Windkraftindustrieanlagen und Tourismus passen nicht zusammen

Sauerland richtung Ruhrgebiet

Foto: Angie525A, „Sauerland, Richtung Ruhrgebiet“, © www.piqs.de

 

Eine Studie, die im Auftrag des Tourismusverbandes Schleswig-Holstein vom Kieler Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa (NIT) erstellt wurde, um den Einfluss der Erneuerbaren Energien auf den Tourismus zu ermitteln, geht ausschließlich von optischen Beeinträchtigungen aus. Vermietern und Einheimischen (!) wird geraten, nicht schlecht über gebaute oder geplante Anlagen zu sprechen, denn eine große Mehrheit der Befragten gebe sogar an, die Anlagen gar nicht wahrzunehmen.

Empfehlungen dieser Art sind keine Hilfe, sondern eine Art „Maulkorberlass“, mit dem Vermieter und Kommunen genötigt werden, der Zerstörung ihrer Wirtschaft schweigend zuzusehen. Selbst wenn es den Vermietern gelingen sollte, die Windkraftindustrieanlagen schönzureden, gegen den tieffrequenten Schall und Infraschall, den Windkraftanlagen erzeugen, gibt es keine Argumente. Er wird von vielen Menschen auch dann wahrgenommen, wenn die Windkraftanlagen nicht zu sehen oder weiter entfernt sind.

Stress statt Erholung? Wer kehrt gerne an einen Ort zurück, den er mit gesundheitlichen Beinträchtigungen in Verbindung bringt?

Ein großer Teil der Bevölkerung reagiert auf tieffrequenten Schall und Infraschall mit Kopfschmerzen, Verspannungen, Verärgerung, geistige und körperliche Erschöpfung, Unzufriedenheit und Depressivität, Konzentrations-, Schlaf- und Ruhestörungen. Es muss von einer Störung der nächtlichen Cortisolrhythmik ausgegangen werden, die als Indikator für chronischen Stress angesehen wird. Auf entsprechende Literatur zu diesem Thema wurde im Statusbericht des Robert Koch-Instituts 2007 verwiesen.

Statusbericht des Robert Koch-Instituts zum Thema „Infraschall“, 2007

Der Bundesregierung waren die gesundheitlichen Probleme durch tieffrequenten Schall und Infraschall, einschließlich durch Windkraftanlagen, 2007 bekannt. Ihr lag zu diesem Zeitpunkt der Statusbericht des Robert Koch-Instituts zum Thema „Infraschall“ vor, der den Infraschall auf seine Relevanz für den vorsorgenden Gesundheitsschutz überprüft, den damaligen Wissensstand evaluiert und Forschungsbedarf aufgezeigt hat. In einem Nebensatz hatte das Robert-Koch-Institut sogar noch darauf hingewiesen, dass Windkraftanlagen „teilweise sehr nah an Wohnbereichen aufgestellt sind“. Dies hätte höchste Vorsicht und Zurückhaltung beim Ausbau von Windkraftanlagen gefordert, bevor nicht entsprechende Forschungsergebnisse vorlagen.

Außerdem weist die Studie darauf hin, dass die Zahl der Beschwerden hinsichtlich tieffrequenter Geräuschbelästigungen zugenommen hatte und der „Leidensdruck der Betroffenen häufig groß“ war. Das Robert Koch-Institut stellte 2007 einen deutlichen Mangel an umweltmedizinisch orientierten wissenschaftlichen Studien zu tieffrequentem Schall fest und sah „einen großen Handlungs- und Forschungsbedarf“ in verschiedenen Bereichen.

Machbarkeitsstudie Umweltbundesamt (UBA) zu Wirkungen von Infraschall, 2014

Sieben Jahre später, im Juni 2014, legt das Umweltbundesamt eine seit über einem Jahr erwartete Studie vor, die im Kern sogar noch hinter den Stand von 2007 zurück weicht. Das Umweltbundesamt kommt zu folgendem Ergebnis: „Aus der Literaturrecherche kann kein einheitliches Bild zur Ermittlung und Beurteilung von tieffrequenten Schallen abgeleitet werden. Insbesondere in Deutschland existieren nur wenige Untersuchungen, die sich mit Infraschall beschäftigen. Für weitere Vorhaben wurde eine Datenbank erstellt.“

Dass offenbar der Ausbau von Wnkraftanlagen geschützt werden soll, kann an dem abschließenden Satz nachvollzogen werden: „Pauschale Ansätze, die eine Prognosesituation mit dem Ziel einer Konfliktbewältigung einseitig überschätzen, wie zum Beispiel die Festlegung von Mindestabständen, erscheinen ohne fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse über die Wirkmechanismen der Geräuschquellen nicht sachgerecht.“

Zum Wohle des Deutschen Volkes?

Nicht nur der Bundespräsident, der Bundeskanzler und die Bundesminister leisten den Eid, ihre Kraft dem Wohle des deutschen Volkes zu widmen, seinen Nutzen zu mehren und Schaden von ihm zu wenden, auch Stadträte müssen schwören, zum Wohle der Stadt und ihrer Bürger zu handeln. Gegner des massiven Ausbaus von Windkraftanlagen rebellieren immer heftiger gegen die Bebauungspläne, weil Windkraftindustrieanlagen aus ihrer Sicht nicht mit der Verantwortung gegenüber der Bevölkerung vereinbar sind.

Der Schaden für die Tourismuswirtschaft könnte erheblich sein: Fast jeder achte Arbeitsplatz in Deutschland steht mit dem Tourismus in Verbindung, rund 2,9 Millionen Menschen, und damit rund sieben Prozent aller Erwerbstätigen, fanden im Jahr 2010 dank des Tourismus in Deutschland einen Arbeitsplatz. Der Tourismus trägt durch die sogenannten „direkten Effekte“ wie z.B. Flug und Bahntickets oder Hotelbuchungen mit fast 100 Milliarden Euro und damit 4,4 Prozent maßgeblich zur Bruttowertschöpfung unserer Volkswirtschaft bei. Die gesamten Konsumausgaben der Touristen in Deutschland beliefen sich 2010 auf 278,3 Milliarden Euro.

Der Ausbau der Windkraftindusttrieanlagen droht nicht nur die Strukturen der Tourismusbranche zum Kollabieren zu bringen, sondern damit die Wirtschaftsstruktur Deutschlands insgesamt .

Unterschiedliche Auslegungen der Studie

Die Ergebnisse der Studie werden sehr unterschiedlich ausgelegt.

Quellen:

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2 Gedanken zu “Windkraftindustrieanlagen und Tourismus passen nicht zusammen”