Ein kurzer Hype – und schon vergessen: Das Druckluftauto Car Airpod

Ein Hype, und dann vergessen – wie so viele grüne Hoffnungsträger

Kein anderes Thema lässt so viele Fantasien sprießen wie die Energiewende. Nichts spricht dagegen. Problematisch ist nur, dass Journalisten Gedankenexperimente für bare Münzen nehmen und aus Werbeprospekten abschreiben. Bei alternativen Energieformen und Fortbewegungsmitteln geht der kritische Blick vieler Journalisten oft vollends verloren. Turnismäßig erscheinen längst widerlegte Wunschvorstellungen nach einiger Zeit immer wieder in den Nachrichten. Auch das Druckluftauto AirPod wartet vermutlich auf eine Revitalisierung, um den Glauben an alternative Antriebsarten und den Erfolg der Energiewende lebendig zu halten – sofern die Subventionen stimmen.

Zuletzt begeisterten sich die Deutschen Wirtschaftsnachrichten (DWN) am 2014 über das Druckluftauto AirPod:

“Fahrzeuge mit Druckluftantrieb könnten das Verkehrsbild von Grund auf verändern. Auf Sardinien geht nun das erste Druckluft-Auto in die Serienproduktion. Der AirPod hat keinerlei schädlichen Emissionen, eine Spitzengeschwindigkeit von 80 Stundenkilometern und bietet Platz für mehrere Personen.”

Neu ist die Idee nicht. Bereits 1838 konstruierten Adraud und Tessié du Motay in Paris ein Druckluftauto und stellten es 1840 vor. Druckluftautos für den öffentlichen Straßenverkehr werden seit den 1990er Jahren unter dem Oberbegriff der alternativen Fahrzeugtechnik immer wieder vorgestellt. Aber bis heute ist der Durchbruch nicht gelungen. Eine Serienproduktion fand bisher nicht statt.

 

Die DWN verschweigen, was grüne Ohren nicht hören wollen

Fachleute bezweifeln die Leistungsdaten des CarPod. Auch die Angaben zu den günstigen Kosten und zur Umweltverträglichkeit gelten als unrealistisch. Dies ergab bereits 2009 ein wissenschaftlicher Vergleich der University of California, Berkeley, zwischen Benzinauto, batterieelektrischem Auto und einem Druckluftauto.

Zwei Jahre vor der Veröffentlichung des Berichts in der DWN schrieb Springer Professional: “Dabei schnitt das Druckluftauto in den Punkten Treibhausgasemission, Treibstoffkosten und Tankvolumen deutlich schlechter ab als das Benzin- oder das Batterieauto. Einzig beim Primärenergieverbrauch konnte das Druckluftauto gegenüber dem Benzinauto punkten, so es denn mit erneuerbarer Energie die Tanks füllt. Die Forscher verglichen einen konventionellen Smart Fortwo, einen batterieelektrischen Smart Fortwo ED und ein hypothetisches Druckluftauto. Die technischen Parameter des Druckluftautos, die nicht bekannt waren, wurden geschätzt.”

Den grünen Hoffnungen scheint jedoch kein Argument gewachsen zu sein. Die DWN zitieren aus dem Arbeitskreis Alternative Produktion Bremen der IG Metall. Dort heißt es: “Die Idee ist großartig. Die Luft, die als Abgas aus dem Fahrzeug kommt, ist wegen der effektiven Filtertechnik sogar sauberer als die Druckluft, die hineingesteckt wird“.

Woher die Menschen, die der Öko-Industrie vertrauen, das wissen? Ganz einfach: Sie wissen das, weil es im Werbematerial der Öko-Industrie steht. Und die lügt nicht.

Video AirPod

Titelfoto: http://www.trendsderzukunft.de/wp-content/uploads/2012/08/AirPod2.jpg

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4 Gedanken zu „Ein kurzer Hype – und schon vergessen: Das Druckluftauto Car Airpod

  1. Es gab schon viele Konzepte alternativer Antriebe, aber allen gemeinsam ist die verzweifelte Suche nach der Primärenergie.
    Elektroantrieb und immer weiter verbesserte Akkus sind die einzige alternative, bei der man beliebig aussuchen kann, woher die Energie kommt. Auch Wasserstoff als Energieträger bleibt da weit zurück, weil dieser ohnehin erst mal aus Strom gewonnen werden muss. Jede Umwandlung bringt Verluste und zusätzlichen Bedarf an Technologie in der Zulieferung wie auch im Individualfahrzeug.
    Was immer noch fehlt sind die schnell wechselbaren Akkus.
    Ein Modul für PKWs, zwei für Kombis und drei für “Sprinter” und diese einheitlich auf der ganzen Welt.
    Jede Verbesserung der Akkutechnik kann in die gleichen Module nachgerüstet werden.
    Ein Modul im Fahrzeug und das zweite daheim am Solarcarport = immer Einsatzbereit!
    Und jede Tankstelle wird verpflichtet eine Aukkuwechselstation zu betreiben.
    Dann haben wir die Wende im Individualverkehr in einem Jahr geschafft.
    Alles machbar, auch ohne erst zehn Jahre lange Studien anzustrengen.

  2. Es ist sehr schade, wie undifferenziert dieser Technologieansatz hier heruntergeputzt wird.
    Der Link zum wissenschaftlichen Artikel ist leider auch tot, um mich tiefer und unter welchen Voraussetzungen der US-Artikel zustande kommt, informieren zu können.
    Mir kommt es so vor, als erwarte man von einem Baby bereits lesen und rechnen zu können.
    Druckluftmotor als Baby insofern, weil die Verbrennungsmotoren im Vergleich bereits Greise sind, in denen über mehr als 100 Jahre extrem finanzkräftige Entwicklung stecken, die mehr oder weniger an ihr Ende gekommen sind.
    Im folgenden Videolink wird ein Drucklufthybrid gezeigt, der auf mich Eindruck gemacht hat und zeigt, dass hier durchaus Potential inkl. Abgasreduzierung liegt: https://www.srf.ch/play/tv/_/video/_?id=b65303a4-0972-44ca-942d-1ddf4ed4cafc&urn=urn:srf:video:b65303a4-0972-44ca-942d-1ddf4ed4cafc

    Nach wie vor bin ich davon überzeugt, dass Druckluft, evtl. auch als Kombi/Hybrid-Technologie einen guten ökologischen Beitrag im urbanen Bereich leisten kann und zur Diversifikation der Antriebklassen beiträgt.

    Die sich derzeit abzeichnende Abhängigkeit von Rohstoffen wie Lithium und Seltenen Erden für die Speicher- (Batterie) und Gestehungstechnologie (Windkraft) erfüllt mich mit Sorge.
    Und auch die Verlagerung der Umweltverschmutzung in zweite und dritte Welt-Länder mit entsprechenden Lagerstätten sollte berücksichtigt werden.

    Demgegenüber ist die Drucklufttechnologie weitgehend elektro-/mechanisch ohne exotischen Ressourcenbedarf.

    1. Hallo Herr Kächele,
      inhaltlich ist Fred F. Mueller bereits im Kommentar auf das Druckluftauto eingegangen. Die im Beitrag erwähnte Studie wurde möglicherweise aus dem Internet entfernt. Im Link ist jetzt die URL der University of California hinterlegt. “Forschung und Wissen” erwähnt ebenfalls die Studie und resümiert: “In den Punkten Treibhausgasemission, Treibstoffkosten und Tankvolumen schnitt das Druckluftauto erheblich schlechter als das Benzin- oder das Batterieauto ab.” https://www.forschung-und-wissen.de/nachrichten/technik/auto-nutzt-druckluft-als-treibstoff-13371689.

  3. Für jeden Techniker ist das ein Witz. Sehr viele Betriebe setzen in ihren Werkstätten und Prozessen Druckluft ein. Die Erfahrung aus solchen Betrieben ist: Druckluft ist die teuerste und unökonomischte Art der Energieverwendung, weshalb man in den Unternehmen sehr viel Aufwand darauf verwendet, die entsprechenden Kosten zu minimieren. Die Verluste beginnen schon bei der Kompression, denn dabei entsteht sehr viel Wärme, die in der Regel einfach verlorengeht. In den damit angetriebenen Aggregaten treten dann erneut Verluste auf. Zusammen führt dies zu einem katastrophal schlechten Wirkungsgrad.
    Zitat aus Wikipedia: “Um eine ausreichende Menge Antriebsenergie mitzuführen, sind große (schwere) Drucklufttanks notwendig. Die Energiedichte des Antriebssystems ist bereits im Vergleich mit einfachen Bleiakkumulatoren ungünstig.
    Druckluft ist einer der teuersten Energieträger. Ihre Erzeugung ist energetisch mit sehr großen Verlusten behaftet. Wenn die bei der Kompression entstehende Wärme nicht genutzt werden kann, ist sie für die Energiebilanz verloren. Ein effizienter Druckluftmotor benötigt eine mehrstufige Entspannung mit Zwischenerwärmung und ist daher aufwendig (Motorenkonzept). Durch Entspannung der Druckluft kommt es zu einer Abkühlung des Motors. Es muss Wärme aus der Umgebung zugeführt werden. Ist das nicht ausreichend gewährleistet, sinkt die Leistung des Expansionsmotors. Dieser Effekt wird bei niedrigen Umgebungstemperaturen verstärkt.”
    Fazit: Diese sogenannten Qualitätsjournalisten machen sich noch nicht einmal die Mühe, bei Wikipedia nachzusehen. Die Frage kann eigentlich nur lauten: Sind sie so dumm oder sind sie so böswillig?
    Mfg

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