Sturm Barbara bläst Rotorblätter von einer Windkraftanlage

Foto: Chrishna

Spaziergänge in der Nähe von Windkraftanlagen sind nicht nur wegen drohender Eisabwürfe bei Temperaturen unter 5 Grad Celsius lebensgefährlich, sondern auch bei starkem Wind.

Diese Erfahrung hat Ray Gansler gemacht, der am 23.12.2016 mit seinem Hund zu Fuß auf den Hügeln in der Nähe von Bacup, Rossendale, England, unterwegs war. Rossendale Free Press berichtet, dass der Spaziergänger ein Geräusch gehört hatte und sah, wie die Rotorblätter einer 34,2 hohen Windkraftanlage wegflogen. Ein Rotorblatt sei schnell auf ihn zugekommen, er habe sich zu Boden geworfen, seinen Hund geschützt, und das Rotorblatt sei in ein Feld eingeschlagen.

Ray Gansler informierte dem Bericht zufolge den Eigentümer des Grundstücks und die Polizei. Er sei besorgt gewesen, weil die Rotorblätter zwei weiterer Windkraftanlagen sich noch immer schnell drehten. Wären auch sie abgebrochen, hätten sie auch in einem der Häuser auf der anderen Seite des Hügels landen können.


Ruhrkultour Leseempfehlung:

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Küchenphysik vom WDR oder: Wie man die Angst bei Laune hält

Angst verfliegt durch Aufklärung, Phobien sind hartnäckig, sie verschwinden manchmal nur mit Hilfe von Therapien. Nichts wäre schlimmer für Gegner der Kernenergie als der Verlust der Angst vor radioaktiver Gefahr. Das brächte Weltbilder zum Schmelzen. In gewissen Abständen wird deshalb immer wieder die Gefahr eines atomaren GAUs beschworen. Mal ist es ein Nagel in der Betonwand eines Reaktors, wo er nicht hingehört, mal sind es Risse, oder es sind die Notkühlwasser. Dass vielen Menschen durch die Nuklearmedizin das Leben gerettet wurde, dass jede Industrie Gefahren birgt, zum Teil größere, als das Risiko durch einen GAU zu sterben oder durch radioaktive Strahlen an Krebs zu erkranken, dass bis zu 40.000 Menschen jährlich durch Krankenhauskeime ihr Leben verlieren, ist für fundamentale Kernenergiegegner im Vergleich zu den Risiken von Kernkraftwerken ohne Bedeutung, obwohl kein Industriebauwerk besser bewacht, besser kontrolliert und transparenter sein dürfte. Die Relationen sind längst verloren gegangen, wie auch jetzt wieder beim Thema Vorheizen des Notkühlwassers.

ghost-156969_640In seiner jüngsten Kritik an Kernkraftwerken vermutet der für WDR und ARD tätige Journalist Jürgen Döschner, dass in zahlreichen Atomkraftwerken in Europa übermäßige Alterung und Materialfehler die Stabilität der Reaktordruckbehälter beeinträchtigen. Nach Recherchen von WDR und “Süddeutscher Zeitung” (SZ) sei in mindestens 18 aktiven Atomreaktoren in Tschechien, Belgien, Frankreich, Finnland und der Slowakei das Notkühlwasser auf bis zu 60 Grad Celsius vorgeheizt worden. Dadurch solle offenbar das Risiko verringert werden, dass der stählerne Reaktordruckbehälter reißt, wenn er bei einem Störfall mit zu kaltem Wasser gekühlt wird. Die Folge eines solchen Bruchs könnte eine Kernschmelze sein, sagt Döschner.

 

Dr. Anna Veronika Wendland erläutert, was dran ist am neuesten nuklearen Aufreger.

Die Historikerin Dr. Anna Veronika Wendland, Herder-Institut in Marburg, forscht zur Geschichte von Atomstädten und kerntechnischen Sicherheitskulturen. Ab und zu arbeitet sie dafür auch in Kernkraftwerken. Diesen Artikel hat sie zwischen zwei Spätschichten im KKW Grohnde im schönen Weserbergland geschrieben.

Breaking News: Wenn ich eine heiße Auflaufform aus dem Ofen nehme und sie kalt abschrecke, kann sie springen. Daher benutze ich warmes Wasser. WDR und Süddeutsche Zeitung haben diesen Effekt gerade entdeckt und Experten befragt, welche den sofortigen Produktionsstopp von Auflaufformen aus Glas fordern: zu gefährlich. Die Leute könnten ja fahrlässig doch kaltes Wasser wählen.

So ähnlich liest sich die angebliche Enthüllung des oben genannten Recherchenetzwerks über »marode Kernkraftwerke«, die man daran erkenne, dass ihr Notkühlwasser »offensichtlich« vorgeheizt werden müsse. Andernfalls könnten Risse im Reaktordruckbehälter entstehen. Aber wie soll man denn dann noch kühlen, wenn selbst das Notkühlwasser warm ist?

 

Physikkenntnisse? Nein danke!

Die Lösung liegt da, wo der WDR nicht gerne seine Nase hineinsteckt: in der Fachliteratur zur Kern- und Verfahrenstechnik. Bei 310 Grad Celsius mittlerer Kühlmitteltemperatur im Primärkreislauf eines Druckwasserreaktors sind auch 50 – 60 Grad Not»kühl«wasser zwar zu heiß für die Badewanne, aber nicht zu warm für einen Kernreaktor nach seiner Abschaltung. Dieses Wasser nimmt im Notkühlfall – wenn also ein Leck überspeist werden muss oder aus anderem Grunde die übliche Wärmeabfuhr über die Dampferzeuger nicht genutzt werden kann – immer noch genügend Wärme zur Abfuhr der Nachwärme aus dem Reaktorkern auf. Sie wird vom Notkühlsystem über Zwischen- und Nebenkühlsysteme weiter abgeführt.

Ich warte darauf, dass der WDR Anstoß an der Bezeichnung »Kühlmittel« für das Primärkreislaufwasser im Normalbetrieb nimmt, da eine Temperatur von mehr als 300 Grad doch nicht mehr als kühl zu bezeichnen seien. Und genau hier treffen wir auf ein Grundproblem unserer Berichterstattung: Menschen ohne solide physikalisch-technische Wissensbasis holen sich Experten, die ihnen nach dem, wie sie finden, kritischen Munde reden, und bringen das Ergebnis dann als alltagssprachliche Küchenlogik unters Volk. Denn gegen Kernkraftwerke zu sein entspricht in dieser Logik ja auch, auf der guten Seite zu sein, auf der Seite der kritisch-nachfragenden Neinsager nämlich.

Jedoch sind es eigentlich Jasager, mit denen wir es zu tun haben: Jasager im Mainstream des Antiatom-Diskurses. Denn bis heute gehört der nukleare Alarmismus und das Schwarz-Weiß-Denken der 1980er zum guten Berichtston, obwohl die Kerntechnik längst über den Stand dieser Zeit hinaus ist – und der Lieblingsfeind, die deutsche Atomlobby, längst das Zeitliche gesegnet hat. Unsere Atom-Alarmisten hängen zudem der Doktrin an, derzufolge nur eine hundertprozentig risikofreie Technologie akzeptabel sei. Gibt es ein Risiko? Dann wäre diese Technologie besser nie in die Welt gekommen.

In unseren Redaktionen, deren kerntechnische Grundkenntnis sich in der Regel auf die Schullektüre von Gudrun Pausewangs Nuke-Porns für den bundesdeutschen Opferdiskurs beschränkt, reicht daher die Nachricht vom Notkühlwasser, das gar nicht kalt ist, für die Auslösung des nuklearen Notstands.

 

Worum es wirklich geht

Kernquerschnitt eines VVER-440-Reaktors mit Dummie-Brennelementen (grau) an den Außenpositionen nahe der Druckbehälterwand

Kernquerschnitt eines VVER-440-Reaktors mit Dummie-Brennelementen (grau) an den Außenpositionen nahe der Druckbehälterwand

Worum es dabei wirklich geht: Bei erhöhter Versprödung des Stahls infolge Neutronenbeschusses ist die Vorwärmung des Notkühlwassers in vielen Anlagen eine normale Vorkehrung, so im östlichen Europa, wo die Kernkraftwerke mit VVER-Druckwasserreaktoren sowjetischer Bauart ausgerüstet sind. Aufgrund eines (im Vergleich zu den heute bei uns laufenden Konvoi- und Vorkonvoi-Anlagen) schmäleren Wasserspalts zwischen Reaktorkern und Druckbehälterwand ist insbesondere in den VVER-440-Anlagen die Neutronenfluenz und damit auch die Versprödungsgeschwindigkeit höher. Wer sich zur materialwissenschaftlichen Seite dieser Problematik detaillierter informieren möchte, dem sei der Beitrag der Nuklearia zum Fall der belgischen Anlagen Tihange und Doel (»Belgische Rissreaktoren«) empfohlen.
Es gibt in solchen Fällen höher versprödeter Komponenten mehrere Möglichkeiten, Abhilfe zu schaffen: materialschonende Fahrweisen der Anlage, eine spezifische Beschickung des Reaktorkerns mit Brennelementen, und Maßnahmen zur Regenerierung des Reaktordruckbehälters. In Osteuropa werden alle drei Ansätze verfolgt: Man beheizt die Flutbehälter für das Notkühlsystem, man stellt auf die Außenpositionen im Reaktorkern Brennelement-Dummies aus Stahl, die die Strömungseigenschaften des Kerns erhalten, aber den Neutronenbeschuss des Druckbehälterstahls verringern, und man regeneriert den Reaktorstahl.

Wie regeneriert man einen Reaktordruckbehälter? Das ist eine wichtige Frage, denn der Reaktordruckbehälter (RDB) ist eine der wenigen Komponenten eines Kernkraftwerks, die nicht redundant, das heißt, in mehrfacher Ausführung vorhanden sind. Seine Integrität ist folglich das K.O.-Kriterium für die Laufzeit der Anlage. Daher werden in älteren osteuropäischen Anlagen die Reaktordruckbehälter einer sogenannten Wiederholungsglühung unterzogen. Der Reaktor wird entladen, und an das leere Druckgefäß wird ein Aggregat montiert, das den Behälterstahl für rund 150 Stunden auf eine Temperatur von ca. 475 Grad Celsius bringt. Diese Wärmebehandlung erneuert die kristallinen Binnenstrukturen des Werkstoffs, welche durch den Neutronenbeschuss verändert wurden, was zur Versprödung und damit höherer Empfindlichkeit für Temperaturschocks geführt hatte. Die Wiederholungsglühung beseitigt diesen Effekt und stellt das ursprüngliche Elastizitätsverhalten wieder her.

Osteuropa hat also eigentlich eine gute Strategie zur Erhöhung der Komponentensicherheit gefunden – was natürlich gar nicht zu den von deutschen Journalisten in solchen Zusammenhängen gerne produzierten Klischees von instabilen Staaten, autoritärer Herrschaft und maroden Industrieanlagen passt.

Eigentlich ist das Gegenteil der Fall: Während sich westliche Betreiber mit den anlagenschonenden Ansätzen begnügen – so z.B. im Falle des inzwischen stillgelegten schwäbischen KKW Obrigheim – geht Osteuropa unter russischer Technologieführerschaft seit Jahren neue Lösungswege, und – auch nicht unwichtig – setzt zudem in Neubauten sicherheitstechnisch fortgeschrittene Reaktorkonzepte in die Tat um.

Anlagenschonende Ansätze wiederum sind kein Ausweis für die Instabilität eines Systems. Es gibt sie überall in der Verfahrenstechnik. Man wärmt Systeme vor oder schaltet sie auf eine bestimmte Weise, um beispielsweise Kondensationsschläge in Rohrleitungen oder Materialschäden durch zu steile Temperaturgradienten zu verhindern. Niemand würde auf die Idee kommen, solche Anlagen in der Chemieindustrie oder auch in Kohle- und Gaskraftwerken nicht mehr zu betreiben, weil es ohne schonende bzw. vorgeschriebene Fahrweise zu Problemen kommen könnte.

Die Experten, die vom WDR befragt wurden, sehen das anders – denn sie können gar nicht anders. Sie sind auf jener Linie, dass nur ein nie gebautes KKW ein sicheres sei, und haben als Gutachter von Ökoinstituten und als Ministeriale unter Rot-Grün diese Politik in Berichte und Rechtstexte umgesetzt. Da kann man auch die AfD als alleinige Experten für Migrationspolitik anhören – aber diese Reportage muss erst noch geschrieben werden.

 

Die wahre Enthüllung wartet noch

All den Alarm-Experten sei jedoch versichert: Die wirkliche Enthüllung wartet noch auf einen aufmerksamen Rechercheur – jene über die akut drohenden Versorgungs- und Umweltrisiken im Zuge einer fehlgeplanten Energiewende, an der die Öko-Experten gut mitverdienen.

Die 25 Milliarden Euro pro Jahr, welche dieses Experiment am offenen Energieherzen unserer Industriegesellschaft kostet, wären anderweitig besser investiert. Denn man kann Europas alternden Reaktorpark entweder durch Kohlekraft und Chaos ersetzen, wie es Deutschland macht, oder durch bessere Kernkraftwerke.

Dr. Anna Veronika Wendland

 

Dr. Anna Veronika Wendland ist Osteuropa-Historikerin und Forschungskoordinatorin am Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung in Marburg. Sie forscht zur Geschichte von Atomstädten und nuklearen Sicherheitskulturen in Ost- und Westeuropa, unter anderem auch im Zusammenhang des transregionalen Sonderforschungsbereiches SFB-TRR 138 »Dynamiken der Sicherheit« der Universitäten Marburg und Gießen sowie des Herder-Instituts, in dem es um Versicherheitlichungsprozesse von der Antike bis zur Jetztzeit geht. Sie ist Vorstandsmitglied des Nuklearia e. V.

 

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Geothermie – Unverantwortbare Risiken mit möglicherweise katastrophalen Folgen

Grüne Energiepolitik: Je sinnloser, desto lieber

Geothermie – allzu oft nur die Gier nach Subventionen

Ein charakteristisches Kennzeichen „grüner“ Industriepolitik ist der Drang, Projekte und Technologien mit umso höheren Summen zu fördern, je fraglicher die Aussichten einer erfolgreichen Umsetzung in die Praxis sind. So wurden beispielsweise sowohl in Spanien als auch in den USA sinnfreie Solar-Großkraftwerke wie das Ivanpah-Projekt (Kalifornien, USA) in die Wüste geklotzt [RKIP]. Zu diesen Lieblingskindern der Öko-Bewegung gehört auch die Geothermie. Diese kann beispielsweise in Regionen mit hoher vulkanischer Aktivität wie Island sehr sinnvoll eingesetzt werden. Sobald sich jedoch grüne Vordenker über solche Themen hermachen, werden entsprechende Projekte auch dort forciert, wo ihr Einsatz nicht nur wenig Aussicht auf Erfolg hat, sondern die Bevölkerung sogar in erheblichem Maße gefährden kann.

Am 8. Dezember 2006 ereignete sich in der Region Basel ein Erdbeben der Stärke 3,4. Dieses richete zwar keine größeren Schäden an, war aber dennoch deutlich zu spüren und löste in der Bevölkerung Unruhe aus. Die Versicherung musste 9 Mio. CHF für Gebäudeschäden erstatten. Und am 20. Juli 2013 kam es in St. Gallen zu einem Erdbeben der Stärke 3,5. In dessen Folge wurden insgesamt 120 Meldungen über kleinere Schäden bis hin zu Rissen in Häusern eingereicht. Gemeinsamkeit beider Ereignisse war die Auslösung der Beben durch Geothermieprojekte. Bei dem Basler Projekt hatte die Angelegenheit sogar ein Strafverfahren gegen den Chef der Bohrfirma zur Folge.

Die Alpen wurden durch den Anprall der afrikanischen auf die europäische Platte aufgetürmt. Diese auch heute noch andauernde tektonische Bewegung kann äußerst starke Erdbeben auslösen

Die Technologie

Das Problem war in beiden Fällen, dass – wie z.B. auch in den meisten Regionen Deutschlands – der Wärmestrom aus dem Erdinneren keine allzu großen Energiemengen transportiert und man daher sehr tief bohren muss, um überhaupt für die Stromerzeugung nutzbare Temperaturen zu erhalten. Bei den Bohrungen in der Schweiz waren dies Tiefen von über 4.000 m. In Basel war das Ziel trockenes, mehr als hundert Grad heißes Gestein. In dieses wird im ersten Projektstadium Wasser unter großem Druck hineingepumpt. Dadurch bilden sich Risse, die allmählich ein Warmwasser-Reservoir entstehen lassen. Bei diesem Aufbrechen des Gesteins werden im Untergrund Schockwellen ausgelöst, die als sogenannte Mikrobeben an der Oberfläche registriert werden. Das gestattet es, den Fortschritt der Arbeiten zu verfolgen. In St. Gallen wurde dagegen versucht, eine Wasserader mit ausreichend hoher Temperatur anzuzapfen. In beiden Fällen hatte man jedoch keine ausreichende Kenntnis der Verhältnisse im Untergrund.

Unverantwortbare Risiken…

Das Problem ist, dass man sich am Nordrand der Alpen und insbesondere im Bereich des oberen Rheingrabens bei Basel in einer stark erdbebengefährdeten Region befindet. Ursache ist der Zusammenprall des afrikanischen und des europäischen Kontinents, der unter anderem dazu geführt hat, dass die Alpen aufgeschoben wurden. Dieser geologische Vorgang dauert immer noch an und bewirkt den Aufbau hoher Spannungen im Untergrund, die sich von Zeit zu Zeit in Erdbeben entladen. Gerade im Raum Basel, wo es im Verlauf der letzten 2000 Jahren zu zwei äußerst heftigen Erdbeben gekommen ist, besteht das Risiko, dass man durch ein künstliches Kleinbeben ein größeres Beben auslösen kann. Prof. Domenico Giardini vom Institut für Seismologie und Geodynamik der ETH Zürich hält dies für realistisch: „Dieser Brute-Force Ansatz ist attraktiv und simpel. Der Nachteil ist: Er kann Erdbeben auslösen. Und zwar auch größere, nicht nur jene kleinen, die die Bohrung und das Erweitern des Reservoirs begleiten“ [RIBE].

… mit möglicherweise katastrophalen Folgen

Und im Raum Basel geht es um Auswirkungen, die nahezu jede andere in dieser Region denkbare Naturkatastrophe übertreffen würden: „Das Basler Erdbeben bezeichnet eine Serie von gewaltigen Erdstößen, die Basel ab dem Nachmittag des Lukastages (18. Oktober) des Jahres 1356 in Trümmer legten. Die Intensität des Erdbebens wird nach den Schäden auf Stufe X der Modifizierten Mercalliskala geschätzt” [WI35]. Erdbeben dieser Stufe werden als „vernichtend“ bezeichnet. Prof. Donat Fäh, Leiter des Bereichs für Risiko- und Gefahrenbeurteilung des Schweizerischen Erdbebendienstes (SED) an der ETH Zürich, betont dass dort, wo historisch Beben aufgetreten sind, diese wieder kommen werden.

Das gelte auch für Basel, das am südlichen Ende des Rheingrabens liegt. Diese Zone ist auch heute noch tektonisch aktiv, weil sich Erdplatten gegeneinander verschieben und dabei verhaken, wodurch Spannungen aufgebaut werden. Wenn dann irgendwann eine größere Schwachstelle bricht, gibt es „einen kräftigen Ruck – wie anno 1356“, so der Wissenschaftler und warnt: „Ein Beben derselben Stärke (wäre) für das heutige Basel verheerend. Das Ereignis von 1356 ist vergleichbar mit dem katastrophalen Erdbeben, das 1995 Kobe getroffen hat.…Ein solches Beben würde heute in der Region Basel 1.000 bis 20.000 Tote (fordern)….Allein (die) Gebäudeschäden würden bei rund 50 Milliarden Franken liegen“ [FAEH].

Zusätzliches Unheil könnten nach Ansicht von Dr. Mayer-Rosa, früherer Chef des Schweizerischen Erdbebendienstes (SED), auch die zahlreichen Wehre am Hochrhein und der Staudamm des Schluchsees im benachbarten Schwarzwald anrichten. Würden sie bersten, dann könnte es zu einer Flutwelle kommen, die ganze Hafenanlagen, Benzintanklager oder Pharmafirmen wegspült und letzte Fluchtwege abschneidet. Zudem käme es zu verheerenden Sekundärwirkungen auf die andern Rheinanliegerstaaten: „Wenn beispielsweise Sandoz wegschwimmt, dann ist in Amsterdam der Teufel los“ [ONLI].

Grob fahrlässiges Verhalten

Während Wissenschaftlern also schon lange klar war, welche Risiken mit solchen Vorhaben verbunden waren, gab man beim Basler Projekt erst nach dem Unfall eine umfassende Risikoanalyse in Auftrag [BAZO, NZZ]. Das Ergebnis ist im Prinzip eine Ohrfeige für die Verantwortlichen. Das von sechs Firmen aufgrund der Auswertung von Messdaten und Modellanalysen erstellte seismische Gutachten schlussfolgert, dass bei diesem Projekt die Gefahr von Erdbeben und Gebäudeschäden zu groß sei. Die zu erwartenden Sachschäden – im Raum stehen Summen bis zu weit mehr als 600 Mio. CHF – seien „gemäß dem Maßstab der Störfallverordnung hinsichtlich der Häufigkeit des Auftretens und der Schadenssumme als nicht akzeptabel zu beurteilen“ [RIBE].

Auch in St. Gallen, wo man trotz des Erdbebens zunächst weitergemacht hatte, musste man am 14.5.2014 den Abbruch des Projekts bekanntgeben [STG2]. Die in der Tiefe gefundene Heißwassermenge ist für ein Kraftwerk viel zu klein. Hinzu kommen das Risiko weiterer Erbeben und das finanzielle Risiko für die Stadt. Prof. Stefan Wiemer, seit 2013 Leiter des SED, schreibt in einem Fazit, der Untergrund bleibe voller Überraschungen und die dort herrschenden tektonischen Vorspannungen ließen sich vor einer Bohrung nicht verlässlich abschätzen. „Änderungen der Spannungsverhältnisse im Untergrund durch menschliche Eingriffe können Erdbeben auslösen. Das ist sogar oftmals gewollt, denn Mikrobeben erhöhen die Durchlässigkeit des Gesteins und damit auch die Wirtschaftlichkeit eines Geothermie-Projektes. Doch mit solchen Eingriffen ausreichend kleine Beben zu erzeugen und gleichzeitig Schäden an der Erdoberfläche sicher auszuschliessen ist eine Kunst, die wir bislang noch nicht verlässlich beherrschen.

In der dichtbesiedelten Schweiz sollte man daher einen Sicherheitsabstand von grösseren aktiven Verwerfungen einhalten“ [WIEM]. Was der Wissenschaftler damit durch die Blume ausdrückt, kann man auf gut Deutsch auch so formulieren: Auch die Verantwortlichen der Stadt St. Gallen haben sich bei der Verfolgung ihrer „Vision einer erneuerbaren Energiezukunft“ fahrlässig verhalten.

Gigantische Investitionen

Für jemanden, der gewohnt ist, bei Wirtschaftsprojekten Kosten und Nutzen gegeneinander abzuwägen, ist die Hartnäckigkeit, mit der sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz immer neue Geothermieprojekte vorangetrieben werden [WIGE], schwer nachzuvollziehen. In beiden Ländern ist das Temperaturniveau im Untergrund fast flächendeckend niedrig. Bei derartigen Niederenthalpie-Lagerstätten muss man in der Regel sehr tief bohren, um überhaupt den für die Elektrizitätserzeugung erforderlichen Grenzwert von 100 °C zu überschreiten. Geothermie

Für eine Abschätzung der Kosten eines Projekts, das die Gewinnung sowohl von Wärme als auch von elektrischer Energie zum Ziel hat, kann man die für Basel und St. Gallen bewilligten Budgets als Maßstab nehmen. In beiden Städten waren jeweils 80 Mio. CHF angesetzt, zusammen also 160 Mio. Rechnet man dies zum gegenwärtigen Kurs von etwa 1,2 zu 1 in € um, so liegen die Kosten für ein solches Projekt bei rund 67 Mio. €. Bei 26 in Deutschland angesetzten Projekten geht es demnach um Investitionen in einer Größenordnung von bis zu 1,5 Mrd. €. Was zu der Frage führt, was mit diesen Investitionen letztlich erreicht werden könnte.

Von den 26 deutschen Projekten liefern derzeit acht Strom mit einer Leistung von insgesamt rund 27 MW. Bei weiteren zehn Projekten ist eine Stromerzeugung aus den verschiedensten Gründen hinfällig oder zumindest sehr fragwürdig. Somit verbleiben noch acht Projekte, bei denen eine Stromerzeugung im Bereich des Möglichen liegt. Setzt man für jedes dieser Projekte eine Stromerzeugungskapazität von durchschnittlich 5 MW an, so kämen zu den 27 MW maximal weitere 40 MW hinzu. Das Gesamt-Erzeugungspotenzial läge damit bei rund 67 MW – dem „Gegenwert“ von 22 Windenergieanlagen.

Das Niederbringen einer Tiefbohrung – hier ein Bohrturm für eine Gasbohrung in Norddeutschland – verschlingt zweistellige Millionenbeträge

Gier frisst Hirn

Geht man von einem Nutzungsgrad von 90 % aus, so würden die Anlagen pro Jahr rund 530.000 MWh an elektrischer Energie erzeugen. Bei einem aktuellen Börsenstrompreis von 30 €/MWh entspräche dies Einnahmen von jährlich rund 16 Mio. €. Da auch noch Betriebs- und Unterhaltskosten zu berücksichtigen wären, ist eine Wirtschaftlichkeit im Prinzip ausgeschlossen. Solche Projekte rechnen sich nur, weil z.B. in Deutschland das EEG (Fassung vom Jan. 2012) Vergütungen von 250 €/MWh vorsieht. Das ist rund das Achtfache dessen, was der Strom an der Börse wert ist. Bei bestimmten Projekten steigt dieser Satz sogar auf 300 €/MWh. Hinzu kommen diverse sehr substanzielle „Marktanreizprogramme“ des Bundesministeriums für Umwelt (BMU).

Unter diesen Voraussetzungen lässt sich natürlich Geld verdienen, allerdings auf Kosten der Allgemeinheit, der diese Kosten aufgebürdet werden. Bei Wikipedia wird dies auf sehr elegante Weise umschrieben: „Unter den gegenwärtigen politischen Rahmenbedingungen (Erneuerbare-Energien-Gesetz) ist eine Wirtschaftlichkeit bei größeren Geothermieanlagen auch in Deutschland in vielen Gebieten, wie zum Beispiel in Oberbayern, Oberrheingraben und Norddeutsches Becken, erreichbar“. Verschwiegen wird dabei, dass der Beitrag der Geothermie zum Strombedarf Deutschlands mit geschätzten 0,08 % so verschwindend gering ist, dass diese Technologie in den Jahresstatistiken der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen inzwischen gar nicht mehr aufgeführt wird.

Vor allem ist den Verantwortlichen vorzuwerfen, dass sie in ihrer Gier nach Subventionen die erheblichen Risiken und Schäden missachten, die der Allgemeinheit bei diesen Bohrprojekten in teils dicht besiedelten Gebieten aufgebürdet werden. Ein Blick auf die Gesamthistorie der Geothermiebohrungen in Deutschland und der Schweiz liest sich wie ein Drehbuch für eine Galaausgabe der Sendung „Pleiten, Pech und Pannen“. Im bereits erwähnten Wikipedia-Artikel werden in Deutschland und der Schweiz insgesamt 13 Bohrprojekte aufgeführt, bei denen es zu mehr oder weniger erheblichen geologischen Störungen mit entsprechenden Auswirkungen auf Gebäude kam. Die Liste umfasst diverse Erdbeben, massive Zerstörungen an der Gebäudesubstanz durch aufquellende Gesteinsschichten (wie in der historischen Altstadt von Staufen) oder durch absinkende Grundwasserschichten. In Baden-Württemberg wurden deshalb regional bereits Beschränkungen für solche Projekte ausgesprochen. Auf Bundesebene haben jedoch bisher Eigentum, Gesundheit und Leben der Bevölkerung hinter den noblen Ambitionen der EEG-Profiteure zurückzustehen.

Politik ohne Verstand

Die Frage, warum man Projekte, die für jeden mit gesundem Menschenverstand so offensichtlich sinnlos sind, mit solch horrenden Summen fördert, wird vermutlich kommenden Generationen von Soziologen und Politologen Stoff für umfassende Analysen liefern. In beiden betroffenen Ländern ist die Politik derart darauf fixiert, selbst noch so utopische „grüne“ Visionen zu verfolgen, dass man so gut wie jeden Unsinn genehmigt und gefördert bekommt, wenn nur die richtigen Etiketten draufgeklebt werden. Bei diesem üblen Spiel steht auch die Wissenschaft unter Druck, denn wer mit seinen Projekten von öffentlichen Geldern anhängig ist, wird es in der Regel vermeiden, sich das Wohlwollen maßgeblicher Geldgeber zu verscherzen.

Dennoch gibt es Wissenschaftler mit Rückgrat, die dankenswerter Weise Klartext reden und dabei auch auf Zusammenhänge verweisen, auf die weder die Politik noch die allgemeine Öffentlichkeit ihr Augenmerk richten. Dazu gehört auch Prof. Domenico Giardini, der in einem Beitrag der Zeitschrift „Energie-Perspektiven“ zum Basler Projekt wie folgt zitiert wird: „Für Giardini ist klar, dass es im Vorfeld keine ausreichende Risikoanalyse gab. Die Industrie habe ein zu rosiges Bild gemalt und berücksichtigte in einer erdbebengefährdeten Region wie Basel die lokalen Gegebenheiten nicht ausreichend“ [RIBE]. Ausserdem steht dort zu den ungeklärten rechtlichen Folgen folgender bemerkenswerte Absatz: „Die Versicherung der Bohrfirma hatte in der Folge des Bebens mehrere Millionen Euro für zahlreiche kleinere Gebäudeschäden bezahlt, da es sich um ein vom Menschen ausgelöstes Ereignis handelte. Dies, so Giardini, „eröffnet natürlich schwierige Fragen…wie wollen wir ein Erdbeben in Basel mit der Magnitude 5,5, sagen wir mal in 30 Jahren, behandeln? Können wir nachweisen, ob es natürlichen Ursprungs war oder nicht? Wer würde für die Schäden aufkommen?“ [RIBE].
Fred F. Mueller

Quellen:
[BAZO] http://bazonline.ch/basel/stadt/Erdbebenrisiko-deutlich-zu-gross-fuer-Geothermie-in-Basel/story/12803210 abgerufen am 25.7.2013
[FAEH] http://www.schulelaupen.ch/Erdbeben/erbeben%20basel1.pdf abgerufen am 25.7.2013
[NZZ] http://www.nzz.ch/aktuell/startseite/teures-erdwaerme-fiasko-endgueltig-gestoppt-1.4169323
[ONLI] http://www.onlinereports.ch/Gesellschaft.112+M5dfbe3584c0.0.html abgerufen am 25.7.2013
[RIBE] http://www.ipp.mpg.de/ippcms/ep/ausgaben/ep201001/0110_geothermie.html abgerufen am 25.7.2013
[RKIP] http://www.science-skeptical.de/energieerzeugung/solarkraftwerk-in-der-wueste-verbrennt-voegel-und-erdgas-und-viel-geld/0012425/
[STG2] http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/St-Gallen-stoppt-GeothermieProjekt/story/21827912
[WI35] http://de.wikipedia.org/wiki/Basler_Erdbeben_1356 abgerufen am 25.7.2013
[WIEM] https://www.ethz.ch/en/news-and-events/zukunftsblog/archiv/2014/02/geothermie-st-gallen.html
[WIGE] http://de.wikipedia.org/wiki/Geothermie abgerufen am 13.9.2014

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Unfallrisiko Windrad

Nicht nur die Hersteller von Windkraftanlagen schwärmen von ihren Produkten, sie erhalten an manchen Orten auch Unterstützung durch Vereine. Der Verein „Pro Windkraft Niedernhausen“ beispielsweise stellt sich auf seiner Homepage als ein bürgernaher, neutraler Zusammenschluss von Einwohnern dar. Er strebe “eine objektive Diskussion der Möglichkeiten, Grenzen und berechtigten Einwände” an. Allerdings legt er von vornherein fest: “Im Ergebnis soll eine Akzeptanz bei den Bürgern für einen sozial- und umweltverträglichen Ausbau der Windenergie erreicht werden.”

Risiken durch Windkraftanlagen passen nicht zu diesem Ziel. Pro Windkraft Niedernhausen: “Die Nutzung der Windenergie birgt im Gegensatz zur Nutzung der Atomkraft keine elementaren Gefahren für den Menschen und für die Umwelt. Auch verursacht sie keine Gesundheitsgefährdung oder Beeinträchtigung des Wohlbefindens durch den Ausstoß von Stäuben und Gasen wie die Nutzung fossiler Energieträger. Eine schädliche Veränderung der Erdatmosphäre durch Windenergie findet nicht statt.” [0]

Eine Liste von Unfällen an Windkraftanlagen in Deutschland und Österreich zeigt, dass diese Behauptung nicht den Tatsachen entspricht. Es gibt außerdem genügend Hinweise auf Umwelt- und Gesundheitsschäden, wie zum Beispiel beim Abbau von Neodym, bei der Beseitigung des Sondermülls, mögliche Auswirkungen auf Mikroorganismen, auf die Erhöhung der Temperaturen im Umkreis von Windkraftanlagen, gesundheitliche Schäden durch Infraschall, Tötung von Vögeln und Fledermäusen usw., um sie ernst zu nehmen, aber sie wurden bisher noch nicht systematisch untersucht.

Im laufenden Jahr wurden bei Wikipedia drei Unfälle in Deutschland registriert: 06.02.14 Hohen Pritz (Brand), 21.02.2014 Möhnesee-Echtrop (Brand) und am 13.12.2014 Koßdorf (50Tonnen Windrad umgefallen).
Drei weitere Unfälle wurden jedoch nicht erfasst: 03.01.14 Donnersbergkreis (Rotor abgerissen) [2], 03.02.14 Großenkneten (Absturz einer Gondel) [3], 13. Juli Seehausen (Brand) [4]

Die Unfälle an Windkraftanlagen werden, so weit sie überhaupt bekannt werden, von Windkraftgegnern statistisch erfasst. Eine Linksammlung zu diversen WKA-Unfällen [5] gibt einen genaueren Überblick über die Unfallrisiken von Windkraftanlagen. Die Zahl der Störfälle ist letztlich nicht sicher bekannt, und es fehlt an einer wissenschaftlich fundierten Störungsforschung. Es bestehe keine Meldepflicht für Schadensfälle, weder nach Baurecht noch nach Produktsicherheitsgesetz, gestand der Umweltminister Niedersachsens ein. [6]

“Tausende Windräder überall im Land dürfen sich derweil weiterdrehen, obwohl schon bei ersten Untersuchungen an der beschädigten Anlage gravierende Materialfehler entdeckt wurden. Bei auch nur annähernd vergleichbaren Gefährdungen durch fehlerhafte Teile in Kraftfahrzeugen oder an Haushaltsgeräten kommt es zu spektakulären Rückrufaktionen”, kritisieren Windkraftgegner. [7]

Die bis zu 200 m hohen Windkraftanlagen stehen in der Nähe von Häusern, an Wanderwegen, Straßen, Autobahnen, überall dort, wo sich Menschen aufhalten. Die Gleichgültigkeit der Politik gegenüber den Risiken von Windkraftanlagen ist für ein Land, das Vorreiter in Sachen Erneuerbarer Energien sein will, eigentlich unvorstellbar.  Sie schadet nicht nur dem Ruf der Gewissenhaftigkeit deutscher Ingenieure, sondern auch dem Ansehen des Wissenschaftsstandortes Deutschland.

Bei dem zuletzt bekannt gewordenen Unfall, im Windpark Koßdorf, ist am 10.12.14 ein Windrad in etwa 30 Meter Höhe abgebrochen. [8]

 

[0] http://www.prowindkraft-niedernhausen.de/niedernhausen/umwelt/unfallgefahr-brandschutz

[1] Wikipedia
[2] http://www.rhein-zeitung.de/region_artikel,-Rotor-abgerissen-Vorzeige-Windrad-loest-jetzt-Schrecken-aus-_arid,1088734.html#.VI_AaCuG82A
[3] http://www.weser-kurier.de/region_artikel,-Unfallgefahr-durch-Windraeder-_arid,768904.html
[4] http://www.retter.tv/de/feuerwehr.html?ereig=-Seehausen-Feuerwehr-bei-Brand-einer-Windkraftanlage-&ereignis=25864
[5] http://www.gegenwind-vogelsberg.de/informationen/unfall/statistik/[6] http://www.weser-kurier.de/region_artikel,-Unfallgefahr-durch-Windraeder-_arid,768904.html
[6] http://www.gegenwind-vogelsberg.de/informationen/unfall/statistik/
[7] http://www.vernunftkraft.de/windkraftanlagen-bergen-handfeste-gefahren/
[8] http://www.lr-online.de/regionen/elsterwerda/Windrad-gebrochen-viele-Fragen;art1059,4842666

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Keine Angst vor der Kernkraft!

Die Risiken unserer Industrie, insbesondere die der Energiegewinnung, werden mit unterschiedlichem Maß bewertet. Ganz oben auf der Gefahrenliste steht insbesondere in Deutschland die Kernenergie. Hat sie diese herausragende Position wirklich verdient? Lassen sich die Gefahren durch Kernkraftwerke an Hand zuverlässiger Zahlen belegen, oder ist es nicht vielmehr so, dass es im Vergleich mit der Kernenergie viel größere Gefahren bei der Energewinnung gibt, die wir aber aus unserem Bewusstsein verdrängt haben? Markus Branse hat sich darüber in einem Gastkommentar Gedanken gemacht.

Gastkommentar: Markus Branse

Wer die Risiken der Kernenergie fürchtet, sollte Folgendes bedenken:

Die eigentlichen Risiken liegen ganz woanders (übrigens, auch in Japan sind viele Menschen durch Erdbeben und Tsunami und deren Folgen umgekommen, während es in Fukushima Daiichi keinen einzigen Strahlentoten gab):

Autos, Chemiebetriebe, Kohlekraftwerke inklusive Bergbau, Öl und Gas und so weiter fordern jährlich mehr Tote als die friedliche Kernenergienutzung bislang gefordert hat, aber diese nehmen wir billigend in Kauf, wobei ein Verzicht auf Wasserkraft, Kohlekraft und erneuerbare Energien inklusive Wasserkraft wesentlich mehr Leben retten würde, als ein Verzicht auf die Kernenergie.

Es wird halt mir zweierlei Maß gemessen! Sicher ist es für die Tschernobyl- oder Fukushima-Daiichi-Anrainer alles andere als schön, ihre Heimat aufzugeben, aber es ist für den Anwohner an einer Bahnstrecke auch nicht schön, wenn der Flüssiggastransport hoch geht oder eine Leck geschlagene Gasleitung explodiert, wenn der Strand auf lange Sicht mit Öl verseucht wird, ist das für die Fischer und Anwohner auch schlimm oder wenn der LKW in das eigen Haus fährt, nachdem die Bremsen versagten, dass ein Flugzeug abstürzt auf unseren Wohnblock u.s.w. u.s.f. Aber dieser Risiken, die ungleich wahrscheinlicher sind, als ein ernster Kernenergie-Unfall, nehmen wir als selbstverständlich hin, während uns das ungleich geringere Risiko der Kernenergie als nicht hinnehmbar erscheint. Das ist einfach nur irrational.

 

Risiko Staudämme

Ermittelt man nach dem gegenwärtigen Stand des Wissens – und dieses ist für die Kernkraft sehr umfassend – das tatsächliche Risiko, so stellt sich dieses als sehr gering heraus. Die für deutsche Kernkraftwerke durchgeführten Risikostudien haben für die Häufigkeit einer Kernschmelze Werte um 10 hoch minus 6 pro Jahr ergeben, das heißt: In einer Million Jahren ist mit einem einzigen Schadensfall zu rechnen. Dabei ist zu beachten, dass bei einer Kernschmelze zwar ein technisches Gerät zerstört würde, aber wie in Harrisburg kein Mensch zu Schaden kommen müsste. Im Vergleich dazu fehlen bei Staudämmen in der Regel technische Maßnahmen zur Verhinderung von Schäden an Menschen. Betrachtet man die Situation der Bewohner des Zillertals in Österreich, die unterhalb von drei Staumauern leben, so kann man nur konstatieren, dass sie im Notfall ziemlich chancenlos wären. Der Bruch nur einer Mauer – durch ein Erdbeben oder einen Anschlag – würde das ganze Tal überschwemmen, es gäbe für Zehntausende Menschen kein Entrinnen aus der Flutwelle. Falsch wäre es dennoch, angesichts solcher Katastrophenszenarien den Ausstieg aus der Wasserkraft zu fordern. Wohl aber sollte man sich der Gefahren bewusst sein und eventuell Vorkehrungen zur Schadensbegrenzung treffen.

Beispiel: Seit den 50er-Jahren, gab es in z.B. in Europa zwei große Unglücke mit Staudämmen, die viele Tote forderten: Am 2.12.1959 brach der Malpasset-Staudamm bei Frejus (Frankreich), 421 Menschen starben. Am 9.10.1963 brachte in Longarone (Italien) ein Erdrutsch den Stausee zum Überlaufen, die Flutwelle forderte etwa 2500 Tote. Am 11.8.1979 brach der Machhu-Staudamm in Indien, die Stadt Morvi wurde überflutet.

Die Münchner Rück schrieb im Jahre 1997: Seit 1950 ereigneten sich weltweit rund 100 größere Dammbrüche; die meisten dieser Dämme sind vor 1930 erbaut worden (und daher vermutlich Erdwälle). 1975 sollen bei einem Staudammbruch am Huai-Fluss in China 26.000 bzw. mehr als 230.000 Menschen ums Leben gekommen sein.
”Überschwemmung und Versicherung“, Münchner Rück 1997, S. 29.

 

Risiko Chemieindustrie

Die Katastrophe von Bhopal, auch Bhopalunglück, ereignete sich am 3. Dezember 1984 im indischen Bhopal, der Hauptstadt des Bundesstaats Madhya Pradesh. In einem Werk des US-Chemiekonzerns Union Carbide Corporation traten aufgrund technischer Pannen mehrere Tonnen giftiger Stoffe in die Atmosphäre. Es war die bisher schlimmste Chemiekatastrophe und eine der bekanntesten Umweltkatastrophen der Geschichte. Tausende von Menschen starben an ihren unmittelbaren Folgen.

Man könnte noch wesentlich mehr Chemie-, Bergbau-, Öl-, Gas- u.s.w.- Katastrophen aufzählen. Dem stehen 3 ernste Ereignisse in der Kernenergie gegenüber (Majak, Tschernobyl und Fukushima). Wer die Kernkraft aus Sicherheitsgünden abschaffen will, sollte auch dafür sein, den Autoverkehr, alles anderen Arten der Energiegewinnung und alle anderen Industrien abschaffen!

 

Risiko Kernkraft

Tschernobyl und Fukushima lassen sich nicht vergleichen, zumal es sich um ganz verschiedene Reaktortypen handelte.
Hinzu kam im Fall von Tschernobyl, dass die Regierung die Evakuierung viel zu spät eingegleitet hat, während man in Japan schon frühzeitig gehandelt hat.

In Tschernobyl gab es auch KEINE hunderttausende von Toten, die WHO geht von 4000 Toten aus (im Straßenverkehr sterben jedes Jahr mehr, genauso wie in Kohleminen und anderen nicht nuklearen Bereichen)

Ein wassermoderierter Reaktor kann z.B. nicht so “durchgehen”, wie es bei Tschernobyl geschehen ist. Der negative Void-Koefizient verhindert dies.

 

“Atommüll” – Müll, der keiner ist

Dass der “Atommüll” nicht endgelagert wird, ist mehr ein politisches als technisches Problem. Chemische Gifte, Halbwertzeit=unendlich, einige davon noch giftiger als die radioaktiven Abfälle, werden problemlos endgelagert!

Außerdem sollte man die “abgebrannten” Brennelemente auch nicht als Müll betrachten: Sie sind ein Wertstoff. Sie könnten z.B. in zukünftigen Reaktorgenerationen wieder eingesetzt werden, die z.B. einen höheren Abbrand erlauben, als die heutigen. Die Transmutation könnte in Zukunft die Problemkomponenten unschädlich machen.

Mit Wiederaufarbeitung (in Deutschland politisch auch nicht gewollt) kann das Volumen des Mülls reduziert werden, die Spaltprodukte und Aktiniden werden in Glaskokillen eingegossen, die man problemlos endlagern könnte (selbst ein Wassereinbruch würde den Kokillen nichts anhaben), während man die thermisch spaltbaren Komponenten abtrennt und weiter verwendet.

 

Die Kernenergie ist  eine der nachhaltigsten Formen der Energiegewinnung

Die Kerenergie ist meiner Einsicht nach eine der nachhaltigsten Formen der Energiegewinnung, und dies aus folgendem Grund:

Die Kernspaltung hat gegenüber anderen uns zur Verfügung stehenden Energiequellen einen entscheidenden Vorteil: Die extrem hohe Energiedichte, die dadurch zu Stande kommt, weil hier auf eine kernphysikalische Reaktion zurückgegriffen werden kann. Da über 99 % der Masse und damit auch der Energie im Atomkern liegen (E=mc2), ist die Energieausbeute gewaltig.
Während die Verbrennung von 1kg Steinkohle gerade mal 30 Megajoule Energie freisetzt, sind es bei der Spaltung von 1kg U-235 sage und schreibe 90.000.000 Megajoule Energie!

Hinzu kommt, dass auch in der Kerntechnik die Entwicklung nicht stehen geblieben ist. Während wir uns von dieser Technik verabschieden, wird in anderen Ländern fleißig an Kernenergie-Konzepte der Zukunft gearbeitet, die Kernkraftwerke der 4. Generation!


Somit wird auch die Technik zur Kernspaltung immer weiter entwickelt und effektiver und vor allem sicherer gemacht.

Makus Branse
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Kohle schadet Ihrer Gesundheit

Ist es denkbar, dass die Umweltverbände aus Furcht vor dem Verlust von Spenden eine falsche Energiepolitik verfolgen und sich deshalb gegen Kernkraftkraft einsetzen, wie der renommierte Umweltschützer James E. Hansen meint? Ist dies vielleicht der Grund dafür, dass die Verbände keine vernünftige Risikoabwägung für verschiedene Energieformen durchführen? weiterlesen

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