Polen

Polen will den Dual Fluid Reaktor (DFR) bauen

Das polnische Bergbauunternehmen KGHM Polska Miedź will in den Hochtemperaturreaktor DFR investieren. Der DFR (Dual Fluid Reaktor) produziert Strom, Wärme und Wasserstoff. Forsal.pl berichtet, dass Polen den DFR auf eine Liste gesetzt hat, die dem sogenannten Juncker Plan vorgelegt wurde. Forsal räumt allerdings ein, nicht zu wissen, wie ernst die Ideen aus dieser Liste zu nehmen sind.

 

Polen hat den DFR auf die Junker-Liste gesetzt

Über die Idee des DFR sei in jüngster Zeit berichtet worden, sagt Forsal. Das Ministerium für Entwicklung setzte ihn auf die Liste vom 10. Juli. Den DFR hält Forsal für die intellektuell die anspruchsvollste aller Ideen, die von der Entwicklungsabteilung an die Europäische Investitionsbank gemeldet wurden. Der Dual Fluid Reaktor sei ein neuer Reaktortyp mit sogenannten schnellen Neutronen. Er gehöre zur Familie der Hochtemperaturreaktoren (wie der HTR), die dem Ministerium für Energie zugeordnet seien, vor allem dem stellvertretenden Minister Andrzej Piotrowski, der für die Energietechnik verantwortlich ist.

Das Ministerium für Entwicklung beschreibt laut Forsal das Projekt wie folgt: „Ziel des Projekts ist die Entwicklung der Technologie des Dual Fluid Reaktors mit einer Temperatur von etwa 1000° C, der sehr billig Strom, Prozesswärme für die chemische Industrie, Wasserstoff und schwere Kohlenwasserstoffe produziert, z. B. in dem Kohlevergasungsprozess, so dass eine preiswerte Herstellung von flüssigen Brennstoffen möglich ist. Der DFR können in Bezug auf die Verbindung mit ​​großen Mengen an erneuerbaren Energiequellen ein perfekter Teil der Stromversorgung des Landes sein. Im Rahmen des Projekts werden für den ersten Testreaktor eine thermische Leistung von 100 MW geplant, um seine Eignung auch zur Herstellung von Wasserstoff im industriellen Maßstab aufzuzeigen.”

Der Prototyp-Reaktor mit einer Kapazität von 100 MW werde voraussichtlich 370 Millionen PLN (86.920.807 Euro, Kursdatum 31.7.2017) kosten.

 

Die Vorteile des DFR

Weitere Informationen über das Projekt habe die KGHM Pressestelle nicht zur Verfügung gestellt, berichtet Forsal. Mehr konnten sie jedoch von dem wichtigsten Förderer der Idee des DFR in Polen, Professor Zbigniew Czerski, in Erfahrung bringen. Zbigniew Czerski ist Kernphysiker und Dekan der Fakultät für Mathematik und Physik an der Universität Stettin.

Professor Czerski ist Mitbegründer des Instituts für Festkörper Kernphysik (IFK), Berlin, eine private wissenschaftliche Einrichtung, die den Dual Fluid Reaktor konzipiert hat und untersucht. Damit verbunden sei in der Tat eine lustige Geschichte, sagt Forsal. Das Institut habe mit seinem DFR den renommierten Wettbewerb Greentec Awards in Deutschland gewonnen. Das Projekt erhielt bei einer öffentlichen Umfrage die meisten Stimmen. Es sei jedoch von dem Wettbewerb ausgeschlossen worden, weil es als nicht „grün“ genug eingestuft worden sei.

Professor Czerski habe in einem Interview mit dem Portal WysokieNapiecie.pl die Vorteile des DFR aufgezählt. Zunächst einmal könne der DFR perfekt auf die Zusammenarbeit mit erneuerbaren Energiequellen abgestimmt werden. Der DFR sei sehr flexibel, er könne auf 7% Energieleistung abgesenkt werden. Dies sei ein bedeutender Vorteil gegenüber den bestehenden Strukturen der sogenannten 3 plus Generation, die nicht flexibel genug und daher mit instabilen erneuerbaren Energiequellen schlecht kompatibel seien.

Der DFR produziere Wärme zur Stromerzeugung und Prozesswärme, was ihn besonders attraktiv für Unternehmen mache, die wie KGHM technologische Wärme benötigen. KGHM habe vor ein paar Jahren in ein Gas-Kraftwerk investiert.

Der Reaktor verwende bereits gebrauchten Brennstoff aus Betriebsreaktoren. Es sei reichlich davon vorhanden. In Deutschland, das seine Atomkraftwerke in fünf Jahren abschalten will, reiche der Vorrat jahrzehntelang aus.

Solche Reaktoren könnten außerdem verwendet werden, um Kraftstoff für wasserstoffbetriebene Brennstoffzellen zu produzieren.

Professor Czerski habe versucht, die Erforschung des DFR durch mehrere polnische Staatsbetriebe fördern zu lassen, weil es in Deutschland kein Klima für die Entwicklung der Kernenergie gibt. Czerski habe durch Forsal erfahren, dass das DFR-Projekt von KGHM dem Juncker-Plan vorgelegt wird. Er sei erfreut gewesen, obwohl ein wenig überrascht, dass KGHM einen 100 MW Reaktor vorgeschlagen hat. Seiner Meinung nach würde es sinnvoller sein, an einer Einheit von 300 MW zu arbeiten. Leider könnten die Auswirkungen der Arbeit an dem DFR erst in etwa 10 Jahren gesehen werden.

 

Polnisch-deutsche Zusammenarbeit

Mittlerweile seien Projekte aus dem Juncker-Plan nicht auf die wissenschaftliche Forschung ausgerichtet, sondern auf eine schnelle Umsetzung, sagt Forsal. Das bedeute aber nicht, dass der DFR nicht unterstützt werde, vor allem weil er die polnisch-deutsche Zusammenarbeit fördere.

Der Juncker-Plan, auch bekannt als der European Strategic Investment Fund, ist die Reaktion der Europäischen Union auf den wirtschaftlichen Abschwung. Die Europäische Kommission und die EU behandeln Investitionen in moderne Infrastrukturen als Motor der Wirtschaft.

Quellen:

 

* KGHM Polska Miedź ist ein börsennotiertes polnisches Bergbauunternehmen mit Sitz in Lubin (Niederschlesien). Dem polnischen Schatzministerium gehörten 2010 31,79 % der KGHM-Anteile.
KGHM baut Kupfer (571.000 t im Jahr 2011) und Silber (1260 t im Jahr 2011), aber auch Gold, Blei und Steinsalz ab. Das Unternehmen erzielte 2011 mit 18.615 Mitarbeitern einen Umsatz von 20,1 Mrd. Złoty. Die Erze werden in einer eigenen Kupferhütte in Legnica verhüttet. KGHM ist mit einer Jahresförderung von über 1.200 Tonnen der bedeutendste Silberproduzent der EU und liegt an 3. Stelle weltweit. Das Unternehmen ist an 19 Gesellschaften beteiligt; insgesamt gehören 30 Gesellschaften zur Kapitalgruppe. (Wikipedia) http://kghm.com/en

** Die polnische Website Forsal.pl hat sich auf Volkswirtschaft, Finanzen und Wirtschaft spezialisiert. Sie gehörte nach einer Rangliste des Instituts für Medienbeobachtung 2011 und 2012 zu den zehn am meisten meinungsbildenden Medien in Polen und zu den wichtigsten polnischen Informationsquellen im Internet für Aktienanleger. http://www.axelspringer.de/presse/Axel-Springer-Polen-und-Wirtschaftsverlag-Infor-PL-gruenden-Joint-Venture_848594.html

Titelfoto: KGHM

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Felix Letkemanns kommentiert Harald Lesch

Gut erklären können, reicht nicht, es muss auch stimmen. Eine Antwort an Harald Lesch

Gut erklären können, reicht nicht, es muss auch stimmen. Das gilt auch für den Allrounder Prof. Harald Lesch, der es den Zuhörern leicht macht, ihm zu folgen. Felix Letkemanns kommentiert ein Video von Harald Lesch zum Thema Flüssigsalzreaktor. Er stellt Lesch als Verbreiter von Falschinformationen zur Rede.

“Gibt es eine Möglichkeit, Atomkraft komplett ohne Risiko zu erzeugen?”

Etwas schwieriger ist der Nachweis in Fragen der Kernenergie nicht nur deshalb, weil die Materie kompliziert ist, sondern vor allem deshalb, weil die vereinten Kräfte aus Politik, Nicht-Regierungsorganisationen und Kirchen der modernsten aller Energieformen nahezu den Garaus gemacht haben. Aber es gibt sie, die aufmerksamen Beobachter, die die Verbreiter von Falschinformationen zur Rede stellen. Aber es ist unwahrscheinlich, dass sie von Harald Lesch eine Antwort auf ihre Fragen erhalten.

“Gibt es eine Möglichkeit, Atomkraft komplett ohne Risiko zu erzeugen?” fragt Harald Lesch und stellt in dem Video den Flüssigsalzreaktor vor. “Eine sehr interessante Idee …”, sagt er.

Felix Letkemanns kommentiert Harald Leschs Vortrag mit folgenden Worten: “Harald Lesch hat ein Video zum Flüssigsalzreaktor gemacht und dort mit alternativen Fakten um sich geworfen. Deshalb eine Antwort, in der ich ein paar (nicht alle!) Sachen richtigstelle. Ich habe Herrn Lesch bereits vor ein paar Monaten eine Mail zu diesem Thema geschrieben, allerdings gab es damals nur eine automatische Antwort.”

Wie gefährlich das Tritium ist, mag man daran sehen, dass es bei Amazon käuflich erworben werden kann:  http://amzn.to/2m7jx0N

Kritik an Harald Lesch

Auch von anderer Seite kam Kritik an Leschs Video. Weil es keine “Atomlobby” gibt, kümmert sich ein privater Verein (Nuklearia) darum, dass das Wissen über die Kernenergie in Deutschland nicht gänzlich verloren geht. Rainer Klute kritisiert Harald Lesch in drei Punkten:
“1. In Hamm-Uentrop hat man einen Thorium-Hochtemperaturreaktor gebaut, aber – anders als Lesch behauptet – keinen Flüssigsalzreaktor, sondern einen Kugelhaufenreaktor. Der Kernbrennstoff befand sich in tennisballgroßen Kugeln. Dieses Reaktorkonzept hat China aufgegriffen und errichtet gerade eine Anlage, die 2018 in Betrieb gehen soll.
2. Weder der Thorium-Hochtemperaturreaktor in Hamm noch irgendein Thorium-Flüssigsalzreaktor ist ein Schneller Brüter, auch wenn Lesch das behauptet. Übrigens eignet sich ein Schneller Brüter – genauer: ein Schneller Reaktor – sehr wohl dazu, aus Atommüll Strom zu machen. Russland zeigt uns, wie das geht: http://nuklearia.de/2016/12/09/strom-aus-atommuell-schneller-reaktor-bn-800-im-kommerziellen-leistungsbetrieb/
 .
3. Lesch erklärt die Selbstregulierung eines Thorium-Flüssigsalzreaktors, als ob es ein völlig neuartiges Konzept wäre. Ist es aber nicht, denn das macht bereits jeder herkömmliche Kernkraftreaktor so, Stichwort: negativer Reaktivitätskoeffizient. Eine Ausnahme ist der russische RBMK-Reaktor (Tschernobyl-Typ), von dem leider noch 11 Blöcke laufen.”

Schlussfolgerung

Es liegt auf der Hand, dass die Schlussfolgerungen Harald Leschs nicht stimmen können, wenn er grundlegende Dinge nicht weiß – oder nicht wissen will.

Ein neuartiges Konzept für einen Flüssigsalzreaktor (Dual Fluid Reaktor) stellt das Institut für Festkörper-Kernphysik, Berlin, vor: http://dual-fluid-reaktor.de/index.php/technik

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Strom aus Atommüll – Fiktion, oder was?

Gäbe es keinen “Atommüll”, wäre die bunte Welt der Kernkraftgegner um einen wichtigen Punkt ärmer. Denn die Kernkraftgegner wollen partout nicht auf diesen identitätsstiftenden “Green Blob” verzichten. Aber es gibt eine Lösung, keine Wunschvorstellung, sondern ein real existierendes Kernkraftwerk, das etwas kann, wozu kein Windrad in der Lage ist: Aus nuklearen Abfällen Strom gewinnen. Dominic Wipplinger und Rainer Klute stellen diese umweltfreundliche Technik vor.

Strom aus Atommüll: Schneller Reaktor BN-800 im kommerziellen Leistungsbetrieb

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Foto: Rosatom

Seit dem 31. Oktober 2016 und damit gut einem Monat läuft Block 4 des russischen Kernkraftwerks Beloyarsk im kommerziellen Leistungsbetrieb. Es handelt sich um einen sogenannten Schnellen Reaktor vom Typ BN-800 mit einigen Eigenschaften, die ihn vom Gros der sonst üblichen Leichtwasserreaktoren abheben. Für das amerikanische Kraftwerkstechnikfachmagazins „POWER Magazine“ waren diese Besonderheiten jüngst Grund genug, der noch jungen Anlage die Auszeichnung „Top Plant“ zu verleihen.

Ein wesentlicher Punkt, der zu dieser Entscheidung führte, ist die Fähigkeit des BN-800, nicht nur Uran, sondern auch Plutonium und die übrigen Transurane als Brennstoff zu nutzen. Diese hochradioaktiven und langlebigen Stoffe fallen beim Betrieb üblicher Kernreaktoren als Atommüll an und lassen sich dort nicht weiter verwerten. Allerdings enthalten diese Abfälle noch 96 Prozent der ursprünglich im Kernbrennstoff steckenden Energie, also fast alles. Schnelle Reaktoren wie der BN-800 sind in der Lage, diese Energie freizusetzen und Strom daraus zu gewinnen. Die bessere Brennstoffausnutzung führt zu viel weniger Reststoffen, die außerdem erheblich geringere Halbwertszeiten aufweisen und somit viel schneller abklingen.

Russland will die Abfälle herkömmlicher Leichtwasserreaktoren reyclen und das Atommüllproblem innerhalb der nächsten Jahrzehnte mit Hilfe Schneller Reaktoren lösen. Fachleute nennen das Atommüll-Recycling auch das »Schließen des Brennstoffkreislaufs«. Der BN-800 ist für Russland ein wichtiger Meilenstein auf diesem Weg. Er zeigt, dass das Verfahren funktioniert – und zwar nicht nur im Labor oder mit einem Forschungsreaktor, sondern in einer industriellen Großanlage im kommerziellen Leistungsbetrieb mit einer planbaren und zuverlässigen Einspeisung von 800 Megawatt in das Stromnetz der Oblast Swerdlowsk.

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Geschlossener Brennstoffkreislauf mit thermischen Reaktoren und Schnellen Brütern. Quelle: Deutsche Nucleopedia

Von Beloyarsk 4 versprechen sich die russischen Reaktorbauer wichtige Betriebserfahrungen für den Nachfolger des BN-800: Der BN-1200 soll eine um 50 Prozent höhere Leistung bringen, zugleich aber einfacher und preiswerter als der BN-800 sein und weiter gesteigerte Sicherheit bieten. Der erste der BN-1200-Reaktoren soll ebenfalls am Standort Beloyarsk entstehen; eine Entscheidung darüber wird 2019 erwartet und hängt von den Ergebnissen des BN-800 ab.

Der Reaktorkern des BN-800 wird nicht mit Wasser gekühlt, sondern mit flüssigem Natrium. Anders als in gewöhnlichen Kernkraftwerken gibt es keinen Moderator, der die bei der Kernspaltung freiwerdenden Neutronen abbremst. Der BN-800 arbeitet mit schnellen, energiereichen Neutronen – daher die Bezeichnung »Schneller« Reaktor. Zwar sind weltweit eine ganze Reihe Schneller Reaktoren in Betrieb, doch ist Beloyarsk 4 nach Stilllegung des französischen Superphénix 1997 der leistungsstärkste und zusammen mit seinem Vorläufer BN-600 der einzige kommerziell betriebene Kernkraftwerksblock mit einem derartigen Reaktor. Der BN-600 steht als Block 3 ebenfalls im Kernkraftwerk Beloyarsk und ist bereits seit 1980 in Betrieb.

Der BN-800 nutzt im Gegensatz zu den meisten gewöhnlichen Kernkraftwerken kein angereichertes Uran als Brennstoff, sondern Plutonium-Uran Mischoxid (MOX). In seiner gegenwärtigen Kernkonfiguration kommen Plutonium aus ehemaligen sowjetischen Kernwaffen sowie abgereichertes Uran zum Einsatz, das als Abfallprodukt bei Anreicherung und Wiederaufarbeitung anfällt. Damit soll der BN-800 den russisch-amerikanischen Abrüstungsvertrag (START) erfüllen, der auf beiden Seiten die Vernichtung von 34 Tonnen waffenfähigen Plutoniums vorsieht. Allerdings setzte Russland Anfang Oktober 2016 den START-Vertrag einseitig aus. Präsident Putin warf den USA vor, ihren Verpflichtungen nicht nachzukommen, da das Land die Herstellung von Plutonium-Uran Brennstoff aufgegeben habe.

Wie es mit der Vernichtung des Waffenplutoniums in Russland weitergeht, ist noch unklar. Sie sollte sich eigentlich über die nächsten Jahre erstrecken. Jedenfalls kann der BN-800 wie erwähnt auch Plutonium aus den gebrauchten Brennelementen gewöhnlicher Kernkraftwerke als Brennstoff nutzen.

 

Effektive Plutonium-Verwertung

Als Schneller Reaktor kann der BN-800 Plutonium effektiver verwerten als ein gewöhnliches Kernkraftwerk mit thermischem Leichtwasserreaktor, in welchem die bei der Kernspaltung entstehenden Neutronen durch das auch als Moderator dienende Kühlwasser abgebremst werden. Beim Einsatz von Plutonium als Brennstoff in einem thermischen Reaktor wird nur ein Teil der Plutonium-239-Kerne gespalten. Ein anderer Teil wandelt sich durch Neutroneneinfang in Isotope wie beispielsweise Plutonium-240 oder Plutonium-242 um. Da Isotope mit gerader Massenzahl im thermischen Neutronenspektrum schlecht spaltbar sind, nimmt ihr Anteil immer weiter zu, bis sich das Plutonium nicht mehr für den Einsatz in thermischen Reaktoren eignet.

Schnelle Neutronen hingegen neigen eher als thermische Neutronen dazu, Plutoniumkerne zu spalten, statt von ihnen absorbiert zu werden. Vor allem aber können sie auch die im thermischen Spektrum schlecht spaltbaren Isotope zerlegen. In einem Brennstoffkreislauf mit thermischen und Schnellen Reaktoren lässt sich das Plutonium daher vollständig verwerten. Die Plutoniumqualität verschlechtert sich im Schnellen Reaktor nicht weiter, sondern verbessert sich sogar. Im Idealfall kann man auf diese Weise das gesamte anfallende Plutonium verwerten, sodass am Ende kein Plutonium übrigbleibt, das endgelagert werden müsste.

 

Kartogramm des BN-800-Reaktorkerns (Brenner mit Equilibrium-Brennstoffkreis) von innen nach außen:legende

 

Der BN-800 kann aber nicht nur vorhandenes Plutonium als Brennstoff nutzen, sondern auch neues Plutonium aus Uran-238 erbrüten. Natururan besteht fast vollständig aus Uran-238, genauer: zu 99,3 Prozent. Es ist ein Uran-Isotop, das von thermischen Neutronen nicht gespalten werden kann und daher in herkömmlichen Reaktoren fast nutzlos ist. Durch Neutroneneinfang wandelt sich ein Uran-238-Atom jedoch in ein gut spaltbares Plutonium-239-Atom um; man spricht von »Brüten«. Dieser Prozess ist an sich nichts Außergewöhnliches, findet in jedem normalen Kernreaktor statt und trägt durch die Spaltung der Plutonium-239-Kerne auch dort mit einem gewissen Anteil zur Gesamtleistung bei.

Gegenwärtig ist der Kern des BN-800 für die Vernichtung des Waffenplutonium ausgelegt; er arbeitet als »Schneller Brenner«. In einer anderen Kernkonfiguration kann er aber auch mehr Plutonium erbrüten als er verbraucht (»Schneller Brüter«). Dadurch lässt sich letztlich das gesamte Uran-238 als Brennstoff nutzen, sodass aus einer gegebenen Menge Natururan über 100 mal mehr Energie als in konventionellen Kernkraftwerken gewonnen werden kann. Abgebrannter Brennstoff wird fast vollständig wiederverwertet, sodass als Abfall nur die mit überschaubaren Halbwertszeiten von weniger als 100 Jahren radioaktiven Spaltprodukte sowie geringe Mengen an Transuranen zurückbleiben. Hier dürften in Russland künftig auch bleigekühlte Schnelle Reaktoren wie der BREST-300 eine Rolle spielen.

 

Höhere Temperaturen ermöglichen höhere Effizienz

Auch sonst bietet der BN-800 einige technische Besonderheiten und Vorteile gegenüber gewöhnlichen Kernkraftwerken. Durch die Verwendung von flüssigem Natrium als Kühlmittel erreicht er Dampftemperaturen von 490 °C. Zum Vergleich: Konventionelle Kernkraftwerke kommen auf Dampftemperaturen um 280 °C. Die höhere Temperatur ermöglicht eine kompaktere und effizientere Heißdampfturbine. Die thermodynamische Nettoeffizienz des Kraftwerks liegt bei fast 40 Prozent, während sie bei gewöhnlichen KKW oft nur rund 30 Prozent beträgt. Trotz der hohen Temperatur wird der Primärkreis des Reaktors nicht unter erhöhtem Druck betrieben, da Natrium auch bei Normaldruck erst bei etwa 900 °C siedet. Der Primärkreis des BN-800 ist mit primären Umwälzpumpen und Wärmetauschern vollständig in einem natriumgekühlten Reaktorkessel untergebracht, der sich wiederum in einem Sicherheitsbehälter befindet. Ein Kühlmittelverluststörfall im Primärkreis ist dadurch einfach zu beherrschen und gleichzeitig sehr unwahrscheinlich.

Da Natrium und Wasser chemisch unter starker Wärmefreisetzung heftig miteinander reagieren, wird, wie bei natriumgekühlten Reaktoren üblich, zwischen dem Primärkreislauf und dem Wasser-/Dampfkreislauf ein weiterer, nicht radioaktiver Natriumkreislauf eingesetzt. Dies verhindert, dass bei einer Dampferzeugerleckage radioaktives Natrium freigesetzt wird.

 

Schnelle Reaktoren: die Zukunft der Kernenergie

Mit dem BN-800 im kommerziellen Leistungsbetrieb stellt Russland seine Technologieführerschaft bei Schnellen Reaktoren eindrucksvoll unter Beweis. Dennoch arbeiten auch in anderen Teilen der Welt Staaten und Unternehmen an fortschrittlichen Reaktorkonzepten, die den hochaktiven, langlebigen Atommüll beseitigen und zugleich die Reichweite des Brennstoffs Uran um Jahrtausende verlängern, von Thorium als alternativem Kernbrennstoff ganz zu schweigen.

Speziell natriumgekühlte Schnelle Reaktoren sind in China und Indien von strategischer Bedeutung. Indien wartet auf den Abschluss des Genehmigungsverfahren zur Inbetriebnahme des Prototype Fast Breeder Reactors (PFBR) im Kernkraftwerk Kalpakkam. Ein Prototyp zwar, aber mit einer elektrischen Leistung von immerhin 500 Megawatt. Frankreich arbeitet am 600-MW-Demonstrationsreaktor ASTRID (Advanced Sodium Technological Reactor for Industrial Demonstration); eine Entscheidung über den Bau der Anlage soll 2019 fallen. Japan hat sich ASTRID wegen Problemen mit dem eigenen Schnellen Brüter Monju angeschlossen. Technisch besonders interessant ist der PRISM (Power Reactor Innovative Small Module) von GE Hitachi Nuclear Energy, da er metallische Brennelemente verwendet, die sich in einem besonders einfachen und kostengünstigen Verfahren, dem Pyroprozess, aufbereiten und per Stangengießverfahren herstellen lassen. Der Reaktor selbst ist fertig entwickelt und wartet auf einen ersten Kunden, möglicherweise Großbritannien, wo über 100 Tonnen Waffenplutonium zu entsorgen sind.

Schnelle Reaktoren sind die Zukunft der Kernenergie.

Mehr zum BN-800:
Mehr zum Atommüll:

 

Von Dominic Wipplinger und Rainer Klute


Dominic Wipplinger

Dominic Wipplinger studiert Elektrotechnik ist in der Österreichischen Kerntechnischen Gesellschaft und in der Nuklearia aktiv. Er hat bereits in etlichen Kernkraftwerken als Messtechniker gearbeitet.

 

 

Rainer Klute

Rainer Klute ist Diplom-Informatiker, Nebenfach-Physiker und Vorsitzender des Nuklearia e. V. Seine Berufung zur Kernenergie erfuhr er 2011, als durch Erdbeben und Tsunami in Japan und das nachfolgende Reaktorunglück im Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi auch einer seiner Söhne betroffen war.

 


Leseempfehlung Ruhrkultour:

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Thorium – Atomkraft ohne Risiko?

Sendetermin arte unbedingt vormerken: THORIUM – ATOMKRAFT OHNE RISIKO? Dienstag, 20. September um 20:15 Uhr (98 Min.). arte: “Thorium-Flüssigsalzreaktor: Nie gehört? Kein Wunder, seit 70 Jahren wird die Technologie von der Nuklearindustrie totgeschwiegen. Dabei könnte Thorium – kein Atommüll, kaum Risiko – die Energieproduktion komplett revolutionieren. “Thema” fragt, warum Kernkraft aus Thorium 1945 eine technologische Totgeburt war und warum es plötzlich doch der Brennstoff der Zukunft sein soll.”

 

Titelfoto: Reactor in Plainsboro, NJ – By: Paul VanDerWerf

Kernfusion ist in absehbarer Zeit keine Lösung, aber es wird daran geforscht (in Deutschland: Wendelstein 7-X, Max-Planck-Institut für Plasmaphysik, Greifswald).

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Der Osten Europas setzt auf Kernkraft

Kernenergie-Technologie: Russland hängt den Westen ab

Deutschland ist mit einer Regierung gesegnet, die dem dubiosen Ziel einer „Rettung des Klimas“ weit höheren Wert beimisst als dem Wohlergehen der eigenen Bevölkerung. Dies manifestiert sich in EEG und „Klimaschutzplan 2050“, in der begonnenen Vernichtung der Automobilindustrie und der Vertreibung energieintensiver Industrien außer Landes. Dem Ziel der „Dekarbonisierung“ der Gesellschaft wird alles andere untergeordnet. Gleichzeitig wird die Kernkraft als einzige zuverlässig funktionierende CO2-arme Stromerzeugungstechnologie nicht nur in Deutschland selbst, sondern auch in europäischen Nachbarländern mit aller Macht bekämpft. Die Situation und den dadurch angerichteten Schaden analysiert die Historikerin Dr. Anna Veronika Wendland vom Herder-Institut in Marburg in einem hervorragend geschriebenen Beitrag in der FAZ vom 7. Juli [FAZ].

Abb. 01

Kernkraftwerks der Generation 3+ in Nowoworonesch*

In ihrem unter dem Titel „Atomenergie in Osteuropa Nicht ohne mein Kernkraftwerk“ erschienenen Artikel beweist die Historikerin umfassende technische Kenntnisse beim Vergleich des Standes der Kernkrafttechnologie in Russland und im Westen. Mit der im Mai erfolgten Inbetriebnahme des VVER-1200/392M im russischen Kernkraftwerk Nowoworonesch II sei erstmals in Europa ein Druckwasserreaktor der sogenannten Generation III+ in Betrieb genommen worden, dessen Sicherheitscharakteristika die der Anlagen im westlichen Teil des Kontinents übertreffen – auch die der deutschen. Merkmal dieser Reaktorgeneration der russischen Familie „AES-2006“ seien neben ihrer höheren Wirtschaftlichkeit vor allem die Sicherheitssysteme, die den neuesten EU-Anforderungen für Neuanlagen entsprechen müssen.

Diese sind so ausgelegt, dass sie auch im „Fukushima-Fall“ – dem Totalausfall jeglicher internen wie externen Stromversorgung – eine sichere Abfuhr der Nachzerfallswärme aus einem Kernreaktor gewährleisten sollen. Hierbei kommen passive Systeme zum Einsatz, die ohne elektrisch betriebene Komponenten arbeiten. Dazu wird der im Dampferzeuger entstehende Dampf nicht im üblichen Wasser-Dampf-Kreislauf kondensiert und mittels Kondensat- und Speisewasserpumpen wieder in den Dampferzeuger zurückbefördert, sondern über ein außenluftgekühltes System kondensiert, und das Kondensat wird per Naturumlauf, ohne „aktive“ Pumpen, wieder dem Dampferzeuger zugeführt.

Damit entspricht die Sicherheitsstufe des russischen Systems dem des französisch-deutschen EPR-Reaktors und ist den aktuell in Deutschland laufenden Vorkonvoi- und Konvoi-Anlagen von Siemens-KWU weit voraus. Allerdings ist der europäische EPR noch längst nicht in Betrieb, weil die EPR-Projekte in Frankreich, Finnland und China unter großen Anlaufschwierigkeiten durch Kostenexplosionen, Skandale, Rechtsstreitigkeiten und Bauverzögerungen leiden, während der russische Reaktor bereits läuft [ROSA]. Dr. Wendland hebt insbesondere die Effizienz in der Umsetzung hervor: Die russischen Reaktorbauer wickelten ihre nuklearen Großprojekte wesentlich kostengünstiger und zügiger ab als die Europäer, aber auch als Amerikaner und Japaner.

In Russland, China, Indien und demnächst auch in Finnland errichteten sie ihre Anlagen mit stoischer Routine und hoher Professionalität, scheinbar ohne durch die „klassischen“ russischen Probleme – Korruption, darniederliegende Infrastruktur, Bildungsmisere, fehlende Rechtssicherheit – beeinträchtigt zu werden.
Ihr Geheimnis sei nicht nur die Erfahrung, sondern auch die besondere Organisationsform ihrer Staats-Kerntechnik, die Lösungen aus einer Hand anbiete und keine komplexen Subunternehmensgeflechte an den Baustellen kenne. Gerade Auftraggeber aus Schwellenländern, die auf das Preis-Leistungs-Verhältnis schauen, bevorzugten daher russische Anlagen.

Historischer Wechsel der Technologieführerschaft

Deutschland, so Dr. Wendland, habe mit der Aufgabe seiner früheren Spitzenposition im kerntechnischen Anlagenbau einen großen Fehler insbesondere mit Blick auf Osteuropa begangen. Dort staune man über die deutsche Selbstdemontage, habe man deutsche Kernkraftwerke dort doch lange als Goldstandard für kerntechnische Sicherheit angesehen. Vor drei Jahrzehnten, als die damals noch sowjetische zivile Kerntechnik in Tschernobyl in Trümmern lag, hätte niemand die Vorhersage gewagt, dass sich Osteuropäer einmal an die Spitze der Entwicklung setzen würden. Doch während Tschernobyl und Fukushima in Deutschland einen Stimmungsumschwung gegen Kernkraft bewirkten, habe man in Russland, der Ukraine und den Länder Ostmitteleuropas die Atomangst überwunden und die Krise als Chance genutzt. Weder in der Ukraine noch in Russland, weder in Tschechien, Polen, der Slowakei oder Ungarn gebe es starke Anti-Atom-Bewegungen. Dabei habe man in den nichtrussischen Ländern Osteuropas aufgrund der sich verschärfenden politischen Differenzen teilweise Lösungen gefunden, die sowohl auf russischer als auch auf westlicher Technologie beruhten.

Die Bundesregierung „fordert in harschem Ton Gefolgschaft“

Wenig Gegenliebe findet die deutsche Energiepolitik nach Erkenntnissen von Dr. Wendland auch wegen ihrer Intoleranz und dem damit gepaarten Machtanspruch. Trotz unterschiedlicher Motive und politischer Präferenzen – Polen und die Ukraine setzten auf westliche Partner, Tschechen und Ungarn auf russische – seien sich die östlichen Nachbarn in ihrem Unmut über den deutschen Energiewende-Alleingang einig. In Windspitzenzeiten destabilisiere nicht gebrauchter deutscher Strom die Netze in Polen und Tschechien.

Die Ostmitteleuropäer unterstützten EU-Initiativen zu innovativer Kernforschung, während Berlin dieselben als „rückwärtsgewandt“ abkanzele und in Brüssel sogar Druck mache, um sie zu stoppen. Deutschland fordere in harschem Ton Gefolgschaft, zuletzt mit einem Einmischungsversuch in Belange der belgischen Atomaufsicht. Die östlichen Nachbarn reagierten darauf zunehmend verärgert und stellten die Frage, warum Berlin europäische Solidarität für seine stockende Energiewende einfordere, wenn es sich bei der entsprechenden Beschlussfassung nicht mit seinen Nachbarn beraten habe? Auch missfalle den Osteuropäern der „moralische Imperialismus“ in den deutschen Aussagen. So handele man ohne Konsultation Polens eine für die Sicherheit Europas sensible russisch-deutsche Gastrasse aus, weil dies dem Frieden und der Entwicklungspartnerschaft diene. Man tadele die Polen, Tschechen und Ungarn für ihre Kernenergiepläne und behaupte, diese Kritik erfolge im Interesse des Überlebens der Menschheit. So ertönt in ganz Europa das Berliner Gerassel, und ungern hört man dies.

Hoffnung für Deutschland

Das Bemerkenswerte an diesem Beitrag von Dr. Wendland ist, dass er Hoffnung macht. Noch scheint es in Deutschland unabhängige und ernstzunehmende Wissenschaftler zu geben, die sowohl Sachkunde als auch den Mut mitbringen, dem grünen Mainstream nicht nach dem Mund zu reden. Wenn der „Dekarbonisierungs“-Alptraum irgendwann hoffentlich vorbei ist, sollte man sich an solche Namen erinnern und dafür sorgen, dass das ganze speichelleckende Völkchen, das eine tonangebende Predigertochter als „Berater“ der deutschen Regierung in Sachen Energie- und Klimapolitik in den verschiedensten Gremien wie Ethikkommission, Sachverständigenrat für Umweltfragen etc. pp. installiert hat, in die Wüste geschickt und durch wirklich kompetente Leute ersetzt wird. Womit man gleichzeitig auch noch einen Beitrag dazu leisten könnte, das Verhältnis zu unserem größten Nachbarn im Osten zu entkrampfen.

Russland hat jedenfalls durch die erfolgreiche Inbetriebnahme in Nowoworonesch seine Bedeutung als weltweit ernstzunehmende Techniknation bestätigt, auf die bereits Mitte Mai in einem Artikel bei EIKE hingewiesen wurde [MUEL]. Immerhin sind weltweit über 570 Kernkraftwerke entweder im Bau, in der Planungsphase oder zumindest in der Diskussion, und mit diesem Erfolg hat es seine Chancen, an diesem Riesenmarkt zu partizipieren, deutlich verbessert.

Fred F. Mueller

 

*Grafische Darstellung des modernen russischen Kernkraftwerks der Generation 3+ in Nowoworonesch
(http://www.rosenergoatom.ru/media/files/magazine/REA0_0108.pdf (Seite 32/33)) Original uploader was TZV at de.wikipedia)

Quellen:

[FAZ] http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/atomenergie-in-osteuropa-nicht-ohne-mein-kernkraftwerk-14311657.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2
[MUEL] http://www.eike-klima-energie.eu/news-cache/fakten-die-man-nicht-ignorieren-sollte-russland-ein-kommender-globaler-energieriese/
[ROSA] http://wirtschaftsblatt.at/home/nachrichten/europa_cee/4981378/AtomExport_Rosatom-sieht-sich-technologisch-an-der-Weltspitze

 


Ruhrkultour Leseempfehlung:

stromMichel Limburg, Fred F. Mueller, Arnold Vaatz:
“Strom ist nicht gleich Strom. Warum die Energiewende nicht gelingen kann.”
Erhältlich bei ► Storchmann Medien
108 Abbildungen, gebunden, 19,90 €, Versand kostenfrei.

Der Ingenieur Michael Limburg und der Wissenschaftsjournalist Fred F. Mueller erklären in einfachern, auch für Laien leicht verständlichern Weise, wie unser Stromversorgungssystem funktioniert.

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Kernenergie kann Millionen Menschenleben retten

Bis 2025 könnten jährlich 20 Millionen Menschen weltweit an Krebs erkranken – rund 40 Prozent mehr als derzeit. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO). In den kommenden zwei Jahrzehnten sei gar ein Plus von rund 70 Prozent möglich. [1]
25 Prozent aller im Jahr 2013 in Deutschland verstorbenen Personen erlagen einem Krebsleiden (bösartige Neubildung). Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) zum Weltkrebstag am 4. Februar 2015 weiter mitteilt, bleibt Krebs mit 223.842 Sterbefällen nach den Herz-Kreislauferkrankungen die zweithäufigste Todesursache. [2]

Aktuelle verlässliche Daten zur Situation der Neuerkrankungen (Inzidenz) und Sterblichkeit (Mortalität) bei Krebs in Deutschland sind nicht leicht zu bekommen. [3] Aber es ist bekannt, dass bei jedem zweiten Krebspatienten im Laufe seiner Erkrankung eine Strahlentherapie zum Einsatz kommt. [4]

Das Krebs-Problem wird man nicht alleine durch Behandlungen lösen können, aber für zehntausende von Menschen in Deutschland wird auch in Zukunft das Leben davon abhängen, ob sie eine Strahlentherapie erhalten.

Radioaktive Isotope für medizinische Zwecke aus dem Flüssigsalzreaktor

In einem interessanten und unterhaltsamen Vortrag erläutert der Onkologe Dr. Julian Rosenman Krebsbehandlung durch ‎Strahlung‬ mit Actinium-225 und Wismut-213. Der Vortrag wurde auf der 5th Small Modular Reactor Conference, in North Carolina, 2015, gehalten.

Actinium-225 (Ac-225) und Wismut-213 (Wi-213) sind radioaktive Isotope für medizinische Zwecke, die nach Ansicht von Roseman den Kampf gegen metastatische Krebszellen revolutionieren können. Er betrachtet in seinem Vortrag die zukünftigen Chancen durch den Thorium-Brennstoffzyklus.
Für nuklearmedizinische Diagnoseverfahren wird heute Technetium-99m verwendet. Aber es zeichnet sich ein Mangel an diesem Material ab. Die Vorstufen von Technetium-99m werden in Kernreaktoren erzeugt.
Flüssigsalzreaktoren (LFTR) dagegen bilden die lebensrettenden medizinischen Isotope als Nebenprodukt der Stromerzeugung. Einzigartig in der Thorium-Brennstoffzyklus Zerfallskette sind Actinium-225 und Wismut-213, die an Antikörper gebunden werden, so dass die tödlichen Neutronen direkt an metastasierte Krebszellen geschickt werden können.

Nur der Thorium Brennstoffkreislauf biete das gesamte Spektrum der gewünschten medizinischen Isotopen, sagt Rosenman.

In Deutschland wurde ein Konzept für einen Flüssigsalzreaktor entwickelt, das international anerkannt und patentiert ist: Dual Fluid Reaktor (DFR). [5] Ein Mitglied des Forscherteams ist seit 2005 Professor für Kern- und Medizinphysik an der Universität Stettin, Polen.

Quellen:

[1] http://www.t-online.de/lifestyle/gesundheit/id_67729612/welt-krebs-bericht-2014-zahl-der-neuerkrankungen-steigen-enorm.html
[2] http://www.krebs-nachrichten.de/praxis-details/krebs-war-2013-die-zweithaeufigste-todesursache.html
[3] http://krebsbericht.de/krebsdaten-wo-gibt-es-was/
[4] http://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/therapieformen/strahlentherapie-bei-krebs.html
[5] http://ruhrkultour.de/ein-neues-konzept-fuer-einen-kernreaktor-der-dual-fluid-reaktor/

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Was wird die Atomkraftgegner nach der Abschaltung der Kernkraftwerke bewegen?

Der Ausstieg aus der Kernenergie ist beschlossen. Dennoch wird die Anti-Atomkraftbewegung weiterhin aktiv, sobald es Anzeichen für eine neue Diskussion über die friedliche Nutzung der Kernenergie gibt.

Dieses Thema ist tabuisiert, sodass selbst die Vereinigung der Ärzte gegen den Atomkrieg inzwischen auch die friedliche Nutzung der Kernenergie ablehnt.


Ist die Ablehnung der Kernenergie rational begründet?

Strahlenexposition

Strahlenexposition [1]

Die biologische Wirkung ionisierender Strahlen auf den menschlichen Körper wird in der Regel in einem Tausendstel von Sievert (Sv), in Millisievert (mSv) angegeben. Diese Messwerte werden in den Medien häufig absichtlich oder unabsichtlich verwechselt. Die Einwirkung von ionisierender Strahlung auf Lebewesen oder auf Materie wird als Strahlenbelastung bezeichnet, wenn eine schädigende Wirkung vorausgesetzt wird, allgemeiner als Strahlenexposition.

■ Wussten Sie, dass die Strahlenexposition durchschnittlich pro Jahr etwa 3,93 mSv beträgt?
■ Wussten Sie, dass der Hauptanteil der Strahlenexposition (2,1 mSv) auf die natürliche Strahlenexposition entfällt (kosmische Strahlung, Aufnahme natürlicher radioaktiver Stoffe durch Nahrungsmittel, terrestrische Strahlung, die seit der Entstehung der Erde vorhanden und in einzelnen Ländern und Gebieten der Erde recht unterschiedlich ist, und Radongas)?
■ Wussten Sie, dass nahezu die Hälfte der gesamten Strahlenexposition auf medizinische Anwendungen entfällt?
■ Wussten Sie, dass der Anteil der kerntechnischen Anlagen, Kernwaffenversuche und der Folgen des Unfalls in  Tschernobyl weniger als 0,03 mSv beträgt, das sind weniger als 0,8 Prozent der gesamten Strahlenbelastung?

Wenn die Kernenergie endgültig kein Thema mehr in Deutschland sein wird, weil dies ja von den Grünen in allen Parteien beschlossen wurde, dann bleibt der Anti-Atomkraftbewegung nur noch der Kampf gegen medizinische Anwendungen. Der ist auch lohnenswerter:

Die Strahlenexposition der medizinischen Anwendungen ist 60 mal höher, als die der kerntechnischen Anlagen, der Kernwaffenversuche und der Folgen des Tschernobyl-Unfalls zusammen.

Fazit:

Unsere Körper sind Radioaktivität gewohnt – sie strahlen selbst.
Die Grünen in allen Parteien spielen aus politischen Gründen nicht nur mit unserer Angst vor einer relativ unbedeutenden Strahlenbelastung durch Kernkraftwerke (inklusive des Unfalls in Tschernobyl), sondern auch mit unserem Leben.

 

Quellen:

[1] http://m.welt.de/gesundheit/article137871513/Grafik-Strahlenbelastung-Deutschland-DW-Wissenschaft-Berlin-jpg.html

Literatur:

  • http://www.bfs.de/de/ion/einfuehrung/einfuehrung.html
  • http://www.kernenergie.de/kernenergie-wAssets/docs/service/013radioaktivitaet-u-strahlenschutz2012.pdf
  • https://www.kernenergie.ch/de/radioaktivitaet.htm
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Sauberer Ökostrom aus Kernkraftwerken

maxatomstrom

http://maxatomstrom.de/

Aus Gründen des Klimaschutzes hat Deutschland sich verpflichtet, den Anteil der Erneuerbaren Energien als Alternative zu fossilen Energieträgern auszubauen. Im Unterschied zu fast allen anderen Industrieländern und aufstrebenden Industrienationen der Welt hat Deutschland der Kernkraft den Rücken gekehrt, mit dem Ergebnis, dass die fehlende Leistung der Erneuerbaren Energien durch Kohlestrom ausgeglichen werden muss und die CO2-Emissionen weiter ansteigen. Vom IPCC wird die Kernenergie als “saubere Energie” bezeichnet und zu Gunsten eines vernünftigen Energiemixes empfohlen. [1]

IPCC zur Kernenergie

In jedem seiner fünf Weltklimaberichte, die der Weltklimarat (IPCC) in den letzten 20 Jahren veröffentlicht hat, hat er auf die Bedeutung der klimaschonenden Kernenergie hingewiesen. Im November 2014 erschien die Zusammenfassung des fünften Berichts. Um die Klimaerwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, empfiehlt der IPCC, bis 2050 aus der Kohleverstromung auszusteigen, und stattdessen auf CO2-arme Energietechnologien zu setzen, inklusive der Kernenergie. Bis 2020 soll der Ausstoß des Kohlendioxids (CO2) um 40 Prozent gegenüber 1990 verringert werden, bis 2050 sogar um mehr als 80 Prozent.

„In the majority of low‐stabilization scenarios, the share of low‐carbon electricity supply (comprising renewable energy (RE), nuclear and CCS) increases from the current share of approximately 30% to more than 80 % by 2050, and fossil fuel power generation without CCS is phased out almost entirely by 2100.“ (S. 23)
„Nuclear energy is a mature low‐GHG emission source of baseload power, but its share of global
electricity generation has been declining (since 1993). Nuclear energy could make an
increasing contribution to low‐carbon energy supply, but a variety of barriers and risks
exist (robust evidence, high agreement). Those include:
operational risks, and the associated concerns, uranium mining risks, financial and regulatory risks, unresolved waste management issues, nuclear weapon proliferation
concerns, and adverse public opinion (robust evidence, high agreement). New fuel cycles and
reactor technologies addressing some of these issues are being investigated and progress
in research and development has been made concerning safety and waste disposal.“ (S.23)

► http://report.mitigation2014.org/spm/ipcc_wg3_ar5_summary-for-policymakers_approved.pdf

Der Weltklimarat (IPCC) und die Internationale Energieagentur (IEA), Umweltforscher und Klimaschützer wie James Hansen und Ken Caldeira und Umweltaktivisten wie Stephen Tindale empfehlen deshalb, auch die Kernenergie konsequent zu nutzen. Sie sind überzeugt, dass nur mit Hilfe der Kernenergie eine realistische Chance besteht, den Klimawandel in den Griff zu bekommen. Zu den Befürwortern der Kernenergie gehören auch das Öko-Institut, das zur ETH Zürich gehörende Paul Scherrer Institut (PSI) und die Yale University.PatrickMoore

Die Folge des Ausstiegs aus der Kernenergie ist eine Renaissance der Kohle, mit dem Nachteil, dass bei der Verbrennung von Kohle große Mengen CO2 freigesetzt werden und Deutschland seine Klimaschutzziele wegen des Atomausstiegs zu verfehlen droht. In dieser Situation setzt das Unternehmen Maxenergy ein Zeichen und bietet einen Atomstromtarif an. Es habe damit eine “intensive Nachfrage ausgelöst, wie Maxenergy mitteilte. [2]

Maxenergy bietet Deutschlands ersten Atomstromtarif

Das mittelständische Augsburger Unternehmen Maxenergy bietet nach eigenen Angaben den ersten Atomstromtarif Deutschlands an. Es tritt für eine pragmatische Klimapolitik ein und leistet somit einen Beitrag für den Klimaschutz: “Kunden können mit dem Atomstromtarif ihren jährlichen CO2-Fußabdruck von durchschnittlich fast zwei Tonnen auf 20 kg senken”.
Die Energie stammt aus der Schweiz. Sie kostet mehr als der Mix verschiedener Energien (“Graustrom”, etwa aus Atom- und Kohlekraft), aber weniger als reine Öko-Energie, die Maxenergy auch im Angebot hat. Der Preis für den „Maxatomstrom“ fällt je nach Region unterschiedlich aus.
Auf der Internetseite des Unternehmens können sich Kernkraft-Befürworter ausrechen, wie viel sie für ihre Überzeugung zahlen müssen: http://maxatomstrom.de/

StephenTindaleMaxenergy ist ein überregional tätiger Stromversorger aus Augsburg. Das Unternehmen gehört der Sailer-Gruppe an, die bereits seit über 50 Jahren in der Energieversorgungsbranche tätig ist. Die Tarifstrukturen sind einfach und transparent. Maxenergy ist im sozialen Bereich aktiv und fördert den „Bunten Kreis“, der die Familien schwerkranker Kinder und Jugendlichen unterstützt. Der Maxatomstrom-Sprecher Jan Pflug ist Mitglied der Grünen. [3]

Für die Einführung eines neuen Stromtarifs gehe es bei Maxenergy ungewöhnlich politisch zu, meint die Augsburger Allgemeine. [2] Patrick Moore, Gründungsmitglied der Umweltorganisation Greenpeace, Stephen Tindale, einer der führenden Köpfe der britischen Umweltschutzbewegung, Kerry Emanuel, Professor für Meteorologie am Massachusetts Institute of Technology, James Lovelock, Stewart Brand, der Physik-Nobelpreisträger Burton Richter, Wade Allison, Professor für Nuklear- und Medizinphysik an der Universität Oxford, und Robert Stone, US-amerikanischer Dokumentarfilmer („Pandora’s Promise“), unterstützen die Augsburger Atomstrom-Aktion.

[1] http://report.mitigation2014.org/spm/ipcc_wg3_ar5_summary-for-policymakers_approved.pdf
[2] http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Augsburger-verkaufen-reinen-Atomstrom-id32201722.html
[3] http://maxatomstrom.de/

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Internationale Energieagentur (IEA): Kernenergie ist langfristig die verlässlichste Stromquelle

China setzt auf Kernenergie und befindet sich damit im Einklang mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und Empfehlungen der IEA* (Internationale Energieagentur), des IPCC  (Intergovernmental Panel on Climate Change) und einer wachsenden Zahl international renommierter Klimaforscher,  Natur- und Umweltschützer. weiterlesen

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