Das Gutmenschentum ist nichts weiter als “moralischer Neoliberalismus”

Der Gutmensch. Der Gutmensch an sich ist ein Opfer. Nämlich das Opfer von Bösmenschen. Die haben es partout auf Ehrenamtliche abgesehen, die sich “in der Flüchtlingshilfe engagieren oder die sich gegen Angriffe auf Flüchtlingsheime stellen.” Das behauptet jedenfalls eine unabhängige(!) sprachkritische Initiative, die sich als moralische Sprachinstanz 1991 selbst auf den Thron gehoben hat. Seitdem wird das “Unwort des Jahres” von ihr, in diesem Jahr ergänzt durch den Kabarettisten Georg Schramm, gewählt. Ziel der sprachkritischen Aktion “Unwort des Jahres” sei es, “das Sprachbewusstsein und die Sprachsensibilität” in der Bevölkerung zu fördern, heißt es auf der Website der Initiative. Man möchte den Blick auf sachlich unangemessene oder inhumane Formulierungen lenken.

“Gutmensch” ist kein geschützter Begriff, die Definition der Sprachkritiker ist völlig willkürlich, zudem entspricht sie nicht dem Sinn, wie “Gutmensch”  in den Social Media verwendet wird. Es gibt für ihn auch keine verbindliche Definition, weshalb die Definition von Stupedia gleichwohl ein Recht auf Anerkennung durch die sprachbewusste und sprachsensible Bevölkerung fordern kann.

Stupedia: “Der Gutmensch”.

“Der Gutmensch gehört zu der Gattung homo perfektus beneficiaris. Er hat im Laufe der Evolution eine unglaubliche Anpassungsfähigkeit etwickelt. Sinn seines Lebens ist es, möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten und (Schein-)Toleranz zu predigen. Er pflanzt sich fort, indem er andere Menschen zum Gutmenschentum bekehrt. Erklärtes Ziel ist es, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, indem er ständig neue Ideen und Forderungen für mehr “Toleranz” ersinnt, eben der typische Gutmenschen-Blödsinn (s.u. “Beliebte Phrasen und Einsichten”). Leider artet dieses Bestreben in einen regelrechten Toleranzfaschismus aus, wodurch man hierzulande mit Androhung der Nazikeule geradezu dazu gezwungen wird, jeden noch so nutzlosen Blödsinn und unnötigen Scheiß als toll zu empfinden, solange es nicht deutschnational ist (hier wird man hingegen gezwungen, es zu verachten). […]

Typisch für Gutmenschen ist es, dass sie sich selbst für intellektuell halten, während sie all diejenigen, die ihnen nicht in der oben genannten Scheintoleranz zustimmen, gleich als primitiv, von Medien manipuliert (bevorzugt der Springerpresse), rechtsradikal, voreingenommen, inkonsequent etc. diffamieren, nur um behaupten zu können, dass eine sachliche Diskussion mit jenen nicht möglich ist.”

Das Gutmenschentum ist nichts weiter als “moralischer Neoliberalismus”

Eine kurze Definitions-Variante von Lucas Sch. bei Facebook: “Die Linguisten wissen wohl nicht, was mit Gutmensch gemeint ist. Er ist ein Mensch, der sich eigener Selbstüberhöhung anmaßt die einzig richtige Moralvorstellung zu haben und letztendlich alles aufs Spiel setzt, nur um sich moralisch überlegen fühlen zu können. Dafür opfert er vor allem nicht die eigenen Güter, sondern privatisiert die Selbstüberhöhung, solidarisiert aber die Kosten. Das Gutmenschentum ist also nichts weiter als moralischer Neoliberalismus.”

Somit erweist sich die Kritik an der Verwendung des Begriffs “Gutmensch” als Boumerang für die Kritiker. Dieses Urteil hätte Georg Schramm bestimmt nicht erwartet – Georg Schramm, ein moralischer Neoliberalist!

http://www.deutschlandfunk.de/sprachkritik-gutmensch-ist-unwort-des-jahres.1818.de.html
http://www.stupidedia.org/stupi/Gutmensch

VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 0.0/5 (0 votes cast)

Staatlich angeordnete Verblödung

Foto: Acid Pix

Wird die heranwachsende Generation durch unser Bildungssystem zunehmend verdummt? Diese Ansicht vertritt der Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier und nennt als Grund für diese Misere, dass nur nach ökonomischen Aspekten unterrichtet werde. Kritische Reflexionen seien nicht mehr gefragt, am Ende verlasse schön verpacktes Humankapital die bildungsökonomisch hocheffizienten Ausbildungsfabriken.
Doch die gut ausgebildeten Ungebildeten seien ängstliche Kreaturen. Mit begrenztem Horizont und engem Herz gehe diese neue Elite durch die Welt, die Angst im Nacken, von anderen, ebenso “coolen” Charakteren wie sie selbst aus dem Feld geschlagen zu werden, sagt Heinzlmaier.

Seine provokante These lautet: Nichts für’s Leben, sondern für die Wirtschaft lernen wir.

Heinzlmaier analysiert seit Jahrzehnten Deutschlands Jugend wissenschaftlich. Er prangert die sytematische Verdummung der Jungen in seinem Buch: “Performer, Styler, Egoisten: Über eine Jugend, der die Alten die Ideale abgewöhnt haben” an.

Heinzlmaier

► Heinzlmaier: “Performer, Styler, Egoisten: Über eine Jugend, der die Alten die Ideale abgewöhnt haben” – als Taschenbuch oder eBook erhältlich:
Heinzlmaier_TB
Heinzlmaier_pdf
Heinzlmaier_epub

Zum Inhalt:
Der Neoliberalismus ist ein Gas (Deleuze). Einem Gas kann man kaum Grenzen setzen. Aus der Ökonomie kommend strömt es ungehindert in alle Diskurse und Lebenswelten ein. Ökonomische Imperative greifen auf alle Sphären der Gesellschaft über – auf Schule, Familie, Gesundheitswesen, Kultur, Bildung usw. Die Gesellschaft ist zum Anhängsel des Marktes geworden.
Wir treffen heute auf ein Phänomen, das in den Sozialwissenschaften als Werteverschiebung vom Postmaterialismus zum Neomaterialismus bezeichnet wird. Der Neomaterialismus steht für eine Grundhaltung, die postmaterielle Werte der ’68er Generation wie Solidarität, Toleranz, idealistische Selbstverwirklichung und die Kritik an gesellschaftlicher Ungerechtigkeit und Unterdrückung durch ein neomaterialistisches Wertesetting ersetzt, in dem die beherrschenden Werte Sicherheit, Konsum, sozialer Aufstieg, Nutzenorientierung und Affirmation der gesellschaftlichen Verhältnisse sind. Berechtigt ist nur, was sich vor dem Richterstuhl der ökonomischen Imperative bewähren kann. Was sich nicht verwerten lässt, wird exkludiert, auch wenn es sich dabei um Menschen handelt.
In verschulten und autoritär reglementierten Universitäten, in denen Bildung durch die unkritische Akkumulation von Fachwissen und dessen Abprüfung im geistlosen Multiple-Choice-Verfahren verdrängt wird, werden die Jugendlichen systematisch für die Verwendung im Markt hergerichtet. Kritische Reflexionen sind nicht mehr gefragt. Bildung als Erziehung zur Freiheit, als Persönlichkeitsbildung, als Förderung von kreativen und ästhetischen Fähigkeiten, Bildung der “Gesinnung und des Charakters” (Humboldt) – alles längst verabschiedet und auf den Müllhaufen der Geschichte geworfen. Am Ende verlässt schön verpacktes Humankapital die bildungsökonomisch hocheffizienten Ausbildungsfabriken.
Doch die gut ausgebildeten Ungebildeten sind ängstliche Kreaturen. Mit begrenztem Horizont und engem Herz geht diese neue Elite durch die Welt, die Angst im Nacken, von anderen, ebenso “coolen” Charakteren wie sie selbst aus dem Feld geschlagen zu werden.

______________

In einem Interview mit der Welt kritisiert Heinzlmaier:Bei der Zusammensetzung der Bildungsinhalte zählt nur noch die wirtschaftliche Logik. Die Lehrinhalte werden danach ausgewählt, was später auf dem Arbeitsmarkt auf jeden Fall verwertbar ist. Seit Jahren findet in den Schulen eine Verlagerung zugunsten naturwissenschaftlicher und betriebswirtschaftlicher Inhalte statt. Unterrichtsstunden in Musik, Literatur und Kunst werden gekürzt, weil diese Fächer kein im ökonomischen Sinne nützliches Wissen vermitteln.”

Quellen:

VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 0.0/5 (0 votes cast)
image_pdfimage_print