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Wer kritisiert, wird abserviert – Uni Wien kündigt Prof. Dr. Andreas Sönnichsen

Prof. Dr. Andreas Sönnichsen erhielt zum 1. März 2022 die Kündigung der Medizin-Uni Wien. Dort war Sönnichsen seit Oktober 2018 Leiter der Abteilung für Allgemein- und Familienmedizin am Zentrum für Public Health. Die Universität wirft Sönnichsen laut ORF vor, er habe sich nicht an die CoV-Vorgaben gehalten und offenbar auch Studierende aufgefordert, diese zu ignorieren. Darüber hinaus seien Weisungen nicht befolgt worden.

Der Mediziner sei mit sofortiger Wirkung dienstfrei gestellt worden. Tatsächlich geht es um mehr. Der ORF erwähnt, dass Sönnichsen sich seit dem Vorjahr wiederholt medial gegen die Anti-Coronamaßnahmen und die COVID-Impfungen geäußert habe.

Die Uni reagierte nicht zum ersten Mal mit einer Distanzierung zu dem Mediziner. Das Statement der Uni auf seiner Abteilungs-Homepage spricht ihm sogar das Expertentum in Sachen Biologie, Diagnose oder Therapie von Viruserkrankungen ab.

Andreas Sönnichsen – Wissenschaftler und Arzt

Andreas Sönnichsen gibt sich nicht als Biologe oder Virologe aus, wie das Statement der Medizin-Uni Wien suggerieren könnte. Er kritisiert aus seiner Sicht als Facharzt für Innere Medizin und als Wissenschaftler die Verstrickungen von Politikern in Interessenkonflikten mit Industrie und Lobbyisten rund um COVID-19.

Den Politikern wirft Sönnichsen vor, weitgehend losgelöst von denen zu agieren, die sie gewählt haben. Er sagt: „Das große Geld steht überall im Mittelpunkt, gerade auch im Gesundheitsbereich, wo die Interessen der Patientinnen zwischen den Profitinteressen von Pharmakonzernen, Krankenhaus-Investmentgesellschaften und leider auch Ärztinnen verloren gegangen sind. Die Situation im Gesundheitsbereich ist aber nur eines der Symptome für ein generell krankes System.“

Als Universitätsprofessor für Allgemeinmedizin beschäftigt sich Sönnichsen seit vielen Jahren mit Versorgungsforschung und Gesundheitspolitik. Er unterrichtete als Leiter des Instituts für Allgemeinmedizin und Familienmedizin an der Universität Witten/Herdecke die Studierenden der Humanmedizin und führte wissenschaftliche Untersuchungen zur Optimierung der hausärztlichen Patientenversorgung durch.

Parallel dazu arbeitete der Mediziner an drei Halbtagen in einer Wittener Praxis als Arzt. Darüber hinaus engagierte er sich in der Wittener Kommunalpolitik. Sönnichsen war zu dieser Zeit Ratsmitglied des Bürgerforums, ein Gegenentwurf zur festgefahrenen Politik der lokalen Parteien SPD, CDU und Grünen.

Zum Oktober 2018 wurde Sönnichsen auf die Professur für Allgemeinmedizin mit Leitung der Abteilung für Allgemein- und Familienmedizin, Zentrum für Public Health an der Medizinischen Universität Wien berufen.

ACU – Außerparlamentarischer Corona-Untersuchungsausschuss

Andreas Sönnichsen ist Mitglied des Außerparlamentarischen Corona-Untersuchungsausschusses (ACU) und auch Mitglied der Partei Die Basis.

Ihn beschäftigt ein Problem, dem sich eigentlich Politiker und Mediziner an Universitäten stellen müssten. Ihrem Versäumnis ist die Entstehung des ACU zu verdanken, der untersucht, „warum die einschränkenden Maßnahmen im Zuge von COVID-19 über die Bevölkerung gekommen sind“ und „ob es eine Verhältnismäßigkeit zu den drastischen Regierungsmaßnahmen gibt.“

Seine wissenschaftliche und gesellschaftspolitische Grundhaltung muss der Universität Wien bereits bei der Berufung zum Oktober 2018 bekannt gewesen sein.

Frei von Interessenkonflikten, Macht- und Gewinnmaximierung

Unter dem Motto: „Wir haben die Erde nicht von unseren Eltern geerbt, sondern von unseren Kindern geliehen“, schuf Sönnichsen eine eigene Webseite, in der er „frei von Interessenkonflikten, Macht- und Gewinnmaximierung“ objektiv und sachlich informieren und „gerne auch wissenschaftsbasiert“ diskutieren will. Er hofft, damit die Welt „auf diese Weise ein bisschen besser zu machen“.

Er sei Arzt geworden, um Leiden zu lindern, Heilung zu unterstützen, sich den Menschen in Krankheit und Not zuzuwenden und die Gesundheit als höchstes Gut zu achten und zu fördern, sagt Sönnichsen.

Als wichtigstes Ziel aller medizinischen Maßnahmen habe für ihn von Anfang an „Primum nihil nocere“ – keinen Schaden verursachen – im Zentrum aller ärztlichen Tätigkeit gestanden.

„Primum nihil nocere“ ist ein Grundsatz, durch den sich Ärzte im Sinne des hippokratischen Eids verpflichten, dem Patienten nicht zu schaden. Ärzte, die sich der Genfer Deklaration und dem Nürnberger Kodex verpflichtet fühlen, wägen ihre Maßnahmen stets sorgfältig und auch die sozialen Aspekte umfassend ab.

Zuviel des Guten für die Wiener Universität?

In Sinne der ethischen Grundsätze der Ärzte nimmt Sönnichsen einen kritischen Standpunkt zur praktizierten Standardmedizin ein. Er befasst sich seit Jahren wissenschaftlich vor allem mit Themen der Patientensicherheit, den Schäden durch Überdiagnostik, Übertherapie und Polymedikation. Dies kann der Medizin-Uni Wien zum Zeitpunkt seiner Einstellung nicht neu gewesen sein.

Sönnichsen war von 2019-2021 Vorsitzender des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin und kämpfte auch in dieser Funktion gegen Interessenkonflikte und Lobbyismus in der Medizin.

Seit dem Beginn seiner Beschäftigung an der Wiener Universität sind bis zur Kündigung nur zwei Jahre vergangen. Was ist in dieser Zeit geschehen, dass die Wertschätzung der Universität für ihren Mediziner verloren ging? Die Antwort auf diese Frage hängt mit der Corona-Krise zusammen.

Er habe im Umgang mit der SARS-CoV-2-Pandemie „sehr früh einen kritischen Standpunkt eingenommen“, sagt Andreas Sönnichsen. Für ihn zählten nicht nur die Anzahl der Testpositiven und der Corona-Toten, „sondern auch die immensen Kollateralschäden“.

In Sitzung 80 des Corona-Ausschusses, der im Sommer 2020 von vier Rechtsanwälten gegründet wurde, sprach Prof. Dr. Andreas Sönnichsen am 27. November 2021 über 3G am Arbeitsplatz und Impfpflicht in Österreich.

Heute lebt Andreas Sönnichsen mit seiner Familie in Salzburg und München. Er ist in Hamburg geboren und in München aufgewachsen, hat an der Illinois Wesleyan University in Bloomington, Illinois, USA, und an der Ludwig-Maximilians-Universität in München Medizin studiert, anschließend dort seine Facharztausbildung für Innere Medizin absolviert und sich als hausärztlicher Internist niedergelassen. Bevor er vor 2012 nach Witten kam, war Sönnichsen 14 Jahre als Hausarzt in München tätig.

https://www.acsoe.de/

Titelbild: menahemyaniv, pixabay

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Im Gespräch: Prof. Andreas Sönnichsen bringt Ärztekammer und Med-Uni in Erklärungsnot

https://auf1.tv/aufrecht-auf1/im-gespraech-prof-andreas-soennichsen-bringt-aerztekammer-und-med-uni-in-erklaerungsnot/


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