Tagesspiegel: Sechs Todesfälle seit Dezember bestätigt

Auch die Zahl der Infizierten stieg deutlich. Inzwischen gibt es 308 bestätigte Fälle in China, berichtete das Staatsfernsehen. Darunter entfallen 270 Infektionen allein auf die Provinz Hubei mit der Metropole Wuhan, wo das neuartige Virus seinen Ausgang genommen hatte.

Insgesamt fünf Fälle wurden aus Thailand, Japan und Südkorea gemeldet, alle soweit bekannt bei Personen, die sich in Wuhan aufgehalten hatten. Am Dienstag meldeten die Gesundheitsbehörden in Taiwan erstmals eine Erkrankung.

Auch in den USA wurde erstmals ein Fall der neuen Lungenkrankheit nachgewiesen

Das Virus, von der Weltgesundheitsorganisation bislang „2019-nCoV“ benannt, gehört wie Sars und das gelegentlich in Nahost auftretende Mers zur Familie der Coronaviren. Es befällt obere und untere Atemwege und kann Lungenentzündungen auslösen. Bisher stammen Patienten aus fast allen Altersgruppen, Männer und Frauen sind in etwa gleich häufig betroffen. Auch viele normale Erkältungen werden durch – allerdings andere – Coronaviren, die meist nur die oberen Atemwege befallen, verursacht.

Diese Virengruppe gilt als deutlich weniger infektiös als etwa Grippeerreger (Details erklärt der renommierte Virologe John Oxford im Interview). Ob das auch für 2019-nCoV gilt, ist nicht abschließend geklärt. Ob die derzeit bekannten Fakten auf eine besondere Virulenz hindeuten, ist bei Experten noch umstritten.

Bis Montag war nicht einmal sicher nachgewiesen, dass das Virus überhaupt von Mensch zu Mensch übertragen wird. Dies gilt jetzt allerdings als nachgewiesen, auch aufgrund der Krankenhausangestellten, bei denen der Erreger nun nachgewiesen wurde.

In den Reisehinweisen des Auswärtigen Amtes wird selbst das Infektionsrisiko für deutsche Reisende in Wuhan „als moderat eingeschätzt“. Ihnen wird geraten, den Kontakt mit kranken Menschen und Tieren sowie Märkte mit Tierprodukten zu meiden und „gesteigert auf eine adäquate Handhygiene“ zu achten. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt bislang keine Reisebeschränkungen.

Auch wenn Chinas Nationale Gesundheitskommission mittlerweile die Übertragbarkeit des Virus von Mensch zu Mensch bestätigte, geht das deutsche Robert-Koch-Institut von Einzelfällen aus. Es gebe weiterhin „keine Hinweise auf eine fortgesetzte Übertragung von Mensch zu Mensch“, heißt es.

Die Bundesbehörde verweist zudem auf eine aktuelle Risikoeinschätzung des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC), wonach das Risiko einer weiteren Ausbreitung innerhalb der EU, sollte ein Fall festgestellt werden, „als gering bis sehr gering“ anzusehen ist.

Entsprechend schätzt das deutsche Robert Koch-Institut das Risiko für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland „zurzeit als sehr gering“ ein. Diese Einschätzung könne sich allerdings aufgrund neuer Erkenntnisse kurzfristig ändern.

Das Robert-Koch-Institut beobachtet die Entwicklungen bei dem neuartigen Virus und steht dazu mit der WHO im Kontakt. Die Berliner Charité hat nach Angaben ihres Virulogen Christian Drosten bereits „alle Testsysteme hoch gefahren“, um eine Infektion mit dem neuen Coronavirus bei Bedarf schnell nachweisen zu können.

„Wir müssen damit rechnen, dass wir Fälle nach Deutschland bekommen“,sagte Drosten am Morgen im „Deutschlandfunk“. „Deutsche Kliniken sollten sich bereits jetzt darauf vorbereiten, solche Patienten behandeln zu können.“ Bei einer – aus heutiger Sicht sehr unwahrscheinlichen – größeren Ausbreitung des Coronavirus könnte Deutschland seinen Nationalen Pandemieplan umsetzen.

Temperaturmessen bei Passagieren, wie es auf Flughäfen in anderen Ländern derzeit als Vorsichtsmaßnahme praktiziert wird, hält Charité-Experte Drosten für wenig sinnvoll. Schließlich verzichteten Kranke mit Symptomen eher auf eine Reise, sagte er im Deutschlandfunk. Bei Infizierten, bei denen sich das Virus noch in der Inkubation befinde, trete hingegen noch kein Fieber auf. Fiebermessen auf Flughäfen habe daher eher eine „psychologische“ Wirkung.

https://www.tagesspiegel.de/wissen/6-tote-durch-lungenkrankheit-aus-wuhan-erster-fall-von-coronavirus-in-den-usa/25452802.html