Rentierweidegebiete müssen der Windindustrie weichen

Bisher wurden in Norwegen 33 Lizenzen für Windkraft in Rentierweidegebieten erteilt. Jede dieser Lizenzen bedeutet eine geringere Lebensgrundlage für Rentierherden und für Familien, die von Rentierherden leben.

Die Rentierbesitzer in Norwegen sind zwar froh über die Höhe der angekündigten Entschädigungen, aber sie wissen, dass ein Teil der Kultur verschwinden wird. Fosen Vind errichtet auf der Halbinsel Fosen Europas größtes Onshore-Windkraftprojekt, sechs große Windparks in Trøndelag. Ein Berufungsgericht hat entschieden, dass große Weiden, insbesondere die Gebiete Roan und Storheia, an die Windparks verloren gegangen sind, berichtet Norsk rikskringkasting (NRK), die staatliche Rundfunkgesellschaft in Norwegen.

Die Entschädigungen werden laut NRK die Kosten decken, die den Rentierbesitzern entstehen, wenn sie für die bisher frei wandernden Rentierherden Zäune bauen und auf Winterfütterung umstellen müssen.

Entwicklung der Windkraft auf 40 Prozent der norwegischen Landfläche

Rechtsanwalt Andreas Brønner erklärt, dass das Urteil bei bevorstehenden Windkraftprojekten wichtig sein könnte. Es heißt, dass Windkraftanlagen und Rentierhaltung nicht kompatibel seien, um in demselben Gebiet zu arbeiten. Die Entscheidung könne dazu beitragen, die Entwicklung der Windkraft auf 40 Prozent der norwegischen Landfläche, d.h. auf der gesamten Weidefläche für samische Rentiere von Hedmark im Süden bis Finnmark im Norden, zu erweitern, erklärt Brønner. Das Urteil ist offenbar noch nicht rechtskräftig.

Die „Windparks“ entstehen mitten in Weidegebieten. Die Rentierherde wandert dorthin, wo sie Futter findet, und das Leben der Rentierbesitzer ist danach ausgerichtet, wo die Herde sich aufhält. Diese Wanderrouten werden durch Windkraftanlagen zerstört. Die Samen stützen ihre Argumente auf Berichte aus Lappland, dass die Windräder nicht nur die Vögel vertreiben, sondern auch die Rentiere.

Von Freunden in Schweden wisse sie: wo Windparks entstanden sind, verschwinden nach und nach die Rentiere. Dies fand die Rentierforscherin Anna Skarin von der Universität Uppsala in Studien heraus: „Sie wollen die Anlagen weder sehen noch hören.“ Sie sagt: „Bei zwei der untersuchten Windkraftanlagen in Schweden und in einer neuen Studie aus Norwegen haben wir festgestellt, dass Rentiere die Nutzung dieser Gebiete innerhalb von 3 bis 5 km von solchen Anlagen reduziert haben.“

Die Forschungsergebnisse seien zum Teil widersprüchlich, sagt Anna Skarin. Es müsste weiter geforscht werden. Um das Wissen über die Auswirkungen der Windenergie auf Rentiere zu erweitern, seien Langzeitstudien erforderlich, die die kumulativen Auswirkungen von Windkraftanlagen berücksichtigen, einschließlich anderer kumulativer Auswirkungen innerhalb des Hütebezirks. Die notwendige Zeit für Forschung gewährten bestimmte Menschen nicht, wenn es Milliarden Euro zum Verteilen an Profiteure gibt und die Verteiler an den Machthebeln sitzen und fürchten müssen, dass der Klimaalarmismus die Menschen nicht mehr lange in Angst und Panik versetzt.

Kolonisten rauben den Sami die Lebensgrundlagen

Svein Lund und Piera Jovnna Somby weisen auf einen anderen Aspekt hin. Sie sagen, dass viele Sami das Vorgehen der Windindustrie mit den Kolonisten vergleichen, die in Noramerika Bisonherden abschossen, um den Ureinwohnern die Lebensgrundlage zu rauben. Für ihren Beitrag habe die Nature Conservation Association nicht verantwortlich zeichnen wollen, sodass beide Autoren ihn in eigenem Namen veröffentlichten.

Der Herausgeber von Enerwe.no, die Lund und Somby als Propaganda-Agentur der Windkraftprofiteure betrachten, stellt sich bei Facebook mit den Worten vor: „Wir halten die Energiedebatte sachlich, faktenbasiert und lebendig“ Enerwe sei verrückt geworden, weil ein Mitglied von Motvind auf die Fortschritte der Windkraftunternehmen bei der Weidefläche von Rentieren für ethnische Säuberungen hingewiesen habe. Der Herausgeber habe sogar eine Zensur gefordert und verlangt, dass solche Dinge in norwegischen Medien nicht gesagt werden dürfen. Motwind Norwegen repräsentiere die breite Opposition gegen die Windindustrie in Norwegen. Die Mitgliedsorganisation wurde 2019 gegründet und sei die Quelle für die Opposition gegen den brutalen Ausbau der Windkraft im ganzen Land.

Die Behandlung der Windkraft in norwegischen Medien sei an sich schon eine Katastrophe, sagen die Autoren. Zwischen unabhängigen Analysen und der unkritischen Darstellung der Lügen, dass Windkraft für die „grüne Transformation“ notwendig sei, lägen Meilen. Kritische Stimmen würden größtenteils auf die Chronik und den Debattenraum bezogen, aber jetzt soll auch dieses Resort geschlossen werden.

Enerwe.no gehe nicht auf die Grundlage der Vorwürfe der ethnischen Säuberung in Worten ein. Damit ist der große Schaden gemeint, den die Entwicklung der Windenergie für die Rentierhaltung und die einfachen Menschen in Norwegen verursacht. „Wir, die wir dies schreiben, sind ernsthaft besorgt darüber, wozu die laufende Entwicklung der Windkraft in Zukunft für die Rentierhaltung und die samische Kultur führen wird.“

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Ethnische Säuberung

Kann man das ethnische Säuberung nennen?, fragen Lund und Somby. In dem kritisierten Artikel heiße es, dass „eine Volksgruppe durch Zwang, Druck oder Angst aus einem bestimmten Landgebiet vertrieben wird“. Die Autoren erklären: „Es muss also weder Völkermord noch direkte Anwendung von Gewalt geben. In der Weltgeschichte haben wir viele Fälle ethnischer Säuberungen gesehen. Nicht jeder war so brutal wie die Vernichtung von Juden und Rumänen durch die Nazis oder das Verhalten europäischer Kolonisten in Amerika und Australien. Wir können die Vertreibung der Deutschen aus dem heutigen Polen und der Polen aus der heutigen Ukraine nach dem Krieg, die Vertreibung der Palästinenser durch Israel und viele mehr erwähnen. Ethnische Säuberungen müssen nicht durch Gewalt geschehen.“

Unabhängig von den Methoden sei die Absicht und das Ergebnis, einer Volksgruppe die Grundlage für das Leben in und außerhalb des Gebiets, in dem sie seit langem ihre Lebensgrundlage hat, zu nehmen. „Während der Kolonialisierung der amerikanischen Prärie schossen die Kolonisten die Bisonherden ab, um die Ureinwohner zu brechen. Viele Sami haben dies mit der heutigen Politik verglichen, die Rentierhaltung der Sami zu verhindern. „Seit mehreren hundert Jahren versuchen die norwegischen und schwedischen Behörden, die Sami zu kolonisieren, indem sie ihnen Sprache, Kultur und Wirtschaft entziehen. Dies ist ihnen weitgehend klar. Die samische Sprache ist praktisch verschwunden, ebenso wie die industrielle Basis. Bleibt dann die Rentierhaltung, die jetzt von praktisch allen Seiten angegriffen wird, von staatlichen Vorschriften, Minen, touristischen Einrichtungen und vor allem Windkraft.“ Jede der Maßnahmen verringere den Lebensunterhalt der Rentierherden und der Rentierherdenfamilien. Darüber hinaus gebe es doppelt so viele Anträge, die noch nicht bewilligt worden seien.

Lund und Somby stellen fest, dass gleichzeitig eine Reihe von Windkraftunternehmen daran arbeitet, Rentierzuchtgebiete für neue Windkraftanwendungen zu kartieren. „Das Interesse der Spekulanten im In- und Ausland scheint grenzenlos. Für sie ist es „grüne Energie“. Wir bezeichnen dies als den größten Gesamtangriff auf die Rentierzuchtindustrie aller Zeiten und als den größten Angriff auf die samische Kultur seit der norwegischen Forschungsperiode.“

Es sei tragisch, dass dies zur gleichen Zeit geschieht, in der die „Wahrheits- und Versöhnungskommission“ gerade dabei sei, frühere Forschungen zu korrigieren. Svein Lund und Piera Jovnna Somby kommen zu dem Ergebnis:

„Wir haben das Wort „ethnische Säuberung“ bisher nicht verwendet, aber nach dem oben genannten Beitrag stellen wir fest, dass es tatsächlich die Grundlage dafür gibt. Um den samischen Ureinwohnern Norwegens die Grundlage für das Leben von ihren traditionellen Industrien und die Ausübung ihrer traditionellen Kultur zu entziehen, muss dies als ethnische Säuberung bezeichnet werden. Wenn die Propagandisten der Windkraftprofiteure darauf reagieren, zeigt dies nur, dass sie an einem wunden Punkt getroffen wurden.“

Vergrämung

Die „ethnische Säuberung“ geschieht nicht mit vorgehaltenen Waffen, sondern durch eine subtile Anwendung von Gewalt. Aus der Jägersprache stammt der Begriff Vergrämung, der seiner Wortherkunft nach von Gram, in der ursprünglichen Bedeutung „Groll“, abgeleitet ist. Unter Vergrämung ist das (dauerhafte) Vertreiben oder Fernhalten von Wildtieren und Wild zu verstehen, gewollt oder unabsichtlich (z. B. durch Lärm oder Vortäuschen natürlicher Feinde).

Quellen:

https://www.slu.se/fakulteter/vh/forskning/forskningsprojekt1/ren/vindkraft-i-driftsfas-och-effekter-pa-renar-och-renskotsel/

https://brage.nina.no/nina-xmlui/handle/11250/2446889

https://vefsnno.no/det-er-til-naa-gitt-33-konsesjoner-til-vindkraft-i-reinbeiteomraade-hvert-av-disse-betyr-redusert-livsgrunnlag-for-reinflokker-og-for-familier-som-lev/15.05-02:27

https://motvind.org/om/



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