Batterien – Ein Heftpflaster für Pellworms Energieversorgung

Trotz optimaler Windverhältnisse auf Pellworm fand das Projekt SmartRegion auf der Nordseeinsel 2015 ein vorzeitiges Ende. Das Ergebnis des Versuchs lautete kurz und bündig: Das Ziel der Autarkie wurde verfehlt. Drei Prozent des Verbrauchs auf Pellworm konnten nicht aus vor Ort erzeugter Erneuerbarer Energie gedeckt werden und mussten vom Festland eingespeist werden. Rein rechnerisch fiel dadurch täglich für 43 Minuten der Strom aus. E.on habe das Projekt abgeschlossen und werde bald weiterziehen, berichtete 2017 die “Welt”. Aber offenbar wurde nicht mit der Findigkeit der Projektierer gerechnet, die Pellworm ein teures Heftpflaster verpassten: Batterien.

 

Ein misslungener Versuch

Das Pilotprojekt auf Pellworm wurde 2013 gestartet. Es sollte dazu dienen, die Möglichkeit der Selbstversorgung mit Strom nachzuweisen. 1 458 Einwohner, 827 Haushalte, 515 Familien (Paare oder Alleinerziehende) blieben trotz optimaler Bedingungen an jedem Tag rein rechnerisch für 43 Minuten ohne Strom. Die Lichter gingen aus oder die Melkmaschinen standen still, manchmal für längere, manchmal für kürzere Zeit, aber nie berechenbar.

Die Inselbewohner brauchten noch Strom vom Festland und waren abhängig von Stromlieferungen über zwei 20‐Kilovolt‐Seekabel vom Festlandnetz. Windkraft-, Photovoltaik- und Biogasanlagen sollten mit Großspeichern, Haushaltsspeichern und einer intelligenten Messtechnik ein intelligentes Stromnetz bilden, das die Menschen auf der Insel zu Selbstversorgern machen sollte, so lautete der Plan.

Das Projekt auf Pellworm misslang. Die Installationen in den Häusern der Pellwormer, die Stromspeicher und die Stromzähler, wurden laut Welt wieder abgebaut.

Insgesamt flossen nach Angaben des Energiedienstleisters Hansewerk, E.on-Tochter und einer der größten regionalen Energiedienstleister in Deutschland, mehr als 12 Millionen Euro in das Projekt SmartRegion Pellworm. Zurück bleibe eine Insel, hieß es in der “Welt”, der große Hoffnungen und Versprechungen gemacht wurden, die sich ganz und gar nicht erfüllt haben.

 

“Heute ist nicht alle Tage. Ich komm’ wieder, keine Frage!”

Noch im Jahr 2017 hieß es auf der Homepage von HanseWerk: “Das Projekt wird zeigen, inwieweit die Abhängigkeit von Festlandstrom gesenkt werden kann.” Die Seite gibt es nicht mehr. Statt dessen behauptet HanseWerk nun, dass das Projekt „SmartRegion Pellworm“ aus der abgeschlossenen ersten Phase und einer zweiten Phase bestehe.

Von 2012 bis 2015 habe man “insbesondere die technische Machbarkeit der Integration von Batteriespeichern in intelligenten Stromnetzen, sogenannten Smart Grids, in einer von Erneuerbaren Energien geprägten Erzeugungsumgebung bewiesen”, behauptet HanseWerk  Eine zweite Projektphase (2015 bis 2018) sei angehängt worden, die laut HanseWerk “über das zunächst geplante Projektende hinausging”. In dieser zweiten Phase sei es darum gegangen, “das Potential von verschiedenen Vermarktungsoptionen für Batteriespeicher hinsichtlich ihrer Wirtschaflichkeit zu analysieren und im Regelbetrieb zu erproben.” Mit Hilfe “hybrider Speichertechnologie” solle gezeigt werden, dass deutlich mehr von der vor Ort erzeugten, CO²-freien Energie auch vor Ort verwendet werden kann. Beteiligt an dem Projekt war unter anderem das Fraunhofer Institut für Optronik, Systemtechnik.

 

Batterien – Heftpflaster der Energiewende

Batteriespeicher hatte Feldheim bereits 2015 eingesetzt und als Vorzeigemodell der Energiewende und Selbstversorgung die Wirtschaflichkeit präsentiert. Feldheim hatte Enercons Superbatterie in Betrieb genommen und das Projekt als einen „Meilenstein für die Systemintegration der erneuerbaren Energien“ gefeiert. Dieser “Meilenstein” kostete 13 Millionen Euro, fünf Millionen Euro flossen als Steuergelder durch Förderung vom Land Brandenburg in dieses Projekt.

13 Millionen Euro für die Lithium-Ionen-Akkus in Feldheim, die eine Speicherkapazität von zehn Megawattstunden haben. Die Batterien sollten den Feldheimern ermöglichen, ihren Erneuerbaren-Strom zu speichern und künftig dann einzuspeisen, wenn er sich besser verkaufen ließe. Die Medien erwähnten nicht, dass sich die Akkus nicht als Speicher für eine zuverlässige Stromversorgung eignen, sondern nur Sekunden Versorgungsschwankungen im Netz ausgleichen.

Ein weiteres Beispiel aus der Schweiz zeigt, dass Batterien für eine Stromspeicherung zur Überbrückung von Flauten nicht in Frage kommen. Die EKZ (Elektrizitätswerke des Kantons Zürich) haben in Volketswil den grössten Batteriespeicher der Schweiz in Betrieb genommen. Das 18-Megawatt-Speichersystem dient einzig dazu, das Netz zu stabilisieren, das wegen der Erneuerbaren Energien immer instabiler wird.  Eingesetzt wird ein Batterietyp, sogenannte ramp up battery, der bei schnellen Veränderungen – und sei das eine Wolke – schnell reagieren kann, bevor das Netz destabilisiert zusammenbricht.

Batterien, keine Leistung, sondern nur ein teures Heftpflaster.

 

Quellen:

Foto: Meli1670

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