Küchenphysik vom WDR oder: Wie man die Angst bei Laune hält

Angst verfliegt durch Aufklärung, Phobien sind hartnäckig, sie verschwinden manchmal nur mit Hilfe von Therapien. Nichts wäre schlimmer für Gegner der Kernenergie als der Verlust der Angst vor radioaktiver Gefahr. Das brächte Weltbilder zum Schmelzen. In gewissen Abständen wird deshalb immer wieder die Gefahr eines atomaren GAUs beschworen. Mal ist es ein Nagel in der Betonwand eines Reaktors, wo er nicht hingehört, mal sind es Risse, oder es sind die Notkühlwasser. Dass vielen Menschen durch die Nuklearmedizin das Leben gerettet wurde, dass jede Industrie Gefahren birgt, zum Teil größere, als das Risiko durch einen GAU zu sterben oder durch radioaktive Strahlen an Krebs zu erkranken, dass bis zu 40.000 Menschen jährlich durch Krankenhauskeime ihr Leben verlieren, ist für fundamentale Kernenergiegegner im Vergleich zu den Risiken von Kernkraftwerken ohne Bedeutung, obwohl kein Industriebauwerk besser bewacht, besser kontrolliert und transparenter sein dürfte. Die Relationen sind längst verloren gegangen, wie auch jetzt wieder beim Thema Vorheizen des Notkühlwassers.

ghost-156969_640In seiner jüngsten Kritik an Kernkraftwerken vermutet der für WDR und ARD tätige Journalist Jürgen Döschner, dass in zahlreichen Atomkraftwerken in Europa übermäßige Alterung und Materialfehler die Stabilität der Reaktordruckbehälter beeinträchtigen. Nach Recherchen von WDR und “Süddeutscher Zeitung” (SZ) sei in mindestens 18 aktiven Atomreaktoren in Tschechien, Belgien, Frankreich, Finnland und der Slowakei das Notkühlwasser auf bis zu 60 Grad Celsius vorgeheizt worden. Dadurch solle offenbar das Risiko verringert werden, dass der stählerne Reaktordruckbehälter reißt, wenn er bei einem Störfall mit zu kaltem Wasser gekühlt wird. Die Folge eines solchen Bruchs könnte eine Kernschmelze sein, sagt Döschner.

 

Dr. Anna Veronika Wendland erläutert, was dran ist am neuesten nuklearen Aufreger.

Die Historikerin Dr. Anna Veronika Wendland, Herder-Institut in Marburg, forscht zur Geschichte von Atomstädten und kerntechnischen Sicherheitskulturen. Ab und zu arbeitet sie dafür auch in Kernkraftwerken. Diesen Artikel hat sie zwischen zwei Spätschichten im KKW Grohnde im schönen Weserbergland geschrieben.

Breaking News: Wenn ich eine heiße Auflaufform aus dem Ofen nehme und sie kalt abschrecke, kann sie springen. Daher benutze ich warmes Wasser. WDR und Süddeutsche Zeitung haben diesen Effekt gerade entdeckt und Experten befragt, welche den sofortigen Produktionsstopp von Auflaufformen aus Glas fordern: zu gefährlich. Die Leute könnten ja fahrlässig doch kaltes Wasser wählen.

So ähnlich liest sich die angebliche Enthüllung des oben genannten Recherchenetzwerks über »marode Kernkraftwerke«, die man daran erkenne, dass ihr Notkühlwasser »offensichtlich« vorgeheizt werden müsse. Andernfalls könnten Risse im Reaktordruckbehälter entstehen. Aber wie soll man denn dann noch kühlen, wenn selbst das Notkühlwasser warm ist?

 

Physikkenntnisse? Nein danke!

Die Lösung liegt da, wo der WDR nicht gerne seine Nase hineinsteckt: in der Fachliteratur zur Kern- und Verfahrenstechnik. Bei 310 Grad Celsius mittlerer Kühlmitteltemperatur im Primärkreislauf eines Druckwasserreaktors sind auch 50 – 60 Grad Not»kühl«wasser zwar zu heiß für die Badewanne, aber nicht zu warm für einen Kernreaktor nach seiner Abschaltung. Dieses Wasser nimmt im Notkühlfall – wenn also ein Leck überspeist werden muss oder aus anderem Grunde die übliche Wärmeabfuhr über die Dampferzeuger nicht genutzt werden kann – immer noch genügend Wärme zur Abfuhr der Nachwärme aus dem Reaktorkern auf. Sie wird vom Notkühlsystem über Zwischen- und Nebenkühlsysteme weiter abgeführt.

Ich warte darauf, dass der WDR Anstoß an der Bezeichnung »Kühlmittel« für das Primärkreislaufwasser im Normalbetrieb nimmt, da eine Temperatur von mehr als 300 Grad doch nicht mehr als kühl zu bezeichnen seien. Und genau hier treffen wir auf ein Grundproblem unserer Berichterstattung: Menschen ohne solide physikalisch-technische Wissensbasis holen sich Experten, die ihnen nach dem, wie sie finden, kritischen Munde reden, und bringen das Ergebnis dann als alltagssprachliche Küchenlogik unters Volk. Denn gegen Kernkraftwerke zu sein entspricht in dieser Logik ja auch, auf der guten Seite zu sein, auf der Seite der kritisch-nachfragenden Neinsager nämlich.

Jedoch sind es eigentlich Jasager, mit denen wir es zu tun haben: Jasager im Mainstream des Antiatom-Diskurses. Denn bis heute gehört der nukleare Alarmismus und das Schwarz-Weiß-Denken der 1980er zum guten Berichtston, obwohl die Kerntechnik längst über den Stand dieser Zeit hinaus ist – und der Lieblingsfeind, die deutsche Atomlobby, längst das Zeitliche gesegnet hat. Unsere Atom-Alarmisten hängen zudem der Doktrin an, derzufolge nur eine hundertprozentig risikofreie Technologie akzeptabel sei. Gibt es ein Risiko? Dann wäre diese Technologie besser nie in die Welt gekommen.

In unseren Redaktionen, deren kerntechnische Grundkenntnis sich in der Regel auf die Schullektüre von Gudrun Pausewangs Nuke-Porns für den bundesdeutschen Opferdiskurs beschränkt, reicht daher die Nachricht vom Notkühlwasser, das gar nicht kalt ist, für die Auslösung des nuklearen Notstands.

 

Worum es wirklich geht

Kernquerschnitt eines VVER-440-Reaktors mit Dummie-Brennelementen (grau) an den Außenpositionen nahe der Druckbehälterwand

Kernquerschnitt eines VVER-440-Reaktors mit Dummie-Brennelementen (grau) an den Außenpositionen nahe der Druckbehälterwand

Worum es dabei wirklich geht: Bei erhöhter Versprödung des Stahls infolge Neutronenbeschusses ist die Vorwärmung des Notkühlwassers in vielen Anlagen eine normale Vorkehrung, so im östlichen Europa, wo die Kernkraftwerke mit VVER-Druckwasserreaktoren sowjetischer Bauart ausgerüstet sind. Aufgrund eines (im Vergleich zu den heute bei uns laufenden Konvoi- und Vorkonvoi-Anlagen) schmäleren Wasserspalts zwischen Reaktorkern und Druckbehälterwand ist insbesondere in den VVER-440-Anlagen die Neutronenfluenz und damit auch die Versprödungsgeschwindigkeit höher. Wer sich zur materialwissenschaftlichen Seite dieser Problematik detaillierter informieren möchte, dem sei der Beitrag der Nuklearia zum Fall der belgischen Anlagen Tihange und Doel (»Belgische Rissreaktoren«) empfohlen.
Es gibt in solchen Fällen höher versprödeter Komponenten mehrere Möglichkeiten, Abhilfe zu schaffen: materialschonende Fahrweisen der Anlage, eine spezifische Beschickung des Reaktorkerns mit Brennelementen, und Maßnahmen zur Regenerierung des Reaktordruckbehälters. In Osteuropa werden alle drei Ansätze verfolgt: Man beheizt die Flutbehälter für das Notkühlsystem, man stellt auf die Außenpositionen im Reaktorkern Brennelement-Dummies aus Stahl, die die Strömungseigenschaften des Kerns erhalten, aber den Neutronenbeschuss des Druckbehälterstahls verringern, und man regeneriert den Reaktorstahl.

Wie regeneriert man einen Reaktordruckbehälter? Das ist eine wichtige Frage, denn der Reaktordruckbehälter (RDB) ist eine der wenigen Komponenten eines Kernkraftwerks, die nicht redundant, das heißt, in mehrfacher Ausführung vorhanden sind. Seine Integrität ist folglich das K.O.-Kriterium für die Laufzeit der Anlage. Daher werden in älteren osteuropäischen Anlagen die Reaktordruckbehälter einer sogenannten Wiederholungsglühung unterzogen. Der Reaktor wird entladen, und an das leere Druckgefäß wird ein Aggregat montiert, das den Behälterstahl für rund 150 Stunden auf eine Temperatur von ca. 475 Grad Celsius bringt. Diese Wärmebehandlung erneuert die kristallinen Binnenstrukturen des Werkstoffs, welche durch den Neutronenbeschuss verändert wurden, was zur Versprödung und damit höherer Empfindlichkeit für Temperaturschocks geführt hatte. Die Wiederholungsglühung beseitigt diesen Effekt und stellt das ursprüngliche Elastizitätsverhalten wieder her.

Osteuropa hat also eigentlich eine gute Strategie zur Erhöhung der Komponentensicherheit gefunden – was natürlich gar nicht zu den von deutschen Journalisten in solchen Zusammenhängen gerne produzierten Klischees von instabilen Staaten, autoritärer Herrschaft und maroden Industrieanlagen passt.

Eigentlich ist das Gegenteil der Fall: Während sich westliche Betreiber mit den anlagenschonenden Ansätzen begnügen – so z.B. im Falle des inzwischen stillgelegten schwäbischen KKW Obrigheim – geht Osteuropa unter russischer Technologieführerschaft seit Jahren neue Lösungswege, und – auch nicht unwichtig – setzt zudem in Neubauten sicherheitstechnisch fortgeschrittene Reaktorkonzepte in die Tat um.

Anlagenschonende Ansätze wiederum sind kein Ausweis für die Instabilität eines Systems. Es gibt sie überall in der Verfahrenstechnik. Man wärmt Systeme vor oder schaltet sie auf eine bestimmte Weise, um beispielsweise Kondensationsschläge in Rohrleitungen oder Materialschäden durch zu steile Temperaturgradienten zu verhindern. Niemand würde auf die Idee kommen, solche Anlagen in der Chemieindustrie oder auch in Kohle- und Gaskraftwerken nicht mehr zu betreiben, weil es ohne schonende bzw. vorgeschriebene Fahrweise zu Problemen kommen könnte.

Die Experten, die vom WDR befragt wurden, sehen das anders – denn sie können gar nicht anders. Sie sind auf jener Linie, dass nur ein nie gebautes KKW ein sicheres sei, und haben als Gutachter von Ökoinstituten und als Ministeriale unter Rot-Grün diese Politik in Berichte und Rechtstexte umgesetzt. Da kann man auch die AfD als alleinige Experten für Migrationspolitik anhören – aber diese Reportage muss erst noch geschrieben werden.

 

Die wahre Enthüllung wartet noch

All den Alarm-Experten sei jedoch versichert: Die wirkliche Enthüllung wartet noch auf einen aufmerksamen Rechercheur – jene über die akut drohenden Versorgungs- und Umweltrisiken im Zuge einer fehlgeplanten Energiewende, an der die Öko-Experten gut mitverdienen.

Die 25 Milliarden Euro pro Jahr, welche dieses Experiment am offenen Energieherzen unserer Industriegesellschaft kostet, wären anderweitig besser investiert. Denn man kann Europas alternden Reaktorpark entweder durch Kohlekraft und Chaos ersetzen, wie es Deutschland macht, oder durch bessere Kernkraftwerke.

Dr. Anna Veronika Wendland

 

Dr. Anna Veronika Wendland ist Osteuropa-Historikerin und Forschungskoordinatorin am Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung in Marburg. Sie forscht zur Geschichte von Atomstädten und nuklearen Sicherheitskulturen in Ost- und Westeuropa, unter anderem auch im Zusammenhang des transregionalen Sonderforschungsbereiches SFB-TRR 138 »Dynamiken der Sicherheit« der Universitäten Marburg und Gießen sowie des Herder-Instituts, in dem es um Versicherheitlichungsprozesse von der Antike bis zur Jetztzeit geht. Sie ist Vorstandsmitglied des Nuklearia e. V.

 

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EU unterstützt russisches Kernkraftprojekt in Ungarn

Die Europäische Kommission hat nach abgeschlossener Untersuchung den von Russland durchgeführten Bau des Kernkraftwerks Paks in Ungarn genehmigt.

Das Paks Kernkraftwerk, das über 50% der elektrischen Energie im Land erzeugt, liegt 100 Kilometer von Budapest entfernt. Die Station wurde zu Zeiten der Sowjetunion aufgebaut. Derzeit laufen auf der Anlage vier Kernkraftwerke mit VVER-440 Reaktoren. Unter VVER-Reaktoren (WWER – Wasser-Wasser-Energie-Reaktor) werden bestimmte Typen von Druckwasserreaktoren sowjetischer beziehungsweise russischer Bauart zusammengefasst. Die Bezeichnung Wasser-Wasser steht für wassermoderiert und wassergekühlt. (Wikipedia)

Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge könnten die Arbeiten an zwei weiteren VVER-440-Reaktoren an diesem Kernkraftwerk bereits 2017-2018 beginnen. Außerdem gewährt Moskau der ungarischen Regierung ein Darlehen in Höhe von 10 Milliarden Euro für die Durchführung des Projekts.

 

Quellen:

http://russianconstruction.com/news-1/25497-eu-supports-russian-nuclear-project-in-hungary.html

Foto: Budapest Business Journal

 

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Rolls Royce plant eine neue Generation von Mini-Kernreaktoren auch für den Export

Mit einer neuen Generation von Mini-Kernreaktoren könnte Großbritannien 40.000 hoch qualifizierte Arbeitsplätze schaffen und für die britische Wirtschaft Hunderte von Milliarden durch den Export generieren, sagt Rolls-Royce. Die britische Regierung hatte einen Wettbewerb mit über  250 Millionen Pfund unterstützt, um “kleine modulare Reaktoren” (SMRs) zu entwickeln. Außer Rolls-Royce nahmen die amerikanische NuScale Power, der französische EDF und das chinesische Nuklearunternehmen CNNC an dem Wettbewerb teil, berichtet The Telegraph.

Mini-Kernkraftwerke – Small and Medium Sized Reactors (SMRs)

Die Regierung vertrete die Auffassung, dass diese Mini-Kernkraftwerke lebenswichtig für die Sicherung der zukünftigen Energieversorgung in Großbritannien sein könnten, ebenso für die Ziele des Klimawandels, berichtet The Telegraph. Ihre Größe betrage etwa ein Zehntel der Größe eines konventionellen Kernkraftwerks, also etwa zehn Fußballfelder.

Rolls-Royce hat seit über 50 Jahren Erfahrung mit Nuklearantrieben für U-Boote der Marine und leitet ein Konsortium von etwa einem Dutzend Unternehmen, die sich für die Entwicklung der Technologie entschieden haben. 2012 hatte der Technologie-Konzern vom britischen Verteidigungsministerium einen Milliarden-Auftrag zum Bau der nächsten Generation britischer Atom-U-Boote erhalten.

Harry Holt, Leiter des Nukleargeschäftes von Rolls-Royce, sagte laut The Telegraph, dass ihr Vorschlag sehr stark an britischen Interessen ausgerichtet sei. Man rede hier von hochwertigem geistigem Eigentum, und der britische Inhalt sei sehr hoch. Dies treffe nicht auf britische Unternehmen zu, die niedrigwertige Arbeit wie das Gießen des Betons für die Bauarbeiten verrichteten.

Die Herkunft der Wettbewerber könnte ein entscheidender Faktor für die Wahl des Gewinners sein, meint The Telegraph. Das riesige Kernkraftwerk Hinkley Point in Somerset werde von EEF mit finanzieller Unterstützung aus China gebaut, wobei der Einsatz von ausländischem Know-how und Geld politisch umstritten sei.

Die Reaktoren von Rolls sollen um 220 Megawatt (MW) Leistung erzeugen und bis 440MW skaliert werden können. Im Vergleich dazu werden von Hinkleys traditionellem Design um 3,2 Gigawatt (GW) Leistung erwartet.

Brexport

Rolls schätzt die britische Nachfrage nach SMRs auf  7GW und die des globalen Marktes zwischen 65GW und 85GB in den nächsten zwei Jahrzehnten ein. Der Gesamtwert der Anlagen liege zwischen 250 Milliarden und 400 Milliarden britische Pfund.

Die Regierung unterstütze diese Technologie, und dies sei eine Gelegenheit, um das gesamte Paradigma der Technologie von der Einfuhr von Know-how nach Großbritannien bis zu seinem Export in andere Länder zu ändern, sagte Holt. Er habe hinzugefügt, dass die Technologie bei den meisten wichtigen Märkten für KMU außerhalb Europas ein wichtiger Teil jeder “Brexport” -Kampagne sein könnte, um Handelsbeziehungen zu Ländern außerhalb der EU zu gewährleisten.

Geringe Kosten durch Massenfertigung

Das Rolls-Royce Konsortium geht davon aus, dass es 1,2 Milliarden Pfund kosten werde, um die SMR-Technologie vollständig zu entwickeln, und weitere 1,7 Milliarden, um den ersten SMR zu starten. Die Kosten werden dann voraussichtlich fallen, da sie modular in “Blöcken” in Fabriken gebaut und dann vor Ort montiert werden.

Dies bedeutet, dass sie schneller gebaut werden können, als herkömmliche “maßgeschneiderte” Designs wie Hinkley und billiger sind, da sie im Vergleich zu Hinkley Massenprodukte sind. Ihr niedriger Preis werde auch die Finanzierung erleichtern, sagt Rolls Royce.

Hinkley Point werde frühestens 2025 Strom erzeugen. Der erste SMR von Rolls-Royce könnte bis 2028 an das Energienetz angeschlossen sein, abhängig davon, wen die Regierung als Gewinner des Wettbewerbs auswählt, sagte Holt. Die Entscheidung könnte schon in diesem Herbst fallen.

Quellen: 

Foto: O Palsson, “The Atomium (2)”, © www.piqs.de

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Friedliches Atom in jedem Haus – Russland setzt auf innovative Reaktoren

Мирный атом в каждый дом! Friedliches Atom in jedem Haus – Russland setzt auf innovative Reaktoren und betreibt den aktuell modernsten Reaktorblock der Welt. Rosatom berichtet, dass am 26. Oktober 2016 der innovative Reaktorblock Nr. 6 im Atomkraftwerk Nowoworonesch, ein Atomrekator der Generation 3+, auf 100% seiner Leistung hochgefahren wurde. Die Anforderungen, die nach Fukushima entwickelt wurden, sind laut Rosatom in einer bisher einzigartigen Kombination von aktiven und passiven Sicherheitssystemen berücksichtigt worden. Die Anlage sei “vollkommen resistent gegen externe und interne Störeinflüsse”. Der russische Block Nr. 6 des Atomkraftwerks Nowoworonesch nimmt weltweit als erstes Kernkraftwerk dieser neuen Generation seinen Betrieb auf. Andere Länder werden folgen, denn Reaktoren der Generation 3+ werden derzeit in einigen anderen Ländern gebaut.

Kolumne

Dirk Egelkraut

Und vor 10 Jahren, 2006, wollte es niemand glauben, jetzt habe ich es meinen schärfsten Kritikern doch gezeigt: Russland hat den Rest der Welt in der technologischen Entwicklung im Bereich der Kernkraftwerke abgehängt und betreiben den aktuell modernsten Reaktorblock der Welt – von den evolutionären Modellen auch noch den fortschrittlichsten.

Mit der ersten Volllast und Versuchen in diesem Leistungsbereich ist damit der dritte Teilschritt zur Inbetriebnahme abgeschlossen. Nun beginnt der vierte Schritt, in dem die russische Aufsichtsbehörde Rostechnadzor den Block für die kommerzielle Inbetriebnahme abnehmen wird. Ab Dezember 2016 soll der Block, ein WWER-1200/392M als AES-2006, dann regulär seine 1200 MW in das Stromnetz in Zentralrussland einspeisen. Im Dezember 2017 wird die Inbetriebnahme des zweiten Blocks folgen.
Nowoworonesch II hat gezeigt, dass es möglich ist, dass eine reorganisierte Atomwirtschaft unter einer Staatsholding ROSATOM sehr gesund für die Entwicklung ist. Binnen weniger Jahre hat Russland über 24 Reaktorblöcke exportiert, die bereits auf dem WWER-TOI-Modell basieren, deren technische Basis Nowoworonesch II ist. Rosatom hat damit in weniger als einem Jahrzehnt die Weltmarktführung übernommen. Anlagen auf Basis des TOI-Modells werden in den nächsten Jahren in Asien, in West- sowie Osteuropa, sowie in Afrika entstehen.

Mit den Neubau von diesen Reaktoren endet die Ära der Sowjetanlagen auf dem russischen Territorium, damit die der älteren kleineren WWER-440, sowie die durch Tschernobyl bekannten Reaktoren des Typs RBMK-1000. Den ersten Schritt macht hier auch Nowoworonersch: Im Dezember 2016, mit der kommerziellen Übergabe des leistungsstärksten russischen Reaktorblocks für den kommerziellen Betrieb, wird der WWER-440/179 Nowoworonesch-3 seine letzten Kilowattstunden erzeugen und stillgelegt werden, 2018 wird auch mit der Inbetriebnahme des ebenfalls innovativen Blocks Leningrad II-1 (mit WWER-1200/491 als AES-2006) auch die Ära der RBMK enden mit der Stilllegung des ersten RBMK-Blocks Leningrad-1 auf dem ehemaligen Territorium der UdSSR.

Und jetzt stellt sich wieder die ewige Frage: Soll die Welt wirklich am deutschen Wesen genesen? Ich finde, dass es kaum sein kann, dass ein Land, das neben evolutionäre Reaktoren auch auf innovative Reaktoren setzt, nicht falsch liegen kann. Die Lösungen für die gesamte Endlagerproblematik gibt es längst. Deutschland war bereits in den 1980ern imstande diese zu realisieren, sie wurden allerdings verhindert. Russland praktiziert bereits diesen Prozess. Daher die Frage: Weshalb sollte man sich nicht in diesem Fall ein Beispiel an Russland nehmen und es auch machen? ….Aber klar, das phöse Atom und Russland sowieso…

In Russland nennt man es übrigens das friedliche Atom – Мирный атом. Bereits Igor Kurtschatow wusste das, als er den WWER-210, den ersten WWER, in Nowoworonersch baute. Sein Motto war “Lasst es Atomarbeiter sein, und keine Soldaten” – Пусть будет атом рабочим, а не солдатом! Die moderne Variante steht heute am Eingang eines Kernkraftwerks mit WWER-1200 in Weißrussland: Friedliches Atom in jedem Haus – Мирный атом в каждый дом!

 

Foto:Rosatom

https://www.facebook.com/rosatomgermany

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Und plötzlich ist er weg – Maxatomstrom

maxatomstrom_endeDas mittelständische Augsburger Unternehmen Maxenergy bot 2014 nach eigenen Angaben den ersten Atomstromtarif Deutschlands an. Er trete für eine pragmatische Klimapolitik ein und leiste somit einen Beitrag für den Klimaschutz: “Kunden können mit dem Atomstromtarif ihren jährlichen CO2-Fußabdruck von durchschnittlich fast zwei Tonnen auf 20 kg senken”.
Die Energie stamme aus der Schweiz. Sie koste mehr als der Mix verschiedener Energien (“Graustrom”, etwa aus Atom- und Kohlekraft), aber weniger als reine Öko-Energie, die Maxenergy auch im Angebot habe.

Unter der URL http://www.maxatomstrom.de/ ist der Energieversorger plötzlich nicht mehr erreichbar. Statt dessen erfolgt ein Hinweis:

maxatomstrom_2016

Maxenergy ist ein überregional tätiger Stromversorger aus Augsburg. Das Unternehmen gehört der Sailer-Gruppe an, die bereits seit über 50 Jahren in der Energieversorgungsbranche tätig ist. Der Maxatomstrom-Sprecher war Jan Pflug, Mitglied der Grünen. Die Augsburger Allgemeine berichtete 2014 ausführlich über das Unternehmen und über die StephenTindaleEinführung eines neuen Stromtarifs. Es gehe bei Maxenergy ungewöhnlich politisch zu, meint die Zeitung und verwies auf die “Kronzeugen für die Förderung der Kernenergie”, die Maxenergy sich „aus Umweltschutzgründen“ an Bord geholt habe. Darunter befanden sich international bekannte Personen wie Patrick Moore, Gründungsmitglied der Umweltorganisation Greenpeace, Stephen Tindale, einer der führenden Köpfe der britischen Umweltschutzbewegung, Kerry Emanuel, Professor für Meteorologie am Massachusetts Institute of Technology, James Lovelock, Stewart Brand, der Physik-Nobelpreisträger Burton Richter, Wade Allison, Professor für Nuklear- und Medizinphysik an der Universität Oxford, und Robert Stone, US-amerikanischer Dokumentarfilmer („Pandora’s Promise“). Sie unterstützten die Augsburger Atomstrom-Aktion.

Von Maxatomstrom scheint es Heute keine Spur mehr zu geben. Das Unternehmen setzt jetzt speziell beim Strom auf Grünstrom, auf 100 % Wasserkraft – “für eine saubere Zukunft.” Kunden werden aufgefordert, sich mit einer e-Mail an Maxenergy zu wenden, vorher informiert wurden sie nicht.

Mit einer »Themenwoche Kernenergie« führte der Verein Nuklearia e.V. in Erlangen im März 2015 eine Aufklärungskampagne rund um das umstrittene Thema Kernkraft durch. Zum Auftakt am Montag, dem 09. März zeigte die Nuklearia zum Thema “Kernenergie und Klimaschutz” den preisgekrönte Robert Stone-Film “Pandora´s Promise”. Anschließend fand eine Diskussion mit Jan Pflug, Pressesprecher von Maxatomstrom statt. Die Zuschauer hätten im gut gefüllten Saal der Volkshochschule Erlangen nach dem Film “teilweise sehr kontrovers, aber sachlich und respektvoll” diskutiert.

Als in der Nacht zum Sonntag, 28.06.2015 das Atomkraftwerk (AKW) Grafenrheinfeld Mitternacht vom Netz genommen wurde und etwa 120 Atomkraftgegner trotz des schlechten Wetters ein “Abschaltfest” feierten, erstrahlte auf einem der Kühltürme “Danke!” als Projektion in großen Lettern und zwar für “300 Milliarden kWh CO₂-armen Strom”. Der Dank kam von “Maxatomstrom”. Deren Sprecher, Jan Pflug, zeigte sich sicher, dass die CO₂-Emissionen infolge der Abschaltung steigen werden. “Quatsch”, sagte Atomkraftgegnerin Babs Günther vom Schweinfurter Aktionsbündnis gegen Atomkraft.

Danach war es still um Maxatomstrom.

 

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Kernenergie – Indiens Hoffnung für die Armen

Kudankulam 1 and 2 (Image: Rosatom)

Kudankulam 1 and 2 (Image: Rosatom)

Energie ist von entscheidender Bedeutung für die Bekämpfung der Armut in Indien. Für Indien bedeutet Kernkraft mehr als nur eine Stromquelle. Sie spielt eine wichtige Rolle für die Entwicklung der Industrie, da sie für die vielen armen Menschen den Zugang zu einer sicheren, erschwinglichen und zuverlässigen Energie ermöglicht. In Deutschland wurde die Erinnerung, dass Kernkraftwerke den wirtschaftlichen Aufschwung nach 1945 ermöglicht haben und kein Windrad ohne Strom aus Kernkraftwerken hätte gebaut werden können, nahezu aus dem Gedächtnis gestrichen. Die riesige Bevölkerung Indiens braucht zuverlässige, stetige Quellen, wenn das Land nach vorne kommen soll, und wird sich deshalb seine Energiepolitik nicht vorschreiben lassen.

Im Gegensatz zu den reicheren Ländern kann Indien sich nicht den Luxus leisten, seine Ressourcen und seine Zeit für unzuverlässige Energiequellen wie Sonnen-und Windenergie zu vergeuden. Indiens Zukunft ist Nuklear. Indien wird ein Beispiel für andere arme Länder sein, die sehr genau darauf achten, wie die Nutzung der Kernenergie imstande ist, ein Land aus der Armut zu befreien.

Die Menschen in Indien registrieren sehr aufmerksam, dass ihnen nicht die Vereinigten Staaten oder Europa helfen, aus bitterer Armut zu entkommen, sondern Russland. Anfang August eröffnete Wladimir Putin die erste Reaktoreinheit das Kudankulam Kernkraftwerks (KKNPP) im Rahmen einer Videokonferenz von Moskau aus. Das KKNPP ist Teil eines Vertrags, der bereits 1998 zwischen Indien und Russland unterzeichnet wurde. Gebaut wird es von der russischen Rosatom State Atomic Energy Corp.

India’s Nuclear Transformation — Why the Poor in India Have Hope

 

 

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Kernkraftwerk Kudankulam – Indo-Russisches Projekt für grünes Wachstum

Der indische Premierminister Narendra Modi und der russische Präsident Wladimir Putin haben am 10. August 2016 die Einheit 1 des 1.000-MW-Kernkraftwerks Kudankulam eingeweiht. Die Einweihung fand im Rahmen einer Videokonferenz zusammen mit J. Jayalalithaa, Ministerpräsident des indischen Bundeslandes Tamil Nadu, Standort des Kernkraftwerks, statt. 

Gemeinschaftsprojekt zwischen Indien und Russland zur friedlichen Nutzung der Kernenergie

Das Kernkraftwerk Kudankulam soll insgesamt fünf Energieblöcke mit je 1000 Megawatt Leistung bekommen. Die Kernkraftanlage wird dann die Bundesstaaten Tamilnadu, Kerala, Karnataka und Andhra Pradesh sowie das Unionsterritorium Puducherry mit Strom versorgen.

Mit der Vollinbetriebnahme des ersten und später auch des zweiten Reaktorblocks des Atomkraftwerkes werde die Energieversorgung Indiens deutlich verbessert und die wirtschaftliche Position des Landes gestärkt, sagte Putin. Er gehe davon aus, dass sich die sozial-ökonomische Aufgaben in einem so mächtigen Land wie Indien nicht ohne Atomenergie lösen lassen, berichtet Sputnik News. Der Präsident habe auch darauf verwiesen, dass das Projekt mit von Russland bereitgestellten Geldmitteln finanziert werde, wobei der Staat 85 Prozent der Baukosten übernehme.

Premierminister Modi habe darauf hingewiesen, berichtet World Nuclear NEWS (WNN), dass Indien und Russland planten, eine Reihe von Kernkraftwerken zu bauen. Putin erklärte, dass die Einheit mit der neuesten russischen Kernkrafttechnik gebaut worden sei. Es sei bekannt, habe er hinzugefügt, dass Russland eines der weltweit führenden Unternehmen in der Kerntechnik sei und Russland sich freue, die russische Technologie mit den indischen Kollegen zu teilen. Die Inbetriebnahme des ersten Energieblocks bedeutet laut Putin eine umfassende Arbeit zur Schaffung einer neuen hochtechnologischen Kernenergiebranche in Indien und sehe unter anderem die Ausbildung von Fachkräften vor.

Zusammenarbeit zwischen Indien und Russland beim Bau von Kernkraftwerken seit 1988

Die Zusammenarbeit zwischen Indien und Russland beim Bau von Kernkraftwerken hat ihren Ursprung in einer zwischenstaatlichen Vereinbarung, die vom damaligen indischen Premierminister Rajiv Gandhi und dem Präsidenten der Sowjetunion Michail Gorbatschow im Jahr 1988 unterzeichnet wurde. Die Reaktoren sollten ursprünglich im Dezember 2007 und Dezember 2008 mit dem kommerziellen Betrieb beginnen. Die Einheit 1 war im März 2011 betriebsbereit, aber seine Inbetriebnahme wurde durch Proteste und rechtliche Schritte nach dem Unfall der Anlage im japanischen Fukushima Daiichi im selben Monat verzögert.

Die Einheit 2 – Indiens 22. Kernreaktor – hat die erste Kritikalität im letzten Monat erreicht, sie soll Ende dieses Monats fertig sein. Beide Einheiten sind nach russischer Bauart WWER-1000-Druckwasserreaktoren. Der russische Präsident Wladimir Putin rechnet damit, dass noch in diesem Jahr ein russisch-indisches Abkommen über den Bau des dritten Reaktorblocks für das Kraftwerk Kudankulam in Südindien unterzeichnet wird.

Modi bekräftigte in der Videokonferenz am 10. August 2016 die Freundschaft zwischen Indien und Russland und bezeichnete das Indo-Russische Projekt als eine wichtige Ergänzung zu den Bemühungen, saubere Energie in Indien zu produzieren. Modi sagte laut The Indian Express, dass das Kudankulam Kernkraftwerk (KNPP) auch das gemeinsame Engagement von Indien und Russland signalisiere, “Wege der Partnerschaft für grünes Wachstum zu bauen.”

Die Indische Nachrichtenagentur IANS teilte gestern mit, dass Russlands neueste WWER-1200 – Reaktor -Technologie wahrscheinlich für zukünftige Anlagen verwendet werde, wobei Novovoronezh 6 von großem Interesse für Indien sei.

Während Modis Besuch in Moskau im Dezember letzten Jahres sagten Modi und Putin in einer gemeinsamen Erklärung, dass die Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern auf dem Gebiet der friedlichen Nutzung der Kernenergie ein “Eckpfeiler” ihrer strategischen Partnerschaft sei. Modi sagte, Indien plane insgesamt 12 russische Atomreaktoren an zwei Standorten, davon acht im Bereich von Kudankulam, wie Rosatom erklärte. Die Verträge sollen in diesem Herbst unterzeichnet werden.

Der indische Kabinett hatte im Januar mitgeteilt, dass die kommerziellen Verhandlungen zwischen NPCIL und US-Westinghouse über den Bau von sechs AP1000-Einheiten voraussichtlich in diesem Jahr abgeschlossen sein werden.

Nach der gestrigen Aussage Rosatoms, werden sich Putin und Modi als nächstes auf dem BRICS-Gipfel in Goa im Oktober 2016 treffen. BRICS ist ein Zusammenschluss von großen Schwellenländer, die Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika umfasst.

Quellen:

© Foto: Rosatom Flot, Kernkraftwerk Kudankulam in Indien

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Endlagerkommission: Eine Zuschrift zur Lösung des Atommüllproblems verschwand

Eine Zuschrift verschwand. Ein wissenschaftlich fundierter Vorschlag zur Lösung des Atommüllproblems des Institut für Festkörper-Kernphysik (IFK) wurde nicht wie andere Zuschriften auf der Website der Endlagerkommission veröffentlicht. Der formal korrekte Weg zur Eingabe des Vorschlags wurde durch das IFK eingehalten. Der Text des Vorschlags kann hier bei Ruhrkultour nachgelesen werden. Rainer Klute, Vorsitzender der Nuklearia e.V.*, verlangt eine Antwort der Endlagerkommisssion.  

Von Rainer Klute

Offener Brief an die Kommission Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe (Endlagerkommission)

Sehr geehrte Damen und Herren,

Durch Partitionierung und Transmutation (PuT)** kann ein Endlager für hochradioaktive Abfälle sehr viel kleiner und womöglich überflüssig werden.

Der vorläufige Abschlußbericht der Endlagerkommission jedoch ignoriert den Stand der Technik und verwirft – auf Basis falscher Annahmen – PuT als Lösung des Atommüllproblems. Das ist in http://nuklearia.de/2016/06/10/das-ende-der-endlagerkommission/ ausführlich dargestellt. Wie dort ebenfalls nachzulesen ist, wurden Sie im Rahmen Ihrer Veranstaltung »Konsultation Endlagerbericht im Entwurf« vom Institut für Festkörper-Kernphysik (IFK) auf die Fehleinschätzungen der Endlagerkommission zu PuT hingewiesen. Das IFK verfaßte außerdem eine schriftliche Begründung und stellte sie Ihnen über das Zuschriftenformular der Endlagerkommission (https://www.bundestag.de/endlager/buergerbeteiligung/zuschriftenformular) mit der Option der Veröffentlichung zu. Allerdings erfolgte abgesehen von einer Eingangsbestätigung keine Reaktion, auch keine Veröffentlichung.

Inzwischen haben Sie vom IFK angesichts der drängenden Zeit auch einen Ersatztext für Abschnitt 5.4.2 Ihres Schlußberichts erhalten. Dieser Ersatztext berücksichtigt PuT angemessen und entspricht dem Stand von Wissenschaft und Technik. Auch darauf haben Sie bislang nicht reagiert. Meine Fragen an Sie:

  • Was waren für die Endlagerkommission die Gründe dafür, den aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik bei Partitionierung und  Transmutation (PuT) nicht zu berücksichtigen?
  • Was ist aus der Zuschrift des Instituts für Festkörper-Kernphysik (IFK) an die Endlagerkommission geworden?
  • Warum wurde die Zuschrift des IFK nicht wie andere Zuschriften auf der Website der Endlagerkommission (https://www.bundestag.de/endlager/buergerbeteiligung/zuschriftenuebersicht) veröffentlicht?
  • Wie wurden die Darlegungen des IFK innerhalb der Kommission berücksichtigt? Falls sie gar nicht berücksichtigt wurden, was ware die Gründe dafür?
  •  Wann ist mit einer fundierten Antwort der Kommission auf die Zuschrift des IFK zu rechnen?

 

Mit freundlichen Grüßen

Rainer Klute

Nuklearia e.V. (Vorsitzender)

– Für moderne und sichere Kernenergie –

http://nuklearia.de/http://twitter.com/Nuklearia

 

Die Leser dieses Artikels sind herzlich aufgefordert, bei der Kommission nachzufragen, was aus dieser Zuschrift geworden ist, wann mit einer fundierten Antwort zu rechnen ist.

 

*Nuklearia e.V.

Der Verein Nuklearia e.V. ist gemeinnützig und ganz bewusst partei- und konzernunabhängig. Er ist aus der AG Nuklearia der Piratenpartei entstanden. Der Verein will mit Mythen über die angebliche Bedrohung der Menschheit durch Kernkraft aufräumen und Sachinformationen zu Kernkraft, Strahlung usw. weitergeben.
Aus Sicht des Vereins umfasst die Kernenergie sämtliche Vorteile einer verlässlichen Energieerzeugung:  Sie steht in ausreichendem Umfang und rund um die Uhr zur Verfügung, verbraucht wenig Landflächen und ist grundlastfähig. Erneuerbare Energien hält Nuklearia für eine sinnvolle Ergänzung. Der Bau und Betrieb neuer Kernkraftwerke in Deutschland soll wieder möglich werden, wobei den modernen Reaktortechnologien mit Reaktoren der Generation IV und verwandte Konzepte, die inhärent sicher sind und die hochradioaktiven, langlebigen Abfälle als Brennstoff nutzen und so das Atommüllproblem lösen können, besonderes Interesse gilt. Letztlich will Nuklearia auf eine Änderung des Atomgesetz hinwirken.

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**Partitionierung und Transmutation

„Partitionierung und Transmutation“ (PuT oder P&T) ist die Bezeichnung für ein Recycling-Konzept, das die nuklearen Reststoffe voneinander trennt (partitioniert) und die Menge der hochradioaktiven und langlebigen Substanzen durch Beschuss mit Neutronen in kurzlebigere Nuklide umwandelt  (Transmutation) Mehr Informationen

 

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Endlagerkommission blockiert kostenneutrales Atommüll-Recycling ohne Endlager

Die Leser dieses Artikels sind herzlich aufgefordert, bei der Kommission nachzufragen, was aus der Zuschrift des IFK geworden ist, wann mit einer fundierten Antwort zu rechnen ist, und warum es zu einer derartigen Fehleinschätzung zum Thema PuT kommen konnte. (e-Mail-Adressen am Ende des Artikels)

Gastbeitrag von Dr. Götz Ruprecht

Seit nunmehr über zwei Jahren tagt die »Kommission Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe«, und sie muss am 30.Juni ihren Abschlussbericht vorlegen. Das Berliner Institut für Festkörper-Kernphysik (IFK) hat im vorläufigen Bericht gravierende Mängel festgestellt, denn moderne und verfügbare Technik für Partitionierung und Transmutation (PuT) kann ein Endlager sogar überflüssig machen. Doch die Kommission reagiert auf Einwände und Zuschriften nicht.

Endlager - Wer will die Verantwortung?

Foto: Oliver Hallmann, “Endlager – Wer will die Verantwortung?”

Ende dieses Monats muss die »Kommission Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe« zu einem Ende kommen – eine Verlängerung gibt es nicht. Nach über zwei Jahren Diskussionen des 32-köpfigen (plus zwei Vorsitzende) vom Deutschen Bundestag und Bundesrat eingesetzten Gremiums muss nun Ende Juni ein Abschlussbericht vorgelegt werden. In diesem Bericht sollen Handlungsempfehlungen für Bund und Länder vorgelegt werden, wie mit der nuklearen Altlast nach dem angeblichen Konsens zum Atomausstieg weiter zu verfahren ist.

Endlagerkommission

Acht der Kommissionsmitglieder sind Vertreter der Wissenschaft, weitere acht Vertreter gesellschaftlicher Gruppen. Nur diese 16 Mitglieder sind stimmberechtigt. Die übrigen 16 sind Politiker aus Bund und Ländern. Sie dürfen nur mitreden und Texte vorschlagen, aber nicht abstimmen. Lediglich ein Viertel der Mitglieder, davon zwei Juristen, hat also überhaupt theoretisch die Kompetenz, etwas Fachliches zu dieser Thematik beizutragen.

Die Kommission gibt sich transparent und bürgernah. Am 29. und 30. April 2016 fand in Berlin die »Konsultation Endlagerbericht im Entwurf« statt, an der sich jeder beteiligen konnte. (Gedeckelte) Reise- und Unterbringungskosten wurden erstattet, und man musste während der ganztätigen Diskussionen auch nicht hungern. Einen Eindruck von der Veranstaltung erhält man durch einen Videobericht.

Dennoch: Wirklich Neues hat die Kommission nicht hervorgebracht. Zum Beispiel »überraschte« sie kürzlich mit der Feststellung, dass sich die Endlagerung bis weit in das nächste Jahrhundert hinziehen werde. Unterirdische Gesteinsformationen, insbesondere Steinsalz, seien für die Endlagerung besonders gut geeignet. Letzteres wurde bereits vor Jahrzehnten von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in ausführlichen Gutachten festgestellt. Auf der einen Seite wagt die Kommission locker Vorhersagen über die technische Entwicklung in den nächsten 120 Jahren, auf der anderen Seite klammert sie sich an Jahrzehnte alte Erkenntnisse und ignoriert in Teilen den Stand der Technik.

Endlagerkommission ignoriert Stand der Technik

Dies wird besonders an Kapitel 5.4.2, Teil B, (S.128) des vorläufigen Endlagerberichts deutlich, welches sich mit dem Thema »Partitionierung und Transmutation« (PuT) auseinandersetzt. Das ist im Grunde nichts anderes als Mülltrennung und -Recycling: Die Partitionierung trennt zunächst die nuklearen Reststoffe nach unterschiedlich zu behandelnden Komponenten. Dies allein reduziert bereits die Größe eines geologischen Endlagers beträchtlich, weil nur ein kleiner Teil der Abfälle wirklich hochradioaktiv und langlebig ist und für sehr lange Zeit gelagert werden müsste. Doch ausgerechnet diese Substanzen lassen sich per Transmutation recyclen: Der Beschuss mit schnellen Neutronen in einem Reaktor macht aus langlebigen Stoffen kurzlebige.

Theoretisch könnte mit PuT ein geologisches Endlager vollständig entfallen, und mit geeigneter Technik könnte dies sogar kostenneutral und sicher gestaltet werden. Das Fazit im vorläufigen Endlagerbericht klingt jedoch ganz anders:

Die Nutzung einer PuT Strategie erfordert für die kommenden Jahrhunderte stabile staatliche Verhältnisse inklusive einer entsprechenden Infrastruktur für Wissenserhalt, Ausbildung, Betrieb, Forschung und Entwicklung. Damit würde eine PuT-Strategie die Verantwortung für Behandlung und Endlagerung der hoch radioaktiven Abfälle weitgehend auf die zukünftigen Generationen verlagern.

Eine Entscheidung für die Umsetzung von PuT würde eine entsprechende Akzeptanz der Bevölkerung voraussetzen, die aufgrund der erforderlichen Zeitdauern für die technische Verwirklichung auch von zukünftigen Generationen getragen werden müsste. Der heutige gesellschaftliche Konsens zum Verzicht auf die Kernenergienutzung in Deutschland müsste aufgehoben werden. Die rechtlichen Rahmenbedingungen im Atomgesetz müssten angepasst und untergeordnete Regelwerke geschaffen werden, um die mit einer PuT-Strategie verbundene großtechnische Plutoniumnutzung in dem oben beschriebenen technologischen Ausmaß zu ermöglichen. Des Weiteren wäre eine Verständigung bezüglich der Finanzierung erforderlich, sowohl im Hinblick auf eine zügige Entwicklung als auch auf eine spätere Umsetzung der Technologien. Selbst eine wie auch immer geartete Beteiligung europäischer Partnerländer wäre mit erheblichen politischen, gesellschaftlichen und regulatorischen Anpassungen verbunden. Im europäischen Raum werden bisher nur in Frankreich und durch die EURATOM konkrete Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten verfolgt.

Einige Mitglieder des Berliner Instituts für Festkörper-Kernphysik (IFK) waren bei der »Konsultation Endlagerbericht im Entwurf« anwesend und konnten einige Kommissionsmitglieder auf diese mangelhafte, auf veralteter Technik beruhende und somit viel zu pessimistische Darstellung hinweisen. Immerhin betrifft ein mögliches Wegfallen eines geologischen Endlagers den Kernbereich der Endlagerkommission. Dies stieß durchaus auf Interesse, führte aber zu keinen Konsequenzen. Daraufhin erstellten die IFK-Mitglieder eine schriftliche Begründung und stellten diese vor 3 Wochen über das Zuschriftenformular mit der Option der Veröffentlichung der Kommission zu.

Nichts geschah, keine Antwort und auch keine Veröffentlichung, nur eine Eingangsbestätigung.

Am 6. Juni schließlich wurden die Kommission sowie einige einzelne Mitglieder offiziell angeschrieben und wegen der drängenden Zeit vom IFK gleich ein Ersatztext für Abschnitt 5.4.2 erstellt, der tatsächlich dem Stand von Wissenschaft und Technik entspricht. Bis heute gab es keine Reaktion der Kommission.

Stand der Technik ermöglicht kostenneutrales Atommüll-Recycling ohne Endlager

Da die Kommission sowohl mit der Korrektur von Texten als auch mit der Veröffentlichung offensichtlich überfordert ist, holen wir dies hiermit nach. Der vom IFK neu erstellte Text kommt zu einem ganz anderen Fazit:

Die für Partitionierung und Transmutation benötigten Zeiträume liegen bei Anwendung aktueller Technologien unter jenen, die momentan für die Endlagerung abzusehen sind. Die dafür erforderlichen Anlagen existieren oder existierten und haben nur wenige Jahre Entwicklung benötigt. Mit den heutigen stark verbesserten Möglichkeiten der Material- und Fertigungstechnik können derartige Anlagen erneut und besser gebaut werden. Während ein Endlager nur Kosten verursacht, besteht bei PuT-Anlagen die Möglichkeit, den kompletten Investitionsbedarf wieder einzuspielen.

Die kürzlich erschienene Acatech-Studie beschäftigt sich ausführlich mit der PuT-Thematik und kommt im Schluss auf die Möglichkeit einer deutlichen Reduzierung der Endlagergröße. Dabei werden jedoch weder moderne Methoden der Stofftrennung noch moderne Reaktortypen berücksichtigt. Tut man dies, ist eine deutliche Kosten- und Zeitreduzierung zu erwarten, ein Endlager könnte möglicherweise sogar gänzlich entfallen. Diese Kritikpunkte werden z.Zt. in einer vom BMWi beauftragten Ergänzungsstudie über neue Partitionierungstechniken aufgegriffen, ergänzt und richtiggestellt.

Ein vollständiges PuT-Szenario kann in ca. 60 Jahren umgesetzt und oder abgeschlossen werden, benötigt lediglich zwei Reaktorblöcke, keine umfangreichen Nukleartransporte, kann proliferations- und konfliktsicher gestaltet werden und könnte ein geologisches Endlager überflüssig machen. Im Vergleich dazu müssten ohne PuT mehr als 10.000 Tonnen hochradioaktiver und langlebiger Abfälle endgelagert werden. Diese Alternativoption sollte daher durch ein entsprechendes Forschungs- und Entwicklungs- (F&E)-Programm zügig in Gang gesetzt werden.

Die Leser dieses Artikels sind herzlich aufgefordert, bei der Kommission nachzufragen, was aus dieser Zuschrift geworden ist, wann mit einer fundierten Antwort zu rechnen ist, und warum es zu einer derartigen Fehleinschätzung zum Thema PuT kommen konnte, wo doch sogar ein technischer Chemiker in der Kommission sitzt.

Dr. Götz Ruprecht

Ruprecht_Goetz

Dr. Götz Ruprecht ist Kernphysiker und Mitarbeiter des Instituts für Festkörper-Kernphysik, Berlin. E-Mail: kontakt@festkoerper-kernphysik.de

 


 

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Renaissance der Kernenergie: Details zum modernen Kernreaktor-Programm

China wird in Partnerschaft mit dem US-Energieministerium bis zum Jahr 2030 moderne Kernreaktoren in den Handel bringen. Richard Martin berichtet über eine Zusammenkunft von Atomwissenschaftlern und Unternehmern im Oak Ridge National Laboratory in Tennessee. Auf der Suche nach preisgünstiger, kohlenstoffarmer Energie erlebe die Welt zurzeit eine Renaissance der Flüssigsalz-Reaktoren, sagt Richard Martin, Chefredakteur für Energie, MIT Technology Review.

Nuklearreaktoren – Die nächste Generation

Für den allmählichen Ausstieg aus der Kohle lassen sich Gründe finden, für den aus der Kernenergie nicht. Dies hat zuletzt ein Treffen von Atomwissenschaftlern und Unternehmern im Oak Ridge National Laboratory in Tennessee in der letzten Woche deutlich gemacht, von dem Richard Martin berichtet.

Die Zusammenkunft fand anlässlich des 50. Jahrestags des Experiments mit Flüssigsalzreaktoren statt. Das Programm wurde in den 1960er Jahren bei Oak Ridge durchgeführt, mit dem Ziel, einen neuartigen Kernreaktor zu bauen. Flüssigsalzreaktoren benutzen anstatt fester Brennstäbe Flüssigkeit als Brennstoff. Sie bewirkt Kernreaktionen, die das Wasser erhitzen, aus dessen Dampf schließlich Strom erzeugt wird. Flüssigsalzreaktoren haben in Bezug auf Sicherheit, Anti-Proliferation und Wirtschaftlichkeit gegenüber herkömmlichen Leichtwasserreaktoren mehrere Vorteile.

Der Jahrestag in Oak Ridge habe eine Übersicht über den Stand der zwar seit Jahrzehnten bekannten, bisher aber nicht kommerzialisierten Technologie geboten, sagt Martin. Reaktorentwickler einschließlich TerraPower, Flibe Energy, Moltex Energy, Terrestrial Energy und Southern Power hätten ihren jeweiligen Stand der Kommerzialisierung präsentiert.

China bestimmt das Tempo

Unter den Referenten befand sich laut Martin auch Xu Hongjie, der Direktor des Flüssigsalz-Reaktor-Programms am Shanghai Institut für Angewandte Physik (SINAP). China gewinnt immer noch fast drei Viertel des Stroms aus der Verbrennung von Kohle, ist der größte Emittent von Treibhausgasen in der Welt und steht unter Druck, kohlenstoffarme Energiequellen zu entwickeln, sagt Martin, weshalb China, den Angaben der World Nuclear Association folgend, seine Nuklearkapazität bis zum Jahr 2020 mehr als verdoppeln wolle. Dies betreffe sowohl konventionelle Kernkraftwerke wie fortgeschrittene Systeme, wie beispielsweise Flüssigsalzreaktoren.

Xu stellte detailliert einen mehrstufigen Plan für den Bau von Demonstrationsreaktoren in den nächsten fünf Jahren vor, die ab etwa 2030 in den Handel kommen sollen. Das Institut plane, einen 10-Megawatt-Reaktor-Prototyp mit Festbrennstoffen bis zum Jahr 2020 zu bauen, zusammen mit einem Zwei-Megawatt-Flüssigkeit-Reaktor, um den Thorium-Uran-Brennstoffkreislauf zu demonstrieren. (Thorium, das nicht spaltbar ist, wird in einem Reaktor in ein spaltbares Uran-Isotop verwandelt, das Energie erzeugt und die Kernreaktion aufrecht erhält.)

Insgesamt arbeiten 700 Kernkraft-Ingenieure an dem Flüssigsalz-Reaktor bei SINAP, eine Zahl, die andere Reaktorforschungsprogramme in diesem Bereich auf der ganzen Welt in den Schatten stelle, berichtet Martin. Bei der Forschung gehe es China auch um die Kontrolle über Tritium, ein gefährliches Wasserstoff-Isotop, das bei der Herstellung von Kernwaffen verwendet werden kann. Die Begrenzung der Erzeugung von Tritium sei ein zentrales Forschungsziel bei der Entwicklung von Flüssigsalz-Reaktoren, habe Xu Hongjie betont.

Während die meisten Teilnehmer in Oak Ridge mit den Umrissen des chinesischen Programms vertraut gewesen seien, seien dennoch viele Zuhörer über die Komplexität der bisher erzielten Fortschritte in China erschrocken gewesen. Es sei sehr überraschend, wie weit sie in vier Jahren gekommen sind, habe John Kutsch, Vizepräsident für Geschäftsentwicklungen bei Terrestrial Energy, die eine eigene Version eines Flüssigsalzreaktors entwickeln, gesagt. Es zeige, wie der Fortschritt beschleunigt werden könne, wenn sich hunderte von Forschern auf ein Projekt konzentrierten.

Unter der Schirmherrschaft der chinesischen Akademie der Wissenschaften, arbeite SINAP mit Oak Ridge zusammen, um die Forschung sowohl bei den salzgekühlten Reaktoren (die geschmolzene Salze verwenden, um die Wärme zu übertragen und um den Reaktor zu kühlen) und salzbetriebene Reaktoren (in dem der Kraftstoff in Kühlmittelsalz gelöst wird, wobei die energieerzeugenden Kernreaktionen auftreten) zu fördern. Die Vereinbarung sei im Dezember 2011 unterzeichnet worden. Seitdem seien die Bemühungen von Shanghai-Oak Ridge in der Kernkraft Gemeinschaft Gegenstand von Kontroversen und Spekulationen, insbesondere bei denjenigen, die die Förderung moderner Technologien, wie beispielsweise Salzschmelzenreaktoren und die Verwendung von Thorium als alternativen Kernbrennstoff befürworten, der sauberer und sicherer sei und häufiger vorkomme, als Uran.

Das chinesische Programm habe einige amerikanische Forscher, die China als Rivalen im Nuklearbereich sehen und die Weitergabe von Technologien, die ursprünglich in den USA entwickelt wurden, ablehnen, alarmiert, stellt Martin fest. China bemühe sich, nicht nur Reaktoren für die inländische Stromversorgung zu bauen, sondern auch ein bedeutender Lieferant von Kerntechnik für den Weltmarkt zu werden. Einige Kommentatoren hielten die US-China-Vereinbarung für eine gefährliche, auch heimtückische Form des Technologietransfers, meint Martin.

In Oak Ridge habe Xu einen Fahrplan umrissen, der zeige, dass China weiter ist als jedes andere Forschungs- und Entwicklungsprogramm (FuE) der Welt über fortschrittliche Reaktoren.

Das Dilemma der USA

Aus einer breiteren Perspektive gesehen würde die Entwicklung einer sicheren, wirtschaftlichen Kernkrafttechnologie, die vermarktet und schnell bereit gestellt werden könne, ein riesiger Erfolg im Kampf für die Begrenzung des globalen Klimawandels sein, unabhängig davon, welches Land zuerst komme, sagt Martin. Viele Entwickler der nächsten Generation von Kernreaktoren, die in den USA mit einem langen Weg zur Finanzierung und Lizenzierung ihrer Technologie konfrontiert sind, würden ihre Apparate wahrscheinlich in anderen Ländern testen, darunter auch in China.

Im Rahmen der Vereinbarung seien beide Institutionen nach Einschätzung David Holcombs, Forschungsleiter des Programms am Oak Ridge, bestrebt, die salzgekühlten Reaktoren schneller voranzubringen. Die Kooperation sei von beiden Regierungen genehmigt.

Wie alle Wissenschaftler sei auch Xu mit der Sicherung der Finanzierung für die nächsten Phasen des Programms konfrontiert. Die SINAP Forschung zum Flüssigsalzreaktor werde bis 2017 finanziert, habe Xu eingeräumt; darüber hinaus werde das Institut von der Zentralregierung, der Shanghai Regierung und aus dem privaten Sektor neue Mittel erbitten. SINAP habe vor kurzem einen Vertrag mit der Fangda Group, einem großen chinesischen Konglomerat, das Kohlenstoffprodukte, Eisen, Stahl und Chemikalien produziert, geschlossen, der die Entwicklung salzgekühlter Reaktoren zu unterstützt.

Er sei sehr zuversichtlich, habe Xu versichert, dass SINAP sein Flüssigsalz-Reaktor-Programm vermarkten werde. Denn grundsätzlich habe die chinesische Regierung die Absicht, die Entwicklung von Zukunftstechnologien im Bereich der Kernenergie zu unterstützen. Und der chinesische Markt sei sehr groß für Kernenergie-Technologien.

Die Rückkehr des deutschen Spießers

Auf der Suche nach preisgünstiger, kohlenstoffarmer Energie erlebt die Welt zurzeit eine Renaissance der Flüssigsalz-Reaktoren. Wie schnell die Umstellung vonstatten gehen kann, zeigt China. Deutschland hat sich dagegen mit seinem Beschluss zum Ausstieg aus der Kernenergie 2011 aus der Teilhabe an der Forschung und Entwicklung einer zukunftsfähigen Energieversorgung für die Menschheit verabschiedet.

Die Folgen des Ausstiegs werden sehr viel weitreichender sein, als wir uns derzeit träumen lassen. Die Konsequenzen betreffen sowohl die Zuverlässigkeit der Energieversorgung, die Deutschland aus eigener Kraft nicht mehr bewerkstelligen können wird, als auch die Abwanderung der Industrie, die Deutschland bereits nach und nach verlässt. Der politische Kurs strebt eindeutig Richtung Deindustrialisierung. Deutsche Spießbürger möchten sich von der Industrie verabschieden, weil sie glauben, damit der Welt etwas Gutes zu tun. Sie bewegen sich rückwärts, in eine Zeit vor Beginn der Industrialisierung, als städtische Bürger im Mittelalter ihre Heimatstadt mit dem Spieß als Waffe verteidigt haben, daher der Name Spießbürger, und die Kirche die Atomlehre Demokrits verdammt hat. Die Bevölkerung ist Spießbürgern auf den Leim gegangen und wird dafür bitter bezahlen.

In der Literatur erscheinen die Spießer als selbstzufriedene Menschen, die unter anderem einer oberflächlichen Geselligkeit frönen, sich gerne in Vereinen aufhalten, sich durch Verrat, Dünkel, Besserwisserei und Aufgeblasenheit oder als autoritätshörige Opportunisten auszeichnen.

Die Ironie der Geschichte: Ausgerechnet die Sorge um den menschengemachten Klimawandel ist weltweit der Anstoß dafür, die Kernenergie auszubauen und die damit verbundene technische und intellektuelle Herausforderung anzunehmen. Dass Deutschland von der Kernenergie im eigenen Land nichts mehr wissen will, der Stationierung von Atomwaffen aber ebenso zustimmt wie dem Import von Strom aus Kernkraftwerken des Auslands, ist typisch für die Bedeutung, die Spießbürger im modernen Sinne haben: Engstirnige Personen, “die sich durch geistige Unbeweglichkeit” und “ausgeprägte Konformität mit gesellschaftlichen Normen auszeichnen.”

Auf die weltweite Entwicklung wird die Verabschiedung Deutschlands aus dem Kreis kultivierter Industrienationen keinen Einfluss haben, die Lücke der einstmals bedeutenden Kulturnation wird von Russland und asiatischen Ländern, insbesondere von China, aber auch von den USA und anderen europäischen Staaten in den nächsten Jahrzehnten geschlossen werden.

 

Faina Faruz

 

Quellen:

 

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