, selbst wenn per Ende 2015 jeglicher weiterer Zubau an Fotovoltaikanlagen eingestellt worden wäre. Was hat der Verbraucher im Gegenzug dafür erhalten? Per Ende 2015 lag die nominelle Gesamtkapazität der in Deutschland installierten, nach EEG geförderten Solaranlagen bei 39.600 MW. Diese lieferten im Zeitraum 1.1. bis 31.12.2015 insgesamt 38,5 Terawattstunden (TWh) ab, das sind 5,9 % der gesamten Strom-Jahreserzeugung. Wollten wir also unseren Strombedarf zu 100 % durch Fotovoltaik decken, so würde sich hieraus eine Gesamtbelastung von nicht weniger als 3,7 Billionen € ergeben.

Interessant ist natürlich auch der Vergleich mit dem deutschen Primärenergieverbrauch im gleichen Jahr, schließlich sollen Wind- und Solarstrom im Rahmen der sogenannten „Dekarbonisierung“ dazu führen, dass wir uns fast vollständig von fossilen ebenso wie von nuklearen Verfahren der Energieerzeugung lösen. Der deutsche Gesamt-Primärenergieverbrauch lag 2015 bei 13.307 Petajoule, was 3.696 TWh entspricht. Die Produktion an Fotovoltaikstrom lag bei rund 1 % dieser Summe und kostete 216 Mrd. €. Andersherum gerechnet: Wollte man also unseren Primärenergiebedarf zu 100 % durch Solarstrom decken, so würde sich die erforderliche Investition auf 21,6 Billionen € summieren. Bei dieser Rechnung wurden alle sonstigen Aspekte wie Speichersysteme sowie die entsprechend viel stärker auszulegende Infrastruktur des Stromnetzes noch nicht einmal einbezogen. Selbst bei diesem konservativen Ansatz können solche Summen also bei jedem, der etwas von Kosten und Zahlen versteht, nur Alpträume hervorrufen.

Die Märchen von „unendlich viel Energie“

Während die Fakten demnach klar beweisen, dass in Ländern mit eher moderater Sonneneinstrahlung wie Deutschland der Aufbau einer weitgehend auf Fotovoltaik beruhenden Stromversorgung schon rein vom Kosten-/Nutzenverhältnis her keinen Sinn macht, ist ebenso klar, dass diese Technologie für diejenigen Personen und Organisationen, die sie aufgebaut haben, eine Quelle nahezu unbegrenzten Reichtums darstellt. Die 216 Mrd. €, die der Bürger bisher für diese „Energieversorgung“ zwangsläufig bezahlen musste, sind ja nicht verschwunden, sondern letztlich in den Taschen einer vergleichsweise kleinen Mafia von Befürwortern und Profiteuren gelandet. Diese Personen und ihre Helfershelfer in Politik und Medien werden daher nicht müde, der Bevölkerung pausenlos märchenhafte Behauptungen und Versprechungen über die Leistungen der Fotovoltaik zu präsentieren. Besonders gern wird behauptet, Fotovoltaikmodule würden fast ewig, zumindest jedoch für etliche Jahrzehnte funktionieren und in dieser Zeit viel mehr Energie zurückliefern, als für ihre Herstellung verbraucht wurde. Deshalb lohne sich die Investition in eine Fotovoltaikanlage selbst dann, wenn die EEG-Förderung nicht allzuviel Profit in die Kasse spüle. Schließlich stünde die Anlage auch nach dem Auslaufen der Förderung für Jahrzehnte zur Verfügung und liefere dann Strom quasi zum Nulltarif. Das helfe dabei, die eigene Stromrechnung substanziell zu reduzieren.

Fakten gegen Mythen

Dieses und andere Märchen wurden jetzt in einer sehr umfassenden wissenschaftlichen Untersuchung von den beiden bereits erwähnten Schweizer Energiespezialisten gründlich unter die Lupe genommen. Dipl.-Ing. Ferruccio Ferroni aus Zürich ist Energieberater und Dr. Robert J. Hopkirk aus Männedorf ist im Bereich Engineering Research & Development tätig. Für ihre Untersuchung haben sie eine Fülle von Daten aus der Schweiz und Deutschland über einen Zeitraum von teils mehreren Jahrzehnten ausgewertet. Hieraus leiten sie eine Methode zur Berechnung einer vollständigen, erweiterten Energierückgewinnungsbilanz ERoEI (Energy Returned on Energy Invested) ab. Dabei stellen sie fest, dass in unseren Breiten die Gewinnung von Strom aus Solarzellen als fragwürdig und nicht nachhaltig einzustufen ist und die Fotovoltaik als solches per Saldo zu Energieverlusten führt. Anders ausgedrückt: In ein mit Solaranlagen realisiertes Stromversorgungssystem muss mehr fossile Energie investiert werden, als man jemals aus ihnen wieder in Form von elektrischem Strom zurückerhält. Wichtigste Gründe hierfür sind der hohe erforderliche Einsatz an Material, Arbeitszeit und Kapital einerseits und die geringe Energieintensität der Sonnenstrahlung andererseits. Die Veröffentlichung erfolgte in der renommierten, peer-reviewten Zeitschrift „Energy Policy“. Nachfolgend werden einige der wichtigsten Erkenntnisse dieser Arbeit auszugsweise vorgestellt.

Sonne netto ist weit weniger als Sonne brutto

Zunächst beschäftigen sich die Verfasser intensiv mit der Ertragsseite der Fotovoltaik, d.h. mit der Menge an elektrischer Energie, die man von einer durchschnittlichen Solaranlage im Laufe ihrer Nutzungsdauer erwarten kann.

Abb_03

Bild 3. Mit Eis und Schnee bedeckte Solaranlagen liefern keine Energie. Dafür leiden die Zellen durch mechanische Spannungen im Material

Hierzu wurden statistische Auswertungen u.a. staatlicher oder offiziöser Stellen wie z.B. TÜV-Gesellschaften in den beiden betrachteten Ländern herangezogen. Eine erste wichtige Erkenntnis der Untersuchungen ist, dass man bezüglich des Stromertrags von Solaranlagen keinesfalls mit theoretischen Strahlungsdaten oder Herstellerangaben arbeiten sollte. Hier wird nämlich genauso geschummelt wie bei Verbrauchs- und Abgaswerten im Kfz-Bereich.

Bei den Modulen ist mit teils recht erheblichen Ertragsminderungen durch Staub, Pilzbewuchs, Vogelkot sowie Oberflächenschäden (z.B. Hagelschlag) zu rechnen. Nachteilige Auswirkungen haben darüber hinaus Schnee, Frost sowie kondensierende Feuchtigkeit, und last but not least unterliegt der Modulertrag einer altersbedingten Minderung.
Auch sind die Herstellerangaben bezüglich Modullebensdauern von 30 Jahren augenscheinlich geschönt: Es ist wohl eher von 19 Jahren auszugehen. Hinzu kommen Ausfälle durch erhebliche Modulfehler (bis zu 30 %).

Unter Berücksichtigung all dieser Faktoren und Einrechnung eines „Goodwill-Bonus“ bei der angenommenen Modullebensdauer kommt die Untersuchung zum Ergebnis, dass die gesamte von Fotovoltaikanlagen über ihre Lebensdauer abgelieferte Menge an elektrischer Energie in der Schweiz bei 2.203 kWhe /m2 liegt. Für Deutschland würde diese Zahl etwas niedriger liegen.

Enormer Verbrauch an Material, Arbeit und Kapital

Beim Hype um die angeblich „kostenfreie, unendlich verfügbare“ Solarenergie wird vielfach verschwiegen, welch enormer Aufwand für ihre Umwandlung in Strom betrieben werden muss. Für ein Solarmodul von 1 m² Fläche werden nicht nur 16 kg Si-Module (unter Modul versteht man Zellen und Glas, Rahmen usw.), sondern auch noch 25 kg sonstiger Materialien für Gestell, Kabel und elektrische Ausrüstungen sowie 3,5 kg Chemikalien benötigt, was sich auf insgesamt 44,5 kg/ m² summiert. Bezieht man dies auf die insgesamt zurückgelieferte Energie, so liegt der Materialeinsatz bei 20,2 g pro kWh.

Interessant ist beispielsweise der Vergleich mit der Kernkraft, die auch zu den CO2-armen Verfahren zählt. Hier liegt der Materialeinsatz pro kWh zurückgelieferter Energie um den Faktor 64 (!) günstiger als bei Solarzellen. Doch mit dem Materialeinsatz ist es noch lange nicht getan. Auch der Einsatz an menschlicher Arbeitskraft liegt bei der Fotovoltaik um den Faktor 7 über dem bei Kernenergie, und der Kapitalaufwand liegt beim 10fachen.

All dies sind klare Indikatoren dafür, wie überproportional hoch der für die Gewinnung von Solarstrom zu treibende Aufwand ist und wie ineffizient diese Technologie insbesondere in Regionen mit moderatem Aufkommen an Solarstrahlung ist. In solchen Regionen sind Fotovoltaiksysteme schlicht ungeeignet, wenn es darum geht, eine effiziente Stromversorgung mit einem möglichst geringen Ressourceneinsatz zu realisieren.

Erweiterte ERoEI-Analyse – warum?

Die Verfahren zu Berechnung des ERoEI sind nicht genormt. Dementsprechend unterschiedlich sind die Ansätze und natürlich auch die Ergebnisse. Die von der Internationalen Energie-Agentur (IEA) verwendete Methodik lässt wichtige Einflussgrößen wie z.B. die Integration in eine bedarfsorientierte Stromversorgungs-Infrastruktur nach dem „Dachkante zu Steckdose“-Prinzip unberücksichtigt. Ferroni und Hopkirk haben sich deshalb für den sogenannten erweiterten Ansatz entschieden, bei dem – neben anderen Faktoren – auch der Aufwand für die bedarfsgerechte Bereitstellung der mit dem System „geernteten“ Energie am Verbrauchsort berücksichtigt wird. Dies betrifft u.a. Pumpspeicherkraftwerke sowie die mit ihrem Betrieb verknüpften Verluste, Gaskraftwerke zur Überbrückung von Dunkelflaute-Zeiträumen ohne ausreichende „EE“-Stromproduktion sowie Anpassungen wie zusätzliche Leitungen und eine Smartgrid-Infrastruktur.
Von dem seitens der Internationalen Energieagentur (IEA) verfolgten Ansatz unterscheidet sich ihr Konzept zudem dadurch, dass es den Aufwand für Arbeit und Kapital berücksichtigt. Zudem setzen sie für den Energieaufwand einheitlich die elektrische Energie in kWhe als Referenzgröße fest, da bei der Herstellung der PV- Module vorwiegend Elektrizität (sog. Sekundärenergie) verwendet wird. Weiterer wichtiger Gesichtspunkt ist die Verwendung tatsächlich an realen Installationen Anlagen gemessener Werte für die von den Anlagen gewonnene Energie statt der Verwendung von Daten aus Laborversuchen. Zugleich verhindert dies Manipulationen durch viel zu optimistische Angaben seitens gewisser Investoren und Politiker.

Bei der Berechnung des erweiterten ERoEI berücksichtigte Faktoren

Tabelle 1

Tabelle 1. Untersuchungsergebnisse bezüglich der in eine Fotovoltaikanlage bei ihrer Herstellung investierten Energie (Cumulative Energy Demand, CED) [FEHO]

Über die von der IEA üblicherweise berücksichtigten Faktoren hinaus wurden bei der hier vorgenommenen Berechnung folgende Faktoren mit einbezogen:
1) Die Integration der Solarstromproduktion in ein Stromnetz, das Strom bedarfsgerecht am Ort des Verbrauchs zur Verfügung stellt,
2) Den erforderlichen Einsatz an Energie für Arbeit und Kapital
Die Herstellung von Solarmodulen ist ein komplizierter Prozess, der rund 200 Einzelschritte umfasst. Viele dieser Schritte erfolgen bei sehr hohen Temperaturen und erfordern daher den Einsatz von sehr viel Energie. Der kumulative Energieaufwand, der für den Quadratmeter Solaranlagenfläche aufzuwenden ist, wurde von einer ganzen Reihe von Autoren für unterschiedlich konfigurierte Anlagen ermittelt, siehe Tabelle 1.

Abb_05

Bild 4. Sinnvollstes Speichermedium für elektrischen Strom sind Pumpspeicherkraftwerke wie das Grimselkraftwerk der KWO

Für die hier durchgeführte Untersuchung wurde von der Annahme ausgegangen, dass es sich um in der Schweiz errichtete Fotovoltaikanlagen mit Installationsanteilen von 2/3 Hausdach und 1/3 Freiland handelt. Für den CED-Wert wurden daher rund 1.300 kWhe/ m2 angesetzt.

Abb_06

Tabelle 2. Energieaufwendungen für die bedarfsgerechte Integration von Fotovoltaikanlagen in das Stromnetz [FEHO]

Weiterer Gegenstand der Untersuchung war die Ermittlung des Aufwands, der zur Integration von Solaranlagen ins bestehende Stromnetz nach dem bereits erwähnten „Dachkante bis Steckdose“-Prinzip erforderlich ist. Als Speichersystem wurden Pumpspeicherkraftwerke angenommen, da diese von allen derzeit bestehenden Technologien die geringsten Verluste aufweisen. Auch die heute so oft zitierten „Smart grids“ benötigen für ihre Funktion eine nicht unerhebliche Menge an Energie. Die Ergebnisse dieser Untersuchung sind in Tabelle 2 zusammengefasst.

Als weitere Faktoren für die erweiterte ERoEI-Betrachtung kommen noch Energieinvestitionen in Arbeitskraft und Kapitalbereitstellung ins Spiel. Hier spielt die Energieintensität fortgeschrittener Volkswirtschaften eine wichtige Rolle.

Deshalb wurden die Verhältnisse in der Schweiz zugrunde gelegt, die diesbezüglich wesentlich günstiger sind als im weltweiten Vergleich, weil hier energieintensive Industrien schon längst in kostengünstigere Länder abgewandert sind. Nach dieser Berechnung sind für den Gesamt-Arbeitsaufwand für Solaranlagen 1.175 CHF/ m² anzusetzen. Hinzuzurechnen sind Aufwendungen für den Austausch defekter Module bzw. Inverter in Höhe von 90 CHF/ m². Nach Umrechnung in Energieaufwand pro m² ergibt sich ein Wert von 505 kWhe/ m².

Abb_07

Tabelle 3. Gesamtzusammenstellung der in Errichtung und Betrieb eines Fotovoltaik-Systems zu investierenden Energie in kWhe/ m² [FEHO]

Letzter Punkt der Betrachtungen sind schließlich die Kapitalaufwendungen, die man als Maß für früher geleistete Arbeit und somit für früher eingesetzte Energie werten kann. Hierbei gehen die Verfasser vom gleichen Anlagenmix aus wie bei der Betrachtung der vorher in die Anlage hineingesteckten Energie. Insgesamt kommen sie auf einen Gesamtbetrag von 420 kWhe/ m². Die Zusammenfassung aller Faktoren in Tabelle 3 liefert schließlich als Gesamtbetrag für ein in Deutschland oder der Schweiz installiertes Fotovoltaiksystem einen Wert von 2.664 kWhe/ m².

Zu diesen Zahlen ist noch anzumerken, dass man in vielen Fällen konservative Ansätze gewählt hat, wodurch der Gesamtaufwand deutlich nach unten angepasst wurde. Dies erfolgte als präventiver Ausgleich für Unsicherheiten und Fehlermargen bei der Ermittlung mancher Zahlen. Zu den nicht einbezogenen Faktoren gehören u.a. Aufwendungen für die Errichtung von Fabriken für Solarmodule sowie die erheblichen Aufwendungen für die Entsorgung der zahlreichen giftigen bzw. umweltschädlichen Substanzen, die bei der Solarmodulherstellung anfallen. Auch wurde bezüglich der Energieintensität des Faktors Arbeit mit dem Schweizer Wert von 0,43 kWhe /CHF statt des globalen Werts von 2,05 kWhe /USD gerechnet. Auch bei der Betrachtung des Kapitaleinsatzes wurde auf die Einbeziehung verschärfender Faktoren wie den Investitionen für das Errichten von Backup- und Speicherkraftwerken verzichtet.

Fotovoltaik: Ein „schwarzes Loch“ für fossile Energie

Der dimensionslose ERoEI ergibt sich durch Division der 2.203 kWhe/ m² für die zurückgelieferte Energie durch die 2.664 kWhe/ m² für die investierte Energie. Er beträgt 0,82, was unter Berücksichtigung der bewusst konservativen Ansätze bei der Ermittlung der Zahlen für die in Fotovoltaiksysteme investierte Energie als desaströses Resultat zu werten ist. Mit anderen Worten kann unter den Bedingungen, wie sie in Deutschland und der Schweiz herrschen, eine Solaranlage nicht als Energiequelle eingestuft werden, sondern verursacht de facto VERLUSTE an (fossiler) Energie. Dabei können unsere modernen Gesellschaften ihren zivilisatorischen Stand nur halten, wenn sie über eine ausreichende Energieversorgung verfügen. Hier trägt Fotovoltaik angesichts der gerade von ihren Apologeten immer wieder beschworenen Endlichkeit fossiler Energieressourcen lediglich zur Verschärfung einer Mangelsituation bei. Dies kann man sich leicht vor Augen führen, wenn man einmal folgendes Gedankenexperiment durchführt. Angenommen, man verfügt nur noch über eine begrenzte Menge an fossiler Energie und investiert diese vollständig in Fotovoltaik. Nach 25 Jahren sind davon nur noch 82 % übrig. Wiederholt man diesen Zyklus mehrfach, so verringert sich der Vorrat schrittweise auf 67 %, 55 %, 45 % usw. Als nachhaltig kann man ein solches Procedere nicht bezeichnen.
Abschließend betonen die Autoren der Studie, dass man aus den Ergebnissen nicht den Schluss ziehen sollte, Aktivitäten im Bereich Forschung und Entwicklung für die Fotovoltaik nicht mehr weiter zu verfolgen. Sollte es in Zukunft gelingen, den Wirkungsgrad bei der Umwandlung von Sonnenlicht in Strom zu verbessern, die Kosten für Zellen zu senken und/ oder ihre Lebensdauer zu steigern, so werde sich ein entsprechender Markt ganz von selbst entwickeln.
Fred F. Mueller
Quellen:

[FEHO] Ferroni, F.; Hopkirk, R. J.: Energy Return on Energy Invested (EroEI) for photovoltaic solar systems in regions of moderate insolation. Energy Policy 94 (2016), 336-344, http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0301421516301379

 


Ruhrkultour Leseempfehlung:

stromMichel Limburg, Fred Mueller, Arnold Vaatz:
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Der Ingenieur Michael Limburg und der Wissenschaftsjournalist Fred F. Mueller erklären in einfachern, auch für Laien leicht verständlichern Weise, wie unser Stromversorgungssystem funktioniert.

 

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Die Last mit der Grundlast. Eine unüberwindbare Hürde der Erneuerbaren Energien

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Grafik: ISE

In einer Pressekonferenz von Bundeskanzlerin Merkel, Ministerpräsident Haseloff und Bürgermeister Sieling (Mitschrift vom 12.05.2016) sagte MP Haseloff, Off-Shore-Wind sei “derzeit die teuerste Möglichkeit, Strom zu erzeugen.” Dänemark hat den Ausbau der Off-Shore-Windkraftanlagen wegen zu hoher Stromkosten für die Bevölkerung eingestellt.
MP Haseloff dagegen setzt auf “diesen teuren Strom”. Er ist überzeugt, dass wir ihn “grundlastmäßig brauchen.” Um den teuren Strom an die Verbraucher zu verteilen, die ihn höchstwahrscheinlich gar nicht haben wollen, hat der Netzausbau für die Bundesregierung hohe Priorität.

Wer sich die Grafik des Fraunhofer Instituts ISE (https://www.energy-charts.de/index_de.htm) ansieht, erkennt die schwankenden Leistungen von Windkraft- und Solaranlagen. An mehreren Tagen, hier zum Beispiel im April 2016, lieferten auch die Off-Shore-Anlagen keinen Strom (blaue Fläche). Hätte sich MP Haselhoff gründlich informiert, wüsste er, was Wikipedia weiß: Grundlastfähig sind nur Kraftwerke, die konstant elektrische Energie bereitstellen, wie zum Beispiel Kernkraftwerke, Kohlekraftwerke, Gaskraftwerke, Ölkraftwerke sowie mit Ersatzbrennstoffen befeuerte Dampfkraftwerke, auch mit fossilen oder erneuerbaren Energieträgern befeuerte Blockheizkraftwerke, Biomasse- und Biogaskraftwerk sowie Geothermiekraftwerke und fast alle die Fließgeschwindigkeit von Flüssen nutzenden Wasserkraftwerke. “Hingegen nicht grundlastfähig sind aufgrund ihrer dargebotsabhängigen und somit volatilen Einspeisung Photovoltaik- und Windkraftanlagen.”
Es ist gleichgültig, wie viele Windkraftanlagen im Meer noch gebaut werden, grundlastfähig werden sie nie.
Quelle: Pressekonferenz, 12.05.2016

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Der Klimaschwindel oder Die Große Trans­for­mation im Schulunterricht

Den von Befürwortern der Erneuerbaren Energien behaupteten 97-Prozent-Konsens der Wissenschaftler gibt es nicht. Er ist ein Mythos. Auf diesem Mythos entsteht eine neue “ökologische” Industrie, unterstützt durch eine globalen Umerziehungskampagne, die dieser angeblich ökologischen und guten Industrie international zum Durchbruch verhelfen soll. Die Lehre vom anthropogenen Klimawandel und der Konsens-Mythos finden Eingang in den Schulunterricht.

Die ideologische Umerziehung macht auch vor den Schulen nicht Halt.

Unter der Überschrift “Die große Transformation” berichtet das Umweltbundesamt am 27.09.2013 über eine Publikation, die Teil eines vom Bundesforschungsministerium geförderten Kommunikationsprojektes ist.

Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) hat auf der Grundlage eines von ihm 2011 erstellten Gutachtens zum Klimawandel das Gutachten als Comic herausgegeben. Neun Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen erklären Kindern und Jugendlichen Ursachen und Folgen des Klimawandels und zeigen, was eine zukunftsfähige Gesellschaft dagegen tun könnte.

Mit Hilfe des Comics „Die große Transformation. Klima – Wie kriegen wir die Kurve hin?“ will der Beirat Kinder und Jugendliche für das Thema “sensibilisieren”. Denn sie seien diejenigen, die von einer möglichen Klimakrise am meisten betroffen sein werden, heißt es.

In dem Video “Die große Transformation” lautet die sachlich nachweisbare Kernbotschaft “Wir werden immer mehr”. Ohne die guten Absichten der Autoren in Zweifel zu ziehen stellt sich dennoch die Frage: Wodurch unterscheidet sich diese Kernbotschaft von der Formel “Volk ohne Raum”, die wirtschaftliche Probleme kausal auf einen vermeintlichen Raummangel zurückführt? Wenn sich die Erneuerbaren Energien als Irrweg erweisen, was sich deutlich abzeichnet, welche andere Lösung könnten die Erfinder des anthropogenen Klimawandels dann anbieten, als die Dezimierung der Weltbevölkerung, weil die Energie nicht für alle reicht? Bis dahin werden große Mengen von Ressourcen verschleudert und die Strompreise so stark erhöht sein, dass der Strompreise für viele Menschen unbezahlbar sein werden, womit sich das Problem der Weltbevölkerung in Zukunft auf scheinbar natürliche Weise lösen könnte.

Quelle: https://www.umweltbundesamt.de/die-grosse-transformation

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Die fabelhaften 97 % – der Mythos vom Klima-Konsens der Wissenschaftler

Eine überwältigende Mehrheit von Wissenschaftlern ist der Auffassung, dass die globale Erwärmung und der Klimawandel durch Menschen verursacht sei. Sie kennen diese Behauptung. Ihr Ursprung ist eine Studie von John Cook, University of Queensland. IOP (Institute for Physics) berichtete darüber am 16. Mai 2013. Unter der Leitung von Cook hatten Forscher 2012 wissenschaftliche Artikel, die zwischen 1991 und 2011 erschienen waren und die Suchbegriffe “globale Erwärmung” und “globaler Klimawandel” enthielten, analysiert. insgesamt 11.994.  

Von den rund 12.000 Veröffentlichungen bestätigte nur rund ein Drittel der Wissenschaftler, 32,6 Prozent,  die Ansicht, dass die globale Erwärmung durch Menschen verursacht sei (Anthropogenic Global Warming -AGW), 97 Prozent dieses Drittels, nicht der Gesamtmenge, hielt “die jüngste Erwärmung vor allem von Menschen gemacht”. Die Mehrheit der Wissenschaftler, 66,4 Prozent, bezog keine Position zum AGW. Aber die Zahl 97 machte weltweit die Runde. Noch am selben Tag der Veröffentlichung des IOP twitterte der Präsident der USA, Barack Obama:

Obama_97P

Scan: http://www.climatechangedispatch.com/

Und damit war der große “97% Konsens” geboren und diente fortan bis auf Weiteres der Politik der Dekarbonisierung und dem Verstummen der Kritiker der “globalen Erwärmung.”

Unvorstellbar, dass 97 % ein Mythos ist?

Die Wissenschaft sei das eine, schrieb Willi Winkler 2010 in der Süddeutschen Zeitung, “aber es braucht auch noch jemanden, der auf sie hereinfällt, ihre Irrtümer also auch noch propagiert. Das war, wie jedermann weiß, der Seemann Popeye.

Bewaffnet mit einer Pfeife und einem losen Mundwerk begann der tätowierte Geselle von 1929 an die amerikanischen Kinder in einem täglichen Comicstrip zu unterhalten.” Es ging um Spinat, den Generationen von Kindern auf Grund der Behauptung, er sei besonders eisenhaltig und gut für die Gesundheit, hinunterwürgten oder auch verweigerten. Der Spinat-Absatz stieg dank Popeye angeblich um 33 Prozent.

Unter der Überschrift “Medizinische Mythen” präsentierte das British Medical Journal Ende 2007 eine Reihe erwiesener Irrtümer, an die “Ärzte wie die allgemeine Öffentlichkeit glauben”, darunter auch den großen Spinat-Irrtum, der durch einen Kommafehler 1890 vom Schweizer Physiologen Gustav von Bunge in die Welt gesetzt worden war: Spinat enthält nicht mehr Eisen als anderes Gemüse.

117 Jahre konnte sich dieser Irrtum halten und durch konsequentes Abschreiben und Weiterdichten neuen Spinat-Schwindel entstehen lassen. Winkler:

Der moderne Mensch giert nach wissenschaftlichen Mythen. Und er jubelt, wenn die Mythen wieder zerstört werden. Dabei kommen wir uns sehr schlau vor. Zu Unrecht: Der Spinat lehrt, dass wir Laien wie die Schafe von einer Legende zur nächsten irren.

Lars Schröder

Quellen:

 

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Die Sonne schickt keine Rechnung, aber die Regierung!

bureaucracy-1016207_640Diese Gelegenheit lässt sich keine Regierung der Welt entgehen, ihre Einnahmen zu erhöhen, die Diäten zu sichern und Geld umzuverteilen. Da wird mit spitzem Bleistift gerechnet, und wenn bis zum Jahr 2022 gut 1,4 Milliarden Euro bei der Stromsteuer für die Regierung übrig bleiben, dann wäre das ein gutes Geschäft für sie.

Die vielen “selbstlosen” Unterstützer der Energiewende und Klimaschützer, die sich mit Solarzellen versorgen und den amtlichen Ausbauzielen zuarbeiten, sitzen in der Steuerfalle. Wer seinen Strom aus Solaranlagen und auch aus umweltfreundlichen Kleinkraftwerken bezieht, die sowohl Strom als auch Wärme erzeugen, könnte künftig auch Strom- und Energiesteuer zahlen müssen, berichtet die Süddeutsche Zeitung (SZ).

Das Bundesfinanzministerium plant eine Änderung des Stromsteuergesetzes

Nach den Plänen des Bundesfinanzministerium ist nach vorliegenden Informationen eine Verbrauchsgrenze vorgesehen. Wer sich selbst mit mehr als 20 Kilowattstunden (kWh) Strom pro Jahr versorge, solle künftig 2,05 Cent je verbrauchter Kilowattstunde zahlen. Ein deutscher Durchschnittshaushalt verbraucht zwischen drei und vier Kilowattstunden (3.000-4.000 kWh) Strom pro Jahr. Diese Regelung träfe zunächst vor allem Gewerbebetriebe oder Mehrfamilienhäuser. Die Besitzer von Einfamilienhäusern dürften sich darüber freuen, dass sie verschont wurden. Bei der irgendwann zu erwartenden Reduzierung der Verbrauchsgrenze wird sich der Rest der Bevölkerung eher über die ausgleichende Gerechtigkeit freuen, als mit vereinten Kräften gegen die weiteren Steuerbelastungen zu protestieren. Ein perfekter Plan, unter Ausnutzung von menschlichen Schwächen den Stromverbrauchern das Geld zu entreißen.

Auch dann, wenn der Verwaltungsaufwand höher sein sollte, als der Steuergewinn, wird dies die Bundesregierung vermutlich nicht von ihren Plänen abhalten. Zu vielen Menschen wurden Arbeitsplätze im Bereich der Erneuerbaren Energien in Aussicht gestellt, und Steuereintreiber für einen guten Zweck ist doch wirklich ein famoser Beruf, oder nicht?

Eine Glosse von Kurt Schmähling

 

 

 

 

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Präsidentenwahl in Österreich: „Noch so ein Sieg, und wir sind verloren!“

Von: Rainer Kahni – Gottfried Böhmer

„Noch so ein Sieg, und wir sind verloren!“ (König Pyrrhos I. von Epirus, 319/318–272 v. Chr.)

Ein unter sehr hohen Verlusten errungener Erfolg, der deshalb kein Erfolg mehr ist. Im ursprünglichen Sinne geht der Sieger aus dem Konflikt ähnlich geschwächt hervor wie ein Besiegter und kann auf dem Sieg nicht aufbauen.

Alexander Van der Bellen hat die Wahl gewonnen, aber wie, und ist das ein Sieg? Nein das ist kein Sieg. Eine breite Allianz aus Roten, Bürgerlichen, Liberalen, Ultra-Linken und Grünen konnte es gerade mal auf 50,3 Prozent der Stimmen bringen, um den FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer zu verhindern.

Dazu hatten sie noch eine brachiale Medien-Macht aufbieten müssen, die den Österreichern eine diffuse Angst vor National-Populisten einreden musste. Der Frieden in Österreich ist von nun an dauerhaft gestört. Das wird Auswirkungen auf ganz Europa und auch Deutschland haben. Es gibt keinen Grund zur Freude und keinen zum Jubeln. Eines dürfte aber schon klar sein, Alexander Van Bellen wird die Politik seiner Vorgänger fortsetzen, und das wird zu einer weiteren Spaltung der Gesellschaft führen.

Die Folgen sind nicht abzusehen, die FPÖ-Wähler fühlen sich heute schon betrogen. Gewonnen hat die “Allianz” in den Städten, den multikulturellen Schmelztigeln in Wien 70 Prozent. Aber wenn das Land aufsteht, hier hat die FPÖ ihre Wähler, brennen die Städte. Der Jubel könnte ihnen im Hals stecken bleiben.

Rainer Kahni

Rainer Kahni hatte geschrieben: Österreich hatte wenigstens die Wahl. Das wunderbare Land scheint geteilt zu sein in diejenigen, die gemäßigt konservativ bleiben und sich lieber auf keine Experimente einlassen, und in diejenigen, die die ewige große Koalitionen der Parteien satt haben. Das steht Deutschland noch bevor.

Große Koalitionen sind ein Ausdruck von undemokratischer Grundhaltung und politischer Hilflosigkeit. Sie laden ein zu Mauschelei und Korruption. Nur dass der Bundespräsident in Deutschland schon gar nicht vom Volk gewählt wird, sondern gleich unter den Parteien ausgemauschelt wird.

Die Wut über die Machtlosigkeit des deutschen Volkes wird sich umso stärker bei der Wahl des deutschen Bundestages entladen. Tu felix austria nube oder wie die Wiener sagen “z’dot g’fürcht is au g’storbn”.

 

Auszug. Zuerst vollständig abgedruckt in: http://www.freundederkuenste.de/aktuelles/reden-ist-silber/meinung/wut-ueber-die-machtlosigkeit-grosse-koalitionen-laden-ein-zu-mauschelei-und-korruption.html

Rainer Kahni, besser bekannt als Monsieur Rainer, ist Journalist und Autor von Polit – und Justizthrillern. Er ist am Bodensee aufgewachsen, lebt jedoch seit vielen Jahren in Paris und bei Nizza. Seine Muttersprache ist deutsch, seine Umgangssprache ist französisch. Er ist Mitglied von Reporters sans frontières und berichtet für Print – Radio – und TV – Medien aus Krisengebieten.

Gottfried Böhmer ist seit 1997 künstlerischer Direktor der Gesellschaft Freunde der Künste und Redaktionsleiter der GFDK.


RainerKahni

Rainer Kahni – Monsieur Rainer

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Chinas Vision einer Strom-Seidenstraße bis nach Deutschland

Energie aus Asien

Chinas Vision einer Strom-Seidenstraße bis nach Deutschland

Deutschland schickt sich an, seine Energie-Infrastruktur so zu beschädigen, dass wir auf Jahrzehnte hinaus vom Ausland abhängig werden. Im nur scheinbar so fernen China wird dies aufmerksam verfolgt. Dort hat man inzwischen die sich ergebenden Chancen analysiert und denkt darüber nach, wie man diesen lukrativen Markt langfristig mit billigem Strom – vor allem aus Kohle- und Kernkraftwerken – versorgen könnte.

Aus Sicht grüner Energiepolitiker müsste in Deutschland eigentlich alles zum Besten stehen: Dank des Klimavertrags von Paris dürften nach der Kernkraft in Deutschland bald auch die Kohlekraftwerke verboten werden, so dass der Weg frei wird für zügigen weiteren Ausbau der Stromerzeugung aus „erneuerbaren“ Energiequellen wie Wind und Fotovoltaik.

Tod auf Raten. Deutschland legt bis 2022 seine Kernkraftwerke still. Hier das 2015 abgeschaltete KKW Grafenrheinfeld (Foto: Avda, Wikimedia Commons)

Tod auf Raten. Deutschland legt bis 2022 seine Kernkraftwerke still. Hier das 2015 abgeschaltete KKW Grafenrheinfeld (Foto: Avda, Wikimedia Commons)

Allerdings gibt es leider gerade beim Wind teils erheblichen Gegenwind, und das ausgerechnet von Minister Sigmar Gabriel, der eigentlich doch ein langjähriger Frontmann der „grünen“ Energieplanungen ist. Dennoch scheint er sich – zumindest in den Augen der Windlobby – inzwischen vom Motor zum Bremser entwickelt zu haben, wie ein kürzlich in der „Berliner Zeitung“ erschienener Artikel belegt [BEZE].

Durchhalteparolen der EE-Lobby

Schaut man sich den Artikel genauer an, so findet sich darin EE-Lobbyismus in Reinkultur. So wird als Erfolg dargestellt, dass „in den zwölf Monaten zwischen Februar 2015 und Januar 2016 Anlagen mit einer Nettoleistung von knapp 3.600 Megawatt installiert“ worden seien, was „drei Atommeilern“ entspreche. Doch mit der Neufassung des EEG, so der Vorwurf des Artikels, begrenze Gabriel den Ausbau der „Erneuerbaren“ bis 2025 auf lediglich 40 bis 45 %. Damit, so eine im Artikel zitierte Studie, die im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion erstellt wurde, breche der Ausbau der Windenergie schon bald zusammen: „Werden die 45 Prozent angepeilt, könnten nach 2018 nur noch 1500 Megawatt jährlich neu installiert werden, heißt es in dem Papier“. Und Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer wird mit der Aussage zitiert: „Mit der geplanten EEG-Novelle will Sigmar Gabriel sich als Abrissbirne der Energiewende endgültig ein Denkmal setzen“. Während der Rest auf Welt auf Sonne und Wind setze, lege die Bundesregierung den Rückwärtsgang ein – ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, da die Erneuerbaren billig geworden seien.

Die blinde Gier der Profiteure

Bild 1. Zusätzlich zur Netto-Steigerung der installierten Windenergie-Leistung werden in den nächsten Jahren rapide steigende Ersatzinvestitionen erforderlich (Grafik: Autor)

Bild 1. Zusätzlich zur Netto-Steigerung der installierten Windenergie-Leistung werden in den nächsten Jahren rapide steigende Ersatzinvestitionen erforderlich (Grafik: Autor)

Das interessante an dieser Auseinandersetzung zweier Komplizen in Sachen Energiewende ist nicht einmal die Tatsache, dass beide Unrecht haben und die wahren Dimensionen des Problems drastisch unterschätzen. Wollte man die bisherigen „EE“-Ausbauziele der Bundesregierung noch erreichen, so müssten die tatsächlichen Zubauzahlen bei der Windenergie nämlich schon bald auf mehr als 10 GW pro Jahr und letztlich auf auf mehr als 16 GW/ Jahr gesteigert werden [MUEL], Bild 1.

Selbst den Grünen scheint jedoch inzwischen klar zu werden, dass derartige Zuwächse angesichts der Tatsache, dass überschüssiger Strom nicht gespeichert werden kann und die Überlastung der Netze inzwischen in den roten Bereich wandert, schlicht nicht durchsetzbar sind. In Wirklichkeit hat man sich auch dort still und leise vom eigentlichen Ziel der „80 % EE-Anteil bis 2050“ verabschiedet und geht nur noch nach dem Motto vor: „Nimm, was du kriegen kannst“ – bevor der Schwindel endgültig auffliegt und es Zeit wird, schnell zu rennen.
Der Unterschied zur Position von Gabriel besteht hauptsächlich darin, dass dieser aufgrund seiner direkten Regierungsverantwortung deutlicher sieht, wo zum jetzigen Zeitpunkt die Grenzen des finanziell noch Zumutbaren liegen. Im Unterschied zu Hr. Krischer geht es ihm weniger um Profitmaximierung als vielmehr um Wiederwahl. Daran, dass die Ziele des EEG tatsächlich noch erreicht werden könnten, glauben in der deutschen Blockparteienregierung vermutlich nur noch eine gewisse höhere Pfarrerstochter sowie eine resolute Dame, die manchen Meldungen zufolge menschliche Handrücken nicht so recht von Aschenbechern unterscheiden kann.

Aus chinesischer Sicht…

In China, das bereits über Jahre hinweg vom hiesigen „Grünstrom-Hype“ durch Lieferung von Solar- und Windenergieanlagen kräftig profitieren konnte, ist den strategischen Planern längst klar, dass der jetzige Kurs der westlichen Energiepolitik im Desaster enden wird. Dem westlichen Druck zur „Klimarettung durch CO2-Reduktion“ wird China nicht allzu offen entgegentreten. Warum soll man sich unnötig den geballten Zorn des Papstes, Obamas, Merkels sowie etlicher amerikanischer Stiftungen und NGO’s zuziehen? China ist eine Kulturnation, die geschickt genug war, selbst die brutale Herrschaft der Mongolen zu ertragen und sie später abzustreifen wie eine Eidechse ihre alte Haut. Angesichts westlicher Erpressung weicht man lieber aus und wartet auf den richtigen Moment, um den Schwung des Gegners gegen ihn selbst einzusetzen. Also investiert man auch selbst in Windmühlen und Solaranlagen, sogar soviel, dass man damit eine weltweite Spitzenposition einnimmt. Angesichts der Größe des Landes und seiner Bevölkerung ist das verkraftbar. Gleichzeitig baut man jedoch Kohlekraftwerke en Gros: Einem Beitrag der Deutschen Welle ist zu entnehmen, dass von 473 GW Kohlekraftwerks-Kapazitäten, die seit 2010 in Betrieb gingen, rund 85 % allein von China und Indien errichtet wurden [DW]. Und im Rahmen seiner langfristigen Zukunftsstrategie zieht China ein geradezu gigantisches Bauprogramm für Kernkraftwerke durch: Mit Stand Januar 2016 waren dort 40 KKW im Bau. Damit liegt man um Längen vor den Zweit- und Drittplatzierten Russland (25) und Indien (24) [STAT].

sitzt Deutschland zwischen allen Stühlen

Aus Sicht Beijings ist die „Energiewende“ bereits jetzt mit Pauken und Trompeten gescheitert, die spannende Frage ist lediglich, wie lange man das Volk hierüber noch wird belügen können. Die zum Tode verurteilte Kernkraft ist auf Jahrzehnte hinaus so diskreditiert, dass eine Renaissance kaum vorstellbar ist. Selbst wenn man wollte: Es gibt keine entsprechende Industrie mehr. Fachleute wird man bald nur noch in Altersheimen und auf Friedhöfen finden, und die Generation der längst arrivierten Alt-68er und der subventionsverwöhnten Wind- und Solarprofiteure wird diese Technologie auch in Zukunft erbittertst bekämpfen. Das zeigte sich auch am Propaganda-Tsunami, der pünktlich zum 30. Jahrestag des Tschernobyl-Unfalls über sämtliche deutschen Medienkanäle schwappte.
Auch bei den Kohlekraftwerken befindet sich Deutschland längst in einer Todesspirale. Der billigen Braunkohle wurde durch diverse politische Maßnahmen wie der Wegnahme von bereits zugesprochenen Fördergebieten in NRW und den erzwungenen Verkauf der Vattenfall-Aktivitäten im Osten die Existenzgrundlage entzogen. Für Investitionen in Steinkohlekraftwerke wird sich wohl kaum noch ein „nützlicher Idiot“ finden. Zudem ist die Politik dabei, den Stromerzeugern unter dem Vorwand, die Rückbaukosten der Kernkraft zu sichern, auch noch die letzten Barreserven abzuknöpfen. Angesichts von Planungszeiträumen von mindesten 10-15 Jahren wird Deutschland bezüglich seiner Energieinfrastruktur voraussichtlich bis zu 20 Jahre lang gelähmt bleiben.

Strom über die Seidenstraße

Auf der anderes Seite zeichnet sich in China aufgrund erheblicher Investitionen und der Verlangsamung des Wachstums der Volkswirtschaft für die Zukunft ein Überangebot an Erzeugungskapazität ab. Einem Bericht der „Financial Times“ zufolge [FT] entwickelt deshalb Liu Zhenya, der Chef des staatlichen chinesischen Stromnetzbetreibers SGCC, die Vision einer „Seidenstraße für Strom”. Die im Westen kaum bekannte SGCC ist der weltweit siebtgrößte Konzern mit rund 1,5 Mio. Mitarbeitern und hat auf dem Weltmarkt große Ambitionen [WELT]. Der Transport soll über Ultra-High Voltage (UHV)-Fernleitungen erfolgen, die weite Teile Asiens versorgen und sogar bis nach Deutschland reichen sollen. Im Rahmen dieser Planungen sollen gigantische Wasserkraftwerke ebenso zum Einsatz kommen wie Kohle- und Windkraftwerke in Grenzregionen wie z.B. Xinjiang. Dort könne man Strom so günstig produzieren, dass er selbst unter Berücksichtigung der Transportkosten in Deutschland nur halb soviel kosten werde wie einheimisch produzierter. Und für jemanden, der in den Dimensionen eines solchen Riesenreichs denkt, bergen selbst derartig enorme Transportdistanzen keinen Schrecken: Die Luftlinien-Distanz von der Oasenstadt Kashgar bis nach Deutschland sei lediglich 400 km größer als die von Kashgar bis zum chinesischen Finanzzentrum Shanghai. EnergiewendeChina_Bild_3Und im Unterschied zu deutschen Vorständen der Stromwirtschaft, die sich weniger durch Sachkunde denn durch Unterwürfigkeit gegenüber der Politik auszeichnen, wird Liu Zhenya als jemand beschrieben, der seine Karriere dem Aufbau der UHV-Technologie verdankt – auch wenn er sich dadurch mit einer Reihe von Umweltaktivisten anlegen musste. Dass Liu Zhenya bei seinen auf Deutschland gemünzten Ausführungen das Thema Kernkraft ausklammert, zeigt deutlich, wie gut er die Lage und die Befindlichkeiten in Deutschland einzuschätzen vermag. Chinas Kaufleute galten schon immer als besonders geschickt.
Bei solchen deutschen Drehstrom-Fernleitungen ist bei 380.000 V Schluss. China arbeitet dagegen an UHV-Leitungen, die mit bis zu 1,1 Mio. V Energie über viel größere Entfernungen transportieren

Bereits jetzt, so der FT-Bericht, zeichneten sich Erfolge dieser Politik ab. So wurde kürzlich ein „Memorandum of Understanding“ mit Südkorea sowie der japanischen SoftBank unterzeichnet, das ein vernetztes Stromnetz in Nordostasien befördern soll. Weitere potenzielle Märkte für chinesischen Strom sind Pakistan, Indien und Myanmar.

Fred F. Mueller

Quellen:

[BEZE] http://www.berliner-zeitung.de/wirtschaft/windenergie-die-bundesregierung-legt-bei-energiewende-den-rueckwaertsgang-ein-23846294
[DW] http://www.dw.com/en/china-india-pouring-cash-into-coal-plants-that-may-not-be-used/a-19156066
[FT] http://www.ft.com/cms/s/0/68cdef50-f66a-11e5-803c-d27c7117d132.html#axzz45pCiHtXg
[MUEL] http://www.eike-klima-energie.eu/climategate-anzeige/energiewende-plan-und-orientierungslos-im-nebel/
[STAT] http://de.statista.com/statistik/daten/studie/157767/umfrage/anzahl-der-geplanten-atomkraftwerke-in-verschiedenen-laendern/
[WELT] http://www.welt.de/wirtschaft/article149840658/China-plant-ein-Stromnetz-fuer-die-ganze-Welt.html

 


Ruhrkultour Leseempfehlung:

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Der Ingenieur Michael Limburg und der Wissenschaftsjournalist Fred F. Mueller erklären in einfachern, auch für Laien leicht verständlichern Weise, wie unser Stromversorgungssystem funktioniert.

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Russland: Ein kommender globaler Energieriese?

Fakten, die man nicht ignorieren sollte

Russland: Ein kommender globaler Energieriese?

Europäische und insbesondere deutsche Medien beschränken sich in ihrer Berichterstattung über Russland und die dortigen Verhältnisse zumeist auf mehr oder weniger herabsetzende Charakterisierungen. Man vermittelt den Eindruck eines rückständigen, diktatorisch regierten Entwicklungslandes, das nur dank seiner Atomwaffen und seines Rohstoffreichtums lebensfähig sei. Abweichende Stimmen werden als „Putinversteher“ abqualifiziert. Wie wirksam diese flächendeckende Meinungsmache ist, kann man an den Kommentarspalten wichtiger Online-Medien erkennen, wo oft kübelweise Hohn und Spott in Richtung Osten abgelassen werden. Die Frage, ob man möglicherweise irgendwann gezwungen sein könnte, aus genau dem Brunnen zu trinken, den man zurzeit nach Kräften verunreinigt, scheint sich niemand zu stellen.

In diesem Chor ablehnender und abwertender Stimmen sind selten nachdenkliche Töne zu vernehmen. Eine Rolle spielt hier sicherlich die von einer höheren Pfarrerstochter maßgeblich bestimmte deutsche Politik. So war erst vor wenigen Tagen aus dem Kanzleramt zu hören, dass die G8 tot seien [SPIE]. Als Begründung wird angeführt, dass Moskau keine Anzeichen dafür zeige, die „Bedingungen für eine Rückkehr“ zu erfüllen. Und zudem seien die Amerikaner strikt gegen eine Wiederaufnahme. Begriffe wie „Interessenlage Deutschlands“ oder „Realpolitik“ finden sich in solchen Meldungen kaum. Der maßgeblich von Deutschland initiierte europäische Konsens beinhaltet eine einfache Kernbotschaft: Der ungezogene Rüpel hat so lange weiter in der Ecke zu stehen, bis der Schulmeister seine Meinung ändert. Konsequenzen für sich selbst scheint man in Berlin oder Brüssel nicht zu befürchten.
Auch die Medien schlagen nahezu flächendeckend in diese Kerbe. Die deutschen „Think Tanks“ scheinen statt nüchterner Analysen vornehmlich ideologische Begründungen für die Politik zu liefern. Vermutlich die einzige Möglichkeit, auch weiterhin Aufträge zu erhalten. Anscheinend muss man bis in die USA gehen, um Analytiker zu finden, die diesbezüglich öffentlich eine differenziertere Meinung vertreten. Einer von diesen ist Scott L. Montgomery von der Jackson School of International Studies der University of Washington, der in einem kürzlich in der „Huffington Post“ veröffentlichten Beitrag Fakten darlegte, mit denen man sich vielleicht näher beschäftigen sollte [HUPO]. Statt einer wörtlichen Übersetzung wurde für die folgende Darstellung die Form einer teils recht freien, eher sinngemäßen Interpretation gewählt. Diese Bereiche sind durch kursive Schrift kenntlich gemacht. Für Passagen, welche die persönliche Einschätzung des Autors wiedergeben, wurde dagegen normale Schrift gewählt. Auch Zwischenüberschriften stammen vom Autor.

Was hat denn Russland überhaupt zu bieten?

Bohrturm für eine Gasexploration

Bohrturm für eine Gasexploration

Zunächst warnt S. Montgomery davor, Russland als ein Land einzustufen, das seine Macht lediglich seinem Reichtum an Kohlenwasserstoffen – sprich Erdöl und Erdgas – verdanke. Eine solche Charakterisierung als „Petrostaat“ sei zu einseitig. In Wirklichkeit baue sich das Land nämlich als eine völlig neue Art von Energielieferant auf und gewinne dadurch mehr globalen Einfluss als selbst die Opec. Grund für den Unterschied sei Russlands Bedeutung auf einer Vielzahl entscheidender Energiesektoren, allen voran Öl, Gas, Kohle und Kernkraft. Diese breitgefächerte Energiestrategie, die auf fossile Brennstoffe ebenso setzt wie auf ein wiedererstarktes Nuklearprogramm, habe geopolitische ebenso wie wirtschaftliche Auswirkungen nicht nur für Russlands europäische Nachbarn, sondern auch für sich entwickelnde Nationen in der ganzen Welt.

Exportweltmeister bei Öl und bei Gas

In der Diskussion über das Verhältnis zu Russland werde oft übersehen, mit was für einem Riesen auf dem Öl- und Gassektor man es hier zu tun hat. Vielfach wird gar nicht zur Kenntnis genommen, dass dieses Land nach Saudi-Arabien der weltweit zweitgrößte Erdölexporteur ist. Noch bedeutender als beim Erdöl ist seine Rolle auf dem besonders zukunftsträchtigen Erdgassektor, wo es aktuell der mit Abstand dominierende Exporteur ist. Trotz zahlreicher Warnungen, dass die jetzigen hohen Pumpraten auf Dauer nicht durchzuhalten seien, gebe es keine Anzeichen für eine Änderung. Ein Grund hierfür sei sicherlich die kombinierte Wirkung des aktuellen Verfalls der Ölpreise sowie der im Zusammenhang mit der Ukraine verhängten Sanktionen. Dadurch wurden sowohl der Staat als auch die Wirtschaft schwer getroffen. Vorerst scheine dem Land nichts anderes übrigzubleiben, als weiterhin sein hohes Förderniveau beizubehalten.

Mittelfristige Stabilisierung

Rohre für eine Bohrlochauskleidung

Rohre für eine Bohrlochauskleidung

Trotz dieser Probleme hat das Land eine Gegenstrategie gefunden, die es ihm erlauben dürfte, die Auswirkungen abzufedern und sich langfristig sogar in eine bessere Ausgangsposition zu bringen. So hat Russland fortschrittliche neue Methoden zur Verbesserung der Ausbeute bei älteren Feldern eingesetzt und konnte dadurch den Rückgang ihrer Produktion kompensieren. Ergänzt wurde dies durch neu erschlossene Vorkommen im ostsibirischen Becken sowie auf der Sachalin-Insel. Diese Kombination hat es Russland ermöglicht, seine Produktion langsam, aber stetig zu steigern.

Raffination auf Rekordniveau

Ein weiterer wesentlicher Unterschied zwischen Russland und vielen anderen ölexportierenden Ländern betrifft die Tatsache, dass die Russen nicht nur die reinen Rohstoffe Öl und Gas liefern, sondern auch raffinierte Produkte wie Benzin oder Treibstoff für Flugzeuge, die sowohl nach Europa als auch nach Asien exportiert werden. Interessant ist hieran schon allein der Umfang: Russland ist auf diesen Schlüsselsektoren bereits seit mehr als einer Dekade der weltgrößte Exporteur und liefert mehr als die gesamte OPEC zusammengenommen. Nur die USA haben aufgrund ihres Booms im Schiefergasbereich ähnliche Zahlen vorzuweisen. Dank dieser zusätzlichen Prozessschritte in der Wertschöpfungskette ergeben sich weitere Verdienstmöglichkeiten, so dass ein höherer Anteil der erzielten Verkaufserlöse im eigenen Land verbleibt.

Niemand kennt die wahren Reserven

Die entscheidende Frage im Zusammenhang mit Russland ist die nach der tatsächlichen Höhe der vorhandenen Reserven. Hierzu scheint es im Ausland keine wirklich verlässlichen Zahlen zu geben. Diverse Anzeichen sprechen allerdings dafür, dass sie bedeutend sein könnten. Und sie werden in der jetzigen Situation unattraktiver Preise geschont. So hat Russland beispielsweise die Inangriffnahme zahlreicher neue Öl- bzw. Gasprojekte schlicht verschoben und eher darauf gesetzt, den Förderstrom aus den vorhandenen Bohrlöchern mithilfe moderner Fördertechnologien zeitlich zu verlängern. Für neue Märkte in Asien hat man gleich auf neue Vorkommen in Ostsibirien und auf der Insel Sachalin zurückgegriffen. Das Problem für den Westen ist die Tatsache, dass man dort nicht weiß, über welche Reserven an Kohlenwasserstoffen Russland wirklich verfügt. Unter der Arktis dürften noch riesige unerschlossene Vorkommen schlummern, und auch unter dem Kaspischen Meer, dem Nordkaukasus sowie Teilen von Ostsibirien sowie Sachalin werden noch große Ressourcen vermutet. Hinzu kommt noch enormes Potenzial für Schieferöl und -gas in Westsibirien.

Im Visier der Saudis?

Viele Beobachter haben Mühe, die aktuellen politischen und wirtschaftlichen Manöver der Außen- und Wirtschaftspolitik Saudi-Arabiens einzuordnen. Die aggressive Förderpolitik schadet sowohl Freund (USA, übrige OPEC-Staaten) als auch Feind (Iran und Russland). Militärisch hat man sich im Jemen in eine kriegerische Auseinandersetzung verwickeln lassen, die nicht so glorreich zu verlaufen scheint, wie man sich das vermutlich erhofft hatte. Die Erfolge des von den Saudis unterstützten und finanzierten Aufstands in Syrien wurden durch das Eingreifen russischer Truppen in vergleichsweise kurzer Zeit weitgehend zunichte gemacht. Und das früher enge Verhältnis zu den USA ist mittlerweile deutlich komplizierter geworden. Insgesamt ist eine sehr unübersichtliche Gemengelage verschiedenster Machtfaktoren und geopolitischer Interessen entstanden, die nur schwer zu interpretieren ist. Einigen Aspekten sollte man jedoch Aufmerksamkeit schenken.
Saudi-Arabien hat seine Preis- und Förderschlacht losgetreten, als Russland durch die Ukrainekrise und westliche Boykotte bereits geschwächt und isoliert wirkte. Dennoch scheint Moskau bisher imstande zu sein, der von Saudi-Arabien entfesselten Mengen- und Preisschlacht standzuhalten. Tatsache ist, dass Russlands Wirtschaft zwar angeschlagen, aber noch längst nicht K.O. zu sein scheint und die Devisenreserven weitgehend stabil sind, während die Goldbestände sogar zunehmen. Das berechtigt zu Spekulationen über die tatsächliche Größe der russischen Reserven.
Auf der anderen Seite scheint nämlich auch Saudi-Arabien nicht ohne Blessuren davonzukommen. So gibt es Meldungen über wirtschaftliche Probleme, und die kürzliche Ankündigung, sich vom Öl abwenden zu wollen, wirft eine Menge Fragezeichen auf. Hinzu kommen Rückschläge auch auf außenpolitischem Gebiet. Es ist den Saudis nicht gelungen, die Aufhebung der Isolation Teherans zu verhindern, und im Jemen hat man sich in eine Lage manövriert, aus der man so schnell nicht herauszukommen scheint. Die schnelle und erfolgreiche Militärkampagne der Russen in Syrien ist auch ein Signal an Riad. Zudem sollte zu denken geben, dass Russland im gleichen Zusammenhang bereit war, finanzielle Verluste in zweistelliger Milliardenhöhe in Kauf zu nehmen, als die Türkei sich in die Auseinandersetzung in Syrien einmischte. Die Schnelligkeit und Härte der russischen Reaktion gegenüber Ankara zeugt nicht unbedingt von Schwäche, weder was Finanzen noch was politische oder militärische Macht angeht. Bei aller gebotenen Vorsicht könnte man in all dem Anzeichen dafür sehen, dass das Wüstenkönigreich mit Moskau an einen Gegner geraten ist, der ihm auf seinem ureigensten Gebiet – dem Erdöl – auf Augenhöhe zu begegnen scheint.

Erdgas als Trumpf

Ein ganz entscheidender Trumpf in der Hand Moskaus ist in diesem Zusammenhang das Erdgas. Unter den Kohlenwasserstoffen ist dies die höherwertige Energiequelle. Ergiebige Erdgasvorkommen sind wesentlich rarer gesät als solche des Erdöls. Hier ist Russland nicht nur der mit Abstand größte Exporteur, sondern verfügt auch über rund 25 % der weltweit bekannten Reserven. In einer Welt, die nach COP21 versuchen will, aus Klimaschutzgründen ihren Primärenergiebedarf eher aus Erdgas statt aus Kohle oder Erdöl zu decken, wird deshalb in Zukunft wohl kein Weg an Russland vorbeiführen.
Europa ist bezüglich seines Bedarfs an Kohlenwasserstoffen – insbesondere bezüglich Erdgas – zu 30 % von Russland abhängig. Bei fast der Hälfte der europäischen Länder einschließlich Deutschlands liegt die Abhängigkeit mit Werten zwischen 40 und 100 % noch deutlich höher. Offizielle Verlautbarungen, dass diese Abhängigkeiten abgebaut würden, haben sich bisher wohl als hohle Phrasen erwiesen. Die Realität spricht in Form erhöhter Importe eine andere Sprache. Die wirtschaftliche Schwäche Europas hat es gezwungen, lieber preiswertes Pipeline-Erdgas aus Russland zu beziehen als das teurere Flüssiggas aus Übersee.
Ostasien befindet sich diesbezüglich in einem früheren, aber bereits jetzt wesentlichen Stadium eines ähnlichen Abhängigkeitsverhältnisses. So bezieht Japan, der weltweit größte Flüssiggasimporteur, inzwischen rund 10 % seiner Lieferungen aus Russland, versucht aber dessen ungeachtet, weitere Verträge abzuschließen.
Als Fazit bleibt festzuhalten, dass Lieferungen von russischem Öl und Gas für die Mehrzahl der fortgeschrittensten Volkswirtschaften der Welt unverzichtbar geworden sind. Sollten die Vorhersagen der International Energy Agency (IEA) und vergleichbarer Organisationen zutreffen, so wird die Nachfrage nach Erdgas in den nächsten Jahrzehnten zunehmen.

Abkehr von Europa bei Öl, Gas…

Mit Blick auf die internationale Ausrichtung russischer Energieexporte sind Anzeichen einer für Europa nachteiligen Entwicklung nicht zu übersehen. Während russisches Öl und Gas aus vorhandenen Quellen zurzeit weiterhin nach Europa fließen, findet nach und nach eine Verschiebung nach Asien statt. Schwerpunkte sind hierbei China, Japan und Südkorea. Neue Vorkommen und neue Pipelines werden vor allem mit Blick auf Asien erschlossen bzw. gebaut.
Bisherige russische Versuche einer Verbesserung der Liefersituation für Europa scheinen dagegen vorerst weitgehend auf Eis zu liegen. Die South Stream-Pipeline wurde auf Betreiben der EU gestoppt, als das Rohrmaterial schon bestellt war. Das erratische Verhalten eines aufstrebenden Despoten am Bosporus, an den sich Europa auf Betreiben einer gewissen Dame mit Betonkopf und Blondfrisur gegen jede Vernunft binden möchte, hat zudem dafür gesorgt, dass auch die Planungen für eine Ausweichroute nachhaltig gestört sind. Hierzulande scheint man nicht zu begreifen, dass Pipelines extrem teure und deshalb entsprechend langfristig ausgelegte Infrastrukturprojekte darstellen. Hat man einen potenziellen Investor einmal „überzeugt“, dass er sein Geld und seine Ressourcen besser woanders einsetzen sollte, so wird man ihn später in der Regel nur mit größter Mühe dazu bringen können, diese Entscheidung noch einmal zu überdenken. Hier haben unsere Politiker recht gewichtige Hypotheken aufgenommen.

…und auch bei der Kohle

Schreitschilde stützen die „Decke“ im Untertage-Kohlebergbau und schützen so die Kumpel

Schreitschilde stützen die „Decke“ im Untertage-Kohlebergbau und schützen so die Kumpel

Diese Verschiebung der russischen Interessenschwerpunkte lassen sich auch beim Export von Steinkohle feststellen, einem weiteren Energiesektor, auf dem das Land eine weltweit führende Rolle spielt. Die in Russland vorhandenen Reserven sind die weltweit zweitgrößten und werden nur noch von denjenigen der USA übertroffen. Auch wenn die USA ihre Kohleindustrie derzeit vor die Wand fahren und Europa aus Klimaschutzgründen aus der Kohleverstromung aussteigen möchte, gibt es weltweit genügend Abnehmer.
Seit dem Jahr 2000 hat sich das Exportvolumen von 45 Mio. t/a auf über 150 Mio. t/a mehr als verdreifacht. Damit liegt Moskau hinter Indonesien und Australien weltweit auf dem dritten Platz. Ähnlich wie bei den Kohlenwasserstoffen gehen diese Exporte sowohl nach Westen wie auch nach Asien, doch liegt der Anteil von China, Japan und Südkorea bereits bei mehr als 40 % und nimmt weiter zu. Wachsende Nachfrage gibt es auch aus Indien und Südkorea sowie einer Reihe von Ländern in Südostasien. Russland profitiert hierbei von seiner geographischen Lage, die es ihm erlaubt, seine Exportmärkte sowohl im Westen als auch im Osten zu suchen.

König Kernkraft?

Einen massiven Ausbau betreibt Russland darüber hinaus im Bereich der Kernenergie. Die staatliche Nuklearfirma Rosatom hat seit 2010 Verträge und Kooperationsabkommen mit mehr als zwei Dutzend Ländern abgeschlossen. Diese betreffen die erstmalige Errichtung von Kernkraftwerken im jeweiligen Land. Darüber hinaus übernimmt Russland auch den Betrieb und die Versorgung mit Kernbrennstoff.
Zu den Vertragspartnern gehören nicht etwa die reichsten Länder, da diese meistens bereits über Nuklearenergie verfügen. Stattdessen finden sich darunter Länder wie Vietnam, Myanmar, Bangladesh, Armenien, die Türkei, Jordanien, Saudi-Arabien sowie Ägypten. Keines dieser Länder ist bisher Mitglied im „Nuclear Power“-club.
Es gibt eine Reihe wichtiger Gründe, weshalb diese sich entwickelnden Länder Interesse an Kernkraft haben: Steigender Bedarf an elektrischer Energie, der Wunsch nach CO2-freier Stromerzeugung und Sorgen um die künftige Sicherheit der Energieversorgung. Damit ist, klar, dass ungeachtet einer Stagnation oder sogar eines Rückgangs der Kernkraftnutzung in westlichen Ländern ihr Einsatz in diesen sich entwickelnden Ländern stark zunehmen wird.
Im März dieses Jahres vermeldete die World Nuclear Association, dass aktuell 65 Reaktoren im Bau sind und weitere 173 in den Auftragsbüchern standen oder geplant waren. Die meisten waren für China, Indien oder Russland selbst vorgesehen. Aber über diese Zahlen hinaus, die allein für sich mehr als ausreichen, um alle Kernreaktoren zu ersetzen, die in die nächsten Dekaden möglicherweise stillgelegt werden könnten, gibt es 337 weitere Reaktoren, die zurzeit in der Diskussion stehen. Ihre Standorte liegen in 50 Nationen, von denen 31 bereits Kernkraftprogramme haben. Hierzu gehören die meisten oben bereits genannten Länder, die bereits Verträge oder Vereinbarungen mit Russland haben. Darüber hinaus gibt es aber weitere Interessenten in Afrika, Südostasien und Südamerika, die durchaus zu einem späteren Zeitpunkt in die Kernenergie einsteigen dürften.

Grafische Darstellung des modernen russischen Kernkraftwerks der Generation 3+ in Novoworonesch (http://www.rosenergoatom.ru/media/files/magazine/REA0_0108.pdf (Seite 32/33)) Original uploader was TZV at de.wikipedia)

Grafische Darstellung des modernen russischen Kernkraftwerks der Generation 3+ in Novoworonesch, Rosenergoatom (pdf, Seite 32/33)) Original uploader was TZV at de.wikipedia)

Entscheidend ist in diesem Zusammenhang, dass Russland bereits bewiesen hat, dass es imstande ist, am Wettbewerb für einen großen Anteil an diesem neuen, rasch wachsenden globalen Markt teilzunehmen [ROSA]. Die Globalisierung der Nukleartechnologie hat Russland die Möglichkeit eröffnet, erfolgreich gegen Anbieter aus Japan, Südkorea, Frankreich, den USA und demnächst auch China und Großbritannien anzutreten.
Allerdings hat Russlands keine Garantien für Erfolg auf diesem Gebiet. So plant beispielsweise Saudi-Arabien die Errichtung von 16 Kernreaktoren bis 2035 und hat eine ganze Reihe von Angeboten sowohl für kleinere als auch für größere Anlagen von Russland, Japan und Südkorea eingeholt. Dennoch zeigt sich, dass die Bedeutung Russlands als Lieferant sowohl von Nukleartechnologie als auch von entsprechenden Brennstoffen in Zukunft auf jeden Fall zunehmen dürfte. Das Resultat könnte eine Machtposition Moskaus in vielen Teilen der sich entwickelnden Welt sein, welche die Sowjetunion niemals erreichen konnte.

Sehr interessant ist in diesem Zusammenhang auch eine kürzliche Analyse der südafrikanischen IOL, die sich mit der russischen Nuklearpolitik in Afrika beschäftigt [SUED]. Mit Ausnahme des bereits gut industrialisierten Südafrikas verfügen die südlich der Sahara gelegenen Länder Afrikas nur über rund 28 GW an Kraftwerkskapazität, gerade einmal soviel wie Argentinien. Nur ein Viertel der Bevölkerung hat Zugang zu elektrischem Strom, und die Versorgung ist sehr unzuverlässig. Diesem Mangel wollen Afrikas Länder durch Bau von Kernreaktoren begegnen.
Algerien plant demnach den Bau von 2 KKW mit 2.400 MW, in Ägypten geht es um 4 KKW mit 4.800 MW, Ghana 1 KKW mit 1.000 MW, Kenya 4 KKW mit 4.000 MW, Marokko 1 KKW, Nigeria 4 KKW mit 4.000 MW und Südafrika will 6-8 Reaktoren mit insgesamt 9.600 MW errichten.
Russland ist dieser Quelle zufolge der weltweit größte Exporteur von Nukleartechnologie mit einem Anteil von 25 % aller derzeit gebauten Kernkraftwerke. Darüber hinaus hat Moskau zweistellige Prozentanteile an der Konvertierung und Anreicherung von Uran, an der Lieferung von Kernbrennstoffen und an der Wiederaufbereitung abgebrannter Brennstäbe. Die Exporterlöse von Rosatom lagen im vergangenen Jahr bei 6,4 Mrd US-$, während das Gesamtvolumen der bis 2030 vorliegenden Auslandsaufträge 110 Mrd US-$ erreichte.

Eine ernstzunehmende Energiegroßmacht

Viele, vermutlich sogar die meisten der hier besprochenen Beziehungen, die sich auf Energielieferungen gründen, sind zweifellos primär kommerzieller Natur. Noch ist nicht abzuschätzen, wie sich viele derjenigen, die sich auf Öl und Gas beziehen, auf Dauer entwickeln werden, vor allem dann, wenn sich die aktuelle Preisschwäche zu einem Dauerzustand entwickeln sollte.
Aus Russland entwickelt sich augenscheinlich – und das vermutlich für zumindest die kommende Dekade – eine Energiegroßmacht, deren Einflussmöglichkeiten weit über rein kommerzielle Aspekte hinausreichen. Zwar scheinen die langfristigen Auswirkungen dieser Entwicklung noch nicht klar zu sein, doch zeichnet sich hier ein Machtfaktor ab, den man tunlichst nicht auf die leichte Schulter nehmen, sondern nüchtern und mit kühlen Kopf analysieren sollte.
Denn unabhängig von der Frage, in welcher Form sich im Osten ein neues „Energieimperium“ herauskristallisieren sollte: Über Hebel für mehr Macht und Einfluss werden die Herrscher in Moskau auf jeden Fall verfügen. Als Nation, die dabei ist, sich selbst energiepolitisch bis herauf zum Bauchnabel zu kastrieren, wäre Deutschland gut beraten, mit diesem künftigen Kraftzentrum der Weltpolitik vorsichtig umzugehen. Die jetzige weitgehende Unterwerfung Deutschlands unter die geopolitischen Interessen und Machtspiele eines außereuropäischen Landes, dessen Interesse sich nach eigenem Bekunden verstärkt weg von Europa und mehr auf den pazifischen Raum richtet, erscheint in diesem Umfeld riskant. Denn egal was wir uns wünschen mögen: Russland wird in jedem Fall unser naher Nachbar bleiben. Im Guten ebenso wie im Schlechten.
 
Fred F. Mueller
 
Quellen:

[HUPO] http://www.huffingtonpost.com/the-conversation-us/russia-a-global-energy-po_b_9693032.html
[ROSA] http://wirtschaftsblatt.at/home/nachrichten/europa_cee/4981378/AtomExport_Rosatom-sieht-sich-technologisch-an-der-Weltspitze
[SPIE] http://www.spiegel.de/politik/ausland/russland-wird-nicht-wieder-in-g8-gruppe-aufgenommen-a-1090030.html
[SUED] http://www.iol.co.za/business/news/africas-big-nuclear-ambitions-lure-russia-2019026
 
Titelfoto: BN-800, Rosenergoatom

 


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Infraschall Schwingungsmessdaten – Prüfpegel für betroffene Menschen

InfraschallRolf Günther, Versuchsingenieur mit vielen Berufsjahren Erfahrung in der Schwingungstechnik, geht davon aus, dass der Mensch Infraschall nicht nur bis 16 Hz, wie angenommen wird, oder bis 8 Hz noch hört, sondern noch weiter herunter. Neue Richtlinien für Windenergieanlagen erfordern die Erhebung von Schwingungsmessdaten, die den Infraschallanteil und den Schalldruckpegel von Windenergieanlagen zeigen. Diese Daten können ein Prüfpegel für die betroffenen Menschen ein.

Ich gehe davon aus, dass – wie immer – zur Feststellung der Hörschwelle sinusförmige Frequenzen, also ohne Oberwellen verwendet wurden. Windkraftanlagen erzeugen aber von Natur aus Oberwellen, die z.B. bei 4 Hz pulsieren.
Bisher fehlen noch immer Aussagen über den Infraschallanteil und den Schalldruckpegel, den Windkraftanlagen erzeugen. In der Machbarkeitsstudie zu Wirkungen von Infraschall (Herausgeber, Umwelt Bundesamt 40/2014) werden diese Dinge angesprochen.

Hier ein Zitat aus der Machbarkeitsstudie (Seite 25):

Auch wenn zunächst hilfsweise die Hörschwelle als Maßstab herangezogen wird, bleiben noch Fragen offen.
Die den Standards zugrunde gelegte Hörschwelle beruht auf Messungen bei Normalhörenden mit einzelnen Sinustönen. Es kann aber gezeigt werden, dass komplexe Geräusche auch schon dann wahrnehmbar sind, wenn die einzelnen Komponenten unterhalb der Hörschwelle liegen.
Eine weitere Diskrepanz besteht darin, dass die tieffrequenten Geräusche häufig in der Amplitude stark schwanken (soz. Pulsieren) und damit Adaptionsvorgänge im Gehör auslösen, die ebenfalls zu einer erhöhten Wahrnehmung führen. Über dies hinaus scheinen die tieffrequenten Schalle und der Infraschall bei längerer Exposition bei den Betroffenen zu einer erhöhten Wahrnehmung zu führen.
Weiteres zum dem Thema “komplexe Geräusche”. Machbarkeitsstudie: Seiten 14, 15, 26, 44, 45, 63, 75, 111, 116, 117, 118

Einige Male wird in dem Dokument die Psychoakustik zwar erwähnt, findet aber ansonsten keine Beachtung und Anwendung. Auch die durch WEA`s erzeugten Erschütterungen werden nicht berücksichtigt.

Desweiteren erzeugen Windenergieanlagen mechanische Schwingungen. Das bedeutet, dass neben dem emittierten Luftschall auch Körperschall über das Erdreich übertragen wird, und sich als Immissionen in Gebäuden bemerkbar macht. Der Körperschall breitet sich im Erdreich wellenförmig über große Entfernungen aus und kann sich von dort über das Fundament in Gebäude übertragen. In den Gebäuden selbst können durch die Wellen des Luft- und Körperschalls Schwingungen auftreten, die Wände und Decken in ihren Resonanzen anregen. Diese “Vibration” kann der Mensch über den Hör- und Tastsinn wahrnehmen. Werden durch die Schwingungen der Decken und Wände hörbare Schallwellen erzeugt, spricht man von sogenanntem “sekundären Luftschall”. Diese Immission erzeugt letztendlich in geschlossenen Räumen stehende Wellen, wodurch der Schalleindruck noch verstärkt wird. Dieser tieffrequente Luftschall und der Körperschall (Dauererschütterungen) können also als Störschall auch in großen Entfernungen vom Emissionsort – gerade nachts – innerhalb von Gebäuden – hör- und oder fühlbar werden. Es gibt genügend Beispiele die das belegen.

Von Körperschall ist allerdings in der PTB – Untersuchung keine Rede.

Zum Schluss möchte ich noch auf folgendes aufmerksam machen:
Windenergieanlagen, kurz WEA`s genannt, sind Maschinen mit riesigen Ausmaßen und müssten auch schwingungstechnisch als ganze Einheit behandelt werden (ganz neu: Richtlinie VDI 3834 Beurteilungsmaßstäbe für mechanische Schwingungen von WEA`s).
Der Grund dieser neuen Richtlinie besteht darin, die Lebensdauer und Ausfallwahrscheinlichkeit von WEA`s zu verbessern. Und dazu sind detaillierte Schwingungsmessdaten erforderlich, die wiederum Infraschallanteil und den Schalldruckpegel von WEA`s zeigen. Hat man diese Daten, so kann man sie als Prüfpegel für die betroffenen Menschen verwenden.

Rolf Günther

 

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