Rente

Fünf Mythen des Deutschen Rentensystems auf einer Seite erklärt

Deutsche Politiker behaupten die Gesetzliche Rentenversicherung (GRV) sei extrem kompliziert um die Rentnerwähler mit kleinen “Rentengeschenken” stimmenwirksam zu steuern. Unser Umlagesystem der Altersrente – an der sich andere Rentenarten orientieren – ist dennoch simpel. Der Beitrag erklärt das System auf einer Seite, nennt die fünf häufigsten Systemmythen und macht einige Reformvorschläge.

 

Deutsche Rentner wohlhabend dank dem vorbildlichen Rentensystem (Mythos 1)

Die Rentenhöhe ist in Deutschland mit 50% des letzten Verdienstes in der Aktivenzeit deutlich niedriger als in vielen EU-Ländern (OECD-Durchschnitt 63%). Wenn es den 21 Mio. Senioren bei 849 € effektiver Monatsrente heute relativ “gut” geht, so dank der eignen Immobilie, der Betriebsrente und dem massiven Abbau der Ersparnisse. Eine Anhebung um 10% würde bei 246 Mrd. € (2016) Rentenauszahlung (ohne versicherungsfremde Leistungen) nur 25 Mrd. € kosten. [1]

Der Generationenvertrag gewährleistet die gerechte Verteilung zwischen jung und alt (Mythos 2)

Dieser “Vertrag” (junge Berufsaktive zahlen Beiträge für die Renten der Alten) ist kein Gesetz, sondern eine ungeschriebene Regel, die von der Politik oft “reformiert” wurde. Selbst wenn er ein Gesetz wäre, könnte man es ändern. Da er es aber nicht ist, müssen Einnahmen und Ausgaben der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) nicht unbedingt gleich sein.

 

Die Rentenformel bestimmt die objektive Rentenhöhe (Mythos 3)

Die Grundformel für die Altersrente lautet: persönliche Rentenhöhe = Anzahl Beitragsjahre (Z) x Beiträge nach Durchschnittsverdienst (D) x Rentenwert (R). Sie wird zum Teil von der Regierung bestimmt, die jährlich den R-Wert mitbestimmt – aktuell 29,69€ . Er enthält Parameter wie zum Beispiel den Nachhaltigkeitsfaktor. Wer 30 Jahre durchschnittlich verdient hat (D = 1), bekommt 891 € Rente. Wie R berechnet wird, wird nicht veröffentlicht.

 

Das Demografieproblem erzwingt Rentenkürzungen oder/und Beitragserhöhungen (Mythos 4)

Rente

2013 haben laut Bevölkerungspyramide 2,9 Aktive im Alter 20-64 Jahre für einen Rentner gezahlt (Tabelle rechts), 2025 werden es nur noch 2,4 sein. Die hierdurch entstehende Lücke in der Rentenkasse beträgt 20% oder jährlich 1,5%. In absoluten Zahlen sind es knapp 3,7 Mrd. €. Die Lücke lässt sich nur durch Betragssatzerhöhung und/oder eine Rentenkürzung schließen – so die Regierung.

Warum kann der reiche deutsche Staat diese Lücke nicht füllen? Diese und andere Mythen unseres Rentensystems müssen endlich enttabuisiert werden.

 

Der Staat hat kein Geld für die Rentner, die Hoffnung liegt allein in den Flüchtlingen (Mythos 5)

Deutschland gibt per anno gut 30 Mrd. € für Migranten aus. Für die Bundeswehr, Strassen und Schulen soll es trotz sprudelnden Steuereinnahmen wenig Geld geben. Migranten sind für die GRV keine Abhilfe. Im Gegenteil belasten sie die Sozialkassen – dieses belegt die Empirie. Es genügt nicht, dass die Migranten jung sind aber keine Arbeit finden oder arbeitsunwillig sind. Die Wirtschaft hat kaum Migranten eingestellt.

Herr Scheuble, es ist eine Farce, dass sich keine 29 Mrd. € für unsere Rentner finden!

Um die Gesamtlücke von rd. 29 Mrd. € zu schließen, sollte zuerst der Staat einspringen. Deutschland hat mit 44% eine niedrige Staatsquote. (EU-Durchschnitt 48%).

Im Worst-Case sind – wenn der Staatshaushalt es nicht anders zulässt – neue Schulden zu machen. Erst danach sollten andere Reform-Ideen, wie die Erweiterung der Beitragszahlerbasis, Reform der Beamtenpensionen, Mindestrenten, Mütterrente usw. folgen.

Dr. Viktor Heese – Dozent und Fachbuchautor – www.börsenwissen-für-anfänger.de

 

Quellen:

[1] http://www.deutsche-rentenversicherung.de

[2] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/6769/umfrage/staatsquoten-der-eu-laender/

 

Foto: Alexas_Foto, pixabay

 


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Das neueste Buch von Viktor Heese “Was kosten Deutschland die Migranten? Eine Auswahl publizierter Kostenschätzungen” (August 2016) ist über epubli erhältlich.

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Die Folgen des “Berliner Asylkostendiktats” für Kommunen: Beispiel Köln

In einem Artikel des Deutschen Arbeitgeberverbands weist der Analyst Dr. Viktor Heese auf die schwierige Lage von Kommunen hin, die die Kosten für Asylanten kaum noch schultern können und auf dem Weg in die Insovenz sind. Viktor Heese nennt als Ursache das Asylkostendiktat der Bundesregierung. Die Belastung beträgt bis 2.000 € pro Monat und Migrant ausgeht. Verglichen mit dem Betrag der durchschnittlichen Altersrente, die sich 2015 im Bundesdurchschnitt auf 825 € belief, bekommen Rentner nur maximal die Hälfte davon. Diese Ungleichheit beinhaltet sozialen Zündstoff, für den der Autor das Asylkostendiktat aus Berlin verantwortlich macht. Wir veröffentlichen einen kurzen Auszug aus dem Beitrag von Viktor Heese.

Foto: Pixabay, Köln

Ein Flüchtling kostet die Domstadt so viel wie zwei Rentner – wird die Rheinmetropole jetzt zum “Sanierungsfall”?

Formal-juristisch kann eine deutsche Kommune nicht insolvent werden, also pleite gehen, wie es der Volksmund zu nennen pflegt. Eine Finanzaufsicht seitens des Landes ist aber ökonomisch nichts anderes als eine “versteckte Insolvenz”.

Am Beispiel der Stadt Köln – 1.060.000 Einwohner und bekannt durch Dom, rheinischen Frohsinn und die Lebensweisheit “es kütt wies kütt”, gerne auch “es is noch emmer jot jejange” – wollen wir die reale Situation der Kommunen prüfen und fragen, ob es tatsächlich gut gehen kann.

Die Kommunen erwarten natürlich, dass der Bund und die Länder einen fairen Anteil an den Flüchtlingskosten übernehmen. Wie hoch der sein soll, wird oft nicht explizit gesagt. Die im Asylgesetz und in den Flüchtlingsaufnahmegesetzen der Länder enthaltenen Pauschalen liegen allerdings weit unter den tatsächlichen Kosten und sind auch oft “weltfremd”.

So muss in NRW nach § 5 (Fn 2) des Flüchtlingsaufnahmegesetzes (FlüAG) eine Kommune die außergewöhnlichen Krankheitskosten bis zu 35.000 € jährlich selber tragen. Besonders hoch verschuldete Kommunen, wie eben Köln, schlagen wegen diesem Berliner Asylkostendiktat Alarm.

Im Hinblick auf Köln gilt heute schon Alarmstufe Rot: 60% kommunaler Kostenanteil und eine monatliche Migrationsbelastung pro Person von 2.000 € sind ohne drastische Maßnahmen nicht zu bewältigen!

Der komplette Artikel ist hier nachzulesen: “Der finanzielle Niedergang der Kommunen: Beispiel Köln.”


Was kann der Bürger tun? – fragt Viktor Heese

Ob der aufgebrachte Bürger sich noch mit der Floskel “das habe alles nichts mit den Flüchtlingen zu tun” abspeisen lassen werde? Zu fragen bleibe, ob es Wege gibt, das drohende Unglück zu stoppen. Der erste Schritte, den nach Ansicht von Viktor Heese Bürger machen sollte, ist Fachbeiträge auf entsprechenden Portalen zu studieren. Das Verständnis der relevanten Zahlen sei gar nicht so schwer. Allen interessierten Lesern stellt der Deutsche Arbeitgeberverband eine ausführliche Zahlenaufstellung zur Verfügung, die er bei Bedarf gerne beim Verband anfordern kann.

Foto: Pixabay

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