Marktmacht im Lebensmitteleinzelhandel zum Nachteil der Verbraucher

Foto: yisris

Kunden freuen sich über niedrige Lebensmittelpreise und ahnen nicht, dass uns die billigen Preise teuer zu stehen kommen werden. So sieht es jedenfalls das Bundeskartellamt. Erst vor wenigen Tagen machte es mit einer Studie darauf aufmerksam. 2011 hatte der Kartellamtspräsident Andreas Mundt bereits vor der Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel gewarnt.

Lebensmittelpreise und Zentrumsentwicklung

Anfang 2000 haben sich noch sieben Handelsunternehmen 70 Prozent des Marktes geteilt, 2011 gab es vier große Handelskonzerne, Edeka, Rewe, die Schwarz-Gruppe und Aldi, die 85 Prozent der Nachfrage im Lebensmitteleinzelhandel auf sich vereinten. “Irgendwann ist es mit den schönen niedrigen Preisen vorbei. Marktmacht kehrt sich ins Gegenteil um”, warnte Mundt 2011. Er sagte, das Kartellamt wolle die Verbraucher vor einer weiteren Konzentration im deutschen Lebensmitteleinzelhandel schützen, aber dies sei nicht möglich, ohne politische Unterstützung. Aber es geht nicht nur um die Preise, sondern um die Folgen des Konzentrationsprozesses. Welche Folgen die Konzentration und der wachsende Flächenbedarf des Lebensmitteleinzelhandels für Stadtzentren haben kann, war über mehrere Jahre Thema engagierter Bürger in Herbede (14.000 Einwohner), einem Stadtteil von Witten. Sie versuchten, die Verlagerung eines Lebensmittelsupermarktes zu verhindern. Die politische Unterstützung der Stadt erhielt jedoch einer der vier großen Anbieter, Edeka, und nicht der Stadtteil.

Verhandlungsmacht kontra Hersteller

Das Bundeskartellamt geht in einer neuen Studie, die 2014 veröffentlicht wurde, einem dem Problem der Nachfragemacht im Lebensmitteleinzelhandel nach. Die Wettbewerbsbehörde kritisiert zum Beispiel den Branchenführer Edeka wegen eines Missbrauchs seiner Marktmacht. Edeka weist im Verhältnis zu ihren jeweiligen nächsten Wettbewerbern eine etwa doppelt so hohe Gesamtverkaufsfläche sowie eine doppelt so hohe Standortdichte auf. Gemessen an Umsatz, Beschaffungsanteilen bei Herstellermarken, der Verkaufsfläche und der Standortzahl ist Edeka dem Urteil des Bundeskartellamts nach “der bei weitem führende Anbieter in Deutschland”. Das Wirtschaftsmagazim für Handelsunternehmen,”Der Handel”, sagt dazu: “Wenn etwa Marktführer Edeka mit bis zu 30 Prozent Marktanteil mit dem Auslisten bestimmter Produkte drohe, können manche Hersteller nur die Faust in der Tasche ballen – spätestens, wenn sie den einen Auftrag verloren haben und danach im Vorzimmer der anderen Handelskette stehen.” Außerdem wachse die Abhängigkeit der Hersteller mit geringeren Einnahmen immer mehr.

Für die Hersteller, insbesondere für die mittelständischen, ist diese Verhandlungsmacht der großen Handelsunternehmen oft ruinös. Sie zahlen, damit ihre Artikel eingelistet werden, zum Teil sehr hohe Preise, so dass, bei zunehmender Abhängigkeit, die Auslistung das Ende der Herstellerfirma bedeuten kann.

Die Warnung des Bundeskartellamts auch an die Politik ist unmissverständlich: Auf Dauer führt die Marktmacht der Handelsriesen zum Verlust der Vielfalt der Angebote und geht auf die Qualität der Produkte.

Quellen:

 

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