Windwahn

Teurer Windwahn

Zum Jahresanfang 2021 werden ungefähr 6.000 Windanlagen mit einer Nennleistung von insgesamt 4.350 bis 4.500 Megawatt die EEG-Vergütung verlieren. Eine Studie des Unternehmens Deutsche WindGuard GmbH macht darauf aufmerksam, dass ein wirtschaftlicher Weiterbetrieb für alte Windkraftanlagen ohne weitere EEG-Förderung nach 2020 nicht möglich ist. Die Studie gab die Naturstrom AG in Auftrag. Die Einstellung des Weiterbetriebs hätte jedoch negative Auswirkungen auf den Beitrag der Windenergie zur Stromversorgung. Ein Dilemma – oder schlicht Windwahn.

Windwahn 1. Teil – “Ewigkeitskosten”

Eine Auswertung der mittleren Marktwerte für die Windenergie an der Strombörse EEX zeigt, dass seit Anfang 2013 kein monatlicher Durchschnittswert von über 4 ct/kWh mehr erreicht wurde. Dieser Betrag reicht aber laut Studie nicht aus, um die Kosten für den Weiterbetrieb zu decken. Zwar liegen laut Studie keine fundierten Daten über die Betriebskosten von Windenergieanlagen mit einem Alter von über 20 Jahren vor, die Schätzungen gehen aber von bis zu 5 ct/kWh aus.

Jedes Jahr kommen laut Studie rund weitere 1600 Anlagen hinzu, die nach derzeitig geltendem Gesetz aus der Förderung herausfallen. Wenn tatsächlich jährliche Außerbetriebnahmen in der beschriebenen Höhe erfolgen sollten, der Zubau aber gedeckelt wird, dann wird dies entsprechende Auswirkungen auf die Entwicklung der Gesamtleistung aus Windenergie und dem erzielbaren Anteil an der Stromerzeugung haben, lautet die Prognose.

Für die ehrgeizigen Ziele der Bundesregierung kommt es einer Bankrotterklärung ihrer Energiewende gleich, wenn sich der Anteil der Windenergie am Strommix nicht permanent vergrößern lässt.

Dieses Problem lässt sich jedoch auf finanziellem Weg dadurch lösen, dass die Mehrkosten für den Weiterbetrieb alter Anlagen bis in alle Zeiten die freundlichen Steuerzahler und Stromverbraucher übernehmen.

Windwahn, 2. Teil – Sondermüll

14.000 verlassene Windfarmen in den USA (2012)

Was geschieht mit den alten Anlagen, wenn sie stillgelegt werden? Falls die alten Anlagen nicht weiter betrieben werden, werden sie entweder vor sich hin verrotten, weil die Betreiberfirma zum Rückbau vertraglich nicht verpflichtet ist, nicht mehr existiert oder finanziell nicht dazu in der Lage ist. Oder sie werden auf Kosten des Betreibers oder der Kommune abgebaut. Allerdings entsteht dann ein Umweltproblem, dass sich auch nicht mit Geld aus der Welt räumen lässt.

Die Rotorblätter als Schlüsselkomponenten der Windenergieanlagen bestehen hauptsächlich aus glas- beziehungsweise kohlefaserverstärkten Kunststoffen (GFK, CFK). Die Schichten sind meist mit Epoxidharz verklebt. Die Rotorblätter sind Sondermüll und sind nicht ohne gesundheitliche Folgen für die Bevölkerung in den vorhandenen Anlagen zu verbrennen. Einen Plan zur Entsorgung des Giftmülls, gibt es bis Heute nicht. Die wenigen vorhandenen Recyclinganlagen reichen für eine kontrollierte Entsorgung nicht aus. Rotorblätter mit einer Länge von rund 46 m wiegen pro Stück etwa 8 bis 9 t. Das heißt, 2021 fallen bis zu 153.000 t Sondermüll an, und jedes Jahr kommen mindestens 40.800 t hinzu.

Fazit

Die Bundesregierung steckt in einer Finanz- und Umweltschutzfalle. Entweder werden ab 2020 Tausende von stillgelegten Windkraftanlagen auf den Feldern und in den Wäldern verrotten, oder die Windindustrie wird über die nächsten Jahre und Jahrzehnte zunehmend hoch subventioniert, so dass die Strompreise von Jahr zu Jahr weiter in die Höhe getrieben werden. So oder so, die Niederlage der Energiewende ist programmiert.

Quellen:

Fotos: Pixabay (Feuer), http://www.garvindirect.com/2012/08/14000-abandoned-wind-turbines-in-usa.html (windfarm)


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EEG und Klimaschutz: Bis zu den Radnaben im Sumpf

Wenn Illusionen an der Realität zerplatzen

Im Bereich der deutschen Klimapolitik deutet sich eine drastische Zuspitzung an. Aus Sicht der Bundesregierung ist der „Klimarettungsgipfel“ COP 21 in Paris erfolgreich verlaufen und hat genau das von Merkel, Schellnhuber und ihren Verbündeten gewünschte Ergebnis gebracht: Die Lizenz zur Deindustrialisierung der westlichen Welt, blumig als „Dekarbonisierung“ bezeichnet. Mit Unterzeichnung des entsprechenden Abkommens in New York glaubt man, jetzt die Samthandschuhe ausziehen und die große Brechstange herausholen zu können. Die Planungen von Barbara Hendricks laufen auf eine Zerschlagung der meisten Schlüsselindustrien hinaus. Danach wäre Deutschland keine Industrienation mehr. Doch im Hintergrund versteift sich der versteckte Widerstand auf der Fachebene der Ministerien.

Beleuchtung anstatt Erleuchtung in Deutschland. Bild 1. Feuer unter dem Dach: Die dänische Regierung hat bei ihrer bisher auf Windenergie ausgerichteten Energiepolitik bereits die Notbremsung eingeleitet [DAEN]

Bild 1. Beleuchtung anstatt Erleuchtung. Im Unterschied zu Deutschland hat die dänische Regierung bei ihrer bisher auf Windenergie ausgerichteten Energiepolitik bereits die Notbremsung eingeleitet [DAEN]

Wenn man sich die Absichten der Regierung ansieht, beschleicht einen ein beklemmendes Gefühl von déjà-vu: Manches erinnert an jenen aufgeräumt wirkenden Erich Honecker, der am 14. August 1989 vor laufenden Kameras tönte: „Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf“. Nur wenige Tage danach begann Ungarn, Botschaftsflüchtlinge via Luftbrücke in den Westen zu evakuieren. Der geradezu extreme Grad an Realitätsverlust, den Honecker und mit ihm die gesamte DDR-Führung in jenen Tagen offenbarte, wird im kollektiven Gedächtnis Deutschlands noch über Generationen erhalten bleiben.

Einen vergleichbaren Realitätsverlust kann man heute erneut bei einer deutschen Regierung bewundern. Pikanterweise stammt deren entscheidende Führungspersönlichkeit just aus dem gleichen Umfeld wie der mittlerweile verblichene Ex-Chef der DDR. Im Unterschied zu damals ist es der heutigen politischen Führung jedoch gelungen, das Gebäude aus falschen Versprechungen und Illusionen, das sie mit ihren Sprüchen von unbegrenzt „erneuerbarer“ Energie und der erforderlichen Rettung des Weltklimas errichtet hat, sehr fest in den Köpfen der Menschen zu verankern. So fest, dass man sich schon etwas intensiver mit den entsprechenden Zahlen beschäftigen muss, um den Betrug zu erkennen.

Die bisherige „Klimapolitik“ ist gescheitert…

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Bild 2. Trotz aller Maßnahmen einschließlich der „Energiewende“ sind die Bemühungen, die CO2-Emissionen unter die Marke von 800 Mio. t/a zu senken, gescheitert (Daten: Statista (rot), Projektionsberechnung (blau))

Dreh- und Angelpunkt der seit fast zwei Jahrzehnten immer aggressiver betriebenen „Klimapolitik“ Deutschlands ist das Bestreben, den Ausstoß des als angeblichen Klimakillers verrufenen CO2 stark einzudämmen. Trotz zahlreicher Einsprüche renommierter Wissenschaftler gegen die oft dubiosen Argumente derjenigen, welche die These vom „menschengemachten Klimawandel“ propagieren, wird diese Hypothese inzwischen bereits Schülern in Grundschulen als „Stand der Wissenschaft“ eingebläut. Beim Versuch, diesen Unsinn in die Praxis umzusetzen, ist die Politik allerdings bereits jetzt mit dem Vorhaben, den CO2-Ausstoss signifikant zu senken, gescheitert, wie Bild 2 beweist.

Nach den bisher geltenden Planungen sollten die Emissionen bis 2020 auf ca. 625 Mio. t/a gesenkt werden. Der Verlauf der Trendlinie zeigt jedoch, dass dies mit den üblichen Lenkungsmitteln der Politik nicht erreicht werden kann. Zugleich kann dies als Beweis dafür gewertet werden, dass das künftige Ziel von < 210 Mio. t/a bis 2050 nur mit massiven Zwangsmaßnahmen und tiefen Einschnitten in Wohlergehen und Wohlstand der Bürger erreichbar wäre.

Immense und weiter stark steigende Kosten…

Einen großen Anteil der Kosten, den der Kampf gegen das CO2 bisher verursacht hat, mussten die Stromverbraucher schultern. Dieses angebliche„Treibhausgas“ ist in Wirklichkeit Grundlage des Lebens, denn ohne CO2 in der Luft gäbe es kein Pflanzenwachstum, keine Lebensmittel und kein Leben. In ihrer sinnbefreiten Anti-CO2-Kampagne haben aufeinanderfolgende Regierungen stets die Umstellung der Stromversorgung auf angeblich „erneuerbare“ Energien als wichtigstes Instrument angesehen. Um das Angebot an diesen eigentlich nicht konkurrenzfähigen Stromerzeugungstechnologien zu erhöhen, wurden den entsprechenden Investoren im sogenannten „Erneuerbare-Energien-Gesetz“ (EEG) Traumkonditionen angeboten: Extrem hoch über den Marktpreisen liegende, auf 20 Jahre garantierte Abnahmepreise, Vorrang bei der Stromeinspeisung vor den günstigeren konventionellen Anbietern und sogar die Bezahlung „hypothetischen“ Stroms, der mangels ausreichender Netzkapazitäten gar nicht erzeugt wurde. Zu den größten Unverschämtheiten gehört hierbei, dass diese Privilegien durch Zwangsabgaben auf die von jedem Verbraucher genutzte Elektrizität finanziert werden. Aufgrund dieses cleveren juristischen Tricks kann man nicht von Subvention sprechen.

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Bild 3. Kumulierte Gesamtverpflichtung aufgrund des EEG. 2015 und 2016 Prognosen, ab 2017 Trendberechnung (Daten: [BMWI])

Das erlaubt es den Vertretern dieser Branchen, mit frecher Stirne vor der Öffentlichkeit zu behaupten, sie würden gar nicht subventioniert.

Dem von rasant steigenden Strompreisen gebeutelten Verbraucher ist es jedoch egal, ob man ihm das Geld in Form eines Aufschlags oder durch Subventionierung aus der Tasche zieht: Betrug ist Betrug. Die Summen haben inzwischen geradezu astronomische Größenordnungen erreicht (Bild 3), obwohl der Anteil EEG-geförderten Stroms an der Gesamterzeugung im Jahr 2015 erst rund 26 % erreichte. Um die Darstellung zu verstehen, muss man berücksichtigen, dass hier die noch kommenden, auf 20 Jahre festgeschriebenen Verpflichtungen einbezogen wurden. Die Säulen beinhalten deshalb nicht nur das Geld, um das die Verbraucher bisher betrogen wurden, sondern auch die Summen, die man ihm auch noch in den nächsten Jahren aus der Tasche ziehen wird.

Die Gesamtverpflichtung ergibt sich aus der 20jährigen Abnahme- und Preisgarantie des EEG. Die 883 Mio. € EEG-Auszahlungen, die im Jahre 2000 fällig waren, müssen auch noch für die folgenden 19 Jahre gezahlt werden, so dass es sich in Wirklichkeit um 17,7 Mrd. € handelt. Insgesamt summiert sich dies bis einschließlich 2016 bereits auf mehr als 580 Mrd. €. Besonders beängstigend ist der ungebrochene Trend nach oben. Bereits im Jahre 2021 dürfte die Billion € knapp erreicht werden.

Hinzu kommen noch erhebliche verborgene Kosten. Man hat immer größere Zusatzkosten in den Netzentgelten versteckt, so z.B. die Milliardenaufwendungen für die Stabilisierung der Stromnetze aufgrund der Störimpulse durch die „Erneuerbaren“. Diese müssen nämlich durch teure Gegenmaßnahmen – das sogenannte „Redispatching“ – aufgefangen werden. Auch die enormen Kosten für neue Fernleitungen wie „Südlink“ müssen hinzugerechnet werden, denn ohne die „Energiewende“ würde man diese gar nicht benötigen. Südlink ist nichts weiter als ein extrem „großzügiges“ Geschenk des Staates an die Windbarone im Norden auf Kosten der Verbraucher.

…die quasi ins Unendliche steigen werden

Abb_04

Bild 4. Berechnung der EEG-bedingten Kosten für die Einsparung von jeweils einer Tonne CO2 in den Jahren seit 2000

Vergleicht man die Bilder 1 und 2, so fällt sofort ins Auge, dass der „Kampf gegen CO2-Emissionen“ von vornherein nicht gewonnen werden kann. Die Kosten werden immer steiler nach oben gehen, während sich das Ergebnis gleichzeitig mehr und mehr der Null nähert. Lassen wir in diesem Zusammenhang erst einmal die Tatsache unberücksichtigt, dass es die Regierung selbst ist, die durch Stilllegung von Kernkraftwerken dafür sorgt, dass eine wesentliche CO2-arme Technologie, die noch im Jahr 2000 rund 30 % zur deutschen Stromerzeugung beitrug, zum Niedergang verurteilt ist. Stattdessen wurde und wird dem Bürger das EEG samt seiner Kosten als Mittel zur Reduzierung der CO2-Emissionen verkauft. Doch gebracht hat es nichts, wie der Blick auf das Ergebnis beweist. Durch Kombination der jährlichen Zahlen – Steigerung der EEG-bedingten Kosten einerseits und im jeweils gleichen Jahr zu verzeichnende Verringerung des CO2-Ausstoßes andererseits – lässt sich leicht ermitteln, was uns im betreffenden Jahr die Einsparung jeder Tonne CO2 in Euro allein schon durch das EEG gekostet hat, s. Bild 4.

Die der Grafik zugrundeliegenden Zahlen wurden anhand von geglätteten Trendanalysen der Bilder 2 und 3 berechnet. Während der Beitrag des EEG zur Verringerung der deutschen CO2-Emissionen im Jahre 2000 bei „lediglich“ 116,- €/ t lag, stiegen diese Belastungen in den Folgejahren exponentiell an. Im laufenden Jahr wird die Verringerung der CO2-Emissionen den deutschen Stromverbraucher bereits 2764,- €/t kosten, und für 2021 dürfte dies auf 4556,- €/ t steigen. Beim Betrachten der drei Diagramme wird sofort klar, dass ohne Änderung der bisherigen Politik die Kosten in den nächsten Jahren in unkontrollierbarer Weise immer weiter durch die Decke gehen werden. Sowohl die „Energiewende“ als auch die „Dekarbonisierung“ sind weder technisch realisierbar noch finanziell tragbar. Dem Wähler gegenüber kann bzw. will die Politik das jedoch nicht zugeben und sucht verzweifelt nach Auswegen und Ausreden. Man hat sich in eine ausweglose Lage manövriert, in der es weder vorwärts noch rückwärts gehen kann, ähnlich wie bei einem Auto, das sich bis über die Radnaben im Morast festgefahren hat.

Anzeichen von Widerstand?

Die Regierung plant, ihren drastischen neuen Klimaschutzplan bis Mitte des Jahres zu verabschieden. Neueste Meldungen z.B. im Handelsblatt schienen zunächst Hinweise zu liefern, dass sich hiergegen Widerstand regte. Einer Meldung des „Handelsblatts“ vom 19.5. zufolge lehnen die Länder den Klimaschutzplan 2050 ab [HAND]. Bemängelt wird, dass „der bislang vorliegende Maßnahmenkatalog aus dem Bundesumweltministerium hohe Risiken für den Wirtschaftsstandort (berge). Er müsse daher mit den betroffenen Verbänden und den Bundesländern abgestimmt werden, ehe das Bundeskabinett ihn beschließen könne. Sowohl die Wirtschaft als auch die Länder seien bisher nicht ausreichend eingebunden worden. Der Plan enthalte eine Vielzahl kritisch zu beurteilender Maßnahmenvorschläge.“

Allerdings dürfte es den Ländern auch hierbei lediglich darum gehen, für sich etwas bessere Bedingungen herauszuholen. Bisher konnte die Bundesregierung sie noch jedesmal mit der einen oder anderen Milliardenzusage aus Schäubles „nie versiegendem“ Steuertopf letztlich ruhigstellen.

Auch von der Wirtschaft, selbst von den unmittelbar existenziell betroffenen Energieerzeugern oder den großen Verbrauchern, ist kein Einspruch zu erwarten. Zu sehr hat sich in deren Managementebenen ein Typus festgesetzt, der sich vor allem durch Anpasseritis und eine Vorliebe für Bücklingsgerichte auszeichnet. Langfristiges strategisches Denken und die Bereitschaft, auch einmal die ureigenen Interessen des Unternehmens zu vertreten, muss man dort mit der Lupe suchen. Persönlichkeiten wie von Brauchitsch, Ackermann oder Grossmann sucht man heute vergeblich: Die letzten ihrer Art wurden von NGO’s, Politik, Medien und einer Bütteljustiz systematisch aus ihren Funktionen gemobbt.

Wie geht es weiter?

Kurzfristig ist keine Änderung des Kurses zu erwarten. Die Regierung hat sich auf Gedeih und Verderb auf die Fortführung der „Klimarettung“ festgelegt Das Gleiche gilt auch für die Linken und die Grünen, und auch die FDP hat in Rheinland-Pfalz gezeigt, dass ihr einziges Bestreben darin besteht, endlich wieder an die Fleischtöpfe der Macht zu gelangen. Daher ist es ziemlich sicher, dass wir ab Mitte des Jahres ein selbstmörderisches „Klimaschutzgesetz“ bekommen werden, dessen Umsetzung insbesondere „Burning Barbara“ sicherlich mit missionarischem Eifer vorantreiben wird.

Beim EEG geht es nur noch um Schadensbegrenzung

Einen Sondereinfluss gibt es allerdings bei der Stromerzeugung. Bei der Neufassung des EEG steht die Regierung ganz offensichtlich mit beiden Füßen auf der Bremse. Die jetzt bekanntgewordenen Zahlen sind nämlich weit von den Werten entfernt, die zur Erreichung des ursprünglich gesetzten Ziels erforderlich wären. Die Behauptung, wir hätten dank des EEG bereits einen Anteil von rund 33 % „EE“-Strom an der Gesamtproduktion, ist eine der zahlreichen bewussten Irreführungen der Politik.

Bild 5. Zum Jahresende 2015 befanden sich in Deutschland Windenergieanlagen mit einer Gesamt-Typenschildleistung von knapp 45 GW am Netz (Daten: Rolf Schuster)

Bild 5. Zum Jahresende 2015 befanden sich in Deutschland Windenergieanlagen mit einer Gesamt-Typenschildleistung von knapp 45 GW am Netz (Daten: Rolf Schuster)

Dabei wird verschwiegen, dass eine wichtige Erzeugungsart – die Wasserkraft – schon lange vor Einführung des EEG existierte. Die rund 19,5 TWh, die diese im letzten Jahr zur Gesamtproduktion beisteuerte, werden zwar gerne in der „Erfolgsbilanz“ aufgeführt, müssten aber eigentlich als separate Position geführt werden. Die knapp 7,7 % Biomasse und Hausmüll sind zwar aktuell noch vorhanden, doch wird man schon in wenigen Jahren keines der entsprechenden Kraftwerke mehr am Markt finden, wenn man hierzulande endlich begreift, dass jede zur Stromerzeugung verschwendete Tonne Mais soundsoviele zusätzliche Hungerflüchtlinge nach Europa schwemmen wird. Auf längere Sicht werden wir „EE“-Strom wohl nur aus Fotovoltaik – wo ein „Deckel“ von etwa 52 GW im Gespräch war – sowie durch Windenergie erhalten. Bei der Windenergie standen Ende 2015 rund 45 GW Kapazität zur Verfügung, Bild 5.

Zurzeit geht die Bundesregierung davon aus, dass der Strombedarf des Landes rückläufig sein wird. Wie geradezu kriminell amateurhaft das ist, kann man schon allein daran erkennen, dass man schlicht „vergessen“ zu haben scheint, dass man für die jetzt massiv geförderten Elektrofahrzeuge ja zusätzlich Strom benötigen wird, und zwar rund 130 TWh allein für den PKW-Bereich.

Bild 6. Bis zum Jahre 2050 mindestens erforderliche Kapazitäten an Windenergieanlagen zur Sicherstellung eines „EE“-Anteils von 80 %. Blau: Ist-Daten (Rolf Schuster), Rot: Projektion aufgrund eigener Berechnungen

Bild 6. Bis zum Jahre 2050 mindestens erforderliche Kapazitäten an Windenergieanlagen zur Sicherstellung eines „EE“-Anteils von 80 %. Blau: Ist-Daten (Rolf Schuster), Rot: Projektion aufgrund eigener Berechnungen

Von der Umstellung der Heizungen von Öl bzw. Gas auf Wärmepumpen gar nicht erst zu reden. Selbst bei extrem konservativer Kalkulation kann für die Stromerzeugung des Jahres 2050 ein Wert von 762 TWh/a als untere Grenze des realistischen Bereichs angesehen werden. Einziger ernstzunehmender Lieferant für rund 74 % dieser Produktion kann nur die Windenergie sein. Unter Berücksichtigung des entsprechenden Nutzungsgrades würde dies bedeuten, dass wir bis 2050 die installierte Erzeugungskapazität auf mindestens ca. 340 GW steigern müssten, Bild 6. Doch da sind auch die Probleme mit den Kosten und den Transportkapazitäten und der Netzstabilität und den nicht existenten Speichern etc. etc.

Aus der Darstellung in Bild 6 geht klar hervor, dass die Bundesregierung dabei ist, die selbst gesteckten Ziele bei weitem zu verfehlen. Um die geplanten 80 % überhaupt erreichen zu können, müssten von jetzt an jedes Jahr netto etwas mehr als 8 GW Windenergieleistung zugebaut werden. Das jetzt vorgestellte neue EEG wird dieses Ziel nicht erreichen können. Festgelegt werden lediglich 2,8 bzw. 2,9 GW/a für Windenergie an Land, 0,73 GW/a für Offshore-Wind sowie weitere 0,6 GW/a für Fotovoltaik, alles andere bleibt vage. Natürlich weiß man in den Ministerien, dass die proklamierten Ziele so nicht erreicht werden können, aber man schert sich offenkundig nicht darum. Grund hierfür ist vermutlich die Angst der Politik, dass der Anstieg der Strompreise bei den Verbrauchern eine Schmerzgrenze überschreiten könnte. Muttis Wiederwahl 2017 könnte gefährdet sein, falls die verhasste AFD zuviele Stimmen bekommt. Also bremst man jetzt erstmal den Kostenanstieg und vertraut darauf, dass die Ingenieure in einigen Jahren mit neuen „Wunderwaffen“ die Misere bereinigen werden.

Die Unerbittlichkeit der Gesetze von Natur und Technik

Bei ihren Kalkulationen lassen die Ministerialbeamten jedoch einige wichtige Fakten unberücksichtigt. Schließlich darf kein Beamter seinem dicken Kaiser sagen, dass er eigentlich nackt herumläuft. Abgesehen vom Selbstbetrug im Zusammenhang mit dem tatsächlichen Strombedarf einer gründlich „dekarbonisierten“ Gesellschaft mit 100 % E-Autos und CO2-freien Wärmepumpenheizungen lauert da im Hintergrund zusätzlich noch die unangenehme Tatsache, dass man bis 2022 alle restlichen Kernkraftwerke abschalten will. Dabei hatten die KKW noch im Jahre 2015 mehr Strom erzeugt als alle Windkraftanlagen an Land und auf See zusammen. Allein um diese Kapazitäten rechnerisch zu ersetzen, müssten man also die bisher installierten Windenergiekapazitäten mehr als verdoppeln.

Bild 7. Inzwischen kommen nach und nach immer mehr Windenergieanlagen an das Ende ihrer Lebensdauer und müssen ersetzt werden. Um die beabsichtigte Nettozunahme an Windenergie-Erzeugungskapazität zu erreichen, müssen zusätzlich zur Investition in Neuanlagen (blau) auch noch erhebliche Investitionen in Ersatzsysteme (rot) getätigt werden

Bild 7. Um die beabsichtigte Nettozunahme an Windenergie-Erzeugungskapazität zu erreichen, müssen zusätzlich zur Investition in Neuanlagen (blau) auch noch erhebliche Investitionen in Ersatzsysteme (rot) getätigt werden

Das eigentliche Problem, das bisher kaum jemand öffentlich zur Sprache gebracht hat, ist jedoch die begrenzte Lebensdauer der Windenergiesysteme. Eine 20 Jahre alte Anlage „hat fertig“ und muss in jedem Fall ersetzt werden, und zwar bis herab zum Fundament. Inzwischen wächst die Zahl solcher Anlagen, die das Ende ihrer Lebensdauer erreicht haben, nach und nach immer merklicher zu, s. Bild 7.

Inzwischen kommen nach und nach immer mehr Windenergieanlagen an das Ende ihrer Lebensdauer und müssen ersetzt werden.
Bild 7 zeigt, dass wegen der begrenzten Lebensdauer der bereits vorhandenen Windenergieanlagen zusätzlich zur Netto-Steigerung der installierten Windenergie-Leistung auch noch rapide steigende Ersatzinvestitionen erforderlich werden. Kumuliert müssten ab 2020 jährlich mindestens 10 GW an Windkapazität neu ans Netz gebracht werden, ab 2046 müssen Jahr für Jahr mehr als 16 GW Windenergie-Kapazität zugebaut werden. Es wird schwer werden, in Deutschland noch Platz dafür zu finden….

Da man inzwischen auch der Kohle den Krieg erklärt hat, wird irgendwann bei einer ausgedehnten Dunkelflaute der Laden zusammenbrechen. Falls Mutti dann noch am Ruder sein sollte, sind – analog zu Ihren atemberaubenden Volten bei der Flüchtlingspolitik – bestimmt hochinteressante Ausführungen über die „Alternativlosigkeit“ der dann favorisierten Kehrtwendungen zu erwarten. Es werden noch Wetten angenommen, ob sie dann der Kohle oder der Kernkraft den Vorzug geben wird.

Fred F. Mueller

Quellen:

[BMWI] Bundsministerium für Wirtschaft und Energie. EEG in Zahlen: Vergütungen, Differenzkosten und EEG-Umlage 2000 bis 2016 (Stand: 15. Oktober 2015)

[DAEN] http://www.eike-klima-energie.eu/news-cache/daenemarks-neue-regierung-kommt-zur-vernunft-und-sagt-die-energiewende-ab/

[HAND] http://www.handelsblatt.com/my/politik/deutschland/gegen-nationale-alleingaenge-laender-lehnen-klimaschutzplan-2050-ab/13617842.html


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Der Essener Energiekonzern RWE plant drastische Einsparungen

Foto: Simon Q

Der Essener Energiekonzern RWE plant massive Einsparungen. Bis zu 20.000 Arbeitsplätze könnten durch die Energiewende verloren gehen, darunter sogar Arbeitsplätze in der Sparte Erneuerbare Energien.

Drastische Folgen hat die Energiewende für die Mitarbeiter des Essener Energiekonzerns RWE. Wegen der zu niedrigen Strom-Großhandelspreise baut RWE Medienberichten zufolge möglicherweise 20.000 Jobs in seinen Kraftwerken ab. Die Beschäftigtenzahl könnte am Ende von zuvor 70.000 Beschäftigten auf 50.000 sinken. Darüber berichtet die „Rheinische Post“ gestern unter Berufung auf Betriebsratskreise. Aktuell gehe es um rund 2500 Stellen.

Der Energiekonzern RWE spart auch drastisch in der Sparte erneuerbare Energien, wie das Handelsblatt aus Konzernkreisen erfuhr. Dieser Unternehmensteil galt den RWE als “Zukunftshoffnung”. Der Sparkurs wird dennoch weiter verschärft, Investitionen werden gedrosselt, Kosten gedrückt — und die Mitarbeiterzahl von derzeit 1.500 halbiert, berichtet das Handelsblatt. Von den Stellenstreichungen seien auch die Bereiche Biomasse und Offshore-Logistik betroffen, die RWE Innogy aufgibt. Der Konzern plane, 75 Prozent an seinem ersten deutschen Offshore-Windpark „Nordsee 1“ abzugeben und drossele die Entwicklung neuer Projekte bei Offshore-Wind, Onshore-Wind und Wasserkraft.

Nähere Informationen zum geplanten Stellenabbau werde es am 14. November bei der Vorlage der Quartalszahlen geben, berichten die Medien.

 

Das Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) hatte in einer Studie vor undifferenzierten und vorschnellen Erwartungen an eine „Green Economy“ in Deutschland gewarnt: Der erwartete Ausbau auf 500.000 bis 600.000 Jobs im EE-Sektor bis 2030 sei kein Grund zur Euphorie. 60 bis 70 Prozent der Jobs in diesem Bereich seien durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gefördert und somit stark abhängig von der Subventionierung durch die privaten und gewerblichen Stromverbraucher. Es fehle vor allem an einer eindeutigen, international vergleichbaren Definition von “grüner Beschäftigung” und an verwertbaren Mikrodaten. Außerdem sei es wichtig, auch die Netto-Bilanz zu betrachten: “Es geht nicht nur darum, wie viele Jobs in einer Green Economy geschaffen werden. Wir müssen gleichzeitig untersuchen, wie viele dadurch ersetzt werden oder ganz wegfallen.”

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Die Energiewende kommt uns teuer zu stehen

Der Präsident der Bundesnetzagentur Jochen Homann kündigte an, dass für die Winter in den nächsten Jahren mehr konventionelle Kraftwerksenergie benötigt würden, als bisher vermutet. Die Reservekraftwerke werden benötigt, um die Stabilität des deutschen Stromnetzes sicherzustellen. Die Bundesnetzagentur kann den Energieunternehmen gegen Zahlung einer Entschädigung verbieten, Kraftwerke abzustellen. Wenn deren Betrieb aber dennoch wirtschaftlich keinen Sinn mehr ergebe, müssten neue Wege beschritten werden, fordert RWE-Chef Peter Terium von der Politik, wie beispielsweise die Schaffung eines Marktes für Reservekapazitäten.
Dass durch den Bereitschaftsdienst die Verbraucherpreise sinken werden, ist nur eine von vielen Wunschvorstellungen derer, die offenbar vergessen haben, wer in Energiefragen den Ton angibt und dass ein Unternehmen nicht dazu da ist, kein Geld zu verdienen. Das würde sich durch Enegie in Bürgerhand unter diesen Bedingungen auch nicht ändern.

Bei der Energiewende geht es nicht um sauberen Strom, sondern um die Generierung von Steuern und Subventionen! Dafür zahlt der deutsche Verbraucher allein 2013 mindestens 40 Milliarden Euro an Steuern und Subventionen.  Wenn man nun rechnet, dass 40 Milliarden Steuern und Subventionen 2013 für einen Stromanteil von 20%  Erneuerbaren Energien bezahlt werden müssen, dann sind dies, auf zwanzig Jahre und ohne weiteren Ausbau berechnet, 800 Milliarden Steuern zusätzlich für den geringen Anteil an Erneuerbaren Energien.
Geplant sind jedoch 80 Prozent, die in wenigen Jahren erreichet werden sollen. Dann steigen die jährlichen Steuern und Subventionen, ebenfalls auf 20 Jahre berechnet, auf jährlich das Vierfache, auf 160 Milliarden Euro pro Jahr, in zwanzig Jahren auf 3.200 Milliarden (3,2 Billionen) Euro. Die zusätzlichen, vom Verbraucher zu tragenden Steuern für die Energiewende werden sich ab dem heutigen Tag zwischen 800 Milliarden Euro und 3.200 Milliarden Euro Steuern bewegen.

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Quelle: BDEW – zum Vergrößern bitte anklicken

Das gesamte Konzept der Erneuerbaren Energien, falls man überhaupt von einem Konzept sprechen kann, beruht auf irrationalen Annahmen, die von Verteidigern der Erneubaren Energien überall, auch in den Kommentaren des Handelsblatts, zu finden sind, wie beispielsweise diese:

  • Die großen Energieversorger seien Schuld und trügen heute die Folgen ihres Handelns. Die Aktionäre sollten das Management “in Regress nehmen und denen ihr Vermögen wegpfänden”. – Wird durch Schuldzuweisung die Energiewende für die Bürger bezahlbar?
  • Die technisch begrenzten Möglichkeiten bei den Erneuerbaren Energien werden unterschätzt. Es fehlen für den produzierten Strom aus Erneuerbaren Energien die Großspeicher. Forschung und Technik sind noch lange nicht so weit, brauchbare Ergebnisse liefern zu können. – Das heißt, zu den Kosten der Erneuerbaren Energien kommen die Kosten für ein parallel laufendes, konventionelles Energiesystem noch hinzu.

Und für diesen gigantischen Wahnsinn opfern wir unsere Landschaften, das Leben hunderttausender von Vögeln, die von Windkraftanlagen zerschreddert werden, und die Gesundheit unzähliger Menschen!

Wenn Sie wissen möchten, wie es in einer “main-stream-energiesauberen Gegend” aussieht? Dann sehen Sie hier:

 

In einem Kommentar im Handelsblatt stellte Rainer Feiden die Fragen:

  • Wer bitte will hier am Ende noch wohnen?
  • Wer will noch ein Haus kaufen?
  • Wer kommt für die Verluste an Wohnqualität und die Enteignung auf?

Wir werden die Energiewende bezahlen müssen! UndDu_

 

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Der kommunale Energieversorger Enervie warnt vor einem Blackout

“Innerhalb von 24 Stunden” könnten Hunderttausende im Dunkeln sitzen, drohte der Energieversorger Enervie. Die Gesellschaft ist relativ klein, so dass n-tv die Drohung als “Aufstand in der Provinz” bezeichnete. “Wenn wir unsere Kraftwerke nicht betreiben, gehen wir davon aus, dass Südwestfalen innerhalb von 24 Stunden einen Blackout erlebt”, sagte Enervie-Vorstand Ivo Grünhagen.

GuD_Anlage_Herdecke_72dpi_600 Wer hier droht, ist kein Energieriese, sondern es sind mehrere Kommunen, die sich zusammengeschlossen haben und denen Enervie zu 81% gehört. 400.000 Kunden in Hagen und im Märkischen Kreis werden von Enervie mit Strom, Gas, Wärme und Trinkwasser versorgt. Energie in Bürgerhand.

Es geht bei den Kraftwerken um Kohle- und Gas-Kraftwerke mit einer Kapazität von 1300 Megawatt, die wegen der bevorzugten Einspeisung erneuerbarer Energien nicht mehr rentabel betrieben werden können. Das hochmoderne Gaskraftwerk des Unternehmens habe wegen des großen Angebots erneuerbarer Energien gerade vier Monate am Stück stillgestanden, sagt Enervie-Chef Grünhagen. Das sollte jeder  wissen: Kein Unternehmen, auch kein kommunales, kann sich Fehlinvestitionen dieses Ausmaßes leisten. (siehe auch “Energiechaos im Ruhrgebiet“). 2013 wird Enervie Verluste in Höhe von wahrscheinlich 30 Millionen Euro einfahren. Durch die Ankündigung bei der Bundesnetzagentur, den kompletten konventionellen Kraftwerkspark zu schließen, könnte der Energieversorger erreichen, dass der Kraftwerkspark als systemrelevant eingeschätzt wird und am Ende Prämien für den Erhalt gezahlt werden. Dies treibt die Kosten für die Umstellung auf erneuerbare Energien weiter in die Höhe.

Enervie ist zwar ein relativ kleiner Energieversorger, hat aber aufgrund der Netzstruktur eine überregionale Bedeutung. Der Energieversorger betreibt ein sogenanntes “Inselnetz”. Bei einem Totalausfall des Enervie-Kraftwerksparks reichen die Kapazitäten der großen Überlandnetze nichts aus, die fehlende Stromversorgung auszugleichen. Somit drohte der Region vielleicht auch ein längeres Blackout.

Da nicht nur bei Enervie mit Gaskraftwerken kein Geld mehr verdient werde und auch die Steinkohlekraftwerke  langsam unrentabel werden, muss mit weiteren Anzeigen auf Stillegung bei der Bundesnetzagentur gerechnet werden. Claudia Kemfert rät dazu, “die für systemrelevante Kraftwerke vorgesehenen Sonderregelungen nur zurückhaltend anzuwenden. Sonst werde es zu teuer für die Volkswirtschaft.”  Ist der Verzicht auf Strom der Preis, den Menschen in bestimmten Regionen zukünftig zahlen sollen? Leben bei Kerzenlicht und Lagerfeuer? Kemfert wird von n-tv als “Energieexpertin beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung” vorgestellt, ihr Anliegen ist der Nachweis, dass der ausschließliche Einsatz alternativer Energien, speziell von Wind- und Solarenergie, ökonomisch vorteilhafter als der Einsatz von Kernenergie oder von fossilen Energieträgern ist.

Entgegen den Beteuerungen der Öko-Industrie dämmert es in den Parteien, dass die 100%ige, dezentrale Stromversorgung durch erneuerbare Energien für das ganze Land ein Wunschtraum ist, der immer mehr zerfällt und ein Modell für Einzelfälle bleiben wird.

  • http://www.die-buergerenergiewende.de/
  • Christian von Hirschhausen, Claudia Kemfert, Friedrich Kunz und Roman Mendelevitch: „Europäische Stromerzeugung nach 2020: Beitrag erneuerbarer Energien nicht unterschätzen“, Wochenbericht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Nr. 29.2013, 17. Juli 2013
  • Dietmar Ufer: “DIW “Studie”: Claudia Kemfert und Cie. versuchen mit fragwürdigen Zahlenspielen die „Energiewende“ zu retten”, in: Eike, 29.07.2013

Die Gesellschafter von Enervie – Südwestfalen Energie und Wasser AG sind:
Stadt Hagen (42,66 %),
Stadt Lüdenscheid (24,12 %),
RWE Deutschland AG, vormals RWE Rheinland Westfalen Netz AG bzw. RWE Westfalen-Weser-Ems AG aus Essen (19,06 %).
Die verbleibenden 14,16 % verteilen sich auf die Aktionäre Stadt Altena (4,40 %), Stadt Plettenberg (2,77 %), Stadt Halver (1,69 %), Stadt Schwerte (1,32 %), Bäderbetrieb Kierspe GmbH (0,84 %), Gemeinde Schalksmühle (0,79 %), Stadt Kierspe (0,78 %), Gemeinde Herscheid (0,75 %), Stadt Meinerzhagen (0,64 %) sowie Stadt Herdecke (0,17 %).
Quelle: Wikipedia

Foto: Enervie, GuD Anlage Herdecke

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Wie geht es nach der Wahl mit der Energiewende weiter?

Die Wahlen sind vorbei, keine Partei muss sich zurzeit mit dem Thema politisch profilieren, so dass jetzt noch einmal neu über die Energiewende nachgedacht werden kann. WiWo Green schließt aus dem Wahlergebnis, dass ein Kurswechsel in Sachen Energiewende bei vielen Wählern keine große Rolle gespielt haben könne, denn andernfalls hätten die Grünen, die etwas mehr als acht Prozent erhielten, ein besseres Ergebnis eingefahren. Die Grünen warben mit einer 100 Prozent erneuerbaren Stromversorgung bis 2030 und wollten die Industrie mit rund vier Milliarden Euro mehr zur Energiewende-Kasse bitten als bisher.

Vielleicht haben die Wähler grüne Utopien und Versprechen nur satt gehabt. Wer in verschiedenen Onlinezeitungen, selbst auf der Homepage der Grünen, die Kommentare zum Thema Energiewende in den letzten Monaten verfolgt hat, wird von dem Ergebnis kaum überracht sein. Bereits vor einem Jahr hatten die Bürger bei einer Sonntagsfrage mehrheitlich für einen langsameren Ausstieg aus der Kernenergie gestimmt, sollten sich durch einen schnellen Ausstieg die Strompreise zu stark erhöhen. Selbstverständlich wissen die Bürger auch, dass höhere Strompreise für Betriebe und Unternehmen auch höhere Preise für Produkte und Dienstleistungen nach sich ziehen. Höhere Strompreise führen dazu, dass Arbeitsplätze in kleineren und mittleren Betrieben gefährdet sind, größere Betriebe ihre Standorte ins Ausland verlagern, gleichzeitig aber die Lebenshaltungskosten steigen und immer mehr Menschen in die Armut getrieben werden. Die Energiewende führt auch zu drastischen Mietsteigerungen, die als Problem nicht nur bei einkommenschwachen Schichten, sondern längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist und als Hebel zur brutalen Umverteilung des Volkseinkommens verstanden wird.

Kritik an dem Erneuerbaren Energien Gesetz (EEG) bei SPD, BDI und IG BCE

Die Kritik an dem Erneuerbaren Energien Gesetz (EEG) ist bei SPD, BDI und IG BCE gewachsen.

“Derzeit gelten die Erneuerbaren als die Guten, und die großen Energiekonzerne sind die Bösen. Das ist Quatsch”, sagte der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Michael Vassiliadis.

Deshalb sollte man sich ohne Voruteile die Pläne im Einzelnen ansehen. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) legte in der letzten Woche einen Plan mit umfassenden „Handlungsempfehlungen“ für die Energiewende vor. Das Handelsblatt nennt die Kernpunkte: “Damit ausreichend fossile Kraftwerke am Netz bleiben, soll zunächst eine „strategische Reserve“ eingerichtet werden, später sollen Kapazitätsmärkte geschaffen werden. Für neue Windräder oder Photovoltaikanlagen soll es künftig keine festen Einspeisevergütungen mehr geben. Die Betreiber müssten den Strom dann selbst verwerten und erhielten zusätzlich eine Prämie, die sie ersteigern müssen.” Der Masterplan kann beim Handelsblatt kostenpflichtig heruntergeladen werden (0,99 Euro).

Auf der 12. EWI/F.A.Z.-Energietagung forderte der BDI-Hauptgeschäftsführer Dr. Markus Kerber am 3. September 2013, das energiepolitische Dreieck aus Klimaschutz, Wettbewerbsfähigkeit und Versorgungssicherheit auszubalancieren: “Unser gesamtes heutiges Wirtschaften ist abhängig von einer stabilen und wettbewerbsfähigen Energieversorgung.”

Auszug der Rede des BDI-Hauptgeschäftsführers Dr. Markus Kerber ↓↑

„Meine Damen und Herren,
Energie ist eine der wesentlichen Lebensadern einer industrialisierten Gesellschaft. Industrie und Industriegesellschaft sind nur mit Energie möglich. Erst die Erfindung der Dampfmaschine hat unsere heutige Industriegesellschaft erschaffen. Davor waren wir eine aus Energiemangel verarmte agrarische Klassengesellschaft. Unser gesamtes heutiges Wirtschaften ist abhängig von einer stabilen und wettbewerbsfähigen Energieversorgung. Dies gilt vor allem für die Industrie auf den verschiedenen Stufen der Wertschöpfungskette und in den verschiedenen Branchen. Energie ist dabei für uns ein immer wichtiger werdender Faktor im sich ständig intensivierenden internationalen Wettbewerb. Entwicklungen auf den globalen Energie- und Rohstoffmärkten auf der einen Seite und im Rahmen unserer Energiewende zu Hause auf der anderen Seite spiegeln sich bei uns als Exportriese direkt in den Bilanzen der Unternehmen wieder. Es ist daher wichtig, dass wir genau verfolgen, was sich in der Welt tut und wie globale Entwicklungen unsere Stellung in dieser Welt betreffen.
[…]
Nach der Bundestagswahl muss die Politik in Berlin und Brüssel gemeinsam mit den Nichtregierungsorganisationen von Industrie und Wirtschaft, sowie von Umwelt und Klimaschützern und Verbrauchern einen „new deal“ in der Energie- und Klimapolitik vereinbaren. Einen „new deal“, der die globalen Verschiebungen genauso berücksichtigt wie die Notwendigkeit, in Europa klimafreundlich neues, starkes Wachstum zu erzeugen, das Arbeitsplätze und Einkommen schafft, um die Wirtschaftskrise Europas zu beenden. Das wird schwer, aber mit Vernunft und gutem Willen und dem Wissen des EWI wird es zu schaffen sein.“

Quelle: http://www.energiewende-richtig.de/#overlay=meinung/markus-kerber-new-deal-fuer-energie-und-klimapolitik

Die ganze Rede vom 3. September 2013 finden Sie KOSTENLOS unter dem Link.

Hans-Josef Fell, der energiepolitische Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, hat auf den Masterplan des BDI negativ reagiert. “Er wirft dem BDI vor, nur die Interessen seiner Mitglieder RWE und E.ON im Blick zu haben, die vor allem Kohle- und Kernkraftwerke betreiben. Mit seinen Empfehlungen, so Fell, fordere der BDI ein Ende des Klimaschutzes in Deutschland”, berichtet der Deutschlandfunk.
Hans-Josef Fell war von 2005 bis 2011 Vizepräsident von EUROSOLAR und mehrere Jahre Geschäftsführer der Hammelburger Solarstromgesellschaft.
Ergänzung: Hans-Josef Fell wurde nicht wieder in den Bundestag gewählt. > Video

In der rot-grünen Düsseldorfer Landesregierung läge bereits ein Konzept zur Energiewende “in der Schublade”, heißt es. Dieses werde sofort vorgelegt, sollte es in Berlin zu einer Großen Koalition kommen. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft habe ihren Wirtschaftsminister Garrelt Duin (beide SPD) bereits instruiert, dass dies eines der ersten Themen sei, die es in Berlin zu bearbeiten gebe. Wir werden sehen.

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Kritik an EEG wächst bei SPD, BDI und IG BCE

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück will “die wirtschaftliche Wohlstandsbasis hier in Deutschland nicht in Frage stellen: nämlich die industrielle Wertschöpfungskette” und geht zu den Grünen in der Energiefrage auf Distanz.

Der BID fordert ein Moratorium und hat drastische Maßnahmen angekündigt, sollte die Förderung der Erneuerbaren Energien in Milliardenhöhe nicht gestoppt und ein tragfähiges Gesamtkonzept vorgelegt werden.

Auch der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Michael Vassiliadis, fordere eine schnelle Reform des EEG, berichtet die FAZ. Gegenüber der Zeitung Welt sagte Vassiliadis: “Die Kosten explodieren, das Stromnetz ist instabiler und die Belastungen sind sozial ungerecht verteilt. Deshalb gibt es nach der anfänglichen Euphorie nun eine Katerstimmung. Trotzdem wird die Energiewende noch immer von zu vielen in der Politik romantisch verklärt.” Derzeit gelten die Erneuerbaren als die Guten, und die großen Energiekonzerne sind die Bösen. Das ist Quatsch”, sagte Vassiliadis.

 

 

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Vom “Grünen Jobwunder”

Das Institut für Ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW)* hat im Auftrag von Greenpeace den Effekt der erneuerbaren Energien auf die Zahl der Arbeitsplätze untersucht. 2012 hingen nach Berechnungen des IÖW bundesweit insgesamt 377.800 Personen direkt (mit der Herstellung der Anlage oder einzelner Komponenten, ihrer Installation und dem Betrieb der EE-Anlagen) oder indirekt (durch die Brenn- und Kraftstoffbereitstellung, inklusive dem Anbau von Energiepflanzen, Arbeitsplätze im Bereich der öffentlich geförderten Forschung und Verwaltung), mit den erneuerbaren Energien zusammen.

Eine neue Studie des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) warnt jedoch vor undifferenzierten und vorschnellen Erwartungen an eine „Green Economy“ in Deutschland. Autor der Studie ist Nico Pestel, stellvertretender IZA-Programmdirektor für Umwelt und Beschäftigung.

  • 60 bis 70 Prozent der Jobs in diesem Bereich seien durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gefördert und somit stark abhängig von der Subventionierung durch die privaten und gewerblichen Stromverbraucher.
  • Im Verhältnis zur Gesamtbeschäftigung falle der Anteil mit weniger als einem Prozent allerdings verschwindend gering aus. Der erwartete Ausbau auf 500.000 bis 600.000 Jobs im EE-Sektor bis 2030 sei kein Grund zur Euphorie: “Ich halte die Euphorie, wie sie von interessierter Seite an den Tag gelegt wird, für deutlich überzogen. Ich glaube nicht, dass Green Jobs auf absehbare Zeit für ein Beschäftigungswunder sorgen werden”, sagt Pestel.
  • Pestel: Die jüngsten Erfahrungen in der Photovoltaik-Branche zeigen, dass Annahmen über die künftige Marktentwicklung mit großer Unsicherheit behaftet sind.
  • Es fehlen zuverlässige Zahlen darüber, wieviele Arbeitsplätze durch die erneuerbaren Energien ersetzt werden oder ganz wegfallen.

Was ist “grüne Beschäftigung”?

Von Politik und Medien wird vielfach auf einen Zuwachs von einer Million “grüner Jobs” verwiesen. Diese Zahl stammt aus einer Untersuchung der Unternehmensberatung Roland Berger, die für das Umweltministerium durchgeführt wurde. Aus der Analyse gehe nicht hervor, auf welchen Annahmen diese Prognose beruht und welches Szenario sie voraussetzt, kritisiert Pestel: “Beim Thema Green Jobs besteht großer Forschungsbedarf, wir stehen noch ganz am Anfang.” Vor allem fehle es an einer eindeutigen, international vergleichbaren Definition von “grüner Beschäftigung” und an verwertbaren Mikrodaten. Außerdem sei es wichtig, auch die Netto-Bilanz zu betrachten: “Es geht nicht nur darum, wie viele Jobs in einer Green Economy geschaffen werden. Wir müssen gleichzeitig untersuchen, wie viele dadurch ersetzt werden oder ganz wegfallen.”

Der Verlust von Arbeitsplätzen

Viele Arbeitsplätze in kleinen und mittleren Betrieben sind durch die Strompreiserhöhungen bedroht und werden ihr möglicherweise zum Opfer fallen. Ein Beispiel:

Michael Trapp (kunstst…) – 20.08.2013 22:09 Uhr, Kommentar zu einem Artikel von Sven Astheimer in der FAZ, 18.08.2013

Arbeitsplatzvernichtungsprogramm Ökostrom

Die Studie und Sven Astheimer greifen leider viel zu kurz. Das EEG entwickelt sich zur größten wirtschaftlichen Katastrophe in Deutschland nach dem Untergang der ehemaligen DDR.
Es ist mir ein Rätsel, weshalb die Kollateralschäden in der gesamten Deutschen Volkswirtschaft nahezu ausgeblendet werden. Die mehr als 13 Mrd. Euro EEG-Umlage in 2012 mussten von allen anderen Stromverbrauchern aufgebracht werden und entziehen ihnen Betriebsmittel. Alleine in meinem Unternehmen der kunststoffverarbeitenden Industrie mit ca. 6 Mio. € Jahresumsatz betrugen die Kosten für EEG- und KWK-Umlage sowie Stromsteuer rund 50.000 €. In diesem Jahr rechnen wir mit ca. 80.000 € und im kommenden Jahr werden wir wohl 120.000 € an die Ökostromer abführen müssen. Das entspricht dann den Kosten von 2 bis 2½ Produktionsmitarbeitern oder einer neuen Mischanlage.
Das EEG raubt unser Industrie die Luft zum atmen; es erdrosselt sie Schritt für Schritt und zerstört mit ihr auch die Sozialstruktur unseres Landes.

*Das Berliner Institut für ökologische Wirtschaftsforschung GmbH ist gemeinnützig und arbeitet zu Themen nachhaltiger Unternehmensführung, klimaschonender Energiesysteme, neuer Technologien oder nachhaltigen Konsums.

**Das IZA ist ein privates, unabhängiges Wirtschaftsforschungsinstitut und betreibt nationale wie auch internationale Arbeitsmarktforschung. Als gemeinnützige GmbH wird es durch Wissenschaftssponsoring der Deutsche Post-Stiftung gefördert. Die Erforschung der Arbeitsmärkte betreibt das IZA in enger Kooperation mit dem wirtschaftswissenschaftlichen Fachbereich der Universität Bonn, an der IZA-Direktor Klaus F. Zimmermann als Professor für Volkswirtschaftslehre tätig ist. Zimmermann ist Direktor des IZA.

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Gutachten der Monopolkommission zur Energiewende

Die Monopolkommission* hat ihr Gutachten zur Energiewende am 5.9.2013 herausgegeben: „Energie 2013: Wettbewerb in Zeiten der Energiewende“. Die Kommission empfiehlt das Ende der Einspeisevergütung und stattdessen Quotenvorgaben für die erneuerbaren Energien. Aus Sicht der Monopolkommission leidet die Energiewende aktuell unter einer fehlenden Wettbewerbsorientierung. Sie fordert deshalb eine deutlich wettbewerbskonformere Ausrichtung der staatlichen Energiepolitik.
Die Monopolkommission warnt vor der voreiligen Schaffung neuer Subventionstatbestände im konventionellen Kraftwerksbereich, zum Beispiel durch sogenannte Kapazitätsmärkte. Sie warnt generell vor der Schaffung neuer Subventionstatbestände auf Kosten der Verbraucher. Schließlich stellt die Monopolkommission fest, dass aufgrund ihres sinkenden Marktanteils derzeit keine Marktbeherrschung der vier großen Stromerzeuger (RWE, E.ON, EnBW und Vattenfall) auf dem deutschen Strommarkt festzustellen sei.

Foto: Razza Mathadsa, “Naturstrom”

Die erneuerbaren Energien haben einen Marktanteil von rund 25 Prozent und lassen sich damit nicht mehr als Nischentechnologie bezeichnen. Die Integration in den Markt, wie sie von vielen Seiten gefordert wird, bedeutet, dass sie selbst die Verantwortung von normalen Marktteilnehmern übernehmen müsste. Die Monopolkommission schlägt deshalb vor, dass Ökostrom nicht mehr wie bisher ohne Mengenbegrenzung und unabhängig von der Erzeugungsart zu festgelegten Abnahmepreisen ins Netz eingespeist werden soll. Die Versorger sollen einen bestimmten, prozentualen Anteil von Ökostrom verkaufen und selbst zwischen Strom aus Wind, Wasser oder Solarkraftwerken entscheiden, die dadurch zueinander im Wettbewerb stehen. Dadurch werde den Marktkräften wieder mehr Raum für die Suche nach den effizientesten und kostengünstigsten Lösungen für den Umbau des Energiesystems zu lassen, erklärte der Generalsekretär des Wirtschaftsrates der CDU e.V., Wolfgang Steiger: “Subventionsspeck muss weg: Mehr Markt für eine erfolgreiche Energiewende!” Der Subventionsmentalität könnte durch die Quotenregelung ein Riegel vorgeschoben werden.

Zurzeit tragen die Verbraucher die Kosten der Vollsubventionierung der erneuerbaren Energien, die sich inzwischen auf rund 21 Milliarden Euro jährlich summieren. Hinzu kommen die Kosten für den EEG-bedingten Ausbau der Netze, das Umlagesystem für die Offshore-Haftung. Weitere staatliche Aufschläge auf die Energiepreise könnten durch die Forderungen nach neuen Umlagesystemen zur Subventionierung von Energieeffizienzmaßnahmen oder für die Errichtung von konventionellen Kohle- und Gaskraftwerken, die neuerdings erhoben werden, entstehen.

Kritik an den Vorschlägen der Monopolkommission

Greenpeace lehnt eine “Zubaubremse” bei erneuerbaren Energien ab und fordert eine gleichmäßige Umverteilung der Energiewendekosten auf alle Stromverbraucher. Ökostrom soll weiter ohne Ansehen der Erzeugungsart zu fixen Preisen eingespeist werden. Andernfalls werde voraussichtlich die billigste erneuerbare Energie, nämlich Onshore-Windkraft, erhebliche Marktanteile gewinnen. Außerdem fordert Greenpeace, dass die Einspeisungen von Klein- und Kleinsterzeugern nicht zum Erliegen kommen dürfe.

Bei SPD, Grünen und auch bei der Union trifft das Modell der Monopolkommission auf Ablehnung. Die FDP will Unterziele für einzelne Ökostrom-Arten im Quotenmodell, beispielsweise für Offshore-Strom, denn im reinen Quotenmodell hätte dieser keine Chance.


*Die Monopolkommission ist ein unabhängiges, fünfköpfiges Gremium, das Bund, Länder und Kommunen in Fragen des Wettbewerbs berät. Zu ihren gesetzlich festgelegten Aufgaben zählt unter
anderem die Erstellung eines Sondergutachtens, das die Wettbewerbsentwicklung auf den Strom- und
Gasmärkten untersucht. Die Mitglieder werden auf Vorschlag der Bundesregierung durch den Bundespräsidenten berufen. Vorsitzender der Monopolkommission ist Prof. Dr. Daniel Zimmer von der Universität Bonn.
Die Gutachten der Monopolkommission haben laut dem Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) informatorischen und beratenden Charakter.

  • Pressemitteilung mit politischen Handlungsempfehlungen [PDF]
  • Empfehlungen für eine erfolgreiche und effiziente Verwirklichung der Energiewende (Auszug aus dem Sondergutachten) [PDF]
  • Gutachten im Volltext [PDF]

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Blackout – Nur eine Drohung?

Bundesumweltminister Peter Altmeier wurde vor einem Jahr gefragt, ob uns eine Blackout-Welle drohe. Altmaier antwortete: “Nein. Wir sorgen für genügend Reservekapazitäten. Deshalb bin ich sicher, dass die Netzbetreiber alles tun werden, um Stromausfälle zu vermeiden.”
Fachleute sind sich einig: Ein Blackout droht jetzt vor allem durch die nicht regulierte große Menge der eingespeisten erneuerbaren Energien.

Blackouts – Die Gefahr wird unterschätzt

Bad Nauheim, 2013

Vor einigen Wochen fiel in der Wetterauer Kurstadt Bad Nauheim der Strom aus. Ausgelöst wurde der Stromausfall durch einen Bagger, der bei Bauarbeiten ein Hauptkabel erwischte. Eigentlich kein Problem für das angeblich weltweit sicherste und stabilste Stromnetz, sollte man meinen. “Jedes Stromsystem in Deutschland verfügt über mindestens eine Ersatzleitung, die zugeschaltet werden kann“, erklärte der Leiter des Netzbetriebes bei der Oberhessischen Versorgungs-AG (Ovag) gegenüber der Taunus-Zeitung. In diesem Fall versagte aber das “kompensierende Netzsystem”, weil die Ersatzleitung, die jetzt das 1,7-fache hätte leisten müssen, wegen bis dahin unbemerkter Altschäden ausfiel. Dies führte zum Kollaps. Das Unternehmen hatte pro Jahr fünf Millionen Euro in die Erneuerung seiner Infrastruktur gesteckt, davon zwei Millionen ins Stromnetz.

Ob die großen unterirdischen Stromleitungen einer zusätzlichen Belastung wirklich standhalten können, ist fraglich. Die Haltbarkeit wird theoretisch auf etwa 50 Jahre geschätzt. Viele Leitungen datieren aus den 70er und 80er Jahren, so dass Schäden, die über Jahrzehnte unbemerkt blieben, jederzeit zum Zusammenbrechen der Stromversorgung führen können.

Klinikum Großhadern, München, 2012

Um Stromausfälle zu verhindern, müssen Krankenhäuser eigene Kleinkraftwerke unterhalten. Am 15. November 2012 versank ein Teil Münchens wegen eines Stromausfalls im Verkehrschaos. Das Klinikum Großhadern ist auf längere Stromausfälle vorbereitet.

Vier 20-Zylinder-Motoren können bei voller Last alle wichtigen Geräte mit Strom versorgen, allerdings keine Kühlschränke, Kaffeemaschinen, Fernseher oder Aufzüge. Die Motoren  verbrennen 3.000 Liter Diesel – pro Stunde. Vier Tage ist die Versorgung der Patienten gesichert, dann muss nachgetankt werden. Länger darf der Stromausfall nicht dauern, denn die Tankstationen funktionieren ebenfalls nicht mehr.

Die Gesamtleistung des Klinikum-Kraftwerks beträgt zehn Megawatt. Sie ist groß genug, um eine 40.000-Einwohner-Kleinstadt wie Coburg, das saarländische Völklingen oder Pinneberg in Schleswig-Holstein zu versorgen, sagt der stellvertretende Leiter der Abteilung Betriebstechnik am Klinikum Großhadern.

Insgesamt dauerte der Blackout in München etwa eine Stunde. In den Medien wurde er als „größter Stromausfall seit 20 Jahren“ gewertet. Stromausfälle von sehr langer Dauer seien in Deutschland “undenkbar”, meint das Internetmagazin netdoktor.de. Das ist falsch. Es gab sie bereits.

Besteht tatsächlich die Gefahr eines Blackouts in Deutschland?

Der Leiter der Abteilung Notfallvorsorge, Kritische Infrastrukturen, Internationale Angelegenheiten beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Wolfram Geier, meint, dass die Wahrscheinlichkeit von Stromausfällen auch in Deutschland in den letzten Jahren angestiegen sei.

Die Gründe für größere oder große Blackouts seien mannigfaltig: “Erhöhte technische Komplexität, hohe Schwankungen in der Belastung der Netze, hoher Abstimmungs- und Regelungsbedarf in Verbindung mit Naturgefahren, menschlichem und/oder technischem Versagen oder böswillige Eingriffe in die Systeme durch Sabotage, Hacking etc.” Der zunehmende Energiemix aus fossilen, regenerativen und nuklearen Energieträgern kommt hinzu. Er brauche “ein optimal abgestimmtes Zusammenspiel im Gesamtsystem der Stromerzeugung und des Stromverbrauches”.

Auf die Frage, ob tatsächlich die Gefahr eines Blackouts in Deutschland bestehe, antwortete er, dass ein Blackout in einzelnen Regionen Deutschlands jederzeit auftreten könne, “so wie wir dies für Minuten und Stunden in den letzten Jahren schon öfters und für mehrere Tage im Münsterland immerhin einmal erlebt haben.”

Blackouts können sich aber auch über eine Region hinaus ausweiten, “z. B. aufgrund von kaskadierenden Effekten.”  Der Anstoß dafür könnte gegeben sein, “wenn das hiesige Übertragungsnetz aufgrund von Stromverbrauch oder Transferleistungen bereits an seiner Belastungsgrenze angekommen ist und sich parallel dazu aufgrund von technischen Störungen, schweren Naturereignissen oder einem gezielten Hacking weitere schwerwiegende Probleme ergeben, die zu einem Zusammenbruch des Übertragungsnetzes führen. Aber auch menschliches Versagen oder Kommunikations- und Abstimmungsfehler können dazu führen, dass der Strom ausfällt.”Als Beispiel nennt Wolfram Geier einen Stromausfall 2006, “bei dem neben Teilen von Deutschland auch Teile zahlreicher anderer europäischer Länder betroffen waren, weil es im Zuge einer geplanten Abschaltung einer Höchstspannungsleitung über den norddeutschen Fluss Ems zu Kettenreaktionen und Netzzusammenbrüchen kam.”

Der Überfluss an Strom durch die unbegrenzte Möglichkeit zur Einspeisung von Ökostrom in das Stromnetz könnte derzeit also einen Blackout auslösen, kämen uns nicht Nachbarländer zu Hilfe, die den von uns allen durch die Einspeisevergütung bezahlten überflüssigen Strom zu extrem günstigen Konditionen aufnehmen – solange sie dadurch nicht ihr eigenes Stromversorgungssystem gefährden.

Unter diesem Aspekt ist die Zielsetzung der Grünen, die eine Verdoppelung des Anteils der erneuerbaren Energien bis zum Jahre 2020 anstreben, um damit die Energiekonzerne unter Druck zu setzen und der ökologischen Energieindustrie einen Wetbewerbsvorteil zu verschaffen, ein Spiel mit dem Leben vieler Menschen. Wer übernimmt die Verantwortung für einen Blackout und wer die Kosten?

Das Energiekonzept der Grünen sieht neben einer Besiegelung des Endes der Atomkraft auch eine Rückführung der Stromgewinnung aus der Kohle vor. “Wir müssen dafür sorgen, dass CO2 einen vernünftigen Preis hat”, sagte Trittin. Damit würde insbesondere der Betrieb ineffizienter Altanlagen sinnlos. Den “vernünftigen Preis” bezahlen letztendlich die Verbraucher – wenn sie können.

Die Folgen eines Blackouts herunterzuspielen ist verantwortungslos.

Beim mehrtägigen Stromausfall im Münsterland 2005 sei von Panik nichts zu merken gewesen, berichteten die Medien. Nachbarschaftliche Hilfe und Zusammenwirken haben in der ländlichen Region vorgeherrscht. Dieses Verhalten lässt sich aber nicht unbedingt auf andere Regionen, erst recht nicht auf Städte übertragen.

Bei dem 20-stündigen Stromausfall Anfang Juli 2013 brach in Bad Nauheim das Chaos aus, berichtet die Taunus-Zeitung. “Firmen legten die Produktion nieder, Banken mussten schließen, Supermärkte haben ihre Kühlprodukte verschenkt. Krankenhäuser mussten sich auf Evakuierungen vorbereiten, drei Menschen blieben im Fahrstuhl stecken, die Polizei fuhr Streife, um Plünderungen zu verhindern.

Noch komplizierter dürfte die Lage in Großstädten werden. “Dies vor allem dann, wenn es durch den langeanhaltenden Stromausfall zu Versorgungsengpässen mit wichtigen Grundnahrungsmitteln kommt, ausbrechende Brände und Unfälle ihren Teil dazu beitragen, dass die Situation als unhaltbar bzw. unmittelbar lebensbedrohlich empfunden wird und Menschen in dieser Extremsituation unüberlegt handeln, ggf. sogar plündern. In solchen Fällen wäre die öffentliche Sicherheit und Ordnung massiv bedroht”, befürchtet Wolfram Geier Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.

Die Gesetzeslage

Das deutsche Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien (Erneuerbare-Energien-Gesetz, EEG) regelt die bevorzugte Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Quellen ins Stromnetz und garantiert deren Erzeugern feste Einspeisevergütungen.  Das EEG wurde im Jahr 2000 beschlossen. Es ist 2004 und 2009 durch Neufassungen angepasst worden. 2011 sind umfassende Novellierungen beschlossen worden, die überwiegend 2012 in Kraft getreten sind. https://www.juris.de/purl/gesetze/_ges/EEG

Falsche Hoffnungen

Die Energiekonzerne wären keine Konzerne, wenn sie nicht ihre Möglichkeiten zur Realsierung von Gewinnen bis auf das letzte Tüpfchelchen ausrechnen würden. Sie haben mehrfach vor einem Blackout gewarnt. Nichts ist passiert – und niemand glaubt ihnen mehr.

100%ige Anhänger der erneuerbaren Energien fühlen sich dadurch ermutigt, dies als Angstmacherei der Energiekonzerne zu sehen. Jürgen Döschner, WDR, meint, dass die “Vertreter der alten Energiewelt jetzt alle Register ziehen”, gegen die “neue Energiewelt”, weil diese dezentral sei und überwiegend in der Hand von Privatleuten, Landwirten, Genossenschaften oder Stadtwerken liege.

Ein drohender Blackout wird deshalb von Döschner nicht ernst genommen. “Blackout” sei die “ultimative Allzweckwaffe, mit der schon vor Jahren versucht wurde, den Menschen Angst zu machen”, meint Döschner. Er irrt sich. Denn “im Kampf um die Neuausrichtung der Energielandschaft” mögen die Erneuerbaren zwar immer weiter aufholen, aber, wie Jeremy Rifkins sagte, die Stromproduktion sei eine Angelegenheit der Verlierer, das Management und die Netzwerkarbeit dagegen eine Angelegenheit der Sieger, womit er die Stromkonzerne meinte.

Vorsorge

Einzelne Personen, aber auch Betriebe, öffentliche Einrichtungen und Verwaltungen können für den Notfall vorsorgen. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) hat verschiedene Ratgeber und Leitfäden für Unternehmen und Verwaltungen  und für die private Vorsorge der Bevölkerung entwickelt. Dazu gehören der sehr praktische und anschauliche Ratgeber „Für den Notfall vorgesorgt“, der wichtige Tipps zu den Themen Notvorräte, Verhalten und weitergehende Informationen enthält. Die Materialien können kostenlos über die Homepage des BKK heruntergeladen werden.

Erich Boson

Foto oben: Scott Rubin

 

Zu dem Thema:

Blackout

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