Fenster in eine neue Welt des Konsums

Hightech in Deutschland 2018 – das Fenster in eine neue Welt des Konsums

In der alten Welt des Konsums nahm der Autofahrer einen Kanister in die Hand, holte sich Benzin von der nächstgelegenen Tankstelle, füllte damit den leeren Tank und fuhr anschließend weiter. Die Reichweite seines Fahrzeugs war groß genug, um längere Strecken ohne Zwischenstopps zu bewältigen. Fahrtunterbrechungen waren selten notwendig, und das Risiko, mit einem leeren Tank auf der Strecke liegen zu bleiben, war minimal. Mit dem Elektromobil ist das anders. Strom lässt sich nicht im Kanister herbeitragen. Oder doch? Vielleicht nicht herbeitragen, aber herbeifahren?

In Berlin gibt es für die Stadtbewohner den mobilen Ladeservice Chargery. Die leere Batterie wird durch einen Fahrradkurier “aufgetankt”. Möglich ist das allerdings nur in der Fläche und für lange Strecken oder Berg- und Talfahrten auf dem Land unbrauchbar. Aber nun gut, auch Grüne lernen von Donald Trump und sagen sich: “City first”.

Seine mobile Ladestation wird der Fahrradkurier eigenfüßig durch kräftige Tritte in die Pedalen aufladen müssen, denn nur so kann er sein Versprechen, das Fahrzeug mit nachhaltig produziertem Strom zu laden, garantieren. Das ist Hightech in Deutschland 2018. Deutschland ist zweifellos high.

 

Wenn das Elektromobil schlapp macht, kommt CHARGERY

Der Weg “in eine komfortable und nachhaltige Elektromobilität” (Chargery) ist mit vielen Hindernissen gepflastert. Eines der Probleme, nicht einmal das größte, ist die geringe Reichweite der Elektroautos. Im innerstädtischen Betrieb kann Chargery bei gestandeten Fahrzeugen Abhilfe schaffen. Der mobile Ladeservice fährt mit Fahrrad und Anhänger an den Ort, an dem das Elektromobil seine Dienste braucht. Die Ladestation kommt zum Fahrzeug und lädt es mit maximal 24 kWh wieder auf. Damit sollen 160 km Reichweite gesichert sein.

Das Titelfoto scheint zu bestätigen, dass es eine Nachfrage gibt. Ulrich Schulze Althoff hat das Foto in Berlin aufgenommen und Ruhrkultour zur Verfügung gestellt. Wahrscheinlich habe Drive Now, um die geringe Restreichweite wieder aufzufüllen, Chargery geschickt, vermutet der Fotograf,

Dazu schreibt Jan Bechler auf seiner Facebookseite:

Chargery verwendet Schlüsselbegriffe, die für ein erfolgreiches Start-up Unternehmen heutzutage überlebenswichtig sind, zum Beispiel “regenerativ erzeugter Strom”, “nachhaltig produzierter Strom”, “nachhaltige Mobilität”, “innovative Technik” und “Sicherheit”. Es muss sich außerdem in ein vorhandenes grünes Netzwerk integrieren lassen und in der Lage sein, seinen Beitrag für die “neue Welt des Konsums” und des grünen Lifestyles zu leisten. Eingebettet in ein grünes Unternehmenswerk werden die Davids von den Goliaths hofiert, wie die Putzerfische von den Haien. Zu dem Netzwerk der Elektromobilität, das von der Berliner Agentur für Elektromobilität (eMO) repräsentiert wird, gehören in Berlin unter anderem Vattenfall, Siemens, die DB, der ergrünte Teil der Automobilindustrie (Carsharing “DriveNow”, BMW) und GreenTec Awards.

 

Wem gehört DriveNow?

“Drive now” heißt übersetzt “Fahre jetzt”. Was aber, wie das Titelfoto zeigt, nicht immer auf Kommando gelingt. DriveNow ist ein Carsharing-Angebot. Es ist kein soziales oder genossenschaftliches Projekt, woran mancher vielleicht bei “Sharing” denkt, sondern ein hundertprozentiges Unternehmen des Automobilherstellers BMW. Aus grüner Sicht gehört BMW damit zu den Guten. Das Projekt bietet seine Dienste seit 2011 in verschiedenen Großstädten Europas an und hat mittlerweile über 6.000 Fahrzeuge und 1.000.000 Kunden. Seit 15. Juli 2015 sind insgesamt mehr als 1.000 vollelektrische BMW i3 in der Flotte im regulären Einsatz.

Dass der hohe Anteil an Elektromobilen nur mit Hilfe von Forschungsprojekten und Steuererleichterungen (zum Beispiel London)  realisiert werden konnte, ist durch die Medien bekannt. Im Mai 2017 schloss BMW eine strategische Partnerschaft im Bereich urbane Mobilität mit der Stadt Hamburg. Die Stadt verpflichtet sich, die Zahl der Ladesäulen schrittweise zu erhöhen. DriveNow erhöht im Gegenzug sukzessive die Zahl der elektrischen BMW i3. [1] Eine Hand wäscht die andere.

Mögen sich die Netzwerker gegenseitig die Hände waschen, aber wer bezahlt ihnen das Wasser und die Seife? Eine deutliche Antwort auf die Frage nach den Nutznießern der grünen Öko-Industrie gibt ein weiteres grünes Netzwerk, das sich mit anderen grünen Netzwerken zu einem undurchschaubaren Geflecht verwoben hat: die GreenTec Awards.

 

Für welche Idee stehen die GreenTec Awards?

Die Idee der mobilen Stromversorgung von Chargery fanden die Macher der GreenTec Awards offenbar sehr ansprechend. Sie wurde immerhin mit einem Platz unter den ersten 10 des diesjährigen Wettbewerbs belohnt.

Auf der 2008 gegründeten Werbeplattform GreenTec Awards präsentieren heute über 120 Partner den Preis als ihrer Meinung nach “weltweit bedeutendsten Umweltpreis”. GreenTec Awards ist Teil eines Netwerksystems aus Unternehmen, grünen Lobbygruppen und NGO. Ihr gemeinsamer Geschäftssinn beschert dem grünen Geflecht eine Erfolgsgeschichte ohnegleichen.

Es wird auch nicht um den heißen Brei geredet. Bei den GreenTec Awards geht es vorrangig um “Grünen Lifestyle”. Die GreenTec Awards “prämieren, vernetzen und kommunizieren Grünen Lifestyle”, heißt es auf der Homepage der Umweltlobby. Und auch hier spielt BMW aktiv mit und nutzt die grüne Werbeplattform.

 

Den eigentlichen Sinn der GreenTec Awards fassen die Organisatoren unter dem Aspekt “Was wir noch tun” zusammen:

“Green Window – Lifestyle-Magazin, Shop, Entwicklungslabor, Community… und vor allem eines: so modern, wie grün heute sein muss. Ein Fenster in eine neue Welt des Konsums.”

Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Klimawandel sind nachgeordnet. Sie dienen der “neuen Welt des Konsumsums”, vor allem aber dem Wohlergehen der Lifestyle-Generation und der Absicherung ihres persönlichen Konsums.

Es ist vor allem die grüne Bio-Generation, die die Entwicklung zu einer “marktkonformen Demokratie” vorantreibt, wobei sie ihr Verständnis von “Markt” nicht offen kommuniziert, sondern in der Regel hinter wohlklingenden Vokabeln verbirgt. Ist das grüne Gedankengut neo-liberal, neo-konservativ oder eher neo-weiß-nicht-was? Soviel ist sicher: Die Grünen treiben die Großkonzerne nicht vor sich her, auch wenn sie sich bisweilen als innovative, treibende Kraft darstellen. Der Schein trügt. Im Prinzip sind sie eher eine outgesourcte Abteilung der Großindustrie, die verschiedene Aufgaben erfüllt. Der Deal ist eindeutig: Kein Großunternehmen verzichtet heutzutage noch darauf, den “Klimawandel”, den “Klimaschutz”, die “Nachhaltigkeit” oder irgend etwas mit “Bio” in sein Unternehmensprofil aufzunehmen.

 

Klar zur Wende in eine “marktkonforme Demokratie”

Was heute als ein Ergebnis grüner Politik in Erscheinung tritt, ist in Wirklichkeit ein Rettungsmanöver großer Banken und Unternehmen, um dem drohenden Kollaps ihrer kapitalistischen Unternehmen zu entgehen. Im letzten Moment haben sie mit der Energiewende, einem weltumspannenden Wirtschaftsankurbelungsprogramm, ihren untereinander vernetzten Großunternehmen, Banken und Versicherungen wieder Leben eingehaucht und bei dieser Gelegenheit die Gewinne noch einmal exorbitant gesteigert.

Das Zusammenspiel grüner Manager, Politiker und Ideologen wie Jürgen Trittin und Jeremy Rifkin, der Großindustrie und der Bundeskanzlerin Angela Merkel ist durch die Medien belegt. Lesen oder verstehen wollen es nur wenige, Die Bundeskanzlerin hat der  “neuen Welt des Konsums” offiziell den notwendigen politischen Rückhalt verliehen und die Verbindung zwischen Konsum und Demokratie ideologisch untermauert. Sie hat den Anstoß zu einer Neuausrichtung der Demokratie gegeben, die von einigen Medien treffend mit der Bezeichnung  → ”

marktkonforme Demokratie

” zusammengefasst wurde.

 

Stillstand in der geistig-politischen Entwicklung

Das Augenmerk der Öffentlichkeit ist fälschlicherweise auf die Partei der Grünen gerichtet. Die Grünen inszenieren, experimentieren, provozieren, loten aus, was in der Gesellschaft politisch durchgesetzt werden kann und erfüllen damit die Funktion des Trendscouts und zugleich Trendsetters für Großunternehmen. Sie beherrschen vor allem durch eine vorgetäuschte Nähe zur Bevölkerung und ihr Repertoire an Mitteln der Werbung und Propaganda zurzeit die Kirchen, Gewerkschaften und Nicht-Regierungsorganisationen. Parteien, Medien, Verwaltungen und Verbände haben sich die Ideen der Grünen mittlerweile so sehr zu eigen gemacht, dass es nur wenig nennenswerten Widerstand gegen die menschenfeindliche Ideologie der “marktkonformen Demokratie” gibt.

Als wichtigstes Werkzeug, um Deutschland in politische Erstarrung zu versetzen, hat sich die Lüge vom menschengemachten Klimawandel erwiesen. An der Lüge, das Klima schützen und durch Einsparung von CO2 die Erderwärmung auf 0,5 Grad Celsius genau beschränken zu können, halten sie fest. Die neue Parteichefin der Grünen, Annalena Baerbock, hat in ihrer Bewerbungsrede die Europapolitik, die Armutsbekämpfung und den Klimaschutz zu ihren vorrangigen politischen Aufgaben erklärt. Für den Klimaschutz forderte sie “Radikalität” und warnte davor, den Kohleausstieg weiter zu verzögern. Solange jede öffentliche Diskussion über den Klimawandel unterbunden wird, Skeptiker als “Klimaleugner” diffamiert werden, wird Deutschland paralysiert sein und Wölfe mit Schafe verwechseln.

 

Den grünen Lifestyle muss die Bevölkerung teuer bezahlen

Vor wenigen Stunden meldete Chargery auf seiner Facebookseite, dass ihr Unternehmen jetzt auch Clubmitglied der eMO (Berliner Agentur für Elektromobilität, Agentur und Netzwerk) sei. Der eMO gehören auch Siemens und Vattenfall als Partner an. Und während ein Teil der Weltverbesserer immer noch glaubt, es gehe bei der großen Transformation der Gesellschaft um den Klimaschutz, geben sich die Großkonzerne in Deutschland bescheiden und klein. Sie halten sich die Entscheidung offen: Entweder werden sie in Zukunft ihre Unternehmen in Regionen der Welt verlegen, die für sie profitabler sind, wodurch die Deindustrialisierung Deutschlands, die mit der Energiewende eingeleitet wurde, beschleunigt würde, oder sie werden sich ihren Verbleib in Deutschland teuer bezahlen lassen – in der Hoffnung, dass die Schafe nur blöken und den Lifestyle der grünen Elite bezahlen werden.

Faina Faruz

Quellen:

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/DriveNow

[2] http://chargery.de/

[3] http://ruhrkultour.de/der-klimawandel-hat-seine-schuldigkeit-getan-er-kann-bald-gehen/

[4] http://www.greentec-awards.com/

Titelfoto: Ulrich Schulze Althoff

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