blockiere

„Mir reichts jetzt echt mit Ihnen, ich blockiere Sie jetzt“ – Drosten gegen Homburg

„Mir reichts jetzt echt mit Ihnen, ich blockiere Sie jetzt, sorry. Zum Abschied noch ein Schweinchen für Sie (Laufzeit durch Generationszahl ersetzen)“, twitterte Christian Drosten, der Chef-Virologe vom Robert Koch-Institut (RKI) und doppelter Bundesverdienstkreuzpreisträger, am 19. November. Es ging um das angeblich exponentielle Wachstum von COVID-19-Erkrankungen, mit dem Politiker die Lockdowns begründen.

Dokument als pdf: https://ruhrkultour.de/wp-content/uploads/2020/11/Exponentielles_Wachstum_Stefan_Homburg.pdf

Was war geschehen?

„Exponentielles Wachstum“ oder Lockdown, das war die klare Ansage der Panikfraktion“, twitterte Stefan Homburg am 22. August. Er warf der Politik vor, irrational und verantwortungslos zu handeln. In diesem Zusammenhang wies er auf die minimalen Sterbezahlen in Schweden im Sommer hin: „bei uns braucht es dafür angeblich Maskenzwang, in Schweden nicht. Rationale Politik statt verantwortungsloser Panikmache, chapeau!“

Eine ausführliche Erklärung und „der Kern des Problems“ teilte Stefan Homburg in seinem Tweet am 22. September mit. Es sei sein wichtigster Tweet, „lesen Sie auf einer Seite, was exponentielles Wachstum bedeutet und wie irreführend es sein kann“, sagte er:

Exponentielles_Wachstum_Stefan_Homburg

Am 19. November twitterte Stefan Homburg: „Jetzt verstehe ich endlich, warum die Virologen ständig von „exponentiellem Wachstum“ faseln. Was @c_drosten für „exponentielles Wachstum hält“, nennen Mathematiker streng monotones Wachstum. Das liegt auch bei Herz- und Krebserkrankungen vor. Exponentielles Wachstum heißt KONSTANTE Wachstumsrate. Bei SINKENDER Wachstumsrate liegt KEIN exponentielles Wachstum vor. Beispiel f(x) = x mit Wachstumsrate f’/f = 1/x.

Dieser rein mathematischer Tweet hatte massive Folgen, sagt Stefan Homburg. „Erstens wurde er sofort als Regelverstoß gemeldet. Zweitens kamen hunderte Miniprofile, die sonst drüben unentwegt Beifall klatschen, mit wüsten Invektiven und den kuriosesten Ablenkmanövern.“

Einige Reaktionen zeigen den negativen Einfluss der „Panikfraktion“ auf das Urteilsvermögen von Menschen, die persönliches Leid empfinden.

Ob diese Tweets vielleicht im Zusammenhang mit dem 22-Millionen-Auftrag des Bundesministerium für Gesundheit (BMG) an eine Werbeagentur stehen, können wir nicht nachweisen. Die Werbefachleute wurden unter anderem mit dem permanenten Monitoring der Social Media-Kommunikation beauftragt, „um schnell in Echtzeit auf Falschmeldungen und aktuelle Entwicklungen reagieren zu können.“

Bundesministerium für Gesundheit (BMG)

In seiner Rede im Deutschen Bundestag betonte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am 18. November: „Steigende Infektionszahlen führen bei diesem Virus früher oder später zu steigendem Leid auf Intensivstationen. Ich bin sicher: Gemeinsam können wir das exponentielle Wachstum stoppen u. einen Kontrollverlust vermeiden.“

Jens Spahn absolvierte 2001 eine Ausbildung zum Bankkaufmann, ist seit 2002 Mitglied des Bundestages, studierte von 2003 bis 2017 Politikwissenschaft an der Fernuniversität Hagen, war von 2006 bis 2010 an einem Lobby-Unternehmen für den Medizin- und Pharmasektor beteiligt, gehörte 2017 zu den Teilnehmern der Bilderberg-Konferenz und ist seit 2018 Bundesminister für Gesundheit im Kabinett Merkel IV.

Der Virologe Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité Berlin, ist seit März 2020 omnipräsent. Er saß mit Jens Spahn auf Podien und wurde mit dem Podcast „Coronavirus-Update“ auf NDR Info zum Liebling besorgter Bürger. Hätte Spahn als Banker dem Virologen Drosten nicht erklären können, was exponentielles Wachstum bedeutet?

Der Finanzwissenschaftler, Professor für Öffentliche Finanzen und Direktor des Instituts für Öffentliche Finanzen der Leibniz Universität Hannover, hätte es gekonnt. „Sieht irgendjemand exponentielles Wachstum?“, fragt Stefan Homburg. Eine Kurzerklärung finden Sie in der Graphik rechts.

Aber Drosten und Spahn hören dem Fachmann Homburg nicht zu. Er teilt nicht die politische Wellenlänge der Regierung. Nach dem Zusammenbruch der Bank Lehmann Brothers Ende 2008 hatte sich Homburg öffentlich sehr entschieden gegen Bankenrettungen und schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme ausgesprochen. In der Minderheitenposition, die der Finanzwissenschaftler damals einnahm, soll er offenbar bleiben.

Der „Volkspetzer“ nennt Stefan Homburg, Sucharit Bhakdi und Wolfgang Wodarg „führende Corona-Leugner „, die aus Geldgier für eine Herdenimmunität plädieren, dadurch chronische Erkrankungen herbeiführen und somit die Pharmaindustrie bereichern wollen. Eine Impfung wäre aus der Sicht der Volksverpetzer billiger. „Der Vorteil für die Pharmafirmen ist der, dass chronische Patienten womöglich teure Medikamente praktisch die ganze Zeit nehmen müssen. Das bringt natürlich mehr Kohle, als die seltene Gabe von Antibiotika oder sogar die einmalige Gabe von Impfungen, die meistens recht günstig sind und teils sogar lebenslang vor Krankheiten schützen, die sonst womöglich teure Medikamente erfordert hätten. Nur mal so zur Einordnung: der Pharmakonzern Johnson&Johnson möchte seine COVID-19-Impfung für 10$ pro Dosis anbieten.“

Die Rechtsanwaltskanzlei Dr. Fuellmich hat beim Landgericht Berlin eine Klage gegen das Portal volksverpetzer.de eingereicht. Es geht um Unterlassung, Widerruf und Schadensersatz im Zusammenhang mit unwahren Behauptungen über Wolfgang Wodarg auf dem Portal der Volksverpetzer. Insbesondere geht es um die Unterstellung, dass Wodarg lüge, wenn er erklärt, dass SARS CoV‑2 PCR-Tests sehr wahrscheinlich oft ein falsch-positives Ergebnis haben. Die Volksverpetzer reagieren verstört auf die Klage, aber „Christian Drosten hat die Gefahr in einem Retweet sehr wohl erkannt“, heißt es dazu auf der Internetseite Corona Doks.

Titelbild: TilenHrovatic, pixabay

Ruhrkultour Literaturempfehlungen

Titelbild: davevs, pixabay

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

19 + 17 =