Frøya – “I came here to dance”

Mit der Lebensqualität und dem Tourismus könnte es auf der Insel Frøya bald vorbei sein. Denn die Stadtwerke der Landeshauptstadt München (SWM) werden in Absprache mit der norwegischen Regierung dort 14 Windräder bauen, jedes von ihnen 180 Meter hoch.

Ein Bild, das Anne M. Eiesland zur Herbstausstellung von Kvina kunstnarlag allen Windkraftgegnern widmet, “die für das Land kämpfen, das ich liebe, und ein besonderes Dankeschön an alle, die “Nein zu Windkraftanlagen auf Frøya” sagen.

Frøya kommt unter die Räder

Frøya gehört zu einer Inselkette vor der Küste Mittelnorwegens. Etwa 4 500 Menschen leben auf der kleinen Insel. Der größte Teil der Gemeinde ist Teil des Naturreservats Froan. Im Reservat brüten rund 50 verschiedene Vogelarten. Außerdem gibt es unzählige Vögel, die das Gebiet kurzzeitig besuchen.

visitnorway wirbt für den Tourismus: “Mancher Tourist findet den Weg hierher, um die ganze Sommernacht lang zu angeln, während andere hierherfahren, um Seeadler beim Fischen zu beobachten oder um mit der Kamera eine Erinnerung fürs Leben festzuhalten.”

Den Seeadler könne man überall in den Schären sehen, verspricht visitnorway. Das wird stimmen – solange die Seeadler nicht mit einem der bisher geplanten 42 Rotorblätter kollidieren.

Die bayerische Landeshauptstadt München streckt jedoch ihre Finger nach Norwegen aus. Sie ist “ehrgeizig” und will sich als erste Millionenstadt der Welt ausschließlich mit erneuerbaren Energien versorgen. Koste es, was es wolle? Nun ja, es sind 250 Millionen Euro für die Verspargelung Frøyas im Klima-Spieltopf.

Die Partner

Partner beim Bau der Windkraftanlagen auf Frøya sind die Stadtwerke München (SWM) und die Midgard Vind Holding AS.

Stadtwerke München

Die Stadtwerke München (SWM) sind eines der größten deutschen kommunalen Versorgungs- und Dienstleistungsunternehmen. Ihre Einnahmen betragen mehr als 8 Milliarden Euro. Beschäftigt sind dort rund 9.000 Mitarbeiter.

Die SWM haben laut Geschäftsbericht 2018 Anteile an der Midgard Vind Holding AS in Höhe von 104 Mio. EUR erworben.

Midgard Vind Holding AS

Sitz der Midgard Vind Holding AS ist Trondheim, Norwegen. Das Unternehmen wurde erst am 02.07.2018 als Aktiengesellschaft mit einem Aktienkapital von NOK 3.006.000 (rund 300.000 Euro) registriert. Als Unternehmenszweck wird “Entwicklung und Finanzierung von Windenergieprojekten durch direkten oder indirekten Besitz sowie Bau und Betrieb der Windenergieanlagen, Erzeugung von Strom aus Windenergie, Umwandlung dieser Energie und Umwandlung der damit verbundenen Stromzertifikate sowie Ausübung von Tätigkeiten, die in einem natürlichen Zusammenhang stehen dies” genannt. Es ist keine Firmenwebsite registriert.
Es werden drei Angestellte angegeben; Der Vorstand besteht aus 4 Männern.

Zahlentricks aus München

Bis 2025 wollen die Stadtwerke München (SWM) so viel Ökostrom produzieren, dass es für alle Wohnungen, Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen reicht, berichtet das Handelsblatt.

Die Anlagen auf Frøya sollen so viel regenerative Energie produzieren, wie etwa 409 000 Münchener Haushalte verbrauchen. Bei dieser Angabe fehlt allerdings der Vermerk “Nennleistung”. Der fundamentale Unterschied zwischen elektrischer Leistung (der rechnerischen Kapazität) und elektrischer Arbeit (der tatsächlichen, erbrachten Stromproduktion) wird von Windkraftbetreibern in der Regel aus gutem Grund vermieden. Denn es kommt schließlich nur auf das Zertifikat und nicht auf die erbrachte Leistung an.

Auf der Suche nach einem Mitspieler beim großen Energiespiel wurden die SWM ausgerechnet in Norwegen fündig. Norwegen braucht selbst keine Windräder. 93 Prozent seiner Energie stammt aus Wasserkraft. Und die bereits vorhandenen Wasserwerke ließen sich modernisieren, sodass Norwegen komplett auf Windenergie verzichten könnte.

Der Strom muss auch nicht real von Norwegen nach München fließen, er kann ins europäische Stromnetz eingespeist werden und sich dort mit Strom aus Kohle und Kernkraft mischen. Das ist dem grünen Gewissen der Stadtwerken München egal. Was für sie zähle, sei die Bilanz, argumentieren die Bayern laut Handelsblatt.

Bürgerinitiative gegen “deutsche Besatzung”

Ihren Stadtpark wollen die Münchner keinesfalls für den Deal mit dem Windstrom opfern. Und die bayerischen Wälder sind durch die im Freistaat geltenden Abstandsregelung weitgehend geschützt. Der Bau von platzraubenden Windkraftindustrieanlagen scheitert in Deutschland zunehmend an fehlenden geeigneten Flächen und an den Protesten der Anwohner.

Aber auch in Norwegen wachse überall der Widerstand gegen Windkraftanlagen, berichtet das Handelsblatt.

Die Menschen auf Frøya wollen jedenfalls nicht für das gute Gewissen der Münchener bezahlen. In Lokalzeitungen und sozialen Netzwerken ist laut Handelsblatt von „deutscher Besatzung“ und einem „neuen Kolonialismus“ die Rede. Nach wochenlang dauernden Blockaden der Baustelle habe die Gemeinde, die 2016 schon eine Genehmigung für die Pläne erteilt hatte, überraschend die Fortsetzung der Arbeiten untersagt. Erst als sich Norwegens Energieminister Kjell-Børge Freiberg einschaltete, habe sich das Blatt im Mai 2019 gewendet. Inzwischen sei klar, dass die Stadtwerke München ihren Windpark bauen dürfen.

Wenn sich deutsche Kolonialherren mit den Machthabern und Unternehmen vor Ort einigen und die Bevölkerung überrumpeln können, haben die Menschen das Nachsehen. Aber am Widerstand der Bevölkerung ist bisher jede Form des Kolonialismus und Imperialismus zerbrochen. Die Nachfahren der Wikinger sollten auch kommunale Unternehmen aus Deutschland nicht unterschätzen.

Den Artikel im Handelsblatt schrieb Michael Verfürden, Volontär. Er sagt über sich selbst: “Für die Zukunft habe ich mir drei Dinge vorgenommen: Immer offen bleiben. Klar formulieren. Und zeigen, dass man Stimmung auch ohne Emojis ausdrücken kann.” Möge es ihm weiterhin gelingen.

Faina Faruz

Titelfoto: Anne M. Eiesland

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