Offshore Windpark Alpha Ventus nach Unfall gesperrt

Der Schaden an der Windkraftanlage im Offshore-Windpark “Alpha Ventus” wächst sich zu einem großen Problem aus. Es betrifft nicht nur den finanziellen Schaden, sondern auch das Image der Öko-Energie. In diesem Sinne äußerte sich der Geschäftsführer des Windenergieverbands WAB, Andreas Wellbrock, am 25. April gegenüber dem NDR.

Recherchen des NDR Regionalmagazins “Hallo Niedersachsen” haben ergeben, dass in dem Windpark “Alpha Ventus” nahezu das komplette Maschinenhaus einer Windkraftanlage abgestürzt und der Windpark  komplett vom Netz genommen ist.

 

Alpha Ventus

Der Windpark Alpha Ventus (anfangs Offshore-Windpark Borkum West oder Testfeld Borkum West genannt) besteht aus insgesamt 12 Windenergieanlagen, sechs M5000 und sechs Senvion 5M mit je 5 MW Nennleistung.Er war 2010 der erste deutsche Windpark, der ans Netz ging.

Alpha Ventus liegt rund 60 Kilometer vor der niedersächsischen Nordseeküste in der Deutschen Bucht, 43 bis 45 Kilometer nordnordwestlich der Insel Borkum in der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) der Nordsee, also außerhalb der 12-Seemeilen-Grenze. Die Wassertiefen betragen hier, je nach Tide, etwa 27–30 Meter.

Alpha Ventus ist ein Pilotprojekt. Es hat ein Investitionsvolumen von 250 Millionen Euro (rund 4100 Euro/kW) und wird laut Wikipedia vom Bundesumweltministerium (BMU) mit 30 Millionen Euro gefördert. Der Windpark soll jährlich eine Strommenge produzieren, die dem Verbrauch von 50.000 Haushalten entspricht.

Der Windpark wird von der Deutschen Offshore Testfeld- und Infrastruktur GmbH & Co. KG (DOTI) betrieben, einer Tochtergesellschaft der Unternehmen EWE AG (47,5 %), E.ON Climate & Renewables GmbH und Vattenfall Europe New Energy GmbH (je 26,25 %).

 

Windkraftanlage “AV07” vom Typ Adwen M5000

Der Unfall ereignete sich an der Windenergieanlage “AV07” vom Typ Adwen M5000. An der Windenergieanlage ist am 6. April aber nicht nur eine Kunststoffverkleidung abgebrochen, wie es zunächst hieß, sondern die halbe Gondel war ins Meer gestürzt. Der NDR berichtete darüber am 11. April.

Experten untersuchen nun, ob es sich um einen Einzel- oder womöglich um einen Serienschaden handelt. Denn von diesem Typ sind mehr als 120 Stück in der Nordsee installiert. In der Gondel Adwen M5000 wird  ein leichter Überdruck erzeugt, um so zu verhindern, dass die salzhaltige Umgebungsluft eindringen kann. Einem Bericht des NDR zufolge ist möglicherweise ein Traggerüst aus Stahl, das die Kunststoffhülle der Gondel trägt, trotzdem durchgerostet – nach weniger als 10 Jahren.

Adwen produzierte in Bremerhaven, hieß früher Multibrid, dann Areva, wurde wieder verkauft und umbenannt und gehört mittlerweile zu Siemens und der spanischen Gamesa. Der Standort Bremerhaven ist jetzt nur noch ein Wartungs- und Reparaturbetrieb. Adwen – Advanced wind energy – ist ein 50/50 Joint Venture zwischen Areva und Gamesa, zwei weltweit agierende Energieunternehmen.

 

Ein Fertigungsproblem?

Der Hersteller Adwen hat den Zutritt auf die Anlage gesperrt. Zwei weitere Windparks in der Nordsee sind laut “NDR Hallo Niedersachsen” von der Sperrung betroffen, “Global Tech 1” und “Trianel Borkum”, in denen insgesamt 126 baugleiche Modelle installiert sind. Diese beiden Windparks sind zurzeit noch am Netz. Je länger die Sperrung dauert, umso größer wird das Risiko eingeschätzt, dass auch die beiden anderen Parks keinen Strom mehr erzeugen können.

Eine Gefahr für die Stromversorgung besteht jedoch nicht, da sie zurzeit noch nicht von den Erneuerbaren Energien abhängig ist. Das Risiko wächst mit ihrem steigendem Anteil am Strommix, insbesondere ab 2022, wenn per Gesetz sämtliche Kernkraftwerke abgeschaltet werden.

 

Ein lebensgefährlicher Absturz war nicht einkalkuliert

Ein kompletter Gondelabsturz erschien laut NDR bislang absolut unwahrscheinlich. Bislang war so ein lebensgefährlicher Absturz nicht einkalkuliert. Und so sei der Experte beim Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie (BSH) in Erklärungsnot. Seine Behörde ist für die Genehmigung und die Sicherheit der Windparks auf hoher See zuständig.

Das Mehrzweckschiff “Mellum” hat die größten Kunststoffteile geborgen, am 25. April liefen noch die Arbeiten zur Bergung von Glasfaserteilen. Die Zersplitterung des glasfaserverstärkten Kunststoffs (GFK) bedeutet eine weitere Unfallgefahr durch Windenergieanlagen, off- ebenso wie on-shore. Zersplitterte Glasfasern können in die Nahrungskette gelangen. So konnten etwa 60 Landwirte ihre Äcker und Weiden über Wochen nicht mehr bewirtschaften, weil bei der Havarie eines Windrades am 8. März in Borchen (Kreis Paderborn) messerscharfe Glasfasersplitter bis zu 800 Meter weit geflogen waren. Über die Risiken informiert jedes Datenblatt und auch die Berufsgenossenschaft für den Fachbereich Holz und Metall.

 

Quellen:

http://www.offshore-windindustrie.de/firmen/profil-813-adwen-gmbh
https://www.erneuerbareenergien.de/adwen-anlage-verliert-gondelteile/150/434/107560
https://de.wikipedia.org/wiki/Offshore-Windpark_alpha_ventus
https://www.presseportal.de/pm/6561/3927083

 

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