Journalisten

Wie ÖRR-Journalisten zu Tätern werden

Der WDR gibt bei Infratest dimap eine Studie in Auftrag, deren Ergebnis kaum jemanden überrascht: „Die höchste Glaubwürdigkeit wird mit 78 Prozent erneut öffentlich-rechtlichen Radiosendern zugeschrieben.“ Die leichte Einbuße der Glaubwürdigkeit, die Infratest feststellt, wird den WDR wohl kaum veranlassen, seine Journalisten anzuregen, keine einseitigen Information über den Klimawandel zu verbreiten. „Die Studie zeigt, wie wichtig der öffentlich-rechtliche Rundfunk und die Qualitätspresse weiterhin als stabile Säulen unserer Gesellschaft sind“, ordnet WDR-Programmdirektor Jörg Schönenborn die Ergebnisse ein.

Die Welt des WDR-Journalisten Jürgen Döschner ist seit 1984 geprägt durch verschiedene Funktionen für den Westdeutschen Rundfunk (WDR) und die ARD. Seit Ende 2011 ist Jürgen Döschner laut Wikipedia offizieller „Energieexperte“ (Anführungszeichen von Wikipedia) des ARD-Hörfunks und arbeitet in dieser Funktion in der Chefredaktion des WDR-Hörfunks. Döschner studierte Journalistik und Geschichte an der TU Dortmund.

Die Frage ist, warum sich der WDR als eine Anstalt des öffentlichen Rechts (Landesrundfunkanstalt) des Landes Nordrhein-Westfalen und als größte Sendeanstalt der ARD, keinen naturwissenschaftlich vorgebildeten Fachexperten leistet? Die ARD ist, gemessen an der Anzahl der Beschäftigten, nach der BBC der zweitgrößte Sender Europas.

Döschners Angriff gegen das BMWi

Der „Energieexperte“ Jürgen Döschner fährt mit einer zeitlichen Verzögerung von fast fünf Jahren jetzt ein schweres Geschütz gegen das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) auf. Er verlangte am 18. Dezember 2019 per Twitter eine Erklärung des amtierenden Bundesministers für Wirtschaft und Energie, Peter Altmaier (CDU), warum auf der Homepage des BMWi ein Beitrag des Europäischen Instituts für Klima & Energie e. V. (EIKE) veröffentlicht sei.

Döschner nimmt Anstoß daran, dass EIKE die Energiewende als planwirtschaftliches Instrument von Diktaturen bezeichnet.

Der Sachverhalt

Das BMWi führte 2014/2015 einen aus seiner Sicht „breiten und transparenten Diskussionsprozesses in Deutschland und mit den europäischen Nachbarländern zur Gestaltung des Strommarktes“ durch. Im Fokus stand die Frage, „welches Strommarktdesign auch bei hohen Anteilen erneuerbarer Energien eine sichere, kostengünstige und umweltverträgliche Versorgung mit Strom gewährleisten kann.“

Zur Vorbereitung der Diskussion hatte das BMWi im Oktober 2014 ein Grünbuch präsentiert und dieses bis März 2015 öffentlich zur Konsultation gestellt.

Die eingegangenen 284 Stellungnahmen wurden detailliert ausgewertet und bei Einverständnis des jeweiligen Absenders in einer Liste veröffentlicht; das Ergebnis wurde im Weißbuch dargestellt. Das Weißbuch erläutert, begründet und konkretisiert die Entscheidung für einen Strommarkt der Zukunft (Strommarkt 2.0). Es enthält die Eckpunkte für 20 Maßnahmen, mit denen der Strommarkt 2.0 umgesetzt wird.

Von EIKE stammen zwei Stellungnahmen: 9 Fragen zur Energiewende (Prof. Dr. Horst-Joachim Lüdecke, EIKE, im August 2015) und Positionspapier Nr. 4
Wie viel Mensch steckt eigentlich hinter dem so sehr gefürchteten Klimawandel?
(Dr. rer.nat. Siegfried Dittrich Hamm, im Dezember 2014)

9 Fragen zur Energiewende (Prof. Dr. Horst-Joachim Lüdecke, EIKE, im August 2015)

Wie viel Mensch steckt eigentlich hinter dem so sehr
gefürchteten Klimawandel? (Dr. rer.nat. Siegfried Dittrich Hamm, im Dezember 2014)

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie wurde in dieser Zeit (2013 – 2017) von Sigmar Gabriel (SPD) geführt. Döschner erwartet offenbar, dass geschichtliche Ereignisse nachträglich „bereinigt“ werden. Die Bereinigung träfe auch die Geschichte der Sozialdemokratie.

Vor allem verlangt der „Energieexperte“, dass denjenigen, die an den menschengemachten Klimawandel glauben, das alleinige Recht auf Veröffentlichungen zu diesem Thema zusteht. Es zeugt von der beispiellosen Hybris der Klimaalarmisten und -fanatiker, die 9 Fragen zur Energiewende EIKES als „Machwerk“ zu bezeichnen.

Wer kann Jürgen Döschner den Unterschied zwischen wissenschaftlich begründeter Kritik an der Hypothese vom menschengemachten Klimawandel und Blasphemie erklären? Vermutlich niemand.

Es gibt nur eine legitime Einstellung

Mehrfach versucht das BMWi am 18. Dezember 2019, sich gegen die Vorwürfe Jürgen Döschners zu verteidigen. Das Ministerium erklärt: „Die Stellungnahme wurde bereits im Jahr 2015 im Rahmen einer breiten Konsultation abgegeben. Alle 284 Stellungnahmen wurden veröffentlicht. Nicht nur die von EIKE“

Diese Antwort stellt Döschner nicht zufrieden. Anstatt sich wie ein aufrechter Demokrat über vielfältige Meinungen und den Meinungswettstreit zu freuen, streitet er EIKE das Recht auf eine eigene wissenschaftliche Beurteilung vorliegender Messdaten und Berechnungen ab. Der Journalist bezichtigt nicht nur den Verein, sondern auch eine große Anzahl von Physikern und anderen Wissenschaftlern, darunter auch Nobelpreisträger, der Unwissenschaftlichkeit.

Die EIKE-Aussage, „Klimaauswirkungen des menschengemachten CO2 sind bis heute nicht (…) nachweisbar“ ist keine Meinung, sondern eine Feststellung. Döschners Vergleich ist lächerlich, denn die Diskussion über die Ursachen des Klimawandels ist nicht abgeschlossen, während die Behauptung, dass 1+1=4 ergeben, an jeder Supermarktkasse schnell zu widerlegen wäre.

Wozu dient die Rechthaberei? Ein, zugegeben provokatives, Beispiel für die gesellschaftspolitische Bedeutung des Klima-Alleinvertretungsanspruchs liefert das Video „Rezo 2.0“. Es ist damit nicht gesagt, dass der „Energieexperte“ Döschner diese Entwicklung vor Augen hat, wenn er an die Entfernung von Schriftstücken der „Klimaleugner“ in der BMWi-Dokumentation denkt.

Rezo 2.0: „Es gibt nur eine legitime Einstellung“

Der Vergleich mit der „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien“ ist jedoch zulässig. Döschner erklärt die Lesenden für unmündig und behandelt die schriftlichen Stellungnahmen qualifizierter Wissenschaftler, als handle es sich dabei um jugendgefährdende Medien, die im Sinne des Jugendschutzes den Jugendlichen nicht mehr zugänglich gemacht werden sollen.

Erstaunlicherweise fordert der „Experte“ Döschner nicht die Entfernung der Stellungnahme des Energiekonzerns RWE und anderer, die bisher für die „Klimakatastrophe“ als verantwortlich galten.

Es kann jeden treffen

Jürgen Döschner ist nur einer von vielen selbstgerechten Zensoren, die die Bundesregierung ihr schauriges Wesen treiben lässt. Wir befinden uns in einem neuen Zeitalter der Inquisition, in dem die Medien die Aufgabe einer Bundesprüfstelle übernommen haben. Ein Beispiel dafür lieferte jüngst die Deutsche Presseagentur (dpa).

Über ein anderes Beispiel berichtet der Journalist Boris Reitschuster. „Pünktlich an Heiligabend bekam ich eine Klageschrift vom ARD-Chef-Faktenfinder. Wegen eines kritischen Tweets. Was ich seit dem erlebe, kommt mir vor wie aus einem Kafka-Roman. Und es kann jeden hier treffen. Hier die ganze, unglaubliche Geschichte“: „Nach twitter-Kritik: ARD-Promi verklagt mich“. (Von November 1999 bis August 2015 war Reitschuster Leiter des Moskauer Büros des Nachrichtenmagazins Focus.)

Wer ist EIKE?

EIKE ist ein Verein, den Klimafanatiker nicht wollen. Damit ist eigentlich alles, was politisch wichtig ist, über den Verein gesagt.

Döschner und der WDR vertreten im Unterschied zu EIKE die Auffassung der Klimaalarmisten, wie sie der Monitor präsentiert:

Da in dem Monitor-Beitrag auch Lord Christopher Monckton, Politikberater unter Premierministerin Thatcher, erwähnt wird, fügen wir ein Interview mit einer Greenpeace-Aktivistin hinzu. Es verdeutlicht, warum sich Journalisten wie zum Beispiel Jürgen Döschner, die als „Experten“ tituliert werden, vor einer öffentlichen Debatte fürchten müssen. Einladungen von Nuklearia zu Gesprächen mit Befürwortern der Kernenergie, die auf die Vorteile der CO2-freien Kernenergie für den geforderten Klimaschutz hinweisen, beantwortet Döschner nicht einmal.

Christopher Monckton konfrontiert Greenpeace Aktivistin mit dem Klimaschwindel (2009)

Lord Christopher Monckton vom Science and Public Policy Institute, Großbritannien, interviewt Kerstin Blodig von Greenpeace.

Ein Journalist, der fachlich nichts bietet, hat als Ersatz Haltung

Die Frage nach der Lernfähigkeit aus der Geschichte, insbesondere der des Nationalsozialismus, stellen in diesen Tagen viele Menschen, die beobachten, dass einige Journalisten ihr Berufsbild und Medien sich in Richtung Gesinnungsjournalismus gewandelt haben.

Zum Beispiel Patrick Gensing. Er arbeitete bei tagesschau.de als Nachrichtenredakteur und ist seit Anfang April 2017 Leiter des tagesschau.de-Onlineportals faktenfinder. Wikipedia erwähnt erstaunlicherweise weder eine Berufsausbildung noch ein Studium. Womit hat Gensing seinen Lebensunterhalt verdient, bevor er für würdig befunden wurde, für die Tagesschau Fakten zu checken?

Gensing sagte in einem Interview:

„Ich bin ein großer Freund von Journalismus mit Haltung, weil ich mich daran viel besser abarbeiten kann. Ich glaube, dass man die Leute eher gewinnen kann, wenn im Journalismus eine Haltung vertreten wird, als wenn da irgendwie einfach nur Fakten angehäuft werden. Das ist in meinen Augen auch überhaupt nicht Journalismus. Einfach nur Fakten zu liefern und sagen, wir können das nicht beurteilen und wissen das nicht. Das zu beurteilen ist doch genau unser Job.“

Eine fragwürdige Berufsauffassung, die Ansgar Neuhof in dem Artikel „1 Jahr Tagesschau-Faktenfinder“ verdeutlicht. Aber kein Einzelfall.

Das hab‘ ich in meinen fünf Jahren bei der BBC in London gelernt: Distanz halten, sich nicht gemein machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten, nicht in öffentliche Betroffenheit versinken, im Umgang mit Katastrophen cool bleiben, ohne kalt zu sein. Nur so schaffst du es, daß die Zuschauer dir vertrauen, dich zu einem Familienmitglied machen, dich jeden Abend einschalten und dir zuhören.“ Hanns Joachim Friedrichs, 1995:
Der Spiegel, 13/1995, 27. März 1995  (Link)

Die Journaille

Aus sicherer und vermutlich gut bezahlter Position im öffentlich-rechtlichen Rundfunk twittern Journalisten ihre Angriffe gegen missliebige Personen. Sie räkeln sich in ihrer persönlichen „Haltung“ und feiern ihre Weltanschauung überheblich als faktenbasiert.

Die Bezeichnungen „Lügenpresse“ oder „Lückenpresse“ treffen nicht das Problem des Haltungsjournalismus. Karl Kraus, einer der bedeutendsten Sprach- und Kulturkritiker des 20. Jahrhunderts, bezeichnete 1902 „die Verwüstung des Staates durch die Pressmaffia“ als Werk einer „Journaille“. Er meinte damit einzelne Journalisten oder auch deren Gesamtheit, die Un- oder Halbwahrheiten verbreiteten. Nichts war ihm verächtlicher als diese „Journalisten“.

Journalisten, die Haltung zeigen wollen, überschreiten bewusst Grenzen und nutzen den Einfluss der Medien auf die politische Meinungsbildung der Bevölkerung für ihre persönlichen Zwecke aus. Dass Journalisten durch ihre „Haltung“ maßgeblich zur Kriegseuphorie vor dem ersten Weltkrieg 1914 beitrugen, hat unter anderem Stefan Zweig in „Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers“, eindrucksvoll geschildert. Aus Haltungsjournalisten wurden zwangsläufig Täter.

An eine zukünftige zerstörerische Wirkung von Journalisten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk hatte Karl Kraus 1902 noch nicht denken können. Das erste Hörfunkprogramm der Welt wurde erst vier Jahre später an Heiligabend 1906 gesendet, die erste Fernseh-Nachrichtensendung wurde am 29. Oktober 1929 ausgestrahlt, und das wachsende Interesse professioneller Journalisten an den sozialen Medien ist erst seit wenigen Jahren zu beobachten.

Titelfoto: Turmfalke, WDR, pixabay

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