Noch 16 Tage

Die Obama-Regierung ist sich einig, dass Wladimir Putin von Moskau aus die Cyberangriffe steuerte, um die Präsidentschaftswahlen in den USA zugunsten des Republikaners Donald Trump zu stärken. Sie wies als Reaktion daraufhin unter anderem 35 Diplomaten und ihre Familien aus den USA aus. Es werde auch noch weitere Reaktionen geben, kündigte die US-Regierung an, ohne zu sagen, welche.

Es gebe kein Beweise für irgendwelche russischen Cyberangriffe zur Beeinflussung der US-Präsidentenwahl, sagt Paul Craig Roberts. Dies gehe aus einem Bericht des Department of Homeland Security / DHS (Ministerium für Innere Sicherheit) “zur Ausweisung von 35 russischen Diplomaten wegen heimtückischer Cyberaktivitäten und sonstiger Störmanöver” vor. Er beschreibe lediglich Fähigkeiten, über welche die Russen angeblich verfügen, aber nicht, dass die angegebenen Tools und die beschriebene Infrastruktur tatsächlich verwendet wurden, um das Ergebnis der US-Präsidentenwahl zu beeinflussen.
Dieser Bericht sollte auch nur zu Informationszwecken dienen und enthielt den Vermerk: “Das DHS übernimmt keine Garantie dafür, dass die darin enthaltenen Informationen auch tatsächlich zutreffen.”

Dennoch greift der nur noch wenige Tage amtierende Präsident Obama auf die unbewiesenen CIA-Anschuldigung zurück, die russische Regierung habe das Ergebnis der US-Präsidentenwahl mit “heimtückischen Cyberangriffen” beeinflusst. Die neokonservative Obama-Regierung habe neue Sanktionen gegen Russland angekündigt, aber nicht sagen wollen, was damit gemeint ist, sagt Roberts. Das wundert ihn nicht, denn er habe, wie er sagt, schon in früheren Artikeln geschrieben, “dass in den USA und ihrem Imperium erwiesene Tatsachen keine Rolle mehr spielen. Fast überall genügen Behauptungen und Verdächtigungen – in Gerichtsverfahren, bei Vernehmungen, in der Innen- und Außenpolitik oder in den Klassenzimmern. US-Regierungen berufen sich sogar bei ihren militärischen Invasionen auf falsche Behauptungen – genannt seien nur die “Massenvernichtungswaffen” (Saddam Husseins).”

Roberts: “Warum erheben Präsident Obama, die CIA und die New York Times, Anschuldigungen,
von denen sie genau wissen, dass sie nicht zutreffen, weil sie nicht den geringsten Beweis dafür vorlegen können?” Die Antwort könne nur lauten, sagt Roberts, “dass die neokonservative Obama-Regierung die Beziehungen zwischen den USA und Russland so zerrütten will, dass Trump sie nicht mehr reparieren
kann.” Die Amtsübergabe an Donald Trump erfolgt am 20. Januar.

Seit der Präsidentschaft Bill Clintons beruhe die gesamte US-Außenpolitik nur noch auf Lügen und falschen Anschuldigungen. Roberts hält die Gefahr für so groß, dass er der sagt, die russische Regierung solle ihre Streitkräfte vorsichtshalber in höchste Alarmbereitschaft versetzen.

 

Paul Craig Roberts
Paul Craig Roberts ist ein US-amerikanischer Ökonom und Publizist. Er war stellvertretender Finanzminister während der Regierung Reagan. Roberts ist Mitbegründer des wirtschaftspolitischen Programms der Regierung Reagans (“Reaganomics”). Er war Mitherausgeber und Kolumnist des Wall Street Journal, Kolumnist von Business Week und dem Scripps Howard News Service.
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Der DHS-Bericht ist aufzurufen unter: https://diplopundit.files.wordpress.com/2016/12/jar_16-20296.pdf
Eine Übersetzung des Artikels von Paul Craig Roberts: http://luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_16/LP00317_040117.pdf
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Bücher von Paul Craig Roberts sind bei Storchmann Medien erhältlich.

 

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Nadija Sawtschenko, Kampfpilotin – Anfang und Ende einer politischen Inszenierung

Sie war für wenige Monate ein Popstar, berühmteste Ukrainerin auch im Westen, hielt patriotische Reden, lag noch im Sommer 2016 in den Umfragen vor dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko, die Ukrainer wünschten sich Nadeschda Sawtschenko sogar als Präsidenten. Sie war Kampfpilotin, in Gefangenschaft, in russischer Haft und im Hungerstreik. Perfekt für eine Inszenierung. “Es kommen Tausende Kandidaten in die Gefängnisse – gezwungenermaßen. Und von Tausenden schaffen es einige, Popstars zu werden: der Oligarch Michail Chodorkowskij, die Pussy-Riot-Girls. Und jetzt: Nadija Sawtschenko”, schrieb Sputniknews.

Innerhalb von wenigen Monaten ist der Traum vom Popstar gerade eben zerplatzt.

 

Im Fahrstuhl nach oben

Als Sawtschenko nach ihrer Freilassung im Mai den ukrainischen Boden barfuß betrat, war die Show perfekt. Kameramänner jagten sie und Frauen verfolgten sie mit Mikrofonen, schrieb die FAZ. Politiker hatten sich über mehrere Jahre auf eine Inszenierung vorbereitet, egal wie das Urteil für Sawtschenko ausgehen würde. Die Grünen-Europapolitikerin Rebecca Harms hatte zum Beispiel 2014 per Twitter zu Spenden für die Anwälte Sawtschenkos aufgerufen. Nadeschda Sawtschenko war zur Nationalheldin und zum Popstar der westlichen Welt bestimmt, so wie vor ihr Julia Timoschenko, der Oligarch Michail Chodorkowskij oder die Pussy-Riot-Girls. Die überraschende Begnadigung Sawtschenkos durch Wladimir Putin lag zwar nicht im Sinne der Regie, aber auch sie ließ sich für die PR-Arbeit gegen Russland nutzen.

Noch während ihrer Haft in Russland und in Abwesenheit war die Kampfpilotin als Abgeordnete der Vaterlandspartei von Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko in die Oberste Rada, das ukrainische Parlament, bestimmt und dann auch als Delegierte des Landes in die Parlamentarische Versammlung des Europarates entsandt worden.

Die Umgehung einer regulären Wahl und die unstatthafte Einsetzung Sawtschenkos in ein politisches Amt war die Belohnung für ihre anti-russischen Stellungnahmen. Sie forderte den Westen auf, mehr Druck auf Russland auszuüben und sagte zum Beispiel. “Ich denke, dass die Welt endlich verstehen muss: (Wladimir) Putins Hunger wird niemals enden”, sagte sie zu möglichen weiteren territorialen Ansprüchen des Nachbarn, der bereits die Krim annektiert hat und die Separatisten im Donbass aktiv unterstützt. “Er will nach und nach weitere Regionen und Länder erobern. Es braucht deshalb massiven wirtschaftlichen und politischen Druck.” Sawtschenko lieferte, was der Westen von ihr erwartete.

 

Im Fahrstuhl nach unten

Heute jedoch, nur wenige Monate später, fürchtet das Parlamentsmitglied Nadeschda Sawtschenko um ihr Leben. Aus ihrer Sicht trachten diejenigen danach, die sie noch vor wenigen Monaten als Nationalheldin der Ukraine gefeiert haben. In einem Interview mit dem ukrainischen Fernsehsender NewsOne behauptete sie, das Präsidialamt Petro Poroschenkos würde ein Mordattentat gegen sie planen. Nach ihren Worten sei sie auf ein solches Vorgehen der Machthaber gefasst und kenne die Daten und Tage, wann das passieren werde, berichtet der Sender.

Fest steht, dass mit Beschluss vom 23.12.2016 Nadeschda Sawtschenko nicht mehr an den Sitzungen des Parlamentarischen Ausschusses für nationale Sicherheit und Verteidigung teilnehmen wird. Sie sei aus dem Ausschuss ausgewiesen worden wegen des sensationellen letzten Politiktreffens mit den Leitern der “DNI/LC”. Darüber hinaus habe sie “anti-ukrainische Aussagen” gemacht, zitiert NewsOne ein Mitglied des Ausschusses.

Wie ist es möglich, dass die als Nationalheldin international gefeierte ukrainische Kampfpilotin Nadeschda Sawtschenko, die 2014 als Mitglied des rechtsextremen Bataillons Aidar gegen die Volksmilizen im Donbass gekämpft, von einem russischen Gericht wegen Beihilfe zur Ermordung von zwei russischen Journalisten schuldig gesprochen, zu 22 Jahren Haft verurteilt, von Russlands Präsident Waldimir Putin am 25. Mai 2016 begnadigt und noch am selben Tag unter Begeisterungsstürmen auch der deutschen Medien nach Kiew zurückkehrte, jetzt auf einer “Abschussliste” steht?

Ihr Vergehen besteht darin, dass sie die Vertreter der selbsternannten Volksrepubliken Donezk (DNI) und Lugansk (LC), die von der ukrainischen Regierung, der Europäischen Union und den USA nicht anerkannt werden, nicht als Terroristen bezeichnet. Ihr werden zum Beispiel Äußerungen in einem Interview für den ukrainischen Sender Espresso TV vorgeworfen. Sie hatte im Interview gesagt:

„So wie wir auf dem Maidan der Janukowitsch-Regierung entgegentraten, so kämpfen auch die Jungs der Volksrepubliken Lugansk und Donezk gegen die Regierung von Poroschenko. Und sie sind keine Terroristen.“

Kurz zuvor hatte sich Nadeschda Sawtschenko mit den Chefs der ostukrainischen Separatisten, Alexander Sachartschenko und Igor Plotnizki, in Minsk in Weißrussland getroffen. Ziel der Gespräche sei die Freilassung ukrainischer Soldaten gewesen, berichten mehrere Medien. Die Fraktion der Vaterlandspartei, die von der Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko geführt wird, habe daraufhin ihre einstige Spitzenkandidatin aus ihren Reihen ausgeschlossen.

Nicht die Äußerungen Sawtschenkos im Parlament und in den Medien haben zu Spannungen mit den Machteliten geführt, höchstens das Ende der Inszenierung beschleunigt. Der Rauswurf aus der Europarats-Delegation und aus dem Verteidigungssauschuss kommt nicht überraschend, er gehört offenbar zu den Regeln einer Inszenierung, die der Chefredakteur der “Bild”, Kai Diekmann, anlässlich des Rücktritts des damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff mit folgenden Worten beschrieben hat: “Wer mit der Bild im Aufzug nach oben fährt, fährt mit ihr auch wieder nach unten.”

Ähnlich wie Wulff und vielen anderen ergeht es jetzt Nadeschda Sawtschenko. Dies wird durch die Vorsitzende des auswärtigen Ausschusses der Ukraine, Anna Gopko, deutlich. Die Zeitung „KP“ zitiert Gopko mit den Worten: „Als wir sie 2014 in die Delegation aufnahmen, wollten wir die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf ihren gesetzwidrigen Arrest in Russland hinweisen.“ Der Grund sei nach ihrer Rückkehr weggefallen. Für den fraktionsübergreifenden Beschluss hatten 237 Volksvertreter gestimmt.

Die Show ist jetzt beendet, den Popstar gibt es nicht mehr. Die nächste Castingshow wird nicht lange auf sich warten lassen.

 

Quellen:

  • http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Politik/d/8613052/sawtschenko-kritisiert-debatte-ueber-lockerung-von-sanktionen.html
  • https://newsone.ua/ru/savchenko-otstranili-ot-otvetstvennosti-za-nacbezopasnost-i-oboronu/
  • https://de.sputniknews.com/politik/20161216313794242-keine-terroristen-im-donbass-laut-sawtschenko/
  • https://de.sputniknews.com/politik/20161219313830452-sawtschenko-poroschenko-toeten/
  • http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/kampfpilotin-nadija-sawtschenko-will-praesidentin-der-ukraine-werden-14406721.html 29.08.2016
  • http://www.handelsblatt.com/politik/international/ukrainische-kampfpilotin-nationalheldin-im-parlament-isoliert/19175130.html
  • http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/pussy-riot-lady-suppenhuhn-11867761.html
  • http://derstandard.at/2000049779386/Kiews-Parlament-schliesst-Sawtschenko-aus-Europarats-Delegation-aus

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Strom aus Atommüll – Fiktion, oder was?

Gäbe es keinen “Atommüll”, wäre die bunte Welt der Kernkraftgegner um einen wichtigen Punkt ärmer. Denn die Kernkraftgegner wollen partout nicht auf diesen identitätsstiftenden “Green Blob” verzichten. Aber es gibt eine Lösung, keine Wunschvorstellung, sondern ein real existierendes Kernkraftwerk, das etwas kann, wozu kein Windrad in der Lage ist: Aus nuklearen Abfällen Strom gewinnen. Dominic Wipplinger und Rainer Klute stellen diese umweltfreundliche Technik vor.

Strom aus Atommüll: Schneller Reaktor BN-800 im kommerziellen Leistungsbetrieb

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Foto: Rosatom

Seit dem 31. Oktober 2016 und damit gut einem Monat läuft Block 4 des russischen Kernkraftwerks Beloyarsk im kommerziellen Leistungsbetrieb. Es handelt sich um einen sogenannten Schnellen Reaktor vom Typ BN-800 mit einigen Eigenschaften, die ihn vom Gros der sonst üblichen Leichtwasserreaktoren abheben. Für das amerikanische Kraftwerkstechnikfachmagazins „POWER Magazine“ waren diese Besonderheiten jüngst Grund genug, der noch jungen Anlage die Auszeichnung „Top Plant“ zu verleihen.

Ein wesentlicher Punkt, der zu dieser Entscheidung führte, ist die Fähigkeit des BN-800, nicht nur Uran, sondern auch Plutonium und die übrigen Transurane als Brennstoff zu nutzen. Diese hochradioaktiven und langlebigen Stoffe fallen beim Betrieb üblicher Kernreaktoren als Atommüll an und lassen sich dort nicht weiter verwerten. Allerdings enthalten diese Abfälle noch 96 Prozent der ursprünglich im Kernbrennstoff steckenden Energie, also fast alles. Schnelle Reaktoren wie der BN-800 sind in der Lage, diese Energie freizusetzen und Strom daraus zu gewinnen. Die bessere Brennstoffausnutzung führt zu viel weniger Reststoffen, die außerdem erheblich geringere Halbwertszeiten aufweisen und somit viel schneller abklingen.

Russland will die Abfälle herkömmlicher Leichtwasserreaktoren reyclen und das Atommüllproblem innerhalb der nächsten Jahrzehnte mit Hilfe Schneller Reaktoren lösen. Fachleute nennen das Atommüll-Recycling auch das »Schließen des Brennstoffkreislaufs«. Der BN-800 ist für Russland ein wichtiger Meilenstein auf diesem Weg. Er zeigt, dass das Verfahren funktioniert – und zwar nicht nur im Labor oder mit einem Forschungsreaktor, sondern in einer industriellen Großanlage im kommerziellen Leistungsbetrieb mit einer planbaren und zuverlässigen Einspeisung von 800 Megawatt in das Stromnetz der Oblast Swerdlowsk.

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Geschlossener Brennstoffkreislauf mit thermischen Reaktoren und Schnellen Brütern. Quelle: Deutsche Nucleopedia

Von Beloyarsk 4 versprechen sich die russischen Reaktorbauer wichtige Betriebserfahrungen für den Nachfolger des BN-800: Der BN-1200 soll eine um 50 Prozent höhere Leistung bringen, zugleich aber einfacher und preiswerter als der BN-800 sein und weiter gesteigerte Sicherheit bieten. Der erste der BN-1200-Reaktoren soll ebenfalls am Standort Beloyarsk entstehen; eine Entscheidung darüber wird 2019 erwartet und hängt von den Ergebnissen des BN-800 ab.

Der Reaktorkern des BN-800 wird nicht mit Wasser gekühlt, sondern mit flüssigem Natrium. Anders als in gewöhnlichen Kernkraftwerken gibt es keinen Moderator, der die bei der Kernspaltung freiwerdenden Neutronen abbremst. Der BN-800 arbeitet mit schnellen, energiereichen Neutronen – daher die Bezeichnung »Schneller« Reaktor. Zwar sind weltweit eine ganze Reihe Schneller Reaktoren in Betrieb, doch ist Beloyarsk 4 nach Stilllegung des französischen Superphénix 1997 der leistungsstärkste und zusammen mit seinem Vorläufer BN-600 der einzige kommerziell betriebene Kernkraftwerksblock mit einem derartigen Reaktor. Der BN-600 steht als Block 3 ebenfalls im Kernkraftwerk Beloyarsk und ist bereits seit 1980 in Betrieb.

Der BN-800 nutzt im Gegensatz zu den meisten gewöhnlichen Kernkraftwerken kein angereichertes Uran als Brennstoff, sondern Plutonium-Uran Mischoxid (MOX). In seiner gegenwärtigen Kernkonfiguration kommen Plutonium aus ehemaligen sowjetischen Kernwaffen sowie abgereichertes Uran zum Einsatz, das als Abfallprodukt bei Anreicherung und Wiederaufarbeitung anfällt. Damit soll der BN-800 den russisch-amerikanischen Abrüstungsvertrag (START) erfüllen, der auf beiden Seiten die Vernichtung von 34 Tonnen waffenfähigen Plutoniums vorsieht. Allerdings setzte Russland Anfang Oktober 2016 den START-Vertrag einseitig aus. Präsident Putin warf den USA vor, ihren Verpflichtungen nicht nachzukommen, da das Land die Herstellung von Plutonium-Uran Brennstoff aufgegeben habe.

Wie es mit der Vernichtung des Waffenplutoniums in Russland weitergeht, ist noch unklar. Sie sollte sich eigentlich über die nächsten Jahre erstrecken. Jedenfalls kann der BN-800 wie erwähnt auch Plutonium aus den gebrauchten Brennelementen gewöhnlicher Kernkraftwerke als Brennstoff nutzen.

 

Effektive Plutonium-Verwertung

Als Schneller Reaktor kann der BN-800 Plutonium effektiver verwerten als ein gewöhnliches Kernkraftwerk mit thermischem Leichtwasserreaktor, in welchem die bei der Kernspaltung entstehenden Neutronen durch das auch als Moderator dienende Kühlwasser abgebremst werden. Beim Einsatz von Plutonium als Brennstoff in einem thermischen Reaktor wird nur ein Teil der Plutonium-239-Kerne gespalten. Ein anderer Teil wandelt sich durch Neutroneneinfang in Isotope wie beispielsweise Plutonium-240 oder Plutonium-242 um. Da Isotope mit gerader Massenzahl im thermischen Neutronenspektrum schlecht spaltbar sind, nimmt ihr Anteil immer weiter zu, bis sich das Plutonium nicht mehr für den Einsatz in thermischen Reaktoren eignet.

Schnelle Neutronen hingegen neigen eher als thermische Neutronen dazu, Plutoniumkerne zu spalten, statt von ihnen absorbiert zu werden. Vor allem aber können sie auch die im thermischen Spektrum schlecht spaltbaren Isotope zerlegen. In einem Brennstoffkreislauf mit thermischen und Schnellen Reaktoren lässt sich das Plutonium daher vollständig verwerten. Die Plutoniumqualität verschlechtert sich im Schnellen Reaktor nicht weiter, sondern verbessert sich sogar. Im Idealfall kann man auf diese Weise das gesamte anfallende Plutonium verwerten, sodass am Ende kein Plutonium übrigbleibt, das endgelagert werden müsste.

 

Kartogramm des BN-800-Reaktorkerns (Brenner mit Equilibrium-Brennstoffkreis) von innen nach außen:legende

 

Der BN-800 kann aber nicht nur vorhandenes Plutonium als Brennstoff nutzen, sondern auch neues Plutonium aus Uran-238 erbrüten. Natururan besteht fast vollständig aus Uran-238, genauer: zu 99,3 Prozent. Es ist ein Uran-Isotop, das von thermischen Neutronen nicht gespalten werden kann und daher in herkömmlichen Reaktoren fast nutzlos ist. Durch Neutroneneinfang wandelt sich ein Uran-238-Atom jedoch in ein gut spaltbares Plutonium-239-Atom um; man spricht von »Brüten«. Dieser Prozess ist an sich nichts Außergewöhnliches, findet in jedem normalen Kernreaktor statt und trägt durch die Spaltung der Plutonium-239-Kerne auch dort mit einem gewissen Anteil zur Gesamtleistung bei.

Gegenwärtig ist der Kern des BN-800 für die Vernichtung des Waffenplutonium ausgelegt; er arbeitet als »Schneller Brenner«. In einer anderen Kernkonfiguration kann er aber auch mehr Plutonium erbrüten als er verbraucht (»Schneller Brüter«). Dadurch lässt sich letztlich das gesamte Uran-238 als Brennstoff nutzen, sodass aus einer gegebenen Menge Natururan über 100 mal mehr Energie als in konventionellen Kernkraftwerken gewonnen werden kann. Abgebrannter Brennstoff wird fast vollständig wiederverwertet, sodass als Abfall nur die mit überschaubaren Halbwertszeiten von weniger als 100 Jahren radioaktiven Spaltprodukte sowie geringe Mengen an Transuranen zurückbleiben. Hier dürften in Russland künftig auch bleigekühlte Schnelle Reaktoren wie der BREST-300 eine Rolle spielen.

 

Höhere Temperaturen ermöglichen höhere Effizienz

Auch sonst bietet der BN-800 einige technische Besonderheiten und Vorteile gegenüber gewöhnlichen Kernkraftwerken. Durch die Verwendung von flüssigem Natrium als Kühlmittel erreicht er Dampftemperaturen von 490 °C. Zum Vergleich: Konventionelle Kernkraftwerke kommen auf Dampftemperaturen um 280 °C. Die höhere Temperatur ermöglicht eine kompaktere und effizientere Heißdampfturbine. Die thermodynamische Nettoeffizienz des Kraftwerks liegt bei fast 40 Prozent, während sie bei gewöhnlichen KKW oft nur rund 30 Prozent beträgt. Trotz der hohen Temperatur wird der Primärkreis des Reaktors nicht unter erhöhtem Druck betrieben, da Natrium auch bei Normaldruck erst bei etwa 900 °C siedet. Der Primärkreis des BN-800 ist mit primären Umwälzpumpen und Wärmetauschern vollständig in einem natriumgekühlten Reaktorkessel untergebracht, der sich wiederum in einem Sicherheitsbehälter befindet. Ein Kühlmittelverluststörfall im Primärkreis ist dadurch einfach zu beherrschen und gleichzeitig sehr unwahrscheinlich.

Da Natrium und Wasser chemisch unter starker Wärmefreisetzung heftig miteinander reagieren, wird, wie bei natriumgekühlten Reaktoren üblich, zwischen dem Primärkreislauf und dem Wasser-/Dampfkreislauf ein weiterer, nicht radioaktiver Natriumkreislauf eingesetzt. Dies verhindert, dass bei einer Dampferzeugerleckage radioaktives Natrium freigesetzt wird.

 

Schnelle Reaktoren: die Zukunft der Kernenergie

Mit dem BN-800 im kommerziellen Leistungsbetrieb stellt Russland seine Technologieführerschaft bei Schnellen Reaktoren eindrucksvoll unter Beweis. Dennoch arbeiten auch in anderen Teilen der Welt Staaten und Unternehmen an fortschrittlichen Reaktorkonzepten, die den hochaktiven, langlebigen Atommüll beseitigen und zugleich die Reichweite des Brennstoffs Uran um Jahrtausende verlängern, von Thorium als alternativem Kernbrennstoff ganz zu schweigen.

Speziell natriumgekühlte Schnelle Reaktoren sind in China und Indien von strategischer Bedeutung. Indien wartet auf den Abschluss des Genehmigungsverfahren zur Inbetriebnahme des Prototype Fast Breeder Reactors (PFBR) im Kernkraftwerk Kalpakkam. Ein Prototyp zwar, aber mit einer elektrischen Leistung von immerhin 500 Megawatt. Frankreich arbeitet am 600-MW-Demonstrationsreaktor ASTRID (Advanced Sodium Technological Reactor for Industrial Demonstration); eine Entscheidung über den Bau der Anlage soll 2019 fallen. Japan hat sich ASTRID wegen Problemen mit dem eigenen Schnellen Brüter Monju angeschlossen. Technisch besonders interessant ist der PRISM (Power Reactor Innovative Small Module) von GE Hitachi Nuclear Energy, da er metallische Brennelemente verwendet, die sich in einem besonders einfachen und kostengünstigen Verfahren, dem Pyroprozess, aufbereiten und per Stangengießverfahren herstellen lassen. Der Reaktor selbst ist fertig entwickelt und wartet auf einen ersten Kunden, möglicherweise Großbritannien, wo über 100 Tonnen Waffenplutonium zu entsorgen sind.

Schnelle Reaktoren sind die Zukunft der Kernenergie.

Mehr zum BN-800:
Mehr zum Atommüll:

 

Von Dominic Wipplinger und Rainer Klute


Dominic Wipplinger

Dominic Wipplinger studiert Elektrotechnik ist in der Österreichischen Kerntechnischen Gesellschaft und in der Nuklearia aktiv. Er hat bereits in etlichen Kernkraftwerken als Messtechniker gearbeitet.

 

 

Rainer Klute

Rainer Klute ist Diplom-Informatiker, Nebenfach-Physiker und Vorsitzender des Nuklearia e. V. Seine Berufung zur Kernenergie erfuhr er 2011, als durch Erdbeben und Tsunami in Japan und das nachfolgende Reaktorunglück im Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi auch einer seiner Söhne betroffen war.

 


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Friedliches Atom in jedem Haus – Russland setzt auf innovative Reaktoren

Мирный атом в каждый дом! Friedliches Atom in jedem Haus – Russland setzt auf innovative Reaktoren und betreibt den aktuell modernsten Reaktorblock der Welt. Rosatom berichtet, dass am 26. Oktober 2016 der innovative Reaktorblock Nr. 6 im Atomkraftwerk Nowoworonesch, ein Atomrekator der Generation 3+, auf 100% seiner Leistung hochgefahren wurde. Die Anforderungen, die nach Fukushima entwickelt wurden, sind laut Rosatom in einer bisher einzigartigen Kombination von aktiven und passiven Sicherheitssystemen berücksichtigt worden. Die Anlage sei “vollkommen resistent gegen externe und interne Störeinflüsse”. Der russische Block Nr. 6 des Atomkraftwerks Nowoworonesch nimmt weltweit als erstes Kernkraftwerk dieser neuen Generation seinen Betrieb auf. Andere Länder werden folgen, denn Reaktoren der Generation 3+ werden derzeit in einigen anderen Ländern gebaut.

Kolumne

Dirk Egelkraut

Und vor 10 Jahren, 2006, wollte es niemand glauben, jetzt habe ich es meinen schärfsten Kritikern doch gezeigt: Russland hat den Rest der Welt in der technologischen Entwicklung im Bereich der Kernkraftwerke abgehängt und betreiben den aktuell modernsten Reaktorblock der Welt – von den evolutionären Modellen auch noch den fortschrittlichsten.

Mit der ersten Volllast und Versuchen in diesem Leistungsbereich ist damit der dritte Teilschritt zur Inbetriebnahme abgeschlossen. Nun beginnt der vierte Schritt, in dem die russische Aufsichtsbehörde Rostechnadzor den Block für die kommerzielle Inbetriebnahme abnehmen wird. Ab Dezember 2016 soll der Block, ein WWER-1200/392M als AES-2006, dann regulär seine 1200 MW in das Stromnetz in Zentralrussland einspeisen. Im Dezember 2017 wird die Inbetriebnahme des zweiten Blocks folgen.
Nowoworonesch II hat gezeigt, dass es möglich ist, dass eine reorganisierte Atomwirtschaft unter einer Staatsholding ROSATOM sehr gesund für die Entwicklung ist. Binnen weniger Jahre hat Russland über 24 Reaktorblöcke exportiert, die bereits auf dem WWER-TOI-Modell basieren, deren technische Basis Nowoworonesch II ist. Rosatom hat damit in weniger als einem Jahrzehnt die Weltmarktführung übernommen. Anlagen auf Basis des TOI-Modells werden in den nächsten Jahren in Asien, in West- sowie Osteuropa, sowie in Afrika entstehen.

Mit den Neubau von diesen Reaktoren endet die Ära der Sowjetanlagen auf dem russischen Territorium, damit die der älteren kleineren WWER-440, sowie die durch Tschernobyl bekannten Reaktoren des Typs RBMK-1000. Den ersten Schritt macht hier auch Nowoworonersch: Im Dezember 2016, mit der kommerziellen Übergabe des leistungsstärksten russischen Reaktorblocks für den kommerziellen Betrieb, wird der WWER-440/179 Nowoworonesch-3 seine letzten Kilowattstunden erzeugen und stillgelegt werden, 2018 wird auch mit der Inbetriebnahme des ebenfalls innovativen Blocks Leningrad II-1 (mit WWER-1200/491 als AES-2006) auch die Ära der RBMK enden mit der Stilllegung des ersten RBMK-Blocks Leningrad-1 auf dem ehemaligen Territorium der UdSSR.

Und jetzt stellt sich wieder die ewige Frage: Soll die Welt wirklich am deutschen Wesen genesen? Ich finde, dass es kaum sein kann, dass ein Land, das neben evolutionäre Reaktoren auch auf innovative Reaktoren setzt, nicht falsch liegen kann. Die Lösungen für die gesamte Endlagerproblematik gibt es längst. Deutschland war bereits in den 1980ern imstande diese zu realisieren, sie wurden allerdings verhindert. Russland praktiziert bereits diesen Prozess. Daher die Frage: Weshalb sollte man sich nicht in diesem Fall ein Beispiel an Russland nehmen und es auch machen? ….Aber klar, das phöse Atom und Russland sowieso…

In Russland nennt man es übrigens das friedliche Atom – Мирный атом. Bereits Igor Kurtschatow wusste das, als er den WWER-210, den ersten WWER, in Nowoworonersch baute. Sein Motto war “Lasst es Atomarbeiter sein, und keine Soldaten” – Пусть будет атом рабочим, а не солдатом! Die moderne Variante steht heute am Eingang eines Kernkraftwerks mit WWER-1200 in Weißrussland: Friedliches Atom in jedem Haus – Мирный атом в каждый дом!

 

Foto:Rosatom

https://www.facebook.com/rosatomgermany

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Kernenergie – Indiens Hoffnung für die Armen

Kudankulam 1 and 2 (Image: Rosatom)

Kudankulam 1 and 2 (Image: Rosatom)

Energie ist von entscheidender Bedeutung für die Bekämpfung der Armut in Indien. Für Indien bedeutet Kernkraft mehr als nur eine Stromquelle. Sie spielt eine wichtige Rolle für die Entwicklung der Industrie, da sie für die vielen armen Menschen den Zugang zu einer sicheren, erschwinglichen und zuverlässigen Energie ermöglicht. In Deutschland wurde die Erinnerung, dass Kernkraftwerke den wirtschaftlichen Aufschwung nach 1945 ermöglicht haben und kein Windrad ohne Strom aus Kernkraftwerken hätte gebaut werden können, nahezu aus dem Gedächtnis gestrichen. Die riesige Bevölkerung Indiens braucht zuverlässige, stetige Quellen, wenn das Land nach vorne kommen soll, und wird sich deshalb seine Energiepolitik nicht vorschreiben lassen.

Im Gegensatz zu den reicheren Ländern kann Indien sich nicht den Luxus leisten, seine Ressourcen und seine Zeit für unzuverlässige Energiequellen wie Sonnen-und Windenergie zu vergeuden. Indiens Zukunft ist Nuklear. Indien wird ein Beispiel für andere arme Länder sein, die sehr genau darauf achten, wie die Nutzung der Kernenergie imstande ist, ein Land aus der Armut zu befreien.

Die Menschen in Indien registrieren sehr aufmerksam, dass ihnen nicht die Vereinigten Staaten oder Europa helfen, aus bitterer Armut zu entkommen, sondern Russland. Anfang August eröffnete Wladimir Putin die erste Reaktoreinheit das Kudankulam Kernkraftwerks (KKNPP) im Rahmen einer Videokonferenz von Moskau aus. Das KKNPP ist Teil eines Vertrags, der bereits 1998 zwischen Indien und Russland unterzeichnet wurde. Gebaut wird es von der russischen Rosatom State Atomic Energy Corp.

India’s Nuclear Transformation — Why the Poor in India Have Hope

 

 

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Kernkraftwerk Kudankulam – Indo-Russisches Projekt für grünes Wachstum

Der indische Premierminister Narendra Modi und der russische Präsident Wladimir Putin haben am 10. August 2016 die Einheit 1 des 1.000-MW-Kernkraftwerks Kudankulam eingeweiht. Die Einweihung fand im Rahmen einer Videokonferenz zusammen mit J. Jayalalithaa, Ministerpräsident des indischen Bundeslandes Tamil Nadu, Standort des Kernkraftwerks, statt. 

Gemeinschaftsprojekt zwischen Indien und Russland zur friedlichen Nutzung der Kernenergie

Das Kernkraftwerk Kudankulam soll insgesamt fünf Energieblöcke mit je 1000 Megawatt Leistung bekommen. Die Kernkraftanlage wird dann die Bundesstaaten Tamilnadu, Kerala, Karnataka und Andhra Pradesh sowie das Unionsterritorium Puducherry mit Strom versorgen.

Mit der Vollinbetriebnahme des ersten und später auch des zweiten Reaktorblocks des Atomkraftwerkes werde die Energieversorgung Indiens deutlich verbessert und die wirtschaftliche Position des Landes gestärkt, sagte Putin. Er gehe davon aus, dass sich die sozial-ökonomische Aufgaben in einem so mächtigen Land wie Indien nicht ohne Atomenergie lösen lassen, berichtet Sputnik News. Der Präsident habe auch darauf verwiesen, dass das Projekt mit von Russland bereitgestellten Geldmitteln finanziert werde, wobei der Staat 85 Prozent der Baukosten übernehme.

Premierminister Modi habe darauf hingewiesen, berichtet World Nuclear NEWS (WNN), dass Indien und Russland planten, eine Reihe von Kernkraftwerken zu bauen. Putin erklärte, dass die Einheit mit der neuesten russischen Kernkrafttechnik gebaut worden sei. Es sei bekannt, habe er hinzugefügt, dass Russland eines der weltweit führenden Unternehmen in der Kerntechnik sei und Russland sich freue, die russische Technologie mit den indischen Kollegen zu teilen. Die Inbetriebnahme des ersten Energieblocks bedeutet laut Putin eine umfassende Arbeit zur Schaffung einer neuen hochtechnologischen Kernenergiebranche in Indien und sehe unter anderem die Ausbildung von Fachkräften vor.

Zusammenarbeit zwischen Indien und Russland beim Bau von Kernkraftwerken seit 1988

Die Zusammenarbeit zwischen Indien und Russland beim Bau von Kernkraftwerken hat ihren Ursprung in einer zwischenstaatlichen Vereinbarung, die vom damaligen indischen Premierminister Rajiv Gandhi und dem Präsidenten der Sowjetunion Michail Gorbatschow im Jahr 1988 unterzeichnet wurde. Die Reaktoren sollten ursprünglich im Dezember 2007 und Dezember 2008 mit dem kommerziellen Betrieb beginnen. Die Einheit 1 war im März 2011 betriebsbereit, aber seine Inbetriebnahme wurde durch Proteste und rechtliche Schritte nach dem Unfall der Anlage im japanischen Fukushima Daiichi im selben Monat verzögert.

Die Einheit 2 – Indiens 22. Kernreaktor – hat die erste Kritikalität im letzten Monat erreicht, sie soll Ende dieses Monats fertig sein. Beide Einheiten sind nach russischer Bauart WWER-1000-Druckwasserreaktoren. Der russische Präsident Wladimir Putin rechnet damit, dass noch in diesem Jahr ein russisch-indisches Abkommen über den Bau des dritten Reaktorblocks für das Kraftwerk Kudankulam in Südindien unterzeichnet wird.

Modi bekräftigte in der Videokonferenz am 10. August 2016 die Freundschaft zwischen Indien und Russland und bezeichnete das Indo-Russische Projekt als eine wichtige Ergänzung zu den Bemühungen, saubere Energie in Indien zu produzieren. Modi sagte laut The Indian Express, dass das Kudankulam Kernkraftwerk (KNPP) auch das gemeinsame Engagement von Indien und Russland signalisiere, “Wege der Partnerschaft für grünes Wachstum zu bauen.”

Die Indische Nachrichtenagentur IANS teilte gestern mit, dass Russlands neueste WWER-1200 – Reaktor -Technologie wahrscheinlich für zukünftige Anlagen verwendet werde, wobei Novovoronezh 6 von großem Interesse für Indien sei.

Während Modis Besuch in Moskau im Dezember letzten Jahres sagten Modi und Putin in einer gemeinsamen Erklärung, dass die Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern auf dem Gebiet der friedlichen Nutzung der Kernenergie ein “Eckpfeiler” ihrer strategischen Partnerschaft sei. Modi sagte, Indien plane insgesamt 12 russische Atomreaktoren an zwei Standorten, davon acht im Bereich von Kudankulam, wie Rosatom erklärte. Die Verträge sollen in diesem Herbst unterzeichnet werden.

Der indische Kabinett hatte im Januar mitgeteilt, dass die kommerziellen Verhandlungen zwischen NPCIL und US-Westinghouse über den Bau von sechs AP1000-Einheiten voraussichtlich in diesem Jahr abgeschlossen sein werden.

Nach der gestrigen Aussage Rosatoms, werden sich Putin und Modi als nächstes auf dem BRICS-Gipfel in Goa im Oktober 2016 treffen. BRICS ist ein Zusammenschluss von großen Schwellenländer, die Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika umfasst.

Quellen:

© Foto: Rosatom Flot, Kernkraftwerk Kudankulam in Indien

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Schreyer, Paul: “Wir sind die Guten”

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“Wer sind die Guten? Was geht Deutschland die Ukraine an? Und wie kommt es, dass ein gescheitertes Abkommen mit der EU zu einer der gefährlichsten Krisen geführt hat, die Europa in den vergangenen Jahrzehnten erlebte? Alles Putins
Schuld? Oder ist die Wahrheit hinter diesem Konflikt, der nun den Frieden eines ganzen Kontinents bedroht, doch komplexer? Und welche Rolle spielen eigentlich die Medien? Sind sie noch unabhängige Berichterstatter oder längst selbst zur Partei geworden? Mathias Bröckers und Paul Schreyer schauen hinter die Kulissen eines politischen Spiels, das tödlicher Ernst geworden ist.

Seit der Westen sich im Kampf mit Putins Russland um die Ukraine wähnt, werden auch in Deutschland längst vergessene Kriegsängste wieder wach. Doch worum geht es in diesem Spiel wirklich? Und welche Rolle spielen die Medien? Irritiert spüren viele Leitartikler, wie ein wachsender Teil der Leserschaft ihnen nicht mehr länger folgt. Öffentliche und veröffentlichte Meinung gehen drastisch auseinander. Kritisiert wird eine Einseitigkeit in der Berichterstattung, die den Medienmachern selbst als böse Unterstellung gilt. Dabei ist das ständige Mantra vom “bösen Putin” kaum zu überhören. Wie kommt es, dass dem Publikum kein komplexeres Bild zugemutet wird? Bröckers und Schreyer schauen hinter die Kulissen und analysieren neben der Rolle der Medien auch den historischen Hintergrund des Ukraine-Konflikts, sowie die Rolle der Geopolitik. Denn tatsächlich sind Geostrategie und internationale Machtpolitik kein vergangenes Relikt des Kalten Krieges, sondern ein sehr einflussreiches Instrument der Gegenwart. Wer aber sind die realen Akteure und welche Interessen verfolgen sie?”

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Engdahl, F. William: “Russland und die neue Vernetzung Eurasiens”

Engdahl

»Die Russen draußen halten, die Amerikaner drinnen und die Deutschen unten …« Anfang der 1950er Jahre, zu Beginn des Kalten Krieges, erklärte Baron Ismay, erster Generalsekretär der NATO, der Zweck der North Atlantic Treaty Organization sei es, »die Russen draußen, die Amerikaner drinnen und die Deutschen unten zu halten«. Heute, rund sechs Jahrzehnte später sowie ein Vierteljahrhundert nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Auflösung des Warschauer Pakts, sind die USA, die treibende Kraft hinter der NATO, mehr denn je darauf erpicht, Baron Ismays Maxime instand zu halten. Anstatt die NATO nach 1990 bedachtsam abzubauen, wie es vielerseits erwartet wurde, haben vier amerikanische Präsidenten nacheinander die Strategie verfolgt, die NATO bis vor die Haustür Moskaus und auch Chinas zu erweitern. Wie ist das zu verstehen? F. William Engdahl geht davon aus, dass hinter Baron Ismays bekannter Maxime eine unausgesprochene geopolitische Agenda des Westens steht. Diese inoffizielle US-Außenpolitik wurde 2014 von George Friedman, Direktor der texanischen Strategie-Denkfabrik Stratfor, die wegen ihrer engen Verbindungen nach Washington oft auch als »Schatten-CIA« bezeichnet wird, in einem Interview offen eingeräumt: »Aus Sicht der Vereinigten Staaten wäre das gefährlichste potenzielle Bündnis eine Allianz zwischen Russland und Deutschland. Es wäre eine Allianz der Technologie und des Kapitals Deutschlands mit den natürlichen und menschlichen Ressourcen Russlands.« Dieses Buch weist die rabiaten Bemühungen Washingtons nach, unter schamloser Übertretung internationalen Rechts und der UN-Charta einen Finanzkrieg und einen militärischen Stellvertreterkrieg gegen Russland zu führen und es zu dämonisieren. Es zeigt Russlands überraschende Reaktionen, die jene Krise in eine einmalige Chance verwandeln, neue Bündnisse zu schmieden und bestehende zu vertiefen. Das Auftauchen dramatischer neuer alternativer Initiativen von China bis Russland bietet Europa, insbesondere der Bundesrepublik Deutschland, eine einmalige Gelegenheit, bei einem neuen wirtschaftlichen Aufschwung, der die Geschichte verändern kann, eine führende Rolle zu spielen. Die Alternative ist ebenso krass wie eindeutig: Chaos, ein unkontrollierter Flüchtlingsstrom, Terrorismus, Krieg und eine wirtschaftliche Depression wie in den 1930er Jahren oder noch schlimmer. Deutschland und der Großteil der EU sind viel zu lange Vasallenstaaten der US-Außenpolitik gewesen.”

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Paul Craig Roberts: Washingtons Krieg um die Welthegemonie zerstört die Welt

Reagan und Gorbatschow haben den Kalten Krieg und damit die Gefahr eines “nuklearen Armageddon” beendet, aber durch Kriegshetzer gegen Russland und China sei das Werk von Reagan und Gorbatschow zerstört worden, sagte Dr. Paul Craig Roberts am 6. Oktober 2014. Die Neokonservativen, der militärisch-industrielle Komplex (US military/security complex), der von Steuermitteln, und US-Politiker, die von Wahlkampfspenden des militärisch-industriellen Komplexes abhängig seien, hätten die nukleare Bedrohung wieder belebt.
Paul Craig Roberts war unter US-Präsident Ronald Reagan stellvertretender Finanzminister der Vereinigten Staaten, danach Stabschef im Weißen Haus. Heute gehört er laut Forbes zu den einflussreichsten und besten Journalisten der Welt.
Der Beitrag von Paul Craig Roberts erhebt nicht den Anspruch auf wörtliche Übersetzung, der Text entspricht aber weitestgehend dem Original.

natoRoberts beschuldigt “das korrupte und betrügerische Clinton-Regime”, das von der George HW Bush-Regierung 1990 gegenüber Moskau gegebene Versprechen gebrochen zu haben. Im Gegenzug für die Zusage Moskaus, das wiedervereinigte Deutschland könne NATO-Mitglied sein, habe Washington versprochen, dass es keine Erweiterung der NATO im Osten geben werde. Der Staatspräsident der Sowjetunion, Michail Gorbatschow, der US-Außenminister James Baker, der US-Botschafter in Moskau Jack Matlock bezeugen, dass Moskau versichert wurde, es werde keine Erweiterung der NATO in Osteuropa geben. Frei gegebene Dokumente bestätigen das Versprechen.

Im Jahr 1999 habe Präsident Bill Clinton die Regierung von Präsident George HW Bush als Lügner hingestellt, sagt Roberts. Der korrupte Clinton (“the corrupt Clinton”) habe Polen, Ungarn und die neu gebildete Tschechische Republik in die NATO aufgenommen. Der Sohn von George HW Bush, George W. Bush, Präsident der Vereinigten Staaten von 2001 bis 2009, machte aus seinem Vater und aus James Baker, Stabschef seines Vaters im Weißen Haus, Lügner. “Dubya”, wie der “Narr und Säufer” genannt werde, habe Estland, Lettland, Litauen, Slowenien, die Slowakei, Bulgarien und Rumänien im Jahr 2004 in die NATO gebracht. Das korrupte und unverbesserliche Obama Regime (“The corrupt and hopeless Obama regime) habe Albanien und Kroatien im Jahr 2009 hinzugefügt.

Mit anderen Worten, in den vergangenen 21 Jahren hätten drei US-Präsidenten Moskau gelehrt, dass das Wort der US-Regierung nichts gilt, sagt Roberts. Heute sei Russland durch US- und NATO-Militärbasen umgeben. Als mögliche weitere Beitrittsländer nannte Roberts 2014 die Ukraine (“Teil von Russland seit Jahrhunderten”), Georgien (“Teil von Russland seit Jahrhunderten”), Montenegro, Mazedonien, Bosnien-Herzegowina, und vielleicht auch Aserbaidschan. Seit 2014 geht die Osterweiterung weiter voran: Im Dezember 2015 lud die NATO Montenegro formell zum Beitritt ein, der Beitritt ist 2017 geplant. 

Ein großer Teil der Fläche, die früher Teil der Sowjetunion war, sei jetzt ein Teil von “Washingtons Reich”. Die “Einführung der Demokratie” sei einfach nur ein Austausch der Herren.

Washington nehme sich immer eine Marionette, die als Generalsekretär der NATO diene, sagt Roberts. Die neueste Marionette sei der ehemalige norwegische Politiker und Premierminister Jens Stoltenberg. Auf Washingtons Geheiß, habe die Marionette Moskau schnell mit der Aussage konfrontiert, dass die NATO eine starke Armee habe, die als eine globale Polizei überall dort eingesetzt werden könne, wo Washington wünscht. Diese Behauptung sei ein totaler Widerspruch zum Zweck und zur Charta der NATO.

Roberts zitiert Igor Korochenko, ein Mitglied des russischen Verteidigungsministeriums, der der Marionette Stoltenberg entgegen gehalten habe: “Solche Aussagen stehen im Widerspruch zum System der internationalen Sicherheit, da die NATO eine Bedrohung für Russland darstellt. Daher wird es als Reaktion Maßnahmen vorbereiten.” Die nachsorgenden Maßnahmen seien das, was man erwarten würde: genug nukleare Waffen, um die Vereinigten Staaten und Europa viele Male zu vernichten.

Roberts bezeichnet die US-Regierung als “arrogante Narren in Washington”, die sich in ihrer Hybris, “die unverzichtbare Nation” zu sein, suhlen. Sie hätte Moskau bis zu dem Punkt provoziert, dass Russland jetzt mehr Atomwaffen als die USA im Einsatz hat. Als Folge, dass Washington sein Wort gebrochen und ABM-Raketenbasen auf Russlands Grenze gesetzt habe, habe Russland Überschall- Interkontinentalraketen entwickelt, die schnell ihre Flugbahn ändern und nicht durch ein Raketenabwehrsystem abgeschossen werden könnten. Natürlich werde dies von den US-Unternehmen, die durch den Verkauf von nutzlosen ABM-Systemen an Washington Milliarden verdienen, bestritten.

Darüber hinaus würden Länder wie Polen, deren Regierungen “ausreichend dumm” seien, US ABM-Basen zu akzeptieren, ausgelöscht, bevor die Basen funktionieren könnten. Die “völlige Dummheit” der “gekauften Regierungen Osteuropas” und deren Vertrauen in Washington werde wahrscheinlich die Hauptursache für den dritten Weltkrieg sein.

Der glückliche Teil des neuen Armageddon sei der amerikanische militärisch-industrielle Komplex. Roberts bezeichnet die “privaten Unternehmen” als “gierige Bastards”, deren Einnahmen vollständig aus öffentlichen Mitteln stammten. Ihnen werde mehr Geld garantiert, unabhängig von den möglichen Verlusten menschlichen Lebens. Ihr Sprecher im US-Senat Jim Inhofe, ein Mitglied des Unterausschusses für strategische Streitkräfte, habe  das 60 Jahre alte Argument wiederbelebt und behauptet, Amerika falle in einen Rüstungswettlauf zurück, weshalb ein Neustart des Wettrüstens für die Gewinne des US-militärisch-industriellen Komplexes und für die Wahlkampfspenden von Senatoren von wesentlicher Bedeutung sei.

Es seien nicht nur die strategischen nuklearen Waffen Russlands, die die “Narren in Washington” (“arrogant fools in Washington”) wiederbelebt und aktiviert hätten, sondern auch die Chinas. Im vergangenen Jahr habe China eine bildliche Beschreibung, wie chinesische Kernwaffen die USA zerstören könnten, veröffentlicht. Dies sei Chinas Reaktion auf Washingtons wahnsinnigen Plan für den Bau neuer Luft- und Marinebasen von den Philippinen bis nach Vietnam, um den Warenfluss im Südchinesischen Meer zu kontrollieren, gewesen. Welche Art von idiotischer Regierung (” idiotic government”) hat Amerika, dass sie glaubt, China werde sich diese Art von Einmischung in seiner Einflusssphäre gefallen lassen? China habe nun seinem nuklearen Arsenal eine neue Variante einer seiner mobilen Interkontinentalraketen hinzugefügt. Washington wisse nicht viel über diese neue Rakete, weil die CIA zu beschäftigt sei, Proteste in Hongkong zu arrangieren, sagt Roberts.

Sowohl Russland als auch China seien zufrieden gewesen, Teil der Weltwirtschaft zu sein und die wirtschaftliche Lage ihrer Bürger zu verbessern, indem sie ihre Wirtschaft entwickelten. Aber da kämen Neokonservative daher, “eine Ansammlung von arroganten Psychopathen”, die erklären, dass Washington keinem anderen Land erlauben werde, auch nicht Russland und China, eine Außenpolitik unabhängig von Washingtons Zielen ausüben zu dürfen.

Ein Atomkrieg rücke wieder ins Bild, sagt Roberts. Zuerst drohe Washington denjenigen, die es als Rivalen wahrnehme. Wenn sich die Rivalen nicht beugten, würden sie von Washington dämonisiert.

In der Geschichtsschreibung, wie sie von Washingtons “Hofhistorikern” verfasst werde, seien die größten Dämonen der Neuzeit die Regierungen von Japan und Deutschland während des Zweiten Weltkrieges, zusammen mit der sowjetischen Nachkriegsregierung unter Josef Stalin. Diese amerikanischen Hof-Historiker ignorierten die Fakten, sagt Roberts. Japan wurde von Washington in den Krieg gezwungen, weil Washington Japans Zugang zu den Ressourcen abgeschnitten hatte. Japan wurde dann, während die japanische Regierung ihre Kapitulation erklären wollte,  zweimal mit Atombomben angegriffen.

Die Versprechungen, die US-Präsident Woodrow Wilson gegenüber Deutschland gemacht hatte, um den Ersten Weltkrieg zu beenden, darunter die Versprechen, Deutschland würden keine Gebietsverluste und keine Reparationszahlungen auferlegt, wurden gebrochen. Deutschland sei statt dessen auseinander gerissen und deutsche Gebiete seien an Polen, Frankreich und an die Tschechoslowakei übergeben worden. Entgegen der Zusage von US-Präsident Woodrow Wilson seien im Gegenteil Deutschland durch den Vertrag von Versailles unmöglich zu leistende Reparationen auferlegt worden. Vorausschauend habe John Maynard Keynes erklärt, sagt Roberts, dass die Reparationen in einen zweiten Weltkrieg führen würden. Nach seiner Erinnerung, ergänzt Roberts, seien auch Teile von Deutschland an Belgien, Litauen und Dänemark abgetreten worden.

Diese Demütigung eines fleißigen und mächtigen Volkes, dessen Armeen noch fremde Gebiete besetzt hielten, als der Erste Weltkrieg endete, zeige die Verlogenheit der sogenannten “westlichen Mächte.” Die Franzosen, Briten und Amerikaner hätten den Weg für Adolph Hitler geebnet. Bis 1935 sei Hitlers Macht ausreichend gefestigt gewesen, um den Versailler Vertrag zu kündigen. Wenn Hitler nicht seiner Hybris erlegen wäre und die deutschen Armeen nicht in Russland einmarschiert wären, wo sie zerstört wurden, würden Hitler oder seine Nachfolger noch heute in Europa regieren.

Die wahre Geschichte sei so verschieden von dem, was Washington vorgebe und den Amerikanern gelehrt werde. Die Mehrheit der Amerikaner seien blinde Gefolgsleute von Washingtons Krieg auf der Welt. Roberts: “Wenn Ebola und die globale Erwärmung die Menschheit nicht zerstören, dann werden dies sicherlich die Ignoranz der amerikanischen Bevölkerung und Washingtons Krieg um die Welthegemonie erledigen.” (“If ebola and global warming don’t destroy humanity, the ignorance of the American people and Washington’s war for world hegemony surely will.”)

Washington Is Destroying The World — Paul Craig Roberts


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