Marrakesch und der zweifelhafte Sieg der “fetten Katzen”

Die Medien feiern die diesjährige Klimakonferenz in Marrakesch als großartigen Erfolg, wie der Spiegel berichtet. 45 Länder wollten komplett auf Kohle, Öl und Gas verzichten und ihre Energieversorgung komplett auf erneuerbare Energien umstellen. Von Kernenergie war offenbar nicht die Rede, aber sie zählt zur sauberen Energie. Der Schrecken über die Wahl des “Klimaleugners” Donald Trump zum Präsidenten der USA ist offenbar einer Euphorie gewichen: “Ganz egal, ob Donald Trump sein Wahlkampfgetöse in die politische Praxis umsetzt; völlig gleichgültig, ob die USA sich unter ihm aus der Klimadiplomatie zurückziehen oder ob der kommende Präsident versucht, zuhause die Kohle wiederzubeleben – Trump wird nicht in der Lage sein, den globalen Trend zu einer klimafreundlichen Wirtschaft umzukehren”, jubelt die Zeit. Warum sollte er? Wer wollte diese Länder daran hindern, sich in Zukunft für die klimafreundliche Kernenergie zu entscheiden?

Politische Vorarbeit

Obama hatte am 28.05.2014 in einer viel beachteten Abschlussrede vor Kadetten in West Point eine neue außenpolitische Doktrin angekündigt, die auf einer globalen Führung mit weniger Rückgriff auf militärische Macht beruhen soll: Soft Power Diplomatie und internationale Partnerschaften. Ein Großteil der Rede befasste sich mit der Notwendigkeit, internationale Institutionen zu nutzen, um globale Probleme wie Klimawandel und Grenzstreitigkeiten anzugehen. Obama beabsichtige, eine Vorreiterrolle in einem globalen Netzwerk zur Rettung des Planeten einzunehmen, schreibt The Guardian. (“I intend to make sure America is out front in a global framework to preserve our planet,” he said. “American influence is always stronger when we lead by example. We can not exempt ourselves from the rules that apply to everyone else.”)

Klimarettung zum Nutzen der Großkonzerne, Banken und Versicherungen

Auf der Klimakonferenz in Marrakesch appellierten Minister aus Industriestaaten auch in diesem Jahr wieder an Entwicklungsländer, statt auf Kohle und Gas lieber auf klimafreundliche Energie aus Sonne, Wind und Wasser zu setzen. Und sie drängten den ärmeren Ländern ihre Hilfe mit der Begründung auf, dass sie besonders unter Dürren, Überschwemmungen und Wirbelstürmen litten, an denen die Industriestaaten des Westens die Hauptschuld trügen.

Ab 2020 sollen laut Beschluss früherer Klimakonferenzen jährlich 100 Milliarden Dollar für ärmere Länder bereitgestellt werden. Deutschland übernimmt nach einem Bericht des Bayerischen Rundfunks ein Zehntel. An diesem Deal sind Banken, Versicherungen und Siemens beteiligt. Das Bundesentwicklungsministerium beteiligt sich mit 150 Millionen Euro an einer Klimarisikoversicherung, um bis 2020 zusätzlich 400 Millionen Menschen abzusichern. Die Bundesregierung stellt zum Beispiel Kredite von knapp 830 Millionen Euro für Gipfel-Gastgeber Marokko bereit für den Bau des weltgrößten Solarkraftwerks im Süden des Landes. Deutschland ist mit der KfW größter Kreditgeber des Projekts. Zu den geplanten Gesamtkosten von etwa 2,2 Milliarden Euro trägt die KfW im Auftrag der Bundesregierung 829 Millionen Euro bei. Daneben sind unter anderem auch die Europäische Union sowie die französische Entwicklungsagentur AfD und die Europäische Investitionsbank EIB an der Finanzierung des Mega-Kraftwerks beteiligt. Neben der Finanzierung kommt auch ein Teil der Technik aus Deutschland: So stammen die Turbinen in der solarthermischen Anlage beispielsweise vom Technologiekonzern Siemens. Der Komplex ist auf eine Leistung von rund 580 Megawatt ausgelegt und soll Strom für etwa 1,3 Millionen Menschen liefern. Die Bevölkerungszahl beträgt 33,5 Millionen Menschen. Im Jahresdurchschnitt scheint die Sonne in Marokko nur an 8,5 Stunden, im Juli sind es 10,6 Stunden, im Dezember nur 6 Stunden. Eine Industrie lässt sich mit Erneuerbaren Energien nicht aufbauen.

Dem Klimaschutz (Schutz des Planeten vor dem Klimawandel) haben sich nahezu sämtliche Großkonzerne aller Branchen, Banken und Versicherungen auf die Fahnen geschrieben. Sie hoffen, mit politischem Wohlverhalten und staatlicher Subventionierung ihr Überleben sichern oder ihre Umsätze vergrößern zu können.

Patin

Nestlé zum Beispiel, der weltgrösste Nahrungsmittelkonzern mit Hauptverwaltung in der Schweiz, Umsatz 91.612 Mrd. CHF (2014), nutzt den Klimawandel, um sein Nespresso-Produkt zu bewerben:

“How can coffee help protect East African farmers from climate change?”

Unter dem Vorwand, das Klima schützen zu wollen, lassen sich auch umweltschädliche Produkte verkaufen. Dazu gehören insbesondere Bio-Sprit, Windräder und Elektroautos. Die Kaffeekapseln, die zuerst Nestlé auf den Markt brachte, sind Rekordhalter bei der Erzeugung von Millionen Tonen von Müll. Utopia: „Kaffee-Kapseln haben eines der eklatantesten Missverhältnisse von Füllgut zu Verpackung.“, sagt Philipp Sommer von der Deutschen Umwelthilfe. „Auf 6 g Kaffee in einer Kapsel kommen ganze 5 g Verpackung. 3 g für die einzelne Kapselverpackung aus Kunststoff oder Aluminium und weitere 2 g wegen der Umverpackung aus Papier.“ Mit Kaffeekapseln sei es dem Unternehmen Nestlé gelungen, ein gewöhnliches und alltägliches Produkt wie Kaffee in einen Lifestyle-Artikel zu verwandeln. Früher habe man sich den Kaffee mit Filterpapier und für wenig Geld selbst machen können, dafür brauche der moderne Kunde plötzlich eine ganze Maschine und Metallkapseln, Kaffeekapseln, die man nach Kurzgebrauch wegschmeißt und die riesige Müllberge hinterlassen.

In einigen Boutiquen würden die Kaffee-Metallkapseln als bunte Lifestyle-Objekte feilgeboten, als handle es sich um Designerschmuck. Lifestyle und Klimaschutz gehören zusammen. Dafür und für den Wertewandel bei ehemaligen Umweltschützern und bekennenden Klimaschützern ist Nespresso ein Symbol. Die aktiven Klimaschützer dürfen, was der Mehrheit verboten werden soll. Die Neue Zürcher Zeitung hat in dem Artikel “Ich darf das. Ihr nicht!” über den “berühmtesten Umweltschützer Hollywoods”, Leo DiCaprio, die Doppelmoral der egozentrierten Klimaschützer vor Augen geführt.

Die Förderer der Erneuerbaren Energien

Barack Obama ist einer der wichtigsten Werbeagenten für Erneuerbare Energien. Er war es, der persönlich die Lüge von der angeblichen Mehrheit der Wissenschaftler, die an einen menschengemachten Klimawandel glauben, in die Welt gesetzt hat. (Die fabelhaften 97 % – der Mythos vom Klima-Konsens der Wissenschaftler)

Anlässlich seiner Abschiedstour in Europa besuchte Barack Obama auch Berlin und machte für Angela Wahlwerbung. Obama und Angela Merkel verteidigten gemeinsam die weltweiten Klimaschutzziele. Die Partnerschaft zwischen Amerika und Deutschland habe eine zentrale Rolle dabei gespielt, das Pariser Klimaschutzabkommen zu erreichen. “Es gibt der Welt den Rahmen für den gemeinsamen Schutz unseres Planeten“, schreiben Merkel und Obama in einem gemeinsamen Beitrag, der in der Wirtschaftswoche veröffentlicht wurde.

Bei seiner letzten Rede als Außenminister vor einer UN-Klimakonferenz unterstrich John Kerry in einer “leidenschaftlichen Rede” bei der Klimakonferenz in Marrakesch: „Für die Wissenschaftler der Welt ist nichts am Klimawandel Parteipolitik.“

Man merkt die Absicht, und ist verstimmt

Nestlé darf sich mit den Klimawandelanhängern zum Kreis der guten “Klimaretter” zählen. Das ist kein Versehen, denn nicht für die armen Bauern in Afrika, sondern für Global Player wie ihn wurde schließlich der Klimawandel erdacht. Politiker und Großindustrie genießen die Unterstützung der meisten westlichen Medien. Ohne sie hätte der mächtige Anschub der Konsum- und Finanzwirtschaft niemals den weltumspannenden Erfolg gehabt. Die “fetten Katzen” der Welt (“Fat Cats” werden in Afrika elitäre Clans genannt, bei denen der Reichtum Afrikas versickert) nutzen die Gunst der Stunde und erhalten von den westlichen Industrieländern Milliarden, die in Erneuerbare Energien investiert werden und den Export sichern sollen.

Nur, wer die Propaganda merkt, ist verstimmt. Kann man die Verstimmung, die der Hype um den Klimawandel und die Klimakonferenz in Marrakesch in wenigen Sätzen besser ausdrücken, als ein Facebook User (18.11.2016), der ironisch kommentierte?: “Die Klimakonferenzbeschlüsse in Marrakesch werden bei SPON frenetisch gefeiert. Ich schließe mich an. Sagen sie doch nichts anderes als, dass arme Länder fortan darauf verzichten, nennenswerte Industrie aufzubauen, da schlicht die Energie maximal für Licht in der Lehmhütte reicht und dafür lokale Potentaten mit ordentlich Geld bedacht werden. Mir wird warm ums Herz. Industrie ist ohnehin sowas von retro.”

Titelfoto: Screenshot

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2 Gedanken zu “Marrakesch und der zweifelhafte Sieg der “fetten Katzen””