“Fire and Fury”. Outside the White House

Der Journalist Michael Wolff nutzt die Gunst der Stunde und fasst in seinem Buch → “Fire and Fury. Inside the Trump White House” zusammen, was die Gegner des US-Präsidenten Donald Trump hören möchten, egal ob es stimmt.

Fire
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Wolff hat keinen tadellosen Ruf, wie in fast allen Medien zu lesen ist. Aber welche Rolle spielt das schon, wenn man Donald Trump zur Strecke bringen möchte und ein “Enthüllungs”-Journalist ins Jagdhorn bläst? Dann stehen trotz eisiger Temperaturen lange Schlangen vor Buchhandlungen, jedenfalls in Washington.

Journalisten haben Wolff oft im Weißen Haus gesehen, berichtet das Handelsblatt und beruft sich auf einen Kollegen, der heute für die Nachrichtenagentur AP arbeitet. Wolff habe nicht die übliche Presseplakette getragen, sondern eine blaue, die ihm Zugang zum Westflügel verschaffte. Eine früher bei der US-Regierung angestellte Person habe gesagt, Wolff sei dort nach Treffen oft noch stundenlang gewesen und habe auf einem Sofa auf vorbeikommende Angestellte gewartet.

 

An die Spitze “geputscht”

Nach einem vorgezogenen Verkaufsstart stieß das Buch sofort bis an die Spitze der Bestsellerlisten in den USA vor. Für Wolff hat sich das Warten auf den Fluren des Weißen Hauses offenbar gelohnt. Das bisher ertragreichste Buch von Michael Wolff handelte vom Pressemagnaten Rupert Murdoch (→ “Der Medienmogul“, 2009).

By: Financial Times Victoria Floethe and Michael Wolff (Vanity Fair)

Beim Online-Versandhändler Amazon stand “Fire and Fury” am Freitag auf Platz eins – gepuscht oder geputscht? “Geputscht“, meint die Welt: “Daß das Buch sofort auf die Bestsellerliste geputscht wurde, liegt nicht allein an der möglichen Trump-Antisymphatie in den USA, sondern eher am Unterhaltungswert den der US-Amerikaner so gern favorisiert. Und ist nicht auch Jeff Bezon der Eigentümer von Amazon?”

 

“Nichts Genaues weiß man nicht” (Karl Valentin)

Michael Wolff selbst räumt bereits im Vorwort seines Enthüllungsbuchs ein, dass sich seine Quellen widersprechen und er diese Diskrepanzen auch nicht ausräumen könne. Darauf weist unter anderem das Handelsblatt hin. Zu den Widersprüchen zählt das Handelsblatt etwa Wolffs Behauptung, Trump habe in der Wahlnacht nicht gewusst, wer der frühere Repräsentantenhaus-Vorsitzende John Boehner sei. Trumps Sprecherin Sarah Huckabee Sanders habe dagegen auf Fotos verwiesen, die Trump und Boehner über Jahre hinweg beim Golf zeigen. Zwei Bekannte Boehners hätten zudem gesagt, Trump und Boehner hätten vor und nach der Wahl miteinander gesprochen. Handelsblatt: “Wolff und sein Verlag reagierten nicht auf Nachfragen dazu.” Wolff habe die Version der Ereignisse aufgeschrieben, die er für wahr halte.

 

“Sei misstrauisch, wenn etwas einfach zu gut klingt, um wahr zu sein”

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Allein schon die Kontroverse verhelfe dem neuen Buch zu plötzlichem Ruhm, meint Der Standard. Wolff beschreibe Trump als einen verrückten König, umgeben von Narren, auf einem Schiff ohne Kurs oder Kapitän. Dass Trump sich ständig wiederhole, sich nichts mehr merken könne, Freunde nicht mehr erkenne. Was würden Ärzte diagnostizieren, was Psychiater?

In einem Interview des Senders NBC habe der Journalist am Freitag darauf beharrt, dass jeder – „100 Prozent“ – in der Umgebung des US-Präsidenten, mit dem er gesprochen habe, Trump für amtsunfähig halte. Sie hielten ihn für einen „Schwachkopf, einen Idioten“, und alle sagten, er sei „wie ein Kind“, schilderte Wolff. „Er braucht immer sofort Bestätigung. Es muss sich alles um ihn drehen.“ – Um Trump oder um Wolff?

Die Gegner Trumps, die seit seinem Wahlsieg keinen Versuch scheuen, ihn per psychologischer Ferndiagnose als geisteskrank abzustempeln, fühlen sich bestätigt. Aber – ist alles so gewesen?, fragt die Tageszeitung Welt. Wolff beharre mit Vehemenz darauf, aber eine journalistische Grundregel komme beim Lesen in den Sinn: Sei misstrauisch, wenn etwas einfach zu gut klingt, um wahr zu sein.

 

Und was sagt Trump zum “Enthüllungsbuch”?

Trump erklärte über Twitter, das Buch basiere auf erfundenen Quellen. Er habe mit Wolff „nie für das Buch gesprochen“.

“Nichts als Lügen, Falschdarstellungen und nicht vorahndene Quellen”, sagt Donald Trump:

Bei der Verbalschlacht um Donald Trumps vermeintlich instabilen geistigen Zustand, die durch die Veröffentlichung des Buches kurzfristig einen neuen Höhepunkt erhalten hat, sind zwei Ereignisse von Bedeutung:

Die Medien (Donald Trump: “Fake-Medien”) erwähnten kaum die Rekordergebnisse der Börse und die Tatsache, dass die Wirtschaft in den USA boomt, sagt Trump. “Aber die Leute wissen es!” Wäre Obama Präsident und könnte diese Zahlen vorweisen, wäre das die größte Story auf der Erde, sagt er. Der Dow sei von  18,589 seit seiner Wahl zum Präsidenten am 9. November 2016 bis Heute (5. Januar 2017) auf 25,075 und damit auf ein neues Allzeit-Hoch gestiegen. Allein in den letzten fünf Wochen sei er um 1.000 gestiegen, ebenfalls ein Rekord. “Jobs, Jobs, Jobs. Six trillion dollars in value created!”

Im Herbst des laufenden Jahres stehen in den USA Kongresswahlen an. Im Hinblick darauf heißt es in der  Welt: “Emsig befeuert von der Skandalisierungslust der US-Medien wird dieses Buch Washington, wird es das Weiße Haus und seinen Präsidenten wohl über Wochen beschäftigen. Die Auswirkungen könnten bis in die Kongresswahlen im November reichen.”

 

Vor wenigen Minuten schrieb Donald Trump auf Twitter:

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