Windparks sind die “neuen Spitzenraubtiere”

“Windparks” gelten trotz der Kritik als eine sauberere Alternative zu fossilen Brennstoffen. Ihnen wird unterstellt, die Auswirkungen des Klimawandels mildern zu können. Im Biodiversitäts-Hotspot der Western Ghats in Indien stellten Forscher jedoch komplexe ökologische Folgen von Windparks fest. Es besteht aus ihrer Sicht ein starker Bedarf an einer ökosystemweiten Sichtweise, wenn die Ziele der grünen Energie mit dem Umweltschutz in Einklang gebracht werden. Sie fanden heraus, dass Windkraftanlagen die Anzahl und die Aktivität von Raubvögeln stark reduzieren, wodurch die Eidechsendichte zunehme. Dadurch würden Kaskadeneffekte ausgelöst, deren Auswirkungen stark unterschätzt würden.

 

Windparks sind die “neuen Spitzenraubtiere”

Vanishing
Prerna Singh Bindra: The Vanishing India’s Wildlife Crisis.  ⇒Hier erhältlich.

Windparks sind die “neuen Spitzenraubtiere”, schreibt die Daily Mail: Die Rotorblätter der Windkraftanlagen töten 75% der Bussarde, Falken und Adler, die in der Nähe leben. Die Anzahl der Raubvögel sei in Gebieten, die von Windkraftanlagen entfernt stehen, viermal höher. Dies habe eine verheerende Wirkung auf die gesamte Nahrungskette und bedeute, dass die Anzahl bestimmter Kleintiere unkontrolliert wächst.

Bisher habe man sich nur auf die Vögel und Fledermäuse konzentriert, die am anfälligsten für den Aufstieg der landschaftszerstörenden Maschinen seien, sagen die Forscher. So bezeichnete beispielsweise die Naturschützerin und Journalistin Prerna Singh Bindra den Tod einer jungen, von einem Windrad erschlagenen Großen Indischen Trappe als “eine ökologische Katastrophe”. Weltweit gebe es schätzungsweise nur noch 150 Vögel dieser Spezies.

 

Folgen für die Nahrungskette

Die Mitautorin der Studie, Professorin Maria Thaker, sagte: „Wir wissen aus vielen Studien, dass Windparks Vögel und Fledermäuse beeinflussen. Sie töten sie und stören ihre Bewegungen. Aber wir sind noch einen Schritt weiter gegangen und haben festgestellt, dass auch Eidechsen davon betroffen sind.”

Die Forscher des Indian Institute of Science in Bengaluru untersuchten die Eidechsen- und Vogelbestände an drei Windkraftanlagen in den Western Ghats. Sie halten weitere Untersuchungen über die Auswirkungen auf die verschiedenen Arten, die in der Nahrungskette aufeinander folgen und das empfindliche Gleichgewicht der Natur beeinträchtigen, für erforderlich.

Die Nachrichten gelten als besonders besorgniserregend, da die meisten Windparks in Umgebungen errichtet werden, in denen Vögel normalerweise vorkommen. In Gebieten mit Windparks fanden sie fast viermal weniger Bussarde, Falken und andere Greifvögel – ein Verlust von etwa 75 Prozent.

In Gebieten ohne Windkraftanlagen konnten sie alle drei Stunden etwa 19 Vögel feststellen. In Gebieten mit Windrädern verringerte sich ihre Anzahl auf etwa fünf Vögel. Dies habe zu einer starken Zunahme der Fächer-Kehlkopfechse geführt, einer Spezies, die nur auf dem indischen Subkontinent zu finden ist, und ein beliebter Snack der Raubvögel sei, stellten die Forscher fest. Das Reptil zeige niedrigere Niveaus des Stresshormons Corticosteron. Es habe seine Lebensweise geändert. So sei es zum Beispiel den Menschen gelungen, viel näher als sonst an sie heran zu kommen, bevor sie davonliefen. Denn ohne Raubvögel waren sie weniger ängstlich geworden.

Die in Nature Ecology and Evolution veröffentlichte Studie vergleicht Populationen von Raubvögeln und Eidechsen auf einem Plateau, auf dem sich seit rund 20 Jahren ein Windpark befindet, mit einem benachbarten Tal ohne Turbinen. Es wurden auch Blutproben von 144 Eidechsen entnommen, die an den beiden Orten im nördlichen Bereich des Gebirgszugs aufgenommen wurden.

Windturbinen sind dafür bekannt, große Vögel wie Steinadler zu töten. Dass der Niedergang von Raubtieren an der Spitze von Nahrungsketten den wohl größten Einfluss der Menschheit auf die natürliche Welt darstellt, wurde bisher kaum thematisiert. Das Problem gelte nicht nur für Raubvögel, sondern auch für andere Raubtiere, wie zum Beispiel Wölfe und Löwen an Land, Wale und Haie in den Ozeanen und große Fische in Süßwasserökosystemen, sagen die Forscher.

 

Auswirkungen auf Windparks auf der ganzen Welt

Jedes Mal, wenn ein Raubtier entfernt oder hinzugefügt werde, dringen unerwartete Effekte durch das Ökosystem, sagt Maria Thaker. Was hier eigentlich passiere, sei, dass einem Top-Raubtier im Ökosystem ein Spitzenraubtier hinzugefügt werde.

Die Analyse in Indien habe Auswirkungen auf Windparks der ganzen Welt, sagen die Forscher. Die Überlegungen gelten auch für Deutschland, wo Raubvögel wie Eulen und Adler zu den Top-Raubvögeln zählen.

Obwohl das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nach eigenen Angaben die Aufgabe hat, “Risiken von Stoffen, Mikroorganismen, Produkten und Verfahren für die menschliche Gesundheit abzuschätzen, zu bewerten, ggf. Maßnahmen zur Risikominderung oder -vermeidung zu empfehlen und Handlungsoptionen aufzuzeigen”, herrscht praktisch ein Forschungsstillstand. Untersuchungen über die Auswirkungen von Windkraftindustrieanlagen erfolgen in Deutschland gar nicht, nur halbherzig oder nur vereinzelt, oder die negativen Auswirkungen werden schlichtweg geleugnet.

Dies gilt für alle Fragen, die den weiteren Ausbau von Windkraftanlagen hemmen oder sogar den Rückbau zur Folge haben könnten. Dies gilt unter anderem auch für den Infraschall durch Windkraftanlagen. Im dichtbesiedelten Deutschland und bei mittlerweile 30.000 Windkraftanlagen ist dies eines der größten Probleme. Zuletzt hat das ZDF den  Infraschall in einer sehr gut recherchierten Sendung thematisiert: Infraschall – Unerhörter Lärm. Das Video ist bis zum 01.11.2019 verfügbar.

Ein weiteres zentrales Problem ist, dass nicht nur in Deutschland der Wind immer schwächer wird. International ist das Problem als Wind Stilling bekannt. Meteorologen haben die ständig zunehmende Zahl von Windrädern als Ursache im Verdacht. Die Folgen für das gesamte Ökosystem sind gravierend: „Der schwächere Wind sorgt für einen geringeren Luftaustausch. Dieser wiederum treibt die Schadstoffkonzentration in unserer Luft in die Höhe. Vor allem im Sommerhalbjahr bedeutet der fehlende Wind auch mehr Hitze im Binnenland und weniger Land-Seewind-Zirkulation. Dazu kommt auch noch, dass durch die Generatoren die Luft erwärmt wird, wie weitere Studien gezeigt haben.“

Bisher gelte der Wind als eine – wenn auch unbeständige und schlecht berechenbare – fast unerschöpfliche Energiequelle. Dass man durch die Windräder etwas seiner Energie abschöpft, galt als zukunftsweisende Errungenschaft. Dieser Traum, ist offenbar ausgeträumt. Die Bundesregierung hält dennoch daran fest. Ohne Rücksicht auf eine Nutzen/Schaden-Abwägung hat sie Deutschland in ein Großlabor verwandelt, von dem andere Staaten lernen, wie sie es auf keinen Fall machen dürfen.

Bernd Fischer

 

Bild: Fotomontage

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