Kieling

“Drama am Himmel” oder “Federvieh-Kadaver”?

Andreas Kieling schrieb am 14. Juli auf seiner Facebook-Seite: “Drama am Himmel, Windkraft ist ein Symbol für saubere, umweltfreundliche Energie. Tote Fledermäuse und Vögel sind ein hoher Preis dafür! Was meint ihr dazu? Bitte teilt das Video so oft wie möglich! Es geht alle Menschen an. Nachdenklich, euer Andreas”.

Bis zum heutigen Tag wurde der Beitrag über eine Million Mal aufgerufen und fast 13.000 Mal geteilt.

Der Irrtum

In einem weiteren Video bei Facebook, vom 20. Juli, relativierte Andreas Kieling jedoch seine Position gegenüber Windkraftanlagen. Sie seien notwendig, sagte er, er sei nicht gegen Windkraftanlagen, “aber nicht um jeden Preis.” Aber irgendwoher müsse der Strom ja kommen, und da seien regenerative Energien eine gute Lösung und der richtige Weg. Windräder könne man im Unterschied zu Kernkraftwerken einfach abbauen. Es gebe genügend “ausgeräumte Kulturlandschaften”, wo Windkraftanlagen aufgestellt werden könnten, aber nicht in der Nähe von Brut- und Wanderplätzen von seltenen Tieren, “da gehören sie nicht hin”, warnt er. Er habe wegen seiner Kritik Drohbriefe von drei Rechtsanwälten erhalten, aber er lasse sich nicht den Mund verbieten, sagt Andreas Kieling. Aber er folgt mit dieser Erklärung keinen Sachargumenten, sondern er hat sich politisch oder den Drohungen von drei Rechtsanwälten (im Video erwähnt) gebeugt.

Wo sollte es in Deutschland, einem der am dichtesten besiedelten Länder der Welt, “ausgeräumte Kulturlandschaften” geben? Andreas Kieling vertraut dem politisch erwünschten Denkmuster – ein weiterer Irrtum. Windkraftanlagen sind aus seiner Sicht “nützliche Stromerzeuger”, nicht wissend, dass mit Windkraft kein einziges fossiles oder atomares Kraftwerk ersetzt werden kann. Windkraftanlagen liefern Zufallsstrom, mit dem der Tierfilmer die Akkus seiner Kameras nur dann aufladen kann, wenn die Sonne scheint und der Wind weht. Generell gesehen ist der Nutzungsgrad von Windkraftanlagen so gering, dass es ungerechtfertigt ist, “dafür unsere Landschaften großflächig zu opfern und Vögel und Fledermäuse zu töten”, wie eine Kritikerin auf Kielings Facebookseite anmerkt.

Andreas Kieling finanziert mit seinen Dokumentarfilmen und Vorträgen seinen Lebensunterhalt und den seiner Familie. Für sein Geschäft kann die Annahme des Bundesverdienstkreuzes am Band, das ihm von Bundespräsident Joachim Gauck 2015 zum Tag der deutschen Einheit für seine Arbeit persönlich überreicht wurde, nützlich sein, aber muss er die Überreichung als “eine besondere Ehre” bezeichnen? Nun gut, vielleicht gehört auch ein wenig Eitelkeit zum Erfolg.

 

“Ich bin der Geist, der stets verneint! Und das mit Recht; denn alles, was entsteht, Ist wert, daß es zugrunde geht; Drum besser wär’s, daß nichts entstünde.” (Goethe, Faust. Der Tragödie erster Teil)

Einen anderen Aspekt bringt Dr. Peter Heller, Astrophysiker, Strategieberater und Analyst technologische Trends, zur Sprache. Peter Heller äußert in einem Artikel auf der liberal-konservativen Internetseite Roland Tichys die Meinung, dass die Haltung vieler Bürger zur Energiewende dadurch beeinflusst werden könnte, wenn sich mit Andreas Kieling Deutschlands prominentester Tierfilmer der Anti-Windkraft-Bewegung anschlösse.

Heller sieht in der “übermäßigen Hinwendung zum Tierschutz” jedoch keine Stärkung der Anti-Windkraftbewegung, sondern den Beginn eines “Irrweges”. Er befürchtet, dass eine übermäßige Hinwendung zum Tierschutz dahin führen könnte, dass jeglicher Ausbau einer Technologie in Deutschland (“es könnte ein Wasserkraftwerk sein, dem Nistplätze im Wege stehen, ein Kohle-, Gas- oder Kernkraftwerk, es könnte eine Schule sein, ein Kindergarten oder eine Fabrik”) zunächst gebremst und schließlich ganz aus dem Land vertrieben werden könnte. Deshalb fordert er: “So wenig, wie man sich von Käfern den Bau eines Bahnhofes oder von Kröten den einer Straße verbieten lassen darf, so wenig sind die Bedarfe von Schwarzstörchen zu berücksichtigen, wenn es um unsere Energieproduktion geht.”

Im Unterschied zu den Windkraftbefürwortern, die den Tod von Vögeln durch Windkraftanlagen für die Erreichung eines höheren Zwecks, den Klimaschutz, in Kauf nehmen, bezeichnet Heller die von Windkraftanlagen getöteten Vögel, die Andreas Kieling in die Kamera hält, provokatorisch-lieblos als “Federvieh-Kadaver”. Die meisten Tierfreunde werden vermutlich an dieser Stelle die Lektüre des Artikels auf der Seite Tichys beenden, vielleicht aber auch empört weiterlesen.

Wer Peter Heller weiter folgt, vorgewarnt durch “Federvieh-Kadaver”, ist dennoch über die Radikalität seiner Gedanken überrascht. Vögel, die durch Rotoren sterben, sagt er, “sind selbst für ihr Schicksal verantwortlich”, denn Vögel und Fledermäuse hätten ja die Chance, sich an die Windenergie anzupassen. Mit Sicherheit gebe es den einen oder anderen Mäusebussard, der Windräder nicht mit Bäumen verwechsle, sagt er. “Und wenn, wie Kieling vermutet, die Nester von Schwarzstörchen heimlich entfernt werden, um dem Bau einer Windkraftanlage nicht im Wege zu stehen, dann ist dies die Folge einer übertrieben ökologistischen Gesetzgebung. Ein vernünftiger rechtlicher Rahmen hätte das Windrad einfach am beabsichtigten Ort ermöglicht (wenn sonst nichts dagegen spricht) und die Störche gezwungen, sich an ihre neue Umgebung anzupassen oder freiwillig zu verschwinden.”

Sind Tierfreunde Ökologisten?

Peter Heller wirft Andreas Kieling, Enoch zu Guttenberg, Fritz Vahrenholt und “vielen anderen Protagonisten der Anti-Windkraft-Bewegung” vor, dass sie eine Tradition der “ökologistischen Ideologie” fortführten, eine “moderne Religion”, “nach der jeder menschliche Eingriff in die Natur als gefährlich angesehen wird und daher möglichst zu unterbleiben hat.” Die “ungute Tradition der ökologistischen Ideologie” habe schon zum Ausstieg aus der Kernenergie, zum Verbot gentechnisch manipulierter Pflanzen und zur Ächtung von Bergbautechnologien wie dem Fracking beigetragen.

Ist denn jeder ein Ökologist, nur weil er Fracking oder Gentechnik ablehnt? Die Befürworter von Erneuerbaren Energien beweisen doch genau das Gegenteil. Durch ihre Eingriffe in die Natur (Windkraftanlagen, Rodungen der Regenwälder und Verbreitung von Monokulturen für Biodiesel) zerstören sie, was Naturschützer erhalten wollen.

Andreas Kieling war Förster und damit jemand, der in die Natur eingreift. Dass er auch heute noch Wild jagt und verspeist, passt ebenfalls nicht in Peter Hellers Bild vom Ökologisten. Zum Försterdasein gehöre auch die Jagd, sagte der Tierfilmer in einem Interview. Er gebe sich keiner Illusion hin und romantisiere die Natur nicht: “Die Natur besteht aus Dominanz und Rangordnung, Natur ist Evolution, da gibt es Gewinner und Verlierer, wie bei uns Menschen auch. Tiere, die zu nachgiebig, zu unvorsichtig oder zu wenig angepasst sind, sterben früher oder später aus. Trotz oder gerade wegen dieser klaren Verhältnisse liebe ich die Natur. Und was ich liebe, möchte ich schützen.” Wer wollte ihm dieses Recht abstreiten?

Bewusst leben mit Respekt vor der Natur

Wir Menschen haben schon immer gejagt und Fleisch gegessen, sagt Kieling. “Das ist etwas Natürliches, wie man an unserem Allesfressergebiss erkennen kann.” Er esse kein Fleisch aus Massentierhaltung, glaube aber nicht, dass man Veganer oder Vegetarier werden muss, “man sollte sich aber bewusster ernähren.” “Ich persönlich esse an vielen Tagen überhaupt kein Fleisch. Wenn ich in der Wildnis unterwegs bin, kann ich mich wochenlang allerdings nur von Fisch ernähren, den ich selbst geangelt habe. Der Bär macht es genauso, ist die Heide voll von Blaubeeren, frisst er Blaubeeren. Gibt es Fische, frisst er Fische, sagt Andreas Kieling.”

Enno zu Guttenberg ist wegen der finanziellen Machenschaften des BUND zu Gunsten der geldgierigen Windindustrie, die ohne Rücksicht auf die Landschaft, Menschen und Tiere immer weiter vordringt, aus dem Verband ausgetreten, den er vor vielen Jahren mitbegründet hat. Er unterstützt die Neugründung eines Naturschutzverbandes, Verein für Landschaftspflege & Artenschutz in Bayern (VLAB). Ist er deshalb ein Ökologist?

Die Anti-Atomkraftbewegung kreidet Fritz Vahrenholt die Aussage an: “Ohne Kernenergie gibt es keine Windenergie.” Vahrenholt behaupte, Atomkraft sei weiterhin nötig, um die Schwankungen bei der Windenergie auszugleichen, solange es keine geeigneten Speichermedien gebe. Fritz Varenholt ist Vorsitzender der „Deutschen Wildtierstiftung“ – und deshalb ein Ökologist?

Viele gute Gründe sprechen gegen die Windenergie, sagt Peter Heller, aber der Schutz der Natur gehöre nicht dazu. Die Gründe für seine Ablehnung einer Windkraftindustrieanlage sind technischer Natur: “Sie bedrängt durch ihre optische Wucht, durch Schattenwurf und nächtliches Lichtspiel die Menschen, die mit ihr leben müssen. Sie kann aufgrund ihrer Volatilität ohne Backup-Kraftwerke prinzipiell nicht zu einer sicheren Stromversorgung beitragen, deswegen ist sie unnötig (die Backups allein würden genügen). Sie bietet nur ein begrenztes Ausbaupotential, da sie auf die knappe Ressource Fläche zurückgreift, und ist daher nicht in der Lage, quantitativ ausreichende Erträge zu erwirtschaften. Der erforderliche Rohstoffeinsatz ist, man berücksichtige auch den notwendigen Netzausbau, viel höher als bei den meisten anderen Energietechnologien, das treibt die Kosten. Für Puffersysteme (Speicher) gilt ähnliches, aber solche stellen ohnehin keine Lösung dar.”

Es ist ein Manko der Windkraftgegner, dass sich nur wenige Bürgerinitiativen die Argumente, die Peter Heller nennt, zu eigen machen.  Zerstörung von Landschaften und Erholungsgebieten, Gefährdung der Gesundheit eines großen Teils der Bevölkerung durch Infraschall – für was? Für ein überflüssiges Stromversorgungszweitsystem in Deutschland, durch das ein Effekt auf den Klimawandel niemals nachgewiesen wurde und auch niemals nachweisbar sein wird?

Enoch zu Guttenberg und Fritz Vahrenholt kennen mit Sicherheit die von Peter Heller genannten Gründe, aber sie schaffen es darüber hinaus, im Unterschied zu Heller, eine lebendige Verbindung zwischen Technik und Natur herzustellen. Der eine von beiden lehnt Kernenergie zum Schutz allen Lebens ab, der andere nicht. Ein Kern-Thema, an dem sich Deutschland und die Anti-Windkraftbewegung ab sofort und in Zukunft nicht vorbei drücken kann.

Quellen:

  • http://www.rolandtichy.de/kolumnen/lichtblicke-kolumnen/andreas-kieling-und-die-windraeder/
  • http://www.planet-interview.de/interviews/andreas-kieling/35628/
  • http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/dokumentarfilmer-andreas-kieling-die-baeren-sind-nicht-deine-freunde-11696141.html
  • http://www.andreas-kieling.de/

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