Bolivien: Kenntnisse über die Kernenergie sind Kenntnisse über das ABC der Natur

Bolivien wird 2015 mit dem Bau seines ersten Kernkraftwerkes beginnen. Bis 2025 soll es fertig gestellt sein. Außerdem werde Bolivien in den kommenden Jahren 2 Milliarden Dollar in ein Programm für die friedliche Nutzung der Kernenergie, verbunden mit medizinischen und landwirtschaftlichen Zielen, investieren, kündigte Boliviens Präsident, Evo Morales, am 2.10.2914 an. (1)

Die Kenntnisse über das Atom sind eine Frage der Selbstachtung eines Landes

Boliviens Vizepräsident Alvaro Garcia Linera hatte bereits am 21. August in seiner Rede zum Abschluss des VII. Internationalen Kongresses Öl und Gas in Santa Cruz, erklärt, dass sich sein Land den Herausforderungen der Nuklearphysik stellen werde, um ein Fundament für die technischen Entwicklungen der nächsten Jahrhunderte zu legen. Die Frage sei, “ob wir die Fähigkeit als Gesellschaft haben, diese Kraft zu entdecken, sie zu respektieren und wissen werden, wie wir sie gemeinschaftlich und human zum Nutzen aller einsetzen können”.
Die Kenntnisse über das Atom bezeichnet Linera als eine Frage der Selbstachtung eines Landes, das nicht am Rande der Entwicklung stehen bleiben möchte. Linera: “Eine Gesellschaft die heutzutage geachtet wird – und wir halten unsere Selbstachtung hoch – kann nicht am Rande stehen. Und wir werden nicht am Rand bleiben.” Er fuhr fort: “Kernenergie existiert unabhängig von uns. Diese Prozesse finden in der Natur statt, im menschlichen Körper, in physikalischen und chemischen Vorgängen. Die Frage ist, ob wir die Fähigkeit als Gesellschaft haben, diese Kraft zu entdecken, sie zu respektieren und wissen werden, wie wir sie gemeinschaftlich und human zum Nutzen aller einsetzen können… Es macht keinen Unterschied wie lange es dauert. Wir werden es machen, weil wir davon überzeugt sind, dass wir damit die Bedingungen für die technologische Entwicklung der Bolivianer für die nächsten 400-500 Jahre festigen können.“ (2)

Unabhängigkeit von Entwicklungsmodellen

Die Kernenergie habe eine Schlüsselfunktion für die Wirtschaft, sie ermögliche Bolivien die Unabhängigkeit von Entwicklungsmodellen, erklärte die Ministerin für Entwicklungsplanung Elba Viviana Caro Hinojosa in einem Interview: “Die Kernenergie ist für uns grundlegender Bestandteil für Technologieentwicklung. Bolivien muss einen bedeutenden Technologiesprung machen. Zumal wir über die natürlichen Ressourcen verfügen, die diesen Sprung ermöglichen. Es ist unsere Pflicht, die technologische Kluft des Landes zu überwinden, die Bolivien den Zugang zu anderen Wirtschaftssektoren und Märkten verhindert. Für uns bedeutet Kernenergie also das Schließen vieler dieser Lücken. So wird dem Land eine starke produktive Struktur möglich, sowie die Entwicklung mit der Kernenergie zusammenhängender Technologien, die sonst nicht ins Land kommen.”

Bolivien verfolge ein nachhaltiges Entwicklungsmodell. Die harmonische Nutzung unserer natürlichen Ressourcen sei sehr wichtig, besonders die Umweltverträglichkeit. Ihr Entwicklungsmodell entstehe von Innen heraus: “Wir folgen keinen bestehenden Entwicklungsmodellen, sondern bestreiten einen eigenen Prozess des Nachdenkens. Also “Grassroot Development”, das ist Entwicklung von Unten”, erklärte die Ministerin in einem Interview. (3)

In Lateinamerika nutzen bislang Argentinien, Mexiko und Brasilien Atomkraft.

Den Unabhängigkeitsaspekt hob auch Leonardo Sobehart, Leiter der Abteilung Neuaufträge für Nuklearprojekte des argentinischen Hochtechnologiekonzerns INVAP, hervor. Er wies in einem Interview mit dem bolivianischen Magazin Reporte Energie darauf hin, dass der wirtschaftliche Nutzen der Kernkraft die Grundlage für die wahre Unabhängigkeit eines Landes lege.
Sobehart betonte, die Nuklearenergie und die Wissenschaft seien ein Instrument der politischen und wirtschaftlichen Unabhängigkeit.

Auf die Frage, was Argentinien aus dem Prozeß der Entwicklung der Kernkraft gelernt habe, antwortete Sobehart: „Die Kernkraft hat in Argentinien nicht nur dazu beigetragen, den grundlegenden Bedarf der Bevölkerung im Bereich von Energie, Gesundheitsdiensten, Industrie, Landwirtschaft, Bergbau und Sicherheit zu decken, sie schafft auch Synergieeffekte bei der Entwicklung der erzieherischen, wissenschaftlichen, technologischen und industriellen Infrastruktur. Nach mehr als sechs Jahrzehnten ständiger Bemühungen sind die nuklearen Aktivitäten zu einer der tragenden Säulen der Fähigkeit des Landes geworden, hochwertige Güter und Dienstleistungen zu exportieren, die auch andere Wissensbereiche, wie z.B. die Luft- und Raumfahrt unterstützt und ihnen als Vorbild gedient hat.

Argentinien habe ausreichende Kapazitäten, um sämtliche Einrichtungen des nuklearen Brennstoffkreislaufs zu entwerfen, zu bauen und zu betreiben: “Unsere vielleicht größte Herausforderung heute ist, den Bau des von uns selbst entwickelten Kernkraftwerks fertigzustellen und dies endlich in unser Produktangebot aufzunehmen. Das ist eine Herausforderung, die wir uns vor 20 Jahren gestellt haben, aber heute stehen wir kurz davor, sie zu erreichen.“ (4)

 

Foto: Pedro Szekely, "Father Obermaier Church, Oruro, Bolivia",  http://piqs.de/fotos/146232.html

Foto: Pedro Szekely, “Father Obermaier Church, Oruro, Bolivia”, http://piqs.de/fotos/146232.html

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Quellen:

(1) http://lainfo.es/de/2014/10/02/bolivien-entwickeln-erzeugung-von-kernenergie-strategie/
(2) https://www.bueso.de/node/7631
(3) http://www.blickpunkt-lateinamerika.de/news-details/article/wir-wollen-mehr-gleichheit/3446.html?no_cache=1&cHash=5542dc1741cfc356664f540dd4f99441
(4) https://www.bueso.de/node/7638

 

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