Stimmen die Filz-Vorwürfe der BILD gegen Wittens Bürgermeisterin Sonja Leidemann?

Vorsicht! Abbrucharbeiten!

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„Bild“ Ruhrgebiet berichtete über angebliche Verflechtungen der Wittener Bürgermeisterin Sonja Leidemann (SPD) mit Wirtschaftsgrößen, die ihren Wahlkampf zur erneuten Wahl als Bürgermeisterin finanziert haben sollen. Die „Bild“-Berichterstattung sei eine „Schmutzkampagne“, erklärte Leidemann.
Namentlich erwähnt wird von der Zeitung der Möbelunternehmer Rolf Ostermann. Auch ein Dortmunder Bauunternehmer, der ein hochwertiges Grundstück für den Bau eines Lebensmittelsupermarktes außerhalb des gewachsenen Zentrums erwarb, wird mit Leidemann in Verbindung gebracht.

Die Sache mit dem Baugrundstück im Gerberviertel

Stockum

2009 – Spatenstich mit den Investoren Dreier und Bürgermeisterin Leidemann für Edeka in Witten-Stockum

Seit den 90-er Jahren bedrängten Discounter die Verwaltung zum Verkauf eines Grundstücks, um sich in Witten-Herbede außerhalb des gewachsenen Zentrums ansiedeln zu können. Der damaligen Werbegemeinschaft gelang es, in Abstimmung mit der Verwaltung, dies zu verhindern. Das gewachsene Stadtteilzentrum war den Herbeder Bürgern wichtig, es sollte wegen seiner Bedeutung für die Bürger in seinem Bestand aus zahlreichen kleinen Fachgeschäften und Dienstleistungen, wie zum Beispiel die Post und der DB-Fahrkartenverkauf bei Storchmann, nicht gefährdet werden.

Herbede wurde namentlich in den Urkunden erstmals vor 1250 Jahren erwähnt. Die unabhängige Kleinstadt, 14.000 Einwohner, wurde 1975 von Witten eingemeindet, behielt aber ihr Selbstbewusstsein und ein gepflegtes Erscheinungsbild. Seit den Kommunalwahlen 2004 ist Sonja Leidemann Bürgermeisterin der Stadt Witten.

Werbegemeinschaft und Bürgerkreis

Eine Bürgerinitiative aus Geschäftsleuten und engagierten Bürgern, “Bürgerkreis Herbede“, hat seit Anfang 2004 immer wieder auf Auffälligkeiten bei Vorgängen in der Verwaltung im Zusammenhang mit Plänen von Discountern und Lebensmittelkonzernen hingewiesen, sich im Wittener Stadtteil  Herbede anzusiedeln. Die Werbegemeinschaft konzentrierte sich auf ihre drei Traditionsfeste (Kinder-, Mai- und Oktoberfest), während die Bürgerinitiative sich für eine Immobilien- und Standortgemeinschaft zur Stärkung des Zentrums einsetzte.  Sie wurde dabei durch die IHK Bochum, den Einzelhandelsverband Hagen und von Gutachtern und Städteplanern aus Nachbarstädten unterstützt, eigene Konzepte zum Erhalt des Stadtteilzentzentrums zu entwickeln.

Edeka

Seit 2007 ist Edeka als Betrieber für den neu zu bauenden Lebensmittelsupermarkt im Gespräch. Den Vorsitz der Werbegemeinschaft übernahm 2008 der frisch von Bochum nach Herbede gezogene neue Leiter der Edeka-Filiale. Über 100 Gewerbetreibende im Bereich der Meesmannstraße hatten sich gegen die Verlagerung des Lebensmittelsupermarktes auf das städtische Grundstück im Gerberviertel ausgesprochen, da der vorhandene Supermarkt in der Hauptstraße (nach der Eingemeindung: Meesmannstraße) mit etwa 800 Quadratmetern aus ihrer Sicht und nach Ansicht von Fachleuten eine ausreichend große Fläche für die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung bot. Mit Unterstützung der Werbegemeinschaft, der Bürgermeisterin Leidemann, der SPD, CDU und den Grünen (die sich zu einer “Koalition der Vernunft” verbündet hatten) gelang es der Verwaltung ihren Willen gegen den Willen der Herbeder Bürger durchzusetzen. Schützenhilfe bekam die Bürgermeisterin von der zwischenzeitlich stark dezimierten Herbeder Werbegemeinschaft, vom Schützenverein, Gewerkschaften und ortsansässigen Industriebetrieben, in denen Frau Leidemann auf die eine oder andere Weise engagiert ist.

Keine kleine Korruption oder Provinzposse, sondern Parteipolitik auf höherem Level?

Alte Grundschule im Gerberviertel

17.09.2015: Abriss der alten Grundschule im Gerberviertel (Bild durch Anklicken vergrößern)

Für den Edeka-Markt werden nicht nur wertvolle, gesunde, alte Bäume gefällt, sondern auch ein intaktes altes Schulgebäude abgerissen, dem jede anderweitige Nutzung von der Verwaltung verweigert wurde. Sinnvolle Vorschläge wurden abgelehnt. Heute hat der Abriss begonnen.

Die lokale Wittener Ausgabe der WAZ erlaubte zwar hunderte von kritischen Kommentaren zu den Vorgängen Herbede, wurde selbst aber nicht journalistisch aktiv, um den skandalösen Hintergrund journalistisch auszuleuchten. Eine Andeutung in den Medien findet sich jetzt erstmalig und überregional in der – Bild-Zeitung. Über die angeblichen Verflechtungen von Bürgermeisterin Leidemann mit hiesigen Wirtschaftsgrößen berichtete sie am Samstag vor der Wahl. Für 0,99 Euro kann man sich dort einloggen, um den Artikel zu lesen. In DerWesten/Iserlohner Kreisanzeiger erfährt man etwas mehr: Die Online-Zeitung berichtet von den „Filz-Vorwürfen“ gegen Leidemann am Tag vor der Wahl am 13.09.2015.

Der Kauf eines Privatgrundstücks im Herbeder Gerberviertel sei durch einen Dortmunder Unternehmer thematisiert worden. Dort und auf der angrenzenden städtischen Fläche baue er jetzt einen Edeka. „Bild“ werfe der Bürgermeisterin vor, besagten Bauherrn vorab informiert zu haben. Und: Derselbe Unternehmer habe im erwähnten Ostermann-Brief erklärt, auch seine Parteispende sei nur für den Wahlkampf 2009 von Leidemann bestimmt gewesen.

Unterstützung hatte Frau Leidemann bei den diesjährigen Kommunalwahlen durch die Grünen und die FDP erhalten. Die SPD hat sich mittlerweile von Frau Leidemann distanziert, gegen sie läuft ein Parteiausschlussverfahren, und einen eigenen Bürgermeisterkandidaten zur Wahl aufgestellt. Am 27. September 2015 wird eine Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten stattfinden.

Der SPD-Ortsvorstand des Stadtteils Herbede steht geschlossen hinter Sonja Leidemann. Dies ist auf der Internetseite der Wittener Firma “SchöWo Wohnbau” zu lesen …

Klaus Thomalla

Quellen:

Beiträge des Bürgerkreis Herbede, die wir archiviert haben:

 

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