1. Sind die Inzidenz-Zahlen weitgehend nutzlos? (kla.tv/dpa)

kla.tv:

Die Inzidenz-Zahl [Anzahl der angeblich Infizierten je 100.000 Einwohner]

„…eine Inzidenz von zehn, das wäre eine coole Zahl, …und ich hatte schon im Frühjahr gesagt, dass das eine Zahl ist, wo wir wirklich gut regulieren können und das Geschehen kontrollieren können, und da hat sich meine Einschätzung nicht geändert.“

Hier enthüllt Wieler ein unerreichbares „Wunschziel“. Der von Wieler geforderte Inzidenzwert von 10 bedeutet, dass von 100.000 Einwohnern in einem Zeitraum von 7 Tagen nur 10 positiv getestet werden dürfen!

Selbst wenn der PCR-Test nur 2% falsch-positive Ergebnisse hätte, wäre der Inzidenzwert von 10 bereits bei 500 durchgeführten Tests pro 100.000 Einwohner erreicht. Würde man alle testen, hätte man einen „katastrophalen“ Inzidenzwert von 2.000 – nur einzig durch die Fehlerquote des Tests!

Allein durch die Nichtberücksichtigung der „Falsch-Positiv-Rate“ des PCR-Tests bei der Ermittlung des Inzidenzwertes kann Wieler der Bevölkerung eine völlig falsche „Infektionslage“ vortäuschen!

Durch die aktuelle Strategie der Bundesregierung mit einem geforderten Inzidenzwert von 50 oder gar 35 und gleichzeitiger Erhöhung der Anzahl der PCR-Tests kann der Lockdown durch diese selbstgemachte „Test-Pandemie“ so lange wie gewünscht aufrechterhalten werden. Obwohl es sich dabei zum überwiegenden Teil lediglich um positiv getestete, keinesfalls aber um erkrankte Personen handelt!

Hier verstößt das RKI gegen seine eigene Empfehlung vom 3.11.2020: „Eine Labordiagnostik sollte in der Regel nur bei Krankheitszeichen und Erfüllung der Testkriterien durchgeführt werden.“

Auch die WHO verweist darauf, dass der Aussagewert der Tests weitestgehend nutzlos ist, wenn die Getesteten keine Symptome aufweisen.

Da dies auf die überwiegende Mehrzahl der Getesteten zutrifft, muss das Testen mit PCR an Menschen ohne Symptome unverzüglich gestoppt werden! Ansonsten wird es beim aktuell geforderten Inzidenzwert von maximal 50 keinen Ausweg aus dem Lockdown geben!

dpa:

Im Film wird die Behauptung aufgestellt, Corona-Tests hätten eine Fehlerquote von zwei Prozent (ab Minute 10:14). Heißt in der Folge: Je mehr Tests, desto höher die Zahl falscher-positiver Befunde – desto höher auch der ermittelte Inzidenzwert. Beispiel: Testete man 100 000 Menschen, «hätte man einen katastrophalen Inzidenzwert von 2000 – nur einzig durch die Fehlerquote des Tests». Tatsächlich?

Doch für die aufgestellte Fehlerquote gibt es keinen Beweis. Große Laborbetreiber melden vielmehr, dass die Spezifität ihrer Tests (das Maß für den Anteil richtiger Ergebnisse) durch verschiedene Optimierungen bei 99,9 Prozent liege.

Getestet werden zudem nicht zuvorderst «Gesunde», sondern vor allem Menschen mit Symptomen oder Risikokontakten. Sind Infektionen in der untersuchten Gruppe stärker verbreitet, fällt der Effekt falsch-positiver Befunde auf die Inzidenz umso kleiner aus.

Ein Inzidenzwert von 10 ist, anders als bei Kla.TV behauptet, kein «unerreichbares Wunschziel». Zwischen Juli und September 2020, als umfänglich getestet wurde, lag der Inzidenzwert über Wochen deutlich unter 10.

Schlussfolgerung:

Die dpa-Faktenchecker verweisen auf ein einziges (!) Labor. Bis zum Stand 14.04.2021 haben sich laut RKI insgesamt über 250 Labore für die RKI-Testlaborabfrage oder in einem der anderen übermittelnden Netzwerke registriert und ihre Zahlen überwiegend wöchentlich übermittelt.
Der Inzidenzwert ist nie gleichbleibend, sondern abhängig von verschiedenen Faktoren, die wie Stellschrauben bedient werden können, zum Beispiel durch Erhöhung der Schnelltest. Die Faktenchecker widerlegen kla.tv auch in diesem Punkt nicht, beharren aber dennoch darauf, dass die Kritik an den Inzidenzwerten wie auch andere Tatsachen im Video „unbelegt, unangemessen verallgemeinert oder falsch“ seien..