Das Ruhrgebiet – Ewigkeitsaufgabe oder Urwald?

Das Ruhrgebiet ist von Pumpen abhängig. Ohne permanentes Abpumpen des Grundwassers, würde sich das Ruhrgebiet in eine riesige Sumpflandschaft verwandeln. Die Ursache dafür ist die Absenkung der Oberfläche über den Abbaugebieten des Bergbaus. Ohne dauerhaftes Pumpen von Grundwasser durch die Wasserwirtschaftsverbände (z. B. Emschergenossenschaft und Lippeverband), die RAG selbst und Dritte würde es zu einer Ansammlung von Wasser in den durch den Bergbau entstandenen Senken kommen. Ganz Essen hat sich beispielsweise in den letzten 100 Jahren um zum Teil 20 Meter unmerklich abgesenkt. Das Absenken der Tagesoberflächen durch den Bergbau kann ebenfalls zur Folge haben, dass Fließgewässer ohne entsprechende Maßnahmen nicht mehr in ihre ursprüngliche Richtung strömen. Flüsse müssen mit Deichen oben gehalten werden. Die Bäche, die in den Fluss münden sollen, können nicht mehr abfließen und benötigen ein eigenes Pumpwerk.

Das Ruhrgebiet hängt an der Pumpe

Jährlich werden 900 Millionen Kubikmeter Wasser in Rhein und Ruhr gepumpt. Das ist der Wasserverbrauch aller privaten Haushalte in NRW, oder in 56 Jahren so viel, wie das Wasser im Bodensee. (WDR)
Ein unkontrollierter Anstieg des Grubenwassers könnte u.a. dazu führen, dass Methangas beschleunigt an die Tagesoberfläche gedrückt wird, die Gefahr von Tagesbrüchen steigt (plötzliches Einbrechen der Erdoberfläche in Hohlräume), oder  salziges oder eisenhaltiges Wasser oder auch Stoffe, die beim Durchfließen des Wassers durch alte Abbaubereiche ausgeschwemmt werden, das Trinkwasser verunreinigen. (RAG)

Urwald Ruhrgebiet – eine touristische Attraktion

Das Pumpen des Grubenwassers ist eine „Ewigkeitsaufgabe“ – Oder könnten wir uns vielleicht mit dem Gedanken anfreunden, das  Ruhrgebiet in eine blühende Landschaft zu verwandeln? Dies schwebt Reinhard Matern vor: Der Rückbau des Ruhrgebiets und das Wiedererstehen von dichten Urwäldern, Nebeln, Sümpfen, wie es nach den Erzählungen der Römer über das alte Germanien in dieser Region einmal ausgesehen habe. Daraus ließe sich vielleicht ein touristisches Konzept entwickeln, meint Matern. Schließlich gebe es in Deutschland so gut wie keine Urwälder mehr. (derFreitag)

Dies hält der Autor für die richtige Alternative zur Geldverschwendung durch unsinnige “Leuchtturmprojekte” und die angemessene Antwort auf den Einwohnerschwund im Ruhrgebiet.

Das Ruhrgebiet hätte nicht nur einen einfachen Urwald, sondern mehr als das, nämlich einen reizvollen Kontrast von Stadt und Urwald, Bequemlichkeit und Abenteuer zu bieten. Denn dank der ehemaligen Industriegelände und -gebäude, auf die sich der bisherige Strukturwandel durch die Landesmittel konzentriert habe, ist eine attraktive Eventkultur entstanden.

Ökologisch wäre der Rückbau auch, meint Matern: Die Brachflächen verfügten über eine weitaus größere Artenvielfalt als Park- und Gartenanlagen. Geschähe dies koordiniert, könnte im Ruhrgebiet der größte Urwald Deutschlands entstehen. Sein Fazit: Dies wäre politisch vielleicht einfacher zu bewerkstelligen, als an einer wirtschaftspolitischen Diskrepanz von Größenwahn und Handlungsunfähigkeit zu scheitern.

Ob nach dem Abschalten der Pumpen wirklich ein Urwald entstehen kann oder das Ruhrgebiet einfach abtauchen wird? Dann jedenfalls wären die Leuchttürme das, was sie im ursprünglichen Sinn waren:  Navigationshilfen zur genauen Positionsbestimmung auf See.

Einfach die Pumpen abschalten?

Quellen:

RAG: Was sind Ewigkeitsaufgaben?
WDR: Pumpen bis in Ewigkeit. Die Folgen des Steinkohleabbaus über Tage.
Reinhard Matern: Wann kommen die Urwälder im Ruhrgebiet?, in: derFreitag, 17.03.2013

 

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1 Kommentar auf “Das Ruhrgebiet – Ewigkeitsaufgabe oder Urwald?

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