Wirtschaft

Das Regierungschaos und die Wirtschaft

Regierungschaos in Berlin: Warum hat sich die Wirtschaft bislang nicht eingemischt?

In der Asylkrise diktiert der Staat die Aufgaben hoheitlich, die brave Bevölkerung zahlt die Zeche, und die Wirtschaft darf außen vor bleiben – so lässt sich die Lage mit einem Satz beschreiben. Dabei besaß nur sie allein die Möglichkeit – eventuell mit Unterstützung der Bevölkerung – das teure und gefährliche Asyldiktat zu stoppen. Weswegen haben die Wirtschaftskapitäne das unterlassen? Sind ihre “Druckmittel” vielleicht doch zu schwach? Oder nützt die Migration tatsächlich der Wirtschaft? Warum sollte umgekehrt das Scheitern von Jamaika der Wirtschaft schaden?
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Die Wirtschaft und das Kapital haben schon oft die Politik beeinflusst

In der Vergangenheit wurden mit Hilfe der Wirtschaft und der Finanzierer so manche Parteien groß gemacht und viele Wahlen gewonnen. Jüngst standen offensichtlich potente Wirtschaftsinteressen hinter den politischen Entscheidungen, wie zum Beispiel der Griechenland- und Eurorettung, die eigentlich eine Banken-Rettung war. Das offizielle Primat der Politik gilt in den schwachen EU-Ländern, so in Deutschland, nur dann, wenn es um kleine Firmen geht, wie die Ausnahmen für die DAX-Riesen bei den Russland – Sanktionen zeigen. Die hiesige Wirtschaft wäre sehr wohl imstande, so viel Druck auf Berlin auszuüben (siehe unten), dass diese das Migrationsexperiment früh abgebrochen hätte. Diese Meinung teilen viele.

Bosch/Siemens

Die BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH, ein Joint Venture zwischen der Robert Bosch GmbH Stuttgart und der Siemens AG München, ist eine weltweit tätige Unternehmensgruppe mit einem Jahresumsatz von mehr als 6,8 Milliarden Euro. Die BSH ist an 30 Fertigungsstandorten mit 42 Fabriken in 15 Ländern vertreten.

 

Warum wurde die Wirtschaft von den Migrationsaufgaben freigestellt?

Warum haben unsere Wirtschaftbosse das Migrationsexperiment nicht früh abgebrochen, als die Gefahr offensichtlich wurde, die durch die Belastungen der chaotischen Migration für das Land, die öffentlichen Finanzen und für die innere Sicherheit entstand?

Folgende Erklärungsversuche kommen in Frage: Als fest stand, dass ihre Konzerne nicht zur Finanzierung des teuren Abenteuers von 30 Mrd. € im Jahr herangezogen werden konnten, hielten sie still. Von Flüchtlingssteuern oder Solis war niemals die Rede, über die 6 Mrd. € “teure” Mutterrente wurde dagegen Monate lang gestritten. Sie hielten wohl auch deswegen still, weil es keinen öffentlichen Druck gab, Flüchtlinge im großen Stil einzustellen. Andererseits haben sich DAX-Chefs nicht explizit für die Masseneinwanderung ausgesprochen. Lasst ihr uns in Ruhe, dann lassen wir euch in Ruhe! – wird das Motto in den Chefetagen gelautet haben. Was da unten passiert geht uns nichts an, auch wenn der Bürger unter den Lasten stöhnt! Die kleinen Goodwill-Gesten an Berlins Adresse (Praktikanten, Sprachkursfinanzierungen, Gefälligkeitsanalysen über Migrationsvorteile, Statements von Ex-Politikern und heutigen Verbandsfunktionären, Propaganda-Homepage wie die http://wir-zusammen.de/home) wurden in dem lauten Integrationsjubel kaum bemerkt. So beschwerte sich kaum jemand, dass das zu wenig war.

 

Die Wirtschaft aber kein Nutznießer des Asylspektakels?

Wer nicht behelligt wird, wird auch nicht gegen die Regierung und das System (Medien, Kirchen, Aktivisten, Schulen, Verbände usw.) opponieren. Echte Vorteile gab es dagegen nur wenige. Konjunkturell springt zwar bei einem Zusatzwachstum von vielleicht 1% jährlich – Asylbewerber sind auch Konsumenten! – für das Gewerbe etwas heraus. Andererseits hat die Wirtschaft wegen der zunehmend maroden Infrastruktur mehr Kosten, weil die Kommunen, unter den flüchtlingsbedingten Belastungen leidend, diese immer mehr vernachlässigen.

An die Märchen von den zukünftigen Facharbeitern und der Reservearmee billiger und williger, wenngleich leider unqualifizierter Fachkräfte glaubte ohnehin niemand. Zum einen werden in der Digitalisierungsära (Industrie 4.0) kaum Unqualifizierte gebraucht. Zum anderen, zeigt ein kurzer Blick in die Geschäftsberichte (Graphik oben für Siemens) der Großkonzerne, dass diese kaum in den Herkunftsländern “unserer neuen Mitbürger” investierten. Dort war weder fachliche Qualität noch entsprechende Arbeitsmoral zu finden – das darf heute offen niemand aussprechen. Beides gibt es in Hülle und Fülle in Osteuropa, so besonders in der Ukraine. Fazit: Der Großteil der Wirtschaft ist also – im Unterschied zu der gierigen Asylindustrie (Wohnungsvermieter, Schar von Flüchtlingsbetreuungsdiensten) – kein Nutznießer der Massenzuwanderung!

 

Ruhe vor dem Sturm? Ignoriert die Wirtschaft die langfristigen Gefahren?

Auch wenn die Wirtschaft bei den Migrationskosten in Ruhe gelassen wird und die Börse neue Rekorde erklimmt (DAX über 13.000 Punkte), ist das noch nicht das Ende der Geschichte. Den Bossen wird der zunehmende und gesellschaftlich schädliche Niedergang des Leistungsprinzips nicht entgangen sein. Je mehr Transferempfänger aus der Dritten Welt einwandern, desto weniger werden Einheimische noch Lust verspüren, ordentliche Arbeitsverhältnisse einzugehen und schaffen wollen. Leistungsferne Massenemigration demoralisiert.

Genauso demoralisiert der permanente Anstieg der Neuverschuldung, mit denen die Flüchtlingskosten finanziert werden. Den finanziell blutenden Kommunen kann nicht alles zugemutet werden, auch wenn durch kleine kosmetische Korrekturen – in diesem Jahr lautlos verabschiedet – eine “Reform” vorgetäuscht wird.

Im Endeffekt könnten der hierzulande viel gelobte soziale Frieden und die politische Stabilität massiv gestört werden. Europäern und Deutschen sind tiefe soziale Klüfte, also Verhältnisse wie in den USA, fremd. Keiner kann garantieren, dass bei einer Fortsetzung der negativen Entwicklung nicht auch der brave Michel auf der Strasse rebellieren wird, wie zuletzt 1989 im Osten. Das wären echte Belastungen für die Wirtschaft. Somit stellt sich die Frage, warum die Wirtschaft den für sie nachteiligen längerfristigen Entwicklungen nicht vorbeugte? Die Zukunft ist ungewiss und fern, Berlin aber nah und spürbar, da halte ich mich besser heraus! – wird vielleicht so mancher Manager gedacht haben.

 

Wie könnte die Wirtschaft wirksam gegen das Berliner Asylkostendiktat opponieren?

Andererseits verfügt die deutsche Wirtschaft – beginnend mit den Kulissen-Gesprächen im Kanzleramt und endend mit teuren Medienkampagnen und anderen Aktivitäten (Initiierung von Widerstandsinitiativen in den Regierungs- und Oppositionsparteien, Gründung von Krisenstäben, Finanzierung von unabhängigen Kostenanalysen zur Migration) – über ein breites Spektrum wirksamer “Interventionsinstrumente” mit denen sie Berlin unter Dauerdruck setzen könnte. Auch die regierungshörigen Medien würden nolens volens diese unerfreulichen Tatsachen nicht ignorieren. Man denke in diesem Kontext an den Sieg der Energieriesen, die im Streit um die Kosten des Atomausstiegs vor dem Bundesverfassungsgericht von Berlin horrende Entschädigungssummen erstritten. Die Kommunen bekommen demgegenüber gerade die Hälfte ihrer Asylkosten erstattet. Es hat bisher noch keine geklagt.

 

“Weiter so” oder kommt da endlich etwas Substanzielles?

Jetzt steckt Deutschland in der Regierungskrise. Selbst wenn es mehrere Streitpunkte, wie die Klimaziele und den Soli geben soll, geht es wohl vorrangig um das Asyldesaster. Meldet sich nun die Wirtschaft endlich zu Wort und fordert einen echten Kurswechsel ohne Merkel? Der aufmerksame Beobachter wird das verneinen.

Denn dafür könnte es zu spät sein, weil das Land in der Falle sitzt. Es sieht daher eher nach einem abgeschwächten “Weiter so!” aus. Das heißt im Klartext: Die Wirtschaft wird wohl weiter keine Asylkostenrechnung zahlen, weil das niemand von ihr fordern wird. Auch von den Aktionären wird niemand Solidarität verlangen. (Dabei würde allein schon die Halbierung der 2016er Dividendensumme aller börsennotierten Unternehmen 50% bis 60% der Asylkosten tragen.). Die jungen Bosse werden hoffen,  dass alles nicht so schlimm wird, die alten gehen ohnehin bald in Pension. Keiner von ihnen wird wohl Migranten einstellen – vielleicht wagt jemand sogar auszusprechen, dass Sicherheitsbedenken der Grund dafür sind. Die Betriebe sind noch die letzte Bastion, wo keine Anschläge zu befürchten sind. Der dumme Michel wird zahlen, die neue Regierung Besserungen geloben und dabei auf einen langen Zeithorizont hinweisen.

 

Dr. Viktor Heese – Fachbuchautor und Publizist, www.börsenwissen-für-anfänger.de

 

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Bank

Was wird aus der Deutschen Bank?

Wiederauferstehung oder endgültiger Fall eines Global Players

Die Deutsche Bank will bald 8.000 Arbeitsplätze streichen. Die Schadenfreude über den sukzessiven Fall der “Größenwahnsinnigen”, so der Spiegel, ist groß. Der Börsenkurs steht heute dort, wo er vor 30 Jahren stand. Das sei die Strafe für die vielen Geschäftsskandale, dreisten Bilanztricks, Globalisierungsexzesse und die Arroganz des Managements – wird breit verkündet. Die Frage, wie es mit dem einstigen Branchenprimus weitergeht, welche Auswirkungen der erneute Einstig des aggressiven US-Investors Cerberus mit sich bringt, schildert Dr. Viktor Heese in zwei Szenarien.Deutsche Bank

 

Das 1 x 1 der Bankenkrisen und wie diese aus ihnen herauskommen

Direkte Insolvenzen ereignen sich im Bankensektor, wie 2008 bei Lehman Brothers, selten. “Technisch” liegen sie vor, wenn ein Geldhaus zahlungsunfähig wird, weil es keine Liquidität am Geldmarkt bekommt oder durch die Finanzaufsicht (BAFin) wegen Eigenkapitalmangels geschlossen wird. Dieser tritt in Folge von Verlusten durch Schieflagen im Kredit- oder Börsengeschäft und notwendiger Abschreibungen ein.

In der Realität gängig sind dagegen nur “indirekte Insolvenzen” wie Bankkäufe, Zerschlagungen, Fusionen und friedliche oder feindliche Übernahmen, wenn eine Bank ihre juristische Selbständigkeit verliert. Oft gibt es ein Happy End: Ein Finanzinvestor, der sich in die Geschäftspolitik nicht einmischt, springt ein oder es fließt frisches Geld aus der Kapitalerhöhung, und es gibt wieder Ruhe mit der Aufsicht.

Auch Liquiditätsprobleme sind selten. Kurzfristig sind sie unproblematisch, weil sich Banken finden, die gerne zu hohem Zins Geld verleihen. Letztendlich hat man dafür auch die EZB. Langfristig kann es aber Liquiditätsprobleme bei fehlender Fristenkongruenz geben – wie bei der Abwicklung der DePfa -, wenn aufgrund falscher Zinserwartungen langfristige Kredite mit kurzfristigem Geld refinanziert werden. Es kann passieren, dass der Pechvogel in der negativen Zinsmarge stecken bleibt. Auch kann, wie 2009, im Sektor großes Misstrauen herrschen, so dass keine Bank der anderen Geld leihen will (“Liquiditätsstreik”).

Wichtig ist letzendlich, ob nur eine einzelne Bank Probleme hat oder der ganze Sektor. Für die einzelne Bank ist der zweite Fall viel günstiger, weil dann mit großer Wahrscheinlichkeit systemisch relevante Großbanken wegen der Angst vor dem “Domino-Effekt” mit Rettungsschirmen am Leben gehalten werden.

 

Worst-Case Szenario bei der Deutschen Bank – Übernahmegefahr, Bilanzrisiken, Ertragsdelle

Heute sind italienische Großbanken stärker gefährdet als die Deutsche Bank. Diese ist jedoch bedeutsamer. Ihr Ausfall könnte wegen weltweiter Vernetzungen Turbulenzen auf den internationalen Finanzmärkten auslösen. 2016 war die Deutsche Bank mit 50 Billionen Euro im Derivatebereich das weltgrößte Player-Systemrisiko.

Kann ein solcher Riese “fallen gelassen” werden? Mehrere fatale Ereignisse müssten schon auftreten, damit das eintritt. Selbst wenn die direkte Insolvenz unwahrscheinlich ist, bleibt die Frage einer indirekten Insolvenz immer noch offen.

Erstens: Wenn Großbanken, wie die Deutsche Bank, geschäftlich angeschlagen sind, versuchen Hedgefonds und spekulative Finanzinvestoren, unterstützt durch Ratingagenturen, durch aggressive, jedoch rechtlich zulässige Baisse-Strategien (Leerverkäufe, Optionen) den Aktienkurs so weit zu drücken, bis eine feindliche Übernahme lohnend wird. Sie unterbreiten dann ein Übernahmeangebot an die Aktionäre.

Zweitens: Diese Gefahr ist hausgemacht. Für die Frankfurter wäre es äußerst riskant, die verlustreiche Globalisierungspolitik fortzusetzen, um verlorenes Terrain als Global Player zurück zu gewinnen. Formal kann die Aufsicht selbst einer angeschlagenen Bank Risiko-Geschäfte nicht verbieten, wenn diese genügend (Risiko-)Kapital besitzt. Problematisch ist, dass Banken ihr Risikokapital mit “internen Modellen” berechnen, die die Aufsicht einfach abnickt. Existenz bedrohend sind ferner neue Schadensersatzforderungen, Abschreibungen und Kundenmisstrauen. Schadensersatzforderungen aus US-Altgeschäften sind noch möglich und Abschreibungsrisiken in den – mit dem Fair Value bewerteten Aktiva von 654 Mrd. € oder 40% der Bilanzsumme – auch.
Eine Bewertung mit Fair Value anstatt mit dem Marktpreis birgt Risiken. Bei dem großen Rad, das die Deutsche Bank in der Vergangenheit gedreht hat, können Abschreibungen den dünnen Eigenkapitalpuffer von 10 Mrd. € schnell aufzehren. Das Nettovermögen je Aktie ist 2017 im Vergleich zum Vorjahr von 38€ auf 31€ weiter gesunken. Ganz schlimm wird es, wenn operative Verluste aufgrund des “Kundenboykotts” hinzukommen. Die Deutsche Bank befindet sich seit Jahren in der Ertragsdelle, weil weniger Kunden mit ihr Geschäfte machen wollen. Die Erträge sind in den ersten drei Quartalen 2017 erneut um 10% auf 20 Mrd. € gesunken. Allein mit Kostensenkungen kann auf Dauer keine Gewinnwende erzielt werden, auch wenn im dritten Quartal 2017 ein Sprung auf 649 Mio. € nach 278 Mio. € (Vorjahr) gelang. Die einst berühmt-berüchtigte Renditeforderung des Ex-Chefs Josef Ackermann von 25% klingt bei aktuellen mageren 3,5% wie ein Hohn.

 

Ein realistisches Szenario gibt leichte Entwarnung, das Tal der Tränen ist noch nicht durchschritten

Wie groß sind die oben genannten Gefahren in Wirklichkeit?

Erstens: Wer möchte schon einen risikobehafteten Bankriesen übernehmen auch wenn dieser mit 32 Mrd. € Börsenwert billig erscheint (DAX-Primus SAP kostet 100 Mrd. €)? In einer Übernahmeschlacht schießen die Kurse schnell in die Höhe. Die vier Großaktionäre C-QUADRAT Special Situations Dedicated Fund, BlackRock, Paramount Services Holdings, Supreme Universal Holdings und Cerberus halten 25% der Aktien. Ein Übernahmeaspirant könnte sich übernehmen, wenn die Mehrheit von 50,1% zu teuer wird. Erfahrene Investoren haben mehr Zeit und Geduld als die Kleinaktionäre und lassen sich von zunächst optisch hohen Übernahmekursen – z.B. von 25 €, bei aktuellen Börsenkurs von 16 € -, nicht blenden. Dennoch sind die vier Großadressen als spekulativ und “ungeduldig” einzustufen und könnten etwas planen.

Zweitens: Die konservative Geschäftspolitik unter dem Kostenfanatiker John Creyen hat Bestand. Obgleich eine Aufgabe des Investment Bankings – nur 10% der Risikoaktiva sollen langsam abgebaut werden – und eine Gesundschrumpfung nicht spektakulär verkündet wurde, deutet sich ein Rückzug auf alte Kernkompetenzen an. Das Haus plant wieder im Mittelstand und im inländischen Kreditgeschäft führend zu werden. Vor der Globalisierungsära, die 1989 mit dem Kauf der zweitklassigen Morgan Grenful begann, hatte der Bankenprimus im Privat- und Firmenkundengeschäft und in der Exportfinanzierung sehr gutes Geld verdienen. Die Chancen bei Geschäften mit der Realwirtschaft stehen gut, da hier – anders als in der Großfinanz – wenig oligopolistische Strukturen herrschen. Das Misstrauen der Kunden bleibt jedoch bestehen.

Drittens: Wird das Eigenkapital zu knapp, springen womöglich der Staat (siehe: Commerzbank) und der europäische Bankenabwicklungsfonds (ESF) ein. Josef Ackerman hätte sich zwar geschämt, vom Staat Geld zu nehmen. Diese Zeiten sind aber vorbei. Neben der Kapitalaufstockung hilft der ESF Banken, ihre “faulen” Kredite und Anlagen in eine Badbank auszulagern, die diese sukzessive und Kurs schonend verkauft. Wie wirksam das ist, zeigt der Verlust von nur 11 Mrd. € – bei 127 Mrd. € Depotvolumen – den der deutsche Vorgänger des ESF, der SOFFIN einfuhr. Im Rahmen von Basel III darf zudem Fremdkapital, die Tier-Anleihen, in Eigenkapital umgewandelt werden Es geht auch ohne Cerberus mit der Bankenrettung im Ernstfall. Wenn eine langfristige Sanierungsaussicht realistisch ist, wird investiert.

 

Eine Rettung ist noch keine geschäftliche Sanierung

All diese Chancen wird die Deutschen Bank sicher nutzen, auch wenn die Ertragsgesundung durch das Tal der Tränen führt. Die vorausschauende Börse scheint ihr schon Vertrauen geben zu wollen, was am Kursanstieg der Anleihen (Beispiel 6% mit WKN DB7XHP) sichtbar wird. Die meisten Papiere konnten seit dem Tiefpunkt vor einem Jahr 40% zulegen.

Um neues Vertrauen zu erlangen, ist eine Reihe von Maßnahmen umzusetzen: Die Deutsche Bank muss wieder allgemeinverständliche Geschäftsberichte ohne unverständliche Anglizismen schreiben, sich von der Bilanzakrobatik der Internationalen Rechnungslegung (IFRS) lösen, die Umstrukturierungsabenteuer beenden (Ex-Chef Rolf Breuer “Die Deutsche Bank ist eine Dauerbaustelle”), bei der Globalisierung leiser treten, ihre Ergebnisse verstetigen und die millionenschweren Bonizahlungen der Vorstände einstellen.

Die langfristige Genesungsprozess verläuft nicht ohne schmerzliche Blessuren, wie Massenentlassungen, zeigen. Erfahrungsgemäß dauert er etwa fünf Jahre. Vor 2020 verpasst der Anleger nichts, wenn er bei der Aktie der Deutschen Bank noch nicht einsteigt.

 

Viktor HeeseDr. Viktor Heese – war 17 Jahre als Wertpapieranalyst bei der Deutschen Bank beschäftigt und ist heute als Fachbuchautor und Dozent tätig www.börsenwissen-für-anfänger.de

 

 

 

 

Titelfoto: Hans, pixabay

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neue Wirtschaftsziele

Chinas neue Wirtschaftsziele

China orientiert seine Wirtschaft um und legt neue Wirtschaftsziele fest. Das Land wandelt seine exportorientierte Wirtschaft in eine Wirtschaft um, die sich auf heimische Produkte und Dienstleistungen konzentriert.

Die chinesischen Behörden wollen Wirtschaftsreformen beschleunigen, berichtet The Brics Post. Sie verlagern den Focus von einer auf Produktion und Industrie basierenden Wirtschaft zu verbraucherorientierten Dienstleistungen.

Derzeit prüfen die Behörden Wege, um das Standardisierungsgesetz von 1989 zu ändern. Das Gesetz steuert in China alle Aspekte der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung. Es war der Hauptantrieb für die industrielle, technische und Bauleistung; es wurde seither nicht geändert.

Die chinesischen Gesetzgeber wollen nun auch andere Bereiche in das Gesetz von 1989 aufnehmen, um das Wachstum in deren Sektoren zu fördern. Die Änderungsanträge mehrerer Artikel des Gesetzes von 1989 umfassen die Anwendung von Standards für Dienstleistungen und soziale Verwaltungen.

“Wie sich die Wirtschaft des Landes und die sozialen Bedingungen entwickelt haben, sind einige der bestehenden Klauseln des Gesetzes veraltet”, sagte Tian Shihong, Leiter der Standardisierungsverwaltung von China, der lokalen Nachrichtenagentur Xinhua. Andere Sektoren, die unter das Normungsgesetz fallen, gehören zur Landwirtschaft und zur Umweltproduktion. Umweltfragen sind für die chinesische Regierung ein wichtiges Anliegen. Sie hatte im vergangenen Jahr das Pariser Abkommen über den Klimawandel ratifiziert, um ihr Engagement für die Eindämmung schädlicher Emissionen zu bekräftigen.

Seitdem zielt die Regierung laut The Brics Post darauf ab, ein “ökologisches Zivilisations-Rahmenprogramm” zu entwickeln, da das Land weiterhin mit toxischen Luftverschmutzungen zu kämpfen habe.

“Regierungen auf allen Ebenen sollten sich daran erinnern, dass klares Wasser und grüne Berge unschätzbare Vermögenswerte sind”, sagte der chinesische Präsident Xi Jinping.

In den vergangenen Wochen hat die chinesische Regierung Task Forces, schnelle Reaktions-Teams und Hotlines eingerichtet. Sie hat begonnen, die Öffentlichkeit zu ermutigen, an Kampagnen gegen Gesetzesübertreter teilzunehmen. Sie hat die Anzahl der Umweltinspektionen erhöht und die Verfolgung von Verursachern verstärkt.

Die Änderungen des Normungsgesetzes sollen auch verbindliche Normen für die nationale und ökologische Sicherheit sowie Gesundheit und Sicherheit enthalten.

 

Foto: sasint, pixabay

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SchreyerPaul Schreyer: Wer regiert das Geld?
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Banken, Demokratie und Täuschung. “Geld regiert die Welt – aber wer regiert das Geld? Woher kommt es und was gibt ihm seinen Wert? Warum sind Banken so mächtig geworden? Und wie kann die “marktkonforme” Demokratie zu einem System werden, das seinen Bürgern dient?  (mehr …)

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Woher kommt der Strom bei Dunkelflaute?

Im Zeitalter phantasievoller Wortschöpfungen wie “Windpark”, “Klimaschutz” und “Erneuerbare Energien” hat auch “Dunkelflaute” einen Platz. Gemeint ist damit die Zeit, in der weder genug Wind weht, um die Rotoren der Windkraftindustrieanlagen in Gang zu bringen, noch die Sonne scheint. Nachts scheint sie nicht einmal in Deutschland. Nicht nur über Stunden, sondern über Tage gibt es nicht genug Strom für alle oder sogar null Strom aus Erneuerbaren Energien. Gespeichert werden kann der Strom nur in sehr kleinen Mengen und auch nur für eine viel zu kurze Zeit. Und die Nachbarländer, nach denen Deutschlands Politiker allerdings längst schon ihre Finger ausstrecken, brauchen den Strom für ihren eigenen Bedarf.

Aber Strom ist nicht alles. Das besagt ja bereits eine weitere Wortschöpfung, die “Energiewende”. Es geht um die Energieversorgung unseres Landes, die nur zu einem Drittel aus Strom besteht, der überwiegende Anteil entfällt auf Heizung und Treibstoff. Gemessen an dem Bedarf tragen die Erneuerbaren Energien nur rund 3 Prozent zu unserer Energieversorgung bei.

Eveline Lemke, Ministerin für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung Rheinland-Pfalz verspricht: “100 % Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien bis 2030“.

Zum Vergrößern bitte anklicken!

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Es ist erstaunlich, dass die Bevölkerung bei diesen Visionen nicht in lautes Gelächter ausbricht, als habe sie keine Erfahrung, Scharlatane zum Teufel zu jagen. Man könnte ja einfach darüber schmunzeln, dass Frau Lemke 2% der Landesfläche für Windenergienutzung zur Verfügung stellen will. Was sind schon 2%?
Durch mehr Windkraftindustrieanlagen wird der Wind jedoch nicht schneller, und der Dienstleister “Sonne” wird in Zukunft auch nachts nicht scheinen. Eine Diskussion über den Flächenbedarf erübrigt sich, weil auch 20% der Landesflächen keine höheren Erträge durch Windkraft- und Solaranlagen brächten. Was sich aber mit Sicherheit für alle Bundesländer ändern wird, sind die Lebensqualität für Menschen und Tiere, sofern sie nicht an den Folgen von Infraschall oder Botulismus sterben werden, die übermäßig steigenden Kosten für Strom, Dienstleistungen und sämtliche Produkte und die Preise für letztendlich vergeudete Rohstoffe.

Die Landesflächen werden nicht für eine sinnvolle Bewirtschaftung genutzt, sondern eher aufbereitet – für Freunde aus Wirtschaft und Politik, die sich gegenseitig beschenken. Kein Kohle- oder Kernkraftwerk wird durch Wind- und Solaranlagen überflüssig. Komplett wird die Scharlatanerie nämlich durch eine simple Frage erkennbar:

Woher kommt der Strom bei Dunkelflaute?
blackout

Faina Faruz

Quellen:

Die Energiewende in Rheinland-Pfalz. Ziele und Wege der rot-grünen Landesregierung. (Power-Point)

 

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Die “Neue Deutsche Arroganz”

Tiefer kann das Vertrauen unserer Landsleute zur Politik und Finanzwirtschaft kaum noch sinken: Politische Parteien, Versicherungen, Banken und Börse liegen am Ende der Vertrauensskala und rangieren noch hinter dem Islam. Dies ergab eine Umfrage von Forsa 2015. [1]

Vertrauen der Deutschen zu verschiedenen Institutionen (Forsa/Stern)

Forsa_Vertrauen_2015

Hinweis zur Datenbasis: Das Forsa-Institut befragte vom 13. bis 19. Januar 2015 im Auftrag des Magazins stern 2003 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger, die durch eine computergesteuerte Zufallsstichprobe ermittelt wurden. Die statistische Fehlertoleranz liegt bei +/- 2,5 Prozentpunkten.
Quelle: http://www.stern.de/politik/deutschland/stern-umfrage-wem-vertrauen-die-deutschen-2169213.html


Deutsche Sehnsucht nach spätfeudalistischen Herrschaftsstrukturen?

Als würde das Misstrauen der deutschen Bevölkerung das Geltungsbedürfnis und die Arroganz führender Politiker anstacheln, statt sie zu mäßigen, äußerte der Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble auf einer Tagung in Washington, es sei besser für Frankreich, wenn es zu Reformen gezwungen würde.  Nicht nur Le Parti de Gauche sah darin „die neue deutsche Arroganz“. [2]

Die Arroganz Herrn Schäubles ist die Arroganz deutscher Politiker, keine “deutsche Arroganz”. Diesen Unterschied versucht Rainer Kahni, der als deutscher Journalist, Autor und Mitglied von Reporters sans frontières, seit vielen Jahren in Paris und bei Nizza lebt, deutlich zu machen und ruft den Politikern zu: “Verschwindet endlich, wir haben euch so satt.”

Mit freundlicher Genehmigung der Gesellschaft Freunde der Künste veröffentlichen wir den dort zuerst erschienenen Beitrag [3] von

Rainer Kahni:
“Wolfgang Schäuble sieht den Splitter im Auge der anderen, den Balken im eigenen Auge sieht er nicht.”

Warum können deutsche Politiker nicht endlich aufhören, sich als Oberlehrer Europas aufzuspielen? Macht sie das beliebter? Haben die deutschen Politiker nicht genug zu tun, vor ihrer eigenen Haustüre zu kehren? In Deutschland werden jährlich 60 Milliarden Euro, strafrechtlich folgenlos, von den Behörden sinnlos verschwendet. In den Aufsichtsräten deutscher Konzerne wie VW sitzen Gewerkschafter, Anteilseigner und Politiker einträglich nebeneinander und zählen ihr Geld.

Dass gerade der VW – Konzern seinen zu versteuerten Gewinn durch schamlose Steuertricks über Offshore – Gesellschaften von 35 Milliarden Euro auf 17 Milliarden Euro gesenkt hat, das kümmert sie wenig. Sie lassen ja diese Steuervermeidung zu, dabei wäre es so einfach, durch eine Steuerreform, diese legale Steuervermeidung zu beenden.

Aber andere Länder belehren, ja, das können die deutschen Politiker, die selbst die grössten Verschwender von Steuergeldern zu Gunsten ihrer Clientel in der Wirtschaft sind. Wozu braucht Deutschland zwei Hauptstädte? Bonn und Berlin? Länder, die zu dämlich sind, einen Flughafen, einen Bahnhof und ein Opernhaus zu bauen, die sollten etwas bescheidener in der Welt auftreten.

Unsere Forderungen an die Politik

Dümmer und verlogener geht es wirklich nicht mehr. Die Kaste aus Medienzaren, Lobbyisten, Finanz-Oligarchen und ihre lächerlichen Marionetten in den Amtsstuben der Politiker haben das dumpfe Gefühl, dass es in ihrem Volke vielleicht etwas geben könnte, was sie nicht verstehen.

Wir haben euch so satt

Wir wollen Volksentscheide zu existentiellen Themen, wir wollen eine von den Bürgern selbst bestimmte Verfassung gemäss Art. 146 GG, wir wollen eine von der Politik unabhängige Justiz, wir wollen einen säkularen Staat, wir wollen eine Steuerreform, die es den Konzernen unmöglich macht, ihre Gewinne in Steueroasen zu deklarieren, wir wollen eine eigenständige Friedenspolitik, wir wollen die Abschaffung der US – Atom und Militärbasen auf deutschem Hoheitsgebiet, wir wollen ein Investitionsprogramm von 100 Milliarden Euro in die marode Infrastruktur, wir wollen eine Enteignung der Parteistiftungen, wir wollen endlich eine Demokratie der Bürger und keine Parteiendiktatur.

Das sind die Themen, die uns bewegen. Politik ist nicht, wenn die Politiker Entscheidungen fällen, Politik ist dann, wenn die Politiker die Entscheidungen der Bürger umsetzen. Was wir aber jetzt haben, sind spät – feudalistische Herrschafts – Strukturen. Verschwindet endlich, wir haben euch so satt.

Rainer Kahni

 

[1] http://www.stern.de/politik/deutschland/stern-umfrage-wem-vertrauen-die-deutschen-2169213.html
[2] http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/paris-empoert-sich-ueber-wolfgang-schaeuble-13544196.html
[3] http://www.freundederkuenste.de/aktuelles/reden-ist-silber/meinung/wolfgang-schaeuble-sieht-den-splitter-im-auge-der-anderen-den-balken-im-eigenen-auge-sieht-er-nicht.html

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Der Essener Energiekonzern RWE plant drastische Einsparungen

Foto: Simon Q

Der Essener Energiekonzern RWE plant massive Einsparungen. Bis zu 20.000 Arbeitsplätze könnten durch die Energiewende verloren gehen, darunter sogar Arbeitsplätze in der Sparte Erneuerbare Energien.

Drastische Folgen hat die Energiewende für die Mitarbeiter des Essener Energiekonzerns RWE. Wegen der zu niedrigen Strom-Großhandelspreise baut RWE Medienberichten zufolge möglicherweise 20.000 Jobs in seinen Kraftwerken ab. Die Beschäftigtenzahl könnte am Ende von zuvor 70.000 Beschäftigten auf 50.000 sinken. Darüber berichtet die „Rheinische Post“ gestern unter Berufung auf Betriebsratskreise. Aktuell gehe es um rund 2500 Stellen.

Der Energiekonzern RWE spart auch drastisch in der Sparte erneuerbare Energien, wie das Handelsblatt aus Konzernkreisen erfuhr. Dieser Unternehmensteil galt den RWE als “Zukunftshoffnung”. Der Sparkurs wird dennoch weiter verschärft, Investitionen werden gedrosselt, Kosten gedrückt — und die Mitarbeiterzahl von derzeit 1.500 halbiert, berichtet das Handelsblatt. Von den Stellenstreichungen seien auch die Bereiche Biomasse und Offshore-Logistik betroffen, die RWE Innogy aufgibt. Der Konzern plane, 75 Prozent an seinem ersten deutschen Offshore-Windpark „Nordsee 1“ abzugeben und drossele die Entwicklung neuer Projekte bei Offshore-Wind, Onshore-Wind und Wasserkraft.

Nähere Informationen zum geplanten Stellenabbau werde es am 14. November bei der Vorlage der Quartalszahlen geben, berichten die Medien.

 

Das Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) hatte in einer Studie vor undifferenzierten und vorschnellen Erwartungen an eine „Green Economy“ in Deutschland gewarnt: Der erwartete Ausbau auf 500.000 bis 600.000 Jobs im EE-Sektor bis 2030 sei kein Grund zur Euphorie. 60 bis 70 Prozent der Jobs in diesem Bereich seien durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gefördert und somit stark abhängig von der Subventionierung durch die privaten und gewerblichen Stromverbraucher. Es fehle vor allem an einer eindeutigen, international vergleichbaren Definition von “grüner Beschäftigung” und an verwertbaren Mikrodaten. Außerdem sei es wichtig, auch die Netto-Bilanz zu betrachten: “Es geht nicht nur darum, wie viele Jobs in einer Green Economy geschaffen werden. Wir müssen gleichzeitig untersuchen, wie viele dadurch ersetzt werden oder ganz wegfallen.”

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Wie geht es nach der Wahl mit der Energiewende weiter?

Die Wahlen sind vorbei, keine Partei muss sich zurzeit mit dem Thema politisch profilieren, so dass jetzt noch einmal neu über die Energiewende nachgedacht werden kann. WiWo Green schließt aus dem Wahlergebnis, dass ein Kurswechsel in Sachen Energiewende bei vielen Wählern keine große Rolle gespielt haben könne, denn andernfalls hätten die Grünen, die etwas mehr als acht Prozent erhielten, ein besseres Ergebnis eingefahren. Die Grünen warben mit einer 100 Prozent erneuerbaren Stromversorgung bis 2030 und wollten die Industrie mit rund vier Milliarden Euro mehr zur Energiewende-Kasse bitten als bisher.

Vielleicht haben die Wähler grüne Utopien und Versprechen nur satt gehabt. Wer in verschiedenen Onlinezeitungen, selbst auf der Homepage der Grünen, die Kommentare zum Thema Energiewende in den letzten Monaten verfolgt hat, wird von dem Ergebnis kaum überracht sein. Bereits vor einem Jahr hatten die Bürger bei einer Sonntagsfrage mehrheitlich für einen langsameren Ausstieg aus der Kernenergie gestimmt, sollten sich durch einen schnellen Ausstieg die Strompreise zu stark erhöhen. Selbstverständlich wissen die Bürger auch, dass höhere Strompreise für Betriebe und Unternehmen auch höhere Preise für Produkte und Dienstleistungen nach sich ziehen. Höhere Strompreise führen dazu, dass Arbeitsplätze in kleineren und mittleren Betrieben gefährdet sind, größere Betriebe ihre Standorte ins Ausland verlagern, gleichzeitig aber die Lebenshaltungskosten steigen und immer mehr Menschen in die Armut getrieben werden. Die Energiewende führt auch zu drastischen Mietsteigerungen, die als Problem nicht nur bei einkommenschwachen Schichten, sondern längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist und als Hebel zur brutalen Umverteilung des Volkseinkommens verstanden wird.

Kritik an dem Erneuerbaren Energien Gesetz (EEG) bei SPD, BDI und IG BCE

Die Kritik an dem Erneuerbaren Energien Gesetz (EEG) ist bei SPD, BDI und IG BCE gewachsen.

“Derzeit gelten die Erneuerbaren als die Guten, und die großen Energiekonzerne sind die Bösen. Das ist Quatsch”, sagte der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Michael Vassiliadis.

Deshalb sollte man sich ohne Voruteile die Pläne im Einzelnen ansehen. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) legte in der letzten Woche einen Plan mit umfassenden „Handlungsempfehlungen“ für die Energiewende vor. Das Handelsblatt nennt die Kernpunkte: “Damit ausreichend fossile Kraftwerke am Netz bleiben, soll zunächst eine „strategische Reserve“ eingerichtet werden, später sollen Kapazitätsmärkte geschaffen werden. Für neue Windräder oder Photovoltaikanlagen soll es künftig keine festen Einspeisevergütungen mehr geben. Die Betreiber müssten den Strom dann selbst verwerten und erhielten zusätzlich eine Prämie, die sie ersteigern müssen.” Der Masterplan kann beim Handelsblatt kostenpflichtig heruntergeladen werden (0,99 Euro).

Auf der 12. EWI/F.A.Z.-Energietagung forderte der BDI-Hauptgeschäftsführer Dr. Markus Kerber am 3. September 2013, das energiepolitische Dreieck aus Klimaschutz, Wettbewerbsfähigkeit und Versorgungssicherheit auszubalancieren: “Unser gesamtes heutiges Wirtschaften ist abhängig von einer stabilen und wettbewerbsfähigen Energieversorgung.”

Auszug der Rede des BDI-Hauptgeschäftsführers Dr. Markus Kerber ↓↑

„Meine Damen und Herren,
Energie ist eine der wesentlichen Lebensadern einer industrialisierten Gesellschaft. Industrie und Industriegesellschaft sind nur mit Energie möglich. Erst die Erfindung der Dampfmaschine hat unsere heutige Industriegesellschaft erschaffen. Davor waren wir eine aus Energiemangel verarmte agrarische Klassengesellschaft. Unser gesamtes heutiges Wirtschaften ist abhängig von einer stabilen und wettbewerbsfähigen Energieversorgung. Dies gilt vor allem für die Industrie auf den verschiedenen Stufen der Wertschöpfungskette und in den verschiedenen Branchen. Energie ist dabei für uns ein immer wichtiger werdender Faktor im sich ständig intensivierenden internationalen Wettbewerb. Entwicklungen auf den globalen Energie- und Rohstoffmärkten auf der einen Seite und im Rahmen unserer Energiewende zu Hause auf der anderen Seite spiegeln sich bei uns als Exportriese direkt in den Bilanzen der Unternehmen wieder. Es ist daher wichtig, dass wir genau verfolgen, was sich in der Welt tut und wie globale Entwicklungen unsere Stellung in dieser Welt betreffen.
[…]
Nach der Bundestagswahl muss die Politik in Berlin und Brüssel gemeinsam mit den Nichtregierungsorganisationen von Industrie und Wirtschaft, sowie von Umwelt und Klimaschützern und Verbrauchern einen „new deal“ in der Energie- und Klimapolitik vereinbaren. Einen „new deal“, der die globalen Verschiebungen genauso berücksichtigt wie die Notwendigkeit, in Europa klimafreundlich neues, starkes Wachstum zu erzeugen, das Arbeitsplätze und Einkommen schafft, um die Wirtschaftskrise Europas zu beenden. Das wird schwer, aber mit Vernunft und gutem Willen und dem Wissen des EWI wird es zu schaffen sein.“

Quelle: http://www.energiewende-richtig.de/#overlay=meinung/markus-kerber-new-deal-fuer-energie-und-klimapolitik

Die ganze Rede vom 3. September 2013 finden Sie KOSTENLOS unter dem Link.

Hans-Josef Fell, der energiepolitische Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, hat auf den Masterplan des BDI negativ reagiert. “Er wirft dem BDI vor, nur die Interessen seiner Mitglieder RWE und E.ON im Blick zu haben, die vor allem Kohle- und Kernkraftwerke betreiben. Mit seinen Empfehlungen, so Fell, fordere der BDI ein Ende des Klimaschutzes in Deutschland”, berichtet der Deutschlandfunk.
Hans-Josef Fell war von 2005 bis 2011 Vizepräsident von EUROSOLAR und mehrere Jahre Geschäftsführer der Hammelburger Solarstromgesellschaft.
Ergänzung: Hans-Josef Fell wurde nicht wieder in den Bundestag gewählt. > Video

In der rot-grünen Düsseldorfer Landesregierung läge bereits ein Konzept zur Energiewende “in der Schublade”, heißt es. Dieses werde sofort vorgelegt, sollte es in Berlin zu einer Großen Koalition kommen. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft habe ihren Wirtschaftsminister Garrelt Duin (beide SPD) bereits instruiert, dass dies eines der ersten Themen sei, die es in Berlin zu bearbeiten gebe. Wir werden sehen.

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Kritik an EEG wächst bei SPD, BDI und IG BCE

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück will “die wirtschaftliche Wohlstandsbasis hier in Deutschland nicht in Frage stellen: nämlich die industrielle Wertschöpfungskette” und geht zu den Grünen in der Energiefrage auf Distanz.

Der BID fordert ein Moratorium und hat drastische Maßnahmen angekündigt, sollte die Förderung der Erneuerbaren Energien in Milliardenhöhe nicht gestoppt und ein tragfähiges Gesamtkonzept vorgelegt werden.

Auch der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Michael Vassiliadis, fordere eine schnelle Reform des EEG, berichtet die FAZ. Gegenüber der Zeitung Welt sagte Vassiliadis: “Die Kosten explodieren, das Stromnetz ist instabiler und die Belastungen sind sozial ungerecht verteilt. Deshalb gibt es nach der anfänglichen Euphorie nun eine Katerstimmung. Trotzdem wird die Energiewende noch immer von zu vielen in der Politik romantisch verklärt.” Derzeit gelten die Erneuerbaren als die Guten, und die großen Energiekonzerne sind die Bösen. Das ist Quatsch”, sagte Vassiliadis.

 

 

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Vom “Grünen Jobwunder”

Das Institut für Ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW)* hat im Auftrag von Greenpeace den Effekt der erneuerbaren Energien auf die Zahl der Arbeitsplätze untersucht. 2012 hingen nach Berechnungen des IÖW bundesweit insgesamt 377.800 Personen direkt (mit der Herstellung der Anlage oder einzelner Komponenten, ihrer Installation und dem Betrieb der EE-Anlagen) oder indirekt (durch die Brenn- und Kraftstoffbereitstellung, inklusive dem Anbau von Energiepflanzen, Arbeitsplätze im Bereich der öffentlich geförderten Forschung und Verwaltung), mit den erneuerbaren Energien zusammen.

Eine neue Studie des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) warnt jedoch vor undifferenzierten und vorschnellen Erwartungen an eine „Green Economy“ in Deutschland. Autor der Studie ist Nico Pestel, stellvertretender IZA-Programmdirektor für Umwelt und Beschäftigung.

  • 60 bis 70 Prozent der Jobs in diesem Bereich seien durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gefördert und somit stark abhängig von der Subventionierung durch die privaten und gewerblichen Stromverbraucher.
  • Im Verhältnis zur Gesamtbeschäftigung falle der Anteil mit weniger als einem Prozent allerdings verschwindend gering aus. Der erwartete Ausbau auf 500.000 bis 600.000 Jobs im EE-Sektor bis 2030 sei kein Grund zur Euphorie: “Ich halte die Euphorie, wie sie von interessierter Seite an den Tag gelegt wird, für deutlich überzogen. Ich glaube nicht, dass Green Jobs auf absehbare Zeit für ein Beschäftigungswunder sorgen werden”, sagt Pestel.
  • Pestel: Die jüngsten Erfahrungen in der Photovoltaik-Branche zeigen, dass Annahmen über die künftige Marktentwicklung mit großer Unsicherheit behaftet sind.
  • Es fehlen zuverlässige Zahlen darüber, wieviele Arbeitsplätze durch die erneuerbaren Energien ersetzt werden oder ganz wegfallen.

Was ist “grüne Beschäftigung”?

Von Politik und Medien wird vielfach auf einen Zuwachs von einer Million “grüner Jobs” verwiesen. Diese Zahl stammt aus einer Untersuchung der Unternehmensberatung Roland Berger, die für das Umweltministerium durchgeführt wurde. Aus der Analyse gehe nicht hervor, auf welchen Annahmen diese Prognose beruht und welches Szenario sie voraussetzt, kritisiert Pestel: “Beim Thema Green Jobs besteht großer Forschungsbedarf, wir stehen noch ganz am Anfang.” Vor allem fehle es an einer eindeutigen, international vergleichbaren Definition von “grüner Beschäftigung” und an verwertbaren Mikrodaten. Außerdem sei es wichtig, auch die Netto-Bilanz zu betrachten: “Es geht nicht nur darum, wie viele Jobs in einer Green Economy geschaffen werden. Wir müssen gleichzeitig untersuchen, wie viele dadurch ersetzt werden oder ganz wegfallen.”

Der Verlust von Arbeitsplätzen

Viele Arbeitsplätze in kleinen und mittleren Betrieben sind durch die Strompreiserhöhungen bedroht und werden ihr möglicherweise zum Opfer fallen. Ein Beispiel:

Michael Trapp (kunstst…) – 20.08.2013 22:09 Uhr, Kommentar zu einem Artikel von Sven Astheimer in der FAZ, 18.08.2013

Arbeitsplatzvernichtungsprogramm Ökostrom

Die Studie und Sven Astheimer greifen leider viel zu kurz. Das EEG entwickelt sich zur größten wirtschaftlichen Katastrophe in Deutschland nach dem Untergang der ehemaligen DDR.
Es ist mir ein Rätsel, weshalb die Kollateralschäden in der gesamten Deutschen Volkswirtschaft nahezu ausgeblendet werden. Die mehr als 13 Mrd. Euro EEG-Umlage in 2012 mussten von allen anderen Stromverbrauchern aufgebracht werden und entziehen ihnen Betriebsmittel. Alleine in meinem Unternehmen der kunststoffverarbeitenden Industrie mit ca. 6 Mio. € Jahresumsatz betrugen die Kosten für EEG- und KWK-Umlage sowie Stromsteuer rund 50.000 €. In diesem Jahr rechnen wir mit ca. 80.000 € und im kommenden Jahr werden wir wohl 120.000 € an die Ökostromer abführen müssen. Das entspricht dann den Kosten von 2 bis 2½ Produktionsmitarbeitern oder einer neuen Mischanlage.
Das EEG raubt unser Industrie die Luft zum atmen; es erdrosselt sie Schritt für Schritt und zerstört mit ihr auch die Sozialstruktur unseres Landes.

*Das Berliner Institut für ökologische Wirtschaftsforschung GmbH ist gemeinnützig und arbeitet zu Themen nachhaltiger Unternehmensführung, klimaschonender Energiesysteme, neuer Technologien oder nachhaltigen Konsums.

**Das IZA ist ein privates, unabhängiges Wirtschaftsforschungsinstitut und betreibt nationale wie auch internationale Arbeitsmarktforschung. Als gemeinnützige GmbH wird es durch Wissenschaftssponsoring der Deutsche Post-Stiftung gefördert. Die Erforschung der Arbeitsmärkte betreibt das IZA in enger Kooperation mit dem wirtschaftswissenschaftlichen Fachbereich der Universität Bonn, an der IZA-Direktor Klaus F. Zimmermann als Professor für Volkswirtschaftslehre tätig ist. Zimmermann ist Direktor des IZA.

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