Lund

Judith Butler gegen die Universität Lund

Die Judith Butler Affäre

Faschisten und Geschlecht an der Universität Lund

“Die Judith Butler Affäre” – mit diesen Worten skizziert Erik Ringmar, Politikwissenschaftler an der Universität Lund in Schweden, auf seiner Homepage einen neuen Höhepunkt im Geschlechterkampf an der Universität Lund.

Erik Ringmar promovierte 1993 an der Yale University in Politikwissenschaften und unterrichtete 12 Jahre lang vergleichende Politik an der London School of Economics. Zwischen 2007 und 2013 lebte und arbeitete er in China, zuletzt zwei Jahre als Professor für Internationale Beziehungen in Shanghai. Er ist Autor mehrerer Bücher und etwa 50 wissenschaftlicher Artikel.

 

Quotierung

Die Weltoffenheit des Politikwissenschaftlers hinderte das politikwissenschaftliche Institut der Universität Lund jedoch nicht, einen Skandal gegen ihn anzuzetteln. Der Anlass war eine von der Universität selbst auferlegte Regel, dass mindestens vierzig Prozent der Autoren auf einer Literaturliste Frauen sein müssen. Wie weltfremd und wissenschaftsfeindlich diese Regel ist, wurde deutlich, nachdem die Institutsleitung gegen den Willen des Wissenschaftlers einen Text der amerikanischen Philosophin und Feministin Judith Butler auf die Literaturliste setzen ließ und diese sich gegen die Zwangsmaßnahme äußerte.

Die Quotierung sei notwendig, sagen die Befürworter des Systems, um Wissenschaftlerinnen eine bedeutendere Stimme zu geben. Bullshit? Erik Ringmar antwortet darauf: “BS, sage ich. Das System ist eine Bedrohung für die Universität und der akademischen Freiheit.”

Ringmar wandte sich daraufhin an Judith Butler. Die Professorin für Rhetorik an der Universität Kalifornien in Berkeley antwortete prompt mit einem flammenden Plädoyer für die Freiheit der Lehre. Die Süddeutsche Zeitung zitiert aus der Antwort-eMail Butlers:

“Ich verwahre mich dagegen, dass mein Name auf diese Weise benutzt wird”, schrieb Judith Butler in einer Mail. “Die akademische Freiheit gibt dem akademischen Lehrer das Recht, seine Lehrveranstaltungen nach seinem eigenen professionellen Urteil zu gestalten … Ich wehre mich dagegen, von Lehrern zu erwarten, dass sie mit bestimmten Texten oder Autoren arbeiten … Die Methode ist verwerflich, und ihr Zweck kann durch Zwang nicht erreicht werden …, während die akademische Freiheit in Zeiten, da sich autoritäre Herrschaftsformen … ausbreiten, besonders wichtig ist … Quoten sind der Versuch einer Abkürzung, mit ihnen kann das Ziel von Gerechtigkeit innerhalb einer Gesellschaft nicht erreicht werden. Eine gerechte Gesellschaft erreichen wir durch Freiheit, und jede Vorstellung von Gerechtigkeit, die uns Freiheit verweigert, verweigert uns auch die Gerechtigkeit selbst.”

Judith Butler ist eine US-amerikanische Philosophin an der Universität von Kalifornien. Ihre Arbeit beeinflusst die politische Philosophie und Ethik. Internationale Aufmerksamkeit erreichte sie mit ihrer feministischen Theorie (Wikipedia). Mit ihrer Schrift Das Unbehagen der Geschlechter stieß sie 1990 die Diskussionen um die Queer-Theorie an. Außerdem hat Judith Butler sich mit Fragen von Macht, Subjekttheorien und  mit der Ethik der Gewaltlosigkeit beschäftigt.

 

Erik Ringmar erklärt an einem Beispiel, wie das System der Bedrohung für die Universität und der akademischen Freiheit funktioniert.

Der Hochschullehrer Erik Ringmar berichtet auf seiner Homepage, dass er einen Kurs über den Aufstieg des Rechtsextremismus und schließlich Faschismus um die Wende des zwanzigsten Jahrhunderts geplant hatte. Ihn interessierte die Möglichkeit einer Verbindung zwischen der Ausbreitung der globalen Märkte im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts und dem anschließenden Rechtsruck. Er legte seinen Vorschlag inklusive einer Literaturliste der zuständigen Studienkommission vor.

Die Studienkommission kritisierte den Vorschlag wegen des Mangels an weiblichen Autoren auf der Leseliste, sagt Ringmar. Ihm wurde vorgeworfen, dass seine Leseliste nicht einmal annähernd die Quote der erforderlichen 40% erreichte. Das war allerdings keine Absicht des Dozenten. Es war nur schwierig für ihn, weibliche Autoren zu dem Thema zu finden. Dies könnte nach Meinung Ringmars damit zusammenhängen, dass die meisten Reaktionäre Männer waren. Frauen, zumindest diejenigen, die sich schriftlich zum Ausdruck gebracht haben, waren überwiegend liberal und progressiv. Nach einer umfangreichen Suche sei er schließlich auf eine Autorin gestoßen, die sich gegen das Wahlrecht für Frauen ausgesprochen hatte. Dankbar habe er sie auf die Leseliste gesetzt.

Der Vorsitzende der Studienkommission habe ihm daraufhin mitgeteilt, dass die Quote von 40% zwar nur eine Faustregel sei, aber ein Kurs mit so wenigen weiblichen Autoren werde niemals akzeptiert werden. Ringmar setzte seine Suche nach reaktionären Frauen fort. Am Ende beschloss er, das Grundprinzip des Kurses etwas zu ändern. Wenn die Leseliste Anarchistinnen enthalten würde, wäre er vielleicht in einer viel besseren Position, überlegte er. Anarchistinnen teilten mit Faschistinnen zumindest die Faszination der Gewalt. Und, was noch wichtiger sei, es gebe eine ganze Reihe von weiblichen Autoren unter ihnen.

Der Kurs erhielt mit knapper Mehrheit die Genehmigung des Ausschusses. Der studentische Vertreter im Ausschuss sei sehr kritisch wegen des „Mangels an Fokussierung auf Geschlechterfragen“ gewesen. Nach einer ausführlichen Diskussion sei der Kurs genehmigt worden, nachdem Ringmar versprach, Judith Butler, die bekannte zeitgenössische poststrukturalistische Feministin auf die Leseliste zu setzen.

 

Grenzen der Wisenschaft an Universitäten

Schon der Beginn des Kurses sei ereignisreich gewesen. Ringmar berichtet, er sei mit seinem ersten Vortrag, in dem er über Platons Höhlengleichnis und die Idee der Aufklärung sprach, ein Thema ziemlich weit vom Status der Frauen entfernt, nicht weit gekommen, als er von einem Studenten unterbrochen wurde:  „Könnten Sie uns bitte etwas mehr über die Situation der Frauen in dieser Zeit sagen?“, fragte einer. Ein anderer stimmte zu. Ringmar reagierte verblüfft: “Ich sprach über Platons Höhlen Metapher und die Idee der Aufklärung, ein Thema, das ziemlich weit vom Status der Frauen entfernt ist. Warum unterbrechen die Schüler mich mit einer solchen fremden Frage?”

Zwei Tage später informierte ihn die Studienkommission, dass eine Delegation von Studenten seines Kurses sich beklagt hätten – nach nur zwei Seminaren. Die Beschwerden seien nicht sehr spezifisch gewesen, aber Ringmar wurde vorgeworfen, ihre Kommentare nicht ernst genommen zu haben. Außerdem nehme das Seminar keinen Bezug auf die offiziell genehmigte Leseliste. “Natürlich tat sie es nicht”, sagt der Wissenschaftler. “Es gibt keinen Studienausschuss in der Welt, der mich zwingen kann, Judith Butler zu lehren, es sei denn, ich will es.”

Das Ganze sei seltsam gewesen, sagt Erik Ringmar. Es stellte sich heraus, dass der fragende Student mit dem Studenten in der Studienkommission, der sich über den Mangel an Fokussierung auf Geschlechter beschwert hatte, befreundet war.

 

“Gender-Gaga” – Fehlentwicklung an Universitäten

Die Studentenvereinigung an der Universität Lund sei damit beschäftigt, sagt der Politikwissenschaftler,  „Probleme“ mit Kursen ausfindig zu machen und Lehrer zu belästigen, die sich unzureichend auf das Geschlecht konzentrieren und zu wenige weibliche Autoren auf der Leseliste haben. Bei diesen Zielen würden sie von einigen Mitgliedern der Studienkommission aktiv und von der Mehrheit der Mitglieder passiv unterstützt, die zu ängstlich seien, eine prinzipienfeste Haltung einzunehmen. Da er einen Kurs über alte Reaktionäre geben wollte, habe er  jetzt einen Ruf als „anti-feministisch“ und sein Kurs sei etwas, das untersucht und geprüft werden müsse.

Das grundlegende Problem sieht Erik Ringmar darin, dass eine geistige Tätigkeit – in diesem Fall ein Kurs – demokratischen Kriterien unterworfen werde. Mit politischen Präferenzen dürfe jedoch nicht über Lehrinhalte abgestimmt werden, ist die klare Botschaft des Politikwissenschaftlers: “Die Demokratie hat ihren  Platz, aber er ist nicht in meinem Kurs und nicht auf meiner Leseliste.” Es seien die Unfähigkeit der Studienkommission, diesen Punkt zu erfassen und ihr Versagen, für die Integrität des intellektuellen Prozesses zu stehen, die diese Situation unhaltbar gemacht haben.

Erik Ringmar hat sich entschieden, den Kurs nicht noch einmal anzubieten. Er sagt: “Ich will nicht von Studenten schikaniert werden, und ich will nicht, dass seltsame Gerüchte über mich verbreitet werden. Schade, ich denke, dass das Wachstum und die Ausbreitung des Faschismus ein wichtiges und aktuelles  Thema ist. (“I have after some head-scratching decided not to give the course again. I don’t want to be bullied by students and I don’t want weird rumors to spread about me. Too bad, I think, since the growth and spread of fascism is an important and timely subject.”)

 

Junge Frauen in Schweden bieten Anlass zu großer Sorge

Norwegen hat aus ähnlichen Erfahrungen wie an der Universität Lund gelernt. Weil „Experten“ dogmatisch argumentierten und hyperventilierten, wenn sie mit wissenschaftlichen Erkenntnissen konfrontiert wurden, die nicht in ihr Weltbild passten, haben die Bürger von der Politik Konsequenzen gefordert. Die Finanzierung für diverse „Gender“-Lehrstühle wurde daraufhin eingestellt.

Den Verdacht, dass irgendetwas faul im Staate Schweden ist, bestärkt der Schwede Christian Sörlie Ekström, Naturwissenschaftler, Buchautor („Wie sind unsere Kinder wirklich“ – Hur mår egentligen våra barn?) und Greenpeace-Aktivist. Er berichtet, dass die mentale Gesundheit der Jugend und vor allem der jungen Frauen in Schweden Anlass zu großer Sorge biete. Die fehlende Bindungsentwicklung und elterliche Erziehung bei Kindern im Alter zwischen sechs Monaten und 3-4 Jahren führe zu mangelnder Stressbewältigung, die sich u.a. in asozialem Verhalten äußere. Zusätzlich sei die Erkrankung an Depressionen bei Mädchen in den vergangenen 20 Jahren um 1000 Prozent gestiegen, die Angststörungen um 250 Prozent.

Nicht nur Schweden würde gut daran tun, dem Vorbild Norwegens zu folgen.

 

Deutschland und seine neuen Feministinnen

Der Vorsitzende der Studienkommission habe ihm bestätigt, dass 40% der Seminarliteratur von Frauen verfasst sein muss, nur eine Faustregel sei, keine Vorschrift, sagt Erik Ringmar. Im Deutschlandfunk Kultur behauptet dagegen die Moderatorin Liane von Billerbeck, dass diese Regel “längst” eine Muss-Vorschrift sei. Es sind stets Feinheiten dieser Art, die eine sachliche Berichterstattung von einer politischen  Beeinflussung unterscheiden.

Die Anmoderation gewährt einen nahtlosen Übergang zur Meinung Dagmar Simons, die bis 2016 beim Wissenschaftszentrum Berlin Leiterin der Forschungsgruppe Wissenschaftspolitik war. Als Geschäftsführerin von “Evaconsult” berät sie die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) beim Thema forschungsorientierte Gleichstellungsstandards. Es sei “keine gute Idee alles durchzuquotieren”, sagt Dagmar Simon. Andererseits gehe das Abendland nicht unter, wenn “gerade bei den Politikwissenschaften” 40 % der Primär- und Sekundärliteratur von Frauen stammen müssen. Das Abendland geht allerdings auch mit quotierten Frauen in der Wissenschaft nicht mehr oder weniger unter.

Dagmar Simon sagt, sie habe bisher nicht gehört, dass die Quotenregelung zum Kollaps der Politikwissenschaften in Lund geführt habe. Sie setzt damit eindeutig Prioritäten, die sich nicht aus dem Gegenstand der Wissenschaft, sondern der Politik ergeben. Die DFG-Beraterin hat über das Kernproblem, dass über wissenschaftliche Fragestellungen nicht demokratisch abgestimmt werden kann, zugunsten einer politischen Abstimmung entschieden.

“Wir brauchen viel mehr Frauen in der Wissenschaft, dann ändern sich auch die Machverhältnisse”, sagt Dagmar Simon. Aber, und das wird nicht nur in Lund offensichtlich, die Quotenregelungen dienen dazu, Forschung und Lehre politisch zu kanalisieren. Frauen haben sich über ein Jahrhundert ihren Weg gebahnt und eine Gleichstellung in der Wissenschaft durch Intelligenz und Beharrlichkeit geschaffen, dadurch auch anderen Frauen den Weg geebnet – lange bevor Frauen als Gleichstellungsbeauftragte Verdienstmöglichkeiten in einer neu entstehenden Branche entdeckten.

Deutschlandfunk Kultur: “An der Universität Lund müssen die Literaturlisten politikwissenschaftlicher Seminar mindestens 40 Prozent weibliche Autoren aufweisen. Eine sinnvolle Maßnahme im Sinne der Gleichstellung in der Wissenschaft? Das haben wir Dagmar Simon von “Evaconsult” gefragt. Dagmar Simon im Gespräch mit Liane von Billerbeck”

 

Faina Faruz

Lesen Sie auch: Was ist an unseren Universitäten los? – Political Correctness fördert Hexenjagd

 

Titelfoto: Liz001, Skulptur Universität Lund, pixabay

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Hierro

El Hierro, eine Umweltberaterin und “Sex zwischen Himmel und Erde”

Die Ureinwohner nannten ihre Insel Esero oder Ero, was so viel wie stark, fest oder hart bedeutet, womit der riesige Felsblock im Meer, El Hierro, nach Ansicht von Wikipedia anschaulich beschrieben wäre. Die Perle der Kanaren, wie sie oft genannt wird, wird von rund 10.000 Menschen bewohnt. Für den pauschalen Massentourismus ist El Hierro unattraktiv, wodurch die Insel für Individualurlauber “mit ihren vielen verschiedenen Landschaftsbildern” besonders reizvoll ist.

Den Inselbewohnern wurde versprochen, dass sie ihren Strom zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien erhalten könnten. Auf dem Gipfel eines erloschenen Vulkans wurde eine Gruppe von fünf Windenergieanlagen installiert, die mit Hilfe der hier ziemlich kräftig und stetig wehenden Atlantikwinde kostenlosen Strom erzeugen sollten.

 

“El Hierro- Alles Öko, oder Riesenbetrug?”

“El Hierro- Alles Öko, oder Riesenbetrug?” – fragt Hermann Dirr. Anhand einer aktuellen Grafik vom 13.10.2017 zeigt er auf seiner Facebookseite, dass sich die überschwänglichen Ankündigungen, El Hierro werde sich ausschließlich mit Erneuerbaren Energien selbst versorgen können, nicht bewahrheiten. “Am 13. Oktober 2017, um 7:20 Uhr, wurde die Stromversorgung zu 100 % durch ein Mineralölkraftwerk erledigt.”

 

Eingeständnis der Fehleinschätzung? Fehlanzeige!

Ein Eingeständnis der Fehleinschätzung ist von keinem der Verfechter der Erneuerbaren Energien, die sich auf den Klimaschutz berufen, und Lobbyisten zu erwarten. Das unterscheidet sie, ihre Politiker und Medien maßgeblich von seriösen Klimawissenschaftlern. Woher beziehen Anhänger der Erneuerbaren Energien eigentlich ihre Informationen?

Eine Spur führt zum Beispiel zu Esther Weinz, die 2014 in “Sonnenenergie, Zeitschrift für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz” einen Beitrag über die kanarische Insel El Hierro veröffentlichte. Die Sonnenenergie ist seit 1976 das offizielle Fachorgan der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie e. V. (DGS). Esther Weinz wird von der DGS als “Umweltberaterin, DGS/Kassel” tituliert. Sie schrieb: “Die fünf Windräder sollen künftig 11,5 MW produzieren. Das ist deutlich mehr als der momentane Spitzenverbrauch von 7 MW. Es gibt hier also noch Luft nach oben, auch zum Betreiben vielfältigster Elektromobilität. Die finanziellen Ressourcen durch die Einsparung von Dieseltreibstoff können in neue Ökoprojekte und in die Infrastruktur investiert werden.”

Herrmann Dirr kommentiert: “Die fünf Windräder sollen also in Zukunft 11,5 MW produzieren. Na, ja, von installierter Windkraftleistung hat sie anscheinend keine Ahnung. Warum schreiben solche Menschen nicht einfach über die Bibel oder so etwas?” Er liegt mit seinem Vorschlag gar nicht so falsch.

 

Ein Link

Als Kontaktadresse für Esther Weinz wird in dem Artikel info@AccaKassel.de angegeben. Folgt man dem Link, trifft man auf die Homepage einer “Paar- und Sexualtherapeutin” und reibt sich verwundert die Augen. Auf dieses Thema habe sie sich fokussiert, sagt Esther Weinz, weil ein großer Bedarf bestehe. Sie empfiehlt dort ihr Buch „Sex zwischen Himmel und Erde, Band 1“.

Dass Himmel und Erde etwas mit Umwelt zu tun haben, sofern man das Umweltthema nicht allzu wörtlich nimmt, mag der Grund sein, dass die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie e. V. die Sexualtherapeutin Esther Weinz als “Umweltberaterin” bezeichnet. Welcher enst zu nehmende Geograph, Geologe, Meteorologe, Klimaforscher oder Physiker hat gegenüber so viel Sexualkompetenz noch etwas zu melden?

Die DGS-Sektion Kassel befindet sich im Umwelthaus in der Wilhelmsstraße 2 – zusammen mit
– Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
– Frauen nach Tschernobyl
– Greenpeace
– Robin Wood
– Verkehrsclub Deutschland (VCD)
– Weltladen

Für das umfassende körperliche und Seelenheil der Mitglieder im Netzwerk ist jedenfalls bestens gesorgt.

 

Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie e.V.

Das Präsidium der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenenergie (DGS) sitzt in Berlin. Der Verein ist nach eigenen Angaben der älteste Fachverband für Erneuerbare Energien (gegründet 1975) und die  mitgliederstärkste, technisch-wissenschaftliche Fachorganisation. Die DGS ist die deutsche Sektion der International Solar Energy Society (ISES). Sie finanziert sich durch Zuwendungen.
Außerdem ist die DGS ein als gemeinnützig anerkannter Verbraucherschutzverband nach § 22 AGBG (jetzt § 3 UKlaG). Dass der Verein auf seiner Homepage auch für die Deutsche Umwelthilfe (DUH) wirbt (rotierende Werbung), überrascht nicht.

Die DGS unterstützt laut Wikipedia außerdem die Fachmesse Intersolar des gemeinnützigen Vereins Eurosolar, der 1988 auf Initiative des SPD-Politikers Hermann Scheer gegründet wurde. Eurosolar wirkt auf internationaler Ebene mit 13 Sektionen, hat ca. 2800 Mitglieder, ca. 180 Fördermitglieder und ca. 400 juristische Mitglieder (Vereine, Institutionen, Bundesländer, Landkreise, Kommunen, Städte und Firmen). Der Verein betreibt intensive Lobbyarbeit in den nationalen Parlamenten Europas sowie auf EU-Ebene, initiierte 2001 die Gründung des Weltrats für Erneuerbare Energien (World Council for Renewable Energy – WCRE) als weltweite Dachorganisation und stand gemeinsam mit dem WCRE Pate bei Initiierung und Gründung der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA), der inzwischen 136 Staaten beigetreten sind (Stand Juni 2009).

Die Frage, woher die Medien ihre Informationen über El Hierro beziehen, ist mit dem Hinweis auf die Lobbyverbände der Erneuerbaren Energien natürlich nicht beantwortet. Der Dschungel der Verflechtungen und des Wissenstransfers ist undurchschaubar. Eine Parallelgesellschaft lässt sich aufgrund übereinstimmender Informationen nur vermuten.

Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit” nannten Peter Berger und Thomas Luckmann ihr Buch. Sie gehen der Frage nach, durch welche Prozesse sich für die Mitglieder von Gesellschaften eine zwischen den Subjekten geteilte, gemeinsame Wirklichkeit herausbildet. Sie wird von den Subjekten vorgefunden und gestaltet. Die gesellschaftliche Ordnung in der Menschen leben, “ist keine notwendige, objektiv entstandene Geschichte”, erläutert Susanne Weiß, sondern vielmehr ein “von Menschen selbst hergestellter Prozess. Daran wird erkennbar, wie sowohl das kommunikative Gedächtnis als auch das kulturelle Gedächtnis, als Sediment der Geschichte, durch Sprache und Schrift vermögen, in wechselseitiger Beeinflussung zur Verzerrung bzw. Manipulation der Tradierung kultureller Wissensbestände beizutragen.”

Wer hätte ahnen können, dass die Verzerrung bzw. Manipulation der Tradierung kultureller Wissensbestände durch Lobbyverbände so weit reichen würde, dass trotz vielfältiger Informationsmöglichkeiten, guter Bildung und sozialer Kompetenz Grundkenntnisse in der Physik über den Haufen geworfen und aus dem Wissensfundus ausgeblendet werden?

Foto: lapalma1.net

 

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Afrika

Afrika geht es viel besser, als wir glauben

Zwei Afrika-Kenner,  der ehemalige, seit 20 Jahren in Afrika lebende Botschafter für die Schweiz in Somalia, Äthiopien und der Elfenbeinküste, Dominik Langenbacher, und der ehemalige Botschafter für Deutschland in Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik und Äquatorialguinea, Volker Seitz, kommen zu einem übereinstimmenden Ergebnis: Die Verantwortung für Afrika und seine nationalen  Machteliten trägt Afrika. Dominik Langenbacher: “Afrika geht es viel besser, als wir glauben.”

 

Falsche Hoffnungen

Deutschland steht vor einer Zerreißprobe. Das Geld ist nicht im Überfluss vorhanden, wie man an maroden Schulen, Straßen und Brücken unschwer erkennen kann. Hinzu kommt, dass Deutschland gegenüber der Europäischen Zentralbank (EZB) Verbindlichkeit in Höhe von 878,888 Milliarden Euro hat. Dieser Betrag ist fast dreimal so hoch wie der Bundeshaushalt 2017 (329,1 Milliarden Euro). Die Verbindlichkeiten sind im Zuge der Abwicklung grenzüberschreitender Zahlungen über das Zahlungsverkehrssystem TARGET2 entstanden und könnten jederzeit abgerufen werden. Im Vergleich zum Vormonat stieg der Target2 Saldo um +26,377 Milliarden Euro, und zum Vorjahresmonat +163,150 Mrd. Euro an.

Zahlungen für Migranten gelten in Deutschland als Tabu. Die Flüchtlingskosten werden auf viele Etats verteilt. Wer bei der Berliner Regierung nach der Gesamtsumme frage, werde “in ein Labyrinth von Statistiken und Zuständigkeiten geschickt”, erfuhr die Neue Zürcher Zeitung (NZZ): “Nur die eine entscheidende Zahl gibt es nicht: die aller Aufwendungen für einen klar definierten Personenkreis. Für ein Land, das sonst jede Schraube zählt, ist das nur mit der Angst vor dem Bürger zu erklären.”

Der CSU-Politiker rechnet der NZZ vor: «Für eine Million Flüchtlinge geben Bund, Länder und Gemeinden 30 Milliarden Euro im Jahr aus. Das Geld wäre in den Herkunftsländern besser angelegt.» Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) komme auf den Betrag von 50 Milliarden, den auch der Sachverständigenrat für 2017 errechnet hat. Das Kieler Institut für Wirtschaftsforschung kalkuliert mit bis zu 55 Milliarden Euro pro Jahr.

Zum Vergleich: Dem Bundesministerien für Bildung und Forschung stehen 17,65 Milliarden Euro zur Verfügung.

Hans-Werner Sinn, der ehemalige Ifo-Chef, warnte laut Focus 2016 vor der Hoffnung, dass der Flüchtlingszustrom Deutschland wirtschaftlich helfen könne. Vor allem wegen ihrer geringen Qualifikationen würden die Zuwanderer den Staat vielmehr gigantische Summen kosten, sagte er bei einer Rede in München. Die Berechnung des Freiburger Finanzwissenschaftlers Bernd Raffelhüschen, der pro Flüchtling Kosten von 450.000 Euro errechnet hatte, hielt Sinn noch für optimistisch, berichtete der Focus. Denn Raffelhüschens Zahlen würden nur dann gelten, wenn die Asylbewerber so schnell in den Arbeitsmarkt integriert werden können wie frühere Einwanderer.

Tatsächlich sind bis jetzt nur 13 Prozent der Flüchtlinge erwerbstätig, und auch das meist nur als Praktikant oder Hilfskraft. Denn 59 Prozent von ihnen verfügen über keinen Schulabschluss. Viele sind Analphabeten.

Einige Politiker weigern sich, das Problem zu sehen. Bündnis 90/Die Grünen bestehen sogar darauf, dass auch “Klimaflüchtlingen” Asyl gewährt wird. Es ist daher nicht verwunderlich, dass nahezu täglich neue Zahlen darüber kursieren, wie viele Asylbewerber und Flüchtlinge bereits nach Deutschland gekommen sind oder noch kommen werden. Bayerns Vize-Ministerpräsidentin Ilse Aigner erwartet “bis zu sieben Millionen Menschen, sobald anerkannte Flüchtlinge ihre Familien nachgeholt haben. Worüber wir reden, übersteigt also – erneut – alle Vorstellungen“, berichtet die Augsburger Allgemeine.
Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig nenne keine Zahlen, erwarte aber einen starken Familiennachzug. «Wir rechnen damit, dass sehr viele Frauen und Kinder nachkommen», sagte die SPD-Politikerin. Das 2005 in Kraft getretene Aufenthaltsgesetz erlaubt den Zuzug von Ehepartnern und Kindern, wenn Asylbewerber als solche anerkannt sind.

 

Ein großer Teil der Migranten kommt aus Afrika

Die Medien berichten, dass der Schwarze Kontinent in Bewegung ist: Millionen Menschen sind auf dem Weg nach Europa. In den meisten Fällen offenbar sie aus kl ökonomischen Kalkül. Der schweizer Afrika- und Migrationsexperte Dominik Langenbacher sprach in einem Interview mit der Zeitung Blick deutliche Worte: Den Afrikanern geht es besser, als wir meinen, sagt er. Vielen in der Schweiz müsste der Flüchtlingsstatus aberkannt werden. Sie kommen nach Europa, weil es etwas umsonst gibt, wofür sie nicht arbeiten müssen. Eine Grundeinstellung sei: “Wenn das Umfeld so lieb ist und etwas gibt, kann man es doch nehmen.”

Dominik Langenbacher arbeitete für die Uno als Koordinator für Somalia, dann war er schweizerischer Geschäftsträger in Madagaskar, wo der Dokumentarfilm «Der Diplomat. Dominik Langenbacher in Madagaskar» entstand. Im Justizdepartement war er für die Migration zuständig. Zuletzt war er Botschafter für die Schweiz in Somalia, Äthiopien und der Elfenbeinküste. Von diesen Orten aus war er jeweils für mehrere afrikanische Länder zuständig. Langenbacher ist seit 1990 mit der Kenianerin Bilha  verheiratet und lebt seit 20 Jahren in der kenianischen Hauptstadt Nairobi und in Ferenberg bei Bern.
Er ist pensioniert und wirkt heute als Berater bei Fragen über Afrika.

Der Ex-Botschafter Dominik Langenbacher erklärt frei heraus: «Afrika geht es viel besser, als wir glauben».
In einem Interview mit Guido Felder widersprach er der einseitigen Darstellung vom Elend in Afrika. “Wir hören meistens nur von Hungersnot, Armut und Konflikten. Aber in Afrika ist viel in Bewegung, es gibt grossen Fortschritt in Wirtschaft und Politik. Die meisten Staaten haben in den vergangenen zehn Jahren vom Wachstum profitiert. Die Armutsgrenze ist von einem auf zwei Dollar angestiegen.”

(Mit einem Klick auf das Bild zum Artikel)

Als positive Beispiele nennt er Fortschritte in Botswana,  Ghana und Somalia. Nach seiner Ansicht könnte man die neu Ankommenden heute zurückschicken. Man habe in Europa versäumt, neben der Freizügigkeit mit der EU eine Immigrationspolitik für den Rest der Welt zu entwickeln und sich zu lange nur auf die humanitäre Asylschiene festgelegt. Nach seiner Erfahrung kämen die meisten nicht, um zu arbeiten. Sie seien vielmehr darüber informiert, dass sie hier Sozialleistungen erhalten, “und die Somalier und Eritreer wissen, dass sie nicht zurückgeschickt werden. Wir schätzen die Afrikaner oft falsch ein, sie haben eine Überlebensstrategie und sind sehr kreativ”, sagt Dominik Langenbacher. Es wäre allerdings falsch, sie als Schmarotzer  zu bezeichnen. Denn: “Für Afrikaner ist es weder profitieren noch schmarotzen. Aber wenn das Umfeld so lieb ist und etwas gibt, kann man es doch nehmen.”

Die Hoffnung, dass man mit dem Ausbau der Entwicklungshilfe die Leute in Afrika zurückhalten könne, macht Dominik Langenbacher zunichte. “Das ist ein Irrglaube. Nichts hält die Menschen zurück. Die Leute laufen los, weil sie bei uns bessere Bedingungen finden. Sie kommen, auch wenn wir Mauern und Auffanglager bauen. Der Mensch findet immer einen Weg, er ist da fast flexibler als Wasser.”

Die wachsende Migration sei nur mit Repression im Zaum zu halten, indem man den Migranten zeige: “Du kannst kommen, aber du musst arbeiten.” Dazu könnte ein Arbeitsvisum dienen, dass nach Zahlung einer Gebühr und ohne Anspruch auf Sozialleistungen sechs Monate gültig ist. In dieser Zeit muss er Arbeit nachweisen können. Die Entwicklungshilfe sieht er skeptisch. Sie habe sich zu einer Industrie mit einem “riesigen Reibungsverlust” entwickelt: “Viel Geld bleibt kleben: bei Konferenzen, bei den Experten, bei den Regierungen, bei den Hilfsorganisationen.”

Abgesehen von den wirklichen Krisengebieten seien Hungersnöte oft hausgemacht. Allein das Jubbatal in Somalia könnte das ganze Horn von Afrika ernähren, sagt Dominik Langenbacher. “Man müsste es nur richtig bewirtschaften. Die Bauern wüssten wie. Sie haben Apps, auf denen sie sehen, wann für den Anbau der Regen kommt und auf welchem Markt sie für ihre Ernte den besten Preis erzielen können.

In Entwicklungsländern versuchen die Regierungen oft, sich auch an den Bauern zu bereichern. So besteht für die Landwirte kein Anreiz, über die Selbstversorgung hinaus zu produzieren. Das führt in schlechten Zeiten zu Not. Auf die Frage, ob in Afrika genug Nahrung vorhanden sei, antwortet Dominik Langenbacher mit einem klaren “Ja”.

 

Die Armut in Afrika ist menschengemacht. Von Afrikanern.

Der ehemalige Präsident Nigerias, Olusegun Obasanjo, sagt im „New African“ von August / September 2017: „People talk about poverty in Africa. God did not make Africa poor. The poverty in Africa is nod God-created, it is human-made. We made Africa poor with our policies and how we execute them and how we deal with the market, the processing, and the storage of food.“ Volker Seitz zitiert Olusegun Obasanjo in einem Beitrag in der Achse des Guten. Er sagt: “Die Armut in Afrika ist menschengemacht.” Die Frage ist offen: Von welchen Menschen?

Volker Seitz war von 1965 bis 2008 in verschiedenen Funktionen für das deutsche Auswärtige Amt tätig, zuletzt als Botschafter in Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik und Äquatorialguinea mit Sitz in Jaunde. Er gehört zum Initiativ-Kreis des Bonner Aufrufs zur Reform der Entwicklungshilfe und ist Autor des Buches „Afrika wird armregiert“, das im Herbst 2014 in erweiterter siebter Auflage bei dtv erschienen ist. Volker Seitz publiziert regelmäßig zum Thema Entwicklungszusammenarbeit mit Afrika und hält Vorträge.

Ernährungssicherung werde von den meisten Regierungen in Afrika immer noch sträflich vernachlässigt, sagt Volker Seitz. Der Kontinent sei enorm fruchtbar und wasserreich und dennoch der einzige Kontinent der Welt, der sich nicht selbst ernähren könne. Das sei nicht immer so gewesen: “Als sie unabhängig wurden, konnten die meisten Staaten ihren Nahrungsmittelbedarf selbst decken. Inzwischen sind die meisten Staaten schlecht regiert und können ihre wachsende Bevölkerung nicht mehr selbst ernähren.”

Der Kontinent verfüge über mehr als ein Viertel der weltweit landwirtschaftlich nutzbaren Fläche, nutze derzeit aber nur 20 Prozent. “Von seinen natürlichen Voraussetzungen her könnte Afrika problemlos autark in seiner Nahrungs- und Energieversorgung werden.” Es hapere am Willen der Regierungen. Günstige, wassersparende Bewässerungssysteme werden nicht durchgesetzt, Lebensmittel würden zum Teil unsachgemäß gelagert, sodass bis zu vierzig Prozent der Ernte verloren gingen. Eine Verbesserung der landwirtschaftlichen Ausbildung, die helfen könnte, das Problem zu verringern, werde nicht in Angriff genommen. Die Dörfer würden nicht mit Strom versorgt, und es würden keine Straßen gebaut.

Diese Problematik werden nach Ansicht des Ex-Botschafters von Verantwortlichen, den zahllosen Hilfsorganisationen und den Medien kaum je aufgegriffen. Zwar hätten 38 afrikanische Länder ein Ernährungssicherungs-Programm, aber nur Ruanda, Malawi, Ghana, Senegal und Benin hätten begonnen, es in die Tat umzusetzen. Die Bevölkerung sei, von wenigen Elitenzirkeln abgesehen, verarmt.

Die hohen Geburtenraten seien neben der Dürre die Ursachen von Katastrophen, sagt Volker Seitz. “Noch ist in den Köpfen vieler in ländlichen Gebieten lebender Afrikaner eine hohe Kinderzahl gleichbedeutend mit Reichtum. Das hat für einige Länder prekäre Folgen. 7,4 Kinder gebiert eine Nigrerin durchschnittlich in ihrem Leben. Die Bevölkerung Nigers steigt bis 2030 jährlich um etwa eine Million. Dann werden es in dem Land, das zu zwei Dritteln aus Wüste besteht, 34 Millionen sein. Da 80 Prozentder Männer und Frauen über 15 Jahre weder lesen noch schreiben können, haben sie kaum Chancen auf ein geregeltes Einkommen. Sie verdingen sich als Tagelöhner, treiben mit irgendetwas Handel, bewachen etwas oder versuchen ihr Glück in Europa.”

Es sind afrikanische Staaten selbst, die vor allem den Golfstaaten, Saudi Arabien, Bahrain, Oman, Katar, Südkorea und Indien aus Gewinnsucht Anbauflächen verkaufen. Diese Länder können damit die Nahrungsmittelversorgung ihrer Bevölkerung sichern, während die Bevölkerung der afrikanischen Staaten auf den Import von Nahrungsmitteln angewiesen ist. Volker Seitz bezeichnet dies als eine “große Dummheit”.

Zu den Dummheiten, die die Hungersnöte auf dem Kontinent verursachen, gehört auch, dass Länder wie z.B. Äthiopien, Kenia, Südsudan und Simbabwe weit mehr Geld für Waffen ausgeben als für die Ernährungssicherung der eigenen Bevölkerung. Aber von diesen Ländern kämen die lautesten Rufe nach Hilfe. Auf dieser Grundlage sei das Märchen von versperrten Märkten in den Industrieländern entstanden.

 

Die Katastrophen sind sind in der Regel menschengemacht

Afrika habe noch vor 50 Jahren Nahrungsmittel exportiert, erinnert Volker Seitz. Inzwischen sei es bei der Grundversorgung abhängig von Importen und internationalen Hilfen. 300.000 Tonnen Lebensmittel müssten Jahr für Jahr eingeführt werden. Die Schuld tragen nach Ansicht von Afrikanern und (“seltsamerweise”) deutschen Entwicklungspolitikern die Versperrung der Märkte für afrikanische Produkte. Es gebe angeblich ­keinen fairen Zugang zu den Märkten der ­Industrieländern. Die afrikanischen  Bauen würden benachteiligt und für die Regierungen würde es sich nicht lohnen, in die Landwirtschaft zu investieren.

Dieser Auffassung widerspricht Volker Seitz heftig: „Everything but Arms“ ­(„Alles außer Waffen“) heiße ein Programm der EU, das im Jahr 2001 zur Unterstützung der am wenigsten entwickelten Länder eingeführt wurde – 34 von ihnen liegen in Afrika. Das ­Programm garantiert diesen Ländern den ­zollfreien ­Zugang zu den EU-Märkten für alle ­Güter – außer Waffen.

Auf internationalen Konferenzen stellten Afrikaner Forderungen nach Hilfe aus Europa oder Amerika, anstatt selbst Verantwortung zu übernehmen, sagt Volker Seitz. So sei zum Beispiel das “herrschende Personal” in Angola mehr interessiert an Billigimporten (z.B. Hühnerfleisch, Tomatenmark oder Milchpulver) zur Versorgung der politisch einflussreichen Städter, als an Förderung der politisch wenig interessanten Bauern. “Nationale Machteliten neigen dazu, die Wünsche ihrer eignen ethnischen Gemeinschaft und ihrer Wählerschaft in den Städten zu erfüllen. Das hat Vorrang vor objektiven wirtschaftlichen Entwicklungszielen.”

Bei schwachen demokratischen Strukturen sei es schwer, Politik zur Ernährungssicherung und damit zur Armutsreduzierung voranzutreiben, sagt Volker Seitz.

 

Hans-Werner Sinn: “Zuwanderung in die Sozialsysteme verhindern!”

Junge Afrikaner, die in Deutschland studieren, haben in der Regel ein Interesse daran, nach Beendigung des Studiums nach Afrika zurückzugehen und ihrem Land zu helfen. Flüchtlinge im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention, die aus einem bestimmten Grund nicht ein afrikanisches Land, sondern Europa bevorzugen, werden in der Regel wieder in ihr Land zurückkehren, wenn es den Fluchtgrund nicht mehr gibt. Oder sie stellen ein Einwanderungsgesuch und können bleiben, wenn sie erwünscht sind. Migranten, die gerne zeitweilig oder dauerhaft in einem anderen Land leben und arbeiten wollen, wird es immer geben. Sie alle sind willkommen. Nicht willkommen sind bei der Mehrheit der Deutschen dagegen Menschen, deren Absicht es ist, die Sozialsysteme auszunutzen.

Hans-Werner Sinn, ehemaliger Präsident des ifo Instituts in München, schlug dringend die Änderung von EU-Verträgen und vier zentrale Reformen vor, um die Union zu stabilisieren, darunter
“Erstens: Zuwanderung in die Sozialsysteme verhindern! Freizügigkeit, Sozialstaatlichkeit und Inklusion von Migranten in den Sozialstaat bilden ein unauflösbares Trilemma. Der Sozialstaat entwickelt eine Magnetwirkung, die ihn zugrunde richtet, wenn die Politik nicht Freizügigkeit oder Inklusion beschränkt. Letzteres ist dabei das kleinere Übel. Sinnvoll wäre, zwischen erworbenen Sozialleistungen, die von den Gastländern zu erbringen sind, und ererbten Sozialleistungen zu trennen, für die die jeweiligen EU-Heimatländer zuständig sind. Zu den erworbenen Leistungen würden etwa die Arbeitslosen- und Rentenversicherung gehören. Steuerfinanzierte Sozialleistungen wie Wohngeld, Sozialhilfe oder Kindergeld wären hingegen ererbte Ansprüche. Diese Trennung würde den Run von Zuwanderern auf besser entwickelte Sozialstaaten verhindern, die Versorgung der Bedürftigen grundsätzlich sichern und die Freizügigkeit erhalten.”

 

Quellen:

Foto: silviadegio, pixabay

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Chicago

Die absurde Freude über eine “Trump-freie Zone” in Chicago

Der Bürgermeister von Chicago, Rahm Israel Emanuel (Demokratische Partei), verkündet, Chicago sei eine “Trump-freie Zone”. Er stellt sich gegen die Pläne des US-Präsidenten, Kinder von illegalen Einwanderern abzuschieben. Eine menschliche Geste?

 

Chicago – ein sicherer Hort für Kinder?

Was für ein Leben würde die Kinder in Chicago erwarten? Wären Kinder in der “Trump-freien Zone” Chicagos in Sicherheit?
Einwohner von Chicago denken, dass es genauso wahrscheinlich ist, dass Kinder, die dort aufwachsen, Opfer eines Gewaltverbrechens wie ein Hochschulabsolvent werden. (“Chicago residents think kids growing up there are as likely to be violent-crime victims as college graduates.

Der Chicagoer Bürgermeister steht unter massiver Kritik. Im Unterschied zum damaligen New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani (Republikanische Partei) ist es ihm bisher nicht gelungen, das Verbrechen in Chicago erfolgreich zu bekämpfen. In New York ging die Zahl der Morde und Überfälle drastisch zurück, nachdem Giuliani selbst kleinste Verbrechen mit aller Härte bestrafen ließ („Null-Toleranz-Politik“). Am Ende seiner Amtszeit hatte sich die Zahl mit 556.000 Gesetzesverstößen fast halbiert. Und auch die Zahl der Morde ging von mehr als 2000 auf 960 zurück.

Die Sicherheitsbehörden in Chicago bezeichneten dagegen den Kampf gegen die Gewalt in Chicago als verloren. Morde und Schießereien sind in keiner anderen Stadt der USA so häufig wie in Chicago. Im Vergleich zu 2015 stieg die Zahl der Morde 2016 um 60 Prozent auf insgesamt 763. Chicago, mit 2,7 Millionen Einwohnern die drittgrößte Metropole der USA, hat damit mehr Mordopfer als die beiden größten Städte der USA, New York und Los Angeles, zusammen.

Die Behörden machen für diese seit Jahren steigenden Verbrechensraten vor allem die zunehmende Zahl von Waffen und Banden verantwortlich. Die Bandenkriminalität in Chicago wird ethnisch grob in Latinogangs und in Schwarzengangs eingeteilt. Obwohl das Waffengesetz eines der härtesten der USA sei, werde es nicht angewendet, lautet die Kritik.

 

Trump will Blutvergießen in Chicago beenden

Der US-Präsident Donald Trump hatte bereits Anfang des Jahres 2017 Hilfe bei der Verbrechensbekämpfung in Chicago angeboten. Am 30. Juni 2017 äußerte er sich via Twitter:

“Die Trump-Verwaltung lässt das Blutvergießen nicht weiter zu; wir können diese Ausmaße der Gewalt nicht akzeptieren”, sagte der Generalstaatsanwalt Jeff Sessions in einer Erklärung. “Aus diesem Grund haben wir unter der starken Führung von Präsident Trump die Chicago Gun Strike Force geschaffen und 20 weitere permanente ATF-Agenten nach Chicago geschickt, die Bundesstaatsanwaltschaften neu vergeben, der Strafverfolgung zur Verringerung der Waffengewalt Priorität eingeräumt, um mit unseren Strafverfolgungspartnern zusammen die Gesetzlosigkeit zu beenden.” (“The Trump Administration will not let the bloodshed go on; we cannot accept these levels of violence,” Attorney General Jeff Sessions said in a statement. “That’s why, under President Trump’s strong leadership, we have created the Chicago Gun Strike Force and are sending 20 more permanent ATF agents to Chicago, reallocating federal prosecutors and prioritizing prosecutions to reduce gun violence, and working with our law enforcement partners to stop the lawlessness.”)

 

Die Resonanz im öffentlich rechtlichen Rundfunk, ARD und ZDF

“Trump-freie Zone” ist ein Stichwort für deutsche Medien, um ihre negative Einstellung zur Regierung Trump zu bestätigen. Sie heben die Bemerkung des Bürgermeisters Rahm Emanuel optisch hervor.

Die Tagesschau zeigt auf Facebook einen Videoausschnitt der Erklärung des Chicagoer Bürgermeisters, und das ZDF honoriert sein Statement mit einem Bild-Zitat.

Chicago sei eine "Trump-freie Zone", verkündet Bürgermeister Emanuel. Er stellt sich damit gegen die Pläne des US-Präsidenten, Kinder von illegalen Einwanderern abzuschieben.

Posted by tagesschau on Donnerstag, 7. September 2017

 

Kommentar von ZDFheute zum Bild-Zitat Rahm Emanuels, Facebook, 7. September 2017: “US-Präsident Donald Trump hat das “Dreamer”-Programm außer Kraft gesetzt, das Hunderttausende Kinder illegaler Einwanderer vor Abschiebung schützte. Kritik kommt aus Chicago.”

Kritik erwartet man jedoch von den Medien an dem Versprechen des Demokraten Emanuel, der behauptet: “Ihr müsst euch keine Sorgen machen”.  Hat sich der Bürgermeister an die Gewalt in Chicago gewöhnt? Die Einwohner von Chicago beurteilen die Sicherheit in ihrer Stadt offenbar anders als ihr Bürgermeister.

Titelfoto: tmannis, pixabay

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Indien

Merkel: “Deutsche Kompetenzen passen gut zu meiner Vision für Indiens Transformation.” 

Die Befürworter der Erneuerbaren Energien fühlen sich seit dem Pariser Abkommen 2015 vollauf bestätigt. Sie glauben, dass sie in Indien ihre Vision von einer Transformation der Welt zu Gunsten einer weltweit vorwärts strebenden Industrie für Erneuerbare Energien realisieren zu können. Indien ist das größte Land in Südasien und nach China das bevölkerungsmäßig zweitgrößte Land (1,2 Milliarden Menschen) der Welt. Aber weder in Deutschland noch in Indien sind die Interessen der Regierungen und Banken dieselben wie die der Naturschützer. Prerna Singh Bindra gilt als eine für Umwelt und Reisen führende Journalistin in Indien. Sie ist auch international bekannt. Unter anderem erhielt sie den Carl Zeiss Wildlife Conservation Award in 2007. Es sei ironisch, dass die Symbole der sauberen Energie Mittel der ökologischen Zerstörung sind, sagt sie. In The Hindu, der drittgrößten englischsprachigen Tageszeitung Indiens, schrieb sie in dem Artikel “The bustard and the windmill” (“Die Trappe und das Windrad”) über die Vernichtung bedrohter Tierarten durch Windkraftanlagen.

 

“Wüsten beherbergen einige spektakuläre Wildtiere. Aber jetzt sind sie durch riesige Solar- und Windparks bedroht.”

Am Nachmittag des 17. Juli stürzte ein großer gelbbraun-weisser, einem Strauß ähnlicher Vogel in eine 33-KV-Übertragungsleitung, die an Windkraftanlagen in Naliya angeschlossen war, am Rande des Lala-Bustard-Schongebietes in Kutch, Gujarat. “Das war kein gewöhnliches Vogeltod”, sagt die Naturschützerin und Journalistin Prerna Singh Bindra.

Getötet wurde eine der Großen Indischen Trappen, von denen es weltweit heute schätzungsweise nur 150 gibt. Den Tod des jungen weiblichen Vogels bezeichnet Prerna Bindra als “eine ökologische Katastrophe”. Er bedeute, dass es jetzt ein Individuum einer äußerst bedrohten Spezies – der Großen Indischen Trappe – weniger gebe. Dieser besondere Vogel wurde von Satelliten überwacht. Informationen, die von GPS-Sendern erbracht wurden, hätten gezeigt, dass er sich regelmäßig zwischen Naliya und der 30 km entfernten Küste von Dadamapar Dorf bewegte.

Aber der Tod war wohl unvermeidlich, sagt die Naturschützerin, denn der Abstand zwischen den beiden Lebensräumen sei dicht mit Windenergieanlagen zugestellt worden. Der seltene Vogel sei von einer scheinbar gutartigen Aktivität bedroht, durch Wind- und Solarenergieprojekte. Stromleitungsnetze – viele davon für Projekte mit Erneuerbaren Energien – hätten in den letzten zehn Jahren mindestens sieben Trappen in Indien getötet. Trappen gehören zu den größten fliegenden Vögeln der Welt. Sie seien weltweit wegen der relativ niedrigen Flugwege und des geringen Sehvermögens leicht Opfer von Stromleitungen, erklärt ein Vogelkundler.

Einer US-Studie zufolge töten Windenergieanlagen jährlich weltweit zwischen 140.000 und 328.000 Vögel, sagt Prerna Bindra. Aber eine größere Sorge als dieses direkte Gemetzel sei der Verlust des notwendigen Lebensraumes – die größte Ursache der Artenauslöschung. Ein paar Meilen nördlich von Kutch befindet sich einer der größten Nationalparks Indiens. Das letzte Mal, als sie vor vier Jahren ein Weideland in Salkhan außerhalb des Parks besuchte, verfolgte sie die winzigen Spuren einer Wüstenkatze, entdeckte einen indischen Fuchs, sah eine Schar von Geiern über einer Beute, während ein Falke kreiste, aber sie sah nicht die berühmtesten Wiesenbewohner, die große indische Trappe. Der damalige Parkdirektor G.S. Bhardwaj habe ihr gesagt, dass er im Sommer 2013 noch 24 Trappen gezählt hatte. In den folgenden zwei Jahren sei die Landschaft durch unendliche Hektar Windparks umgestaltet worden. Bhardwaj habe deshalb im Jahr 2015 an den Bezirk geschrieben: “Wenn diese Art von großflächiger Installation von Windrädern und zugehörigen Stromübertragungsleitungen (plus Eingriff in die Landschaft) weiter betrieben wird, verliert der Vogel seinen Lebensraum, und folglich wird er vollständig aus dem (Salkhan) Gebiet verschwinden.”

 

Windräder auf Bergrücken und Plateaus zerstören Lebensräume für Tiere

Eine andere durch die Windenergie bedrohte Trappenart sei die Barttrappe, ein markanter Vogel, der für sein aufwändiges Ritual bekannt ist. Die Naturschützerin hatte ihn während eines unvergesslichen Monsuns beobachtet – der männliche Vogel, mit langen, bandartigen Federn an den Seiten seines Kopfes, sprang mindestens zwei Meter in die Luft, stieg ab und sprang dann wieder auf, bevor er zu Boden schwebte. Die Barttrappe ist dafür bekannt, dass der Vogel unermüdlich die yo-yo-Routine 500 mal am Tag wiederholt, um eine Partnerin zu umwerben. Die Zahl dieser Vögel, die auf dem Subkontinent heimisch sind, sei rasch rückläufig.

Rieseneichhörnchen

Indisches Rieseneichhörnchen

Ihr Besuch in Ratlam und Dhar Bezirken in Madhya Pradesh, früher eine Hochburg des Vogels, sei ein Schock für sie gewesen, sagt Prerna Bindra. In der Region lebten kaum noch Barttrappen, wurde ihr gesagt. Und auch hier, unter einer Reihe von Gefahren, gebe es Erneuerbare Energie. Die von dem Vogel bevorzugten Wiesen seien in Reviere für Windkraftanlagen verwandelt worden.

Wüsten, oft wohlüberlegtes Ödland, sind Schmezltiegel der spektakulären Wildtiere, sagt Prerna Bindra, aber sie seien von Indiens ehrgeizigen Erneuerbaren Energieerzeugungsziel, von 175 GW bis 2022, bedroht. Der ökologische Fußabdruck einer einzelnen Windkraftanlage oder Solarpanele könnte vernachlässigbar sein, aber große Wind- oder Solarparks beanspruchen riesige Landstriche. Straßen werden gebaut, um Turbinen heranzuschleppen. Und bei Erdarbeiten werden Wälder oder Wiesen zerfetzt, wodurch die Landschaft dauerhaft verändert werde.

Auch in den westlichen Ghats, einem globalen Biodiversitäts-Hotspot, drohen Windräder die Bergrücken und Plateaus zu kolonisieren. So seien zum Beispiel 300.000 Bäume für den Bau einer Straße für einen Windpark entlang der Hügel in der Nähe des Bhimashankar-Heiligtums in Maharashtra gefällt worden. Hier sei ein Lebensraum für Leoparden, Schuppentiere und dem indischen Riesen-Eichhörnchen.

 

Symbole der sauberen Energie sind Mittel der ökologischen Zerstörung

Es sei in der Tat ironisch, dass diese Symbole der sauberen Energie auch Mittel der ökologischen Zerstörung sind. Nach der U.S. Geological Survey benötige ein Megawatt Windkraft im Durchschnitt etwa 100 Tonnen Stahl, 400 Tonnen Beton, 6,8 Tonnen Glasfaser, neben Kupfer und Gusseisen, sagt Prerna Bindra. Der Bergbau für Eisenerz und Sand sei energieintensiv und zerstöre Urwälder und Wildtierlebensräume.

Vanishing

Prerna Singh Bindra: The Vanishing India’s Wildlife Crisis.  ⇒Hier erhältlich.

Es sei eine Umweltlästerung, erneuerbare Energien in Frage zu stellen, doch ihre ökologischen Kosten könnten nicht ignoriert werden, sagt die Naturschützerin. Sie stellt die Frage: “Ist eine “saubere” Energiequelle wirklich “grün”, wenn sie Ökosysteme und Wildtiere zerstört?”

Der Anteil der erneuerbaren Energien in unserem Energiemix müsse signifikant sein, aber mit der notwendigen Umweltprüfung und der Beachtung von Vorschriften. Dieser Sektor bekomme derzeit einen Freifahrtschein und sei von Umweltverträglichkeitsprüfungen und öffentlicher Anhörung befreit. Prerna Bindra hält die dezentralisierte Erneuerbaren Energien für einen Weg nach vorne. Bestimmte kritische Bereiche müssten “no-go” Zonen sein. Zunächst einmal die Heimat der großen indischen Trappe.

Das Buch “The Vanishing: India’s Wildlife Crisis” wurde im Juni 2017 veröffentlicht.

 

Die indische Euphorie für Erneuerbare Energien

“Indien war lange Zeit Nachzügler, wenn es um erneuerbare Energien ging. Inzwischen hat es eines der ambitioniertesten Ausbauprogramme der Welt. Auch deutsche Expertise ist dabei gefragt”, war Anfang 2017 in den Medien zu lesen. Großkonzerne und Banken hatten das indische Potenzial für Erneuerbare Energien aber schon längst entdeckt. Nach den Bloomberg-Daten sei der Spitzenwert bei den indischen Investitionen in Erneuerbare schon 2011 mit jährlich mehr als 13 Milliarden US-Dollar erreicht worden.

Seit 2011 treffen sich Deutschland und Indien alle zwei Jahre zu Regierungkonsultationen, berichtet klimaretter.info am 29. Mai 2017. Nur zu wenigen Ländern pflege Deutschland derart intensive Beziehungen. Als Merkel 2015 nach Indien reiste, sei eine Solarpartnerschaft geschlossen worden.

Knapp eine Milliarde Euro habe Deutschland für den Klimaschutz zugesagt. Zugleich sollen laut klimaretter die Erneuerbaren-Kapazitäten massiv ausgebaut werden. Bis 2022 strebe Indien eine Kapazität von 175.000 Megawatt Erneuerbaren an, darunter 100.000 Megawatt Photovoltaik. 2030 sollen Erneuerbare 40 Prozent des Stroms liefern. Und es müsse auch künftig weiter kräftig in Erneuerbare investiert werden.

Die Entwicklungsbank KfW hat Kredite von gut einer Milliarde Euro für “Green Energy Corridors” vergeben, die den Ökostrom vom Erzeuger dorthin transportieren sollen, wo er gebraucht wird. Mindestens eine weitere Milliarde fließt im Rahmen der deutsch-indischen Solarpartnerschaft, die zum Beispiel den Ausbau von Solarzellen auf indischen Dächern fördern soll.

 

Angela Merkel: “Deutsche Kompetenzen passen gut zu meiner Vision für Indiens Transformation.” 

 

Grenzen des Wachstums für die ökologische Industrie

Die indische Euphorie für Erneuerbare Energien könnte dennoch gebremst werden. Zu den Bremsfaktoren zählen mangelnde Speicherkapazitäten, zu wenig Hochspannungsleitungen, Finanzierungsengpässe und zu wenig Fachpersonal.

Aber es geht nicht nur um fehlende Speicherkapazitäten, sondern auch um die Kosten für Speichersysteme. Die sind teuer, höchstwahrscheinlich unbezahlbar.

Noch kann Indien Schwankungen in der Energieversorgung durch seine hohe Produktion an Kohleenergie ausgleichen. Doch je höher der Anteil von Wind- und Solarstrom wird, “desto mehr muss das Land sich über Möglichkeiten Gedanken machen, die Versorgung auch durch Speichersysteme zu stabilisieren – und die sind teuer. Auch bei der Finanzierung seiner Kraftwerke ist das Land auf Kapital aus dem Ausland angewiesen. Sollten die Zinsen deutlich ansteigen oder das Vertrauen der internationalen Investoren wieder schwinden, lauern auch hier Gefahren für die Ausbaupläne.”

 

Vielleicht wäre dies eine Gefahr für die Ausbaupläne der Lobby für Erneuerbare Energien, aber ein Glücksfall für Indien und den Naturschutz.

 

Quellen:

Titelfoto: The Hindu
Foto Rieseneichhörnchen: ewi

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Lithium

Was kümmert die Klimaschützer die Erde der anderen? Lithium aus Bolivien

Während die “Fossil-Free-Bewegung” unter dem Banner des “Klimaschutzes” ein riesiges Spektakel um die Förderung der Braunkohle und Tagebaue macht, schweigen ihre Anhänger, wenn es um die Umwelt- und Naturzerstörung für Erneuerbare Energien und Elektromobile geht.

 

Elektromobile brauchen große Mengen an Lithium

Damit 90 Prozent der Autos weltweit elektrisch fahren können, sind einer Studie des Bundesumweltministeriums zufolge 450 000 Tonnen Lithium pro Jahr nötig. Aber um Material für einen Tesla-Akku zu gewinnen, müssten die Produzenten mehrere Millionen Liter Wasser verdunsten lassen.

Bolivien verfügt über die größten Lithiumreserven der Welt. Ohne Lithium keine globale Elektro-Auto-Offensive, man braucht den Rohstoff für die Batterien. Indigene Gemeinden fürchten irreparable Umweltzerstörungen. Das kümmert weder die friedlichen Teilnehmer an Klimaschutzdemonstrationen, noch die “Klimaschutzaktivisten”, die freiwilligen Sturmabteilungen der Großkonzerne, deren Geschäftskonzept “Umweltschutz” lautet. Für die freiwilligen Söldner, deren strategisch geplante und durchorganisierte Auftritte man in der Lausitz und in Hamburg beobachten konnte, gibt es noch keine passende Bezeichnung.

Foto: rodrigojicarvalho, Salar de Uyuni, pixabay

„Lithium ist für unsere Entwicklung das strategische Element – und für die Welt“, zitiert die Saarbrücker Zeitung den politischen Direktor des Lithiumprogramms, Juan Carlos Montenegro. Er habe in Heidelberg Mineralogie studiert, erwähnt die Zeitung.

Die Lithium-Anlage in Bolivien wird vom Thüringer Unternehmen K-Utec geplant. “Wer Zugriff auf den Bau und eine Beteiligung beim Betrieb bekommt, hat in einem der Zukunftsmärkte einen Fuß in der Tür”, meint die Saarbrücker Zeitung. Kritiker warnen, dass der Wunsch Boliviens, das Land könne durch eine riesige Batteriefabrik für die Autokonzerne, die gebaut werden sollen, reich werden, nicht in Erfüllung gehen könnte.

 

Lithium

Der extrem hohe Wasserverbrauch für die Herstellung von Lithium führt in den umliegenden Gemeinden zu Wasserknappheit, Bodenkontaminierung und einer Verseuchung des Trinkwassers, da das Abwasser aus dem Abbauprozess oft ungeklärt abgeleitet wird. „Es gibt zwei große Probleme: Den Wasserverbrauch und den Energieverbrauch“, sagte Michael Alvarez Kalverkamp, Pressesprecher für Internationale Zusammenarbeit der Heinrich-Böll-Stiftung laut arte. Durch den Abbau seltener Metalle erhöhe sich der Energiebedarf in den Herkunftsländern, weshalb in preiswerte Energie wie Kohlekraft investiert werde, was zu neuen Umweltproblemen führe.

Umweltprobleme werden durch politisch motivierte Aktivisten jedoch zur Seite gewischt. Für sie steht fest, dass die Nutzung fossiler Energiequellen die Hauptursache für den menschengemachten Klimawandel und daher der schlimmste aller Feinde ist. Sie verdammen den Braunkohletagebau, schließen sich der “Fossil-Free”-Bewegung an und denken nicht darüber nach, welchen grausamen Beitrag sie selbst zur Zerstörung des Planeten Erde leisten. Sie könnten wissen, welche Umweltschäden durch die Goldgräberstimmung im Bereich der Erneuerbaren Energien entstehen – wenn sie es wissen wollten.

“Windkraft ist nicht so umweltfreundlich wie man denkt” – eine sehenswerte Sendung von Panorama (2011):

Titelfoto: jerzykwpodrozy, pixabay – Salar de Uyuni

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Annahmen

Tom Harris: Grundlegende Annahmen zum Klimawandel müssen überprüft werden

Wissenschaftler, egal welcher Fachrichtung, fürchten sich nicht vor “Untergrabungen” der Wissenschaft, sondern vor einem Stillstand der Diskussion. Um den Stillstand zu verhindern, befürworten politisch unabhängige Institutionen wie International Climate Science Coalition (ICSC), Kanada, die von der Trump-Regierung vorgeschlagene öffentliche Debatte durch zwei Teams: “Rotes Team / Blaues Team”. In einer öffentlichen Diskussion sollen die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Thema Klimawandel dargelegt werden. Dieser Vorschlag stößt bei arrivierten Klimaforschern auf massive Ablehnung. Für sie sind das “gefährliche Versuche, den Status der Minderheitenmeinungen zu erhöhen und die Legitimität, Objektivität und Transparenz der bestehenden Klimaforschung zu untergraben.”

 

In der Wissenschaft gibt es keine “bekannte Tatsache”

In einem Artikel in Citizens Journal geht Tom Harris, Executive Director der International Climate Science Coalition (ICSC), davon aus, dass grundsätzlich nichts in der Wissenschaft “eine bekannte Tatsache” sei, vor allem nicht in einer Disziplin, die so unreif sei und sich so schnell entwickelt habe wie die Klimaforschung. Es handle sich lediglich um die Meinungen von Experten, die auf ihren Interpretationen der Beobachtungen und ihrem Verständnis der heutigen Theorie basieren, sagt Harris. Und verschiedene Experten hätten unterschiedliche Meinungen, auch über Fragen, die viele Wissenschaftler als gesichert annehmen. Er begrüßt die Gründung eines “Red Team / Blue Team”. Sie sollten jede Vermutung zum Thema Klimawandel sorgfältig untersuchen, sagt er.

Nach Ansicht des ehemaligen Vizepräsidenten Al Gore gehen die Wissenschaftler “in einem hohen Maß an Sicherheit” davon aus, dass unsere Emissionen von Treibhausgasen einen gefährlichen Klimawandel verursachen, sagt Harris. Die Lösung sehe Al Gore in einer drastischen Reduzierung des Einsatzes fossiler Brennstoffe, die Quelle von 86% der weltweiten Energieversorgung. Al Gore erwarte,  dass wir glauben, dass die Klimawandel-Wissenschaft gefestigt sei.

 

Fragen an “Rotes Team / Blaues Team”

Wissenschaftler, die an der Debatte “Rotes Team / Blaues Team” teilnehmen, werden zweifellos untersuchen, inwieweit der jüngste Klimawandel gegenüber dem von Menschen verursachten Klimawandel natürlichen Ursprungs ist, sagt Tom Harris. Außerdem würden die Wirksamkeit der Computermodellierung für die Prognose des zukünftigen Klimas und die Trends bei extremen Witterungen und andere Themen der aktuellen Debatte untersucht.

Worüber wahrscheinlich nicht diskutiert werde, aber werden sollte, seien die grundlegenden Bedenken zum Klimawandel. Die Experten sollten zum Beispiel aufgefordert werden, genau zu untersuchen, ob sich die Erde im vergangenen Jahrhundert wirklich erwärmt hat. Sie sollten den CO2-Rekord genauer betrachten und darlegen, ob die Levels seit den 1800er Jahren wirklich gestiegen sind und ob die menschlichen Aktivitäten als Hauptursache für den angenommenen CO2-Anstieg bewiesen sind.

 

Tim Ball: Grundfragen sind nicht geklärt

Im Gegensatz zu den Behauptungen von Gore seien diese Art von Grundfragen nicht gelöst, sagt Tom Harris. Professor Dr. Tim Ball, ehemaliger Klimatologe an der Universität von Winnipeg, sei ein Beispiel für einen gut qualifizierten Fachmann, der die Grundlagen der Klimadebatte in Frage stellt.

Ball widerspreche zum Beispiel der Behauptung, dass es einen 0.7 Grad Celsius Temperaturanstieg im vergangenen Jahrhundert gab. Es sei nicht wirklich möglich, dies zu wissen.

“Die besten Wetterstationen in der Welt, in Bezug auf die Dichte des Netzwerks, die Qualität der Instrumente und die Überwachung der Standorte, stehen in den Vereinigten Staaten”, sagte Ball. “Aber auch dort, wie eine Studie des Meteorologen Anthony Watts zeige, erreichen nur 7,9% der bestehenden Stationen Genauigkeiten, die besser sind als +/- 1 Grad Celsius. Also, wie kann man behaupten, dass ein 0.7-Grad-Anstieg über 100 Jahre irgendeinen Sinn hat?”

Während viele Menschen davon ausgehen, dass die CO2 -Konzentrationen in den letzten Jahrzehnten gestiegen sind, bestreiten einige Wissenschaftler dies. Ball sagt: “Der CO2 -Gehalt aus vorindustriellen Zeiten wurde vollständig manipuliert, um einen stetigen Anstieg von 270 Teilen pro Million [ppm] auf die aktuellen 400 ppm zu zeigen. Wissenschaftlich gültige chemische Messungen über CO2-Werte, die über denen von heute liegen, wurden einfach ignoriert.“

Der Anstieg des CO2-Niveaus könne einfach nur ein Resultat des Ausgasens von den Ozeanen sein, die durch Veränderungen der Sonne erwärmt wurden. Ball weise darauf hin, dass der geschätzte Gesamtbeitrag zur atmosphärischen CO2-Konzentration geringer ist als die Ungewissheit der Schätzung des CO2 aus den Ozeanen, so dass die Ermittlung des menschlichen Beitrags derzeit nicht möglich ist.

Es gibt Wissenschaftler, die natürlich nicht mit Ball einverstanden sind, sagt Harris. Aber sie können nicht rational begründen, dass ihre Position zu 100% sicher sei. Die “Rotes Team / Blaues Team”-Teilnehmer müssen bei der Klimawandel-Debatte jeden Stein umdrehen und die grundlegendsten Annahmen der Klimawandel-Debatte Wahrscheinlichkeiten zuordnen. (“The red team-blue team participants must leave no stone unturned and assign probabilities to even these, the most basic assumptions of the climate change debate.”)

 

Quelle:

Gore’s basic climate assumptions must be challenged


Ruhrkultour Leseempfehlung:

Thüne

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Debatten

“Und sie erwärmt sich doch” – Klimawissenschaftler in den USA lehnen öffentliche Debatten über den Klimawandel ab

Klimawissenschaftler in den USA lehnen öffentliche Debatten über den Klimawandel ab. Sie begründen ihre Ablehnung damit, dass der Status von Minderheitenmeinungen nicht erhöht und die Legitimität der bestehenden Klimaforschung nicht untergraben werden soll. Schließlich gehörten sie keinem Stamm (tribe) an, dem es daran gelegen sei, gegen die “andere Seite” zu gewinnen, sagen sie in einer Stellungnahme in der Washington Post. Ihre Hauptmotivation sei, die natürliche Welt zu verstehen und dieses Wissen und Verständnis zu nutzen, um über wichtige Fragen für vernünftige Entscheidungen der öffentlichen Ordnung zu informieren. Ob es ihnen gelinge sei das, wonach sie letztlich beurteilt würden.

 

Leugner diskutieren nicht, sie leugnen

Die Klimawissenschaftler Benjamin Santer, Kerry Emanuel und Naomi Oreskes lehnten kürzlich in einer Stellungnahme in der Washington Post Vorschläge von Steven Koonin und Scott Pruitt, eine öffentliche Diskussion über den Klimawandel zu führen, ab.  Steven Koonin ist Professor an der New York University und Scott Pruitt ist  der Leiter der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA,

Steven Koonin hat die Gründung eines “Red Team / Blue Team” vorgeschlagen, die eine öffentliche Debatte über die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel führen sollen. Scott Pruitt hat ebenfalls eine Diskussion über CO2 angeregt. Er schlug in einem Interview mit Breitbart News “eine echte, legitime, Peer-Review, objektive, transparente Diskussion über CO2” vor.

Solche Forderungen nach speziellen Teams von Ermittlern dienten nicht einer ehrlichen wissenschaftlichen Debatte, widersprachen die Klimawissenschaftler Santer, Emanuel und Oreskes. Sie seien “gefährliche Versuche, den Status der Minderheitenmeinungen zu erhöhen und die Legitimität, Objektivität und Transparenz der bestehenden Klimaforschung zu untergraben.” (“Such calls for special teams of investigators are not about honest scientific debate. They are dangerous attempts to elevate the status of minority opinions, and to undercut the legitimacy, objectivity and transparency of existing climate science.”)

Die Grundannahme dieser “Red Team / Blue Team” – Forderungen ist nach ihrer Ansicht, dass die Klimawissenschaft zerbrochen ist und der Bruch behoben werden müsse. Die implizite Botschaft der Vorschläge sei, dass die Wissenschaftler die wichtigsten Erkenntnisse der Klimaforschung – wie das Vorhandensein einer durch Menschen verursachten Erderwärmung – nicht ausreichend überprüft worden seien, sagen die drei Wissenschaftler. Die Vorschläge von Koonin und Pruitt betrachten sie als unangemessen. Schließlich seien alle Aspekte zum Klimawandel ausreichend analysiert, dokumentiert und überprüft worden, behaupten sie.

Die Idee, zwei Teams, “Rotes Team” und “Blaues Team” zu bilden, sei keine Möglichkeit, eine Diskussion über die Klimawissenschaft zu führen, sagen Santer, Emanuel und Oreskes, denn das Ergebnis aller Überprüfungen steht für sie fest. “Es gibt es einen starken wissenschaftlichen Konsens darüber, dass die Erderwärmung jetzt eindeutig ist und dass menschliche Aktivitäten der dominierende Beitrag zu dieser Erwärmung sind.” (“there is strong scientific consensus that planetary-scale warming is now unambiguous, and that human activities are the dominant contribution to this warming.”)

 

Peer-Review

Ein Peer-Review ist ein kollegialer Dialog auf Augenhöhe, Begutachtung durch Ebenbürtige, bei Ärzten als Kreuzgutachten bekannt. Das Verfahren dient im Wissenschaftsbetrieb zur Beurteilung der Qualität wissenschaftlicher Arbeiten und Publikationen. Zu einem Peer-Review werden unabhängige Gutachter (engl. peer für Ebenbürtiger, Gleichrangige oder auch referee für Schiedsrichter) aus dem gleichen Fachgebiet wie die Autoren herangezogen. In der Regel sind Wissenschaftler stolz, wenn ihre Arbeit ein Peer-Review überstanden hat. Je härter die Prüfer und je mehr Peer-Reviews, desto besser für den wissenschaftlichen Ruf. Wie begründen Santer, Emanuel und Oreskes ihre ablehnende Haltung zu einer öffentlichen Debatte und weiteren Peer-Reviews?

Koonins Behauptung, dass wichtige Unsicherheiten vernachlässigt werden, sei “offensichtlich falsch”, sagen die drei Forscher. Die Wissenschaftler hätten die wichtigsten Unsicherheiten identifiziert und quantifiziert und versucht, diese Unsicherheiten zu reduzieren. Auch seien die wissenschaftlichen Arbeiten Peer-Reviews unterzogen worden. Kritische Untersuchung von Modellen, Daten und Theorie seien ja keine Randaktivitäten.

Die drei Klimawissenschaftler räumen zwar ein, dass das von Koonin und Pruitt kritisierte Peer-Review-System unvollkommen sei, aber es sei “das beste System, das wir haben, und es habe der Wissenschaft schon seit Jahrhunderten gedient.”

Kritik an dem Klima-Konsens werde seit Jahrzehnten angeboten. Aber der Hinweis auf “natürliche Ursachen” passe nicht zu den “überwältigenden Beweisen für den vom Menschen verursachten Klimawandel.”

Diese Ansicht halten die drei Wissenschaftler für unvereinbar mit der Realität. Wobei sie Realität mit Meinung verwechseln, als könne jemals über die Realität per Meinung abgestimmt werden. (“Science has substantially improved our understanding of the physical climate system, the reality of human-caused warming, and the likely climatic outcomes if we do nothing to reduce emissions of greenhouse gases.”)

 

“Das eben ist der Fluch der bösen Tat, dass sie, fortzeugend, immer Böses muß gebären” (Schiller)

Die Wissenschaft habe das Verständnis für das physikalische Klimasystem, die Realität der menschlich verursachten Erwärmung und die wahrscheinlichen klimatischen Ergebnisse wesentlich verbessert. Wenn wir nichts tun, um die Emissionen von Treibhausgasen zu reduzieren, sagen die Klimawissenschaftler, wäre dies ein echter “Beratungsmissbrauch” und würde wirkungsvolle Maßnahmen zur Bewältigung des vom Menschen verursachten Klimawandels verzögern. (“Rejecting this tried and tested understanding would constitute real “advisory malpractice,” and would delay effective action to address human-caused climate change.”)

Können die Wissenschaftler die Möglichkeit eines Beratungsmissbrauchs ausschließen, weil sie selbst von sich und iohren Kollegen überzeugt sind, in guter Absicht zu handeln? Das wäre unwissenschaftlich. Unterlassene Beratung ist nicht dasselbe wie unterlassene Hilfeleistung. Wenn ein Beratungsmissbrauch stattgefunden hat, werden aus Wissenschaftlern Menschen, die, um nicht ihr Gesicht und ihren Job zu verlieren, an der Lehre, die zu einem Beratungsmissbrauch geführt hat, festhalten.

Aus diesem Grund erscheint die negative Reaktion auf die Vorschläge, zwei Teams im Sinne einer echten, legitimen, objektiven, transparenten und peer reviewed Diskussion über CO2 zu bilden, plausibel. Eine öffentliche Debatte über den Klimawandel und den Einfluss von CO2 könnte den Teufelskreis durchbrechen, in den Wissenschaftler geraten können, die als Berater durch Lobby-Organisationen oder staatlich finanzierte Institutionen bezahlt werden. Eine Schutzmaßnahme für Wissenschaftler.

Aber die Vorschläge von Koonin und Pruitt werden kurzum abgelehnt. Die Klimawissenschaft sei nicht zerbrochen. Sie brauche keine Fixierung. “Im Falle der Klimaforschung entscheiden wir uns, uns in Peer-Review und in der wissenschaftlichen Gemeinschaft zu vertrauen – nicht in Teams, die von Koonin oder Pruitt bestellt wurden. (“In short, climate science is not broken. It does not need fixing. We hear similar “broken” arguments about the media, the courts and our democracy itself. We are told that only one team or person can fix the problem; that if we place our trust in that one team, that one person, everything will be fine. In the case of climate science, we choose to place our trust in peer review and in the scientific community — not in teams appointed by Koonin or Pruitt.”)

 

Die wahre Lehre vom Klimawandel

Im Unterschied zum Umweltamt der USA beharrt das Umweltbundesamt in Deutschland (UBA) weiterhin auf die “wahre Lehre” vom menschengemachten Klimawandel.

2013 brachte das UBA eine Broschüre mit dem Titel „Und sie erwärmt sich doch“ heraus. Darin wurde erklärt, dass es bedauerlicherweise Wissenschaftler und Journalisten gebe, die Unwahrheiten über den Klimawandel verbreiten. Die Journalisten, Michael Miersch und Dirk Maxeiner, wurden vom UBA namentlich in der Broschüre genannt und gerügt. Sie fühlten sich durch die Bundesbehörde an den Pranger gestellt und verklagten das UBA. Die meisten Medien vertraten in der Klimadebatte die Auffassung, es stehe einer Behörde nicht zu, Journalisten zu denunzieren. Das Verwaltungsgerichts Halle stützte jedoch die Auffassung des UBA. Der Vorsitzende Richter Volker Albrecht erklärte die Klage der Journalisten als unbegründet. Ein Präzedenzfall, der Spuren in der öffentlichen Meinungsbildung hinterlassen hat.

Dem UBA ging es nicht allein um die beiden Journalisten. Die Speerspitze zielte gegen alle, die Zweifel an der Lehre vom menschengemachten Klimawandel hegen. In der Broschüre des UBA heißt es: “Schon lange warnt die Klimaforschung vor einer drohenden Klimaerwärmung, die für die – an die heutigen klimatischen Verhältnisse angepasste – menschliche Gesellschaft große Gefahren birgt. Im Gegensatz dazu gibt es einen Personenkreis, der die Erkenntnisse der Klimawissenschaft nicht anerkennt, die sogenannten „Klimawandelskeptiker“ oder kurz „Klimaskeptiker“. Dabei ist sich die wissenschaftliche Gemeinschaft über die Ursachen der Klimaerwärmung weitgehend einig.”

 

Fazit

Durch den Wechsel der Präsidenten in den USA ist Bewegung in eine festgefahrene Debatte gekommen. Seit dem 17. Februar 2017 ist Scott Pruitt Leiter der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA im Kabinett Trump. Wikipedia stellt ihn als “Lobbyist” und “Klimawandelleugner” vor. “Ein Triumph für Donald Trump, eine Gefahr fürs globale Klima”, urteilt der Spiegel über ihn. Die Mehrzahl der Medien in Deutschland vertritt die Position der Bundesregierung zum Klimawandel.

Wenn die Wissenschaftler einer Wissenschaftsdisziplin sich selbst genug sind, so dass sie konträre Auffassungen als Leugnung der Realität begreifen, ist, völlig unabhängig von Mehrheiten, die Wissenschaft wertlos. Sie muss dem Druck von Skeptikern standhalten können. Skepsis ist ein Wesenszug der Wissenschaft, nicht die Beratung. Skeptiker dienen der Wissenschaft, Berater ihren Auftraggebern. Und die Medien hätten die Pflicht, nicht Partei für Berater zu ergreifen, sondern darauf zu achten, dass es eine objektive, transparente Diskussion über CO2 und den Klimawandel gibt.

 

Quellen:

  • https://www.washingtonpost.com/news/capital-weather-gang/wp/2017/06/21/attention-scott-pruitt-red-teams-and-blue-teams-are-no-way-to-conduct-climate-science/?utm_term=.5ec82e327b5c
  • http://ruhrkultour.de/michael-miersch-gegen-das-umweltbundesamt-uba-prozessbeginn-18-november-2015/
  • https://www.welt.de/politik/deutschland/article149010802/Umweltbehoerde-darf-Journalisten-namentlich-ruegen.html
  • http://www.spiegel.de/politik/ausland/scott-pruitt-und-donald-trump-wer-ist-der-neue-chef-der-epa-a-1135234.html
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Sonnenkollektoren

China droht eine Umweltkrise durch alte Sonnenkollektoren

Tausende älterer Sonnenkollektoren, die über ganz China verteilt sind, könnten in den nächsten zwei Jahrzehnten eine Umweltkrise auslösen, sagen Branchenexperten. China habe mehr Solarkraftwerke als jedes andere Land und betreibe etwa doppelt so viele Sonnenkollektoren wie die USA. Es gebe allerdings keine Pläne, wie man die alten Solarpanel entsorgen kann.

 

Umweltprobleme durch Sonnenkollektoren

Solar

Wichtigste Länder weltweit nach installierter Photovoltaikleistung im Jahr 2016 (in Gigawatt)

Das Umweltproblem werde bei korrekter Schätzung mit voller Kraft in zwei oder drei Jahrzehnten explodieren und die Umwelt zerstören, sagte Tian Min, General Manager einer chinesischen Recycling-Firma, der South China Morning Post. Die riesige Abfallmenge wird von Lu Fang, Generalsekretär der Solarenergie bei der China Renewable Energy Society, auf 20 Millionen Tonnen Solarpanelabfälle bis 2050 geschätzt.

Solarzellen verwenden beim Herstellungsprozess gefährliche Stoffe wie Schwefelsäure und Phosphingas, wodurch sie schwer zu recyceln seien. Solarmodule hätten auch eine relativ kurze Betriebslebensdauer und könnten nicht in einer Deponie ohne Schutz vor Kontamination gelagert werden.

Auf die Gefahr des besonders wirksamen Treibhausgases bei der Produktion von Solarzellen und auch Flachbildschirmen  hat Jochen Flasbarth, Präsident des Umweltbundesamts (UBA), 2013 hingewiesen: “Wir wissen, dass die Konzentration von Stickstofftrifluorid (NF3) in der Atmosphäre deutlich ansteigt. Dieser Stoff zählt zu den klimawirksamsten Gasen, die wir in der Atmosphäre haben”, sagte er laut Spiegel. NF3 sei 17.200-mal so wirksam wie Kohlendioxid. “Erschwerend kommt hinzu, dass NF3 nur sehr langsam abgebaut wird. Die Verweildauer in der Atmosphäre beträgt 740 Jahre.” Seit Dezember 2013 ist Jochen Flasbarth beamteter Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit der Regierung Merkel III.

 

Abfälle von Sonnenkollektoren sind giftiger als nukleare Abfälle

Sonnenkollektoren schaffen 300 Mal mehr giftige Abfälle pro Einheit der Stromerzeugung als Kernkraftwerke, berichtet The Daily Caller, unter Berufung auf Forschungen der grünen Gruppe Environmental Progress. Sonnenkollektoren verwenden Schwermetalle, einschließlich Blei, Chrom und Cadmium, die die Umwelt schädigen können. Die Gefahren von nuklearen Abfällen seien bekannt und könnten geplant werden, aber es sei nur sehr wenig getan worden, um das Problem der Solarabfälle zu mildern.

Japan bemühe sich derzeit um Möglichkeiten zur Wiederverwendung seiner wachsenden Solarabfälle. Sie werden voraussichtlich bis 2020 mehr als 10.000 Tonnen und  bis 2040 schließlich auf bis zu 800.000 Tonnen pro Jahr wachsen. Regierungen wie Japan und China fordern die stark unterstützte Solarindustrie auf, Solarabfälle zu sammeln und zu entsorgen.

 

Beim Bau von Solarzellen sind die Emissionen des starken Treibhausgases Stickstofftrifluorid (NF3) deutlich gestiegen

Einige Untersuchungen zeigen laut The Daily Caller, dass Sonnenkollektoren nicht einmal ein effektiver Weg zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen sind, worauf die gesamte Rechtfertigung für die Förderung dieser Technologie beruhe.

Tatsächlich haben Solarzellen laut einer Studie der Utrecht University vorübergehend die Kohlendioxid (CO2) Emissionen erhöht. Der Grund ist, dass viel Energie für ihren Bau verwendet wird. Die Solarindustrie werde “ein vorübergehender Netto-Emittent von Treibhausgasemissionen” sein, moderne Solarmodule hätten eine geringere nachteilige Umweltbelastung als ältere Modelle, sagen Wissenschaftler. Sie schätzten, dass die Solarindustrie als Ganzes spätestens bis 2018 eine positive Umweltbelastung haben könnte.

Daten der Regierung deuten darauf hin, dass der Bau von Solarzellen die Emissionen des starken Treibhausgases Stickstofftrifluorid (NF3) deutlich erhöht, was über einen Zeitraum von 100 Jahren 17.200 mal stärker als CO2 sei. Nach Angaben von The Daily Caller sind die NF3-Emissionen in den letzten 25 Jahren um 1.057 Prozent gestiegen. Im Vergleich dazu seien die US-Kohlendioxid-Emissionen im gleichen Zeitraum nur um etwa 5 Prozent gestiegen.

 

Quellen:

Foto: seagul, pixabay  

Stickstofftrifluorid (NF3)
Das farblose, brandfördernde Gas hat einen charakteristischen Geruch. Beim Erhitzen oder beim Verbrennen zersetzt sich der Stoff und bildet dabei toxische Dämpfe (Fluoride). Der Stoff kann inhalativ aufgenommen werden. Bei einer Freisetzung des Gases kommt es sehr schnell zu einer toxischen Kontamination der Luft. Bei einer Aufnahme entstehen Kopfschmerzen, Schwindel, eine Zyanose und eine Dyspnoe. Bereits nach kurzen Einwirkzeiten kann es zu einer Schädigung des Blutes (Methämoglobinbildung) kommen. Bei einer wiederholten oder längeren Einwirkung kann es zu Wirkungen auf die Leber und die Nieren kommen. http://www.gifte.de/Chemikalien/stickstofftrifluorid.htm

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Umweltschutzorganisationen

USA: Umweltorganisationen empfehlen Kohle statt Kernkraft

Umweltschutzorganisationen in den USA, Sierra Club und Friends of the Earth (FOE), versuchen, den Bau eines Kernkraftwerks zu verhindern. Sie empfehlen stattdessen die Kohleverbrennung.

 

Kernkraftwerk V.C. Summer könnte Lufterunreinigungen reduzieren.

Die Versorgungsunternehmen, die in das Atomkraftwerk investiert haben, kündigten an, dass sie das Projekt unter dem Druck von Sierra Club und Friends of the Earth stoppen werden. Environmental Progress, eine in Berkeley, Kalifornien, ansässige Forschungs- und Politik-Organisation, hat analysiert, dass fast die gesamte Elektrizität, die in South Carolina aus Kohle erzeugt wird, durch den Bau des V.C. Summer Kernkraftwerks ersetzt werden könnte. Dadurch würde die Verunreinigung der Luft durch Kohle in South Carolina um 86% reduziert. Die Luftverschmutzung durch Kohle sei Studien zufolge ein wichtiger Faktor bei Atemwegserkrankungen und niedrigerem Säuglingsgeburtsgewicht.

 

Sierra Club und Friends of the Earth (FOE) wollen lieber Kohle verbrennen

Die beiden Organisationen Sierra Club und Friends of the Earth (FOE) haben laut Environmental Progress einen Bericht veröffentlicht, in dem sie darlegen, dass es für die Verbraucher besser sei, kein Kernkraftwerk zu bauen, sondern fossile Brennstoffe zu verbrennen. Sie behaupteten, dass das Verbrennen von Erdgas eine bessere Investition für die Verbraucher sei als die Fertigstellung der Kernkraftanlage.

Beide Organisationen betreiben nach Ansicht von Environmental Progress eine verlogene Umweltpolitik. Nicht die Reduzierung der CO2-Emissionen stehe bei ihnen an erster Stelle, sondern ihre Gegnerschaft zur Kernenergie.

Environmental Progress erinnert daran, dass im Jahr 2012 die Sierra Club-Mitglieder an die Öffentlichkeit gegangen waren, um auf die Machenschaften des Präsidenten der Organisation hinzuweisen. Sie hatten ihn gezwungen zuzugeben, dass die Organisation 26 Millionen Dollar von einer Erdgasfirma angenommen hatte, um ihre Anti-Atom-Agenda zu unterstützen.

Bundes- und Landespolitiker könnten laut Environmental Progress bewirken, dass der Bau des Kernkraftwerks, fortgesetzt wird. Bisher seien bereits 9 Milliarden Dollar an Investitionen geflossen, sagt Environmental Progress auf seiner Facebookseite. Die Organisation kämpft für einen Neustart des Baus. Mit Unterstützung könnten sie die “Anti-Atom-Extremisten” besiegen, sagen sie.

 

Quelle:

http://www.environmentalprogress.org/big-news/2017/7/31/new-south-carolina-nuclear-plant-would-cut-coal-use-by-86-new-analysis-finds

Titelfoto Sierra Club WTC Group Five, Winter 2012, by: Michael R Perry

Der Sierra Club ist die älteste und größte Naturschutzorganisation der Vereinigten Staaten, Friends of the Earth (FOE) ist ein internationaler Zusammenschluss von Umweltschutzorganisationen mit über zwei Millionen Mitgliedern.

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