“Jetzt ist er Kulturgut!” – David Bowie

aladdinDavid Bowie gehörte zu den größten und einflussreichsten Musikern der vergangenen Jahrzehnte. Darin sind sich die Medien einig. Der britische Komiker und Schauspieler Eddie Izzard meint, die Welt schulde ihm, dass an seinem Todestag jeder Radiosender weltweit nur Musik von David Bowie spiele. Großbritanniens Premierminister David Cameron nannte ihn einen Meister der Neuerfindung.
David Bowies letztes Album „Blackstar“ wurde am 8. Januar 2016 – an Bowies 69. Geburtstag – nur zwei Tage vor seinem Tod veröffentlicht.

“David Bowie is” – Mumifizierung zu Lebzeiten?

In den siebziger Jahren lebte David Bowie in Berlin. Die Besucher standen 2014 Schlange, um die Ausstellung über den Superstar und Verwandlungskünstler David Bowie im Martin-Gropius-Bau zu sehen. Angekündigt war die Ausstellung als „weltweit erste Retrospektive der Pop- und Stilikone“. Zu diesem Zeitpunkt war David Bowie 67 Jahre und lebte noch. “Passiert da eine Mumifizierung zu Lebzeiten?”, fragte 2014 die FAZ.

Vom 11. Dezember 2015 bis 13. März 2016 läuft die Ausstellung “David Bowie is” im Groninger Museum, die letzte Station dieser Ausstellung nach Toronto, Paris und Melbourne – zwischen Leben und Tod des Sängers und darüber hinaus. Noch zu Lebzeiten war David Bowie bereits ein Exponat für ein Museum. 300 Objekte aus dem David Bowie Archiv, z.B. handgeschriebene Songtexte, Originalkostüme, Fotos, Entwürfe für Albumcover und seltene Materialien aus den vergangenen 50 Jahren sind dem Kult um den Sänger gewidmet. Auch die Innenstadt Groningens zehrt von dem Marketing um Bowie und bietet zusätzlich zahlreiche Aktivitäten und Veranstaltungen zum Thema David Bowie.

Was passiert mit David Bowie, der selbst stets im Hintergrund seiner selbst blieb, wie Rose-Maria Gropp in der FAZ schrieb. “David Bowie ist ein Performer. Nie war er so ein Zapp- und Zappelphilipp der Moden, der sich in Spiegelkabinetten selbst zerstückelt. Als den richtet ihn die Ausstellung aber zu, damit möglichst viele Leute durchgeschleust werden können – am Ausgang mit dem Glauben, sie hätten einen Zipfel seiner Persönlichkeit erwischt.”

“Jetzt ist er Kulturgut!” lautet die Überschrift der Bildzeitung in einem Bericht über die Eröffnung der Ausstellung “David Bowie is”  in London. Sie wirke wie eine Heiligsprechung. David Bowie, 1947 in London als David Robert Jones geboren – in ein Markenprodukt verwandelt, das den Machern der Marke erlaubt, sich selbstgefällig ins Lampenlicht zu rücken: “Kuratoren sind längst selbst zu Stars der Ausstellungsszene geworden, schrieb der Tagesspiegel: “Fast so, als wären die Kuratoren die Heroes.”

“David Bowie is”  in London.

Die international bekannte Dortmunder Fotografin Eva Horstick-Schmitt besuchte die David Bowie Ausstellung 2013 in London. Sie schilderte den Freunden der Künste ihre Eindrücke.

 

Eva Horstick-Schmitt

14 Pfund Eintritt können sich nur die Touristen leisten

Leben, Wirken und Einfluß eines der größten Künstler-Popstars in London. Rund 300 Exponate haben die Kuratoren zuammen gestellt. Allerdings sind 14 Pfund Eintritt für normale Menschen kaum bezahlbar, wie ich finde. England ist kein Land mit Menschen, die das ausgeben können. An jeder Ecke werden Häuser verkauft. Etliches liegt im Argen, und das nicht erst seit heute. Leere Geschäfte zeugen von Armut und das lassen die Menschen auf den Strassen Londons auch eindeutig anhand ihrer Klamotten raus hängen.

Das Victoria and Albert Museum ist eine Reise wert. Altehrwürdig und von schöner Architektur lässt es die Besucher in eine andere Welt eintauchen, eine die besser ist, als die da draussen, die u.a. geprägt ist von Arbeitslosigkeit und Geldmangel an allen Ecken. Mein Freund Bal sagt. “England wird in den nächsten 7 Monaten einen Kollaps erleben!” Er sieht total schwarz und sammelt schon mal Lebensmittel.

David Bowie is – Glitzerstar mit Kulturwert

Leider kommt der Platz, der ihm gegönnt wird, an Fläche zu kurz für sein und das Werk anderer Künstler, wie zum Beispiel die Designer, die ihn eingekleidet haben für seine Performances. Zwei der Räume, die aufgesucht werden müssen, sind arg eng und es herrscht eine Stimmung, wie auf einer Beerdigung. Das ist das Gefühl, welches mich beschleicht beim Hineingehen. Zuerst bekommt jeder einen Kopfhörer mit einem kleinen Kästchen, aus dem die Stimme David Bowies erklingt und zwar genau dann, wenn die Besucher seine Ausstellung betreten. Er hat eine angenehme warme Stimme. Leider kann ich als “nicht Nativ Speaker” den englischen Texten nicht komplett zuhören und zeitgleich die Ausstellung genießen. Beides funktioniert bei mir nicht wirklich.

PR Mitteilungen besser als die Ausstellung

Ich finde die Ausstellung gelungen – aber nicht so beeindruckend, wie die PR Mitteilungen es erwarten ließen. Diese verrückte Mode und die Art der Fotografien hätten mehr Platz benötigt. Alles schien vollgestopft zu sein mit Bildschirmen, Texten und Dingen des Lebens dieses Künstlers. Allein nur ein Raum ließ mich atmen, und das hätte ich den anderen Räumen auch gegönnt. Etliche Fotografen portraitierten den Künstler auf ihre Weise, wie auch die Designer, wie z.B. Freddie Buretti , Yamamoto, Armani, die ihre Spuren hinterließen.

Schamane, Chamäleon, Stilikone, Fabelwesen

300 Stücke haben die Kuratoren in zwei großen Räumen zusammengestellt, allein 60 davon sind Kostüme: Freddie Burretti gestaltete 1972 den Ziggy Stardust Anzug und die Performance damals machte D.B. zum Popstar, welcher Rockmusik und Jugendkultur zu einer neuen Bewegung machte. Inspiriert wurden D.B. und sein Designer unter anderem vom Film “Clockword Orange!”, made by Stanley Kubrick. David Bowie verlies die Schule mit 16 Jahren. 1965 nahm er den Namen David Bowie für sich in Anspruch als Künstlernamen. Auch in der Ausstellung sehen die Besucher/innen sein Frühwerk on Stage.

Eine perfekte Marketingstrategie

“Wir hätten uns nie träumen lassen, dass David Bowie in 40 Ländern die Charts anführt, wenn wir eröffnen”, staunt Kuratorin Victoria Broackes. “Wir wollten die Ausstellung machen, weil er für viele Menschen den Soundtrack zu ihrem Leben geliefert hat.” (Zitat Tagesschau.de)

Die komplette Ausstellung wurde unterstützt durch Gucci und auch Sennheiser. Die haben sich wirklich was einfallen lassen, was den Sound angeht und die Präsentation der Videos. Ich denke, die Macher hätten den ersten Raum auf jeden Fall größer gestalten müssen.

Die Texte, die dort auslagen, waren nur zu lesen, wenn man bereit war, sich in eine Schlange zu stellen mit Menschen, deren Gesichter man nicht mal erkennen konnte. Die Mode ist schön ausgeleuchtet und dargestellt auf eine Art Podesten, die wiederum auch speziell getunt wurden. Voll war der Raum schon mit wenigen Menschen, und das kann auch ein Konzept sein.

Es gab einen weiteren grösseren Raum, in dem ein Video lief mit alten Filmen, die David Bowie mit seiner Band zeigen. Grossformat und unscharf. Ok, darauf kam es nicht mehr an, wie selbst in den Raum alle Fotos auf einer Seite rechts unscharfe Portraits des Künstlers zeigten, einfach weil sie zu stark vergrößert wurden. Somit kann ich fast nichts erkennen von den Portraits, weil zu verschwommen. Das Highlight sind die Klamotten und seine Songs.

Diese sind einfach Bowie, und er hat eine Welt erzeugt mit neuer Musik und Moderichtungen, ein Stil und Fantasiemix, der schon auch einfach an eine coole Modenschau in Paris erinnern lässt. Die Anzüge David Bowies, seine Frisuren und seine Musik sind ein Kultprogramm, und das ist es auch wert zu sehen.

Danach…

Aber hat er es nötig, einen “eigenen” Museumshop mit Merchandising zu füllen?

blackstarSeine neue CD kam eben gerade heraus, und was für eine Werbestrategie dahinter steht, kann sich jeder selbst ausmalen. Im Shop gab es Poster, Bücher, CDs, limitierte Fotoabzüge und vieles mehr. Die Poster waren allerdings ausverkauft. Ein Shop für das, was ich ” Werbekampagne” nennen würde, denn lange haben die Fans von D.B. nichts vernommen, was ich schade fand.

Strategisch ist die Ausstellung ein echter Clou, wenn man bedenkt, dass fast jeder im Shop seine CD kauft oder sonstige Produkte in Orange. Er hat ja auch ein fotogenes Gesicht, dieser Mensch Bowie.

Nach Stunden des Staunens verlässt man die Ausstellung mit einem merkwürgigen Gefühl. Draußen, im Gegensatz zu drinnen, begegnet man keiner Glitzerwelt. Wie schon gesagt, 14 Pfund Eintritt können sich die allermeisten Londoner Bürger nicht leisten.

Als ich aus der Ausstellung kam, standen die Menschen Schlange, Touristen aus aller Welt.

Bis zum 8.4. war “David Bowie is” komplett ausverkauft. Kein Wunder. Es passten auch nicht viele Besucher in die Räume. Das nenne ich einen geschickten Werbezug, der gekonnt ebenso kommuniziert wurde von den Machern der Show. Bowie ist omnipräsent und doch nicht da. Aber vielleicht ändert sich das ja noch im Laufe der Ausstellung orakelt Museumschef Martin Roth.

David Bowie – geboren 1947 – hat einen individuellen Stempel hinterlassen, was look und Musik angeht. Er war ein grosser Visionär, was Design und Musik anging und hat die Zeit der 70er-90er mit geprägt, wie kaum ein anderer.

“David Bowie is blowing our minds” , “David Bowie is what follows”, “David Bowie is jumping from universe to universe”, D.B. is dressed from head to toe”!” – aus dem Buch “David Bowie is” Museum V&A.

Das Buch zur Ausstellung ist wirklich gelungen und kann ich nur empfehlen. Enthalten sind super Fotografien, Texte, Plakate und vieles mehr aus dem Leben des David Bowie. Für einen Preis von 35 Pfund erhältlich.

(Erstveröffentlichung: Freunde der Künste)


Weiterführende Links:
Wikipedia

Werke von und über David Bowie

DavidBowieIs

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