Michigan

Wind-Industrie-Titan verklagt zwei kleine Gemeinden in Michigan

Der Wind-Industrie-Titan NextEra Energy verklagt zwei kleine Gemeinden in Michigan, um die staatlichen Gesetze für seinen finanziellen Vorteil zu nutzen. NextEra Energy ist ein Unternehmen der Erneuerbaren Energien. Die Schätzungen des Wertes von NextEra belaufen sich auf rund 60 Milliarden Dollar. Das Unternehmen hat in den letzten sieben Jahren keine Einkommenssteuern bezahlt, gehört aber zu den größten Empfängern von Bundeszuschüssen. 

NextEra Energy, mit Sitz in Florida, hat in Michigan Klagen gegen Ellington Township und Almer Township, im Tuscola County in Michigan, eingereicht, um die Gemeinden zu zwingen, Windkraftanlagen zu bauen, berichtet Capcon. Das Unternehmen verfügt über Windparkprojekte in 19 Staaten und vier kanadischen Provinzen und hat in insgesamt 110 Windparkanlagen mehr als 8.700 Windenergieanlagen gebaut.

 

Machtvorteile für Erneuerbare Energien per Gesetz

Der Anstoß für den Bau zusätzlicher Windparks ist vor allem auf ein Michigan Gesetz aus dem vergangen letzten Dezember zurückzuführen. Das Gesetz von 2016 schrieb einen erhöhten Anteil an Elektrizität aus Erneuerbaren Energien und einen Ansteig von 10 Prozent auf 14 Prozent vor. Für Unternehmen wie NextEra bedeutet dies ein Mandat und indirekte Zuschüsse, zusätzlich zu den direkten staatlichen Subventionen, die sie genießen.

NextEra Energy hatte von 2008 bis 2015 Unternehmensgewinne von 21,5 Milliarden Dollar. Das Unternehmen zahlte keine föderalen Einkommenssteuern auf diesen Betrag, sondern erhielt einen Netto-Kredit von $ 313 Millionen aufgrund staatlicher Subventionen.

Almer Township hatte im Vergleich dazu im Jahr 2016 ein allgemeines Budget von 600.000 Dollar.

 

Das große Geschäft eines Wind-Industrie-Giganten: Keine Einkommensteuern bezahlen, Subventionen kassieren und Gemeinden drangsalieren

Die Analyse der Unternehmensgewinne und Steuern von NextEra Energy erfolgte durch das Institute on Taxation and Economic Policy, eine gemeinnützige Mitte-Links Organisation. Sie wurde in einem Bericht vom März 2017 veröffentlicht. Darin heißt es: “Aufgeschobene Steueransprüche erklären die meisten steuerlichen Vorteile des Unternehmens.”

NextEra errhielt seit 2000 einen Betrag von 1,9 Milliarden Dollar an Bundeszuschüssen und Steuergutschriften, so ein Bericht von GoodJobsFirst.org vom März 2015. Die Organisation verfolgt Bundeszuschüsse. Die Windindustrie erhielt im Jahr 2013 insgesamt 5,9 Milliarden US-Dollar an Bundeszuschüssen. 2015 ist das letzte Jahr, für das Daten von der Energy Information Administration zur Verfügung stehen.

“NextEra kann Windenergie produzieren, aber sein echtes Geschäft ist Subventionsbergbau”, sagte Robert Bryce, ein älterer Mitarbeiter am Manhattan Institute und ein Experte für den Energiesektor. “Erneuerbare Energien brauchen Subventionen, weil sie im freien Markt nicht wirtschaftlich sind. Die Subventionierung von erneuerbaren Energien verzerrt die Großhandelsmärkte im ganzen Land immer mehr. Das Ergebnis dieser Verzerrungen ist, dass andere Stromerzeuger – und vor allem die Kernenergieerzeuger – nun ihre eigenen Subventionen suchen. ”

Quelle:

http://www.michigancapitolconfidential.com/wind-industry-titan-soaks-up-billions-in-tax-subsidies

 

Foto: https://www.nexteraenergyresources.com/where/index.shtml


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Rainer Thiel, SPD: „Zeitgleicher Ausstieg aus der Atom- und Braunkohleenergie ist Irrsinn“

Die “Energiewende” ist in NRW ein Dauerthema. “Das verwundert nicht”, erklärt Rainer Thiel (SPD-Landtagsabgeordneter in NRW) auf seiner Homepage, „denn unsere Region ist mit seiner großen Energiewirtschaft sowie Metall- und Chemieindustrie unmittelbar von ihrer Entwicklung betroffen.” 

thielRainer Thiel ist Starkstromelektriker. Im Unterschied zu den meisten Politikern, die von den Erneuerbaren Energien die Lösung der Energiefrage erhoffen, weiß er, wovon er spricht, wenn es um die Stromversorgung und Stromnetze geht. Auf die Propaganda der Windkraft- und Solarindustrie fällt er deshalb nicht herein. Wind und Sonne liefern eben keinen Dauerstrom. Die Braunkohle werde für unsere Versorgungssicherheit gebraucht, sagt er. Auf seiner Homepage schreibt er:

“Zeitgleicher Ausstieg aus der Atom- und Braunkohleenergie ist Irrsinn.”

Ohne Braunkohle gehe es nicht, “damit unsere Wirtschaft in Deutschland nicht wegen Windflauten und zu vielen Wolken am Himmel stillsteht“, sagt auch Juso-Chef Daniel Kober, zugleich Jugendvertreter in den Kraftwerken Frimmersdorf/Neurath.

Speichertechnologien werden die Energiewende entscheiden, meint der Landtagsabgeordnete Thiel, nicht die Zahl der “Windspargel”. Aus seiner Sicht sei die Entwicklung und Umsetzung von Energiespeichertechnologien, die „über mehrere Tage und nicht nur wenige Stunden Großstädte und Ballungszentren wie unsere Region zwischen Düsseldorf und Köln versorgen können“, entscheidend für ein Gelingen der Energiewende, berichtet der Erft-Kurier. Abseits von großen Pumpspeicherkraftwerken, die viel Fläche verbrauchen, sehe Thiel derzeit keine technisch ausgereifte und auch bezahlbare Lösung für die erforderliche Großspeichertechnologie.

Rainer Thiel bezieht Stellung gegen den Regionalplan. Die rot-grüne Landesregierung hat sich das Ziel gesetzt, 50 Prozent des Strombedarfs aus Windkraft zu generieren – bis 2020 – und will, dass neue Flächen für Windräder ausgewiesen werden. Der Ausbau der Windkraftanlagen hat aber zur Folge, dass die Subventionen weiter steigen, ohne dass daraus ein Nutzen für die Verbraucher entsteht, denn “durch den Zuwachs an erneuerbaren Energien haben wir noch nicht eine Gramm CO² eingespart”, sagt Thiel.

Zu den negativen Auswirkungen des Ausbaus Erneuerbarer Energien ohne geeignete Speichertechnologien gehören aus der Sicht Rainer Thiels:

  • Steigende Stromkosten für die Bürger: “Der Bürger zahlt Unsummen für die erneuerbaren Energien – im Jahr 28 Milliarden, für einen Wert von 1,5 bis zwei Milliarden. Der Rest ist reine Subvention.” “Und wenn zu viel Strom da ist, sind wir technisch nicht in der Lage, diesen zu speichern. Deswegen gilt der Satz ,Die Sonne schickt keine Rechnung’ nicht. Der Ökostrom kostet uns 30 Cent pro Kilowattstunde extra”, so der SPD-Politiker.
  • Steigende Stromkosten für die Unternehmen, “für die die künstlich hoch gehaltenen Energiekosten ein echter Wettbewerbsnachteil im internationalen Vergleich” seien, und die daraus entstehenden Folgen, auf den Punkt gebracht:
  • “Wir vernichten Arbeitsplätze”.

Man könnte diese Punkte auch so zusammenfassen: Die Bürger vernichten durch die Subventionierung von Erneuerbaren Energien die Grundlage ihrer Existenz. Die Frage bleibt: Warum folgt die SPD-Landtagsfraktion nicht den Erkenntnissen ihrer Fachleute, sondern den irrationalen Wunschträumen von grünen Weltverbesserern?

Rainer Thiel ist Mitglied der SPD seit 1970. Seit März 2009 ist er Vorsitzender der SPD- Kreistagsfraktion. Seine Schwerpunkte sind Struktur- und Energiepolitik und Wirtschaftsförderung. Er vertritt den Kreis im Braunkohleausschuss beim Regierungspräsidenten Köln und im Regionalrat im Regierungsbezirk Düsseldorf. Dort ist er Sprecher der SPD im Planungsausschuss und im Strukturausschuss. Er ist Mitglied in der „Innovationsregion Rheinisches Revier“, einem Projekt der Rot-Grünen Landesregierung zur Förderung des Strukturwandels. Seit Jahren streitet er für soziale wirtschaftlich erfolgreiche Politik im Kreis und in der Region.
Rainer Thiel wurde 2012 als Direktkandidat im Wahlkreis Rhein-Kreis Neuss II (Dormagen, Rommerskirchen und Grevenbroich) in den nordrhein-westfälischen Landtag gewählt. Im Landtag NRW ist er ordentliches Mitglied im Ausschuss für Klimaschutz, Umwelt, Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Im dazugehörigen Unterausschuss Klimaschutzplan ist er zudem Sprecher. Weiter ist er Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk und gehörte von 2013 bis 2015 der Enquetekommission zur Zukunft der chemischen Industrie in Nordrhein-Westfalen an. Aktuell wirkt er als Sprecher für die SPD-Fraktion in der Enquetekommission zur Zukunft von Handwerk und Mittelstand in Nordrhein-Westfalen mit.

Ruhrkultour fragt sich: In so vielen Funktionen tätig, und doch so wenig Einfluss auf die Energiepolitik seiner Partei – wie ist das möglich?


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Die Förderung oder Subventionierung von Elektroautos führt zur Zunahme der CO2-Emissionen

“Ziel der Bundesregierung ist es, bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf die Straße zu bringen. Bis 2030 sechs Millionen.” An diesem selbst gesteckten Ziel hält die Bundesregierung fest,  obwohl es unerreichbar ist, wie jeder weiß. Zwei Milliarden Euro investiert die Bundesregierung, aber für wen und wofür? Lassen sich damit Know-how und Arbeitsplätze in Deutschland sichern? Ist Öl tatsächlich “eine Ressource, die bald erschöpft ist”? Lässt sich durch Elektrofahrzeuge wirklich eine große Menge CO2 sparen? Ist die staatliche Förderung von Elektro- und Hybridautos sinnvoll?

Die Antworten auf diese Fragen fallen unterschiedlich aus, weil verschiedene Themen in der Hoffnung auf einen Synergieeffekt miteinander vermengt werden: Forschung, Subventionen für private Unternehmen, Beschäftigungsmaßnahmen und Wissenserhalt. Das “Masterthema” ist jedoch der Klimawandel und damit die Einsparung von CO2. Dienen die Investitionen der Reduzierung der Treibhausgase, verlieren alle anderen Themen an Bedeutung. Zwar ist der menschengemachte Klimawandel nur eine Hypothese, der viele Wissenschaftler widersprechen, aber ein hervorragendes PR-Werkzeug für eine neu entstehende und Umstrukturierung der alten Industrie.

Würde der ökologische Vorteil von Elektroautos widerlegt, müssten viele Fördermaßnahmen aus dem Programm der Bundesregierung gestrichen werden. Dadurch würde die gesamte Energiewende abrupt beendet, denn sie funktioniert nur, weil Deutschland jährlich Subventionen in Höhe von zurzeit 28 Milliarden Euro dafür bezahlt, eine Entscheidung, die uns in jeder Beziehung bereits schon jetzt teuer zu stehen kommt.

Ökologisch verursachen Elektroautos ungefähr gleich hohe CO2-Emissionen wie normale
Benzin- oder Diesel-PKW

Die Ökologischen Folgen von Elektroautos wurden im August 2015 vom UPI-Institut untersucht. UPI (Umwelt- und Prognose-Institut) ist vom Finanzamt Heidelberg als gemeinnützig und besonders förderungswürdig anerkannt.

Das UPI-Institut kam zu dem Ergebnis, dass Elektroautos entgegen einer weit verbreiteten Meinung nicht klimaneutral sind, sondern als einzelne Fahrzeuge ungefähr gleich hohe CO2-Emissionen wie normale
Benzin- oder Diesel-PKW verursachen. Mehr noch: Die Förderung oder Subventionierung von Elektroautos führe zur Zunahme der CO2-Emissionen, sagt das UPI-Team.

Der kalkulatorische Trick der Subventionsindustrie: Sie ignoriert die Emissionen, die bei der Herstellung und durch den Verbrauch von Strom entstehen. Die ganzheitliche Betrachtungsweise von Produkten ist ihnen trotz bisweilen gegenteiliger Beteuerungen fremd.

Download the PDF file .


Literatur zum Thema Elektroauto:
sell
elektrofahrzeuge

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Wie sich mit “toten Pferden” Geld verdienen lässt

Sechs Klimaschutz- und Energieminister der Bundesländer Hessen, Saarland, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Thüringen haben ein gemeinsames Positionspapier
veröffentlicht.

Ihre Bundesländer sind vom Wind benachteiligt, und deshalb möchten die Minister gerne aus den bundesweiten Subventionstöpfen abschöpfen, was ihnen der Wind in ihrem eigenen Land an Profitmöglichkeiten vorenthält. Sie gestehen damit unbeabsichtigt ein, was alle Spatzen schon lange von den Dächern pfeifen: Windenergie an Land ist in den meisten Regionen uneffizient und verfügt nicht über “große Potenziale zu günstigen Stromgestehungskosten”, wie grüne, rot-grüne und schwarz-grüne Politiker behaupten. Windkraftanlagen taugen nicht für die Stromversorgung großer Gebiete und sind Geldvernichtungsanlagen.

 

Ab dem Jahr 2017 sind bundesweit Ausschreibungsverfahren vorgesehen. Dies könnte dazu führen, dass die noch freien Flächen im Norden mit Windkraftanlagen bebaut werden, nicht aber im windschwachen Süden und in NRW. Das Märchen von der dezentralen Energieversorgung unter Beteiligung der Bevölkerung und die Hoffnung auf 100% Erneuerbare Energien in Deutschland soll aber aufrecht erhalten werden. Die Subventionspropeller haben einigen von ihnen finanzielle Vorteile gebracht, und so soll es nach ihrem Willen auch bleiben. Wenn es da nicht das das neue Ausschreibungsverfahren gäbe …

In dem gemeinsamen Positionspapier fordern die Minister, das so genannte Referenzertragsmodell im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) so zu modifizieren, dass bei einer Ausschreibung die windschwachen Standorte nicht benachteiligt werden. Sie schlagen unter anderem vor, die Grundvergütung im EEG zu senken und windstarken Standorten zum Vorteil der windschwachen Standorte die Anfangsvergütung für eingespeisten Strom über eine kürzere Dauer als bisher zu bezahlen. Außerdem fordern sie einen garantierten Anspruch auf 40 Prozent der Zuschläge.

Die FDP in den Landtagen von Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hessen bezieht Position zum Positionspapier der Klimaschutz- und Energieminister. Die Fraktionsvorsitzenden bezeichnen die Forderung der grünen Umwelt- und Wirtschaftsminister nach Extra-Subventionen für windschwache Standorte als aberwitzig. Dies zeige, dass ein Betrieb von Windkraftanlagen im Binnenland nur mit massiven Subventionen überhaupt möglich sei.

“Die Freien Demokraten lehnen einen Wettlauf um neue Subventionen aber ausdrücklich ab, da weiter steigende Strompreise für Verbraucher und Industrie nicht mehr tragbar sind. Windkraft ist aufgrund fehlender Speichermöglichkeiten nicht in der Lage, konventionelle Kraftwerke zu ersetzen. Aus diesem Grund fordern wir, das EEG abzuschaffen und die Subventionierung erneuerbarer Energien zu Lasten von Verbraucher und Industrie zu stoppen.“

Länderpositionspapier zum ausgewogenen Ausbau der Windenergie, 20.05.2015

Ausgewogener Ausbau der Windenergie

Positionspapier der Klimaschutz- und Energieminister aus Hessen, Saarland, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Thüringen

Zur Erreichung der ambitionierten Klimaschutzziele kommt im Strombereich der Windenergie an Land eine besondere Bedeutung zu, da diese Technologie deutschlandweit über große Potenziale zu günstigen Stromgestehungskosten verfügt. Marktanalysen haben ergeben, dass zur Zielerreichung eines jährlichen Nettozubaus von 2,5 GW ein Bruttozubau von 3 bis 5 GW pro Jahr erforderlich sein wird. Damit diese Ziele in einem Ausschreibungsmodell kosteneffizient erreicht werden können, ist ein stets liquider und wettbewerblich ausgestalteter Markt unerlässlich.

Die höchstmögliche Liquidität wird erreicht, wenn die Rahmenbedingungen so gestaltet werden, dass alle geeigneten Windstandorte in Deutschland in einer Auktion gemeinsam anbieten. Ein fairer und kosteneffizienter Wettbewerb erfordert hierbei aber zwingend ein homogenes Gut. Das ist die unverrückbare Logik einer jeden Auktion. Andernfalls wären, insbesondere beim Einheitspreisverfahren, Wettbewerbsverzerrungen und ungerechtfertigte Standortnachteile nicht zu vermeiden.

Die unterzeichnenden Ministerinnen und Minister halten das gegenwärtige 2-stufige Referenzertragsmodell im Grundsatz für geeignet, eine wettbewerbliche Preisfindung zwischen den Standorten im Rahmen einer Auktion anzureizen (Gebote auf die Anfangsvergütung). Sie weisen aber nachdrücklich auf zwei ganz wesentliche Defizite hin:

1. Weniger windhöffige Standorte können auf Basis des gegenwärtigen Referenzertragsmodells in einem Ausschreibungssystem keine Wettbewerbsfähigkeit erreichen.
2. Bei Standorten mit hoher Windhöffigkeit werden im aktuellen Modell Überrenditen erzeugt.

Weniger windhöffige Standorte würden im Ausschreibungssystem nicht mehr zum Zuge kommen, auch mit Blick auf die neuen bzw. verstärkten Unsicherheiten (Zuschlags- und Preisrisiko).

Würde das bestehende Referenzertragsmodell also unverändert im Ausschreibungssystem zur Anwendung kommen, wäre bei der räumlichen Verteilung des Windenergiezubaus eine Schieflage nicht zu vermeiden, da der Ausbau der Windenergie in den mittleren und südlichen Bundesländern massiv ausgebremst würde.

Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner sind der Auffassung, dass es sich bei der Energiewende um eine gesamtdeutsche Gemeinschaftsaufgabe handelt. Daher darf sich der künftige Ausbau der Windkraft nicht allein auf den Norden beschränken. Vielmehr muss es auch künftig zu einem über das gesamte Bundesgebiet verteilten Ausbau kommen. Die volks- wie auch energiewirtschaftlichen Vorteile liegen auf der Hand:

 Nur dann wäre ein engeres Zusammenrücken von Erzeugung und Verbrauch gewährleistet. Zudem kann der Effekt einer vermehrten Abregelung von Windkraftanlagen im Norden so reduziert werden.
 Die Netzplanung (Netzentwicklungspläne) beruht auf einer regionalen Verteilung, die sich auch in der Vergangenheit eingestellt hat. Bei einer deutlichen Verschiebung hin zu den Standorten in Norddeutschland wäre die Robustheit der aktuellen Netzplanung nicht mehr gegeben.
 Eine ausreichende räumliche Verteilung bzw. Streuung leistet einen Beitrag zur meteorologischen Diversifizierung und reduziert somit die Volatilität der Windeinspeisung aus nationaler Sicht und leistet damit einen kosteneffizienten Beitrag zur besseren Verlässlichkeit und damit zur Versorgungssicherheit.
 Es käme zu einer Verteilung der Wertschöpfung über das gesamte Bundesgebiet und damit zu einer höheren Akzeptanz vor Ort.
 Nur wenn auch Standorte im Binnenland entwickelt werden, lässt sich im Rahmen von Ausschreibungen ein ausreichend liquider und nachhaltiger Wettbewerb erreichen. Hätten diese Standorte keine Chance in der Auktion, würden sie nicht entwickelt werden und die Wettbewerbsintensität nähme ab.
 Die infrastrukturellen Veränderungen würden über das gesamte Bundesgebiet verteilt. Auch dies wäre ein weiterer Beitrag zur notwendigen gesellschaftlichen Akzeptanz.

Die Unterzeichner fordern daher, das bestehende Referenzertragsmodell anzupassen. Bei einer solchen Anpassung des Referenzertragsmodells müssen die Wettbewerbschancen zwischen windhöffigen und weniger windhöffigen Standorten fairer verteilt werden. Gleichzeitig müssen aber Anreize hin zu besseren Standorten auch künftig erhalten bleiben. An der grundsätzlichen Struktur des Referenzertragsmodells (2-stufiges Modell, 20 Jahre Vergütung) soll festgehalten werden.

Diese Ziele könnten auf folgendem Weg erreicht werden:

 Der im Wege der Auktion ermittelte wettbewerbliche Vergütungsanspruch sollte sicher stellen, dass Windstandorte über einen weiten Bereich auskömmliche Renditen erzielen können, Verzerrungen zugunsten sehr windhöffiger Standorte vermieden und auch weniger windhöffige Binnenstandorte zwischen 60 % und 90 % noch auskömmlich errichtet und betrieben werden können.
 Durch eine Absenkung der Grundvergütung kann erreicht werden, dass insbesondere Anlagen mit guter Windhöffigkeit vergleichsweise stärker von den mittelfristig steigenden Marktwerten auf dem Großhandelsmarkt in der Direktvermarktung profitieren, eine zusätzliche Rendite erwirtschaften und gleichzeitig früher aus der EEG-Förderung entlassen werden können und damit der Marktintegration Rechnung tragen.
 Daneben muss eine Verkürzung der Dauer der Anfangsvergütung für die sehr windhöffigen Standorte erreicht werden. Dies ermöglicht zusätzliche Spielräume für die Anpassung der Anfangsvergütung mit dem Ziel, dass auch weniger windhöffige Binnenstandorte insbesondere zwischen 60 % und 90 % auskömmlich errichtet und betrieben werden können.

Darüber hinaus ist aus Sicht der Unterzeichner eine regionale Komponente im Ausschreibungssystem, das einen regional ausgeglichenen Zubau sicherstellt, unverzichtbar. Beide Vorschläge müssen unbedingt gemeinsam umgesetzt werden, um dem Ziel der Regionalisierung und der Entwicklung von Standorten auch in den südlichen und westlichen Teilen von Deutschland Rechnung zu tragen, da das Referenzertragsmodell alleine noch keinen mit der aktuellen Netzausbauplanung synchronisierten Zubau gewährleistet.

Hierfür schlagen wir – auch vor dem Hintergrund von Netzengpässen sowie höheren Erschließungskosten in Mittelgebirgslagen und in Anlehnung an die Windpotenzialstudie des Umweltbundesamtes – eine Gruppierung der norddeutschen Bundesländer einerseits sowie der mittel- und süddeutschen Bundesländer (BW, BY, SL, HE, NW, RP, SN, TH) andererseits vor.

Alle Standorte bieten weiterhin in einer deutschlandweiten Auktion an, so dass ein wettbewerbsstarker Markt gewährleistet bleibt. Bei der einheitlichen Auktion wird alleinig sicherstellt, dass jeweils 40 % des Zuschlags den kostengünstigsten Standorten sowohl in den norddeutschen als auch den mittel- und süddeutschen Bundesländern erteilt wird. Dies entspricht der Verteilung des Windenergiezubaus der letzten Jahre. Die restlichen 20 % bleiben ungebunden, so dass der Zubau je nach Auktionsergebnis zwischen 40 % und maximal 60 % in einer der beiden Teilräume stattfindet.

Durch eine solche Vorgehensweise wird auch ein Beitrag zur Wettbewerbsintensität geleistet, da eine höhere Anzahl von regional abgegrenzt agierenden Akteuren in den Ausschreibungswettbewerb eintreten kann. Auch wenn möglicherweise von einer leicht höheren Anfangsvergütung ausgegangen werden kann, so wäre insgesamt eine zusätzliche Belastung des EEG-Kontos auszuschließen.


Pressemitteilung der FDP-Landtagsfraktion Nordrhein-Westfalen, 20.05.2015

MedienINFO 161 – Donnerstag, 21. Mai 2015
Windkraft
Lindner, Rülke, Rentsch: Subventionen für Windkraft stoppen statt ausweiten
Düsseldorf – Stuttgart – Wiesbaden. Zu dem Positionspapier der Klimaschutz- und Energieminister
von Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hessen zur Windkraft erklären die Vorsitzenden der FDP-Landtagsfraktion Nordrhein-Westfalen, Christian LINDNER, der FDP/DVP Fraktion im Landtag Baden-Württemberg Dr. Hans-Ulrich RÜLKE und der FDP-Fraktion im Hessischen Landtag Florian RENTSCH:

„Die Forderung der grünen Umwelt- und Wirtschaftsminister nach Extra-Subventionen für windschwache Standorte ist aberwitzig und zeigt, dass ein Betrieb von Windkraftanlagen im Binnenland nur mit massiven Subventionen überhaupt möglich ist. Die Freien Demokraten lehnen einen Wettlauf um neue Subventionen aber ausdrücklich ab, da weiter steigende Strompreise für Verbraucher und Industrie nicht mehr tragbar sind. Windkraft ist aufgrund fehlender Speichermöglichkeiten nicht in der Lage, konventionelle Kraftwerke zu ersetzen. Aus diesem Grund fordern wir, das EEG abzuschaffen und die Subventionierung erneuerbarer Energien zu Lasten von Verbraucher und Industrie zu stoppen.“

Christian Lindner: „Umweltminister Remmel bestätigt nun, was die FDP schon immer wusste: NRW ist kein Windland. Die Forderung, die EEG-Subventionen für Binnenländer anzuheben ist der Offenbarungseid für die Erneuerbaren-Politik der rot-grünen Landesregierung.“

Dr. Hans-Ulrich Rülke: „In keinem anderen Land der Republik weht der Wind so schwach und selten wie in Baden-Württemberg. Die Windräder im Südwesten bieten mit ihrer geringen Auslastung und ihrem Zufallsstrom weder eine verlässliche noch eine wirtschaftlich sinnvolle Grundlage für die Energiewende. Deshalb sollte man Windenergie grundsätzlich auch nur dort gewinnen, wo dies wirtschaftlich ist. Alles andere ist grün-rote Ideologie.“

Florian Rentsch: „Nur wer Hessen und Deutschland weiter deindustrialisieren möchte, macht genau solche Vorschläge. Wir fordern Ministerpräsident Bouffier auf, Windkraftminister Al Wazir endlich zur Vernunft zu bringen und die Hessen nicht mit einem weiteren Ausbau nutzloser Windräder zu belasten.“

Die Weisheit „Wenn Du entdeckst, dass Du ein totes Pferd reitest, steig ab!” wird den Dakota-Indianern zugeschrieben. Was machen statt dessen unsere sechs Minister? Sie versuchen, zusätzliche Mittel locker zu machen, um die Leistung des Pferdes zu erhöhen und schirren mehrere tote Pferde zusammen, damit sie schneller werden.

Quellen:

 

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Grüne Energieunternehmen in Irland: 68 Millionen Euro fürs Nichtstun

REF_IrlandSonne und Wind schicken keine Rechnung – sie sind allerdings der Vorwand für die Verteilung von Subventionen an grüne Energieunternehmen. Irland zum Beispiel.

Aktuelle Branchenzahlen für Irland zeigen, dass in den letzten 12 Monaten £ 53.100.000 (67.808.700 Euro) an grüne Energieunternehmen für das Herunterfahren von Windkraftanlagen bezahlt wurden, mehr als £ 1.000.000 in der Woche. Das Geld wird den Verbrauchern über die Stromrechnungen abgenommen.

Die Anlagen müssen zu bestimmten Zeiten abgeschaltet werden, weil die britische Stromnetze nicht in der Lage sind, die Menge des produzierten Stroms zu bewältigen. Die Windparkbesitzer erhalten dann Ausgleichszahlungen für nicht produzierten Strom.

  • http://www.telegraph.co.uk/news/earth/energy/windpower/11323685/Wind-farms-paid-1m-a-week-to-switch-off.html
  • http://www.ref.org.uk/constraints/indextotals.php

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Geothermie – Unverantwortbare Risiken mit möglicherweise katastrophalen Folgen

Grüne Energiepolitik: Je sinnloser, desto lieber

Geothermie – allzu oft nur die Gier nach Subventionen

Ein charakteristisches Kennzeichen „grüner“ Industriepolitik ist der Drang, Projekte und Technologien mit umso höheren Summen zu fördern, je fraglicher die Aussichten einer erfolgreichen Umsetzung in die Praxis sind. So wurden beispielsweise sowohl in Spanien als auch in den USA sinnfreie Solar-Großkraftwerke wie das Ivanpah-Projekt (Kalifornien, USA) in die Wüste geklotzt [RKIP]. Zu diesen Lieblingskindern der Öko-Bewegung gehört auch die Geothermie. Diese kann beispielsweise in Regionen mit hoher vulkanischer Aktivität wie Island sehr sinnvoll eingesetzt werden. Sobald sich jedoch grüne Vordenker über solche Themen hermachen, werden entsprechende Projekte auch dort forciert, wo ihr Einsatz nicht nur wenig Aussicht auf Erfolg hat, sondern die Bevölkerung sogar in erheblichem Maße gefährden kann.

Am 8. Dezember 2006 ereignete sich in der Region Basel ein Erdbeben der Stärke 3,4. Dieses richete zwar keine größeren Schäden an, war aber dennoch deutlich zu spüren und löste in der Bevölkerung Unruhe aus. Die Versicherung musste 9 Mio. CHF für Gebäudeschäden erstatten. Und am 20. Juli 2013 kam es in St. Gallen zu einem Erdbeben der Stärke 3,5. In dessen Folge wurden insgesamt 120 Meldungen über kleinere Schäden bis hin zu Rissen in Häusern eingereicht. Gemeinsamkeit beider Ereignisse war die Auslösung der Beben durch Geothermieprojekte. Bei dem Basler Projekt hatte die Angelegenheit sogar ein Strafverfahren gegen den Chef der Bohrfirma zur Folge.

Die Alpen wurden durch den Anprall der afrikanischen auf die europäische Platte aufgetürmt. Diese auch heute noch andauernde tektonische Bewegung kann äußerst starke Erdbeben auslösen

Die Technologie

Das Problem war in beiden Fällen, dass – wie z.B. auch in den meisten Regionen Deutschlands – der Wärmestrom aus dem Erdinneren keine allzu großen Energiemengen transportiert und man daher sehr tief bohren muss, um überhaupt für die Stromerzeugung nutzbare Temperaturen zu erhalten. Bei den Bohrungen in der Schweiz waren dies Tiefen von über 4.000 m. In Basel war das Ziel trockenes, mehr als hundert Grad heißes Gestein. In dieses wird im ersten Projektstadium Wasser unter großem Druck hineingepumpt. Dadurch bilden sich Risse, die allmählich ein Warmwasser-Reservoir entstehen lassen. Bei diesem Aufbrechen des Gesteins werden im Untergrund Schockwellen ausgelöst, die als sogenannte Mikrobeben an der Oberfläche registriert werden. Das gestattet es, den Fortschritt der Arbeiten zu verfolgen. In St. Gallen wurde dagegen versucht, eine Wasserader mit ausreichend hoher Temperatur anzuzapfen. In beiden Fällen hatte man jedoch keine ausreichende Kenntnis der Verhältnisse im Untergrund.

Unverantwortbare Risiken…

Das Problem ist, dass man sich am Nordrand der Alpen und insbesondere im Bereich des oberen Rheingrabens bei Basel in einer stark erdbebengefährdeten Region befindet. Ursache ist der Zusammenprall des afrikanischen und des europäischen Kontinents, der unter anderem dazu geführt hat, dass die Alpen aufgeschoben wurden. Dieser geologische Vorgang dauert immer noch an und bewirkt den Aufbau hoher Spannungen im Untergrund, die sich von Zeit zu Zeit in Erdbeben entladen. Gerade im Raum Basel, wo es im Verlauf der letzten 2000 Jahren zu zwei äußerst heftigen Erdbeben gekommen ist, besteht das Risiko, dass man durch ein künstliches Kleinbeben ein größeres Beben auslösen kann. Prof. Domenico Giardini vom Institut für Seismologie und Geodynamik der ETH Zürich hält dies für realistisch: „Dieser Brute-Force Ansatz ist attraktiv und simpel. Der Nachteil ist: Er kann Erdbeben auslösen. Und zwar auch größere, nicht nur jene kleinen, die die Bohrung und das Erweitern des Reservoirs begleiten“ [RIBE].

… mit möglicherweise katastrophalen Folgen

Und im Raum Basel geht es um Auswirkungen, die nahezu jede andere in dieser Region denkbare Naturkatastrophe übertreffen würden: „Das Basler Erdbeben bezeichnet eine Serie von gewaltigen Erdstößen, die Basel ab dem Nachmittag des Lukastages (18. Oktober) des Jahres 1356 in Trümmer legten. Die Intensität des Erdbebens wird nach den Schäden auf Stufe X der Modifizierten Mercalliskala geschätzt” [WI35]. Erdbeben dieser Stufe werden als „vernichtend“ bezeichnet. Prof. Donat Fäh, Leiter des Bereichs für Risiko- und Gefahrenbeurteilung des Schweizerischen Erdbebendienstes (SED) an der ETH Zürich, betont dass dort, wo historisch Beben aufgetreten sind, diese wieder kommen werden.

Das gelte auch für Basel, das am südlichen Ende des Rheingrabens liegt. Diese Zone ist auch heute noch tektonisch aktiv, weil sich Erdplatten gegeneinander verschieben und dabei verhaken, wodurch Spannungen aufgebaut werden. Wenn dann irgendwann eine größere Schwachstelle bricht, gibt es „einen kräftigen Ruck – wie anno 1356“, so der Wissenschaftler und warnt: „Ein Beben derselben Stärke (wäre) für das heutige Basel verheerend. Das Ereignis von 1356 ist vergleichbar mit dem katastrophalen Erdbeben, das 1995 Kobe getroffen hat.…Ein solches Beben würde heute in der Region Basel 1.000 bis 20.000 Tote (fordern)….Allein (die) Gebäudeschäden würden bei rund 50 Milliarden Franken liegen“ [FAEH].

Zusätzliches Unheil könnten nach Ansicht von Dr. Mayer-Rosa, früherer Chef des Schweizerischen Erdbebendienstes (SED), auch die zahlreichen Wehre am Hochrhein und der Staudamm des Schluchsees im benachbarten Schwarzwald anrichten. Würden sie bersten, dann könnte es zu einer Flutwelle kommen, die ganze Hafenanlagen, Benzintanklager oder Pharmafirmen wegspült und letzte Fluchtwege abschneidet. Zudem käme es zu verheerenden Sekundärwirkungen auf die andern Rheinanliegerstaaten: „Wenn beispielsweise Sandoz wegschwimmt, dann ist in Amsterdam der Teufel los“ [ONLI].

Grob fahrlässiges Verhalten

Während Wissenschaftlern also schon lange klar war, welche Risiken mit solchen Vorhaben verbunden waren, gab man beim Basler Projekt erst nach dem Unfall eine umfassende Risikoanalyse in Auftrag [BAZO, NZZ]. Das Ergebnis ist im Prinzip eine Ohrfeige für die Verantwortlichen. Das von sechs Firmen aufgrund der Auswertung von Messdaten und Modellanalysen erstellte seismische Gutachten schlussfolgert, dass bei diesem Projekt die Gefahr von Erdbeben und Gebäudeschäden zu groß sei. Die zu erwartenden Sachschäden – im Raum stehen Summen bis zu weit mehr als 600 Mio. CHF – seien „gemäß dem Maßstab der Störfallverordnung hinsichtlich der Häufigkeit des Auftretens und der Schadenssumme als nicht akzeptabel zu beurteilen“ [RIBE].

Auch in St. Gallen, wo man trotz des Erdbebens zunächst weitergemacht hatte, musste man am 14.5.2014 den Abbruch des Projekts bekanntgeben [STG2]. Die in der Tiefe gefundene Heißwassermenge ist für ein Kraftwerk viel zu klein. Hinzu kommen das Risiko weiterer Erbeben und das finanzielle Risiko für die Stadt. Prof. Stefan Wiemer, seit 2013 Leiter des SED, schreibt in einem Fazit, der Untergrund bleibe voller Überraschungen und die dort herrschenden tektonischen Vorspannungen ließen sich vor einer Bohrung nicht verlässlich abschätzen. „Änderungen der Spannungsverhältnisse im Untergrund durch menschliche Eingriffe können Erdbeben auslösen. Das ist sogar oftmals gewollt, denn Mikrobeben erhöhen die Durchlässigkeit des Gesteins und damit auch die Wirtschaftlichkeit eines Geothermie-Projektes. Doch mit solchen Eingriffen ausreichend kleine Beben zu erzeugen und gleichzeitig Schäden an der Erdoberfläche sicher auszuschliessen ist eine Kunst, die wir bislang noch nicht verlässlich beherrschen.

In der dichtbesiedelten Schweiz sollte man daher einen Sicherheitsabstand von grösseren aktiven Verwerfungen einhalten“ [WIEM]. Was der Wissenschaftler damit durch die Blume ausdrückt, kann man auf gut Deutsch auch so formulieren: Auch die Verantwortlichen der Stadt St. Gallen haben sich bei der Verfolgung ihrer „Vision einer erneuerbaren Energiezukunft“ fahrlässig verhalten.

Gigantische Investitionen

Für jemanden, der gewohnt ist, bei Wirtschaftsprojekten Kosten und Nutzen gegeneinander abzuwägen, ist die Hartnäckigkeit, mit der sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz immer neue Geothermieprojekte vorangetrieben werden [WIGE], schwer nachzuvollziehen. In beiden Ländern ist das Temperaturniveau im Untergrund fast flächendeckend niedrig. Bei derartigen Niederenthalpie-Lagerstätten muss man in der Regel sehr tief bohren, um überhaupt den für die Elektrizitätserzeugung erforderlichen Grenzwert von 100 °C zu überschreiten. Geothermie

Für eine Abschätzung der Kosten eines Projekts, das die Gewinnung sowohl von Wärme als auch von elektrischer Energie zum Ziel hat, kann man die für Basel und St. Gallen bewilligten Budgets als Maßstab nehmen. In beiden Städten waren jeweils 80 Mio. CHF angesetzt, zusammen also 160 Mio. Rechnet man dies zum gegenwärtigen Kurs von etwa 1,2 zu 1 in € um, so liegen die Kosten für ein solches Projekt bei rund 67 Mio. €. Bei 26 in Deutschland angesetzten Projekten geht es demnach um Investitionen in einer Größenordnung von bis zu 1,5 Mrd. €. Was zu der Frage führt, was mit diesen Investitionen letztlich erreicht werden könnte.

Von den 26 deutschen Projekten liefern derzeit acht Strom mit einer Leistung von insgesamt rund 27 MW. Bei weiteren zehn Projekten ist eine Stromerzeugung aus den verschiedensten Gründen hinfällig oder zumindest sehr fragwürdig. Somit verbleiben noch acht Projekte, bei denen eine Stromerzeugung im Bereich des Möglichen liegt. Setzt man für jedes dieser Projekte eine Stromerzeugungskapazität von durchschnittlich 5 MW an, so kämen zu den 27 MW maximal weitere 40 MW hinzu. Das Gesamt-Erzeugungspotenzial läge damit bei rund 67 MW – dem „Gegenwert“ von 22 Windenergieanlagen.

Das Niederbringen einer Tiefbohrung – hier ein Bohrturm für eine Gasbohrung in Norddeutschland – verschlingt zweistellige Millionenbeträge

Gier frisst Hirn

Geht man von einem Nutzungsgrad von 90 % aus, so würden die Anlagen pro Jahr rund 530.000 MWh an elektrischer Energie erzeugen. Bei einem aktuellen Börsenstrompreis von 30 €/MWh entspräche dies Einnahmen von jährlich rund 16 Mio. €. Da auch noch Betriebs- und Unterhaltskosten zu berücksichtigen wären, ist eine Wirtschaftlichkeit im Prinzip ausgeschlossen. Solche Projekte rechnen sich nur, weil z.B. in Deutschland das EEG (Fassung vom Jan. 2012) Vergütungen von 250 €/MWh vorsieht. Das ist rund das Achtfache dessen, was der Strom an der Börse wert ist. Bei bestimmten Projekten steigt dieser Satz sogar auf 300 €/MWh. Hinzu kommen diverse sehr substanzielle „Marktanreizprogramme“ des Bundesministeriums für Umwelt (BMU).

Unter diesen Voraussetzungen lässt sich natürlich Geld verdienen, allerdings auf Kosten der Allgemeinheit, der diese Kosten aufgebürdet werden. Bei Wikipedia wird dies auf sehr elegante Weise umschrieben: „Unter den gegenwärtigen politischen Rahmenbedingungen (Erneuerbare-Energien-Gesetz) ist eine Wirtschaftlichkeit bei größeren Geothermieanlagen auch in Deutschland in vielen Gebieten, wie zum Beispiel in Oberbayern, Oberrheingraben und Norddeutsches Becken, erreichbar“. Verschwiegen wird dabei, dass der Beitrag der Geothermie zum Strombedarf Deutschlands mit geschätzten 0,08 % so verschwindend gering ist, dass diese Technologie in den Jahresstatistiken der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen inzwischen gar nicht mehr aufgeführt wird.

Vor allem ist den Verantwortlichen vorzuwerfen, dass sie in ihrer Gier nach Subventionen die erheblichen Risiken und Schäden missachten, die der Allgemeinheit bei diesen Bohrprojekten in teils dicht besiedelten Gebieten aufgebürdet werden. Ein Blick auf die Gesamthistorie der Geothermiebohrungen in Deutschland und der Schweiz liest sich wie ein Drehbuch für eine Galaausgabe der Sendung „Pleiten, Pech und Pannen“. Im bereits erwähnten Wikipedia-Artikel werden in Deutschland und der Schweiz insgesamt 13 Bohrprojekte aufgeführt, bei denen es zu mehr oder weniger erheblichen geologischen Störungen mit entsprechenden Auswirkungen auf Gebäude kam. Die Liste umfasst diverse Erdbeben, massive Zerstörungen an der Gebäudesubstanz durch aufquellende Gesteinsschichten (wie in der historischen Altstadt von Staufen) oder durch absinkende Grundwasserschichten. In Baden-Württemberg wurden deshalb regional bereits Beschränkungen für solche Projekte ausgesprochen. Auf Bundesebene haben jedoch bisher Eigentum, Gesundheit und Leben der Bevölkerung hinter den noblen Ambitionen der EEG-Profiteure zurückzustehen.

Politik ohne Verstand

Die Frage, warum man Projekte, die für jeden mit gesundem Menschenverstand so offensichtlich sinnlos sind, mit solch horrenden Summen fördert, wird vermutlich kommenden Generationen von Soziologen und Politologen Stoff für umfassende Analysen liefern. In beiden betroffenen Ländern ist die Politik derart darauf fixiert, selbst noch so utopische „grüne“ Visionen zu verfolgen, dass man so gut wie jeden Unsinn genehmigt und gefördert bekommt, wenn nur die richtigen Etiketten draufgeklebt werden. Bei diesem üblen Spiel steht auch die Wissenschaft unter Druck, denn wer mit seinen Projekten von öffentlichen Geldern anhängig ist, wird es in der Regel vermeiden, sich das Wohlwollen maßgeblicher Geldgeber zu verscherzen.

Dennoch gibt es Wissenschaftler mit Rückgrat, die dankenswerter Weise Klartext reden und dabei auch auf Zusammenhänge verweisen, auf die weder die Politik noch die allgemeine Öffentlichkeit ihr Augenmerk richten. Dazu gehört auch Prof. Domenico Giardini, der in einem Beitrag der Zeitschrift „Energie-Perspektiven“ zum Basler Projekt wie folgt zitiert wird: „Für Giardini ist klar, dass es im Vorfeld keine ausreichende Risikoanalyse gab. Die Industrie habe ein zu rosiges Bild gemalt und berücksichtigte in einer erdbebengefährdeten Region wie Basel die lokalen Gegebenheiten nicht ausreichend“ [RIBE]. Ausserdem steht dort zu den ungeklärten rechtlichen Folgen folgender bemerkenswerte Absatz: „Die Versicherung der Bohrfirma hatte in der Folge des Bebens mehrere Millionen Euro für zahlreiche kleinere Gebäudeschäden bezahlt, da es sich um ein vom Menschen ausgelöstes Ereignis handelte. Dies, so Giardini, „eröffnet natürlich schwierige Fragen…wie wollen wir ein Erdbeben in Basel mit der Magnitude 5,5, sagen wir mal in 30 Jahren, behandeln? Können wir nachweisen, ob es natürlichen Ursprungs war oder nicht? Wer würde für die Schäden aufkommen?“ [RIBE].
Fred F. Mueller

Quellen:
[BAZO] http://bazonline.ch/basel/stadt/Erdbebenrisiko-deutlich-zu-gross-fuer-Geothermie-in-Basel/story/12803210 abgerufen am 25.7.2013
[FAEH] http://www.schulelaupen.ch/Erdbeben/erbeben%20basel1.pdf abgerufen am 25.7.2013
[NZZ] http://www.nzz.ch/aktuell/startseite/teures-erdwaerme-fiasko-endgueltig-gestoppt-1.4169323
[ONLI] http://www.onlinereports.ch/Gesellschaft.112+M5dfbe3584c0.0.html abgerufen am 25.7.2013
[RIBE] http://www.ipp.mpg.de/ippcms/ep/ausgaben/ep201001/0110_geothermie.html abgerufen am 25.7.2013
[RKIP] http://www.science-skeptical.de/energieerzeugung/solarkraftwerk-in-der-wueste-verbrennt-voegel-und-erdgas-und-viel-geld/0012425/
[STG2] http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/St-Gallen-stoppt-GeothermieProjekt/story/21827912
[WI35] http://de.wikipedia.org/wiki/Basler_Erdbeben_1356 abgerufen am 25.7.2013
[WIEM] https://www.ethz.ch/en/news-and-events/zukunftsblog/archiv/2014/02/geothermie-st-gallen.html
[WIGE] http://de.wikipedia.org/wiki/Geothermie abgerufen am 13.9.2014

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Vorsicht! Sicherheitsmängel bei Batteriesystemen für Photovoltaikanlagen

Risiko Solarspeicher: Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hat erschreckende Sicherheitsmängel aufgedeckt. Die Forscher warnen vor Explosionsgefahren und raten vorerst dringend von der Installation nicht zertifizierter Systeme ab.

Foto: Marco

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Feldheim

Feldheim: Eine 13-Millionen-Euro-Megabatterie für die “Selbstversorger”

Der kleine Brandenburgische Ort Feldheim wird als Musterbeispiel der Energiewende gepriesen

Selbst-Versorgung: Erste Gemeinde befreit sich von Energie-Konzernen” jubelten die Medien, so zum Beispiel die Deutschen Wirtschaftsnachrichten. Wikipediawidmet dem Vorzeigemodell einen eigenen Beitrag, der Ort werde “unabhängig mit Energie versorgt” und habe als erster in der Umgebung eine Elektrotankstelle erhalten. Feldheim wird in den Medien als ein Mekka der Erneuerbaren Energien und der neuen, grünen Gesellschaft gepriesen. “Ökotouristen aus aller Welt strömen alljährlich in das Dorf, obwohl es hier nicht einmal mehr einen intakten Gasthof gibt”, Touren durch das Ökodorf würden in Deutsch, Englisch, Spanisch und Französisch angeboten,  japanisch sei noch nicht dabei – “trotz der vielen Japanern, die nicht zuletzt nach der Katastrophe von Fukushima bereits den Weg nach Feldheim gefunden haben.” [3] Im neuen Baedeker-Reiseführer, “Deutschland – Erneuerbare Energien erleben”, ist Feldheim allerdings nicht erwähnt. Seit 2010 sei Feldheim laut eigenen Angaben energieautark. Windräder und Solaranlagen erzeugten Strom, eine Biogasanlage und ein Holzhackschnitzelkraftwerk sorgten für Wärme. Den Angaben der 130-Seelen-Gemeinde zufolge verbrauche der Ortsteil lediglich ein Prozent seines Stroms. Nur ein Prozent?

Feldheim – Das Vorzeigemodell

Das Vorzeigemodell Feldheim ist ein Ortsteil der Stadt Treuenbrietzen in Brandenburg, etwa 30 km südlich von Potsdam gelegen. Die Lage des Dorfes war nach der Wende desolat, die technischen Einrichtungen marode, die Versorgungslage schlecht. Vor 15 Jahren hatte der Ort noch 286 Einwohner, am 04.09.2013 nur noch 150 Einwohner und heute ist er auf 130 Einwohner geschmolzen. Schulen, Krippen und Kindertagesstätten sind nicht im Ort vorhanden. Nach paradiesischen Zuständen hört sich dies auch heute nicht an. Zwei Jahre nach der Wende wurde 1991 die Agrargenossenschaft Fläming eG Feldheim gegründet. 28 Personen aus Feldheim und anderen Orten arbeiten hier bei dem größten Arbeitgeber des Ortes. Die Bewirtschaftung erfolgt in Feldheim und umliegenden Gemarkungen auf rund 1600 ha Ackerland, 65 ha Grünland und etwa 170 ha Wald. Auf den Flächen werden Getreide, Raps, Silomais und Zuckerhirse angebaut. Das Erntegut wird als Futter zur Versorgung des Tierbestandes und als Rohstoff für die Biogasanlage sowie zur Marktproduktion verwendet. Die Agrargenossenschaft betreut auch die neue Biogasanlage. [2]

Alles hängt an einem Unternehmen

Die einschneidende Veränderung für Feldheim begann mit dem Unternehmen Energiequelle GmbH, einem brandenburgischen Unternehmen, das unter diesem Namen seit 1997 Windparks projektiert. Es beschäftigt sich inzwischen auch mit der Planung und dem Bau von Photovoltaik- und Biomassekraftwerken und gehört im regenerativen Energiesektor heute zu den zehn Großen der Branche in Deutschland.

  • Zwischen 1994 bis 2005 wurde in Feldheim vom Unternehmen Energiequelle GmbH ein Windpark mit 43 Windkraftanlagen und einer installierten Leistung von insgesamt 74,1 MW errichtet. Eine Erweiterung nördlich des Ortsteils ist in Planung.
  • Auf einem ehemaligen Militärgelände in Feldheim errichtete Energiequelle einen Solarpark mit 96 Photovoltaik-Anlagen, ein drittes wirtschaftliches Standbein für Feldheim.
  • Die individuell angeschlossenen Haushalte werden autark über separate Verteilernetze mit Strom und Wärme aus erneuerbaren Energien vor Ort versorgt. Die Wärmelieferung erfolgte ab Dezember 2009 aus der Biogasanlage, hinzu kommt für die Wärmeversorgung eine Holzhackschnitzelverbrennungsanlage, die Strombelieferung erfolgte ab Oktober 2010 direkt vom nahe gelegenen Windpark.
  • Durch Energiequelle entstanden Arbeitsplätze, lokale Handwerker und Bauunternehmen erhielten Aufträge; Verwaltungsangestellte, Ingenieure und Facharbeiter hätten in dem Werk einen Arbeitsplatz und in Feldheim ein neues Zuhause gefunden. 25 neue Arbeitsplätze seien bisher entstanden, bei rund 150 Einwohnern. [4]
  • Die Energiequelle GmbH ist Sponsor für alle Vereine und Gruppen sowie für den Ort.
  • Außerdem ist Energiequelle GmbH zu 50 % Eigentümer der im Jahr 2008 errichteten Biogasanlage auf dem Gelände der Agrargenossenschaft.
  • Im Jahr 2008 wurde auf der ehemaligen Landwirtschaftsfläche am östlichen Ortsrand die EQ-SYS GmbH, eine Fabrik zur Herstellung von Nachführmodulen und Table-Systemen für Solarparks, gebaut. Die EQ-SYS GmbH beschäftigt derzeit 21 Mitarbeiter und ist ein Ausbildungsbetrieb.
  • Im Zuge der Baumaßnahmen der Feldheim Energie GmbH & Co. KG wurde gleichzeitig die Telekommunikation modernisiert.
  • Die Energiequelle GmbH hat zusammen mit den Feldheimer Einwohnern und Firmen das Projekt Energieautarker Ort Feldheim gestartet. Aus dieser Initiative entstand die Feldheim Energie GmbH & Co. KG, in der mit zwei Ausnahmen alle Grundstückseigentümer aus Feldheim Kommanditisten sind.
  • Für das neue Stromnetz musste die  Feldheim Energie GmbH & Co. KG rund 400 000 Euro aufbringen. Dafür reichten die Einlagen der Kommanditisten gerade aus. Ihre Einlage beläuft sich auf 3000 Euro. Offenbar trifft diese Einlage nicht überall auf Zustimmung, wie dies in einem Leserbriefan den Focus zum Ausdruck kommt. [3]

Das Feldheimer Modell wird gerne als Beispiel für die Unabhängigkeit von Energiekonzernen genannt. An diesem Bild arbeitet auch die “Agentur für Erneuerbare Energien” mit, die mit Unterstützung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit sowie das Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz “den Ausbau Erneuerbarer Energien mit breiter Zustimmung vor Ort voranzutreiben” gedenkt: “Alle Wertschöpfungseffekte an einem Ort” heißt der Slogan für Feldheim. [4] Der Preis dafür ist die völlige Abhängigkeit Feldheims von einem einzigen Unternehmen. Sind die Einwohner wirklich zu beneiden? Die vermutlich günstigen Grundstückspreise, die desolate Lage des Dorfes mit maroden technischen Einrichtungen, schlechter Versorgungslage und stark schwindender Bevölkerung einerseits und die üppig fließenden Subventionen andererseits sind der Stoff, aus dem Dank der Energiewende die Ökoindustrie boomt – ein Prozent des erzeugten Stroms wird an die Einwohner abgegeben, zu einem immer noch hohen Preis, und zusammen mit den 99 Prozent mehr produzierten Stroms werden Einnahmen aus Subventionen generiert. Was haben die Einwohner hier zu melden?

Ist Feldheim ein Selbstversorger-Modell?

Feldheim sei in der Lage, sich selbst zu versorgen, heißt es. Mit der Bezeichnung “Selbstversorger” ist die Situation des Ortes allerdings nicht korrekt beschrieben. Denn Feldheim produziert mehr Strom, als es selbst verbraucht, um genau zu sein, 99 Prozent über den eigenen Bedarf hinaus. Wofür ist Feldheim also in Wirklichkeit ein Vorzeigemodell? Denn die Autarkie ist ja nicht mehr als ein winziger Nebeneffekt. Rupert Reiger hat die Zahlen aus Feldheim hochgerechnet, damit man sich die Dimensionen besser vorstellen kann, in der in Feldheim Energieversorgung geplant wird. [5]

  1. Der Betreiber des Windparks, Energiequelle GmbH, bietet in Feldheim eine Leistung von 74 Megawatt, verteilt auf 43 Windräder, für 130 Einwohner, das sind 3 Einwohner für ein Windrad. Das sind dann bei 80 Mio Deutschen 27 Mio Windräder.
  2. 74 Megawatt (installierte) Leistung sind dann 0,57 Megawatt pro Einwohner, also gut ein halbes Megawatt pro Einwohner. “Das sind dann hochskaliert 45 000 000 Megawatt oder 45 000 Gigawatt installierte Leistung für Deutschland. In Deutschland waren 2011 für das öffentliche Stromnetz alles zusammen (!!!) 174 Gigawatt installiert.”
  3. Feldheim hat eine 250 fache Überinstallation.

Reiger: “Darum hängen sie noch am Netz, so machen sie ihr Geld, und darum ist der Strom in Feldheim so billig.”

Ein Vorbild für die “dezentrale regenerative Energieversorgung”?

In Feldheim werde “eines der spektakulärsten Gesamtkonzepte für eine dezentrale regenerative Energieversorgung von Unternehmen, Privathaushalten und Kommunen verwirklicht”, erklärt der Förderverein des Neue-Energien-Forum Feldheim e.V. [6] Welchen Einfluss haben der Förderverein und die Feldheim Energie GmbH & Co. KG  auf das Unternehmen Energiequelle? Haben sie Einblick in die Geschäftsvorgänge? Bestimmen sie über die Geschäftsziele? Wohl kaum. Dies lässt die Lebenserfahrung, aber auch der Leserbrief von Evelyn Hoffmann an das Magazin Focus vermuten. [7] Feldheim ist kein Modell für eine dezentrale Energieversorgung; denn die Menge an Strom, die Feldheim zu viel produziert, muss irgendjemand den Feldheimern abnehmen. Das heißt, bei einer konsequent umgesetzten dezentralen Energieversorgung würde Feldheim viel zu viel Strom produzieren, er würde gar nicht gebraucht oder nähme anderen Gemeinden die Chance, selbst eine dezentrale Energieversorgung aufzubauen.

Energiekonzern Vattenfall sitzt mit im Boot

Zu den Illusion, die auch wider besseren Wissens verbreitet werden, gehört die Behauptung, Feldheim könne von den Energiekonzernen unabhängig sein. Die Überschrift der Deutschen Wirtschaftsnachrichten ist schlicht falsch: “Erste Gemeinde befreit sich von Energie-Konzernen”. Das Energieforum wirbt damit, Orte wie Feldheim könnten sich aus “Abhängigkeiten von übermächtigen Energieversorgern” lösen. In einem Energieforum will die Gemeinde anderen Interessierten die Vorteile der Energieautarkie nahebringen. Das Modell Feldheim soll Schule machen. “Je mehr Gemeinden ihren Strom und ihre Wärme selber herstellen, desto weniger verdienen die Energiekonzerne am Transport.” [6]  Die Gebühren für die Nutzung und den Transport von Energie durch die Netze von E.on, RWE und Vattenfall machen nach Angaben des BDEW immerhin 20 Prozent des Preises aus, den Privathaushalte für eine Kilowattstunden zahlen musste. [1] Die Realität ist ernüchternd und hat mit der Propaganda der Unternehmen aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien und in in den Medien wenig zu tun. Der Energiekonzern Vattenfall ist am Projekt beteiligt: “Er sichert den Feldheimern zu, sie bei einem möglichen Ausfall der Kraftwerke mit Strom zu versorgen, und erhält dafür Nutzungsrechte an der Batterie”, berichtet klimaretter.de. [10}

Die Kosten

Den Bau des notwendigen Stromnetzes mussten die Feldheimer selbst finanzieren. Dies konnten sie nur, weil die EU und das Land Brandenburg das Projekt zur Hälfte förderten. Für den Rest hat die  Feldheim Energie GmbH & Co. KG einen Kredit über 15 Jahre aufgenommen, dessen Tilgung nach Plan verlaufe. [3] Nach welchem Plan? Fragen wie diese scheinen unbeantwortet zu sein: “Wie hoch ist die Umlage, die die Bürger auf das Darlehen zahlen müssen?”, oder: “Der Zinsverlust der 3000 € müsste auch gegen gerechnet werden.” Die Frage sei außerdem, auf wessen Kosten später die Anlagen gewartet und/oder ersetzt werden müssen.[7] Erinnert man sich an den Fall Prokon? Bürger aus des Nachbardorfes Kallinchen, die sich im Verein Freier Wald e.V. gegen die industrielle Ansiedlung von Windkraftanlagen und Stromtrassen in Wäldern und nahen Siedlungen aussprechen, bedauern die Feldheimer: “Verlierer sind aus unserer Sicht eindeutig die bemitleidenswerten Bürger Feldheims und Umgebung, auch finanziell, denn die Anschlüsse für ihre neue “autarke” Energie mussten sie selbst zahlen. Die Preise werden sich erst in den geschätzten kommenden 10 Jahren amortisieren, denn mehr gibt der Preisnachlass nicht her.” [8]

Der Strompreis für die Feldheimer

Der durchschnittliche Preis für eine Kilowattstunde liegt in Deutschland bei 28 Cent. Die Feldheimer zahlen dagegen nur 16,6 Cent. Der Strompreis werde in Feldheim weiter sinken, sobald die Kredite für das Stromnetz vollständig abbezahlt seien. [1] Aber rechnet sich der niedrige Strompreis wirklich, oder werden die Dorfbewohner nur ausgenutzt? An der Börse kostet der Erzeugerstrom jedenfalls nur 3-5 Cent/kWh. Demnach sind 17 Cent also viel zu hoch. Die Differenz zu den 28 Cent, die durchschnittlich alle privaten Haushalte zahlen, wird durch Fördermittel des Staates und durch Steuern ausgeglichen, letztlich durch den Steuerzahler. 16,6 Cent genügen für ein gutes Image.

Lithium-Ionen-Akkus als Mega-Speicher – ein Provokation für den ökologischen, technischen und ökonomischen Verstand

Feldheim ist ohne das Unternehmen Energiequelle nicht mehr lebensfähig, wodurch die Bezeichnung “Unabhängigkeit” wohl kaum noch zutrifft. Der Traum von konzernunabhängiger Energieversorgung erfüllt sich für Feldheim nicht, wenn man die lokalen Player betrachtet. Abgesehen von Vattenfall, geht die Umarmung durch das Unternehmen Energiequelle sogar in die nächste Phase: Das Unternehmen will gemeinsam mit dem Windkraftanlagen-Betreiber Enercon in Feldheim die bisher größte Batteriespeicheranlage Deutschlands bauen, die damit doppelt so groß wäre wie das erste Projekt dieser Art in Schwerin. Für das Batterieprojekt hat Energiequelle eine eigene Firma gegründet: Firma F&E Energiequelle GmbH. Nach Informationen der Märkischen Allgemeinen Zeitung sollen die Lithium-Ionen-Akkus eine Speicherkapazität von zehn Megawattstunden haben. Mit deren Hilfe soll “der Strom künftig dem sogenannten Primärregelleistungsmarkt angeboten” werden. Für das Batteriepaket stelle Feldheim eine Halle zur Verfügung,  30 Meter lang und 17 Meter breit. Die Kosten des Projekts sollen sich auf 13 Millionen Euro belaufen. 2015 soll es aktiviert werden, berichtet die Zeitung und bestätigt im Verlauf des Artikels die Vermutung kritischer Leser: Der Baubeginn ist abhängig von dem Förderbescheid, der noch im Mai erwartet wird. Mit Feldheim allein sei es nicht getan, meinen die Projektplaner von Energiequell, mit 60 Anlagen dieser Größe von zehn Megawatt Leistung wäre der Bedarf für Deutschland gedeckt. [9] Die Zeitung erwähnt nicht, dass die Akkus sich nicht als Speicher für eine zuverlässige Stromversorgung eignen, sie gleichen nur Versorgungsschwankungen im Netz aus. Kein einziges Grundlastkraftwerk wie Kohle- oder Kernkraftwerk wird durch sie überflüssig. Die Akkus halten im Schnitt nur zwei bis fünf Jahre und müssen dann ausgetauscht werden, für wiederum 13 Millionen Euro. Eine unglaubliche Quelle permanenter Geldbeschaffung. Ein Sicherheitsrisiko besteht bei Lithium-Ionen-Akkus: Sie können explodieren. Jeder Handybenutzer hat davon gehört, einige haben dies selbst erlebt.

Auch Tesla blieb vom Brand eines Lithium-Ionen Akkus nicht verschont

Woher klimaretter.de die Information bezieht, die Gemeinde Feldheim wolle mit Hilfe der Batterien den Strom aus dem nahegelegenen Windpark und den Solaranlagen gewinnbringender nutzen und den bisher direkt ins Netz eingespeisten Strom speichern, um ihn dann bei Bedarf zu höheren Preisen in den Primärregelleistungsmarkt einzuspeisen, ist nicht belegt.  “Mithilfe der Batterie können die Feldheimer ihren Erneuerbaren-Strom künftig dann einspeisen, wenn er sich besser verkaufen lässt.” [10] Mit Speck fängt man Mäuse, mit virtuellem Speck offenbar auch.

Sichere Stromversorgung in Feldheim?

Der Bürgermeister der Stadt Treuenbrietzen, zu der Feldheim gehört, Michael Knape, sagte gegenüber Deutschlandradio Kultur: “Seit 29. Oktober letzten Jahres sind wir – quasi offiziell – dürfen wir das ganze auch machen. Dass also noch kein Tag dabei war, wo wir im Dunkeln gesessen haben und auch noch kein Tag dabei war, wo wir wirklich gefroren haben.”  [12] Das darf man wohl erwarten, denn schließlich ist Feldheim 25o-fach überversorgt. Die Realität erleben die Feldheimer aber offenbar anders. Eine Besucherin des Ortes sagt: “Nach Angaben der Feldheimer war z.B. die Versorgung an Heiligabend 2013 ausgefallen.” [7] Einwohner aus dem Nachbarort Kallinchen hatten sich an einem schönen Herbsttag auf den Weg nach Feldheim gemacht, um sich zu informieren. Sie kehrten von Feldheim enttäuscht zurück: Verlassene Häuser und kein Bürger, der ansprechbar gewesen wäre. [8] F. F.

Quellen/Literatur/Medien:

 

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Das EEG und die Strompreise

“Verstehen Sie das EEG und die Strompreise?”, fragen zwei Fachleute. Der Diplom-Ingenieur Eberhard Wagner und der Diplom-Physiker Horst Wetzel haben die amtlichen Daten aus den „Prognosen der EEG-Umlage für die Jahre 2013 und aktuell 2014“ gründlich untersuchtweiterlesen

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Das Ende des Naturschutzes und der Naherholung?

450.000 Euro fürs Nichtstun können den Charakter verändern, auch den kleiner Kommunen. Den Geldsegen erhofft sich die hessische Gemeinde Feldatal durch den Bau von Windkraftanlagen. Deshalb forciert sie deren Ausbau und ist empört über Naturschutz-Maßnahmen, die alle Pläne zunichte machen könnten, berichtet das Online-Magazin Oberhessen-live.de.

Die Gemeinde Feldatal gehört zur Region des höheren und hohen Vogelsbergs, nennt sich selbst eine “grüne Insel” und hat auf ihrer Homepage eine eigene Seite “Tourismus“, auf der sie für die Naherholung wirbt:

“Feldatal im Vogelsberg – eine Kulturlandschaft mit kleinen Dörfern und naturverbundenen Menschen. In der Mitte Hessens, nur eine Autostunde von Frankfurt oder Kassel entfernt, fühlt man sich wie auf einer grünen Insel.” “Entdecken Sie unsere urwüchsige Kulturlandschaft, entweder zu Fuß, auf dem Rad oder auch mit dem Pferd. Gehen Sie angeln oder besuchen Sie im Sommer unser Solarfreibad. Unsere Sternwarte lädt Sie ein mit Teleskopen die unendlichen Weiten des Universums zu erkunden.”

Auch die Greifvogelwarte Feldatal wird auf der Homepage der Gemeinde herausgestellt: 

“In den Fängen der Natur – Erleben Sie die Giganten unserer Lüfte hautnah. Spüren Sie wie die majestätischen Greifvögel über ihren Kopf segeln. Erfahren Sie unglaubliche Informationen über die Wächter der Nacht und deren “Gegenspieler”.

Die Kehrtwende in Feldatal

Wegen der Hoffnung auf große Einnahmen durch Windkraftanlagen will Feldatal vom Vogelschutzprogramm jedoch nichts mehr wissen. Schwarzstörche und Rotmilane wurden in der Region des höheren und hohen Vogelsbergs gesichtet, so dass große Teile der Gemarkungen von Feldatal, Ulrichstein und Schotten unter den Schutz von Natura 2000 gestellt werden könnten, ein EU-weites Netz von Schutzgebieten zur Erhaltung gefährdeter oder typischer Lebensräume und Arten.

Dadurch würden jedoch viele Standorte für Windkraftanlagen unbrauchbar, und zwar, wie der Feldataler Bürgermeister Dietmar Schlosser meint, “wegen der abstrakten und nicht erwiesenen Gefahr für diese Vogelsarten”. Dies sagte er in einer Bürgerversammlung am 2.12.13 in Feldatal. Bei den anwesenden 25 Bürgern stieß er nicht auf Protest, der in anderen Orten gegen die Industrialisierung der Landschaften zunimmt, sondern auf Zustimmung, berichtet das Online-Magazin.  

Der Bürgermeister stellte seine Pläne zur Ansiedlung von Windkraftanlagen vor. Es geht schließlich um viel Geld. Feldatal hat keine großen Betriebe und keine Industrie. Mit dem Geld kann Feldatal vielleicht seine Bilanz aufbessern, auf die Anhebung von Gebühren und Grundsteuern verzichten und vielleicht die eine oder andere freiwillige Leistung wieder aufnehmen, aber nur “wenn alles optimal läuft”. Dennoch setzt der Feldataler Gemeindevertretungsvorsitzende Michael Schneider auf den Geldsegen und brüskiert Touristen:

“Wir wollen nicht das Natur-Museum für Besucher aus den Ballungszentren sein!”

Dieses Signal werden die Touristen aus den Ballungszentren verstehen. Umweltschutz- und Naherholungskonzepte werden durch die Förderprogramme für Windkraftanlagen zu Fall gebracht, Feldatal ist nicht das einzige Beispiel für die negativen Folgen der Energiewende. In vielen Orten sind darüber hinaus durch die angestachelte Geldgier Feindseligkeiten zwischen den Bewohnern und zwischen Nachbargemeinden ausgebrochen. Man wird auch die weitere Entwicklung in der Region des Vogelsbergs beobachten müssen.

Fest steht aber schon jetzt: Feldatal sollte sich von der Äußerung seines Gemeindevertretungsvorsitzenden gegenüber Touristen distanzieren oder seine Homepage überarbeiten.

Zum Nachlesen:

 

rtf-radmarathon.de gibt einen guten Einblick in die drohende fortschreitende Zerstörung des Naturparks Hoher Vogelsberg:

 

F.F.

Foto: Anfänger-1, “Rotmilan”, © www.piqs.de
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