Daseinsvorsorge

Chinas Energieversorgung zielt auf pragmatische Daseinsvorsorge

Langfristige Planungen auf realistischer Grundlage

Chinas Energiepolitik: Daseinsvorsorge im Vordergrund

Fred F. Mueller

Wenn deutsche Politiker und „Qualitätsmedien“ über China schreiben, dann fast immer in belehrendem Ton. China wird als der große Umweltverschmutzer mit massiven Defiziten bei Demokratie und Menschenrechten dargestellt. Zudem werde dort rücksichtslos kopiert, um dann mithilfe billiger, weitgehend entrechteter Arbeiterheere minderwertigen Ramsch in riesigen Mengen zu produzieren und damit die Weltmärkte zu fluten. Nun steht es außer Zweifel, dass unser Gesellschaftssystem dem Bürger mehr individuelle Freiheiten einräumt als das chinesische. Doch wie sieht es mit der Zukunfts- und Daseinsvorsorge für die Bevölkerung aus? Wie will der Riese aus Fernost seine Bewohner künftig mit ausreichender, sicher verfügbarer und bezahlbarer elektrischer Energie versorgen?

In Deutschland will man dem Bürger eine streng asketische Zukunft verordnen. Um die uns angeblich drohende Klimakatastrophe durch konsequente „Dekarbonisierung“ zu verhindern, soll die Bevölkerung zu massivem Konsumverzicht erzogen werden. Das geht schon bei Nebensächlichkeiten los, so z.B. im Bundesumweltministerium, wo Besucher keine Fleischgerichte mehr erhalten werden [VEGG]. Das Umweltbundesamt riet hingegen zu einem 40tägigen freiwilligen „Autofasten“ ab Aschermittwoch [AUFA]. Die Regierung selbst definiert in einem Bericht an ein UNO-Gremium ihre Ziele bezüglich der Energieversorgung wie folgt: „Der Gesamt-Primärenergieverbrauch soll bis 2020 gegenüber 2008 um 20 % sinken, bis 2050 wird eine Senkung um 50 % angestrebt. Der Bruttostromverbrauch soll bis 2050 gegenüber 2008 in einer Größenordnung von 25 % vermindert werden“ [STZI].

Rechnet man diese Angaben entsprechend um, so hat sich Deutschland demnach zu einer Verbrauchsobergrenze von lediglich noch ca. 436 TWh (Terawattstunden) verpflichtet, für die Stromproduktion ergäbe sich daraus ein Maximalwert von ca. 450 TWh. Im Jahr 2016 lag sie dagegen mit 648,2 TWh um volle 44 % darüber. Da zudem Öl, Gas und Kohle (und zugleich die Kernkraft) drastisch reduziert werden sollen, kann man sich ausmalen, welche Abstriche am bisherigen Lebensstandard auf die Bevölkerung zukommen. Und die Umstellung des Verkehrs auf Elektroautos sollten wir auch nicht vergessen: 45 Mio Pkw und die bisher mit Diesel betriebenen Flotten von LKW und Bussen würden alleine schon beim jetzigen Stand jährlich 337 TWh benötigen. Da bliebe für den restlichen Bedarf der Bevölkerung nicht allzu viel übrig. Aber das steht auf einem anderen Blatt und soll hier nicht weiter vertieft werden.

Chinas Zukunftsplanung beim Strom…

Rechnet man die für Deutschland vorgesehenen 450 TWh jährlicher Stromproduktion auf die Gesamtbevölkerung von 82 Mio. um, so sollen jedem Bürger künftig pro Jahr rechnerisch ca. 4.500 kWh zur Verfügung stehen. Das sind etwa 30 % weniger als 2016. Wie sieht es diesbezüglich in China aus? Dazu gibt es in der Zeitschrift Nuclear Street News [CHIN] aktuelle Zahlen der dortigen National Energy Administration (NEA). Demzufolge liegt der aktuelle Pro-Kopf-Verbrauch an elektrischer Energie in China nach einem Ranking des „Index Mundi“ derzeit bei 3.926 kWh. Das ist lediglich rund ein Drittel der 12.186 kWh, die jedem US-Bürger zur Verfügung stehen.

Doch während Deutschland seinen Bewohnern den Energieverbrauch massiv kürzen will, sieht man in China die ausreichende Verfügbarkeit von Energie als eine unabdingbare Voraussetzung zur Aufrechterhaltung einer Hochzivilisation. Deshalb plant man eine kontinuierliche Steigerung. Aktuell befindet sich das Land diesbezüglich nur auf dem 69. Rang, was sich auch im Lebensstandard widerspiegelt. Bis zum Jahr 2030 will die Staatsführung 5.500 kWh pro Kopf und Jahr erreichen und diesen Wert bis 2050 auf 8.500 erhöhen. Damit befände man sich dann an der Schwelle zu den 25 bestversorgten Ländern der Erde.

…setzt ein wenig auf Wind und Sonne…

Bild 1

Viele Ideologen der „erneuerbaren“ Energien sehen China derzeit als eine Art gelobtes Land von Wind- und Solarenergie, weil man dort im Rahmen des laufenden Fünjahresplans bis 2020 insgesamt 343 Mrd. € in „CO2-freie“ Stromerzeugungstechnologien investieren will [SPIE]. Die Entwicklung der entsprechenden Investitionen veranschaulicht Bild 1.

Die Vertreter der „erneuerbaren“ Energien setzen große Hoffnungen auf China, das inzwischen gut 35 % der weltweiten Investitionen auf diesem Gebiet tätigt (Grafik: [REN21]) Schaut man auf die Entwicklung z.B. der Kapazität der installierten Windenergieanlagen [WIWI], so findet man beeindruckende Zahlen und Steigerungsraten (Bild 2).

Bild 2

Vertreter der „erneuerbaren“ Energien stellen diese gerne als vorbildlich für den Rest der Welt heraus.

In den vergangenen zwölf Jahren steigerte China die Kapazität der installierten Windenergieanlagen um mehr als das Hundertfache von 1,26 auf 149 GW [WIWI]. Auch bei der Solarenergie wurden hohe Steigerungsraten erzielt.

Diese Euphorie etlicher „Öko-Energetiker“ rührt allerdings wohl zu einem nicht geringen Teil daher, dass viele unter ihnen kaum Übung darin haben, nüchterne Fakten wie Dimensionen, Aufwendungen und Kosten einer technisch anspruchsvollen Aufgabenstellung zu erfassen. Zunächst muss man sich vor Augen führen, wie riesig das Land im Vergleich zu Deutschland ist. Chinas Kraftwerke erzeugen derzeit jährlich ca. 5.000-6.000 TWh an elektrischer Energie, rund 8-9 Mal soviel wie Deutschland. Hiervon sind allerdings lediglich rund 23 % „erneuerbar“, und davon zählen mehr als 18 % zu den „konventionellen“ Erneuerbaren, nämlich der Wasserkraft, zu der insbesondere der Drei-Schluchten-Staudamm beiträgt.

Bild 3. Anteile der verschiedenen Energieträger an der chinesischen Stromproduktion im Jahre 2014. Daten: [WIKI]

Eine Aufschlüsselung der Beiträge der verschiedenen Energieträger für das Jahr 2014 zeigt Bild 3.

Im Jahr 2014 trugen Wind mit 2,7 % und und Solar mit 0,5 % demnach zusammen nur etwas mehr als 3 % zu Chinas Stromerzeugung bei, was trotz der beeindruckenden Brutto-Kapazitätsangaben an den im Vergleich zu konventionellen Kraftwerken beschämend schlechten Nutzungsgraden der „erneuerbaren“ Energielieferanten liegt. Bis zu deutschen Dimensionen – derzeit ca. 18 %, davon 12 % Wind und 6 % Solar – wäre auf jeden Fall noch ein weiter Weg zurückzulegen, und 80 oder gar 100 % sind für das Schwellenland China finanziell auf keinen Fall zu bewältigen.

Bereits jetzt stößt man dort trotz dieser vergleichsweise niedrigen Prozentsätze hart an seine Grenzen, insbesondere was die Belastung der Stromnetze angeht, deren Errichtungs- und Betriebskosten in diesem riesigen Land entsprechend hoch sind. Bereits 2015 wurden deshalb 15 % der chinesischen Windenergieproduktion schlicht „weggeworfen“ [CHDI]. Dies zeigt sich auch am Nutzungsgrad, der mit durchschnittlich 15,8 % selbst unter den deutschen Werten liegt. Das führte zu Auseinandersetzungen zwischen den Provinzen, deren Netzbetreiber versuchen, diesen Störstrom möglichst aus ihren Netzen herauszuhalten, und der Zentralregierung, die aus diversen Gründen gerne mehr davon verwendet sehen möchte.

Interessanterweise scheint die Zentralregierung angesichts dieses Gegenwindes jetzt ihre Ziele in diesem Bereich zurückzuschrauben. So hieß es noch 2016 aus der NEA, dass man im laufenden Fünfjahrplan die Kapazitäten bei Wind von 129 GW auf 210 GW und bei Solar von 43 GW auf 110 GW ausbauen wolle, was dann noch auf auf 250 GW Wind und 150 GW Solarkapazität aufgestockt wurde [CHDI].

Bild 4. Im Bereich Fotovoltaik sind chinesische Hersteller an der Weltspitze

Inzwischen scheint man jedoch wieder umzudenken. Kürzlich gab es Berichte, dass diese Aufstockung zurückgenommen wurde und China jetzt wieder zu den ursprünglichen niedrigeren Zahlen zurückkehre, wobei darin jetzt auch Offshore eingebunden ist [RECH]. Zudem gibt es Meldungen über Einschnitte bei den Vergütungssätzen für Fotovoltaik.

…und immer stärker auf Kernkraft

Ein entscheidender Punkt, den viele Anhänger der „Erneuerbaren“ bei ihren Blütenträumen bezüglich asiatischer Nationen häufig übersehen, ist der Pragmatismus dieser Länder bei der Bewältigung existenzieller Herausforderungen. So z.B. in Japan, wo Greenpeace, WWF und Co. seit den Nuklearhavarien von Fukushima die Wiederinbetriebnahme von Kernkraftwerken mit allen Mitteln bekämpfen und behindern, wobei ihnen die internationalen Medien als Sprachrohr und Multiplikator dienen. Hierbei fällt unserer von diesen „Fake-News“-Medien eingeschläferten Bevölkerung anscheinend nicht einmal der Umstand auf, dass diese Organisationen offensichtlich auch dort unten erstaunlich häufig von Leuten mit erkennbar westlicher Herkunft geführt werden.

Da die Inbetriebnahme freigegebener Kernkraftwerke kaum vorankommt und sich die „Erneuerbaren“ als kostspieliger Irrweg erwiesen haben, setzt Premier Shinzo Abe jetzt stattdessen auf Kohle und will in den kommenden Jahren 45 neue Kohlekraftwerke bauen lassen. So dämlich, sich gleichzeitig von der Kern- und der Kohlekraft zu trennen, ist man in Japan nicht.

Deshalb hätten auch die jubelnden „Ökos“ sich nicht davon täuschen lassen sollen, als China dreistellige Milliardeninvestitionen in CO2-freie Stromerzeugungstechnologien ankündigte. Für China sind dies nur Peanuts, und sehr zum Leidwesen von Greenpeace & Co. gehört zu ihren Planungen auch die Kernenergie. Und hier hat China wirklich große Pläne, denn das Land wurde in seiner diesbezüglichen Entwicklung durch die Fukushima-Ereignisse erheblich zurückgeworfen. Chinas Führung hat ab 2011 auf diesem für das Land extrem wichtigen Sektor zunächst zahlreiche Projekte gestoppt und sich ausreichend Zeit genommen, um die Situation und die mit der Kernkraft verknüpften Risiken ausführlich zu analysieren. Man nahm lieber eine mehrjährige Verzögerung in Kauf, als unvertretbare Risiken für das Land einzugehen. Im Unterschied zu Deutschland hat man anschließend jedoch beschlossen, die Kernkraft weiter auszubauen. Im aktuellen Fünfjahrplan ist nahezu eine Verdopplung der Nuklearkapazität des Landes vorgesehen [CHNU].

Im November 2016 waren in China 36 Kernkraftwerke mit einer Kapazität von 31,4 GW in Betrieb. Von den derzeit im Bau befindlichen 40 Reaktoren [STAT] sollen allein in diesem Jahr fünf in Betrieb genommen werden. Bei acht weiteren ist der Baubeginn noch in diesem Jahr vorgesehen, und zugleich sollen acht weitere Projekte „auf Kiel gelegt“ werden. Aktuell veröffentlichter Planungsstand sind 58 GW KKW-Kapazität bis 2020 und 150 bis 250 GW bis 2030 [CHIN]. Damit würde die Nuklearkapazität des Landes innerhalb von nur 13 Jahren um den Faktor acht (!) zulegen. Für die Zeit nach 2030 sagen Berichte über entsprechende Planungen noch weit höhere Zuwachsraten voraus. Ein wichtiges Hemmnis scheint derzeit der Mangel an geeigneten Fachleuten zu sein. In Betrieben und Universitäten arbeitet man bereits daran, diese Ausbildungsgänge entsprechend auszubauen. Für den Zeitraum nach 2040 soll in China dann die Stunde der „schnelle-Neutronen“-Reaktoren („schnelle Brüter“) schlagen, die nuklearen Abfall, Plutonium sowie abgereichertes Uran verwerten können. Ihre Kapazität soll bis 2100 auf 1.400 GW anwachsen [NUK]. Das allein entspräche etwa 1.000 bis 1.400 weiteren Kernkraftwerken.

China will mit jeder Technologie verdienen

Betrachtet man die Lage der verschiedenen Energiesektoren in China, so erkennt man eine geschickte Verknüpfung mit einer mehrgleisigen Handelsstrategie. Man setzt einerseits auf den aktuell ungebrochenen weltweiten Markttrend zugunsten von Wind und Solar. Dieser soll künftig ja zusätzlich durch jährliche Klima-Ablasszahlungen von 100 Mrd. US-$ Dollar der Industrieländer für Energieprojekte in der 3. Welt befeuert werden. Nicht zuletzt deshalb stützt China durch große inländische Investitionen die eigenen Industrien und ermöglicht es ihnen, auf diesen Märkten in vorderster Position mitzumischen. Dies dürfte erklären, warum die Zentralregierung aktuell neben der hohen Kapitalbindung sogar negative Auswirkungen im Lande in Kauf nimmt.

Langfristig setzt man jedoch erkennbar auf die Kernenergie. Auch wenn deren Anteil im eigenen Land ebenso wie die Marktchancen im internationalen Umfeld im Moment noch gering sind, so sind die Investitionen ebenso wie die Entwicklungsaktivitäten erkennbar auf hohe Steigerungsraten ausgelegt. Aufgrund der hohen Nutzungsgrade der Kernkraft erbringt die Investition in ein GW Kernenergie jährlich rund 6 Mal soviel Strom wie Windenergieanlagen mit gleicher Kapazität. Geplant sind derzeit 61 GW Wind und 27 GW KKW, welche den gleichen Stromertrag liefern wie 162 GW Windenergieanlagen. Aus diesen Zahlen ist die Stoßrichtung der chinesischen Energiepolitik klar abzuleiten.

Zudem ist sich China bewusst, dass dieser Markt in vielen Ländern erst dann attraktiv werden dürfte, wenn sich der aktuelle Hype mit den „Erneuerbaren“ totgelaufen hat. Bis es soweit ist, wird man für die künftigen eigenen KKW-Modelle über internationale Zulassungen verfügen, so beispielsweise in Großbritannien. In einigen Jahren wird Deutschland mit brummendem Schädel aus seinem energetischen Selbstzerstörungsrausch namens „Dekarbonisierung“ aufwachen. Dann werden lächelnde chinesische Handelsdelegationen bereitstehen, uns alles zu liefern, was für die Versorgung der deutschen Bevölkerung mit preisgünstiger und sicher verfügbarer Energie so benötigt wird. Zu großzügigsten Konditionen, versteht sich. Allerdings dürfte die Inzahlungnahme gebrauchter Solarpaneelen und Windanlagen nicht dazugehören.
Fred F. Mueller

Quellen:

[AUFA] http://www.n-tv.de/politik/Umweltamt-ruft-zum-Autofasten-auf-article19723009.html
[CHDI] https://www.chinadialogue.net/blog/9113-All-eyes-on-China-s-13th-Five-Year-Plan-for-energy/en
[CHIN] http://nuclearstreet.com/nuclear_power_industry_news/b/nuclear_power_news/archive/2017/03/02/china-maps-out-its-nuclear-future-030202#.WLmmXH_OxLh
[CHNU] http://www.world-nuclear-news.org/NP-China-sets-out-nuclear-plans-for-2017-0203174.html
[DACA] http://dailycaller.com/2017/02/01/japan-infuriating-enviros-by-building-45-new-coal-power-plants/
[NUK] http://www.world-nuclear.org/information-library/country-profiles/countries-a-f/china-nuclear-power.aspx
[RECH] http://www.rechargenews.com/wind/1188761/china-eases-back-2020-re-targets-with-latest-5yp-goals
[REN21] RENEWABLES 2016 – GLOBAL STATUS REPORT RENEWABLE ENERGY INDICATORS Key Findings
[SPIE] http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/china-investiert-343-milliarden-euro-bis-2020-in-oekostrom-und-atomkraft-a-1128741.html
[STAT] http://de.statista.com/statistik/daten/studie/157767/umfrage/anzahl-der-geplanten-atomkraftwerke-in-verschiedenen-laendern/
[STZI] Bericht der Bundesregierung zum High-Level Political Forum on sustainable Development 2016, 12. Juli 2016. http://www.bmz.de/de/index.html
[VEGG] http://www.spiegel.de/politik/deutschland/umweltministerium-serviert-bei-veranstaltungen-nur-noch-vegetarische-kost-a-1135231.html
[WIKI] https://en.wikipedia.org/wiki/Renewable_energy_in_China
[WIWI] https://en.wikipedia.org/wiki/Wind_power_in_China

 


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Und plötzlich ist er weg – Maxatomstrom

maxatomstrom_endeDas mittelständische Augsburger Unternehmen Maxenergy bot 2014 nach eigenen Angaben den ersten Atomstromtarif Deutschlands an. Er trete für eine pragmatische Klimapolitik ein und leiste somit einen Beitrag für den Klimaschutz: “Kunden können mit dem Atomstromtarif ihren jährlichen CO2-Fußabdruck von durchschnittlich fast zwei Tonnen auf 20 kg senken”.
Die Energie stamme aus der Schweiz. Sie koste mehr als der Mix verschiedener Energien (“Graustrom”, etwa aus Atom- und Kohlekraft), aber weniger als reine Öko-Energie, die Maxenergy auch im Angebot habe.

Unter der URL http://www.maxatomstrom.de/ ist der Energieversorger plötzlich nicht mehr erreichbar. Statt dessen erfolgt ein Hinweis:

maxatomstrom_2016

Maxenergy ist ein überregional tätiger Stromversorger aus Augsburg. Das Unternehmen gehört der Sailer-Gruppe an, die bereits seit über 50 Jahren in der Energieversorgungsbranche tätig ist. Der Maxatomstrom-Sprecher war Jan Pflug, Mitglied der Grünen. Die Augsburger Allgemeine berichtete 2014 ausführlich über das Unternehmen und über die StephenTindaleEinführung eines neuen Stromtarifs. Es gehe bei Maxenergy ungewöhnlich politisch zu, meint die Zeitung und verwies auf die “Kronzeugen für die Förderung der Kernenergie”, die Maxenergy sich „aus Umweltschutzgründen“ an Bord geholt habe. Darunter befanden sich international bekannte Personen wie Patrick Moore, Gründungsmitglied der Umweltorganisation Greenpeace, Stephen Tindale, einer der führenden Köpfe der britischen Umweltschutzbewegung, Kerry Emanuel, Professor für Meteorologie am Massachusetts Institute of Technology, James Lovelock, Stewart Brand, der Physik-Nobelpreisträger Burton Richter, Wade Allison, Professor für Nuklear- und Medizinphysik an der Universität Oxford, und Robert Stone, US-amerikanischer Dokumentarfilmer („Pandora’s Promise“). Sie unterstützten die Augsburger Atomstrom-Aktion.

Von Maxatomstrom scheint es Heute keine Spur mehr zu geben. Das Unternehmen setzt jetzt speziell beim Strom auf Grünstrom, auf 100 % Wasserkraft – “für eine saubere Zukunft.” Kunden werden aufgefordert, sich mit einer e-Mail an Maxenergy zu wenden, vorher informiert wurden sie nicht.

Mit einer »Themenwoche Kernenergie« führte der Verein Nuklearia e.V. in Erlangen im März 2015 eine Aufklärungskampagne rund um das umstrittene Thema Kernkraft durch. Zum Auftakt am Montag, dem 09. März zeigte die Nuklearia zum Thema “Kernenergie und Klimaschutz” den preisgekrönte Robert Stone-Film “Pandora´s Promise”. Anschließend fand eine Diskussion mit Jan Pflug, Pressesprecher von Maxatomstrom statt. Die Zuschauer hätten im gut gefüllten Saal der Volkshochschule Erlangen nach dem Film “teilweise sehr kontrovers, aber sachlich und respektvoll” diskutiert.

Als in der Nacht zum Sonntag, 28.06.2015 das Atomkraftwerk (AKW) Grafenrheinfeld Mitternacht vom Netz genommen wurde und etwa 120 Atomkraftgegner trotz des schlechten Wetters ein “Abschaltfest” feierten, erstrahlte auf einem der Kühltürme “Danke!” als Projektion in großen Lettern und zwar für “300 Milliarden kWh CO₂-armen Strom”. Der Dank kam von “Maxatomstrom”. Deren Sprecher, Jan Pflug, zeigte sich sicher, dass die CO₂-Emissionen infolge der Abschaltung steigen werden. “Quatsch”, sagte Atomkraftgegnerin Babs Günther vom Schweinfurter Aktionsbündnis gegen Atomkraft.

Danach war es still um Maxatomstrom.

 

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Der Energiekonzern EnBW verlässt sich auf den Wind

Der Stromversorger EnBW bietet mit seinen Kernkraftwerken alles, was sich Umweltschützer wünschen: Energie in Bürgerhand und sauberen Strom. Mehr als 90 Prozent des EnBW-Kapitals sind in öffentlicher Hand: Jeweils 46,75 Prozent liegen bei einer Beteiligungsgesellschaft des Landes Baden-Württemberg und beim Zweckverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke, einem Zusammenschluss von neun Landkreisen. Lediglich 0,39 Prozent der Aktien befinden sich in Streubesitz.

Foto: EnBW

Foto: EnBW

Durch den Betrieb eines einzigen Kraftwerks (Block 2, s. Foto) werden jährlich über 9 Millionen Tonnen des klimaschädlichen CO2 vermieden, besser kann Klimaschutz kaum gelingen.

Aber diese Erfolgsgeschichte im rot-grün regierten Bundesland Baden-Württemberg wird durch die Energiewende zunichte gemacht: Der Energiekonzern EnBW erwartet in diesem Jahr wieder einen Gewinnrückgang, berichtet SWR. Der Vorstandsvorsitzende Frank Mastiaux warb dennoch vor den Aktionären mit einer gegenüber 2014 unveränderten Dividende für NIMBY-Windkraftanlagen – weit weg von Baden-Württemberg in der Ostsee. Die Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz kann sich darüber freuen, denn die Windkraft-Ambitionen sind durch staatliche Förderungen abgesichert.

Block 2 ging erst 1984 ans Netz. Die Anlage hat eine elektrische Leistung von 1.468 Megawatt. Im Jahr 2014 erzeugte Block 2 über 10 Milliarden Kilowattstunden Strom, berichtet das Unternehmen auf seiner Homepage. Unabhängig vom Wetter und von der Tageszeit deckte sie rechnerisch mehr als die Hälfte des Strombedarfs aller privaten Haushalte und etwa ein Sechstel des gesamten Stromverbrauchs in Baden-Württemberg ab.

Im Atomgesetz ist vorgesehen, dass mit Block 2, der erst 1984 ans Netz ging, noch maximal bis Ende 2019 Strom produziert werden darf. Spätestens dann geht die Anlage vom Netz.

Das Kernkraftwerk Philippsburg (KKP) liegt rund 30 Kilometer nördlich von Karlsruhe auf einer Insel im Rhein. Dort wird Strom mit einem Druckwasserreaktor (Block 2) produziert. Der Siedewasserreaktor (Block 1) ging 1979 in Betrieb und beendete wegen einer Änderung des Atomgesetzes im Jahr 2011 die Stromproduktion. Block 1 befindet sich im Nachbetrieb.

Kritiker bezweifeln, dass ein Energieversorgungsunternehmen, das sich auf den Wind verlässt, rational handelt.

Quellen:

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Sauberer Ökostrom aus Kernkraftwerken

maxatomstrom

http://maxatomstrom.de/

Aus Gründen des Klimaschutzes hat Deutschland sich verpflichtet, den Anteil der Erneuerbaren Energien als Alternative zu fossilen Energieträgern auszubauen. Im Unterschied zu fast allen anderen Industrieländern und aufstrebenden Industrienationen der Welt hat Deutschland der Kernkraft den Rücken gekehrt, mit dem Ergebnis, dass die fehlende Leistung der Erneuerbaren Energien durch Kohlestrom ausgeglichen werden muss und die CO2-Emissionen weiter ansteigen. Vom IPCC wird die Kernenergie als “saubere Energie” bezeichnet und zu Gunsten eines vernünftigen Energiemixes empfohlen. [1]

IPCC zur Kernenergie

In jedem seiner fünf Weltklimaberichte, die der Weltklimarat (IPCC) in den letzten 20 Jahren veröffentlicht hat, hat er auf die Bedeutung der klimaschonenden Kernenergie hingewiesen. Im November 2014 erschien die Zusammenfassung des fünften Berichts. Um die Klimaerwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, empfiehlt der IPCC, bis 2050 aus der Kohleverstromung auszusteigen, und stattdessen auf CO2-arme Energietechnologien zu setzen, inklusive der Kernenergie. Bis 2020 soll der Ausstoß des Kohlendioxids (CO2) um 40 Prozent gegenüber 1990 verringert werden, bis 2050 sogar um mehr als 80 Prozent.

„In the majority of low‐stabilization scenarios, the share of low‐carbon electricity supply (comprising renewable energy (RE), nuclear and CCS) increases from the current share of approximately 30% to more than 80 % by 2050, and fossil fuel power generation without CCS is phased out almost entirely by 2100.“ (S. 23)
„Nuclear energy is a mature low‐GHG emission source of baseload power, but its share of global
electricity generation has been declining (since 1993). Nuclear energy could make an
increasing contribution to low‐carbon energy supply, but a variety of barriers and risks
exist (robust evidence, high agreement). Those include:
operational risks, and the associated concerns, uranium mining risks, financial and regulatory risks, unresolved waste management issues, nuclear weapon proliferation
concerns, and adverse public opinion (robust evidence, high agreement). New fuel cycles and
reactor technologies addressing some of these issues are being investigated and progress
in research and development has been made concerning safety and waste disposal.“ (S.23)

► http://report.mitigation2014.org/spm/ipcc_wg3_ar5_summary-for-policymakers_approved.pdf

Der Weltklimarat (IPCC) und die Internationale Energieagentur (IEA), Umweltforscher und Klimaschützer wie James Hansen und Ken Caldeira und Umweltaktivisten wie Stephen Tindale empfehlen deshalb, auch die Kernenergie konsequent zu nutzen. Sie sind überzeugt, dass nur mit Hilfe der Kernenergie eine realistische Chance besteht, den Klimawandel in den Griff zu bekommen. Zu den Befürwortern der Kernenergie gehören auch das Öko-Institut, das zur ETH Zürich gehörende Paul Scherrer Institut (PSI) und die Yale University.PatrickMoore

Die Folge des Ausstiegs aus der Kernenergie ist eine Renaissance der Kohle, mit dem Nachteil, dass bei der Verbrennung von Kohle große Mengen CO2 freigesetzt werden und Deutschland seine Klimaschutzziele wegen des Atomausstiegs zu verfehlen droht. In dieser Situation setzt das Unternehmen Maxenergy ein Zeichen und bietet einen Atomstromtarif an. Es habe damit eine “intensive Nachfrage ausgelöst, wie Maxenergy mitteilte. [2]

Maxenergy bietet Deutschlands ersten Atomstromtarif

Das mittelständische Augsburger Unternehmen Maxenergy bietet nach eigenen Angaben den ersten Atomstromtarif Deutschlands an. Es tritt für eine pragmatische Klimapolitik ein und leistet somit einen Beitrag für den Klimaschutz: “Kunden können mit dem Atomstromtarif ihren jährlichen CO2-Fußabdruck von durchschnittlich fast zwei Tonnen auf 20 kg senken”.
Die Energie stammt aus der Schweiz. Sie kostet mehr als der Mix verschiedener Energien (“Graustrom”, etwa aus Atom- und Kohlekraft), aber weniger als reine Öko-Energie, die Maxenergy auch im Angebot hat. Der Preis für den „Maxatomstrom“ fällt je nach Region unterschiedlich aus.
Auf der Internetseite des Unternehmens können sich Kernkraft-Befürworter ausrechen, wie viel sie für ihre Überzeugung zahlen müssen: http://maxatomstrom.de/

StephenTindaleMaxenergy ist ein überregional tätiger Stromversorger aus Augsburg. Das Unternehmen gehört der Sailer-Gruppe an, die bereits seit über 50 Jahren in der Energieversorgungsbranche tätig ist. Die Tarifstrukturen sind einfach und transparent. Maxenergy ist im sozialen Bereich aktiv und fördert den „Bunten Kreis“, der die Familien schwerkranker Kinder und Jugendlichen unterstützt. Der Maxatomstrom-Sprecher Jan Pflug ist Mitglied der Grünen. [3]

Für die Einführung eines neuen Stromtarifs gehe es bei Maxenergy ungewöhnlich politisch zu, meint die Augsburger Allgemeine. [2] Patrick Moore, Gründungsmitglied der Umweltorganisation Greenpeace, Stephen Tindale, einer der führenden Köpfe der britischen Umweltschutzbewegung, Kerry Emanuel, Professor für Meteorologie am Massachusetts Institute of Technology, James Lovelock, Stewart Brand, der Physik-Nobelpreisträger Burton Richter, Wade Allison, Professor für Nuklear- und Medizinphysik an der Universität Oxford, und Robert Stone, US-amerikanischer Dokumentarfilmer („Pandora’s Promise“), unterstützen die Augsburger Atomstrom-Aktion.

[1] http://report.mitigation2014.org/spm/ipcc_wg3_ar5_summary-for-policymakers_approved.pdf
[2] http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Augsburger-verkaufen-reinen-Atomstrom-id32201722.html
[3] http://maxatomstrom.de/

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