Generalmajor

Youtube Video vom „Generalmajor“ gelöscht

Epoch Times ergreift Partei für Generalmajor a.D. Gerd Schultze-Rhonhof.

“1939 – Der Krieg, der viele Väter hatte“, lautet der Titel eines Buches von Generalmajor a.D. Gerd Schultze-Rhonhof. Es erschien zuerst 2003 und wurde 2015 zum neunten Mal wieder aufgelegt. Mit der Überschrift “Verleumdung im Internet: Youtube Video vom „Generalmajor“ gelöscht”, ergreift Epoch Times im Juni 2017 für den Autor Partei. “Abstruses zur Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs”, urteilte die FAZ 2003. Zwei unterschiedliche Sichtweisen, die sich aus der hektischen Reaktion von Politikern auf eine neue Debatte über die Schuldigen am Zweiten Weltkrieg ergeben.

 

Was gilt als politisch korrekt – was nicht?

Hitler als größenwahnsinniger Diktator und irrer Massenmörder – diese Darstellung gilt als politisch korrekt. Dass die Deutschen den Verbrechen der Nationalsozialisten keinen Einhalt gebieten konnten, führte darüber hinaus zu der These, es gebe eine Kollektivschuld aller Deutschen. In diesem Bewusstsein, als Nachfahre einer Tätergeneration mitverantwortlich für die Verbrechen insbesondere an sechs Millionen Juden zu sein, wachsen junge Menschen seit 1945 heran. Das Schuldgefühl gilt ebenfalls als politisch korrekt.

Die Frage, welche gesellschaftlichen Kräfte tatsächlich den zweiten Weltkrieg vorangetrieben haben, wird dagegen von vielen Seiten als unbequem betrachtet. Die Rolle der Großindustrie als treibende Kraft wurde in der Geschichtswissenschaft ausführlich beleuchtet und schuf die Grundlage für eine Faschismustheorie, die bis heute den Charakter der Hitler-Ära als Wirtschafts- und Gesellschaftssystem mit dem Ziel, die Interessen der Großindustrie aggressiv umzusetzen, weitreichend beschreibt.

So gut wie keine Beachtung fand unter Historikern die Rolle der Staaten, mit denen Deutschland vor Beginn des zweiten Weltkrieges Kontakt hatte, in der Phase der Kriegsvorbereitungen. Wurden die Nachbarstaaten und die USA von Hitlers Angriff auf Polen überrascht? Hätten sie den Krieg verhindern können? Oder haben sie den Angriff gewollt und bewusst gesteuert, aber als Siegermächte nach Kriegsende die Dokumente, die ihre Absichten hätten belegen können, zu ihrem eigenen Vorteil unterdrückt oder manipuliert?

 

“1939 Der Krieg, der viele Väter hatte”

Es gehört zu den Merkwürdigkeiten der Nachkriegsgeschichte, dass weniger die Historiker, sondern ein Generalmajor, Jahrgang 1939, der Frage folgte, ob die mit Deutschland kooperierenden Staaten den Krieg gegen Russland hätten verhindern können. Der Generalmajor Gerd Schultze-Rhonhof forschte nach seinem Ausscheiden bei der Bundeswehr in Archiven und wurde publizistisch tätig. Mit seinem Buch “1939 Der Krieg, der viele Väter hatte“, füllte er eine Lücke in der Geschichtswissenschaft und stieß auf Widerstand – bei konservativen Historikern und Medien, aber auch bei Gruppen, die sich als “links” bezeichnen.

Schultze-RhonhofGerd Schultze-Rhonhof hatte zunächst nur eine Antwort auf die Frage gesucht, was die Generation seines Vaters dazu bewogen hat, nur 20 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg Adolf Hitler in einen neuen Krieg zu folgen? Dokumente, Informationen und seine Erkenntnisse führten ihn zu dem Schluss, dass es eine ganze Anzahl von Staaten gab, die den Zweiten Weltkrieg angezettelt hatten. Der Autor stellt fest: Die deutsche Geschichte zwischen 1919 und 1939 ist nur zu verstehen, wenn man das zeitgleiche Geschehen in den anderen Ländern kennt.

Die Neue Ausgabe seines Buches „1939 Der Krieg, der viele Väter hatte“, das 2015 in neunter Auflage erschien, enthält zusätzliche Absätze/Kapitel unter anderem über das Münchener Abkommen, Hitlers Lebensraumpolitik, Polens Rolle und Deutschlands Friedensangebote.

 

Video im Mai 2017 bei Youtube gelöscht

2006 hatte Gerd Schultze-Rhonhof einen Vortrag über einen Teil seines Buches „1939 Der Krieg, der viele Väter hatte“ über die Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs gehalten. Der Vortrag wurde damals als Video aufgenommen und bei Youtube ins Netz gestellt. Bis Mai 2017 wurde das Buch über 56.000 mal verkauft, das Youtube-Video wurde über 880.000 mal angesehen.

Im Mai 2017 wurde Gerd Schultze-Rhonhof darauf aufmerksam gemacht, dass das Buch im Internet unter der Überschrift „Holocaust Referenz, Argumente gegen Auschwitzleugner” kritisiert und der Youtube-Vortrag wegen angeblicher Urheberrechtsverletzungen im Netz gelöscht wurde.

Schultze-Rhonhof wandte sich am 24. Juni 2017 mit einer Nachricht an Epoch Times, eine mehrsprachige, internationale Zeitschrift mit Sitz in New York. Die Nachricht, die ebenso wie seine drei Offenen Warn- und Protestbriefe zur unkontrollierten Masseneinwanderung, die an die Bundeskanzlerin, die Ministerpräsidenten der Länder, die Generalsekretäre der Parteien, viele Bundesminister und an alle Damen und Herren Abgeordnete des Bundestags gerichtet waren, wurden von Epoch Times in ganzer Länge veröffentlicht.

In seiner Nachricht schreibt Schultze-Rhonhof, dass er weder im kritisierten Buch noch sonst den Holocaust oder Auschwitz geleugnet habe. Bei der Wiedergabe des Vortrags bei Youtube habe auch keine Urheberrechtsverletzung vorgelegen. Wegen der Unterstellung, sein Buch oder er hätten etwas mit Holocaustleugnung zu tun, habe er bei der zuständigen Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet, sagt Gerd Schultze-Rhonhof.

“Kann das jetzt jeder machen, Meinungsterror statt Meinungsaustausch im Internet durch Löschanträge bei Youtube durchsetzen?”, empört sich Epoch Times. “Gerd Schultze-Rhonhof, Generalmajor a.D., wurde das jüngste „Opfer“ solcher Praktiken, aber er wehrt sich”, berichtet die Zeitschrift.

Dazu bemerkt der wahrscheinliche Initiator der Video-Löschung höhnisch: “Der beleidigte General möchte löschen”. Ist er einer der neuen Moralwächter, auf die der Innenministers Heiko Josef Maas sein “Netzwerkdurchsetzungsgesetz” stützt?

 

“Nazi”-Unterstellung genügt in manchen Fällen für einen Rufmord

Für die “Emanzipatorische Antifa Münster” gilt Schultze-Rhonhof als “Kronzeuge der Neonazis und Geschichtsverfälscher“. Sie werfen ihm vor, dass er seine Forschungsergebnisse in rechtslastigen Kreisen vorgetragen habe. Ein Argument von 2008, mit dem die Jusos Witten, die Grüne Jugend Witten und auch die Piratenpartei NRW 2015 versucht haben, einen Vortrag von Dr. Daniele Ganser an der Universität Witten/Herdecke zu verhindern.

Durch seine These vom Präventivkrieg gegen die Sowjetunion und die Friedensabsichten Hitlers verorte sich Schultze-Rhonhof “deutlich am äußersten rechten Rand des Parteienspektrums und in der Gesellschaft von NS-Nostalgikern und Neonazis”, meint die Antifa Münster. Die Thesen von Schultze-Rhonhof seien wissenschaftlich unhaltbar und die “AntifaschistInnen” würden nicht zusehen, “wie Geschichtsverfälschung und Nationalismus salonfähig gemacht werden”, sagt die Antifa Münster.

Die neuen Moralwächter stellen Behauptungen auf, die sie mit Quellenangaben stützen. Aber sie sind unfähig, die Argumente des Autors zu widerlegen und genieren sich daher nicht, einen Rufmord zu begehen. Man habe Hinweise auf Schultze-Rhonhofs Nähe zu Rechtsextremisten und Holocaustleugnern gefunden, heißt es in dem Blog, dessen Betreiber, ein Übersetzer, sagt, er wolle auf seinen Seiten “Material zur Auseinandersetzung mit Holocaust-Leugnern anbieten”. Es sei seiner Ansicht nach wichtig, “sie als das vorzuführen, was sie sind: unverbesserliche Ewiggestrige und meist auch fanatische Antisemiten, die wissentlich oder unwissentlich auf den nächsten Völkermord zusteuern, indem sie den letzten leugnen.” Der Blogbetreiber ist nur einer von vielen übereifrigen, dubiosen Moralisten, die im Schutz neuer Gesetze und Kontrollinstitutionen versuchen, politisch unerwünschte Ansichten mit Hilfe von Verleumdungen im Keime zu ersticken.

 

Wem nutzt das Schweigen über die Interessen der Kriegsparteien?

Wer will internationale Interessen vor 1939 an einem Krieg in Europa und gegen die Sowjetunion bestreiten? Soll mit der Unterstellung, eine derartige Fragestellung würde Nazis Vorschub leisten, eine Aufklärung der Sachverhalte verhindert werden? Wer könnte denn wollen, dass die Debatte darüber im Keim erstickt wird, wenn nicht die betreffenden Staaten selbst?

Die Feststellung, dass es internationale Interessen an einem Vorstoß Deutschlands gegen Russland gab, der 1941 erfolgte, sind von großer Bedeutung, auch um den derzeit zu beobachtenden Aufmarsch der Nato-Truppen an der Ostgrenze zu Russland verstehen zu können. Ohne einen Rückblick auf die “vielen Väter” des zweiten Weltkrieges und die militärisch-politischen Überlegungen der USA nach Beendigung des Krieges, ist dies nicht möglich.

Das Video ist seit wenigen Tagen wieder bei Youtube zu finden. Das Thema Holocaust- oder Auschwitz-Leugnung kommt darin nicht vor.

 

 

 

Zur Erinnerung: Das Memorandum No. 20/1 des Nationalen Sicherheitsrates der USA

Wer die Entwicklung der US-amerikanischen Außenpolitik betrachtet, sieht die Spur der Außen- und Militärpolitik der USA, die seit der Pariser Friedenskonferenz von 1919 bis zum Truppenaufmarsch der Nato an der Ostgrenze zu Russland führt.

Für die Pariser Konferenz 1919 hatte das Außenministerium der USA einen detaillierten Plan erarbeitet, in dem verlangt wurde, “ganz Rußland … in große natürliche Gebiete zu teilen, ein jedes mit seinem eigenen Wirtschaftsleben. Dabei darf kein Gebiet selbständig genug sein, um einen starken Staat bilden zu können”. Aus dem diesem Dokument beiliegenden Kartenmaterial geht laut Greiner und Steinhaus hervor, dass die USA seinerzeit beabsichtigten, “von Sowjetrußland die heutige Karelische ASSR, das Murmansker Gebiet, Estland, Lettland, Litauen, die Ukraine, die Krim, Transkaukasien, Mittelasien und auch Sibirien – das ganze Gebiet vom Ural bis zum Stillen Ozean – loszutrennen.” (zitiert nach: B Greiner, K. Steinhaus: “Auf dem Weg zum 3. Weltkrieg?”, Köln, 1981, S.14)

Im Memorandum No. 20/1 des Nationalen Sicherheitsrates vom 18. August 1948 (NSC 20/1) heißt es:

“So viel über unsere Ziele in Bezug auf jede sowjetische Restmacht. Es bleibt die Frage, von welcher Art unsere Ziele in Bezug auf jede nichtkommunistische Autorität sein würden, die auf einer Teilung oder auf allen russischen Gebieten als Folge der Kriegsereignisse aufgebaut werden könnte.”  “[…] wir sollten automatische Garantien einrichten, um sicherzustellen, dass auch ein Regime, das nicht kommunistisch und nominell freundlich zu uns ist: a) keine starke militärische Macht hat; b) in erheblichem Maße von der Außenwelt wirtschaftlich abhängig ist ; c) nicht zu viel Autorität über die großen nationalen Minderheiten ausübt; und d) nichts auferlegt, was dem eisernen Vorhang gegenüber den Kontakten mit der Außenwelt ähnelt.”

Historiker haben auf Parallelen der NSC 20/1 zu Hitlers Weisung 21 aufmerksam gemacht. Der gegenwärtige Aufmarsch westlicher Truppen entlang der Westgrenze Russlands und der erbitterte Versuch, die Abstimmung der Bevölkerung auf der Krim oder im Osten der Ukraine als kriegerische Handlungen Russlands zu deuten, zeigen, dass die heutigen Interessen der Nato-Partner nicht von den strategischen Überlegungen der nicht-russischen Staaten vor 1939 getrennt werden können.

 

Edmund Lersch

 

Quellen:

Foto: herb1979, pixabay

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Noch 16 Tage

Die Obama-Regierung ist sich einig, dass Wladimir Putin von Moskau aus die Cyberangriffe steuerte, um die Präsidentschaftswahlen in den USA zugunsten des Republikaners Donald Trump zu stärken. Sie wies als Reaktion daraufhin unter anderem 35 Diplomaten und ihre Familien aus den USA aus. Es werde auch noch weitere Reaktionen geben, kündigte die US-Regierung an, ohne zu sagen, welche.

Es gebe kein Beweise für irgendwelche russischen Cyberangriffe zur Beeinflussung der US-Präsidentenwahl, sagt Paul Craig Roberts. Dies gehe aus einem Bericht des Department of Homeland Security / DHS (Ministerium für Innere Sicherheit) “zur Ausweisung von 35 russischen Diplomaten wegen heimtückischer Cyberaktivitäten und sonstiger Störmanöver” vor. Er beschreibe lediglich Fähigkeiten, über welche die Russen angeblich verfügen, aber nicht, dass die angegebenen Tools und die beschriebene Infrastruktur tatsächlich verwendet wurden, um das Ergebnis der US-Präsidentenwahl zu beeinflussen.
Dieser Bericht sollte auch nur zu Informationszwecken dienen und enthielt den Vermerk: “Das DHS übernimmt keine Garantie dafür, dass die darin enthaltenen Informationen auch tatsächlich zutreffen.”

Dennoch greift der nur noch wenige Tage amtierende Präsident Obama auf die unbewiesenen CIA-Anschuldigung zurück, die russische Regierung habe das Ergebnis der US-Präsidentenwahl mit “heimtückischen Cyberangriffen” beeinflusst. Die neokonservative Obama-Regierung habe neue Sanktionen gegen Russland angekündigt, aber nicht sagen wollen, was damit gemeint ist, sagt Roberts. Das wundert ihn nicht, denn er habe, wie er sagt, schon in früheren Artikeln geschrieben, “dass in den USA und ihrem Imperium erwiesene Tatsachen keine Rolle mehr spielen. Fast überall genügen Behauptungen und Verdächtigungen – in Gerichtsverfahren, bei Vernehmungen, in der Innen- und Außenpolitik oder in den Klassenzimmern. US-Regierungen berufen sich sogar bei ihren militärischen Invasionen auf falsche Behauptungen – genannt seien nur die “Massenvernichtungswaffen” (Saddam Husseins).”

Roberts: “Warum erheben Präsident Obama, die CIA und die New York Times, Anschuldigungen,
von denen sie genau wissen, dass sie nicht zutreffen, weil sie nicht den geringsten Beweis dafür vorlegen können?” Die Antwort könne nur lauten, sagt Roberts, “dass die neokonservative Obama-Regierung die Beziehungen zwischen den USA und Russland so zerrütten will, dass Trump sie nicht mehr reparieren
kann.” Die Amtsübergabe an Donald Trump erfolgt am 20. Januar.

Seit der Präsidentschaft Bill Clintons beruhe die gesamte US-Außenpolitik nur noch auf Lügen und falschen Anschuldigungen. Roberts hält die Gefahr für so groß, dass er der sagt, die russische Regierung solle ihre Streitkräfte vorsichtshalber in höchste Alarmbereitschaft versetzen.

 

Paul Craig Roberts
Paul Craig Roberts ist ein US-amerikanischer Ökonom und Publizist. Er war stellvertretender Finanzminister während der Regierung Reagan. Roberts ist Mitbegründer des wirtschaftspolitischen Programms der Regierung Reagans (“Reaganomics”). Er war Mitherausgeber und Kolumnist des Wall Street Journal, Kolumnist von Business Week und dem Scripps Howard News Service.
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Der DHS-Bericht ist aufzurufen unter: https://diplopundit.files.wordpress.com/2016/12/jar_16-20296.pdf
Eine Übersetzung des Artikels von Paul Craig Roberts: http://luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_16/LP00317_040117.pdf
____________________________
Bücher von Paul Craig Roberts sind bei Storchmann Medien erhältlich.

 

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Nadija Sawtschenko, Kampfpilotin – Anfang und Ende einer politischen Inszenierung

Sie war für wenige Monate ein Popstar, berühmteste Ukrainerin auch im Westen, hielt patriotische Reden, lag noch im Sommer 2016 in den Umfragen vor dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko, die Ukrainer wünschten sich Nadeschda Sawtschenko sogar als Präsidenten. Sie war Kampfpilotin, in Gefangenschaft, in russischer Haft und im Hungerstreik. Perfekt für eine Inszenierung. “Es kommen Tausende Kandidaten in die Gefängnisse – gezwungenermaßen. Und von Tausenden schaffen es einige, Popstars zu werden: der Oligarch Michail Chodorkowskij, die Pussy-Riot-Girls. Und jetzt: Nadija Sawtschenko”, schrieb Sputniknews.

Innerhalb von wenigen Monaten ist der Traum vom Popstar gerade eben zerplatzt.

 

Im Fahrstuhl nach oben

Als Sawtschenko nach ihrer Freilassung im Mai den ukrainischen Boden barfuß betrat, war die Show perfekt. Kameramänner jagten sie und Frauen verfolgten sie mit Mikrofonen, schrieb die FAZ. Politiker hatten sich über mehrere Jahre auf eine Inszenierung vorbereitet, egal wie das Urteil für Sawtschenko ausgehen würde. Die Grünen-Europapolitikerin Rebecca Harms hatte zum Beispiel 2014 per Twitter zu Spenden für die Anwälte Sawtschenkos aufgerufen. Nadeschda Sawtschenko war zur Nationalheldin und zum Popstar der westlichen Welt bestimmt, so wie vor ihr Julia Timoschenko, der Oligarch Michail Chodorkowskij oder die Pussy-Riot-Girls. Die überraschende Begnadigung Sawtschenkos durch Wladimir Putin lag zwar nicht im Sinne der Regie, aber auch sie ließ sich für die PR-Arbeit gegen Russland nutzen.

Noch während ihrer Haft in Russland und in Abwesenheit war die Kampfpilotin als Abgeordnete der Vaterlandspartei von Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko in die Oberste Rada, das ukrainische Parlament, bestimmt und dann auch als Delegierte des Landes in die Parlamentarische Versammlung des Europarates entsandt worden.

Die Umgehung einer regulären Wahl und die unstatthafte Einsetzung Sawtschenkos in ein politisches Amt war die Belohnung für ihre anti-russischen Stellungnahmen. Sie forderte den Westen auf, mehr Druck auf Russland auszuüben und sagte zum Beispiel. “Ich denke, dass die Welt endlich verstehen muss: (Wladimir) Putins Hunger wird niemals enden”, sagte sie zu möglichen weiteren territorialen Ansprüchen des Nachbarn, der bereits die Krim annektiert hat und die Separatisten im Donbass aktiv unterstützt. “Er will nach und nach weitere Regionen und Länder erobern. Es braucht deshalb massiven wirtschaftlichen und politischen Druck.” Sawtschenko lieferte, was der Westen von ihr erwartete.

 

Im Fahrstuhl nach unten

Heute jedoch, nur wenige Monate später, fürchtet das Parlamentsmitglied Nadeschda Sawtschenko um ihr Leben. Aus ihrer Sicht trachten diejenigen danach, die sie noch vor wenigen Monaten als Nationalheldin der Ukraine gefeiert haben. In einem Interview mit dem ukrainischen Fernsehsender NewsOne behauptete sie, das Präsidialamt Petro Poroschenkos würde ein Mordattentat gegen sie planen. Nach ihren Worten sei sie auf ein solches Vorgehen der Machthaber gefasst und kenne die Daten und Tage, wann das passieren werde, berichtet der Sender.

Fest steht, dass mit Beschluss vom 23.12.2016 Nadeschda Sawtschenko nicht mehr an den Sitzungen des Parlamentarischen Ausschusses für nationale Sicherheit und Verteidigung teilnehmen wird. Sie sei aus dem Ausschuss ausgewiesen worden wegen des sensationellen letzten Politiktreffens mit den Leitern der “DNI/LC”. Darüber hinaus habe sie “anti-ukrainische Aussagen” gemacht, zitiert NewsOne ein Mitglied des Ausschusses.

Wie ist es möglich, dass die als Nationalheldin international gefeierte ukrainische Kampfpilotin Nadeschda Sawtschenko, die 2014 als Mitglied des rechtsextremen Bataillons Aidar gegen die Volksmilizen im Donbass gekämpft, von einem russischen Gericht wegen Beihilfe zur Ermordung von zwei russischen Journalisten schuldig gesprochen, zu 22 Jahren Haft verurteilt, von Russlands Präsident Waldimir Putin am 25. Mai 2016 begnadigt und noch am selben Tag unter Begeisterungsstürmen auch der deutschen Medien nach Kiew zurückkehrte, jetzt auf einer “Abschussliste” steht?

Ihr Vergehen besteht darin, dass sie die Vertreter der selbsternannten Volksrepubliken Donezk (DNI) und Lugansk (LC), die von der ukrainischen Regierung, der Europäischen Union und den USA nicht anerkannt werden, nicht als Terroristen bezeichnet. Ihr werden zum Beispiel Äußerungen in einem Interview für den ukrainischen Sender Espresso TV vorgeworfen. Sie hatte im Interview gesagt:

„So wie wir auf dem Maidan der Janukowitsch-Regierung entgegentraten, so kämpfen auch die Jungs der Volksrepubliken Lugansk und Donezk gegen die Regierung von Poroschenko. Und sie sind keine Terroristen.“

Kurz zuvor hatte sich Nadeschda Sawtschenko mit den Chefs der ostukrainischen Separatisten, Alexander Sachartschenko und Igor Plotnizki, in Minsk in Weißrussland getroffen. Ziel der Gespräche sei die Freilassung ukrainischer Soldaten gewesen, berichten mehrere Medien. Die Fraktion der Vaterlandspartei, die von der Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko geführt wird, habe daraufhin ihre einstige Spitzenkandidatin aus ihren Reihen ausgeschlossen.

Nicht die Äußerungen Sawtschenkos im Parlament und in den Medien haben zu Spannungen mit den Machteliten geführt, höchstens das Ende der Inszenierung beschleunigt. Der Rauswurf aus der Europarats-Delegation und aus dem Verteidigungssauschuss kommt nicht überraschend, er gehört offenbar zu den Regeln einer Inszenierung, die der Chefredakteur der “Bild”, Kai Diekmann, anlässlich des Rücktritts des damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff mit folgenden Worten beschrieben hat: “Wer mit der Bild im Aufzug nach oben fährt, fährt mit ihr auch wieder nach unten.”

Ähnlich wie Wulff und vielen anderen ergeht es jetzt Nadeschda Sawtschenko. Dies wird durch die Vorsitzende des auswärtigen Ausschusses der Ukraine, Anna Gopko, deutlich. Die Zeitung „KP“ zitiert Gopko mit den Worten: „Als wir sie 2014 in die Delegation aufnahmen, wollten wir die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf ihren gesetzwidrigen Arrest in Russland hinweisen.“ Der Grund sei nach ihrer Rückkehr weggefallen. Für den fraktionsübergreifenden Beschluss hatten 237 Volksvertreter gestimmt.

Die Show ist jetzt beendet, den Popstar gibt es nicht mehr. Die nächste Castingshow wird nicht lange auf sich warten lassen.

 

Quellen:

  • http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Politik/d/8613052/sawtschenko-kritisiert-debatte-ueber-lockerung-von-sanktionen.html
  • https://newsone.ua/ru/savchenko-otstranili-ot-otvetstvennosti-za-nacbezopasnost-i-oboronu/
  • https://de.sputniknews.com/politik/20161216313794242-keine-terroristen-im-donbass-laut-sawtschenko/
  • https://de.sputniknews.com/politik/20161219313830452-sawtschenko-poroschenko-toeten/
  • http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/kampfpilotin-nadija-sawtschenko-will-praesidentin-der-ukraine-werden-14406721.html 29.08.2016
  • http://www.handelsblatt.com/politik/international/ukrainische-kampfpilotin-nationalheldin-im-parlament-isoliert/19175130.html
  • http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/pussy-riot-lady-suppenhuhn-11867761.html
  • http://derstandard.at/2000049779386/Kiews-Parlament-schliesst-Sawtschenko-aus-Europarats-Delegation-aus

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Strom aus Atommüll – Fiktion, oder was?

Gäbe es keinen “Atommüll”, wäre die bunte Welt der Kernkraftgegner um einen wichtigen Punkt ärmer. Denn die Kernkraftgegner wollen partout nicht auf diesen identitätsstiftenden “Green Blob” verzichten. Aber es gibt eine Lösung, keine Wunschvorstellung, sondern ein real existierendes Kernkraftwerk, das etwas kann, wozu kein Windrad in der Lage ist: Aus nuklearen Abfällen Strom gewinnen. Dominic Wipplinger und Rainer Klute stellen diese umweltfreundliche Technik vor.

Strom aus Atommüll: Schneller Reaktor BN-800 im kommerziellen Leistungsbetrieb

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Foto: Rosatom

Seit dem 31. Oktober 2016 und damit gut einem Monat läuft Block 4 des russischen Kernkraftwerks Beloyarsk im kommerziellen Leistungsbetrieb. Es handelt sich um einen sogenannten Schnellen Reaktor vom Typ BN-800 mit einigen Eigenschaften, die ihn vom Gros der sonst üblichen Leichtwasserreaktoren abheben. Für das amerikanische Kraftwerkstechnikfachmagazins „POWER Magazine“ waren diese Besonderheiten jüngst Grund genug, der noch jungen Anlage die Auszeichnung „Top Plant“ zu verleihen.

Ein wesentlicher Punkt, der zu dieser Entscheidung führte, ist die Fähigkeit des BN-800, nicht nur Uran, sondern auch Plutonium und die übrigen Transurane als Brennstoff zu nutzen. Diese hochradioaktiven und langlebigen Stoffe fallen beim Betrieb üblicher Kernreaktoren als Atommüll an und lassen sich dort nicht weiter verwerten. Allerdings enthalten diese Abfälle noch 96 Prozent der ursprünglich im Kernbrennstoff steckenden Energie, also fast alles. Schnelle Reaktoren wie der BN-800 sind in der Lage, diese Energie freizusetzen und Strom daraus zu gewinnen. Die bessere Brennstoffausnutzung führt zu viel weniger Reststoffen, die außerdem erheblich geringere Halbwertszeiten aufweisen und somit viel schneller abklingen.

Russland will die Abfälle herkömmlicher Leichtwasserreaktoren reyclen und das Atommüllproblem innerhalb der nächsten Jahrzehnte mit Hilfe Schneller Reaktoren lösen. Fachleute nennen das Atommüll-Recycling auch das »Schließen des Brennstoffkreislaufs«. Der BN-800 ist für Russland ein wichtiger Meilenstein auf diesem Weg. Er zeigt, dass das Verfahren funktioniert – und zwar nicht nur im Labor oder mit einem Forschungsreaktor, sondern in einer industriellen Großanlage im kommerziellen Leistungsbetrieb mit einer planbaren und zuverlässigen Einspeisung von 800 Megawatt in das Stromnetz der Oblast Swerdlowsk.

geschlossener_brennstoffkreislauf_mit_thermischen_reaktoren_und_schnellen_bruetern

Geschlossener Brennstoffkreislauf mit thermischen Reaktoren und Schnellen Brütern. Quelle: Deutsche Nucleopedia

Von Beloyarsk 4 versprechen sich die russischen Reaktorbauer wichtige Betriebserfahrungen für den Nachfolger des BN-800: Der BN-1200 soll eine um 50 Prozent höhere Leistung bringen, zugleich aber einfacher und preiswerter als der BN-800 sein und weiter gesteigerte Sicherheit bieten. Der erste der BN-1200-Reaktoren soll ebenfalls am Standort Beloyarsk entstehen; eine Entscheidung darüber wird 2019 erwartet und hängt von den Ergebnissen des BN-800 ab.

Der Reaktorkern des BN-800 wird nicht mit Wasser gekühlt, sondern mit flüssigem Natrium. Anders als in gewöhnlichen Kernkraftwerken gibt es keinen Moderator, der die bei der Kernspaltung freiwerdenden Neutronen abbremst. Der BN-800 arbeitet mit schnellen, energiereichen Neutronen – daher die Bezeichnung »Schneller« Reaktor. Zwar sind weltweit eine ganze Reihe Schneller Reaktoren in Betrieb, doch ist Beloyarsk 4 nach Stilllegung des französischen Superphénix 1997 der leistungsstärkste und zusammen mit seinem Vorläufer BN-600 der einzige kommerziell betriebene Kernkraftwerksblock mit einem derartigen Reaktor. Der BN-600 steht als Block 3 ebenfalls im Kernkraftwerk Beloyarsk und ist bereits seit 1980 in Betrieb.

Der BN-800 nutzt im Gegensatz zu den meisten gewöhnlichen Kernkraftwerken kein angereichertes Uran als Brennstoff, sondern Plutonium-Uran Mischoxid (MOX). In seiner gegenwärtigen Kernkonfiguration kommen Plutonium aus ehemaligen sowjetischen Kernwaffen sowie abgereichertes Uran zum Einsatz, das als Abfallprodukt bei Anreicherung und Wiederaufarbeitung anfällt. Damit soll der BN-800 den russisch-amerikanischen Abrüstungsvertrag (START) erfüllen, der auf beiden Seiten die Vernichtung von 34 Tonnen waffenfähigen Plutoniums vorsieht. Allerdings setzte Russland Anfang Oktober 2016 den START-Vertrag einseitig aus. Präsident Putin warf den USA vor, ihren Verpflichtungen nicht nachzukommen, da das Land die Herstellung von Plutonium-Uran Brennstoff aufgegeben habe.

Wie es mit der Vernichtung des Waffenplutoniums in Russland weitergeht, ist noch unklar. Sie sollte sich eigentlich über die nächsten Jahre erstrecken. Jedenfalls kann der BN-800 wie erwähnt auch Plutonium aus den gebrauchten Brennelementen gewöhnlicher Kernkraftwerke als Brennstoff nutzen.

 

Effektive Plutonium-Verwertung

Als Schneller Reaktor kann der BN-800 Plutonium effektiver verwerten als ein gewöhnliches Kernkraftwerk mit thermischem Leichtwasserreaktor, in welchem die bei der Kernspaltung entstehenden Neutronen durch das auch als Moderator dienende Kühlwasser abgebremst werden. Beim Einsatz von Plutonium als Brennstoff in einem thermischen Reaktor wird nur ein Teil der Plutonium-239-Kerne gespalten. Ein anderer Teil wandelt sich durch Neutroneneinfang in Isotope wie beispielsweise Plutonium-240 oder Plutonium-242 um. Da Isotope mit gerader Massenzahl im thermischen Neutronenspektrum schlecht spaltbar sind, nimmt ihr Anteil immer weiter zu, bis sich das Plutonium nicht mehr für den Einsatz in thermischen Reaktoren eignet.

Schnelle Neutronen hingegen neigen eher als thermische Neutronen dazu, Plutoniumkerne zu spalten, statt von ihnen absorbiert zu werden. Vor allem aber können sie auch die im thermischen Spektrum schlecht spaltbaren Isotope zerlegen. In einem Brennstoffkreislauf mit thermischen und Schnellen Reaktoren lässt sich das Plutonium daher vollständig verwerten. Die Plutoniumqualität verschlechtert sich im Schnellen Reaktor nicht weiter, sondern verbessert sich sogar. Im Idealfall kann man auf diese Weise das gesamte anfallende Plutonium verwerten, sodass am Ende kein Plutonium übrigbleibt, das endgelagert werden müsste.

 

Kartogramm des BN-800-Reaktorkerns (Brenner mit Equilibrium-Brennstoffkreis) von innen nach außen:legende

 

Der BN-800 kann aber nicht nur vorhandenes Plutonium als Brennstoff nutzen, sondern auch neues Plutonium aus Uran-238 erbrüten. Natururan besteht fast vollständig aus Uran-238, genauer: zu 99,3 Prozent. Es ist ein Uran-Isotop, das von thermischen Neutronen nicht gespalten werden kann und daher in herkömmlichen Reaktoren fast nutzlos ist. Durch Neutroneneinfang wandelt sich ein Uran-238-Atom jedoch in ein gut spaltbares Plutonium-239-Atom um; man spricht von »Brüten«. Dieser Prozess ist an sich nichts Außergewöhnliches, findet in jedem normalen Kernreaktor statt und trägt durch die Spaltung der Plutonium-239-Kerne auch dort mit einem gewissen Anteil zur Gesamtleistung bei.

Gegenwärtig ist der Kern des BN-800 für die Vernichtung des Waffenplutonium ausgelegt; er arbeitet als »Schneller Brenner«. In einer anderen Kernkonfiguration kann er aber auch mehr Plutonium erbrüten als er verbraucht (»Schneller Brüter«). Dadurch lässt sich letztlich das gesamte Uran-238 als Brennstoff nutzen, sodass aus einer gegebenen Menge Natururan über 100 mal mehr Energie als in konventionellen Kernkraftwerken gewonnen werden kann. Abgebrannter Brennstoff wird fast vollständig wiederverwertet, sodass als Abfall nur die mit überschaubaren Halbwertszeiten von weniger als 100 Jahren radioaktiven Spaltprodukte sowie geringe Mengen an Transuranen zurückbleiben. Hier dürften in Russland künftig auch bleigekühlte Schnelle Reaktoren wie der BREST-300 eine Rolle spielen.

 

Höhere Temperaturen ermöglichen höhere Effizienz

Auch sonst bietet der BN-800 einige technische Besonderheiten und Vorteile gegenüber gewöhnlichen Kernkraftwerken. Durch die Verwendung von flüssigem Natrium als Kühlmittel erreicht er Dampftemperaturen von 490 °C. Zum Vergleich: Konventionelle Kernkraftwerke kommen auf Dampftemperaturen um 280 °C. Die höhere Temperatur ermöglicht eine kompaktere und effizientere Heißdampfturbine. Die thermodynamische Nettoeffizienz des Kraftwerks liegt bei fast 40 Prozent, während sie bei gewöhnlichen KKW oft nur rund 30 Prozent beträgt. Trotz der hohen Temperatur wird der Primärkreis des Reaktors nicht unter erhöhtem Druck betrieben, da Natrium auch bei Normaldruck erst bei etwa 900 °C siedet. Der Primärkreis des BN-800 ist mit primären Umwälzpumpen und Wärmetauschern vollständig in einem natriumgekühlten Reaktorkessel untergebracht, der sich wiederum in einem Sicherheitsbehälter befindet. Ein Kühlmittelverluststörfall im Primärkreis ist dadurch einfach zu beherrschen und gleichzeitig sehr unwahrscheinlich.

Da Natrium und Wasser chemisch unter starker Wärmefreisetzung heftig miteinander reagieren, wird, wie bei natriumgekühlten Reaktoren üblich, zwischen dem Primärkreislauf und dem Wasser-/Dampfkreislauf ein weiterer, nicht radioaktiver Natriumkreislauf eingesetzt. Dies verhindert, dass bei einer Dampferzeugerleckage radioaktives Natrium freigesetzt wird.

 

Schnelle Reaktoren: die Zukunft der Kernenergie

Mit dem BN-800 im kommerziellen Leistungsbetrieb stellt Russland seine Technologieführerschaft bei Schnellen Reaktoren eindrucksvoll unter Beweis. Dennoch arbeiten auch in anderen Teilen der Welt Staaten und Unternehmen an fortschrittlichen Reaktorkonzepten, die den hochaktiven, langlebigen Atommüll beseitigen und zugleich die Reichweite des Brennstoffs Uran um Jahrtausende verlängern, von Thorium als alternativem Kernbrennstoff ganz zu schweigen.

Speziell natriumgekühlte Schnelle Reaktoren sind in China und Indien von strategischer Bedeutung. Indien wartet auf den Abschluss des Genehmigungsverfahren zur Inbetriebnahme des Prototype Fast Breeder Reactors (PFBR) im Kernkraftwerk Kalpakkam. Ein Prototyp zwar, aber mit einer elektrischen Leistung von immerhin 500 Megawatt. Frankreich arbeitet am 600-MW-Demonstrationsreaktor ASTRID (Advanced Sodium Technological Reactor for Industrial Demonstration); eine Entscheidung über den Bau der Anlage soll 2019 fallen. Japan hat sich ASTRID wegen Problemen mit dem eigenen Schnellen Brüter Monju angeschlossen. Technisch besonders interessant ist der PRISM (Power Reactor Innovative Small Module) von GE Hitachi Nuclear Energy, da er metallische Brennelemente verwendet, die sich in einem besonders einfachen und kostengünstigen Verfahren, dem Pyroprozess, aufbereiten und per Stangengießverfahren herstellen lassen. Der Reaktor selbst ist fertig entwickelt und wartet auf einen ersten Kunden, möglicherweise Großbritannien, wo über 100 Tonnen Waffenplutonium zu entsorgen sind.

Schnelle Reaktoren sind die Zukunft der Kernenergie.

Mehr zum BN-800:
Mehr zum Atommüll:

 

Von Dominic Wipplinger und Rainer Klute


Dominic Wipplinger

Dominic Wipplinger studiert Elektrotechnik ist in der Österreichischen Kerntechnischen Gesellschaft und in der Nuklearia aktiv. Er hat bereits in etlichen Kernkraftwerken als Messtechniker gearbeitet.

 

 

Rainer Klute

Rainer Klute ist Diplom-Informatiker, Nebenfach-Physiker und Vorsitzender des Nuklearia e. V. Seine Berufung zur Kernenergie erfuhr er 2011, als durch Erdbeben und Tsunami in Japan und das nachfolgende Reaktorunglück im Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi auch einer seiner Söhne betroffen war.

 


Leseempfehlung Ruhrkultour:

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Friedliches Atom in jedem Haus – Russland setzt auf innovative Reaktoren

Мирный атом в каждый дом! Friedliches Atom in jedem Haus – Russland setzt auf innovative Reaktoren und betreibt den aktuell modernsten Reaktorblock der Welt. Rosatom berichtet, dass am 26. Oktober 2016 der innovative Reaktorblock Nr. 6 im Atomkraftwerk Nowoworonesch, ein Atomrekator der Generation 3+, auf 100% seiner Leistung hochgefahren wurde. Die Anforderungen, die nach Fukushima entwickelt wurden, sind laut Rosatom in einer bisher einzigartigen Kombination von aktiven und passiven Sicherheitssystemen berücksichtigt worden. Die Anlage sei “vollkommen resistent gegen externe und interne Störeinflüsse”. Der russische Block Nr. 6 des Atomkraftwerks Nowoworonesch nimmt weltweit als erstes Kernkraftwerk dieser neuen Generation seinen Betrieb auf. Andere Länder werden folgen, denn Reaktoren der Generation 3+ werden derzeit in einigen anderen Ländern gebaut.

Kolumne

Dirk Egelkraut

Und vor 10 Jahren, 2006, wollte es niemand glauben, jetzt habe ich es meinen schärfsten Kritikern doch gezeigt: Russland hat den Rest der Welt in der technologischen Entwicklung im Bereich der Kernkraftwerke abgehängt und betreiben den aktuell modernsten Reaktorblock der Welt – von den evolutionären Modellen auch noch den fortschrittlichsten.

Mit der ersten Volllast und Versuchen in diesem Leistungsbereich ist damit der dritte Teilschritt zur Inbetriebnahme abgeschlossen. Nun beginnt der vierte Schritt, in dem die russische Aufsichtsbehörde Rostechnadzor den Block für die kommerzielle Inbetriebnahme abnehmen wird. Ab Dezember 2016 soll der Block, ein WWER-1200/392M als AES-2006, dann regulär seine 1200 MW in das Stromnetz in Zentralrussland einspeisen. Im Dezember 2017 wird die Inbetriebnahme des zweiten Blocks folgen.
Nowoworonesch II hat gezeigt, dass es möglich ist, dass eine reorganisierte Atomwirtschaft unter einer Staatsholding ROSATOM sehr gesund für die Entwicklung ist. Binnen weniger Jahre hat Russland über 24 Reaktorblöcke exportiert, die bereits auf dem WWER-TOI-Modell basieren, deren technische Basis Nowoworonesch II ist. Rosatom hat damit in weniger als einem Jahrzehnt die Weltmarktführung übernommen. Anlagen auf Basis des TOI-Modells werden in den nächsten Jahren in Asien, in West- sowie Osteuropa, sowie in Afrika entstehen.

Mit den Neubau von diesen Reaktoren endet die Ära der Sowjetanlagen auf dem russischen Territorium, damit die der älteren kleineren WWER-440, sowie die durch Tschernobyl bekannten Reaktoren des Typs RBMK-1000. Den ersten Schritt macht hier auch Nowoworonersch: Im Dezember 2016, mit der kommerziellen Übergabe des leistungsstärksten russischen Reaktorblocks für den kommerziellen Betrieb, wird der WWER-440/179 Nowoworonesch-3 seine letzten Kilowattstunden erzeugen und stillgelegt werden, 2018 wird auch mit der Inbetriebnahme des ebenfalls innovativen Blocks Leningrad II-1 (mit WWER-1200/491 als AES-2006) auch die Ära der RBMK enden mit der Stilllegung des ersten RBMK-Blocks Leningrad-1 auf dem ehemaligen Territorium der UdSSR.

Und jetzt stellt sich wieder die ewige Frage: Soll die Welt wirklich am deutschen Wesen genesen? Ich finde, dass es kaum sein kann, dass ein Land, das neben evolutionäre Reaktoren auch auf innovative Reaktoren setzt, nicht falsch liegen kann. Die Lösungen für die gesamte Endlagerproblematik gibt es längst. Deutschland war bereits in den 1980ern imstande diese zu realisieren, sie wurden allerdings verhindert. Russland praktiziert bereits diesen Prozess. Daher die Frage: Weshalb sollte man sich nicht in diesem Fall ein Beispiel an Russland nehmen und es auch machen? ….Aber klar, das phöse Atom und Russland sowieso…

In Russland nennt man es übrigens das friedliche Atom – Мирный атом. Bereits Igor Kurtschatow wusste das, als er den WWER-210, den ersten WWER, in Nowoworonersch baute. Sein Motto war “Lasst es Atomarbeiter sein, und keine Soldaten” – Пусть будет атом рабочим, а не солдатом! Die moderne Variante steht heute am Eingang eines Kernkraftwerks mit WWER-1200 in Weißrussland: Friedliches Atom in jedem Haus – Мирный атом в каждый дом!

 

Foto:Rosatom

https://www.facebook.com/rosatomgermany

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Kernenergie – Indiens Hoffnung für die Armen

Kudankulam 1 and 2 (Image: Rosatom)

Kudankulam 1 and 2 (Image: Rosatom)

Energie ist von entscheidender Bedeutung für die Bekämpfung der Armut in Indien. Für Indien bedeutet Kernkraft mehr als nur eine Stromquelle. Sie spielt eine wichtige Rolle für die Entwicklung der Industrie, da sie für die vielen armen Menschen den Zugang zu einer sicheren, erschwinglichen und zuverlässigen Energie ermöglicht. In Deutschland wurde die Erinnerung, dass Kernkraftwerke den wirtschaftlichen Aufschwung nach 1945 ermöglicht haben und kein Windrad ohne Strom aus Kernkraftwerken hätte gebaut werden können, nahezu aus dem Gedächtnis gestrichen. Die riesige Bevölkerung Indiens braucht zuverlässige, stetige Quellen, wenn das Land nach vorne kommen soll, und wird sich deshalb seine Energiepolitik nicht vorschreiben lassen.

Im Gegensatz zu den reicheren Ländern kann Indien sich nicht den Luxus leisten, seine Ressourcen und seine Zeit für unzuverlässige Energiequellen wie Sonnen-und Windenergie zu vergeuden. Indiens Zukunft ist Nuklear. Indien wird ein Beispiel für andere arme Länder sein, die sehr genau darauf achten, wie die Nutzung der Kernenergie imstande ist, ein Land aus der Armut zu befreien.

Die Menschen in Indien registrieren sehr aufmerksam, dass ihnen nicht die Vereinigten Staaten oder Europa helfen, aus bitterer Armut zu entkommen, sondern Russland. Anfang August eröffnete Wladimir Putin die erste Reaktoreinheit das Kudankulam Kernkraftwerks (KKNPP) im Rahmen einer Videokonferenz von Moskau aus. Das KKNPP ist Teil eines Vertrags, der bereits 1998 zwischen Indien und Russland unterzeichnet wurde. Gebaut wird es von der russischen Rosatom State Atomic Energy Corp.

India’s Nuclear Transformation — Why the Poor in India Have Hope

 

 

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EiszeitGabriele Krone-Schmalz: Eiszeit. Wie Russland dämonisiert wird und warum das so gefährlich ist
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In ihrem neuen Buch warnt Gabriele Krone-Schmalz vor einem Rückfall in die einfachen Denkmuster und klaren Feindbilder des Kalten Krieges. Wladimir Putins Ziele seien expansiv, wird behauptet, er bedrohe Polen und das Baltikum. (mehr …)

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Kernkraftwerk Kudankulam – Indo-Russisches Projekt für grünes Wachstum

Der indische Premierminister Narendra Modi und der russische Präsident Wladimir Putin haben am 10. August 2016 die Einheit 1 des 1.000-MW-Kernkraftwerks Kudankulam eingeweiht. Die Einweihung fand im Rahmen einer Videokonferenz zusammen mit J. Jayalalithaa, Ministerpräsident des indischen Bundeslandes Tamil Nadu, Standort des Kernkraftwerks, statt. 

Gemeinschaftsprojekt zwischen Indien und Russland zur friedlichen Nutzung der Kernenergie

Das Kernkraftwerk Kudankulam soll insgesamt fünf Energieblöcke mit je 1000 Megawatt Leistung bekommen. Die Kernkraftanlage wird dann die Bundesstaaten Tamilnadu, Kerala, Karnataka und Andhra Pradesh sowie das Unionsterritorium Puducherry mit Strom versorgen.

Mit der Vollinbetriebnahme des ersten und später auch des zweiten Reaktorblocks des Atomkraftwerkes werde die Energieversorgung Indiens deutlich verbessert und die wirtschaftliche Position des Landes gestärkt, sagte Putin. Er gehe davon aus, dass sich die sozial-ökonomische Aufgaben in einem so mächtigen Land wie Indien nicht ohne Atomenergie lösen lassen, berichtet Sputnik News. Der Präsident habe auch darauf verwiesen, dass das Projekt mit von Russland bereitgestellten Geldmitteln finanziert werde, wobei der Staat 85 Prozent der Baukosten übernehme.

Premierminister Modi habe darauf hingewiesen, berichtet World Nuclear NEWS (WNN), dass Indien und Russland planten, eine Reihe von Kernkraftwerken zu bauen. Putin erklärte, dass die Einheit mit der neuesten russischen Kernkrafttechnik gebaut worden sei. Es sei bekannt, habe er hinzugefügt, dass Russland eines der weltweit führenden Unternehmen in der Kerntechnik sei und Russland sich freue, die russische Technologie mit den indischen Kollegen zu teilen. Die Inbetriebnahme des ersten Energieblocks bedeutet laut Putin eine umfassende Arbeit zur Schaffung einer neuen hochtechnologischen Kernenergiebranche in Indien und sehe unter anderem die Ausbildung von Fachkräften vor.

Zusammenarbeit zwischen Indien und Russland beim Bau von Kernkraftwerken seit 1988

Die Zusammenarbeit zwischen Indien und Russland beim Bau von Kernkraftwerken hat ihren Ursprung in einer zwischenstaatlichen Vereinbarung, die vom damaligen indischen Premierminister Rajiv Gandhi und dem Präsidenten der Sowjetunion Michail Gorbatschow im Jahr 1988 unterzeichnet wurde. Die Reaktoren sollten ursprünglich im Dezember 2007 und Dezember 2008 mit dem kommerziellen Betrieb beginnen. Die Einheit 1 war im März 2011 betriebsbereit, aber seine Inbetriebnahme wurde durch Proteste und rechtliche Schritte nach dem Unfall der Anlage im japanischen Fukushima Daiichi im selben Monat verzögert.

Die Einheit 2 – Indiens 22. Kernreaktor – hat die erste Kritikalität im letzten Monat erreicht, sie soll Ende dieses Monats fertig sein. Beide Einheiten sind nach russischer Bauart WWER-1000-Druckwasserreaktoren. Der russische Präsident Wladimir Putin rechnet damit, dass noch in diesem Jahr ein russisch-indisches Abkommen über den Bau des dritten Reaktorblocks für das Kraftwerk Kudankulam in Südindien unterzeichnet wird.

Modi bekräftigte in der Videokonferenz am 10. August 2016 die Freundschaft zwischen Indien und Russland und bezeichnete das Indo-Russische Projekt als eine wichtige Ergänzung zu den Bemühungen, saubere Energie in Indien zu produzieren. Modi sagte laut The Indian Express, dass das Kudankulam Kernkraftwerk (KNPP) auch das gemeinsame Engagement von Indien und Russland signalisiere, “Wege der Partnerschaft für grünes Wachstum zu bauen.”

Die Indische Nachrichtenagentur IANS teilte gestern mit, dass Russlands neueste WWER-1200 – Reaktor -Technologie wahrscheinlich für zukünftige Anlagen verwendet werde, wobei Novovoronezh 6 von großem Interesse für Indien sei.

Während Modis Besuch in Moskau im Dezember letzten Jahres sagten Modi und Putin in einer gemeinsamen Erklärung, dass die Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern auf dem Gebiet der friedlichen Nutzung der Kernenergie ein “Eckpfeiler” ihrer strategischen Partnerschaft sei. Modi sagte, Indien plane insgesamt 12 russische Atomreaktoren an zwei Standorten, davon acht im Bereich von Kudankulam, wie Rosatom erklärte. Die Verträge sollen in diesem Herbst unterzeichnet werden.

Der indische Kabinett hatte im Januar mitgeteilt, dass die kommerziellen Verhandlungen zwischen NPCIL und US-Westinghouse über den Bau von sechs AP1000-Einheiten voraussichtlich in diesem Jahr abgeschlossen sein werden.

Nach der gestrigen Aussage Rosatoms, werden sich Putin und Modi als nächstes auf dem BRICS-Gipfel in Goa im Oktober 2016 treffen. BRICS ist ein Zusammenschluss von großen Schwellenländer, die Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika umfasst.

Quellen:

© Foto: Rosatom Flot, Kernkraftwerk Kudankulam in Indien

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