Umweltschützer gegen Landschaftszerstörung in Griechenland

Landschaftszerstörung durch Windkraftindustrieanlagen im Pindos

Umwelt- und Naturschützer in Griechenland nennen das geplante Bauvorhaben der Windindustrie in Griechenland das “Armageddon der griechischen Berge”.

Die Erlaubnis zum Bau von zwei Windkraftprojekten im Agrafa-Gebiet wurde offiziell erteilt. Windkraftgegner sammeln Unterschriften, um das Projekt zu stoppen.

 

Pindos

Agrafa gehört zum Pindos oder Pindos-Hochgebirge, das sich über mehr als 150 Kilometer in nord-südlicher Richtung erstreckt. Das Pindosgebirge scheidet die griechische Landschaft Epirus im Westen von Makedonien und Thessalien im Osten. Im Norden reicht es bis nach Albanien hinein.

Der Pindos ist die Wasserscheide zwischen dem Ionischen Meer und dem Ägäischen Meer. Mit 2632 m ist der Smolikas der höchste Pindosgipfel und der zweithöchste Berg Griechenlands nach dem Olymp. Er gehört wie die Bergmassive Grammos, Tymfi, Smolikas und Mitsikeli zum nördlichen Pindos.

Im Pindosgebirge befindet sich auch die Vikos-Schlucht. Der Vikos-Aoos-Nationalpark im Nordwesten und der Pindos-Nationalpark in Westmakedonien sind für Wanderer von Interesse. Östlich des Pindosgebirges sind vor allem die Meteora-Klöster von touristischem Interesse.

Im Südosten geht der Pindos ins Agrafa-Gebirge über. Im südlichen Pindos findet sich zum Beispiel das Lakmosmassiv und der zum Skifahren genutzte Tymfristos.

Zwei große Windkraftanlagen sollen auf den unberührten Gipfeln von Agrafa auf 1.600 bis 2.000 Metern Höhe gebaut werden.

 

Keine Windkraftindustrieanlagen in Agrafa

Ortsansässige Unternehmen, Vereine und Organisationen lehnen die Entstehung eines “Windparks” in Agrafa entschieden ab. Sie befürchten eine Kettenreaktion. Wenn diese Arbeiten ausgeführt würden und Agrafa “besetzt” sein werde, wäre dadurch die Tür für die totale Überbauung Dutzender von Pindos Bergen geöffnet. Der Bau in Agrafa sei nur der Anfang, denn den Plänen zufolge wären alle Bergrücken von Evritania bis Argithea von Windenergieanlagen bedeckt.

“Wir dürfen nicht zulassen, dass der Agrafa-Kamm, das Herz des südlichen Pindos-Gebirges, von Windkraftanlagen bebaut wird!”, heißt es in einer Bürgerpetition, die an den griechischen Premierminister Alexis Tsipras, den Minister für Umwelt und Energie Giorgos Stathakis, den stellvertretenden Minister für Umwelt und Energie Socrates Femmelos gerichtet ist. Sie werden gebeten, die Genehmigungen für die Installation von Windanlagen auf dem historischen Kamm von Niala Agrafa aufzuheben. Die gebirgige natürliche und kulturelle Umgebung von Agrafa solle als wertvolles Gut für die heutigen und zukünftigen Generationen erhalten bleiben.

 

Ökotourismus anstatt Windindustrie

Die bergige Gegend von Pindos, in deren Herzen sich Agrafa befindet, sei eine der saubersten Gegenden Europas. Die nachhaltige Entwicklung in diesem Bereich sollte die Ausweitung des Ökotourismus, der Viehzucht und anderer traditioneller Aktivitäten umfassen, um die Aussicht auf eine Erholung der menschlichen Bevölkerung zu schaffen und somit zum Erfolg der Wirtschaft beitragen.

Agrafa sei ein geschütztes Natura-Gebiet, sagen die griechischen Umwelt- und Naturschützer. Die negativen Konsequenzen durch den Bau seien unberechenbar.

Der Bau der Anlagen habe aber noch weitere Konsequenzen. Der Transport riesiger Windkraftanlagen, fernab von bestehenden Straßen und der Stromversorgung, erfordere  den Bau endloser Straßen und Hochspannungsfreileitungen in dichten Kiefernwäldern und unberührten Alpenwiesen, in Landschaften mit großen Hängen und Flüssen. Dies werde katastrophale Folgen für die Landschaft und die seltene Flora und Fauna der Region haben. Ein Abschnitt der 3,8 km langen Hochspannungsleitung werde durch die “Landschaft der besonderen Naturschönheiten” (LOSB) des Lago Plastira-Gebiets verlaufen und der Gefahr von Bränden in Gebieten ausgesetzt sein, die bisher für solche ernsten Gefahren nicht anfällig waren.

 

Verpflichtungen des Landes zum Schutz der natürlichen Umwelt

Die griechischen Umwelt- und Naturschützer erinnern an die Verpflichtungen des Landes, die natürliche Umwelt zu schützen. Diese Auflage werde untergraben, da alle großen Säugetiere Griechenlands und fast alle seltenen und geschützten Raubtiere im unberührten gebirgigen Ökosystem leben. Das Gebiet sei nach griechischem und europäischem Recht als Schutzgebiet für die Vogelwelt deklariert. Die Umweltstudien seien unvollständig und in der Regel Kopien von älteren Studien. Sie seien nicht ihren Namen wert.

Viele Organisationen und Bürger widersetzten sich vehement diesem Plan, sagen die Initiatoren der Petition, aber der Investitionsdrang treibe den Staat dazu, eine solche kriminelle Zerstörung zu akzeptieren..

“Wir werden die Zerstörung von Agrafa im Namen einer vermeintlich “grünen Entwicklung” nicht zulassen!” heißt es in dem Aufruf. Unterzeichnet ist die Petition von “Netzwerk von Wächtern und Bürgern zum Schutz von Agrafa” und “Bürgerbewegung zum Schutz der Evritanischen Umwelt”.

 

Der internationale Terror hat 3 Flügel

Global Wind Statistics, GWEC, 14.2.2018

In Deutschland drehen sich 30.000 Windräder, wenn der Wind oder Wartungsarbeiten dies zulassen und es keine Zwangsabschaltungen wegen der Ruhestörung oder aus Gründen des Vogelschutzes verordnet werden.

30.000-fache sinnlose Zerstörung der Umwelt und der Gesundheit, Vernichtung von wertvollen Ressourcen und Geld, das anderweitig dringend gebraucht würde.

Ebenso wie in Deutschland, wo die Bürgerinitiativen gegen behördlichen und lokalen Starrsinn ankämpfen, erinnern auch die Umwelt- und Naturschützer aus Griechenland an die Verpflichtungen des Landes, die natürliche Umwelt zu schützen. Und ebenso wie in Deutschland kämpfen sie in Australien, Kanada, den USA, Schottland, Irland, Holland, Polen, Dänemark, Frankreich, der Schweiz und in vielen anderen Ländern für den Erhalt der Lebensqualität und gegen die Zerstörung der Landschaft.

Die jüngste Nachricht über die “saubere” Industrie ist aktuell im Weser-Kurier zu lesen: Ein Analyselabor hat in Baumaterial, das in der Hemelinger Marsch als Material für Wege für den Bau von Windrädern verwendet wird, Schwermetalle und hohe Werte an giftigen Chemikalien nachgewiesen. Bauherr sei der Bremer Windkraft-Pionier Energiekontor. Ein Nachbarschaftsverein hatte die Analyse in Auftrag gegeben. Umweltschützer sagen:  “Theoretisch müsste jetzt jeder Standort geprüft werden.”

 

Windkraftindustrieanlagen – Eine skrupellose Geschäftsidee

Der Bau von Windkraftindustrieanlagen ist eine Geschäftsidee mit globalen Auswirkungen. Die ursprüngliche Absicht der Umweltschützer und Grünen sei missverstanden worden, sagt James Lovelock, einer der Gründerväter der grünen Bewegung. “Ich neige mein Haupt in Scham bei dem Gedanken, dass unsere ursprünglichen guten Absichten derart missverstanden werden. Wir haben niemals eine fundamentalistische grüne Bewegung beabsichtigt, die alle anderen Energiequellen als die der Erneuerbaren Energien ablehnt, noch haben wir erwartet, dass die Grünen unser ökologisches Erbe von unschätzbarem Wert wegwerfen, wegen ihres Versagens zu verstehen, dass die Bedürfnisse der Erde nicht von menschlichen Bedürfnissen zu trennen sind.”

Berühmt wurde James Lovelock für seine Erfindung der “Gaia-Theorie”. Er hat jetzt seine Verzweiflung zum Ausdruck gebracht, dass die ursprünglichen Absichten der Bewegung missverstanden worden seien, als Lizenz, unser “unbezahlbares ökologisches Erbe” beiseite zu schaffen. In einem Brief an seine örtliche Planungsbehörde schrieb James Lovelock: “Wir müssen dafür Sorge tragen, dass die sich drehenden Windmühlen nicht wie die Statuen auf den Osterinseln werden – Denkmäler einer gescheiterten Zivilisation.”

Es sind ausgerechnet die Grünen, die die Büchse der Pandora geöffnet haben. Der Schaden, den sie der Umwelt und den Menschen immer noch zufügen, ist unermesslich. Aus den guten Absichten der Grünen hat sich längst eine skrupellose Ökoindustrie entwickelt, die noch immer für ihre angeblich “saubere Energie” wirbt und üppige Subventionen erhält, obwohl ihre umweltfeindlichen, schmutzigen Eigenschaften bekannt sind, sofern, wie es richtig ist, der gesamt Lebenszyklus der Anlage von der Rohstoffbeschaffung bis zum Recycling (von der Wiege bis zur Bahre) betrachtet wird.

 

Quellen:

Mit Übersetzungshilfe (Google, Apps für Chrome und Firefox) und lassen sich die griechischen Texte gut verständlich lesen). Die Petition ist auch in englischer Sprache verfasst.

http://www.enallaktikos.gr/ar39929el-i-alwsi-twn-agrafwn-erxetai-o-armagedwnas-twn-ellinikwn-voynwn.html#.WvGXVAzUnd0.facebook

http://www.offroader.gr/x/index.php/environment-gr/3313-ypografike-i-alosi-ton-anatolikon-agrafon

http://gwec.net/wp-content/uploads/vip/GWEC_PRstats2017_EN-003_FINAL.pdf

 

Titelfoto: dimitrisvetsikas1969

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