Eine fragwürdige Meinungsumfrage in Bayern

Besteht wirklich ein gesellschaftlicher Konsens bei der Energiewende? Oder ist er eine Erfindung der Befürworter der Erneuerbaren Energien? Eine aktuelle Meinungsumfrage eines Bundestagsabgeordneten zum Ausbau der Windkraft in Bayern zeigt eine dubiose Methode zur Herstellung eines Meinungsbildes. 

Josef Göppel, Landwirtssohn, stammt aus Rauenzell bei Ansbach und arbeitete 28 Jahre als Förster im Außendienst, engagierte sich in der Kommunal- und Bezirkspolitik. „Sein ganzes politisches Wirken ist im Kern ein Kampf um Vielfalt auf allen Gebieten; Vielfalt der Mitgeschöpfe des Menschen, der regionalen Kulturen, der Mundarten, Baustile und des Brauchtums. Er will das Typische aller Landschaften gegen den Trend zur Einheitszivilisation sichern, die regionalen Wurzeln der Menschen in der Globalisierung bewahren und in der modernen Welt für ein Leben und Wirtschaften im Einklang mit der Natur werben“, heißt es auf seiner Homepage. Auch Göppel stimmte vor der Energiewende gegen die Verlängerung der Atomlaufzeiten in Deutschland.

Ein echter Grüner?

Nein, Josef Göppel ist kein Mitglied der grünen Partei, sondern seit 2005 Obmann der CDU/CSU-Fraktion im Umweltausschuss. Er gilt als das grüne Gewissen seiner Partei und genießt deshalb auch die Sympathie der Grünen. Bärbel Höhn, von 1995 bis 2005 Umweltministerin des Landes Nordrhein-Westfalen und seit 2006 eine der Stellvertretenden Vorsitzenden der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, macht auf ihrer Facebook-Seite auf ein Interview von Göppels (klimaretter.info) aufmerksam, in dem Göppel die Regelungen des Koalitionsvertrages kritisiert.

Hoehn

Göppel befürchtet, es werde südlich der Mittelgebirgsschwelle praktisch kein Windausbau mehr möglich sein: „Das ist ein abruptes Abwürgen der Windkraft in Süddeutschland.“

Eine fragwürdige Meinungsumfrage

Mit einer fragwürdigen Meinungsumfrage wirbt Göppel auf seiner Homepage für den Ausbau der Windenergie. „Windstrom hat aktuell einen Anteil von 1% an der bayerischen Stromversorgung. Nach dem Energiekonzept der Bayerischen Staatsregierung sind 10% das Ziel bis 2020. Sind Sie für einen weiteren Ausbau der Windkraft in Bayern?“, lautet die Frage.

Die Abstimmungsergebnisse sind jedoch irrelevant, weil die Möglichkeit besteht, die Frage mehrmals zu beantworten. Darauf haben die Gegner des Windkraftausbaus auf ihrer Facebook-Seite gegenwind.deutschland hingewiesen. Sie hatten dies frühzeitig bemerkt. Der ursprünglich deutliche Stimmenvorsprung der Gegner ist inzwischen überraschend schnell geschmolzen…
Die Gegner wissen, dass diese Meinungsumfrage den Aufwand nicht wert ist, um sich auf einen Klickwettbewerb einzulassen. Ihr Unbehagen ist nicht unbegründet, denn sie halten es für möglich, dass diese dilettantisch angelegte Meinungsumfrage vermutlich politisch dazu genutzt werden soll, um aus dem Ergebnis eine angebliche Mehrheitsmeinung für die Energiewende zu konstruieren.

Eine Mehrheitsmeinung, die ohne Wenn und Aber eine Energiewende fordert, gibt es in Deutschland nicht. Wie mit tatsächlichen Mehrheitsmeinungen umgegangen wird, wurde eindrucksvoll in „Zettels Raum“ belegt. („Die Mehrheit der Deutschen ist für eine Verschiebung des Atomausstiegs“)

Legendenbildung

Die Warnung vor dem „Sieg der Konzerne“ gehört zur Legendenbildung der Grünen. Auch Josef Göppel trägt dazu bei: „Meine größte Sorge ist, dass die Stromerzeugung wieder in die Hand von zentralen Großkonzernen gerät und die Bürger mit normalem Einkommen sich nicht mehr daran beteiligen können. Das war ja die Hoffnung der Menschen bei der Energiewende: dass auch Normalbürger sich einbringen können mit kleinen Geldbeiträgen in Energiegenossenschaften.“ Die Vorstellung, die Erneuerbaren Energien könnten eine qualitativ gleichwertige Stromversorgung bieten wie der bisherige Strommix und auf Großkraftwerke verzichten, ist ebenso wie die Idee einer ausschließlich dezentralen Energieversorgung durch “Energie in Bürgerhand” eine Vision – und der Größte Hype aller Zeiten.

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