Schnöggersburg – Übungsstadt für die Bundeswehr

Das folgende Video wurde am 03.05.2018 von der Bundeswehr veröffentlicht. Im Kommentar zum Video heißt es: “Die Übungsmöglichkeiten sind wichtig. Denn Kämpfe verlagern sich zunehmend in die Städte. Übungsräume wie dieser gewinnen zunehmend an Bedeutung.”

Das folgende Video der Bundeswehr wurde am 26.10.2017 veröffentlicht. Im Begleittext heißt es: “Schnöggersburg in der Colbitz-Letzlingerheide ist eine Übungsstadt der Bundeswehr. Hier sollen Soldaten zukünftig den Orts- und Häuserkampf üben. Die Übungsstadt verfügt über 520 Gebäude, 4 Stadtviertel, eine Kanalisation, ein Industriegebiet, einen U-Bahn-Tunnel, Waldgebiete, 16,5 km Straße und einem 22 Meter breiten Fluss. Beim Bau der Stadt wurden auch wichtige Gebäude, wie zum Beispiel sakrale Bauten, berücksichtigt. Insgesamt erstreckt sich Schnöggersburg auf einer Fläche von über sechs Quadratkilometern und gehört zum Gefechtsübungszentrum des Heeres.”

 

Urbanes Ballungszentrum für den abgehängten Teil der Gesellschaft

Smart Cities, wie sie wohlhabenden Grünen und anderen als zukünftige Wohnorte vorschweben, und die Verlagerung von Kämpfen in die Städte, wie sie die Bundeswehr voraussagt, passen nicht zusammen. Während aber die Öko-Industrie und ihre daran mitverdienenden Anhänger von Windrädern und Solaranlagen auf dem Land träumen, die den wohlhabenden Einwohner in der Smart-City mit Strom versorgen, bereitet sich die Bundeswehr auf einen Bürgerkrieg in Deutschland vor.

Bereits 2012 hat die Bundesregierung aufgrund einer Kleinen Anfrage der Linken bestätigt, dass der Einsatz des Militärs im Innern geprobt werde und explizit auf “Heimatschutz”, “Inneren Notstand” und “Schutz kritischer Infrastruktur” verwiesen. Dazu solle eine gigantische Übungskulisse in der Colbitz-Letzlinger Heide, nördlich von Magdeburg, dienen. Auf sechs Quadratkilometern entstand eine große, moderne Stadt aus mehr als 500 Gebäuden, mit U-Bahnhof, Autobahnauffahrten und modernsten Regierungsgebäuden. Nur, dieser  “urbane Ballungsraum Schnöggersburg”, wie er offiziell genannt wird, ist keine normale Stadt, sondern liegt im Gefechtsübungszentrum Colbitz-Letzlinger Heide (GÜZ).

Als Journalisten erstmals im Frühjahr 2012 Wind von dem Projekt bekamen und darüber berichteten, wurden sie kaum beachtet, zu abstrus erschien die Vorstellung, Militär könnte gegen die Bevölkerung in Deutschland eingesetzt werden, aber die Verträge zum Bau einer Übungsstadt waren längst geschlossen.

 

Bundeswehr probt den Einsatz gegen einen Volksaufstand

Dass die Bundeswehr tatsächlich den Einsatz gegen einen Volksaufstand probt, teilte das Bundesministerium für Verteidigung 2015 mit: “Aktuelle und zukünftige Konflikte erfordern von der Gebirgsjägertruppe, nicht nur im Gebirge, sondern auch in bebautem Gelände, kämpfen zu können. Das Gebirgsjägerbataillon 233 verlegte deshalb über 800 km vom bayerischen Mittenwald nach Brandenburg.” Die “Mittenwalder” kämpften sich in verschiedenen Szenarien zuerst in Gruppenstärke, dann in Zugstärke von etwa 30 Soldaten, von Haus zu Haus und von Straße zu Straße. Unterstützt wurden sie dabei von Scharfschützen, Pionieren, gepanzerten Fahrzeugen und dem Waffenträger “WIESEL”.”

Da die Zahl der Menschen, die in Ballungsräumen leben, weiter zunähme, bleibe der Kampf im urbanen Raum weiterhin integraler Bestandteil konventioneller Kriegsführung. Die Wahrscheinlichkeit steige, dass zukünftige Konflikte vermehrt in urbanem Gelände ausgetragen werden, betonte der stellvertretende Kommandeur des Mittenwalder Gebirgsjägerbataillons 233, Major Jakob Klötzner, die Bedeutung des Übungsvorhabens in Lehnin.

Deutsche und NATO-Truppen sollen in dieser den bewaffneten Einsatz in Großstädten proben.

 

Eine Stadt mit Neustadt und Elendsvierteln

Die Bauarbeiten sind noch nicht ganz abgeschlossen, aber es ist in Schnöggersburg alles vorhanden, was man als Kulisse für einen ordentlichen Bürgerkrieg braucht. Es entstand eine Stadt mit Altstadt und Marktplatz. “Ein künstlicher Fluss mit mehreren Brücken schlängelt sich durch das Großstadtambiente. In diesem gibt es neben Wohngebieten auch Hochhäuser und Hotels, ein Stadion, ein Industriegebiet, ein Regierungsviertel, eine Autobahn, ein Gefängnis, ein Elendsviertel sowie einen Sakralbau mit sowohl christlichen und jüdischen als auch muslimischen Elementen”, berichtet RT.

Durch Schnöggersburg fahre auch die einzige U-Bahn Sachsen-Anhalts. Sie verfüge über drei Stationen, der dazugehörige Tunnel ist laut Bundeswehr 350 Meter lang. Auf dem Flugplatz mit Tower, Abfertigungshalle und allem Drum und Dran landete bereits vor einem Jahr eine Transall-Maschine der Bundeswehr zur Probe. Die Kosten für die Geisterstadt beziffere das Bundesfinanzministerium derzeit auf rund 140 Millionen Euro. In Schnöggersburg können laut RT künftig bis zu 1.500 Soldaten zeitgleich trainieren.

Die großen Massenmedien reagieren auf die Veröffentlichung des Videos der Bundeswehr bisher nicht.

Ein Album mit Fotos gibt es bei Flickr:

Schnoeggersburg_20171026-001

(Fotograf Thomas Wiegold)

Abgefunden

Die Parteien, auch die Grünen und die AfD, haben sich laut RT offenbar mit dem Truppenübungsplatz abgefunden. Die lokalen Medien wie Volksstimme und Altmark-Zeitung berichten selten kritisch über die militärische Aufrüstung, meint das Blatt, “sie singen lieber Loblieder auf die Bundeswehr als Beschafferin von Arbeitsplätzen und Ankurblerin der Wirtschaft.” Etliche Anliegergemeinden sollen nach Angaben von RT Partnerschaftsverträge mit dem Heer geschlossen haben, darunter etwa die Kreisstadt Haldensleben.

Auch die Jüngsten würden bereits eingebunden, heißt es. So habe die Truppe zum Beispiel eine Patenschaft mit der Grundschule in Letzlingen. Mit den Erst- bis Vierklässlern praktiziere sie regelmäßig Biwak-Camps und Freizeitgestaltung mit Spiel, Spaß und Sport, zuletzt zum Kindertag am 1. Juni 2017. “Ein solches Projekt finde bereits zum achten Mal statt, lobte Grundschulleiterin Silvia Lehmann in diesem Frühsommer gegenüber der Volksstimme.”

 

Titelfoto: Printscreen Video Bundeswehr

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