Kennen Sie DoWiDo?

dowidoKennen Sie DoWiDo? Das Motto von DoWiDo lautet:

“Was Eine nicht versemmelt, vergeigen Viele”.

Die Anspielung auf den Slogan der Netzfrauen “Was eine nicht schafft, schaffen viele” ist natürlich kein Zufall, sondern zielt direkt auf die selbsternannte NRO (Nicht-Regierungs-Organisation), die sich vornehmlich an politisch interessierte Frauchen wendet. Frauchen? Frauchen, denn echte Frauen würden die Halbwahrheiten und Hetzkampagnen wohl kaum mit einem Like beehren.

Mit über 220.000 Facebook-Likes haben sich die Netzfrauen einen beachtlichen Sympathisantenkreis ersammelt. Zu ihren Marotten gehört, dass sie, sobald sie Widerspruch erfahren, in großes Wehgeschrei ausbrechen, sich über die Gemeinheit ihrer Kritiker beklagen und sich als Mobbing-Opfer von ihrer Gemeinde trösten lassen. Man sollte die Hetzfrauen nicht einfach ignorieren, denn sie repräsentieren einen Frauentypus, der sich zurzeit im Zeichen des Genderismus aber als konsumkonform und ideologisch steuerbar erweist, an den Kämpferinnen für Frauenrechte ursprünglich bestimmt nicht gedacht haben.

Die Netzfrauen werden von verschiedenen NROs unterstützt. Die Entwicklung einiger der großen NROs (oder NGOs) zeigt seit einigen Jahren eine zunehmende Ideologisierung und Politisierung, die dazu führt, dass abweichende Meinungen nicht zugelassen werden. Wer die Auffassung der Betreiber nicht teilt, wird durch Blockierung und Beitragslöschung “bestraft”. So entstehen Biotope, Inzuchten, die keinen Meinungsaustausch zulassen und damit die Grundlage für hässliche Debatten im Internet schaffen. Dieses zutiefst undemokratische Verhalten praktizieren die Betreiber fundamentalistischer Internet- und Facebook-Seiten, darunter auch Sonnenseite, Klimaschutz-Netz, Umweltstiftung usw., auch die Netzfrauen.

Mitglieder, die von den Netzfrauen gesperrt wurden, haben sich eine eigene Facebook-Plattform geschaffen. Sie boomt: Gesperrt bei den Netzfrauen hat inzwischen 256 Mitglieder. Hinzu gekommen ist eine Satire-Seite, die sich gegen die Verbreitung von Hetzkampagnen durch die Netzfrauen wendet: http://www.dowido.de/.

Den Betreiberinnen der Internetseite DoWiDo ist wichtig, Leserinnen und Leser darüber aufzuklären, mit welchen unlauteren Methoden die Netzfrauen arbeiten und “Fans” der Netzfrauen in die Irre geführt werden. Die Vermutung, dass reißerische Überschriften ausschließlich dazu dienen sollen, die Leserschaft auf die werbefinanzierte Seite netzfrauen.org umzuleiten, liege dabei nahe, sagen sie. Sie kritisieren die “alarmistische, schlecht bis gar nicht recherchierte und mit Unmengen an Urheberrechtsverletzungen bestückte “Aufklärungs-Webseite” der Netzfrauen. In einem offenen Brief haben Mitglieder der Facebook-Gruppe “Gesperrt bei den Netzfrauen” alle Aspekte aufgeführt, die sie vorrangig am Gebahren der Netzfrauen stören. Ein ermutigender Protest gegen die Verrohung der Debattenkultur.

DoWiDo http://www.dowido.de/

 

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Meinungsdiktatur – mit Vollgas in eine Neue Weltordnung

Den Literaturpreis erhielt in diesem Jahr Bob Dylan. Ob dies “ein Nostalgie-Preis von senilen, sabbernden Hippies” (Irvine Welsh) sei oder ob die Tatsache, dass der Musiker “den Status einer Ikone” habe, wie die Nobelpreis-Jury ihre Wahl begründete, wird in den Medien heiß diskutiert. Die Begründung der Jury, dass die Musik des Popsängers Einfluss auf die zeitgenössische Musik tiefgreifend sei, und die Feststellung, Bob Dylan sei ein Dichter, der poetische Traditionen in eine eigene, fantastische Stimme verwandle (t-online) stützen, enthält aber darüber hinaus ein Zugeständnis an den zeitgemäßen Populismus, den Politiker bewusst einsetzen, um ihre verloren gegangene Nähe zur Bevölkerung wieder herzustellen. Zur gleichen Zeit, in der Bob Dylan, der für Meinungsfreiheit stand, von der SPD gefeiert wird, versucht die SPD oder nimmt Versuche hin, Kritiker der Regierungspolitik, darunter Daniele Ganser und Hamed Abdel-Samad, kalt zu stellen. 

Literaturnobelpreis

spd_dylanBob Dylan “hat unsere Köpfe befreit”, freut sich die FAZ. Wessen Köpfe? Wovon befreit?
Die SPD-Fraktion verschickte an alle, “die ihre Tage hinter dem Mond zu verbringen pflegen” (Die Zeit) eine Mail mit dem Subject: “EILMELDUNG: Bob Dylan erhält Literaturnobelpreis 2016”.

Sigmar Gabriel twitterte: “Glückwunsch! Blowing in the wind” habe ich als 13-jähriger auf Konfirmandenfreizeit auf Ameland gelernt. Und: ich kann es noch singen.”

Das Auswärtige Amt twitterte: “Steinmeier zum Literaturnobelpreis für Bob Dylan: Einer der größten Maa_dylanusiker des 20. Jhd, d. mit seinen Texten direkt die Herzen erreicht hat”

Hätte Bob Dylan die Menschen nicht auf dem Umweg über die Herzen, sondern auf direktem Weg über den Verstand erreichen wollen, wäre die SPD vielleicht weniger aus dem Häuschen gewesen. Aber mit Aufklärung tun sich die Genossen in der SPD, CDU und der Partei der Grünen sehr schwer, wie Vorfälle zu Vorträgen von Daniele Ganser und Hamed Abdel-Samad zeigen.

Hexenjagd auf einen unbequemen Historiker

Als Daniele Ganser am 29. Oktober 2015 an der Universität Witten/Herdecke einen Vortrag zu dem Thema “Fakten, Meinungen, Propaganda – Wie mache ich mir selbst ein Bild?” halten sollte, geriet die örtliche SPD derart in Rage, dass sie gemeinsam mit den übrigen potenziellen Anhängern eines Bob Dylan, die Jusos Witten, die Grüne Jugend Witten und auch die Piratenpartei NRW, anstatt die Köpfe zu befreien, in einem offenen Brief die Universität aufforderten, Ganser auszuladen “und sich von ihm und seinen Thesen zu distanzieren” (heise: Verschwörungstheoretiker blasen zur Hexenjagd auf Historiker). Daniele Ganser ist auf Zeitgeschichte nach 1945 und internationale Politik spezialisiert. Seine Forschungsschwerpunkte sind Friedensforschung, Geostrategie, verdeckte Kriegsführung, Ressourcenkämpfe und Wirtschaftspolitik. Er unterrichtet am Historischen Seminar der Universität Basel und forscht zum «Peak Oil», dem globalen Kampf ums Erdöl, und dem so genannten «Krieg gegen den Terrorismus». Aber Ganser ist nicht systemkonform. In seinem Buch “Illegale Kriege” beschreibt Ganser, wie in Vergangenheit und Gegenwart illegale Kriege geführt werden. Es zeigt, wie die Regeln der UNO und vor allem das Kriegsverbot gezielt sabotiert wurden und welch unrühmliche Rolle hierbei die Länder der NATO spielen. Es ist ein Buch von beklemmender Aktualität, der auch SPD-Parteiorganisationen in der Provinz Probleme bereiten. Kritik an der Regierungspolitik stellt sich der Wittener SPD als Angriff auf die Macht dar, die zu verteidigen sie als ihre Pflicht sieht.

Die Wittener SPD und ihre Gefolgschaft setzt sich über die Grundwerte einer Universität im Allgemeinen und die Besonderheiten der Unversität Witten/Herdecke (UW/H) und über die Meinungsfreiheit hinweg, wenn sie ihre Kreise gestört sehen. Die Grundwerte der Universität in Witten/Herdecke sind klar definiert: “Die UW/H ist einem pluralen Wissenschaftsverständnis verpflichtet. Sie ermutigt zu persönlichen Erfahrungen, zum methodischen Wechsel der Perspektiven und zum offenen Diskurs zwischen den Disziplinen als Voraussetzung einer geschärften Urteilskraft. In ihr entfalten sich fragen- und problemorientierte Ansätze, Urteile und Erkenntnisse, deren mögliche Wirkung auf Gesellschaft und Umwelt verantwortlich mitgedacht werden.” Der Angriff auf die Meinungsfreiheit schlug fehl, Daniele Ganser durfte den Vortrag halten.

 

Tabubruch

Nicht nur Daniele Ganser, auch jemand wie Hamed Abdel-Samad steht plötzlich in der Kritik. Es ist nicht so, dass er seine Meinung plötzlich geändert hat und deswegen als Redner abgelehnt wird. Was der Autor zurzeit erlebt, könnte man als einen passiven Tabubruch bezeichnen, denn nicht er, sondern die Republik hat sich gedreht. Weil er Mohamed als „Massenmörder und krankhaften Tyrann“ bezeichnet hat, wurde Abdel-Samad angezeigt und von der Berliner Staatsanwaltschaft verhört. Das sei ein Verstoß gegen die Meinungsfreiheit, sagt der Historiker und Publizist Michael Wolffsohn .

Vor Jahrzehnten war im Deutschen Reich die geistige Wende zuerst an den Universitäten spürbar. Einen ähnlichen Prozess können wir in diesen Tagen erleben. Die Uni Augsburg, wo Hamed Abdel-Samad studiert und seine ersten Forschungsergebnisse zum politischen Islam präsentiert hat, verweigere ihm nun eine kritische Diskussion über den Koran, weil er einst bei der AFD aufgetreten sei, sagt der Autor und Wissenschaftler. Dieselbe Uni, die ihn einst als Muster-Muslim mit Preisen geehrt habe. Auch die Uni München, wo er Jahre lang islamische und jüdische Geschichte gelehrt habe, habe es abgelehnt, dass er die Ergebnisse seiner Forschung zum Koran in einem offenen Dialog mit Studierenden und Bürgern der Stadt diskutiere. Sie habe ihm einen Raum für einen Vortrag verweigert mit der Begründung “Wir stellen unsere Räume für weltanschauliche Veranstaltungen nicht zu Verfügung”.

Hamed Abdel-Samad wurde 1972 bei Kairo geboren, studierte Englisch, Französisch, Japanisch und Politik. Er arbeitete für die UNESCO, am Lehrstuhl für Islamwissenschaft der Universität Erfurt und am Institut für Jüdische Geschichte und Kultur der Universität München. Abdel-Samad ist Mitglied der Deutschen Islam Konferenz und zählt zu den profiliertesten islamischen Intellektuellen im deutschsprachigen Raum.
Seine Autobiographie “Mein Abschied vom Himmel” sorgte für Aufsehen: “Was er von seinen Landsleuten erwartet, hat er selbst vorgemacht: Aufklärung durch Tabubruch.” ZDF-Aspekte

Dass Aufklärung unerwünscht ist, wenn sie nicht den Leitlinien der Politik folgt, gilt nicht nur für den Islam, sondern auch für Energiefragen. Dort ist man sogar schon ein Stückchen weiter: Wer nicht an den Klimawandel glaube, solle bestraft werden, überlegt zum Beispiel Al Gore.

Hamed Abdel-Samad registriert eine fortschreitende Meinungsdiktatur in Deutschland. “Wohin entwickelt sich die Meinungsfreiheit in Deutschland? Unis, Intellektuelle, Islamfunktionäre und Politiker der Parteien der Mitte weigern sich, einer ehrlichen und offenen Debatte über den Islam zu stellen, dann jammern sie alle, dass diese Debatte am rechten Rand geführt wird!”, sagt Hamed Abdel-Samad.

Seine Bücher sind (noch) im Buchhandel erhältlich, Buchhändler fordern (noch) nicht zum Verbrennen seiner Bücher auf, wie es bei Akif Pirinçci der Fall war, dessen Bücher nicht mehr ausgeliefert werden. Der neue Zeitgeist hat in der Geschichte prächtige Vorbilder, nachzulesen bei Heinrich Mann “Der Untertan”.

 

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Der Wandel der Medien vom “Wachhund” zum “Kampfhund” oder: “Die Lückenpresse”

Eine wissenschaftliche Studie der London School of Economics weist den Medien eine Wandlung vom „Wachhund“ zum „Kampfhund“ nach. Am Beispiel des Aufstiegs Jeremy Corbyns als Kandidat für die Labour-Führung und als neuer Führer der größten Oppositionspartei in Großbritannien sei festzustellen, dass Corbyn als politischer Akteur von dem Moment an delegitimiert worden sei, als er ein prominenter Kandidat und noch mehr, nachdem er  mit einem starken Mandat als Parteiführer gewählt worden sei. Dieser Prozess der Delegitimierung habe in mehrfacher Hinsicht stattgefunden, 1. durch fehlende oder Verzerrung der Stimme, 2. durch Spott, Hohn und persönliche Angriffe und 3. durch die Verbindung vor allem mit dem Terrorismus.

Die Autoren sehen diesen wandel und die Einseitigkeit der Berichterstattung als Gefahr für demokratische Prozesse. Darüber hinaus soll dieses Projekt auch einen Beitrag zur laufenden öffentlichen Debatte über die Rolle der Mainstream-Medien und Journalisten in einer mediengesättigten Demokratie leisten.

Der Journalist Ulrich Teusch, dessen Beobachtungen sich mit denen der Studie decken, bezeichnet diesen Wandel in den Medien als “Lückenpresse”.  Das könne man zum Beispiel bei geopolitischen Konflikten beobachten, in die „der Westen“ involviert ist. In seinem im September erschienenen Buch “Lückenpresse” finde sich da einiges etwa zur Russland- oder Syrienberichterstattung.

Im Gespräch mit Paul Schreyer, 9. September 2016, erklärt Ulrich Teusch, warum der Begriff „Lügenpresse“ wenig tauge, um das eigentliche, das systemische Problem zu erfassen, das in den medialen Besitz- und Kontrollverhältnissen bestehe. Lügen tauchten immer wieder auf, insbesondere dann, wenn Politiker die Unwahrheit sagten und Medien diese dann als Nachrichten verbreiteten. Der Bush-Administration seien im Zusammenhang mit dem Irak-Krieg im Jahr 2003 insgesamt 935 Unwahrheiten nachgewiesen worden. Viele dieser Lügen seien ganz selbstverständlich und ohne kritische Prüfung gedruckt und gesendet worden. Die desaströsen Folgen seien bekannt.

Teusch verweist auf einen „Mainstream außerhalb des Mainstreams“, “ein minoritäres Segment”, das sich auf dem Rückzug befinde und aufpassen müsse, “dass es nicht völlig an die Wand gedrückt” werde. Dieses minoritäre Segment habe insbesondere im öffentlich-rechtlichen Rundfunk “noch seinen Platz”. Dazu zählt Teusch Kulturwellen des Hörfunks und TV-Programme wie Arte. Deren Journalisten hätten sich nichts zuschulden kommen lassen, würden aber mit anderen über einen Kamm geschoren.

Das eigentliche Problem sind für Teusch nicht Lügen, sondern Lücken. Die entstehen zum Beispiel, wenn bestimmte Nachrichten regelrecht unterdrückt werden; das wären dann Lücken im Wortsinn. Der Begriff bezieht sich aber auch auf die Nachrichtengewichtung. Die eine Nachricht wird künstlich hochgespielt, die andere wird zwar irgendwo gemeldet, aber bewusst unten gehalten. Oder auf die Kontextualisierung von Nachrichten: Die eine Nachricht wird tendenziös eingebettet, mit einem „spin“ versehen, die andere nicht. Und so weiter. Und dann gibt es die „double standards“, also das Messen mit zweierlei Maß. All diese Mechanismen verstärken sich wechselseitig, und wenn sie in schöner Regelmäßigkeit auftreten oder sich bei bestimmten Themen zu einem flächendeckenden Phänomen auswachsen, entstehen Narrative, also große journalistische Deutungsmuster oder Erzählungen. In diese Narrative werden dann alle neu einlaufenden Informationen eingeordnet. Wenn sie ins Narrativ passen, ist ihnen Aufmerksamkeit gewiss, falls nicht, trifft sie das Lückenschicksal.”

Das vollständige Interview ist HIER zu lesen.

Prof. Dr. Ulrich Teusch lebt als freier Publizist in Edermünde bei Kassel. Er schreibt Sachbücher und ist Hörfunkautor. Für sein SWR-Feature “Nicht schwindelfrei – Über Lügen in der Politik” erhielt er 2013 den Roman-Herzog-Medienpreis. Im Dezember 2015 lief dann sein viel beachtetes Feature im SWR mit dem Titel “Vertrauen ist gut … Die Medien und ihre Kritiker”. Bücher zuletzt: “Die Katastrophengesellschaft: Warum wir aus Schaden nicht klug werden” und “Jenny Marx: die rote Baronesse” und das MP3 Hörbuch (Download): “Nicht schwindelfrei“.

Foto: Gellinger


Ruhrkultour Leseempfehlung:

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“Netzfrauen”. Mobbing und der verschwundene Felix

Die “Netzfrauen” bitten ihre Leser, bei der Suche nach einem angeblich verschwundenen Jungen mitzuhelfen. “HELFT, FELIX ZU FINDEN!” lautet die Überschrift. Felix habe einen Brief geschrieben, der solle geteilt und Biyon Kattilathu, an den der Brief gerichtet ist, geholfen werden, Felix zu erreichen. Netzfrauen: “Lass uns gemeinsam ein Zeichen gegen „Mobbing“ setzen. Danke für deine Hilfe!!”

Die Netzfrauen (209.456 Likes bei Facebook) sagen, sie seien gebeten worden, diesen Aufruf zu verbreiten. “Wir erhoffen uns, mit diesem Beitrag dazu beitragen zu können, dass Felix gefunden werden kann”, schreiben sie. Fast 900 mal wurde diese Mitteilung bei Facebook von Netzfrauen-Sympathisanten geteilt, in blindem Vertrauen darauf, dass der Junge tatsächlich verschwunden ist.

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Der Brief selbst enthält keinen Hinweis auf das mögliche Verschwinden von Felix.

Zuerst ins Internet gelangte der Brief offenbar am 17.09.2016 durch Biyon Kattilathu, der sich “Motivationscoach, Autor und Motivationstrainer” nennt. Der Berliner Kurier bezeichnet ihn weniger respektvoll als “selbsternannten indischen – und zugegeben recht hübschen – Guru.” Dem Brief von Felix, den Biyon Kattilathu nach eigenen Angaben an taff (ProSieben) weiter geschickt hat, fügte Kattilathu offenbar den Hinweis hinzu, dass Felix verschwunden sei. Hinterfragt haben die Netzfrauen die Behauptung offenbar nicht.

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Nur 16 mal wurde die Nachricht von Biyon Kattilathu (bei 44.136 Likes für seine Facebookseite!) geteilt. “Du bist der Hammer Biyon. Meine Unterstützung für die Zukunft hast du ab jetzt mit Sicherheit auch!…”, hieß es in einem der 9 Kommentare, ein glatter PR-Erfolg. Aber es wurde von einem anderen Leser auch gefragt: “Warum versuchst du nicht Felix über ein Video von dir zu erreichen wenn er die doch gern schaut !?”

Möglicherweise wird der Junge vermisst, aber ist es auch wahrscheinlich? Wer danach fragt, wird von den Netzfrauen zurechtgewiesen, wie zum Beispiel Anett, die von den Netzfrauen Details zur Vermisstenmeldung wissen wollte und die Antwort erhielt: “Sie scheinen hier überfordert zu sein.”

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Weil viele Facebook-Mitglieder den Umgang der Netzfrauen mit berechtigten, kritischen Fragen als unverschämt empfinden und satt haben, aus nichtigen Gründen blockiert wurden, haben sie bei Facebook eine Gruppe unter dem Namen “Gesperrt bei den Netzfrauen” gebildet. Im Verhältnis zu den Netzfrauen ist die Mitgliederzahl sehr gering, sie hat derzeit erst 186 Mitglieder.

Die Gegen-Gruppe beanstandet dubiose Meldungen der Netzfrauen, fehlende Quellenangaben, Plagiat, Alarmismus, Eitelkeit, Selbstüberschätzungen, Rechthaberei, Drohungen und persönliche Angriffe auf Leser. Besonders verärgert sind viele darüber, dass die Netzfrauen oft wiederholen, dass sie lediglich ihre Pflicht als “Mütter und Großmütter”wahrnehmen. Sie vermuten, dass die Netzfrauen versuchen, sich durch ihre scheinbar aufopferungsvolle, selbstlose Tätigkeit unangreifbar zu machen.

Der Brief von Felix ist offenbar der Aufhänger für ein Problem der Netzfrauen. Es geht, wie auf der Homepage in einer langen Liste nachzulesen ist, weniger um Felix, sondern um sie selbst, um die Netzfrauen, die sich gemobbt fühlen. Das liegt nahe, wenn Fragen und Kritik als Beleidigung empfunden werden. “Auch wir Netzfrauen kennen das Gefühl, denn seit nunmehr fast zwei Jahren werden die ‪Netzfrauen‬ Opfer von Rufmord und persönlichen Angriffen, hauptsächlich betrifft es unsere Gründerin Doro.”  Genau genommen geht es bei den Netzfrauen anscheinend nur um eine einzige Person, wie dieser Post vermuten lässt.

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Die Netzfrau(en) werden gebraucht, jedenfalls fühlen sie das. Das Gefühl haben auch Feuerwehrleute, die Häuser anzünden, um sie danach löschen zu können. Mit Hilfsbereitschaft und Menschenfreundlichkeit hat das wenig zu tun. Die Bildzeitung stieß als Sensationsblatt vor rund 40 Jahren auf die Ablehnung intelligenter Leser, die ihre Verachtung so formulierten: “Schlagzeile in Bild: Mann zu Hackfleisch verarbeitet – Bild sprach zuerst mit der Frikadelle.” Kleine Nachrichten werden aufgebauscht oder erfunden, die Zahl der Käufe, heutzutage der Klicks, steigt, die Werbeeinnahmen ebenfalls. Die Gewinnabsichten werden von Kritikern auch den Netzfrauen vorgeworfen. Die Bildzeitung hat an Bedeutung verloren, aber die Methoden wurden erfolgreich kopiert und finden sich in allen alarmistischen Aufrufen wieder, beim Klimawandel, dem angeblichen Eisbärentod, bei der Atomtodgefahr und eben auch beim Vorwurf des Mobbings, der jedem Betroffenen ermöglicht, jeden Widerspruch als tödliche Beleidigung zu empfinden und um seelischen oder rechtlichen Beistand zu bitten.

“Wir haben oft mit sogenannten Experten und auch mit der Polizei über das Thema Mobbing darüber diskutiert, was wir machen sollen”, sagen die Netzfrauen. Genau das ist vielleicht ihr Problem, sie sollten sich nicht an “sogenannte” Experten wenden, sondern an echte Experten oder Fachleute, die ihnen auch sagen, wie man richtig zitiert und recherchiert. Oder ihre Seite löschen.

Nathalie Wiese

 


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Akif Pirinçci im Interview: “Die Umvolkung – von dem Austausch der Deutschen & den Invasionsgewinnlern.”

Bücher von Akif Pirinçci sind nicht verboten, stehen nicht auf dem Index, und dennoch gibt es sie nicht mehr. Zu den “verschwundenen” Büchern zählen sogar seine Katzen-Kriminalromane, beginnend mit Felidae (1989). Mit ihnen war der Autor bekannt geworden. Aber auch die fielen der Strafaktion gegen Pirinçci zum Opfer. Über Nacht wurde der Autor, der viele Jahre zu den international erfolgreichsten zeitgenössischen deutschsprachigen Autoren gehörte, aus den Buchhandlungen verbannt. Die Buchgroßhändler KNV, Umbreit und Libri sowie die Einzelhändler Amazon, Mayersche Buchhandlung und Thalia nahmen die Titel Pirinçcis einige Tage nach dem Auftritt Pirinçcis bei einer Pegida-Veranstaltung aus dem Programm.

Heribert Seifert kritisierte die Reaktion der Verlage und Buchhändler am 7.11.2015 in der NZZ: “Ein brisantes Buch wird nicht besprochen, ein provokanter Autor ausgegrenzt. Der Umgang mit abweichenden Meinungen fällt schwer.” David Berger, Chefredakteur des Schwulen-Magazins Männer, schrieb: “Was ich allerdings im Hinblick auf die Meinungs- und Pressfreiheit noch tausendmal unerträglicher finde als die verunglückten Aussagen Pirinçcis ist der derzeitige Umgang der selbst ernannten Hüter der politischen Korrektheit mit seinen Büchern aus der Vergangenheit, besonders aber der Buchgroßhändler mit seiner aktuellen Neuerscheinung “Die große Verschwulung”.  Er sieht wie viele andere Kritiker den Boykott des Buchhandels als einen “Rückfall in die voraufklärerische Barbarei von Bücherindex und Zensur.”

“Die große Verschwulung”,  wird bei Libri als eBook zum Downloaden angeboten. Einige Titel, die Pirinçci gemeinsam mit anderen Autoren verfasst hat, und Werke, die sich mit seinen Büchern beschäftigen, sind ebenfalls erhältlich. Aber der Boykott ist nicht aufgehoben. Für ihn gibt es keine rationale Begründung, diesen Eindruck vermittelt jedenfalls das Interview von Michael Friedrich Vogt mit Akif Pirinçci. Es lässt den Zuhörer erstaunt und nachdenklich zurück.

Das Video wurde von Quer-denken.tv am  08.05.2016 bei Youtube hochgeladen.

Quer-denken.tv kommentiert das Video: “Mit seinem Buch „Deutschland von Sinnen“ landete Akif Pirinçci 2013 einen Bestseller. Mit über 300.000 verkauften Exemplaren trifft der Buchautor offensichtlich einen Nerv des Zeitgeistes und offenkundig die Einschätzung einer breiten Masse. Es gibt nicht viele dieser Autoren, welche kein Blatt vor den Mund nehmen, aber auch nicht belehren wollen. Akif Pirinçcis Bücher haben viel Witz und Humor sind aber auch in der derben Sprache geschrieben und wollen durchaus provozieren.

Und so ist es nicht verwunderlich, daß seine Bücher kontrovers diskutiert werden. Wortschöpfungen wir „Tourettürke“ lassen einige Leser lachen, andere entsetzt dreinschauen. Dem Verlag war es recht bei dieser hohen Auflage.

Und dann kam die „verhängnisvolle“ Rede Akif Pirinçcis bei PEGIDA im Sommer 2015. Unmittelbar nach der Veranstaltung sah man den Bundesjustizminister Heiko Maas in der Tagesschau eilen und sich dort über die Worte des Buchautors äußern. Dabei wurde allerdings die Aussage Akif Pirinçcis auf den Kopf gestellt, und ihm wurden Worte in den Mund gelegt, die dieser nie geäußert hat. Ja, Akif Pirinçcis Sorge wegen zunehmend immer totalitärer Tendenzen wurden „uminterpretiert“ in eine Forderung nach einem faschistischen Staat.

Peinlich für die Politik und Medien, denn die Rede Akif Pirinçcis wurde für YouTube mitgezeichnet, und so konnte sich jeder selbst ein Bild davon machen, wie manipulativ und verlogen die Lügenpresse mit den Worten Akif Pirinçcis umging.

Im Gespräch mit Michael Friedrich Vogt schildert Akif Pirinçci, wie er noch am selben Abend den Anruf seines Verlegers erhielt, der ihm mitteilte, daß er bereits am nächsten Tag Post mit seiner Kündigung erhalten werde. Ihm selbst, dem Verleger wurde die Sache nach wenigen Stunden zu heiß, denn er habe eine Menge Druck bekommen, dem er nicht standhalten könne. Interessanterweise kam dieser Druck und der Ruf nach Zensur nicht nur von Medien und Politik, sondern vor allem von anderen Buchautoren und vermeintlichen „Kollegen“ aus der Schriftstellerei.

Wenige Tage später war Akif Pirinçcis Bestsellerroman „Deutschland von Sinnen“ wie auch all seine anderen Büchern aus allen Buchhandlungen in Deutschland verb(r)annt worden. Besonders deutlich wird die Zensur bei seinem neuem Buch „Umvolkung“. Testkäufe ergaben, daß man das Buch und zum Teil sogar den Autor selbst als unbekannt in vielen Buchhandlungen verleugnet, wenn man das Buch bestellen möchte.

„Umvolkung“ ist eine ätzende und zugleich verzweifelte Antwort auf die Frage, »wie die Deutschen still und leise ausgetauscht werden«. Seit 2015 hat Merkel in Deutschland ein Flüchtlingschaos ungeahnten Ausmaßes angerichtet und den »Austausch« des eigenen Volkes vorangetrieben. »Umvolkung« nennt Akif Pirincci das in Anspielung auf die verbrecherische Idee der Nationalsozialisten, ganze Volksgruppen wie Schachfiguren zu verschieben.

Akif Pirincci beschreibt den Riß, der quer durch ein verrückt gewordenes Volk geht, bei dem die Masse unter der Invasion leidet und die Gesellschaft zunehmend verarmt, während eine kleine Minderheit als Invasionsgewinnler Millionengeschäfte auf Kosten der einheimischen wie der ein geschleusten Menschen macht. Es stellen sich Akif Pirincci die Fragen: Wollen wir zur Minderheit im eigenen Land werden, oder wollen wir es nicht? Wollen wir unsere Lebens- und Rechtsordnung behalten, oder wollen wir sie aufgeben? Bleiben wir vernünftig, oder drehen wir durch und schaffen uns ab?”


Ruhrkultour Leseempfehlung:

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Mit Leseprobe

Das neue Buch von Akif Pirinçci, “Umvolkung”, ist direkt beim Kopp-Verlag erhältlich.

 

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Das Narrenschiff 4.0

 

Das Narrenschiff 4.0

Das Barometer fällt, es dreht auf Sturm
Nur Schwachsinn kommt vom Kommandoturm

Es knirscht gewaltig in den Turbinen
Bekifftes Lachen tönt aus den Kabinen,
Die Spannung schwankt wild wie stürmische See
Doch im Fernseh’n kommt nur: Humbatätärä
Die Infrastruktur krankt, Szenarien sind frisiert
Die Netze am Limit und Reserven blockiert
Die Trafos ächzen, die Leitungen summen
Von Windparks ertönt laut warnendes Brummen,
Das Staatsschiff krängt, es stampft wie wild
Doch auf der Brücke setzt sich niemand ins Bild

Die Medien lügen, der Käpt’n ist selfie-trunken
Die Industrie in tiefe Lethargie versunken
Im Wissenschaftsrat lauter meineid’ge Halunken
Die Bürokraten zu feig um SOS zu funken
Und „Burning Barbara“ führt das Narrenschiff
Mit Volldampf voraus und exakt Richtung Riff!

Sehr frei nach einem bekannten deutschen Liedtext
Fred F. Mueller

 


Stefan Klinkigt ist Diplomingenieur, Maler, Zeichner und Bildhauer. Seine digitalen Zeichnungen (Stifttablett), insbesondere die Karikaturen prominenter Köpfe, sind  unverwechselbar und ein grafischer Genuss für Liebhaber bitterböser Satiren. Stefan Klinkigt lebt und arbeitet heute in Dresden. http://www.skeyeline.de     http://www.klinkigt.net     https://www.facebook.com/stefan.klinkigt

Fred F. Mueller ist ein bekannter Wissenschaftsjournalist. Seine Artikel wurden in mehreren Fachzeitschriften und Blogs, einige davon auch bei Ruhrkultour veröffentlicht. In dem Buch “Strom ist nicht gleich Strom” erklären er und der Ingenieur Michael Limburg, warum die Energiewende nicht gelingen kann.


 

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Eine weitere Legende hat die Welt verloren: Alan Rickman

Alan Rickman starb nach einer langen Krebserkrankung. Er wurde durch Filme wie Harry Potter, Galaxy Quest und Die Hard bekannt. In den „Harry Potter“-Verfilmungen spielte er den undurchsichtigen Professor Snape.


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Stirb langsam


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Köln und Connewitz. Tage des Schreckens im Januar 2016

Die Kerze brennt an beiden Seiten: Köln (“taharrush gamea”) auf der einen und Connewitz auf der anderen. Neonazikreise haben offenbar auf einen gezielten Großangriff auf Connewitz hingearbeitet. “In Connewitz brennt es wieder, und zwar richtig. Dies ist ein Wendepunkt”, meint taz. die tageszeitung.
Betroffen berichtet Anna Vero Wendland bei Facebook über den Pogrom. Sie sitzt in ihrer Wohnung in Connewitz, mitten im Ort des Geschehens, im Ausnahmezustand, wie sie schreibt. “Heute liegt die Wolfgang-Heinze-Straße in Scherben, und zwar komplett, Dönerläden, Kneipen, Buchhandlung, Optiker – die Familie des Besitzers kenne ich persönlich -, auf ein Haus wurde wohl ein Brandanschlag verübt.”
Dass sie Putin für den Drahtzieher des Pogroms in Connewitz und taharrush gamea in Köln verharmlosend für Gegrabsche, Nötigung, Diebstahl und sexualisierte Pöbelei hält, ist eine andere Geschichte. Fest steht, dass in Deutschland die Nerven blank liegen, weil von der Energiewende über die Griechenland-Krise bis zu Masseneinwanderungen kein vernünftiges politisches Konzept erkennbar ist. Aktionismus an Stelle einer vorausschauenden Politik – der direkte Weg ins Chaos oder in den Bürgerkrieg.

Paralellen zu einer “gutmenschlichen” Gesellschaft, die im Glauben an das Gute das Böse wachsen ließ, das 1914 und 1933 in Katastrophen mündete? Stefan Zweig sah beide Katastrophen kommen, seine Warnungen wurden nicht verstanden, und er verstand die Menschen nicht, die weiter so lebten, als sei die Welt in Ordnung. 1942 brachte sich Stefan Zweig im Exil um.

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Storchmann Medien

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Das Stück “Biedermann und die Brandstifter” von Max Frisch ist die Geschichte des Bürgers Gottlieb Biedermann, der die Brandstifter in sein Haus einlädt, um von ihnen verschont zu werden. Es entlarvt präzise eines Geisteshaltung, die der Technik des Totalitären zum Erfolg verhilft. Biedermann und die Brandstifter – eine politische Parabel, die ihre kritische Kraft nicht aus der Entlarvung der Lüge bezieht, sondern aus der Inszenierung der biedermännischen Wehrlosigkeit gegenüber Verbrechern, die von Anfang an sagen, was sie wirklich wollen.Das »Lehrstück ohne Lehre« wurde am 29. März 1958 am Schauspielhaus Zürich uraufgeführt. Die deutsche Erstaufführung mit der Uraufführung des Nachspiels war am 28. September 1958 an den Städtischen Bühnen Frankfurt am Main. Biedermann und die Brandstifter gehört seit Jahren nicht nur zum Theaterrepertoire, sondern auch zum Lektürekanon im Deutschunterricht.

Der Biedermann heißt heute “Gutmensch”. Ein “Gutmensch“,  soeben zum Unwort des Jahres 2015 gekürt, wird das Buch von Max Frisch nicht gelesen oder nicht verstanden haben.

 

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Das Gutmenschentum ist nichts weiter als “moralischer Neoliberalismus”

Der Gutmensch. Der Gutmensch an sich ist ein Opfer. Nämlich das Opfer von Bösmenschen. Die haben es partout auf Ehrenamtliche abgesehen, die sich “in der Flüchtlingshilfe engagieren oder die sich gegen Angriffe auf Flüchtlingsheime stellen.” Das behauptet jedenfalls eine unabhängige(!) sprachkritische Initiative, die sich als moralische Sprachinstanz 1991 selbst auf den Thron gehoben hat. Seitdem wird das “Unwort des Jahres” von ihr, in diesem Jahr ergänzt durch den Kabarettisten Georg Schramm, gewählt. Ziel der sprachkritischen Aktion “Unwort des Jahres” sei es, “das Sprachbewusstsein und die Sprachsensibilität” in der Bevölkerung zu fördern, heißt es auf der Website der Initiative. Man möchte den Blick auf sachlich unangemessene oder inhumane Formulierungen lenken.

“Gutmensch” ist kein geschützter Begriff, die Definition der Sprachkritiker ist völlig willkürlich, zudem entspricht sie nicht dem Sinn, wie “Gutmensch”  in den Social Media verwendet wird. Es gibt für ihn auch keine verbindliche Definition, weshalb die Definition von Stupedia gleichwohl ein Recht auf Anerkennung durch die sprachbewusste und sprachsensible Bevölkerung fordern kann.

Stupedia: “Der Gutmensch”.

“Der Gutmensch gehört zu der Gattung homo perfektus beneficiaris. Er hat im Laufe der Evolution eine unglaubliche Anpassungsfähigkeit etwickelt. Sinn seines Lebens ist es, möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten und (Schein-)Toleranz zu predigen. Er pflanzt sich fort, indem er andere Menschen zum Gutmenschentum bekehrt. Erklärtes Ziel ist es, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, indem er ständig neue Ideen und Forderungen für mehr “Toleranz” ersinnt, eben der typische Gutmenschen-Blödsinn (s.u. “Beliebte Phrasen und Einsichten”). Leider artet dieses Bestreben in einen regelrechten Toleranzfaschismus aus, wodurch man hierzulande mit Androhung der Nazikeule geradezu dazu gezwungen wird, jeden noch so nutzlosen Blödsinn und unnötigen Scheiß als toll zu empfinden, solange es nicht deutschnational ist (hier wird man hingegen gezwungen, es zu verachten). […]

Typisch für Gutmenschen ist es, dass sie sich selbst für intellektuell halten, während sie all diejenigen, die ihnen nicht in der oben genannten Scheintoleranz zustimmen, gleich als primitiv, von Medien manipuliert (bevorzugt der Springerpresse), rechtsradikal, voreingenommen, inkonsequent etc. diffamieren, nur um behaupten zu können, dass eine sachliche Diskussion mit jenen nicht möglich ist.”

Das Gutmenschentum ist nichts weiter als “moralischer Neoliberalismus”

Eine kurze Definitions-Variante von Lucas Sch. bei Facebook: “Die Linguisten wissen wohl nicht, was mit Gutmensch gemeint ist. Er ist ein Mensch, der sich eigener Selbstüberhöhung anmaßt die einzig richtige Moralvorstellung zu haben und letztendlich alles aufs Spiel setzt, nur um sich moralisch überlegen fühlen zu können. Dafür opfert er vor allem nicht die eigenen Güter, sondern privatisiert die Selbstüberhöhung, solidarisiert aber die Kosten. Das Gutmenschentum ist also nichts weiter als moralischer Neoliberalismus.”

Somit erweist sich die Kritik an der Verwendung des Begriffs “Gutmensch” als Boumerang für die Kritiker. Dieses Urteil hätte Georg Schramm bestimmt nicht erwartet – Georg Schramm, ein moralischer Neoliberalist!

http://www.deutschlandfunk.de/sprachkritik-gutmensch-ist-unwort-des-jahres.1818.de.html
http://www.stupidedia.org/stupi/Gutmensch

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“Jetzt ist er Kulturgut!” – David Bowie

aladdinDavid Bowie gehörte zu den größten und einflussreichsten Musikern der vergangenen Jahrzehnte. Darin sind sich die Medien einig. Der britische Komiker und Schauspieler Eddie Izzard meint, die Welt schulde ihm, dass an seinem Todestag jeder Radiosender weltweit nur Musik von David Bowie spiele. Großbritanniens Premierminister David Cameron nannte ihn einen Meister der Neuerfindung.
David Bowies letztes Album „Blackstar“ wurde am 8. Januar 2016 – an Bowies 69. Geburtstag – nur zwei Tage vor seinem Tod veröffentlicht.

“David Bowie is” – Mumifizierung zu Lebzeiten?

In den siebziger Jahren lebte David Bowie in Berlin. Die Besucher standen 2014 Schlange, um die Ausstellung über den Superstar und Verwandlungskünstler David Bowie im Martin-Gropius-Bau zu sehen. Angekündigt war die Ausstellung als „weltweit erste Retrospektive der Pop- und Stilikone“. Zu diesem Zeitpunkt war David Bowie 67 Jahre und lebte noch. “Passiert da eine Mumifizierung zu Lebzeiten?”, fragte 2014 die FAZ.

Vom 11. Dezember 2015 bis 13. März 2016 läuft die Ausstellung “David Bowie is” im Groninger Museum, die letzte Station dieser Ausstellung nach Toronto, Paris und Melbourne – zwischen Leben und Tod des Sängers und darüber hinaus. Noch zu Lebzeiten war David Bowie bereits ein Exponat für ein Museum. 300 Objekte aus dem David Bowie Archiv, z.B. handgeschriebene Songtexte, Originalkostüme, Fotos, Entwürfe für Albumcover und seltene Materialien aus den vergangenen 50 Jahren sind dem Kult um den Sänger gewidmet. Auch die Innenstadt Groningens zehrt von dem Marketing um Bowie und bietet zusätzlich zahlreiche Aktivitäten und Veranstaltungen zum Thema David Bowie.

Was passiert mit David Bowie, der selbst stets im Hintergrund seiner selbst blieb, wie Rose-Maria Gropp in der FAZ schrieb. “David Bowie ist ein Performer. Nie war er so ein Zapp- und Zappelphilipp der Moden, der sich in Spiegelkabinetten selbst zerstückelt. Als den richtet ihn die Ausstellung aber zu, damit möglichst viele Leute durchgeschleust werden können – am Ausgang mit dem Glauben, sie hätten einen Zipfel seiner Persönlichkeit erwischt.”

“Jetzt ist er Kulturgut!” lautet die Überschrift der Bildzeitung in einem Bericht über die Eröffnung der Ausstellung “David Bowie is”  in London. Sie wirke wie eine Heiligsprechung. David Bowie, 1947 in London als David Robert Jones geboren – in ein Markenprodukt verwandelt, das den Machern der Marke erlaubt, sich selbstgefällig ins Lampenlicht zu rücken: “Kuratoren sind längst selbst zu Stars der Ausstellungsszene geworden, schrieb der Tagesspiegel: “Fast so, als wären die Kuratoren die Heroes.”

“David Bowie is”  in London.

Die international bekannte Dortmunder Fotografin Eva Horstick-Schmitt besuchte die David Bowie Ausstellung 2013 in London. Sie schilderte den Freunden der Künste ihre Eindrücke.

 

Eva Horstick-Schmitt

14 Pfund Eintritt können sich nur die Touristen leisten

Leben, Wirken und Einfluß eines der größten Künstler-Popstars in London. Rund 300 Exponate haben die Kuratoren zuammen gestellt. Allerdings sind 14 Pfund Eintritt für normale Menschen kaum bezahlbar, wie ich finde. England ist kein Land mit Menschen, die das ausgeben können. An jeder Ecke werden Häuser verkauft. Etliches liegt im Argen, und das nicht erst seit heute. Leere Geschäfte zeugen von Armut und das lassen die Menschen auf den Strassen Londons auch eindeutig anhand ihrer Klamotten raus hängen.

Das Victoria and Albert Museum ist eine Reise wert. Altehrwürdig und von schöner Architektur lässt es die Besucher in eine andere Welt eintauchen, eine die besser ist, als die da draussen, die u.a. geprägt ist von Arbeitslosigkeit und Geldmangel an allen Ecken. Mein Freund Bal sagt. “England wird in den nächsten 7 Monaten einen Kollaps erleben!” Er sieht total schwarz und sammelt schon mal Lebensmittel.

David Bowie is – Glitzerstar mit Kulturwert

Leider kommt der Platz, der ihm gegönnt wird, an Fläche zu kurz für sein und das Werk anderer Künstler, wie zum Beispiel die Designer, die ihn eingekleidet haben für seine Performances. Zwei der Räume, die aufgesucht werden müssen, sind arg eng und es herrscht eine Stimmung, wie auf einer Beerdigung. Das ist das Gefühl, welches mich beschleicht beim Hineingehen. Zuerst bekommt jeder einen Kopfhörer mit einem kleinen Kästchen, aus dem die Stimme David Bowies erklingt und zwar genau dann, wenn die Besucher seine Ausstellung betreten. Er hat eine angenehme warme Stimme. Leider kann ich als “nicht Nativ Speaker” den englischen Texten nicht komplett zuhören und zeitgleich die Ausstellung genießen. Beides funktioniert bei mir nicht wirklich.

PR Mitteilungen besser als die Ausstellung

Ich finde die Ausstellung gelungen – aber nicht so beeindruckend, wie die PR Mitteilungen es erwarten ließen. Diese verrückte Mode und die Art der Fotografien hätten mehr Platz benötigt. Alles schien vollgestopft zu sein mit Bildschirmen, Texten und Dingen des Lebens dieses Künstlers. Allein nur ein Raum ließ mich atmen, und das hätte ich den anderen Räumen auch gegönnt. Etliche Fotografen portraitierten den Künstler auf ihre Weise, wie auch die Designer, wie z.B. Freddie Buretti , Yamamoto, Armani, die ihre Spuren hinterließen.

Schamane, Chamäleon, Stilikone, Fabelwesen

300 Stücke haben die Kuratoren in zwei großen Räumen zusammengestellt, allein 60 davon sind Kostüme: Freddie Burretti gestaltete 1972 den Ziggy Stardust Anzug und die Performance damals machte D.B. zum Popstar, welcher Rockmusik und Jugendkultur zu einer neuen Bewegung machte. Inspiriert wurden D.B. und sein Designer unter anderem vom Film “Clockword Orange!”, made by Stanley Kubrick. David Bowie verlies die Schule mit 16 Jahren. 1965 nahm er den Namen David Bowie für sich in Anspruch als Künstlernamen. Auch in der Ausstellung sehen die Besucher/innen sein Frühwerk on Stage.

Eine perfekte Marketingstrategie

“Wir hätten uns nie träumen lassen, dass David Bowie in 40 Ländern die Charts anführt, wenn wir eröffnen”, staunt Kuratorin Victoria Broackes. “Wir wollten die Ausstellung machen, weil er für viele Menschen den Soundtrack zu ihrem Leben geliefert hat.” (Zitat Tagesschau.de)

Die komplette Ausstellung wurde unterstützt durch Gucci und auch Sennheiser. Die haben sich wirklich was einfallen lassen, was den Sound angeht und die Präsentation der Videos. Ich denke, die Macher hätten den ersten Raum auf jeden Fall größer gestalten müssen.

Die Texte, die dort auslagen, waren nur zu lesen, wenn man bereit war, sich in eine Schlange zu stellen mit Menschen, deren Gesichter man nicht mal erkennen konnte. Die Mode ist schön ausgeleuchtet und dargestellt auf eine Art Podesten, die wiederum auch speziell getunt wurden. Voll war der Raum schon mit wenigen Menschen, und das kann auch ein Konzept sein.

Es gab einen weiteren grösseren Raum, in dem ein Video lief mit alten Filmen, die David Bowie mit seiner Band zeigen. Grossformat und unscharf. Ok, darauf kam es nicht mehr an, wie selbst in den Raum alle Fotos auf einer Seite rechts unscharfe Portraits des Künstlers zeigten, einfach weil sie zu stark vergrößert wurden. Somit kann ich fast nichts erkennen von den Portraits, weil zu verschwommen. Das Highlight sind die Klamotten und seine Songs.

Diese sind einfach Bowie, und er hat eine Welt erzeugt mit neuer Musik und Moderichtungen, ein Stil und Fantasiemix, der schon auch einfach an eine coole Modenschau in Paris erinnern lässt. Die Anzüge David Bowies, seine Frisuren und seine Musik sind ein Kultprogramm, und das ist es auch wert zu sehen.

Danach…

Aber hat er es nötig, einen “eigenen” Museumshop mit Merchandising zu füllen?

blackstarSeine neue CD kam eben gerade heraus, und was für eine Werbestrategie dahinter steht, kann sich jeder selbst ausmalen. Im Shop gab es Poster, Bücher, CDs, limitierte Fotoabzüge und vieles mehr. Die Poster waren allerdings ausverkauft. Ein Shop für das, was ich ” Werbekampagne” nennen würde, denn lange haben die Fans von D.B. nichts vernommen, was ich schade fand.

Strategisch ist die Ausstellung ein echter Clou, wenn man bedenkt, dass fast jeder im Shop seine CD kauft oder sonstige Produkte in Orange. Er hat ja auch ein fotogenes Gesicht, dieser Mensch Bowie.

Nach Stunden des Staunens verlässt man die Ausstellung mit einem merkwürgigen Gefühl. Draußen, im Gegensatz zu drinnen, begegnet man keiner Glitzerwelt. Wie schon gesagt, 14 Pfund Eintritt können sich die allermeisten Londoner Bürger nicht leisten.

Als ich aus der Ausstellung kam, standen die Menschen Schlange, Touristen aus aller Welt.

Bis zum 8.4. war “David Bowie is” komplett ausverkauft. Kein Wunder. Es passten auch nicht viele Besucher in die Räume. Das nenne ich einen geschickten Werbezug, der gekonnt ebenso kommuniziert wurde von den Machern der Show. Bowie ist omnipräsent und doch nicht da. Aber vielleicht ändert sich das ja noch im Laufe der Ausstellung orakelt Museumschef Martin Roth.

David Bowie – geboren 1947 – hat einen individuellen Stempel hinterlassen, was look und Musik angeht. Er war ein grosser Visionär, was Design und Musik anging und hat die Zeit der 70er-90er mit geprägt, wie kaum ein anderer.

“David Bowie is blowing our minds” , “David Bowie is what follows”, “David Bowie is jumping from universe to universe”, D.B. is dressed from head to toe”!” – aus dem Buch “David Bowie is” Museum V&A.

Das Buch zur Ausstellung ist wirklich gelungen und kann ich nur empfehlen. Enthalten sind super Fotografien, Texte, Plakate und vieles mehr aus dem Leben des David Bowie. Für einen Preis von 35 Pfund erhältlich.

(Erstveröffentlichung: Freunde der Künste)


Weiterführende Links:
Wikipedia

Werke von und über David Bowie

DavidBowieIs

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