Klimaretter: Gute Geschichten zur Energiewende gesucht

klimaretter.info sucht: “Gute Geschichten zur Energiewende.” Realität ist gefragt! Wie sich aber die Realität der Energiewende positiv darstellen lässt, ist mir noch ein Rätsel. Aber für das positive feeling ist gesorgt: Lichtblick-Vorstand Gero Lücking ist Mitherausgeber von klimaretter.info.

Auf Kritik an der Energiewende kontert Klimaretter ohne Rücksicht auf die Argumente postwendend mit dem Hinweis auf die Unglaubwürdigkeit des Verfassers. Es geht nicht um den Klimawandel, sondern um die Durchsetzung ökonomischer Interessen einer neuen ökologischen Industrie, die von sich behauptet, sie sei für Mensch und Natur gesünder. Die Realität sieht allerdings anders aus. Aus diesem Grund sollen neue PR-Ideen helfen, die Akzeptanz der Energiewende zu verbessern.

In diesem Zusammenhang ist der Aufruf für “Gute Geschichten zur Energiewende” zu verstehen. Sie können beim Portal Energieblogger.net eingereicht werden.

 

Die Energieblogger

Die Energieblogger, die im intransparenten Netzwerk der Energiewender die Interessen der Ökoindustrie vertreten, möchten “mit guten Argumenten, Fakten und Beispielen aus der Praxis die Energiewende mit Leben füllen.” Das 19-köpfiges Team will auch “mit Interessierten, Zweiflern und Mitstreitern” in Dialog treten. Das sagen sie jedenfalls. Sie sagen ebenfalls, dass sie sich “als eine unabhängige Stimme neben den Mainstream-Medien” verstehen.
Ihr Standpunkt: Der Eindruck, den man habe, die Energiewende sei viel zu teuer, unkalkulierbar und viel zu kompliziert, sei falsch. Die Energieblogger unterstellen, die sich “als eine unabhängige Stimme neben den Mainstream-Medien” verstehen, unterstellen dennoch die Mainstream-Variante, die Mehrheit der Deutschen wolle den Umstieg auf Erneuerbare Energien. Sie hätten allerdings falsche Vorstellungen von den Kosten und den Folgen für die Umwelt. Die Energieblogger glauben ferner, dass die Energiewende “viele Jobs” gebracht und “Deutschland zum Vorzeigeland für Innovation und Fortschritt” gemacht habe. Sie glauben auch den Studien und Forschungsprojekte, die angeblich belegen, dass der Umstieg auf 100 % Erneuerbare Energien möglich sei.

Weil man aber aktuell den Eindruck habe, die Energiewende sei viel zu teuer, unkalkulierbar und viel zu kompliziert, möchten sie diesem Bild entgegentreten und “mit guten Argumenten, Fakten und Beispielen aus der Praxis die Energiewende mit Leben füllen”, damit sich jeder damit identifizieren könne. So der Wunsch.

Der Wettbewerb

Der Wettbewerb läuft bis zum 30. August, die Teilnahmebedingungen sind auf der Kampagnenwebsite zu finden. Die Geschichten können beim Portal Energieblogger.net eingereicht werden.

Kritik an den Folgen der Energiewende?

Ob Geschichten, die sich kritisch mit den Folgen der Energiewende auseinandersetzen, veröffentlicht oder wieder gelöscht werden, ist natürlich fraglich. Deshalb: Schickt kritische Geschichten auch an
> redaktion@ruhrkultour.de oder postet sie hier:
> https://www.facebook.com/Ruhrkultour

 

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Wildwuchs für Windkraftanlagen droht nach Urteil des OVG Schleswig bundesweit!

Ein Urteil des Oberverwaltungsgerichtes Schleswig sollte man sich genauer ansehen, weil es, wie Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) sagt, im Ergebnis zu mehr #Windenergie, nicht zu weniger führen wird. Albig: “Es wird keinen Planungsstopp geben. Das Urteil stärkt die Investoren, denn wir haben jetzt mehr Flächen für Windkraftanlagen zur Verfügung. Wir werden das Urteil des OVG sorgfältig analysieren und die notwendigen rechtlichen und planerischen Schlussfolgerungen ziehen.”
Dieses Urteil zeigt aber auch, dass die Argumentation von Kommunen, durch Ausweisung von Flächen dem Bauwahn zuvorkommen zu wollen, im Grunde nichts anderes als vorauseilender Gehorsam ist. Die Privilegierung privater Wirtschaftsunternehmen zu Lasten anderer ist ein Kernproblem des demokratischen Verständnisses kommunaler Souverätität, zu deren Gewährleistung sich die Staaten in der Europäischen Union 1985 in der Europäischen Charta der kommunalen Selbstverwaltung verpflichtet haben. Wäre es nicht die Pflicht der Kommunen, den Erhalt der kommunalen Souveränität von der Regierung einzufordern?

http://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Oberverwaltungsgericht-kippt-Windkraftplanung-,windkraft530.html
► Der Wind, der Bund, das Land und die Kommunen: http://ruhrkultour.de/der-wind-der-bund-das-land-und-die-kommunen/
Oberverwaltungsgericht für das Land Schleswig-Holstein, Aktenzeichen: 1 KN 6/13 u.a., 1 KN 74/13, 1 KN 75/13

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Der BUND Rheinland-Pfalz im Dienste der Windindustrie?

Fürfeld ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz, mit etwa 1.500 Einwohnern. In Windeseile schlossen sich im März 2014 Einwohner zur “Bürgerinitiative Gegenwind” zusammen, um den Bau eines geplanten Windparks zu verhindern. Ihr Hauptargument ist die fehlende Eignung des Standorts für eine effektive und rentable Windstromproduktion; angesichts der zu erwartenden schwachen Windausbeute seien die Eingriffe in die Natur und die Belastungen für die Anwohner nicht zu rechtfertigen.

Der BUND zieht sein Versprechen, gegen die Baupläne zu klagen, zurück

Der BUND-Landesverband Rheinland-Pfalz, 2010 rund 9.000 Mitglieder, hatte der Bürgerinitiative seine Unterstützung für eine Klage gegen die Bebauungspläne zugesagt und dafür von ihr eine Spende in Höhe von 9.000 Euro erhalten. Mehrheitlich hat der BUND-Landesvorstandes – gegen die Expertise seines Vorsitzenden sowie einzelner Kreisgruppen getroffen und ohne Einbezug des Arbeitskreises Naturschutz – jedoch beschlossen, keine weiteren Rechtsmittel gegen die Realisierung des Windparkprojektes einzulegen. Er weigert sich jedoch, dem Verein die Spendengelder zurück zu geben. Unter anderem wurde der Bürgerinitiative mitgeteilt, man habe Vieles zu Gunsten des Vogelzuges erreichen können, indem ein Monitoring des Zuggeschehens erfolgen soll.

Wirtschaftliche Interessen kontra Naturschutz

In einer Pressemitteilung weist die Bürgerinitiative auf einen besonderen Aspekt der Entscheidung des BUND-Landesvorstandes hin. Ein maßgebliches Vorstandsmitglied, der Schatzmeister Matthias Boller, sei gleichzeitig stellvertretender Landesvorsitzender des „Bundesverbandes Windenergie“. Weiterhin sei er wirtschaftlich in der Windstromerzeugung selbst aktiv. Schon im Frühjahr 2014 habe Herr Boller gemeinsam mit dem Geschäftsführer des Windparks Matthias Pravetz versucht, bei einem unangekündigten und mit dem Landesvorsitzenden nicht abgestimmten Besuch in Fürfeld den BI-Sprecher dazu zu überreden, die BUND-Klage gegen den Windpark nicht mehr zu unterstützen.

Auch das BUND-Mitglied Torsten Zielasko betreibe seit Beginn der rechtlichen Auseinandersetzung um die Genehmigung des Windparks Fürfeld eine massive Kampagne. In einer Email vom 13.11.2014 habe  er an einen BUND-internen Verteiler geschrieben:
„Auf der gestrigen außerordentlichen Jahreshauptversammlung in Mainz wurde dem Antrag mehrerer Ortsgruppen des BUND zugestimmt, dass Harry Neumann (Anm.: Landesvorsitzender des BUND und Windkraftkritiker) auf der außerordentlichen Delegiertenversammlung am 13.12. um 10.00 Uhr im Mainz-Lerchenberger Bürgerhaus abgewählt wird. … Ich denke die Chancen stehen 70:30, dass Harry Neumann dann abgewählt wird. Bitte unbedingt weiter mobilisieren!“
Herr Torsten Zielasko ist nicht nur BUND-Mitglied, sondern auch Geschäftsführer von G.A.I.A., der Gesellschaft, die u.a. den Windpark Fürfeld projektiert und erstellt. Seine Präferenz im Streit zwischen Artenschutz und Windkraft dürfte damit hinreichend erklärt sein.

 

Es geht auf einer außerordentlichen Delegiertenversammlung am 13. Dezember in Mainz darum, ob die Gruppe derjenigen, die der Windkraft Priorität einräumen, oder der Naturschützer den Konflikt für sich entscheiden werden. Dabei geht es auch um das Amt des Vorsitzenden Harry Neumann, der ein kompromissloser Kämpfer für den Erhalt der Natur und gegen die Industrialisierung der Landschaft ist.

Eine sicher nur zufälliges Zusammentreffen der Leitthemen der “Allgemeine Zeitung” zur Stichwortsuche “Fürfeld Bund” (printscreen)

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Feldheim

Feldheim: Eine 13-Millionen-Euro-Megabatterie für die “Selbstversorger”

Der kleine Brandenburgische Ort Feldheim wird als Musterbeispiel der Energiewende gepriesen

Selbst-Versorgung: Erste Gemeinde befreit sich von Energie-Konzernen” jubelten die Medien, so zum Beispiel die Deutschen Wirtschaftsnachrichten. Wikipediawidmet dem Vorzeigemodell einen eigenen Beitrag, der Ort werde “unabhängig mit Energie versorgt” und habe als erster in der Umgebung eine Elektrotankstelle erhalten. Feldheim wird in den Medien als ein Mekka der Erneuerbaren Energien und der neuen, grünen Gesellschaft gepriesen. “Ökotouristen aus aller Welt strömen alljährlich in das Dorf, obwohl es hier nicht einmal mehr einen intakten Gasthof gibt”, Touren durch das Ökodorf würden in Deutsch, Englisch, Spanisch und Französisch angeboten,  japanisch sei noch nicht dabei – “trotz der vielen Japanern, die nicht zuletzt nach der Katastrophe von Fukushima bereits den Weg nach Feldheim gefunden haben.” [3] Im neuen Baedeker-Reiseführer, “Deutschland – Erneuerbare Energien erleben”, ist Feldheim allerdings nicht erwähnt. Seit 2010 sei Feldheim laut eigenen Angaben energieautark. Windräder und Solaranlagen erzeugten Strom, eine Biogasanlage und ein Holzhackschnitzelkraftwerk sorgten für Wärme. Den Angaben der 130-Seelen-Gemeinde zufolge verbrauche der Ortsteil lediglich ein Prozent seines Stroms. Nur ein Prozent?

Feldheim – Das Vorzeigemodell

Das Vorzeigemodell Feldheim ist ein Ortsteil der Stadt Treuenbrietzen in Brandenburg, etwa 30 km südlich von Potsdam gelegen. Die Lage des Dorfes war nach der Wende desolat, die technischen Einrichtungen marode, die Versorgungslage schlecht. Vor 15 Jahren hatte der Ort noch 286 Einwohner, am 04.09.2013 nur noch 150 Einwohner und heute ist er auf 130 Einwohner geschmolzen. Schulen, Krippen und Kindertagesstätten sind nicht im Ort vorhanden. Nach paradiesischen Zuständen hört sich dies auch heute nicht an. Zwei Jahre nach der Wende wurde 1991 die Agrargenossenschaft Fläming eG Feldheim gegründet. 28 Personen aus Feldheim und anderen Orten arbeiten hier bei dem größten Arbeitgeber des Ortes. Die Bewirtschaftung erfolgt in Feldheim und umliegenden Gemarkungen auf rund 1600 ha Ackerland, 65 ha Grünland und etwa 170 ha Wald. Auf den Flächen werden Getreide, Raps, Silomais und Zuckerhirse angebaut. Das Erntegut wird als Futter zur Versorgung des Tierbestandes und als Rohstoff für die Biogasanlage sowie zur Marktproduktion verwendet. Die Agrargenossenschaft betreut auch die neue Biogasanlage. [2]

Alles hängt an einem Unternehmen

Die einschneidende Veränderung für Feldheim begann mit dem Unternehmen Energiequelle GmbH, einem brandenburgischen Unternehmen, das unter diesem Namen seit 1997 Windparks projektiert. Es beschäftigt sich inzwischen auch mit der Planung und dem Bau von Photovoltaik- und Biomassekraftwerken und gehört im regenerativen Energiesektor heute zu den zehn Großen der Branche in Deutschland.

  • Zwischen 1994 bis 2005 wurde in Feldheim vom Unternehmen Energiequelle GmbH ein Windpark mit 43 Windkraftanlagen und einer installierten Leistung von insgesamt 74,1 MW errichtet. Eine Erweiterung nördlich des Ortsteils ist in Planung.
  • Auf einem ehemaligen Militärgelände in Feldheim errichtete Energiequelle einen Solarpark mit 96 Photovoltaik-Anlagen, ein drittes wirtschaftliches Standbein für Feldheim.
  • Die individuell angeschlossenen Haushalte werden autark über separate Verteilernetze mit Strom und Wärme aus erneuerbaren Energien vor Ort versorgt. Die Wärmelieferung erfolgte ab Dezember 2009 aus der Biogasanlage, hinzu kommt für die Wärmeversorgung eine Holzhackschnitzelverbrennungsanlage, die Strombelieferung erfolgte ab Oktober 2010 direkt vom nahe gelegenen Windpark.
  • Durch Energiequelle entstanden Arbeitsplätze, lokale Handwerker und Bauunternehmen erhielten Aufträge; Verwaltungsangestellte, Ingenieure und Facharbeiter hätten in dem Werk einen Arbeitsplatz und in Feldheim ein neues Zuhause gefunden. 25 neue Arbeitsplätze seien bisher entstanden, bei rund 150 Einwohnern. [4]
  • Die Energiequelle GmbH ist Sponsor für alle Vereine und Gruppen sowie für den Ort.
  • Außerdem ist Energiequelle GmbH zu 50 % Eigentümer der im Jahr 2008 errichteten Biogasanlage auf dem Gelände der Agrargenossenschaft.
  • Im Jahr 2008 wurde auf der ehemaligen Landwirtschaftsfläche am östlichen Ortsrand die EQ-SYS GmbH, eine Fabrik zur Herstellung von Nachführmodulen und Table-Systemen für Solarparks, gebaut. Die EQ-SYS GmbH beschäftigt derzeit 21 Mitarbeiter und ist ein Ausbildungsbetrieb.
  • Im Zuge der Baumaßnahmen der Feldheim Energie GmbH & Co. KG wurde gleichzeitig die Telekommunikation modernisiert.
  • Die Energiequelle GmbH hat zusammen mit den Feldheimer Einwohnern und Firmen das Projekt Energieautarker Ort Feldheim gestartet. Aus dieser Initiative entstand die Feldheim Energie GmbH & Co. KG, in der mit zwei Ausnahmen alle Grundstückseigentümer aus Feldheim Kommanditisten sind.
  • Für das neue Stromnetz musste die  Feldheim Energie GmbH & Co. KG rund 400 000 Euro aufbringen. Dafür reichten die Einlagen der Kommanditisten gerade aus. Ihre Einlage beläuft sich auf 3000 Euro. Offenbar trifft diese Einlage nicht überall auf Zustimmung, wie dies in einem Leserbriefan den Focus zum Ausdruck kommt. [3]

Das Feldheimer Modell wird gerne als Beispiel für die Unabhängigkeit von Energiekonzernen genannt. An diesem Bild arbeitet auch die “Agentur für Erneuerbare Energien” mit, die mit Unterstützung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit sowie das Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz “den Ausbau Erneuerbarer Energien mit breiter Zustimmung vor Ort voranzutreiben” gedenkt: “Alle Wertschöpfungseffekte an einem Ort” heißt der Slogan für Feldheim. [4] Der Preis dafür ist die völlige Abhängigkeit Feldheims von einem einzigen Unternehmen. Sind die Einwohner wirklich zu beneiden? Die vermutlich günstigen Grundstückspreise, die desolate Lage des Dorfes mit maroden technischen Einrichtungen, schlechter Versorgungslage und stark schwindender Bevölkerung einerseits und die üppig fließenden Subventionen andererseits sind der Stoff, aus dem Dank der Energiewende die Ökoindustrie boomt – ein Prozent des erzeugten Stroms wird an die Einwohner abgegeben, zu einem immer noch hohen Preis, und zusammen mit den 99 Prozent mehr produzierten Stroms werden Einnahmen aus Subventionen generiert. Was haben die Einwohner hier zu melden?

Ist Feldheim ein Selbstversorger-Modell?

Feldheim sei in der Lage, sich selbst zu versorgen, heißt es. Mit der Bezeichnung “Selbstversorger” ist die Situation des Ortes allerdings nicht korrekt beschrieben. Denn Feldheim produziert mehr Strom, als es selbst verbraucht, um genau zu sein, 99 Prozent über den eigenen Bedarf hinaus. Wofür ist Feldheim also in Wirklichkeit ein Vorzeigemodell? Denn die Autarkie ist ja nicht mehr als ein winziger Nebeneffekt. Rupert Reiger hat die Zahlen aus Feldheim hochgerechnet, damit man sich die Dimensionen besser vorstellen kann, in der in Feldheim Energieversorgung geplant wird. [5]

  1. Der Betreiber des Windparks, Energiequelle GmbH, bietet in Feldheim eine Leistung von 74 Megawatt, verteilt auf 43 Windräder, für 130 Einwohner, das sind 3 Einwohner für ein Windrad. Das sind dann bei 80 Mio Deutschen 27 Mio Windräder.
  2. 74 Megawatt (installierte) Leistung sind dann 0,57 Megawatt pro Einwohner, also gut ein halbes Megawatt pro Einwohner. “Das sind dann hochskaliert 45 000 000 Megawatt oder 45 000 Gigawatt installierte Leistung für Deutschland. In Deutschland waren 2011 für das öffentliche Stromnetz alles zusammen (!!!) 174 Gigawatt installiert.”
  3. Feldheim hat eine 250 fache Überinstallation.

Reiger: “Darum hängen sie noch am Netz, so machen sie ihr Geld, und darum ist der Strom in Feldheim so billig.”

Ein Vorbild für die “dezentrale regenerative Energieversorgung”?

In Feldheim werde “eines der spektakulärsten Gesamtkonzepte für eine dezentrale regenerative Energieversorgung von Unternehmen, Privathaushalten und Kommunen verwirklicht”, erklärt der Förderverein des Neue-Energien-Forum Feldheim e.V. [6] Welchen Einfluss haben der Förderverein und die Feldheim Energie GmbH & Co. KG  auf das Unternehmen Energiequelle? Haben sie Einblick in die Geschäftsvorgänge? Bestimmen sie über die Geschäftsziele? Wohl kaum. Dies lässt die Lebenserfahrung, aber auch der Leserbrief von Evelyn Hoffmann an das Magazin Focus vermuten. [7] Feldheim ist kein Modell für eine dezentrale Energieversorgung; denn die Menge an Strom, die Feldheim zu viel produziert, muss irgendjemand den Feldheimern abnehmen. Das heißt, bei einer konsequent umgesetzten dezentralen Energieversorgung würde Feldheim viel zu viel Strom produzieren, er würde gar nicht gebraucht oder nähme anderen Gemeinden die Chance, selbst eine dezentrale Energieversorgung aufzubauen.

Energiekonzern Vattenfall sitzt mit im Boot

Zu den Illusion, die auch wider besseren Wissens verbreitet werden, gehört die Behauptung, Feldheim könne von den Energiekonzernen unabhängig sein. Die Überschrift der Deutschen Wirtschaftsnachrichten ist schlicht falsch: “Erste Gemeinde befreit sich von Energie-Konzernen”. Das Energieforum wirbt damit, Orte wie Feldheim könnten sich aus “Abhängigkeiten von übermächtigen Energieversorgern” lösen. In einem Energieforum will die Gemeinde anderen Interessierten die Vorteile der Energieautarkie nahebringen. Das Modell Feldheim soll Schule machen. “Je mehr Gemeinden ihren Strom und ihre Wärme selber herstellen, desto weniger verdienen die Energiekonzerne am Transport.” [6]  Die Gebühren für die Nutzung und den Transport von Energie durch die Netze von E.on, RWE und Vattenfall machen nach Angaben des BDEW immerhin 20 Prozent des Preises aus, den Privathaushalte für eine Kilowattstunden zahlen musste. [1] Die Realität ist ernüchternd und hat mit der Propaganda der Unternehmen aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien und in in den Medien wenig zu tun. Der Energiekonzern Vattenfall ist am Projekt beteiligt: “Er sichert den Feldheimern zu, sie bei einem möglichen Ausfall der Kraftwerke mit Strom zu versorgen, und erhält dafür Nutzungsrechte an der Batterie”, berichtet klimaretter.de. [10}

Die Kosten

Den Bau des notwendigen Stromnetzes mussten die Feldheimer selbst finanzieren. Dies konnten sie nur, weil die EU und das Land Brandenburg das Projekt zur Hälfte förderten. Für den Rest hat die  Feldheim Energie GmbH & Co. KG einen Kredit über 15 Jahre aufgenommen, dessen Tilgung nach Plan verlaufe. [3] Nach welchem Plan? Fragen wie diese scheinen unbeantwortet zu sein: “Wie hoch ist die Umlage, die die Bürger auf das Darlehen zahlen müssen?”, oder: “Der Zinsverlust der 3000 € müsste auch gegen gerechnet werden.” Die Frage sei außerdem, auf wessen Kosten später die Anlagen gewartet und/oder ersetzt werden müssen.[7] Erinnert man sich an den Fall Prokon? Bürger aus des Nachbardorfes Kallinchen, die sich im Verein Freier Wald e.V. gegen die industrielle Ansiedlung von Windkraftanlagen und Stromtrassen in Wäldern und nahen Siedlungen aussprechen, bedauern die Feldheimer: “Verlierer sind aus unserer Sicht eindeutig die bemitleidenswerten Bürger Feldheims und Umgebung, auch finanziell, denn die Anschlüsse für ihre neue “autarke” Energie mussten sie selbst zahlen. Die Preise werden sich erst in den geschätzten kommenden 10 Jahren amortisieren, denn mehr gibt der Preisnachlass nicht her.” [8]

Der Strompreis für die Feldheimer

Der durchschnittliche Preis für eine Kilowattstunde liegt in Deutschland bei 28 Cent. Die Feldheimer zahlen dagegen nur 16,6 Cent. Der Strompreis werde in Feldheim weiter sinken, sobald die Kredite für das Stromnetz vollständig abbezahlt seien. [1] Aber rechnet sich der niedrige Strompreis wirklich, oder werden die Dorfbewohner nur ausgenutzt? An der Börse kostet der Erzeugerstrom jedenfalls nur 3-5 Cent/kWh. Demnach sind 17 Cent also viel zu hoch. Die Differenz zu den 28 Cent, die durchschnittlich alle privaten Haushalte zahlen, wird durch Fördermittel des Staates und durch Steuern ausgeglichen, letztlich durch den Steuerzahler. 16,6 Cent genügen für ein gutes Image.

Lithium-Ionen-Akkus als Mega-Speicher – ein Provokation für den ökologischen, technischen und ökonomischen Verstand

Feldheim ist ohne das Unternehmen Energiequelle nicht mehr lebensfähig, wodurch die Bezeichnung “Unabhängigkeit” wohl kaum noch zutrifft. Der Traum von konzernunabhängiger Energieversorgung erfüllt sich für Feldheim nicht, wenn man die lokalen Player betrachtet. Abgesehen von Vattenfall, geht die Umarmung durch das Unternehmen Energiequelle sogar in die nächste Phase: Das Unternehmen will gemeinsam mit dem Windkraftanlagen-Betreiber Enercon in Feldheim die bisher größte Batteriespeicheranlage Deutschlands bauen, die damit doppelt so groß wäre wie das erste Projekt dieser Art in Schwerin. Für das Batterieprojekt hat Energiequelle eine eigene Firma gegründet: Firma F&E Energiequelle GmbH. Nach Informationen der Märkischen Allgemeinen Zeitung sollen die Lithium-Ionen-Akkus eine Speicherkapazität von zehn Megawattstunden haben. Mit deren Hilfe soll “der Strom künftig dem sogenannten Primärregelleistungsmarkt angeboten” werden. Für das Batteriepaket stelle Feldheim eine Halle zur Verfügung,  30 Meter lang und 17 Meter breit. Die Kosten des Projekts sollen sich auf 13 Millionen Euro belaufen. 2015 soll es aktiviert werden, berichtet die Zeitung und bestätigt im Verlauf des Artikels die Vermutung kritischer Leser: Der Baubeginn ist abhängig von dem Förderbescheid, der noch im Mai erwartet wird. Mit Feldheim allein sei es nicht getan, meinen die Projektplaner von Energiequell, mit 60 Anlagen dieser Größe von zehn Megawatt Leistung wäre der Bedarf für Deutschland gedeckt. [9] Die Zeitung erwähnt nicht, dass die Akkus sich nicht als Speicher für eine zuverlässige Stromversorgung eignen, sie gleichen nur Versorgungsschwankungen im Netz aus. Kein einziges Grundlastkraftwerk wie Kohle- oder Kernkraftwerk wird durch sie überflüssig. Die Akkus halten im Schnitt nur zwei bis fünf Jahre und müssen dann ausgetauscht werden, für wiederum 13 Millionen Euro. Eine unglaubliche Quelle permanenter Geldbeschaffung. Ein Sicherheitsrisiko besteht bei Lithium-Ionen-Akkus: Sie können explodieren. Jeder Handybenutzer hat davon gehört, einige haben dies selbst erlebt.

Auch Tesla blieb vom Brand eines Lithium-Ionen Akkus nicht verschont

Woher klimaretter.de die Information bezieht, die Gemeinde Feldheim wolle mit Hilfe der Batterien den Strom aus dem nahegelegenen Windpark und den Solaranlagen gewinnbringender nutzen und den bisher direkt ins Netz eingespeisten Strom speichern, um ihn dann bei Bedarf zu höheren Preisen in den Primärregelleistungsmarkt einzuspeisen, ist nicht belegt.  “Mithilfe der Batterie können die Feldheimer ihren Erneuerbaren-Strom künftig dann einspeisen, wenn er sich besser verkaufen lässt.” [10] Mit Speck fängt man Mäuse, mit virtuellem Speck offenbar auch.

Sichere Stromversorgung in Feldheim?

Der Bürgermeister der Stadt Treuenbrietzen, zu der Feldheim gehört, Michael Knape, sagte gegenüber Deutschlandradio Kultur: “Seit 29. Oktober letzten Jahres sind wir – quasi offiziell – dürfen wir das ganze auch machen. Dass also noch kein Tag dabei war, wo wir im Dunkeln gesessen haben und auch noch kein Tag dabei war, wo wir wirklich gefroren haben.”  [12] Das darf man wohl erwarten, denn schließlich ist Feldheim 25o-fach überversorgt. Die Realität erleben die Feldheimer aber offenbar anders. Eine Besucherin des Ortes sagt: “Nach Angaben der Feldheimer war z.B. die Versorgung an Heiligabend 2013 ausgefallen.” [7] Einwohner aus dem Nachbarort Kallinchen hatten sich an einem schönen Herbsttag auf den Weg nach Feldheim gemacht, um sich zu informieren. Sie kehrten von Feldheim enttäuscht zurück: Verlassene Häuser und kein Bürger, der ansprechbar gewesen wäre. [8] F. F.

Quellen/Literatur/Medien:

 

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