Die Meinungsvielfalt geht verloren

“Homogene Berichterstattung, wie wir sie bei Themen wie Griechenland, Lokführer-Streik, Russland, Brexit und auch Trump erlebt haben und erleben, ist der schleichende Tod der Demokratie”, sagte Fritz Pleitgen, der frühere Intendant des WDR, am 11.07.2019 in einem Interview mit dem Handelsblatt. Er warnt: “Die Meinungsvielfalt darf nicht verloren gehen.” Dafür sieht Pleitgen leider Anzeichen:

“In vielen wichtigen Fragen beobachte ich eine homogene Berichterstattung. Alle marschieren in eine Richtung, nicht selten im Einklang mit der vorherrschenden Meinung in der Politik. Bedenklich!” 

Sehr bedenklich

Fritz Pleitgen äußert sich besorgt, “wie schnell und wirkungsvoll über das Internet bösartig Stimmung gemacht wird. Dies gefährdet den inneren Frieden. Gegen das Gift der anonymen Verunglimpfung hilft am wirkungsvollsten guter Journalismus, um der Bevölkerung seriöse Information und Orientierung zu bieten.”

Bösartige Stimmung verbreiten oft diejenigen, die sich auf “Demokratie” und “Meinungsfreiheit” berufen, tatsächlich aber eine besondere Vorliebe dafür entwickeln, Menschen mit einer anderen Meinung zum Schweigen zu bringen. Als Stimmungsmacher betätigt sich in diesem Sinn unter anderem auch der gemeinnützige Verein Correctiv, der von sich behauptet, er mache “Journalismus für die Gesellschaft und mit der Gesellschaft.”

Offenbar vergessen sind die Worte von Hanns Joachim Friedrichs: „Das hab’ ich in meinen fünf Jahren bei der BBC in London gelernt: Distanz halten, sich nicht gemein machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten, nicht in öffentliche Betroffenheit versinken, im Umgang mit Katastrophen cool bleiben, ohne kalt zu sein.“

Ein Nutzer fordert Correctiv zum Faktencheck auf

Ein Nutzer reichte laut Correctiv-Team am 27. Juni 2019 in der “CORRECTIV.Faktencheck-Facebookgruppe” einen Video-Clip zur Überprüfung ein. Am 8. Juli 2019 veröffentlicht der Verein sein Prüfergebnis.

Das Video wurde angeblich zum Schutz des Lesers vor einer Gewaltdarstellung oder “expliziten” Inhalten verdeckt. Einen plausiblen Grund gibt es für die Warnung nicht. Den Videoclip kann man sich auf der Facebookseite von Correctiv ansehen.

Correctiv prüft

Correctiv übernimmt den Fall “Spiegel TV” und stellt die Spiegel-TV-Produzentin Maria Gresz zur Rede. Gresz räumt in einer e-Mail ein, dass der Film aus heutiger Sicht umstritten sei und erläutert den Text des Kommentators, der „im Gegensatz zu den befragten ‘Experten’ (…) eher neutral gehalten“ sei. Gresz hat “Experten” tatsächlich mit Anführungszeichen versehen.

In faszinierender Bescheidenheit erklärt der Verein: “Correctiv hat zwei zentrale Behauptungen überprüft, zu denen sich Wissenschaftler in dem Video äußern.”

Bei den “Experten”, die im Video-Clip zu sehen sind, handelt es sich um den Klimaforscher und Meteorologen Prof. Dr. Hans von Storch, Professor am Institut für Meteorologie der Universität Hamburg und ehemaliger Leiter des „Instituts für Küstenforschung“ am Helmholtz-Zentrum Geesthacht – Zentrum für Material- und Küstenforschung in Geesthacht. Der ebenfalls zu Wort kommende Prof. Dr. John R. Christy ist ein US-amerikanischer Klimatologe, Spärenphysiker und Direktor des Earth System Science Center an der University of Alabama in Huntsville. Er war Leitautor eines Teils des dritten Sachstandsbericht des IPCC aus dem Jahr 2001. Prof. Dr. Josef Reichholf ist Zoologe, Evolutionsbiologe und Ökologe, ehemaliges Präsidiumsmitglied des WWF Deutschland und seit Oktober 2018 einer der beiden Ehrenpräsidenten des Vereins für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern, Nachfolger des 2018 verstorbenen Mitgründers des Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) Enoch zu Guttenberg. Der Paläoklimatologe Prof. Dr. Augusto Mangini und Prof. Dr. Siegfried Frederick Singer, ein US-amerikanischer Atmosphärenphysiker, der unter anderem Satellitenkameras entwickelte, die zur Messung der Konzentration von Ozon in der Stratosphäre eingesetzt werden, und Messsysteme zur Untersuchung der kosmischen Strahlung.

Die Autorin des Correctiv-Beitrags, Nina Breher, schrieb zuletzt Faktenchecks zu den Themen: “Veraltete Zahlen zu Wohnungs- und Obdachlosen im Umlauf”, “Ja, „Mission Lifeline“ hat T-Shirts mit der Aufschrift „Team Umvolkung“ gedruckt – sie ist satirisch gemeint” und “Claudia Roth hat nicht das Gesetz gebrochen, als sie den Bundestag trotz weniger Anwesender für beschlussfähig erklärt hat.”

Correctiv: Klimawandel ist menschengemacht

Correctiv überprüfte die Behauptungen zum Klimawandel nicht, wie der Verein vorgibt, sondern ließ sich von “einem Mitarbeiter der Pressestelle des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung” per e-Mail bestätigen, dass der heute beobachtete Klimawandel maßgeblich vom Menschen verursacht sei. Das habe das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) “seit langem mit hoher Gewissheit festgestellt“, heißt es in der e-Mail. Eine “hohe” Gewissheit ist allerdings nicht identisch mit Gewissheit. So führte zum Beispiel eine mit Gewissheit messbare 97 Prozent Versorgung der Insel Pellworm mit Strom aus Erneuerbaren Energien zum Abbruch des Projekts, weil die fehlenden 3 Prozent über den Misserfolg entschieden.

Mit der Tatsache, dass in der Wissenschaft nicht über Ergebnisse abgestimmt, sondern ständig um die Richtigkeit von Forschungsergebnissen gerungen wird, beschäftigt sich Correctiv nicht. Und somit geht in seine Beurteilung ungeprüft das seit 2013 bis heute kursierende Märchen ein, dass „97 Prozent der Studien zu dem Ergebnis kamen, dass Menschen die globale Erwärmung verursachen“. Warum es sich um ein Märchen handelt, wie dieses Märchen zustande kam, ist so oft belegt, dass man die Ignoranz nur mit Parteilichkeit erklären kann. Über eine der Quellen dieses Märchens berichteten wir 2016: “Die Fabelhaften 97 % – Der Mythos Vom Klima-Konsens Der Wissenschaftler.

Auf ähnliche Weise verfahren die Journalisten auch bei dem zweiten Thema, das sie angeblich “überprüfen” wollen. Dabei geht es um die “Treibhausgase”. Sie stützen sich auf zwei Studien, die die Auffassung untermauern, dass insbesondere CO2 die Hauptursache der aktuellen Erwärmung sei. Politisch ist die Frage für Correctiv abschließend geklärt, journalistisch korrekt – im Sinne von Friedrichs – ist diese Verfahrensweise natürlich nicht. “Recherche ist unverzichtbares Instrument journalistischer Sorgfalt”, heißt es im Pressekodex. Recherche bedeutet allerdings nicht, Gleichgesinnte zu befragen und ihnen die “richtige” Meinung zu bestätigen.

Correctiv kommt zu einem Ergebnis

Correctiv beendet seine Überprüfung mit einer Bewertung: “Unsere Bewertung: Falsch. Das Video von Spiegel TV ist echt, zentrale Aussagen der Wissenschaftler wurden aber durch zahlreiche Studien widerlegt”, lautet das Fazit.

Ausgerechnet Correctiv, einer Instanz zur Kontrolle der politisch richtigen Weltanschauung, hat Facebook die Befugnis zum Zensurieren übertragen.

Die wissenschaftliche Debatte, die Facebooknutzer versuchen nachzuvollziehen, wird von Correctiv abgewürgt. Die politische Absicht ist evident: “Zwölf Jahre altes Video von Spiegel TV streut Zweifel am menschengemachten Klimawandel.” Und Zweifel sind in Glaubensgemeinschaften und Diktaturen nicht statthaft.

Die Folgen

Den Stempel für die Verbreitung von angeblichen Fakenews erhalten alle Facebooknutzer, die den Correctiv-Journalisten politisch missfallen, in Form einer Einblendung:

Außerdem erstellt Facebook ein Personen-Protokoll über die angeblichen Verstöße. Auch die nachträgliche Korrektur eines möglicherweise irrtümlich geteilten Posts führt nicht zur Rehabilitierung. Das Schuldkonto wird aufgefüllt.

Nicht nur unliebsame Politiker der AfD werden auf diese Weise von Facebook angegangen. Aber sie stehen als stärkste Oppositionspartei im Bundestag besonders im Visier, wenn es sich um politische Kernthemen handelt. Der stellvertretende Sprecher des AfD-Landesverbandes NRW und Mitglied des Landtags Nordrhein-Westfalen, der das Spiegel-Video wie viele andere Facebooknutzer ebenfalls geteilt hatte, erhielt von Facebook folgende Nachricht, die er auf seiner Facebookseite veröffentlichte:

Als Quelle der “Falschmeldung” beschuldigt Correctiv die Zeitung “Epoch Times”. Sie habe mit ihrem Beitrag “Kohlendioxid-Anstieg ist Folge der Erderwärmung – nicht umgekehrt“, vom 07.06.2019, die Falschmeldung über den Klimawandel verbreitet.

Facebook erläutert seine Vorgehensweise zur Lösung seines Glaubwürdigkeitsproblems: Zusammen mit “unabhängigen Faktencheckern” will Facebook Falschmeldungen eindämmen. Für Deutschland gibt es zwei Faktenchecker: Correctiv und der dpa-Faktencheck. Wer sich fragt, warum seine Nachrichten zumindest zeitweise kaum Beachtung finden, findet bei Facebook eine mögliche Erklärung:

“Wird ein Beitrag von einem Faktenchecker als falsch bewertet, ändern wir dessen Ranking. Das bedeutet, er wird im News Feed herabgestuft. Dadurch reduziert sich die Zahl seiner künftigen Aufrufe im Durchschnitt um mehr als 80 %.”

Dass der gemeinnützige Verein Correctiv, dessen Verflechtungen in die Politik der Insider Roland Tichy beschrieben hat, einen derartigen Einfluss auf das soziale Medium Facebook haben, ist mehr als bedenklich. Mathias Döpfner, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), sagte: “Ich rate zu mehr Ruhe und finde es falsch, dass professionelle Medien jetzt sozialen Medien helfen sollen, Fake News zu identifizieren und Fakten zu checken. Wenn soziale Medien nicht mehr Technologieplattformen, sondern Medienunternehmen betreiben wollen, dann müssen sie Redakteure einstellen, die Kosten einrechnen und sich mit einer anderen Regulierung auseinandersetzen. Denn wenn ein Technologiemonopol fast zwei Milliarden Leser erreicht und die Inhalteauswahl kontrolliert, ist das das genaue Gegenteil von Vielfalt.”

https://www.welt.de/wirtschaft/article161717645/Was-Wahrheit-ist-definiert-keine-Regierung.html
https://www.tichyseinblick.de/gastbeitrag/correctiv-von-eigennutz-und-gemeinnutz/
https://deutsch.rt.com/inland/45439-recherchezentrum-correktiv-wird-zur-fake-news-polizei-zensur-internet-facebook-soziale-medien/

Unsere abschließende Bewertung

Unsere Bewertung: Correctiv setzt sich aus Journalisten zusammen, nicht aus Fachwissenschaftlern, verfügt also nicht über die notwendige Qualifikation, um beurteilen zu können, ob eine wissenschaftliche Schlussfolgerung “widerlegt” ist.

Fritz Pleitgens Einschätzung, der Verlust der Meinungsvielfalt in der Presse sei “bedenklich”, reicht bei weitem nicht an die praktizierten Machenschaften von Correctiv heran. Die Meinungsdiktatur hat sich längst bis zu Facebook vorgekämpft und damit die Hauptinformations- und Nachrichtenquelle, die von den Bürgern genutzt wird, erreicht und zum Teil auch durchdrungen. Die Darstellungen im Spiegel-Video von 2007 wurden wissenschaftlich bis heute nicht widerlegt, werden jedoch mit aller Macht politisch bekämpft.

Das Spiegel-Video wurde am 08.07.2019, andere von Usern hochgeladene Kopien des Video-Clips wurden von Youtube gelöscht.

Eines der wenigen Videos, die den “Klimaschwindel” thematisieren, ist jedoch noch erhalten:

Faina Faruz

Titelfoto: guvo59, pixabay

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