Wie die Asylkostenlawine noch gestoppt werden kann (2)

Der erste Beitrag der dreiteiligen Reihe eines Kostensparkonzepts der Asylkosten von Dr. Viktor Heese, Finanzanalyst, begann mit der Bestandsaufnahme. In dem zweiten Teil werden drei Schritte und sechs Punkte eines effektiven Maßnahmenkatalogs zum Asylkostensparen vorgestellt. Im letzten Beitrag geht es um die Frage, an welche Adressaten (Staat, Wirtschaft, Bürger) er primär zu richten wäre.

 

Schritt 1: Kassensturz und wahrheitsgetreue Bestandsaufnahme

Am Anfang eines jeden Sanierungskonzeptes steht die Bestandsaufnahme. So verfährt immer die neue Führungsspitze, die einen sanierungsbedürftigen Konzern übernimmt. Sollen Kosten gespart werden, so wie die Asylkosten, muss ihre tatsächliche Höhe bekannt sein. Es ist ein Witz, wenn in Deutschland, wo vor 120 Jahren die Betriebswirtschaftlehre mit erfunden wurde, selbst der honorige Deutsche Städtetag behauptet, die Flüchtlingskosten lassen sich gar nicht korrekt ermitteln. Der Stadt Köln ist dieses Kunststück gelungen und dazu einige Zahlen – wenngleich nur rudimentär – veröffentlicht.

Für die korrekte Ermittlung der Asylkosten sind folgende Anfangsschritte denkbar:

1. Von einer unabhängigen, politikfernen Unternehmensberatung – auf keinen Fall von den “Fünf Weisen” des Sachverständigenrates, die die Regierung beraten – ist eine Kostenstudie zu erstellen. Wer diese Studie machen soll, darüber wäre öffentlich zu diskutieren. Die Expertise hätte sich auf die reine Kostenfrage zu beschränken und dürfte nicht zu einer Investitionsrechnung mutieren. Sie darf keine fiktiven Erträge aus zukünftigen Steuern und Sozialabgaben eines gewünschten “Integrationserfolges” enthalten, wie es die “politiknahen” Analystenhäuser (Bertelsmann Stiftung, DIW) praktizieren. Solche Erträge stehen in den Sternen, weil diese “Chancenprediger”, die weitgehend von den staatlichen Subventionen und Aufträgen leben, von unrealistischen Wenn-dann-Aussagen ausgehen. Das “Wenn” bleibt nach allen empirischen Erfahrungen frommes Wunschdenken. So sollte kein logisch denkender Zeitgenosse auf die leeren Sprüche des DIW-Chefs Fratzscher “Die Flüchtlingskosten sind ein massives Konjunkturpaket” oder die “Flüchtlinge werden die Renten der Babyboomer zahlen” hereinfallen.

2. Fast banal klingt die weitere Forderung nach einer bundeseinheitlichen Rechnungslegung in jeder “Flüchtlingsverwaltung”, die offensichtlich fehlt. Wie wäre es mit einheitlichen Kostenformularen, die auf den Regeln der Kosten- und Leistungsrechnung aus dem BWL-Grundstudium aufbauen und eine Analyse der Kostenarten, Kostenstellen und Kostenträger zum Inhalt haben? Eine Vollkostenrechnung muss sowohl kalkulatorische Kosten (Mieten für Flüchtlingsunterbringung in Gemeindeunterkünften, Mehrarbeit der Polizei und anderen Behörden usw.) als auch Abschiebekosten enthalten.

 

Schritt 2: Kontrolle und regelmäßige Berichterstattung – über die Sparfortschritte ist der Bürger zu informieren

Es genügt nicht, alle Kosten richtig zu erfassen. Die Verwaltungen aller Ebenen sollten Sparkonzepte erarbeiten, diese von der Politik beschließen lassen, damit man die Volksvertreter daran messen kann. Andernfalls werden beliebig hohe Kosten immer ex post akzeptiert, wenn sie nur ex ante “korrekt erfasst” wurden. In einem modernen Kostencontrolling ist ein Soll-Ist-Vergleich unabdingbar.

Zielführend wären bei diesem zweiten Schritt daher folgende Maßnahmen:

3. Preisausschreibungen und Anerkennungsprämien sollte es nicht nur für “hervorragende Integrationsleistungen” (Idee vom Deutschen Städtetag), sondern auch für Sparideen geben. Hochschullehrer und beamtete Analysten sollten endlich den Mut haben, echte Kostenstudien zu verfassen. Auch Aufdeckungen von “Kostenaffären” müssen für die Whistleblower straffrei sein. Es kann noch weiter gegangen werden: Alle Fakten sind zu sammeln und dürften von den unabhängigen Kostenkritikern auf den Webseiten der jeweiligen Stadtverwaltungen zur Kenntnis der Bürger veröffentlicht werden. Als Information und Mahnung.

4. Auch unsere teueren Parlamente wären zu verpflichten, regelmäßige Rechenschaftsberichte über Kosten- und Abschiebepläne mit definierten Inhalten vorzulegen, anstatt die Arbeit des BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) zu preisen. Die exakte Erfassung und Kategorisierung der unzähligen Flüchtlingszahlen – darüber schwadroniert unser Innenminister de Maizière, der in diesem Moment an einen Erbsenzähler erinnert – interessiert den Bürger wenig. Die Gründe für eventuelle Nichterfüllung der Kostenpläne müssten sachlich debattiert und auf Pressekonferenzen erklärt werden. Es darf keine billige Ausrede geben, die Kosten seien schwer zu ermitteln, nur weil sie auf mehrere Ressorts verteilt sind. Methodisch ist das kein Problem. Die praktizierte Aufteilung der Budgets nach Funktionen macht es möglich. Wenn wir wissen, was uns ein Beamter kostet, muss das auch für einen Migranten gelten.

 

Schritt 3: Kürzungen sind rigoros durchzusetzen – besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende

Schließlich sind die beschlossenen Sparprogramme gegen alle Widerstände der Asylindustrie, Willkommensfunktionäre und Lobbyisten strikt zu realisieren. Das wird mitunter schmerzlich sein und erfordert Mut. Den wird jeder Angestellte auch aufbringen, wenn er in seinem Entscheidungsprozess nicht gestört wird.

Das “Sparen durch Kürzungen” ließe sich in zwei Kategorien ordnen:

5. Bürgervertetungen müssten die Ausschreibungsmodalitäten und die Verträge mit den “Integrationszulieferern” einsehen und die überhöhten Preise in Frage stellen dürfen. Heute wird dem für dumm gehaltenen Steuerzahler vorgegaukelt, es handle sich dabei um Geschäftsgeheimnisse und er dürfe hiervon nichts erfahren. So wird der Arme nicht nur durch das Berliner Asylkostendiktat, sondern auch von den häufig anonymen und nicht selten monopolisierten Anbietern “ausgebeutet”. Vater Staat zahlt ja, da darf man sich bedienen! Die Vergangenheit lehrt aber, dass Mammut-Staatsaufträge – das Migrationsabenteuer ist ja nichts anderes! – zum Missbrauch förmlich einladen. Die alten Kosten- und Bereicherungsexzesse aus den Zeiten der deutschen Wiedervereinigung lassen erneut grüßen. Das BKA bearbeitet immer noch Fälle der sog. “Vereinigungskriminalität”, die schon 25 Jahre zurückliegen.

6. Schließlich gehört der Leistungskatalog eines Vollkostenasyls auf den Prüfstand. Was sind eigentlich die viel beschworenen Standards? Freiwillige kommunale Leistungen sind zu identifizieren und zu streichen, was in Köln zum Teil geschieht. Der Verwaltung darf hier kein Auslegungsspielraum gewährt werden. Sonst haben wir die nächste “Taxi-Kosten-Affäre”, wie zu Beginn des Jahres, die in der Welt der großen Kostenzahlen Peanuts sind. Ferner ist die versteckte Subventionierung der Willkommensaktivisten aller Couleur mit öffentlichen Geldern zu streichen. Die hochgejubelte Mitwirkung der ehrenamtlichen Helfer macht häufig erst das Funktionieren der Willkommensmaschinerie möglich, für die der Staat keine Manpower besäße. So machen sich diese Gutmenschen zu blinden Komplizen bei der Finanzmisere ihrer eigenen Kommunen. Warum die Integrationszeiten mindestens 6 Jahre dauern sollen – einige “Experten” wie Holger Bonin spielen mit Modellen, die von bis zu 20 Jahren ausgehen -, versteht zudem kein Mensch. Genau so wenig versteht er, warum Migranten nicht zu einfachen Tätigkeit in städtischen Unternehmen herangezogen werden oder warum ihre Unterkünfte von Spezialfirmen bewacht und gereinigt werden müssen. Die Ausrede, sie müssten lernen, “sich integrieren” und hätten keine Zeit, ist eine Farce.
Und last but not least: Brauchen die unter das Jugendhilfegesetz fallenden berühmt-berüchtigt gewordenen Jungmigranten (Amtsdeutsch: Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge) die Schar Erziehungsberater, sozialpädagogische Familienhelfer, soziale Gruppenarbeit, Vollzeitpflege und zuallerletzt sozialpädagogische Einzelbetreuung? Der ihnen zustehende Leistungskatalog kann bei Wikipedia auf Vollständigkeit geprüft werden. Sie kosten den Staat mehr als 5.000 € pro Monat, wenn sie alles “verlangen, was ihnen gesetzlich zusteht”. Sie werden dabei bekanntlich von den cleveren Profiteuren der Asylkostenindustrie angeführt.

Dr. Viktor Heese – Finanzanalyst und Fachbuchautor
www.börsenwissen-für-anfänger.de

Wie die Asylkostenlawine noch gestoppt werden kann Teil 1, Teil 3

portrait_viktor_heeseDr. Viktor Heese verfügt über 30 Jahre Berufserfahrung in der Wertpapieranalyse, die er bei der Deutschen Bank AG, der WGZ BANK AG und der Deutschen Apotheker- und Ärztebank eG sammelte, und arbeitet heute freiberuflich als Dozent und Fachbuchautor.
Christian Riedel beschäftigt sich beruflich seit über zehn Jahren mit den theoretischen und praktischen Aspekten der professionellen Vermögensanlage. Praxiserfahrung sammelte er sowohl im Bank- als auch im Industriebereich als Aktienanalyst und Asset Manager.


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