Küchenphysik vom WDR oder: Wie man die Angst bei Laune hält

Angst verfliegt durch Aufklärung, Phobien sind hartnäckig, sie verschwinden manchmal nur mit Hilfe von Therapien. Nichts wäre schlimmer für Gegner der Kernenergie als der Verlust der Angst vor radioaktiver Gefahr. Das brächte Weltbilder zum Schmelzen. In gewissen Abständen wird deshalb immer wieder die Gefahr eines atomaren GAUs beschworen. Mal ist es ein Nagel in der Betonwand eines Reaktors, wo er nicht hingehört, mal sind es Risse, oder es sind die Notkühlwasser. Dass vielen Menschen durch die Nuklearmedizin das Leben gerettet wurde, dass jede Industrie Gefahren birgt, zum Teil größere, als das Risiko durch einen GAU zu sterben oder durch radioaktive Strahlen an Krebs zu erkranken, dass bis zu 40.000 Menschen jährlich durch Krankenhauskeime ihr Leben verlieren, ist für fundamentale Kernenergiegegner im Vergleich zu den Risiken von Kernkraftwerken ohne Bedeutung, obwohl kein Industriebauwerk besser bewacht, besser kontrolliert und transparenter sein dürfte. Die Relationen sind längst verloren gegangen, wie auch jetzt wieder beim Thema Vorheizen des Notkühlwassers.

ghost-156969_640In seiner jüngsten Kritik an Kernkraftwerken vermutet der für WDR und ARD tätige Journalist Jürgen Döschner, dass in zahlreichen Atomkraftwerken in Europa übermäßige Alterung und Materialfehler die Stabilität der Reaktordruckbehälter beeinträchtigen. Nach Recherchen von WDR und “Süddeutscher Zeitung” (SZ) sei in mindestens 18 aktiven Atomreaktoren in Tschechien, Belgien, Frankreich, Finnland und der Slowakei das Notkühlwasser auf bis zu 60 Grad Celsius vorgeheizt worden. Dadurch solle offenbar das Risiko verringert werden, dass der stählerne Reaktordruckbehälter reißt, wenn er bei einem Störfall mit zu kaltem Wasser gekühlt wird. Die Folge eines solchen Bruchs könnte eine Kernschmelze sein, sagt Döschner.

 

Dr. Anna Veronika Wendland erläutert, was dran ist am neuesten nuklearen Aufreger.

Die Historikerin Dr. Anna Veronika Wendland, Herder-Institut in Marburg, forscht zur Geschichte von Atomstädten und kerntechnischen Sicherheitskulturen. Ab und zu arbeitet sie dafür auch in Kernkraftwerken. Diesen Artikel hat sie zwischen zwei Spätschichten im KKW Grohnde im schönen Weserbergland geschrieben.

Breaking News: Wenn ich eine heiße Auflaufform aus dem Ofen nehme und sie kalt abschrecke, kann sie springen. Daher benutze ich warmes Wasser. WDR und Süddeutsche Zeitung haben diesen Effekt gerade entdeckt und Experten befragt, welche den sofortigen Produktionsstopp von Auflaufformen aus Glas fordern: zu gefährlich. Die Leute könnten ja fahrlässig doch kaltes Wasser wählen.

So ähnlich liest sich die angebliche Enthüllung des oben genannten Recherchenetzwerks über »marode Kernkraftwerke«, die man daran erkenne, dass ihr Notkühlwasser »offensichtlich« vorgeheizt werden müsse. Andernfalls könnten Risse im Reaktordruckbehälter entstehen. Aber wie soll man denn dann noch kühlen, wenn selbst das Notkühlwasser warm ist?

 

Physikkenntnisse? Nein danke!

Die Lösung liegt da, wo der WDR nicht gerne seine Nase hineinsteckt: in der Fachliteratur zur Kern- und Verfahrenstechnik. Bei 310 Grad Celsius mittlerer Kühlmitteltemperatur im Primärkreislauf eines Druckwasserreaktors sind auch 50 – 60 Grad Not»kühl«wasser zwar zu heiß für die Badewanne, aber nicht zu warm für einen Kernreaktor nach seiner Abschaltung. Dieses Wasser nimmt im Notkühlfall – wenn also ein Leck überspeist werden muss oder aus anderem Grunde die übliche Wärmeabfuhr über die Dampferzeuger nicht genutzt werden kann – immer noch genügend Wärme zur Abfuhr der Nachwärme aus dem Reaktorkern auf. Sie wird vom Notkühlsystem über Zwischen- und Nebenkühlsysteme weiter abgeführt.

Ich warte darauf, dass der WDR Anstoß an der Bezeichnung »Kühlmittel« für das Primärkreislaufwasser im Normalbetrieb nimmt, da eine Temperatur von mehr als 300 Grad doch nicht mehr als kühl zu bezeichnen seien. Und genau hier treffen wir auf ein Grundproblem unserer Berichterstattung: Menschen ohne solide physikalisch-technische Wissensbasis holen sich Experten, die ihnen nach dem, wie sie finden, kritischen Munde reden, und bringen das Ergebnis dann als alltagssprachliche Küchenlogik unters Volk. Denn gegen Kernkraftwerke zu sein entspricht in dieser Logik ja auch, auf der guten Seite zu sein, auf der Seite der kritisch-nachfragenden Neinsager nämlich.

Jedoch sind es eigentlich Jasager, mit denen wir es zu tun haben: Jasager im Mainstream des Antiatom-Diskurses. Denn bis heute gehört der nukleare Alarmismus und das Schwarz-Weiß-Denken der 1980er zum guten Berichtston, obwohl die Kerntechnik längst über den Stand dieser Zeit hinaus ist – und der Lieblingsfeind, die deutsche Atomlobby, längst das Zeitliche gesegnet hat. Unsere Atom-Alarmisten hängen zudem der Doktrin an, derzufolge nur eine hundertprozentig risikofreie Technologie akzeptabel sei. Gibt es ein Risiko? Dann wäre diese Technologie besser nie in die Welt gekommen.

In unseren Redaktionen, deren kerntechnische Grundkenntnis sich in der Regel auf die Schullektüre von Gudrun Pausewangs Nuke-Porns für den bundesdeutschen Opferdiskurs beschränkt, reicht daher die Nachricht vom Notkühlwasser, das gar nicht kalt ist, für die Auslösung des nuklearen Notstands.

 

Worum es wirklich geht

Kernquerschnitt eines VVER-440-Reaktors mit Dummie-Brennelementen (grau) an den Außenpositionen nahe der Druckbehälterwand

Kernquerschnitt eines VVER-440-Reaktors mit Dummie-Brennelementen (grau) an den Außenpositionen nahe der Druckbehälterwand

Worum es dabei wirklich geht: Bei erhöhter Versprödung des Stahls infolge Neutronenbeschusses ist die Vorwärmung des Notkühlwassers in vielen Anlagen eine normale Vorkehrung, so im östlichen Europa, wo die Kernkraftwerke mit VVER-Druckwasserreaktoren sowjetischer Bauart ausgerüstet sind. Aufgrund eines (im Vergleich zu den heute bei uns laufenden Konvoi- und Vorkonvoi-Anlagen) schmäleren Wasserspalts zwischen Reaktorkern und Druckbehälterwand ist insbesondere in den VVER-440-Anlagen die Neutronenfluenz und damit auch die Versprödungsgeschwindigkeit höher. Wer sich zur materialwissenschaftlichen Seite dieser Problematik detaillierter informieren möchte, dem sei der Beitrag der Nuklearia zum Fall der belgischen Anlagen Tihange und Doel (»Belgische Rissreaktoren«) empfohlen.
Es gibt in solchen Fällen höher versprödeter Komponenten mehrere Möglichkeiten, Abhilfe zu schaffen: materialschonende Fahrweisen der Anlage, eine spezifische Beschickung des Reaktorkerns mit Brennelementen, und Maßnahmen zur Regenerierung des Reaktordruckbehälters. In Osteuropa werden alle drei Ansätze verfolgt: Man beheizt die Flutbehälter für das Notkühlsystem, man stellt auf die Außenpositionen im Reaktorkern Brennelement-Dummies aus Stahl, die die Strömungseigenschaften des Kerns erhalten, aber den Neutronenbeschuss des Druckbehälterstahls verringern, und man regeneriert den Reaktorstahl.

Wie regeneriert man einen Reaktordruckbehälter? Das ist eine wichtige Frage, denn der Reaktordruckbehälter (RDB) ist eine der wenigen Komponenten eines Kernkraftwerks, die nicht redundant, das heißt, in mehrfacher Ausführung vorhanden sind. Seine Integrität ist folglich das K.O.-Kriterium für die Laufzeit der Anlage. Daher werden in älteren osteuropäischen Anlagen die Reaktordruckbehälter einer sogenannten Wiederholungsglühung unterzogen. Der Reaktor wird entladen, und an das leere Druckgefäß wird ein Aggregat montiert, das den Behälterstahl für rund 150 Stunden auf eine Temperatur von ca. 475 Grad Celsius bringt. Diese Wärmebehandlung erneuert die kristallinen Binnenstrukturen des Werkstoffs, welche durch den Neutronenbeschuss verändert wurden, was zur Versprödung und damit höherer Empfindlichkeit für Temperaturschocks geführt hatte. Die Wiederholungsglühung beseitigt diesen Effekt und stellt das ursprüngliche Elastizitätsverhalten wieder her.

Osteuropa hat also eigentlich eine gute Strategie zur Erhöhung der Komponentensicherheit gefunden – was natürlich gar nicht zu den von deutschen Journalisten in solchen Zusammenhängen gerne produzierten Klischees von instabilen Staaten, autoritärer Herrschaft und maroden Industrieanlagen passt.

Eigentlich ist das Gegenteil der Fall: Während sich westliche Betreiber mit den anlagenschonenden Ansätzen begnügen – so z.B. im Falle des inzwischen stillgelegten schwäbischen KKW Obrigheim – geht Osteuropa unter russischer Technologieführerschaft seit Jahren neue Lösungswege, und – auch nicht unwichtig – setzt zudem in Neubauten sicherheitstechnisch fortgeschrittene Reaktorkonzepte in die Tat um.

Anlagenschonende Ansätze wiederum sind kein Ausweis für die Instabilität eines Systems. Es gibt sie überall in der Verfahrenstechnik. Man wärmt Systeme vor oder schaltet sie auf eine bestimmte Weise, um beispielsweise Kondensationsschläge in Rohrleitungen oder Materialschäden durch zu steile Temperaturgradienten zu verhindern. Niemand würde auf die Idee kommen, solche Anlagen in der Chemieindustrie oder auch in Kohle- und Gaskraftwerken nicht mehr zu betreiben, weil es ohne schonende bzw. vorgeschriebene Fahrweise zu Problemen kommen könnte.

Die Experten, die vom WDR befragt wurden, sehen das anders – denn sie können gar nicht anders. Sie sind auf jener Linie, dass nur ein nie gebautes KKW ein sicheres sei, und haben als Gutachter von Ökoinstituten und als Ministeriale unter Rot-Grün diese Politik in Berichte und Rechtstexte umgesetzt. Da kann man auch die AfD als alleinige Experten für Migrationspolitik anhören – aber diese Reportage muss erst noch geschrieben werden.

 

Die wahre Enthüllung wartet noch

All den Alarm-Experten sei jedoch versichert: Die wirkliche Enthüllung wartet noch auf einen aufmerksamen Rechercheur – jene über die akut drohenden Versorgungs- und Umweltrisiken im Zuge einer fehlgeplanten Energiewende, an der die Öko-Experten gut mitverdienen.

Die 25 Milliarden Euro pro Jahr, welche dieses Experiment am offenen Energieherzen unserer Industriegesellschaft kostet, wären anderweitig besser investiert. Denn man kann Europas alternden Reaktorpark entweder durch Kohlekraft und Chaos ersetzen, wie es Deutschland macht, oder durch bessere Kernkraftwerke.

Dr. Anna Veronika Wendland

 

Dr. Anna Veronika Wendland ist Osteuropa-Historikerin und Forschungskoordinatorin am Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung in Marburg. Sie forscht zur Geschichte von Atomstädten und nuklearen Sicherheitskulturen in Ost- und Westeuropa, unter anderem auch im Zusammenhang des transregionalen Sonderforschungsbereiches SFB-TRR 138 »Dynamiken der Sicherheit« der Universitäten Marburg und Gießen sowie des Herder-Instituts, in dem es um Versicherheitlichungsprozesse von der Antike bis zur Jetztzeit geht. Sie ist Vorstandsmitglied des Nuklearia e. V.

 

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Rolls Royce plant eine neue Generation von Mini-Kernreaktoren auch für den Export

Mit einer neuen Generation von Mini-Kernreaktoren könnte Großbritannien 40.000 hoch qualifizierte Arbeitsplätze schaffen und für die britische Wirtschaft Hunderte von Milliarden durch den Export generieren, sagt Rolls-Royce. Die britische Regierung hatte einen Wettbewerb mit über  250 Millionen Pfund unterstützt, um “kleine modulare Reaktoren” (SMRs) zu entwickeln. Außer Rolls-Royce nahmen die amerikanische NuScale Power, der französische EDF und das chinesische Nuklearunternehmen CNNC an dem Wettbewerb teil, berichtet The Telegraph.

Mini-Kernkraftwerke – Small and Medium Sized Reactors (SMRs)

Die Regierung vertrete die Auffassung, dass diese Mini-Kernkraftwerke lebenswichtig für die Sicherung der zukünftigen Energieversorgung in Großbritannien sein könnten, ebenso für die Ziele des Klimawandels, berichtet The Telegraph. Ihre Größe betrage etwa ein Zehntel der Größe eines konventionellen Kernkraftwerks, also etwa zehn Fußballfelder.

Rolls-Royce hat seit über 50 Jahren Erfahrung mit Nuklearantrieben für U-Boote der Marine und leitet ein Konsortium von etwa einem Dutzend Unternehmen, die sich für die Entwicklung der Technologie entschieden haben. 2012 hatte der Technologie-Konzern vom britischen Verteidigungsministerium einen Milliarden-Auftrag zum Bau der nächsten Generation britischer Atom-U-Boote erhalten.

Harry Holt, Leiter des Nukleargeschäftes von Rolls-Royce, sagte laut The Telegraph, dass ihr Vorschlag sehr stark an britischen Interessen ausgerichtet sei. Man rede hier von hochwertigem geistigem Eigentum, und der britische Inhalt sei sehr hoch. Dies treffe nicht auf britische Unternehmen zu, die niedrigwertige Arbeit wie das Gießen des Betons für die Bauarbeiten verrichteten.

Die Herkunft der Wettbewerber könnte ein entscheidender Faktor für die Wahl des Gewinners sein, meint The Telegraph. Das riesige Kernkraftwerk Hinkley Point in Somerset werde von EEF mit finanzieller Unterstützung aus China gebaut, wobei der Einsatz von ausländischem Know-how und Geld politisch umstritten sei.

Die Reaktoren von Rolls sollen um 220 Megawatt (MW) Leistung erzeugen und bis 440MW skaliert werden können. Im Vergleich dazu werden von Hinkleys traditionellem Design um 3,2 Gigawatt (GW) Leistung erwartet.

Brexport

Rolls schätzt die britische Nachfrage nach SMRs auf  7GW und die des globalen Marktes zwischen 65GW und 85GB in den nächsten zwei Jahrzehnten ein. Der Gesamtwert der Anlagen liege zwischen 250 Milliarden und 400 Milliarden britische Pfund.

Die Regierung unterstütze diese Technologie, und dies sei eine Gelegenheit, um das gesamte Paradigma der Technologie von der Einfuhr von Know-how nach Großbritannien bis zu seinem Export in andere Länder zu ändern, sagte Holt. Er habe hinzugefügt, dass die Technologie bei den meisten wichtigen Märkten für KMU außerhalb Europas ein wichtiger Teil jeder “Brexport” -Kampagne sein könnte, um Handelsbeziehungen zu Ländern außerhalb der EU zu gewährleisten.

Geringe Kosten durch Massenfertigung

Das Rolls-Royce Konsortium geht davon aus, dass es 1,2 Milliarden Pfund kosten werde, um die SMR-Technologie vollständig zu entwickeln, und weitere 1,7 Milliarden, um den ersten SMR zu starten. Die Kosten werden dann voraussichtlich fallen, da sie modular in “Blöcken” in Fabriken gebaut und dann vor Ort montiert werden.

Dies bedeutet, dass sie schneller gebaut werden können, als herkömmliche “maßgeschneiderte” Designs wie Hinkley und billiger sind, da sie im Vergleich zu Hinkley Massenprodukte sind. Ihr niedriger Preis werde auch die Finanzierung erleichtern, sagt Rolls Royce.

Hinkley Point werde frühestens 2025 Strom erzeugen. Der erste SMR von Rolls-Royce könnte bis 2028 an das Energienetz angeschlossen sein, abhängig davon, wen die Regierung als Gewinner des Wettbewerbs auswählt, sagte Holt. Die Entscheidung könnte schon in diesem Herbst fallen.

Quellen: 

Foto: O Palsson, “The Atomium (2)”, © www.piqs.de

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Kernenergie – Indiens Hoffnung für die Armen

Kudankulam 1 and 2 (Image: Rosatom)

Kudankulam 1 and 2 (Image: Rosatom)

Energie ist von entscheidender Bedeutung für die Bekämpfung der Armut in Indien. Für Indien bedeutet Kernkraft mehr als nur eine Stromquelle. Sie spielt eine wichtige Rolle für die Entwicklung der Industrie, da sie für die vielen armen Menschen den Zugang zu einer sicheren, erschwinglichen und zuverlässigen Energie ermöglicht. In Deutschland wurde die Erinnerung, dass Kernkraftwerke den wirtschaftlichen Aufschwung nach 1945 ermöglicht haben und kein Windrad ohne Strom aus Kernkraftwerken hätte gebaut werden können, nahezu aus dem Gedächtnis gestrichen. Die riesige Bevölkerung Indiens braucht zuverlässige, stetige Quellen, wenn das Land nach vorne kommen soll, und wird sich deshalb seine Energiepolitik nicht vorschreiben lassen.

Im Gegensatz zu den reicheren Ländern kann Indien sich nicht den Luxus leisten, seine Ressourcen und seine Zeit für unzuverlässige Energiequellen wie Sonnen-und Windenergie zu vergeuden. Indiens Zukunft ist Nuklear. Indien wird ein Beispiel für andere arme Länder sein, die sehr genau darauf achten, wie die Nutzung der Kernenergie imstande ist, ein Land aus der Armut zu befreien.

Die Menschen in Indien registrieren sehr aufmerksam, dass ihnen nicht die Vereinigten Staaten oder Europa helfen, aus bitterer Armut zu entkommen, sondern Russland. Anfang August eröffnete Wladimir Putin die erste Reaktoreinheit das Kudankulam Kernkraftwerks (KKNPP) im Rahmen einer Videokonferenz von Moskau aus. Das KKNPP ist Teil eines Vertrags, der bereits 1998 zwischen Indien und Russland unterzeichnet wurde. Gebaut wird es von der russischen Rosatom State Atomic Energy Corp.

India’s Nuclear Transformation — Why the Poor in India Have Hope

 

 

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Anzeichen für Schubumkehr bei den Grünen?

Den Jahrhundertfehler ihrer Fehleinschätzung bezüglich der Tauglichkeit der Erneuerbaren Energien für die Energieversogrung Deutschlands werden die Grünen aller Parteien vermutlich niemals eingestehen, zu hoch könnten der Imageverlust und vielleicht auch die Regressforderungen an die Profiteure der Energiewende werden. Dass sich aber eine Trendwende in den grünen Köpfen abzeichnet, liegt nahe. Fred F. Mueller hat Gründe und Anzeichen dafür entdeckt, dass die cleveren Macher, die seit Jahren über IPCC und zahllose Organisationen eine Schreckensvisionen über die „Gefahren“ des CO2 für das Weltklima aufgebaut haben, in Zukunft behaupten werden, dass die Weltrettung statt von Wind und Sonne von der Kernenergie komme. Eine Schubumkehr ist ein wichtiges Landemanöver. Sie führt zum Abbremsen eines Flugzeugs durch das Ausfahren der Klappen. 

Fred F. Mueller

Rechts überholt und elegant geschnitten

Die Vertreter der „erneuerbaren“ als betrogene Betrüger

Während Politiker und Ideologen den „Klimarettungsgipfel“ in Paris im Dezember 2015 vorbereiteten, hat sich im Windschatten dieser Entwicklungen schon längst eine weitere Spezies bereitgemacht, um Früchte zu ernten, die andere für sie gesät haben: Die smarten Banker und Hedgefondsmanager, die supercleveren unter den zahllosen Profiteuren und Steigbügelhaltern der „Energiewende“, die ohne mit der Wimper zu zucken auch zweistellige Milliardenbeträge aus dem Hut zaubern, wenn sie Profit wittern. Noch zehren sie von den mehr als 500 Milliarden €, die allein in Deutschland für die „Rettung des Weltklimas“ ausgegeben wurden. Doch im Hintergrund dürfte ihren Top-Analysten längst klar sein, dass die ungeheuren Summen, die man in „alternative“ Energietechnologien gesteckt hat, auf Dauer keine sichere Investition darstellen. Deshalb hat man bereits das nächste „große Ding“ im Visier.

Der norwegische Pensionsfonds tut es, die UBS sowie zahlreiche weitere Großbanken, etliche US-Stiftungen und auch die Vermögensverwaltungen zahlreicher Universitäten: Sie ziehen in großem Stil Geld aus „unethischen“ Branchen wie fossilen Rohstoffen ab und stecken dieses lieber in politisch korrekte Technologien im Bereich „erneuerbarer“ Energien. Die entsprechenden Summen stiegen in den letzten Jahren weltweit enorm an, sehr zur Freude der Windbarone und Solarfarmer, die dank großzügiger Fördermaßnahmen der Politik ihre Technologie weltweit absetzen können. Die entsprechende Dachorganisation „REN21“, ein weltweites Netzwerk aus Regierungen, Nongovernmental Organisations (NGO’s) wie Greenpeace und WWF, der entsprechenden Industrie, Akademien und Forschungsinstitutionen sowie internationalen Organisationen, freute sich in ihrem Bericht zum Jahr 2016 [REN21] über einen raschen Anstieg entsprechender Projekte. So lagen die weltweiten Neuinvestitionen in „erneuerbare“ Energien und Brennstoffe im Jahre 2014 bei insgesamt 273 Mrd. $ und stiegen 2015 weiter um knapp 5 % auf 285,9 Mrd. $ an. Besonders hoch waren die Steigerungsraten bei der Stromerzeugung aus Biomasse (+ 8,2 % auf 464 GW), Fotovoltaik (+ 28,2 % auf 227 GW) und Windenergie (+ 17 % auf 433 GW). Wichtigste Länder waren China, die USA, Deutschland und Japan sowie Indien. Eine Aufstellung der Ende 2015 weltweit installierten Kapazitäten zeigt Bild 1.

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Bild 1. Weltweit per Ende 2015 installierte Kapazitäten an „erneuerbaren“ Energien zur Stromerzeugung (Grafik: [REN21])


Von dem aus Sicht der „Erneuerbaren“ erfolgreichen Abschluss der „Klimaschutzvereinbarung“ COP21 verspricht sich die durch REN21 vertretene Szene eine Fortsetzung und Steigerung des bisherigen Siegeszugs der von ihr favorisierten Technologien. In diesem Zusammenhang werden nicht nur weitere Förderungen, sondern darüber hinaus auch diskriminierende Maßnahmen gegen die missliebige Konkurrenz durch fossil betriebene Stromerzeugungstechnologien gefordert. Besondere Hoffnungen richten sich dabei auf China, das seine entsprechenden Aufwendungen in den letzten Jahren enorm gesteigert hatte und seinen Anteil an den weltweiten Investitionen in diesem Bereich auf mehr als ein Drittel erhöhte, Bild 2.

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Bild 2. Die Vertreter der „erneuerbaren“ Energien setzen große Hoffnungen auf China, das inzwischen gut 35 % der weltweiten Investitionen auf diesem Gebiet tätigt (Grafik: [REN21])

Solar und Wind: Hinterm Horizont geht’s nicht mehr weiter…

In ihrer Euphorie darüber, mit Merkel, Obama und dem Papst die mächtigsten Vertreter der westlichen Welt und dank des COP21-Abkommens auch fast alle übrigen Länder auf ihrer Seite zu haben, scheint man bei den Parteigängern der „erneuerbaren“ Energien jedoch versäumt zu haben, die tatsächlichen Entwicklungen im Auge zu behalten. Eigentlich hätte ihnen bei realistischer Betrachtung ihrer eigenen Statistiken auffallen müssen, dass die Entwicklung in diesem Sektor keinesfalls so geradlinig nach oben verläuft, wie man es gerne darstellt. Schaut man sich nämlich den Verlauf der Investitionen in den letzten Jahren genauer an, so fällt auf, dass es hier zwei gegenläufige Trends gibt, die zu einem doppelten Peak in den Jahren 2011 und 2015 geführt haben: Einem Rückgang der EE-Investitionen in den entwickelten Ländern stand eine Steigerung in den sich entwickelnden Ländern, namentlich den sogenannten BRICS-Staaten Brasilien, Indien und China gegenüber, Bild 3.

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Bild 3. In den entwickelten Ländern sanken die Investitionen in „erneuerbare“ Energien seit 2011 um 32 %, während sie in den übrigen Ländern gleichzeitig um fast 80 % zunahmen (Grafik: [REN21])

Eine erste deutliche Unterbrechung des Aufwärtstrends gab es bereits im Jahre 2009, zumindest teilweise als Folge der weltweiten Wirtschaftskrise, doch hatte sich der Anstieg nach dieser „Delle“ dann noch bis 2011 fortgesetzt. Danach begann in den westlichen Ländern ein Rückgang, der in Europa noch deutlicher ausfiel als in den übrigen entwickelten Ländern: Die Investitionen in derartige Projekte fielen von 122,9 Mrd. $ im Jahre 2011 um mehr als 60 % auf nur noch 48,8 Mrd $ im Jahr 2015, Bild 4.

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Bild 4. In Europa sind die Investitionen in „erneuerbare“ Energien seit dem Höhepunkt 2011 um mehr als 60 % eingebrochen (Grafik: [REN21])

Diesen Rückgang will der Westen im Interesse der eigenen Industriekapazitäten, die man mit gigantischen Fördermaßnahmen künstlich herangezüchtet hatte, natürlich kompensieren. Dazu nutzt man die Tatsache, dass unsere Technologien in der übrigen Welt hoch angesehen sind, um den ärmeren und technisch nicht so fortgeschrittenen Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas teure und zugleich ineffiziente „Lösungen“ aufzuschwatzen. Besonders abstoßende Beispiele für derartiges kaltschnäuziges Ausnutzen der Gutgläubigkeit weniger entwickelter Nationen finden sich in Brasilien [BRAS] und Marokko [MAR1, MAR2], wo die Bundesregierung durch direkte Einflussnahme eine besonders unrühmliche Rolle spielte.
In den westlichen Ländern selbst scheint sich dagegen ungeachtet der inzwischen beschlossenen „Klimarettungspolitik“ der Niedergang auch im laufenden Jahr zu verstärken. Australien, Dänemark und inzwischen auch Großbritannien unter seiner neuen Premierministerin May scheinen sich verstärkt von den „Erneuerbaren“ abzuwenden. Selbst aus China gibt es inzwischen Meldungen über eine massive Abkehr von der bis vor kurzem noch stark geförderten Windenergie.

Turbulenzen bei den Unternehmensbilanzen

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Bild 5. Das Windenergie-„Paradies“ Dänemark ist ein Musterbeispiel für die Unzuverlässigkeit dieser Technologie (Grafik: Rolf Schuster)

Von diesen jüngsten Entwicklungen wurden die Hersteller von Wind- und Solaranlagen offensichtlich kalt erwischt, wobei besonders die Solarhersteller betroffen waren. Bereits in den letzten Jahren hatte es bei den deutschen Herstellern eine ganze Serie teils sehr teurer Pleiten, Fast-Pleiten sowie Schließungen ganzer Businesseinheiten gegeben. In Deutschland hat der einstige Branchenprimus Solarworld, der vor drei Jahren nach einem dramatischen Kapitalschnitt von 95 % für Altaktionäre sowie einem Verzicht der Gläubiger auf 60 % ihrer Forderungen wieder auf einen Aktienkurs von über 53 € geklettert war, nach weiteren Verlusten in den Folgejahren allein seit Beginn dieses Jahres schon wieder fast 50 % seines Börsenwerts verloren.

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Bild 6. Dänemark muss wegen der Unzuverlässigkeit seiner „erneuerbaren“ Stromerzeugung knapp 20 % seines Strombedarfs von Nachbarn importieren (Grafik: Rolf Schuster)

Inzwischen kommen jedoch auch von US-amerikanischen und kanadischen Branchengrößen alarmierende Signale. Schon im April musste SunEdison, einst das am schnellsten wachsende Unternehmen der Branche, vor seinen Gläubigern unter den Schutz von Chapter 11 des amerikanischen Konkursgesetzes flüchten [SUNE] . Danach schien sich die Situation in diesem Marktsegment wieder beruhigt zu haben.
Deshalb schlug am 10. August die Meldung von SunPower, dem zweitgrößte US-Hersteller von Solarpaneelen, über einen zu erwartenden Verlust von 175 Mio. $ im laufenden Jahr statt des bisher erwarteten Gewinns von 50 Mio. $ [SUNP] an den US-Börsen wie eine Bombe ein und riss weitere Solartitel mit sich. Die Aktien des Unternehmens verzeichneten mit bis zu 30 % den höchsten Verlust seit November 2008. Die von dieser Entwicklung schockierten Analysten senkten ihre Einstufungen für SunPower prompt von „buy“ auf „hold“. Die Firma reagierte mit der Ankündigung, ein Werk in den Philippinen zu schließen und 15 Prozent der Belegschaft zu entlassen. Gebeutelt hat es in diesem Zusammenhang auch die Firma Canadian Solar, deren Kurs von über 40 $ auf nur noch knapp über 13 $ absackte, worauf sie von Analysten prompt von „strong buy“ auf „hold“ herabgestuft wurde [CASO].

Kernenergie: Russland schaltet den Turbo zu

Während die „erneuerbaren“ Energien, vor allem die Solar- und Windbranche, trotz der massiven Unterstützung durch NGO’s und Regierungen mehr und mehr Gegenwind verspüren, ist die lange geschmähte Kernenergie dabei, sich nach und nach wieder in die Energiemärkte zurückzukämpfen. Obwohl es die Gegner in Japan bisher geschafft haben, die Regierungspläne zum Wiederanfahren vieler der bisher stillgesetzten Reaktoren zu durchkreuzen, gibt es aus anderen Ländern – allen voran Russland und China – Meldungen über erhebliche Fortschritte. In Indien wurde erst vor wenigen Tagen mit Kudankulam I ein von Russland errichteter Reaktor in Betrieb genommen, und auch die mit der Türkei geplante Zusammenarbeit scheint nach den politischen Turbulenzen der letzten Monate wieder anzulaufen.

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Bild 7. Während Deutschland seine Kernreaktoren verschrottet, setzt man anderswo voll auf diese Technologie

Wirklich aufhorchen lassen jedoch die vor wenigen Tagen in der World Nuclear News bekanntgegebenen Planungen für den weiteren Ausbau der Kernenergie in Russland selbst [WNNE]. Dort will man bis 2030 insgesamt elf neue Kernreaktoren sowie eine Reihe weiterer Installationen wie Endlager errichten. Damit will das Land bei der Umstellung seiner Stromversorgung auf Kernenergie einen großen Schritt nach vorne machen. Das jetzt angekündigte Programm ist eine substantielle Aufstockung des bereits laufenden Neubauprogramms mit Reaktoren in Kaliningrad, Kursk, Leningrad, Nowovoronezh und Rostov sowie des schwimmenden Reaktors Akademik Lomonossow.
Besonders bedeutsam ist bei dieser Meldung, dass zu den Neuankündigungen gleich zwei natriumgekühlte Brüter des Typs BN 1200 gehören. Dieser Typ ist neu, bisher gab es lediglich kleinere Vorgängerversionen mit den Bezeichnungen BN 350, BN 600 und BN 800. Bei der Entwicklung des BN 800 hatte es noch merkliche Verzögerungen gegeben. Deshalb überrascht die jetzige Ankündigung, zeigt sie doch, dass man offensichtlich überzeugt ist, die Technik jetzt im Griff zu haben. Sollte sich dies bewahrheiten, so ist dem Land gleichzeitig der Durchbruch in die kommerzielle Brütertechnologie und in die Reaktorgeneration IV gelungen. Der BN 1200 ist für eine elektrische Leistung von 1.200 MW ausgelegt und soll ein Brutverhältnis von 1,45 erreichen, die Auslegungslebensdauer liegt bei 60 Jahren.
Zum Gesamtvorhaben gehören auch der Bau von insgesamt sieben VVER-TOI-Reaktoren mit erhöhtem Sicherheitsniveau sowie eines VVER-600-Reaktors. Die Bauzeit für Reaktoren dieses Typs soll lediglich drei Jahre und 4 Monate betragen.
Weitere Bestandteile des Projekts sind sechs Endlager für radioaktiven Abfall, eine Fabrik für die Herstellung von hoch angereichertem Uran-Plutonium Brennstoff sowie der Bau eines Schnellen Brüters mit der Typenbezeichnung BREST-OD-300. Dieses Projekt soll einen geschlossenen nuklearen Brennstoffkreislauf sowie die vollständige Nutzung „abgebrannter“ Brennelemente ermöglichen. Mit diesem Programm unterstreicht Russland seine Ambitionen als Anbieter von Nukleartechnologie für den Weltmarkt.

Wohin geht die Reise?

Inzwischen zeigt sich immer deutlicher, dass sich bei den „Klimarettern“ eine vollständig neue Entwicklung anbahnt. In Dänemark, Deutschland, Großbritannien und Spanien lässt sich immer schlechter verbergen, dass die mit ungeheuerlichem finanziellem Aufwand betriebene „Energiewende“ letztlich in eine Sackgasse führt. Gerade in den Kernländern der modernen Maschinenstürmerei beginnt man dies offensichtlich zu begreifen und versucht, sich vorsichtig abzusetzen. Dabei hofft man, dass es gelingen möge, die Wut der getäuschten Bevölkerung so zu kanalisieren, dass es nicht zu allzu heftigen gesellschaftlichen Turbulenzen kommt. Aktuell versucht man Zeit zu schinden, indem man der dritten Welt den Schrott aufdrängt, den in Europa schon keiner mehr haben will. Allzulange wird man dies jedoch vermutlich nicht mehr durchziehen können. Desertec ist bereits verdientermaßen im Grab verschwunden. Wer sich mit Solarprojekten wie Ivanpah [IVAN] näher beschäftigt hat, bekommt eine Vorstellung davon, welches Desaster dem solarthermischen Unsinn bevorsteht, den man unter Federführung Deutschlands Marokko sowie anderen nordafrikanischen Staaten aufgedrängt hat. Mit der Abkehr Chinas von Wind und Sonne und seiner sich abzeichnenden Hinwendung zur Kernenergie dürfte der Wechsel in den nächsten Jahren immer deutlicher erkennbar werden.
Zeitgleich mit diesen Absatzbewegungen wurden im Bereich der Kernenergie offensichtlich die Weichen auf künftige Expansion gestellt. Nach jahrelangem Rückgang tendieren hier inzwischen auch die Börsenindices wieder nach oben, Bild 8.

Bild 8. Die Börsenindices von Wertpapieren im Bereich der Kernenergie haben ihren Abwärtstrend überwunden. Seit Anfang 2016 steigen die Kurse langsam wieder an

Bild 8. Die Börsenindices von Wertpapieren im Bereich der Kernenergie haben ihren Abwärtstrend überwunden. Seit Anfang 2016 steigen die Kurse langsam wieder an

Länder wie Indien, China und Russland, welche zusammen fast 40 % der Weltbevölkerung und einen noch größeren Anteil des Weltwirtschaftswachstums repräsentieren, dürften sich in den nächsten Jahren massiv weg von unzuverlässigen „erneuerbaren“ Energien und hin zu verlässlicher Kernenergie orientieren, und ein wachsender Teil der Länder der zweiten und dritten Welt könnte über kurz oder lang folgen. Hierauf hat sich das smarte Geld an den Börsen offensichtlich bereits vorbereitet.

Ideologische Trends

Ideologien sind grundsätzlich wandelbar und werden von den jeweils maßgeblichen „Chefdenkern“ dynamisch den Erfordernissen der Situation angepasst. Das gilt selbst für die Kirchen, siehe deren Haltung zu Ungläubigen, Ehe, Frauen oder Schwulen. Im Gefolge der oben aufgezeigten Entwicklungen dürfte es in nächster Zeit auch im Bereich grünlinker Bewegungen zu interessanten Deutungsänderungen kommen. Die aktuelle Verschiebung der ideologischen Hauptstoßrichtung weg von „erneuerbarer Energieerzeugung“ hin zur „Dekarbonisierung“, ja sogar zum bereits angedachten Entzug des Kohlenstoffs aus der Atmosphäre stellt eindeutig eine ideologiekonforme Rechtfertigung für ein Umschwenken auf die CO2-arme Kernenergie dar. Ob Mr. Schellnhuber das jetzt beabsichtigt hat oder nicht, ist letztlich egal: Für die cleveren Macher hinter der Bewegung hat dies den Vorteil, dass man die seit Jahren über IPCC und zahllose Organisationen aufgebauten Schreckensvisionen über die „Gefahren“ des CO2 für das Weltklima unverändert weiter nutzen kann. Nur dass die Weltrettung dann eben von der Kernenergie statt von Wind und Sonne kommen soll. Diese kühl und leidenschaftslos rechnenden Banker und Fondsverwalter werden die Vorteile eines solchen Arrangements schnell erkennen und im Hintergrund die entsprechenden Fäden ziehen. Man wird denjenigen in der „Bewegung“, deren Denkmuster hierfür zu starr sind – beispielsweise ein bekannter Münchner Gemischtwarenladen der Elektroindustrie – gerne die künftig wertlos werdenden Restbestände an Wind- und Solarprojekten aufschwatzen, um das freiwerdende Kapital gewinnbringend in die Filetstücke eines neu aufstrebenden Riesenmarktes zu investieren. Die Hardliner im Fußvolk der „Anti-Atombewegung“ wird man zur Seite schieben, die Fanatiker der Anti-Kohle-Front als nützliche Idioten und willfährige Gehilfen für illegale Aktionen gegen störende Kohlekraftwerke an die Front beordern. So mancher Altgrüne könnte bald in einer durch Kernenergie bestimmten „CO2-freien“ Welt aufwachen, die er sich in seinen schlimmsten Alpträumen nicht hat vorstellen können. Es dürfte noch interessant werden.
Fred F. Mueller

Quellen:
[BRAS] http://www.gtai.de/GTAI/Content/EN/Meta/Events/Invest/2013/Reviews/Powerhouse/Downloads/presentation-130523-brazil-helmke-giz.pdf?v=2
[CASO] http://www.com-unik.info/canadian-solar-inc-csiq-downgraded-to-hold-at-vetr-inc/
[IVAN] http://www.eike-klima-energie.eu/energie-anzeige/das-groesste-solarkraftwerk-der-welt-hat-sich-soeben-selbst-verbrannt/
[MAR1] http://www.wiwo.de/technologie/green/tech/weltrekord-gigantisches-solarkraftwerk-macht-marokko-zum-sonnenkoenig/13546006.html
[MAR2] http://www.klimaretter.info/energie/nachricht/20447-marokko-plant-noch-ein-mega-solarkraftwerk
[REN21] RENEWABLES 2016 – GLOBAL STATUS REPORT RENEWABLE ENERGY INDICATORS Key Findings
[SUNE] http://www.reuters.com/article/us-sunedison-inc-bankruptcy-idUSKCN0XI1TC
[SUNP] http://www.bloomberg.com/news/articles/2016-08-10/sunpower-guidance-bomb-leaves-crater-among-solar-companies
[WNNE] http://www.world-nuclear-news.org/NP-Russia-to-build-11-new-nuclear-reactors-by-2030-10081602.html


Leseempfehlung Ruhrkultour:

Michel Limburg/Fred F. Mueller/Arnold Vaatz

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Titelfoto: pixabay

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Kernkraftwerk Kudankulam – Indo-Russisches Projekt für grünes Wachstum

Der indische Premierminister Narendra Modi und der russische Präsident Wladimir Putin haben am 10. August 2016 die Einheit 1 des 1.000-MW-Kernkraftwerks Kudankulam eingeweiht. Die Einweihung fand im Rahmen einer Videokonferenz zusammen mit J. Jayalalithaa, Ministerpräsident des indischen Bundeslandes Tamil Nadu, Standort des Kernkraftwerks, statt. 

Gemeinschaftsprojekt zwischen Indien und Russland zur friedlichen Nutzung der Kernenergie

Das Kernkraftwerk Kudankulam soll insgesamt fünf Energieblöcke mit je 1000 Megawatt Leistung bekommen. Die Kernkraftanlage wird dann die Bundesstaaten Tamilnadu, Kerala, Karnataka und Andhra Pradesh sowie das Unionsterritorium Puducherry mit Strom versorgen.

Mit der Vollinbetriebnahme des ersten und später auch des zweiten Reaktorblocks des Atomkraftwerkes werde die Energieversorgung Indiens deutlich verbessert und die wirtschaftliche Position des Landes gestärkt, sagte Putin. Er gehe davon aus, dass sich die sozial-ökonomische Aufgaben in einem so mächtigen Land wie Indien nicht ohne Atomenergie lösen lassen, berichtet Sputnik News. Der Präsident habe auch darauf verwiesen, dass das Projekt mit von Russland bereitgestellten Geldmitteln finanziert werde, wobei der Staat 85 Prozent der Baukosten übernehme.

Premierminister Modi habe darauf hingewiesen, berichtet World Nuclear NEWS (WNN), dass Indien und Russland planten, eine Reihe von Kernkraftwerken zu bauen. Putin erklärte, dass die Einheit mit der neuesten russischen Kernkrafttechnik gebaut worden sei. Es sei bekannt, habe er hinzugefügt, dass Russland eines der weltweit führenden Unternehmen in der Kerntechnik sei und Russland sich freue, die russische Technologie mit den indischen Kollegen zu teilen. Die Inbetriebnahme des ersten Energieblocks bedeutet laut Putin eine umfassende Arbeit zur Schaffung einer neuen hochtechnologischen Kernenergiebranche in Indien und sehe unter anderem die Ausbildung von Fachkräften vor.

Zusammenarbeit zwischen Indien und Russland beim Bau von Kernkraftwerken seit 1988

Die Zusammenarbeit zwischen Indien und Russland beim Bau von Kernkraftwerken hat ihren Ursprung in einer zwischenstaatlichen Vereinbarung, die vom damaligen indischen Premierminister Rajiv Gandhi und dem Präsidenten der Sowjetunion Michail Gorbatschow im Jahr 1988 unterzeichnet wurde. Die Reaktoren sollten ursprünglich im Dezember 2007 und Dezember 2008 mit dem kommerziellen Betrieb beginnen. Die Einheit 1 war im März 2011 betriebsbereit, aber seine Inbetriebnahme wurde durch Proteste und rechtliche Schritte nach dem Unfall der Anlage im japanischen Fukushima Daiichi im selben Monat verzögert.

Die Einheit 2 – Indiens 22. Kernreaktor – hat die erste Kritikalität im letzten Monat erreicht, sie soll Ende dieses Monats fertig sein. Beide Einheiten sind nach russischer Bauart WWER-1000-Druckwasserreaktoren. Der russische Präsident Wladimir Putin rechnet damit, dass noch in diesem Jahr ein russisch-indisches Abkommen über den Bau des dritten Reaktorblocks für das Kraftwerk Kudankulam in Südindien unterzeichnet wird.

Modi bekräftigte in der Videokonferenz am 10. August 2016 die Freundschaft zwischen Indien und Russland und bezeichnete das Indo-Russische Projekt als eine wichtige Ergänzung zu den Bemühungen, saubere Energie in Indien zu produzieren. Modi sagte laut The Indian Express, dass das Kudankulam Kernkraftwerk (KNPP) auch das gemeinsame Engagement von Indien und Russland signalisiere, “Wege der Partnerschaft für grünes Wachstum zu bauen.”

Die Indische Nachrichtenagentur IANS teilte gestern mit, dass Russlands neueste WWER-1200 – Reaktor -Technologie wahrscheinlich für zukünftige Anlagen verwendet werde, wobei Novovoronezh 6 von großem Interesse für Indien sei.

Während Modis Besuch in Moskau im Dezember letzten Jahres sagten Modi und Putin in einer gemeinsamen Erklärung, dass die Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern auf dem Gebiet der friedlichen Nutzung der Kernenergie ein “Eckpfeiler” ihrer strategischen Partnerschaft sei. Modi sagte, Indien plane insgesamt 12 russische Atomreaktoren an zwei Standorten, davon acht im Bereich von Kudankulam, wie Rosatom erklärte. Die Verträge sollen in diesem Herbst unterzeichnet werden.

Der indische Kabinett hatte im Januar mitgeteilt, dass die kommerziellen Verhandlungen zwischen NPCIL und US-Westinghouse über den Bau von sechs AP1000-Einheiten voraussichtlich in diesem Jahr abgeschlossen sein werden.

Nach der gestrigen Aussage Rosatoms, werden sich Putin und Modi als nächstes auf dem BRICS-Gipfel in Goa im Oktober 2016 treffen. BRICS ist ein Zusammenschluss von großen Schwellenländer, die Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika umfasst.

Quellen:

© Foto: Rosatom Flot, Kernkraftwerk Kudankulam in Indien

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Der Osten Europas setzt auf Kernkraft

Kernenergie-Technologie: Russland hängt den Westen ab

Deutschland ist mit einer Regierung gesegnet, die dem dubiosen Ziel einer „Rettung des Klimas“ weit höheren Wert beimisst als dem Wohlergehen der eigenen Bevölkerung. Dies manifestiert sich in EEG und „Klimaschutzplan 2050“, in der begonnenen Vernichtung der Automobilindustrie und der Vertreibung energieintensiver Industrien außer Landes. Dem Ziel der „Dekarbonisierung“ der Gesellschaft wird alles andere untergeordnet. Gleichzeitig wird die Kernkraft als einzige zuverlässig funktionierende CO2-arme Stromerzeugungstechnologie nicht nur in Deutschland selbst, sondern auch in europäischen Nachbarländern mit aller Macht bekämpft. Die Situation und den dadurch angerichteten Schaden analysiert die Historikerin Dr. Anna Veronika Wendland vom Herder-Institut in Marburg in einem hervorragend geschriebenen Beitrag in der FAZ vom 7. Juli [FAZ].

Abb. 01

Kernkraftwerks der Generation 3+ in Nowoworonesch*

In ihrem unter dem Titel „Atomenergie in Osteuropa Nicht ohne mein Kernkraftwerk“ erschienenen Artikel beweist die Historikerin umfassende technische Kenntnisse beim Vergleich des Standes der Kernkrafttechnologie in Russland und im Westen. Mit der im Mai erfolgten Inbetriebnahme des VVER-1200/392M im russischen Kernkraftwerk Nowoworonesch II sei erstmals in Europa ein Druckwasserreaktor der sogenannten Generation III+ in Betrieb genommen worden, dessen Sicherheitscharakteristika die der Anlagen im westlichen Teil des Kontinents übertreffen – auch die der deutschen. Merkmal dieser Reaktorgeneration der russischen Familie „AES-2006“ seien neben ihrer höheren Wirtschaftlichkeit vor allem die Sicherheitssysteme, die den neuesten EU-Anforderungen für Neuanlagen entsprechen müssen.

Diese sind so ausgelegt, dass sie auch im „Fukushima-Fall“ – dem Totalausfall jeglicher internen wie externen Stromversorgung – eine sichere Abfuhr der Nachzerfallswärme aus einem Kernreaktor gewährleisten sollen. Hierbei kommen passive Systeme zum Einsatz, die ohne elektrisch betriebene Komponenten arbeiten. Dazu wird der im Dampferzeuger entstehende Dampf nicht im üblichen Wasser-Dampf-Kreislauf kondensiert und mittels Kondensat- und Speisewasserpumpen wieder in den Dampferzeuger zurückbefördert, sondern über ein außenluftgekühltes System kondensiert, und das Kondensat wird per Naturumlauf, ohne „aktive“ Pumpen, wieder dem Dampferzeuger zugeführt.

Damit entspricht die Sicherheitsstufe des russischen Systems dem des französisch-deutschen EPR-Reaktors und ist den aktuell in Deutschland laufenden Vorkonvoi- und Konvoi-Anlagen von Siemens-KWU weit voraus. Allerdings ist der europäische EPR noch längst nicht in Betrieb, weil die EPR-Projekte in Frankreich, Finnland und China unter großen Anlaufschwierigkeiten durch Kostenexplosionen, Skandale, Rechtsstreitigkeiten und Bauverzögerungen leiden, während der russische Reaktor bereits läuft [ROSA]. Dr. Wendland hebt insbesondere die Effizienz in der Umsetzung hervor: Die russischen Reaktorbauer wickelten ihre nuklearen Großprojekte wesentlich kostengünstiger und zügiger ab als die Europäer, aber auch als Amerikaner und Japaner.

In Russland, China, Indien und demnächst auch in Finnland errichteten sie ihre Anlagen mit stoischer Routine und hoher Professionalität, scheinbar ohne durch die „klassischen“ russischen Probleme – Korruption, darniederliegende Infrastruktur, Bildungsmisere, fehlende Rechtssicherheit – beeinträchtigt zu werden.
Ihr Geheimnis sei nicht nur die Erfahrung, sondern auch die besondere Organisationsform ihrer Staats-Kerntechnik, die Lösungen aus einer Hand anbiete und keine komplexen Subunternehmensgeflechte an den Baustellen kenne. Gerade Auftraggeber aus Schwellenländern, die auf das Preis-Leistungs-Verhältnis schauen, bevorzugten daher russische Anlagen.

Historischer Wechsel der Technologieführerschaft

Deutschland, so Dr. Wendland, habe mit der Aufgabe seiner früheren Spitzenposition im kerntechnischen Anlagenbau einen großen Fehler insbesondere mit Blick auf Osteuropa begangen. Dort staune man über die deutsche Selbstdemontage, habe man deutsche Kernkraftwerke dort doch lange als Goldstandard für kerntechnische Sicherheit angesehen. Vor drei Jahrzehnten, als die damals noch sowjetische zivile Kerntechnik in Tschernobyl in Trümmern lag, hätte niemand die Vorhersage gewagt, dass sich Osteuropäer einmal an die Spitze der Entwicklung setzen würden. Doch während Tschernobyl und Fukushima in Deutschland einen Stimmungsumschwung gegen Kernkraft bewirkten, habe man in Russland, der Ukraine und den Länder Ostmitteleuropas die Atomangst überwunden und die Krise als Chance genutzt. Weder in der Ukraine noch in Russland, weder in Tschechien, Polen, der Slowakei oder Ungarn gebe es starke Anti-Atom-Bewegungen. Dabei habe man in den nichtrussischen Ländern Osteuropas aufgrund der sich verschärfenden politischen Differenzen teilweise Lösungen gefunden, die sowohl auf russischer als auch auf westlicher Technologie beruhten.

Die Bundesregierung „fordert in harschem Ton Gefolgschaft“

Wenig Gegenliebe findet die deutsche Energiepolitik nach Erkenntnissen von Dr. Wendland auch wegen ihrer Intoleranz und dem damit gepaarten Machtanspruch. Trotz unterschiedlicher Motive und politischer Präferenzen – Polen und die Ukraine setzten auf westliche Partner, Tschechen und Ungarn auf russische – seien sich die östlichen Nachbarn in ihrem Unmut über den deutschen Energiewende-Alleingang einig. In Windspitzenzeiten destabilisiere nicht gebrauchter deutscher Strom die Netze in Polen und Tschechien.

Die Ostmitteleuropäer unterstützten EU-Initiativen zu innovativer Kernforschung, während Berlin dieselben als „rückwärtsgewandt“ abkanzele und in Brüssel sogar Druck mache, um sie zu stoppen. Deutschland fordere in harschem Ton Gefolgschaft, zuletzt mit einem Einmischungsversuch in Belange der belgischen Atomaufsicht. Die östlichen Nachbarn reagierten darauf zunehmend verärgert und stellten die Frage, warum Berlin europäische Solidarität für seine stockende Energiewende einfordere, wenn es sich bei der entsprechenden Beschlussfassung nicht mit seinen Nachbarn beraten habe? Auch missfalle den Osteuropäern der „moralische Imperialismus“ in den deutschen Aussagen. So handele man ohne Konsultation Polens eine für die Sicherheit Europas sensible russisch-deutsche Gastrasse aus, weil dies dem Frieden und der Entwicklungspartnerschaft diene. Man tadele die Polen, Tschechen und Ungarn für ihre Kernenergiepläne und behaupte, diese Kritik erfolge im Interesse des Überlebens der Menschheit. So ertönt in ganz Europa das Berliner Gerassel, und ungern hört man dies.

Hoffnung für Deutschland

Das Bemerkenswerte an diesem Beitrag von Dr. Wendland ist, dass er Hoffnung macht. Noch scheint es in Deutschland unabhängige und ernstzunehmende Wissenschaftler zu geben, die sowohl Sachkunde als auch den Mut mitbringen, dem grünen Mainstream nicht nach dem Mund zu reden. Wenn der „Dekarbonisierungs“-Alptraum irgendwann hoffentlich vorbei ist, sollte man sich an solche Namen erinnern und dafür sorgen, dass das ganze speichelleckende Völkchen, das eine tonangebende Predigertochter als „Berater“ der deutschen Regierung in Sachen Energie- und Klimapolitik in den verschiedensten Gremien wie Ethikkommission, Sachverständigenrat für Umweltfragen etc. pp. installiert hat, in die Wüste geschickt und durch wirklich kompetente Leute ersetzt wird. Womit man gleichzeitig auch noch einen Beitrag dazu leisten könnte, das Verhältnis zu unserem größten Nachbarn im Osten zu entkrampfen.

Russland hat jedenfalls durch die erfolgreiche Inbetriebnahme in Nowoworonesch seine Bedeutung als weltweit ernstzunehmende Techniknation bestätigt, auf die bereits Mitte Mai in einem Artikel bei EIKE hingewiesen wurde [MUEL]. Immerhin sind weltweit über 570 Kernkraftwerke entweder im Bau, in der Planungsphase oder zumindest in der Diskussion, und mit diesem Erfolg hat es seine Chancen, an diesem Riesenmarkt zu partizipieren, deutlich verbessert.

Fred F. Mueller

 

*Grafische Darstellung des modernen russischen Kernkraftwerks der Generation 3+ in Nowoworonesch
(http://www.rosenergoatom.ru/media/files/magazine/REA0_0108.pdf (Seite 32/33)) Original uploader was TZV at de.wikipedia)

Quellen:

[FAZ] http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/atomenergie-in-osteuropa-nicht-ohne-mein-kernkraftwerk-14311657.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2
[MUEL] http://www.eike-klima-energie.eu/news-cache/fakten-die-man-nicht-ignorieren-sollte-russland-ein-kommender-globaler-energieriese/
[ROSA] http://wirtschaftsblatt.at/home/nachrichten/europa_cee/4981378/AtomExport_Rosatom-sieht-sich-technologisch-an-der-Weltspitze

 


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Frankreich setzt weiter auf Kernenergie

Foto: John Seb Barber, Golfech (Tarn-et-Garonne)

Die deutschen Medien meldeten in den letzten Tagen unisono und in Übereinstimmung mit den grünen Blättern, Frankreich werde zum Land der Energiewende – ganz im Sinne des deutschen Vorbilds. Der Anlass für den kollektiven Medienjubel war der Beschluss der französischen Nationalversammlung, den Anteil des Atomstroms am Strommix in zehn Jahren von heute etwa 75 Prozent auf 50 Prozent zu senken.

Im Gegensatz zum windsüchtigen Deutschland wählt Frankreich jedoch einen ganz anderen Weg als Deutschland, das sich durch seinen Ausstiegsbeschluss von der weltweiten Entwicklung der Kernenergie abgekoppelt hat. Wind- und Solarkraft können weder den Strombedarf zuverlässig decken, noch Treibstoffe herstellen oder Heizungen ersetzen, die einen Anteil von etwa zwei Drittel an der Energieversorgung haben.  Aus diesen Gründen denken wirtschaftlich starke Länder wie Frankreich und aufstrebende Industrienationen nicht daran, sich vom Zufallsstrom abhängig zu machen, ein Aspekt, der in den deutschen Medien nur selten genannt wird. Mit dem Bau von Windkraftanlagen und der Renovierung alter Gebäude erhofft sich die französische sozialistische Regierung einen Wachstumsschub für die Wirtschaft. Mit dem Gesetz will sich Frankreich als Gastgeber der Weltklimakonferenz Ende November 2015 offenbar auch als “good boy” präsentieren.

Vielfältige Kooperationen in Sachen Kernenergie mit China

Am 20. Juli 2015 haben französische und chinesische Kernenergieunternehmen eine Reihe von Vereinbarungen unterzeichnet. Grundlage dafür ist eine gemeinsame Erklärung des französischen Präsidenten François Hollande und des chinesischen Präsidenten Xi Jinping, “industrielle und institutionelle” Akteure in beiden Nationen zu ermutigen, Kooperationsbemühungen im gesamten Kernbrennstoffkreislauf zu fördern, einschließlich Anlagensicherheit, Recycling, Neubauprojekte und Uranbergbau. Die Vereinbarung umfasst auch eine stärkere Zusammenarbeit im Bereich der Forschung und Entwicklung.

In China werden derzeit auf der Basis des fransösischen Areva EPR-Designs zwei Reaktoren gebaut. Sie sind Teil eines 8 Milliarden Euro Auftrags durch Areva und CGN (China Allgemeine Nuclear), der im November 2007 unterzeichnet wurde. Der erste Reaktor, Taishan 1, wird voraussichtlich im Jahr 2016 starten, Taishan 2 soll ein Jahr später in Betrieb gehen.
Frankreich wird in Energiefragen auch in Zukunft die Nase vorn behalten, denn die Kerntechnik ist ein wichtiger Bestandteil der Wachstumspolitik der BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika). Frankreich wird von dieser Kooperation auf verschiedene Weise profitieren, zumal es seine überalteten Kernkraftwerke durch neue, leistungsfähigere Anlagen ersetzen muss.

Was immer Frankreich in Bezug auf seine Energieversorgung und den Strommix bis 2025 noch beschließen mag – aus der Kernenergie aussteigen wird Frankreich nicht.

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Internationale Energieagentur (IEA): Kernenergie ist langfristig die verlässlichste Stromquelle

China setzt auf Kernenergie und befindet sich damit im Einklang mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und Empfehlungen der IEA* (Internationale Energieagentur), des IPCC  (Intergovernmental Panel on Climate Change) und einer wachsenden Zahl international renommierter Klimaforscher,  Natur- und Umweltschützer. weiterlesen

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Bolivien: Kenntnisse über die Kernenergie sind Kenntnisse über das ABC der Natur

Bolivien wird 2015 mit dem Bau seines ersten Kernkraftwerkes beginnen. Bis 2025 soll es fertig gestellt sein. Außerdem werde Bolivien in den kommenden Jahren 2 Milliarden Dollar in ein Programm für die friedliche Nutzung der Kernenergie, verbunden mit medizinischen und landwirtschaftlichen Zielen, investieren, kündigte Boliviens Präsident, Evo Morales, am 2.10.2914 an. (1)

Die Kenntnisse über das Atom sind eine Frage der Selbstachtung eines Landes

Boliviens Vizepräsident Alvaro Garcia Linera hatte bereits am 21. August in seiner Rede zum Abschluss des VII. Internationalen Kongresses Öl und Gas in Santa Cruz, erklärt, dass sich sein Land den Herausforderungen der Nuklearphysik stellen werde, um ein Fundament für die technischen Entwicklungen der nächsten Jahrhunderte zu legen. Die Frage sei, “ob wir die Fähigkeit als Gesellschaft haben, diese Kraft zu entdecken, sie zu respektieren und wissen werden, wie wir sie gemeinschaftlich und human zum Nutzen aller einsetzen können”.
Die Kenntnisse über das Atom bezeichnet Linera als eine Frage der Selbstachtung eines Landes, das nicht am Rande der Entwicklung stehen bleiben möchte. Linera: “Eine Gesellschaft die heutzutage geachtet wird – und wir halten unsere Selbstachtung hoch – kann nicht am Rande stehen. Und wir werden nicht am Rand bleiben.” Er fuhr fort: “Kernenergie existiert unabhängig von uns. Diese Prozesse finden in der Natur statt, im menschlichen Körper, in physikalischen und chemischen Vorgängen. Die Frage ist, ob wir die Fähigkeit als Gesellschaft haben, diese Kraft zu entdecken, sie zu respektieren und wissen werden, wie wir sie gemeinschaftlich und human zum Nutzen aller einsetzen können… Es macht keinen Unterschied wie lange es dauert. Wir werden es machen, weil wir davon überzeugt sind, dass wir damit die Bedingungen für die technologische Entwicklung der Bolivianer für die nächsten 400-500 Jahre festigen können.“ (2)

Unabhängigkeit von Entwicklungsmodellen

Die Kernenergie habe eine Schlüsselfunktion für die Wirtschaft, sie ermögliche Bolivien die Unabhängigkeit von Entwicklungsmodellen, erklärte die Ministerin für Entwicklungsplanung Elba Viviana Caro Hinojosa in einem Interview: “Die Kernenergie ist für uns grundlegender Bestandteil für Technologieentwicklung. Bolivien muss einen bedeutenden Technologiesprung machen. Zumal wir über die natürlichen Ressourcen verfügen, die diesen Sprung ermöglichen. Es ist unsere Pflicht, die technologische Kluft des Landes zu überwinden, die Bolivien den Zugang zu anderen Wirtschaftssektoren und Märkten verhindert. Für uns bedeutet Kernenergie also das Schließen vieler dieser Lücken. So wird dem Land eine starke produktive Struktur möglich, sowie die Entwicklung mit der Kernenergie zusammenhängender Technologien, die sonst nicht ins Land kommen.”

Bolivien verfolge ein nachhaltiges Entwicklungsmodell. Die harmonische Nutzung unserer natürlichen Ressourcen sei sehr wichtig, besonders die Umweltverträglichkeit. Ihr Entwicklungsmodell entstehe von Innen heraus: “Wir folgen keinen bestehenden Entwicklungsmodellen, sondern bestreiten einen eigenen Prozess des Nachdenkens. Also “Grassroot Development”, das ist Entwicklung von Unten”, erklärte die Ministerin in einem Interview. (3)

In Lateinamerika nutzen bislang Argentinien, Mexiko und Brasilien Atomkraft.

Den Unabhängigkeitsaspekt hob auch Leonardo Sobehart, Leiter der Abteilung Neuaufträge für Nuklearprojekte des argentinischen Hochtechnologiekonzerns INVAP, hervor. Er wies in einem Interview mit dem bolivianischen Magazin Reporte Energie darauf hin, dass der wirtschaftliche Nutzen der Kernkraft die Grundlage für die wahre Unabhängigkeit eines Landes lege.
Sobehart betonte, die Nuklearenergie und die Wissenschaft seien ein Instrument der politischen und wirtschaftlichen Unabhängigkeit.

Auf die Frage, was Argentinien aus dem Prozeß der Entwicklung der Kernkraft gelernt habe, antwortete Sobehart: „Die Kernkraft hat in Argentinien nicht nur dazu beigetragen, den grundlegenden Bedarf der Bevölkerung im Bereich von Energie, Gesundheitsdiensten, Industrie, Landwirtschaft, Bergbau und Sicherheit zu decken, sie schafft auch Synergieeffekte bei der Entwicklung der erzieherischen, wissenschaftlichen, technologischen und industriellen Infrastruktur. Nach mehr als sechs Jahrzehnten ständiger Bemühungen sind die nuklearen Aktivitäten zu einer der tragenden Säulen der Fähigkeit des Landes geworden, hochwertige Güter und Dienstleistungen zu exportieren, die auch andere Wissensbereiche, wie z.B. die Luft- und Raumfahrt unterstützt und ihnen als Vorbild gedient hat.

Argentinien habe ausreichende Kapazitäten, um sämtliche Einrichtungen des nuklearen Brennstoffkreislaufs zu entwerfen, zu bauen und zu betreiben: “Unsere vielleicht größte Herausforderung heute ist, den Bau des von uns selbst entwickelten Kernkraftwerks fertigzustellen und dies endlich in unser Produktangebot aufzunehmen. Das ist eine Herausforderung, die wir uns vor 20 Jahren gestellt haben, aber heute stehen wir kurz davor, sie zu erreichen.“ (4)

 

Foto: Pedro Szekely, "Father Obermaier Church, Oruro, Bolivia",  http://piqs.de/fotos/146232.html

Foto: Pedro Szekely, “Father Obermaier Church, Oruro, Bolivia”, http://piqs.de/fotos/146232.html

Studien- und Rundreisen Bolivien ► Storchmann Reisen

 

Quellen:

(1) http://lainfo.es/de/2014/10/02/bolivien-entwickeln-erzeugung-von-kernenergie-strategie/
(2) https://www.bueso.de/node/7631
(3) http://www.blickpunkt-lateinamerika.de/news-details/article/wir-wollen-mehr-gleichheit/3446.html?no_cache=1&cHash=5542dc1741cfc356664f540dd4f99441
(4) https://www.bueso.de/node/7638

 

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Spastik – die tödliche Erbkrankheit des EE-Stroms

Deutschland wird zur Zeit wie ein Labortier für ein Experiment missbraucht, das gewisse Analogien zu einem anderen Versuch aufweist, der in der jüngsten Geschichte der Menschheit fürchterlich schief gelaufen ist und großes Elend über die Betroffenen gebracht hat: Der Versuch, aus ideologischen Gründen eine Entwicklung weit über die Toleranzgrenzen der vorhandenen gesamtgesellschaftlichen Strukturen und Gegebenheiten hinaus mit aller Gewalt durchzupeitschen. Diesmal geht es um die „Energiewende“, den Versuch, die funktionierende Stromversorgung einer modernen Industrienation komplett umzukrempeln.

Verantwortlich sind auch diesmal Personen, deren grundlegende Überzeugungen im Kommunismus wurzeln und die für das, was man gemeinhin Kapitalismus nennt, im Wesentlichen Unverständnis und Missachtung empfinden. Gleichzeitig werden auch technische Argumente vom Tisch gefegt, weil die Vision in den Augen der Verantwortlichen einfach alles rechtfertigt.

Der große EE-Sprung nach vorn

An den „Großen Sprung nach vorn“ erinnert man sich in China noch heute mit Grauen. Es war der untaugliche Versuch fanatischer Ideologen, eine bäuerliche Nation innerhalb kürzester Zeit zu einer Industriegesellschaft umzukrempeln, mit „Volkshochöfen“ in den Dörfern sowie anderen technisch wie wirtschaftlich unsinnigen Maßnahmen. Den Ideologen, die dies durchzuziehen versuchten, war völlig egal, dass ein fast reines Agrarland mit einer mittelalterlich anmutenden Bauernkultur weder die technischen und logistischen noch die kulturellen Voraussetzungen hierfür bieten konnte. Das Resultat waren willkürliche Zwangsmaßnahmen, Missernten und unsägliches Elend. Letztlich endete alles in einer Katastrophe, die dem Land schwer schadete. China brauchte Jahre, um sich von diesem grausam missglückten Experiment zu erholen.

Ohne Speicherung keine Energiewende…

Foto: Marcus Bleil
Bild 1: Deutschland verfügte bisher über eines der weltweit stabilsten Stromversorgungssysteme

Die heute in Deutschland bei der Stromversorgung betriebene Energiepolitik erinnert in fataler Weise an diesen „Großen Sprung“, weil auch in diesem Fall aus ideologischen Gründen mit Macht ein lebenswichtiges System komplett umgekrempelt werden soll, ohne dass die grundlegenden Voraussetzungen für seine „Runderneuerung“ gegeben sind. Man will 80 % eines bestens funktionierenden Stromversorgungssystems (Bild 1) ersetzen, obwohl wesentliche technische Voraussetzungen hierfür nicht verfügbar sind.

In erster Linie ist hier das Speicherproblem zu nennen. Unsere Stromversorgung wurde bisher von „klassischen“ Kraftwerken sichergestellt: Kohlekraftwerke, Kernkraftwerke, Gaskraftwerke und in geringerem Umfang auch Wasserkraftwerke. Alle diese Kraftwerkstypen sind dafür ausgelegt, den Strom zu exakt dem Zeitpunkt und in genau der Menge zu erzeugen, wie er benötigt wird. Im Gegensatz dazu liefern Windenergieanlagen und Solarpaneele ihren Strom nicht dann, wenn er gebraucht wird, sondern dann, wenn die Wetterlage es zulässt. Um Industrie und Bürger dennoch bedarfsgerecht mit Strom versorgen zu können, müsste man über große Speicher verfügen, in denen man den wetterbedingten Überschuss speichern könnte, um ihn bei Bedarf dann abrufen zu können.

Bild_2

Bild 2: Stromspeicherung mit Batterien bereitet schon im Kleinstmaßstab Probleme: Solargartenleuchten sind Schönwetter-Sommerkinder, im Winter sterben die Batterien

und das Speicherproblem ist unlösbar

Die zu speichernden Strommengen sind enorm, der künftige Bedarf dürfte eine Größenordnung von 1,5 bis 2 TWh für jeden Tag erreichen, an dem die „Erneuerbaren“ nicht liefern. Im Vergleich dazu beträgt die gesamte Pumpspeicherkapazität Deutschlands gerade einmal 0,04 TWh [DRRA]. Hinzu kommt, dass gerade im Winter, wenn die Solarproduktion über Monate hinweg nahezu bedeutungslos ist, manchmal wochenlange Flauten aufgrund der sogenannten Sibirienhochs auftreten. Wenn dann in Deutschland die Lichter nicht ausgehen sollen, müssten Speicher mit entsprechend hohen Kapazitäten einspringen.

Es gibt jedoch zurzeit kein Speichersystem (Bild 2), das imstande wäre, diese Anforderungen zu erfüllen. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung stellte im Zusammenhang mit der Energiewende bereits 2013 fest: „Vor etwas mehr als zwei Jahren wurde von der Regierungskoalition aus CDU/CSU und FDP die beschleunigte Energiewende ausgerufen. Dieses Großprojekt wird derzeit ohne ein schlüssiges Gesamtkonzept verfolgt“ [WIGU].

Foto: Thomas Frost Jensen
Bild 3: Norwegens Bevölkerung zeigt bislang wenig Neigung, sich ihre wunderschönen Fjorde mit Staumauern zumörteln zu lassen

Auch Deutschlands Nachbarn können da nicht aushelfen. Die Kapazität der in ganz Europa vorhandenen Pumpspeicherwerke reicht nicht einmal ansatzweise für den künftig erforderlich werdenden Bedarf aus, und andere ins Feld geführte Alternativen wie Batterien, Druckluftspeicher, Wasserstoffproduktion oder die Erzeugung von Methan („Power-to-Gas“) haben so schlechte Wirkungsgrade bzw. so enorme Kosten, dass sie als Alternativen definitiv ausscheiden [DRRA]. Dies liegt an physikalischen Gesetzmäßigkeiten und kann auch durch noch soviel Forschung nicht behoben werden. Die häufig zu hörende Behauptung, man könne doch für die Zukunft entsprechende Entdeckungen nicht ausschließen, kommt meist von technischen Laien, während Naturwissenschaftler solche Aussagen in der Regel zusammen mit Laserschwert, Zeitsprüngen und Reisen in ferne Galaxien der Kategorie „Science Fiction/ Fantasy“ zurechnen.

Konventionelle Kraftwerke bleiben unverzichtbar…

Bild_4

Bild 4: Konventionelle Kraftwerke – hier das Kraftwerk Gersteinwerk – liefern Strom dann, wenn er auch wirklich gebraucht wird (Foto: kohlekraftwerke.de)

Da der zufallsbedingt auftretende Überschuss von Strom aus Wind- und Solarenergieanlagen nicht sinnvoll genutzt werden kann, müssen konventionelle Kraftwerke ständig in Bereitschaft gehalten werden, um die Netzversorgung trotz der schwankenden EE-Einspeisung stabil zu halten. Da zurzeit bereits rund 32000 MW Windkapazität und 35000 MW Solarkapazität am Netz sind, übersteigt ihr kumulierter Output an manchen Tagen bereits 40000 MW, während zu anderen Zeiten nur wenige 100 MW geliefert werden. Aufgrund des gesetzlichen Einspeisevorrangs der „Erneuerbaren“ müssen die konventionellen Kraftwerke die jeweilige Differenz zum Verbrauch in Höhe von bis zu 70000 – 80000 MW ausgleichen. Im Jahresdurchschnitt sichern diese konventionellen Kraftwerke zurzeit rund 75 % des Bedarfs. Doch aufgrund ihrer Funktionsweise haben sie damit bereits jetzt zunehmend Probleme, die mit dem fortschreitenden Ausbau der „Erneuerbaren“ ständig weiter zunehmen. Für ihren Einsatz sind nämlich technisch bedingte Grenzen zu beachten. Kohlekraftwerke kann man nicht einfach so wie ein Auto durch eine Umdrehung des Zündschlüssels starten und danach gleich Vollgas geben. Für einen Kaltstart brauchen sie etliche Stunden bis Tage. Je mehr sie durch den Ausbau von Wind- und Solarkraftwerken an den Rand gedrängt werden, desto geringer wird deshalb auch ihre Möglichkeit, im Notfall schnell einzuspringen. Und ein Ausweichen auf reine Gasturbinenkraftwerke wäre aufgrund des schlechten Wirkungsgrads sowie des teuren Brennstoffs Erdgas nicht vertretbar. Erschwerend kommen die aktuellen Unwägbarkeiten bezüglich der Versorgungsmöglichkeiten mit Erdgas hinzu.

und werden überfordert

Bild 5: Anfahrverhalten konventioneller Kraftwerke (GT=Gasturbine, GuD=Gas und Dampf-Kombikraftwerk) (Grafik: [VDE])

Bild 5: Anfahrverhalten konventioneller Kraftwerke (GT=Gasturbine, GuD=Gas und Dampf-Kombikraftwerk) (Grafik: [VDE])

Wie bereits erwähnt, lassen sich große Kraftwerke nicht so ohne weiteres einschalten und hochfahren. Das gilt insbesondere für Kohlekraftwerke mit ihren riesigen Dampfkesseln, deren Gesamtmasse oft 10000 Tonnen übersteigt. Für einen völligen Kaltstart brauchen große Kohlekraftwerke mindestens einen Tag, manchmal sogar noch länger. Selbst aus einem sogenannten „hot Standby“ heraus, d.h. mit bereits angewärmtem Kessel und auf Sparflamme laufender Feuerung, benötigen sie je nach Größe und Bauart rund 40 Minuten, bevor sie überhaupt nennenswerte Mengen Strom erzeugen können, und bis zum Erreichen der Nennleistung kann es mehr als zwei Stunden dauern, Bild 5. Auch die vielgelobten Gas- und Dampfkraftwerke (GuD) sind keine wirklichen Sprinter und brauchen mindestens 10-15 Minuten Anlaufzeit, und bis zum Erreichen ihrer vollen Leistung vergeht zwischen einer halben und einer vollen Stunde. Lediglich reine Gasturbinen sind imstande, innerhalb von ca. 5 Minuten auf volle Leistung zu kommen.

Bild 6: Mindestauslastungsgrad konventioneller Kraftwerke in % der Nennlast (Grafik: [VDE])

Bild 6: Mindestauslastungsgrad konventioneller Kraftwerke in % der Nennlast (Grafik: [VDE])

Hinzu kommt, dass sich alle diese Kraftwerke nicht beliebig über den ganzen Leistungsbereich betreiben lassen. Unterhalb einer gewissen Mindestauslastung ist ihr Betrieb aus einer Reihe von Gründen nicht vertretbar, Bild 6. Hierzu zählen Verschlechterungen der Emissionswerte bzw. geringere Effektivität der DENOX-Katalysatoren, die Unterschreitung der Taupunkttemperatur im Rauchgas, was zu Korrosion führen könnte, sowie diverse weitere, nur dem Fachmann bekannte Faktoren. Die direkte Folge dieser Beschränkungen bedeutet, dass man größere Schwankungen der Stromerzeugung aus Wind und Sonne nur dann ausgleichen kann, wenn ausreichende Kapazitäten an konventionellen Kraftwerken mit einem Mindestmaß an Auslastung aktiv betrieben werden. In dem Moment, wo diese Kraftwerke aufgrund der Priorität für EE-Strom vom Netz genommen werden müssen, verlieren sie ihre Fähigkeit, bei Leistungsschwankungen von Wind oder Sonne schnell einzugreifen. Dann wird das Netz instabil.

Was bringt die Zukunft?

Bild 7: Gradient der Erzeugung von Wind- und Solarstrom im Dezember 2013 bei viertelstündlicher Auflösung in MW/ h (Daten: EEX)

Bild 7: Gradient der Erzeugung von Wind- und Solarstrom im Dezember 2013 bei viertelstündlicher Auflösung in MW/ h (Daten: EEX)

Angesichts dieses Widerspruchs stellt sich die Frage, wie dieses Nebeneinander von „erneuerbarer“ und konventioneller Stromerzeugung mit zunehmendem Ausbau der Wind- und Solarkapazitäten in Zukunft entwickeln wird. Grundlage für eine solche Betrachtung ist im vorliegenden Fall eine Projektion der voraussichtlichen Erzeugung aus Wind- und Solarkraftwerken in den Jahren 2025 (min 40 % EE-Anteil laut aktueller Planung der Bundesregierung) und 2050 (80 %). Um die Betrachtung realistisch zu gestalten, wurde die reale Produktion beider EE-Quellen für den Monat Dezember 2013 zugrunde gelegt. Hieraus wurde zunächst der Gradient, d.h. die Geschwindigkeit, mit der sich die Erzeugung ändert, berechnet, Bild 7. Diese Werte wurden entsprechend der gestiegenen Anteile für 2025 bzw. 2050 für jeweils einen fiktiven Dezember 2025 bzw. 2050 hochgerechnet.

Die zugrundeliegenden Annahmen für die Gesamtproduktion sowie die Anteile einzelner Kraftwerksarten wurden bereits in einer früheren Veröffentlichung dargelegt [FRED]. Hieraus ergeben sich folgende Zahlen zur Produktion aus Windenergie und Fotovoltaik:

Jahr 2025: TWh
Wind Onshore (erforderl. Kapazität 86660 MW, Nutzungsgrad 17,4 %) 132,1
Wind Offshore (erforderl. Kapazität 6500 MW, Nutzungsgrad 34,8 %) 19,9
Solar (erforderl. Kapazität 52000 MW, Nutzungsgrad 8,3 %) 37,8

Jahr 2050: TWh
Wind Onshore (erforderl. Kapazität 272500 MW, Nutzungsgrad 17,4 %) 415,4
Wind Offshore (erforderl. Kapazität 27500 MW, Nutzungsgrad 34,8 %) 83,8
Solar (erforderl. Kapazität 52000 MW, Nutzungsgrad 8,3 %) 37,8

Gradienten des Wind- und Solarstroms im Dezember 2025

Bild 8: Verlauf des Gradienten der Erzeugung von EE-Strom aus Sonne und Wind für einen fiktiven Monat Dezember 2025

Bild 8: Verlauf des Gradienten der Erzeugung von EE-Strom aus Sonne und Wind für einen fiktiven Monat Dezember 2025

Mit den aus obigen Annahmen errechneten Faktoren wurden dann die realen Verläufe der Wind- und Solarstromproduktion unseres Beispielmonats Dezember 2013 für einen fiktiven Dezember 2025 hochgerechnet. Die entsprechende Kurve zeigt Bild 8. Der wilde Zickzackverlauf zeigt, in welchem Ausmaß die Stromerzeugung aus diesen „erneuerbaren“ Quellen erratisch nach oben wie auch nach unten schwankt, weshalb sich hierfür zunehmend auch der Begriff „Zappelstrom“ durchzusetzen beginnt. Die Extremwerte liegen für unseren Mustermonat Dezember 2025 bei +5643 bzw. -2970 MW. Dies bedeutet eine Differenz von 8600 MW, die permanent von konventionellen Kraftwerken ausgeglichen werden muss. Für diesen Fall kann man auch ausrechnen, welche konventionelle Mindest-Kraftwerksleistung allein zu diesem Zweck ständig am Netz gehalten werden muss.

Für diese Abschätzung wurde angenommen, dass im Jahre 2025 alle Kernkraftwerke stillstehen und deren Anteile zu 2/3 von Braunkohlekraftwerken und zu 1/3 von Steinkohlekraftwerken übernommen wurden. Der konventionelle Brennstoffmix würde sich bei dieser Annahme aus 49,5 % Braunkohle, 34,4 % Steinkohle, 14,7 % Gas und 1,4 % Öl zusammensetzen. Ausgehend von diesen Annahmen lässt sich errechnen, dass unter optimalen Bedingungen mindestens 14000 MW konventioneller Kraftwerkskapazität mit einem durchschnittlichen Nutzungsgrad von rund 60 % allein schon deshalb in Produktion sein müssen, um die zu erwartenden Lastschwankungen des EE-Stroms sowohl nach unten als auch nach oben abfangen zu können. Das Problem dürfte sein, noch europäische Nachbarn zu finden, denen man den überschüssigen EE-Strom bei Starkwind und blauem Himmel ins Netz drücken könnte.

und im Jahr 2050

Bild 9: Die Gradienten des Stroms aus Wind und Fotovoltaik für einen fiktiven Dezember 2050 schwanken zwischen 17180 MW und -10240 MW

Bild 9: Die Gradienten des Stroms aus Wind und Fotovoltaik für einen fiktiven Dezember 2050 schwanken zwischen 17180 MW und -10240 MW

Noch dramatischer stellt sich die Lage dar, wenn man die gleichen Berechnungen für das Jahr 2050 mit einem angenommenen EE-Stromanteil von 80 % anstellt. Die entsprechenden Gradienten des Stroms aus Wind und Fotovoltaik zeigt Bild 9. Sie schwanken in der Spitze zwischen +17180 MW und -10240 MW, mithin eine Gesamtspanne von 27400 MW, für deren Ausgleich konventionelle Kraftwerke ununterbrochen unter Dampf stehen müssen. Analog zur oben aufgeführten Betrachtung für das Jahr 2025 ergibt sich daraus eine Reserve-Gesamtkapazität von stolzen 42000 MW, die aufgrund des erforderlichen durchschnittlichen Nutzungsgrades von rund 60 % im Schnitt 25200 MW elektrischer Leistung abgeben. Wo man diesen Strom zusammen mit der bei guten Wetterlagen zu erwartenden Flut an EE-Strom unterbringen möchte, mögen die Götter wissen, die Technik hat darauf keine Antwort.

Bild10: Verlauf des Gradienten der Stromerzeugung aus Wind- und Solarkraftwerken am fiktiven 23.12.2050

Bild10: Verlauf des Gradienten der Stromerzeugung aus Wind- und Solarkraftwerken am fiktiven 23.12.2050

Dass dieses „Gezappel“ für EE-Strom nicht nur bei der gewählten Darstellungsweise über einen vollen Monat, sondern auch bei geringerer zeitlicher Auflösung typisch ist, zeigt die Darstellung in Bild 10, das den Verlauf des EE-Gradienten für einen 24-Stunden-Zeitraum am fiktiven 23. Dezember 2050 darstellt. Hier ist zu erkennen, wie der Gradient vor allem gegen 22.00 Uhr in kürzester Zeit wild zwischen -8000 MW und +17000 MW hin- und herpendelt. Eine Vorstellung, die bei jedem Fachmann der Stromerzeugung Alpträume hervorrufen dürfte.

 

Fred F. Mueller

Quellen:
[DRRA] http://www.eike-klima-energie.eu/energie-anzeige/die-im-dunkeln-sieht-man-nicht-regelenergie-die-versteckten-zusatzkosten-des-eeg/
[EEX] http://www.transparency.eex.com/en/
[FRED] http://www.eike-klima-energie.eu/climategate-anzeige/die-im-dunkeln-sieht-man-nicht-regelenergie-die-versteckten-zusatzkosten-des-eeg/
[VDE] Brauner, Glaunsinger, John, Schwing, & Bofinger, Magin, Pyc, Schüler, Schulz, Seydel, Steinke. VDE-Studie: Erneuerbare Energie braucht flexible Kraftwerke – Szenarien bis 2020. 18.04.2012
[WIGU] Gegen eine rückwärtsgewandte Wirtschaftspolitik Jahresgutachten 2013/14 Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung Statistisches Bundesamt 65180 Wiesbaden November 2013

 

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