Der sinnlose Angriff von Ökostrom-Missionaren auf die Energiekonzerne

blackout“Ideologische Ökostrom-Missionare” haben einen Grund zum Jubeln: Die Energieriesen liegen fast am Boden. Sie sollen in die Haftung genommen werden, ohne Rücksicht darauf, dass dies der Anfang vom wirtschaftlichen Niedergang Deutschlands sein wird. Allein die Eon-Aktie verlor am Donnerstag 7,6 Prozent ihres Werts. Der Politik dämmert, dass die Energiewende in die ökonomische, ökologische und soziale Katastrophe führt, aber sie ist handlungsunfähig, weil sie sich selbst nicht früher als nötig zum Gespött der Welt machen und eingestehen will, dass Wind und Sonne unbeherrschbare Zufallsstromerzeuger sind. Großspeicher, die ökologisch und ökonomisch realisierbar wären, gibt es nur im Traum. Die Welt sieht sich die Selbstzerstörung Deutschlands an – und lernt daraus.

“Gabriel schwingt mit seinen wiederholten Attacken auf Eon und RWE die politische Abrissbirne tief hinein ins…

Posted by Ruhrkultour on Montag, 14. September 2015

Langeheine

Tucker

VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 0.0/5 (0 votes cast)

Mit offenen Augen weiter in den Untergang?

Nach heutigem Kenntnisstand könne man davon ausgehen, dass die gesicherte Leistung bis zum Abschalten der letzten Kernkraftwerke 2022 um 16,7 Gigawatt zurückgehen werde, sagte Hildegard Müller*.
17,6 Gigawatt sind 23% des Energieverbrauchs 2013. weiterlesen

VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 0.0/5 (0 votes cast)

Am deutschen Wesen soll das Klima genesen, Teil 2

Fußkranke Energiewende-Elefantin im globalen Porzellanladen
Bereits vor einigen Wochen hatte man Gelegenheit, die besserwisserische Art zu bewundern, mit der deutsche Spitzenpolitiker – allen voran Steinmeier und Merkel – die staunende bis amüsierte Mitmenschheit unbedingt dazu bringen wollen, dem deutschen Selbstmordangriff auf die eigene industrielle Infrastruktur, vornehm als Energiewende bezeichnet, doch bitte schnellstmöglich nachzueifern [EIKE]. Schon bei ihrem kürzlichen Besuch in Japan hatte sich die Bundekanzlerin diesbezüglich durch einen gewissen Mangel an diplomatischem Feingefühl hervorgetan. So riet sie den Japanern, die angesichts ausufernder Kosten für die fossile Energieerzeugung möglichst bald auch wieder ihre Kernkraftwerke in Betrieb nehmen wollen, dringendst dazu, sowohl der Kohle als auch der Kernenergie zu entsagen und stattdessen lieber auf Wind und Sonne zu setzen.

Foto: Digitoxin

Bei Merkels Energiewendepolitik scheint inzwischen Feuer unter dem Dach zu sein.

Japan ist in Nöten…

Als typische Asiaten nahmen die Japaner die deutsche Anmaßung mit freundlich-nichtssagendem Lächeln zur Kenntnis und waren zudem so höflich, zunächst einmal einige Wochen verstreichen zu lassen, bevor sie diesen Belehrungsversuchen eine klare Absage erteilten. So konnte man einer Bloomberg-Meldung vom 9. April [JAP1] entnehmen, dass Japan aktuell insgesamt 43 Kohlekraftwerke mit einer Gesamtkapazität von immerhin 21.200 Megawatt entweder bereits baut oder zumindest plant. Prompt beklagten japanische „Klimaschützer“, dass diese Kraftwerke jährlich insgesamt 127 Mio. Tonnen CO2 emittieren werden. Man vergleiche dies mit den aktuellen Kurzfristzielen der Bundesregierung, die darauf abzielen, von den 951 Mio. Tonnen, die im Jahre 2013 emittiert wurden, bis 2020 auf nur noch 750 Mio. Tonnen zu kommen [BUND]. Allein schon die Kraftwerkspläne in Japan machen schon fast 64 % des deutschen „Klimaschutz“-Ziels zunichte!
Hintergrund sind die exorbitanten Kosten vor allem für Flüssigerdgas (LNG), welche die japanische Handelsbilanz schwer belasten. Eine kürzliche Analyse eines US-Think Tanks kommt zu dem Schluss, dass Japan diesbezüglich in der Klemme steckt und kaum eine andere Chance hat, als auf Kohle zu setzen. Angesichts seiner niedrigen Wachstumsrate müsse Japan hochpreisige Energiequellen meiden, wenn man die immerhin drittgrösste Volkswirtschaft der Welt wieder auf Kurs bringen will.

Wenn Windenergieanlagen in Brand geraten, kann die Feuerwehr nicht löschen.

… und der indische Riese erst recht

Die wirklich schlechten Nachrichten für die deutsche „Klimarettungskanzlerin“ kommen jedoch aus anderen asiatischen Ecken. Die Eröffnung der Hannover Messe, an der Indien als Gastland teilnimmt, nahm Fr. Merkel zum Anlass, dem indischen Premier Modi gegenüber die deutsche Energiewende als Zukunftsprojekt zu loben. Zugleich verweis sie auf den Pariser „Klimagipfel“ im Dezember, auf dem, so ihre Erwartung, man sehen werde, dass 130 bis 140 Länder die Produktion erneuerbarer Energien fördern und Schritt für Schritt von der fossilen Energieerzeugung auf erneuerbare Energien umsteigen [MERK]. Allerdings fällt bei den Formulierungen eines auf: Für den Eifer, mit dem sich Merkel sonst in Sachen Klimaschutz international zielsicher von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen bewegt, waren es diesmal geradezu erstaunlich leise Töne. Dennoch bleibt es ein peinlicher Belehrungsversuch gegenüber einem Gast, den sich andere Politiker wohlweislich verkniffen hätten.
Da man auch in Indien die Regeln asiatischer Höflichkeit kennt, verzichtete Modi darauf, die Kanzlerin darauf hinzuweisen, dass Indien sich bezüglich seiner Stromversorgung in einer fast schon verzweifelten Situation befindet.

Nur wenige Tage vor der Hannover Messe hat das Land deshalb einen ambitionierten Plan verkündet, wonach seine Kohleproduktion bis 2020 auf dann 1,5 Mrd. Tonnen Kohle pro Jahr verdoppelt werden soll [INDI]. Allein bis 2017 sollen zusätzliche Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von fast 76.000 Megawatt in Betrieb gehen. Für die indische Wirtschaft ist dies überlebenswichtig, damit endlich die ständigen Stromausfälle überwunden werden können, die vor allem für Hightech-Industrien einen regelrechten Alptraum darstellen.
CO2-Emissionen im vollen Galopp
Schon allein mit diesen beiden Ankündigungen von zwei der weltgrößten Volkswirtschaften kann die Kanzlerin ihre gesamten Klimaschutzambitionen sowie die Planungen für den Pariser Gipfel begraben. Umgerechnet in CO2 werden allein diese beiden Riesen ihren Ausstoß in den nächsten Jahren um zusammen 2,9 Mrd. Tonnen steigern. Gemessen an der Situation im Jahre 2014 entspricht dies einem Anstieg um fast 10 %. Hinzu kommt China, das sich auch von Obama nicht bekehren ließ und schon 2006 Kohlekraftwerke im 2-Tage-Rhythmus in Betrieb nahm [BFT]. Daneben spielen die 200 Mio. Tonnen, die Deutschland einsparen will, überhaupt keine Rolle. Auch in Paris wird sich keine dieser Nationen von irgendwelchen Schalmeienklängen aus Deutschland oder den USA von ihrem Kurs abbringen lassen.

Merkels Klimapolitik am Abgrund

Für Merkels vergleichsweise leise Töne gegenüber Indien gibt es jedoch auch einen gewichtigen innenpolitischen Grund: Die tönernen Füße ihrer Klima- und Energiepolitik beginnen sicht- und hörbar zu bröckeln. Erstmals seit Jahren beginnen Verbände, die bisher brav alles geschluckt haben, was Schröder und Trittin, Merkel, Gabriel sowie die auf diesem Gebiet besonders aktive Fr. Hendricks ihnen vorgesetzt haben, ernsthaft aufzumucken. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), in dem vor allem die rotgrün dominierten Stadtwerke das Sagen haben, hat just zur Eröffnung der Hannover Messe eine Pressemitteilung herausgegeben, die vor einem dramatischen Einbruch bei Kraftwerksneubauten warnt. Hildegard Müller, als enge Vertraute der „Klimakanzlerin“ vor einigen Jahren an die Spitze der Organisation berufen, geht inzwischen auf Distanz zu ihrer Mentorin und sieht die Zukunft der Stromversorgung in Gefahr. Das sind ganz neue und für Merkel bedrohliche Töne aus einer Ecke, in der bisher grüne und rote Funktionäre der Stadtverwaltungen alles beklatschten, was Kernkraft und Kohlekraft verteufelte.

Eine klares Zeichen dafür, wie dramatisch die Situation aufgrund der in sinnlosen Wind- und Fotovoltaikprojekten versenkten Abermilliarden für die Stadtwerke und kommunalen Energieerzeuger inzwischen geworden ist. Ein ebenso deutliches Warnsignal für die Kanzlerin dürfte schon allein die Tatsache sein, dass der deutsche Mittelstand sich inzwischen traut, in seiner Verbandszeitschrift solche Kritik offen aufzugreifen. Merkel, deren verblüffende Kurventauglichkeit bei sich drehendem politischem Wind ja bestens bekannt ist, dürfte sich inzwischen bereits mit der Frage beschäftigen, wie sie auch diesmal rechtzeitig eine 180 °- oder noch besser sogar eine 540 °-Wende hinbekommt. Vermutlich wird dabei der eine oder andere ihrer Mitstreiter, der heute noch groß ins „Klimaschutz“-Horn tutet, plötzlich über Bord gehen und sich unerwartet im kalten Wasser wiederfinden. Der Verlauf des „Klimagipfels“ im Dezember in Paris könnte dabei möglicherweise als Wendemarke dienen. Es dürfte noch spannend werden…

Fred F. Mueller

Quellen:
[BDEW] http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2015/04/72049/
[BFT] http://www.buerger-fuer-technik.de/body_china_s_kohlekraftwerke.html
[BUND] Aktionsprogramm Klimaschutz 2020 Eckpunkte des BMUB www.bmub.bund.de
[EIKE] http://www.eike-klima-energie.eu/climategate-anzeige/konferenz-berlin-energy-transition-dialogue-in-berlin-am-deutschen-wesen-soll-das-klima-genesen/
[INDI] http://asia.nikkei.com/Politics-Economy/Policy-Politics/Modi-looks-to-double-coal-production-by-2020
[JAP1] http://about.bnef.com/bnef-news/japan-s-new-coal-plants-threaten-emission-cuts-group-says/
[JAP2] https://foreignpolicy.com/2015/04/08/japan-bets-on-nuclear-and-coal-for-future-power/
[MERK] http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Rede/2015/04/2015-04-13-bk-hannovermesse.html

► Am deutschen Wesen soll das Klima genesen, Teil 1

Lesetipp:
schroeder

VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 0.0/5 (0 votes cast)

Am deutschen Wesen soll das Klima genesen, Teil 1

Einer aktuellen Focus-Meldung zufolge [FOCU] will der deutsche Außenminister Walter Steinmeier verstärkt andere Nationen zur Förderung der sogenannten „erneuerbaren“ Energien anhalten. windradInversDiese Absicht bekundete er auf einer zweitägigen Konferenz „Berlin Energy Transition Dialogue“ im Auswärtigen Amt, an der viele Außen- und Energieminister sowie hochrangige Experten aus über 60 Staaten teilnehmen sollten, darunter der US-„Starökonom“ Jeremy Rifkin, der von Faina Faruz wie folgt charakterisiert wird: „Rifkin, ein grüner Prophet, den das Handelsblatt als „Rosamunde Pilcher unter den Ökonomen“ und als „der Gute-Laune-Bär unter den Top-Beratern von Politikern und wichtigen Vorstandschefs“, die taz als „das grüne Gewissen des Planeten“ bezeichnet, zählt zu den Beratern der Bundeskanzlerin Angela Merkel und ist bei großen Konzernen häufiger Gast“.

Deutschland möchte führen…

„Wir zeigen, dass Klimaschutz, Energieversorgungssicherheit und wirtschaftliches Wachstum zusammen passen und einander nicht ausschließen“, so Steinmeier laut der Focus-Meldung. Die hochrangige Besetzung des Auditoriums hängt der Meldung zufolge auch damit zusammen, dass Deutschland derzeit den G7-Vorsitz der wichtigsten westlichen Industrieländer hat und der Weltklimaschutzkonferenz im Dezember in Paris zum Erfolg verhelfen will. „Gemeinsam mit unseren Partnern aus aller Welt wollen wir Wege zu einer nachhaltigen, sicheren und kostengünstigen Energieversorgung entwickeln“, wird Steinmeier zitiert.

In diese Kerbe schlug der gleichen Meldung zufolge auch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), der ausführte, dass Deutschland dank der Energiewende künftig nicht nur weniger Öl und Gas im Ausland kaufen müsse: Die Entwicklung neuer, energiesparender Technologien werde auch deutschen Firmen auf den Weltmärkten helfen. „Damit unser Weg gelingt, brauchen wir für eine erfolgreiche Energiewende eine enge Abstimmung mit unseren europäischen und internationalen Partnern“, so der Vizekanzler .

beim Kreuzzug gegen das CO2

Diese Konferenz reiht sich ein in eine ganze Serie ähnlich gelagerter Initiativen, mit denen Deutschland seit Monaten auf europäischer wie auch auf internationaler Ebene versucht, bei der „Rettung des Weltklimas“ die Vorreiterrolle zu übernehmen. Ziel ist es, der Klimakonferenz in Paris im Dezember zum Erfolg zu verhelfen, indem scharfe und bindende Ziele zur Verringerung des weltweiten CO2-Ausstosses gefasst werden. Dazu wurden sowohl in Deutschland als auch – auf deutschen Druck hin – auf europäischer Ebene äußerst ehrgeizige (soll heißen unrealistische) Ziele zur CO2-Reduktion verabschiedet.

Großmeisterin Merkel…

Entscheidende Kraft hinter diesen Initiativen, die auch von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks mit vorangetrieben werden, ist Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die Pfarrerstochter treibt den „Klimaschutz durch Exkommunikation des CO2“ ebenso wie den von ihr verantworteten Atomausstieg mit geradezu pastoralem Eifer voran. Dazu nutzt sie auch ihre internationalen Kontakte auf höchster Ebene, u.a. zu Obama und dem Papst. Dieser hat in letzter Zeit Signale ausgesandt, dass die katholische Kirche der Glaubensgemeinschaft der Klimabewegten Unterstützung leisten könnte.

auf glattem internationalem Parkett

Selbst bei ihrem kürzlichen Besuch in Japan [FAZ] versuchte Merkel mit großem Einsatz, die inzwischen längst nicht mehr so atomkritischen Japaner vom deutschen Weg – Kampf gegen Kohle und Kernkraft zugleich – zu überzeugen. Besonderes Feingefühl für die Kultur des Gastlandes ließ sie allerdings nicht erkennen, als sie versuchte, einem Roboter aus Japan, einem Land, in dem man sich voreinander ohne Körperkontakt verbeugt, die Hand zu schütteln. Die Gastgeber nahmen diesen Gesichtsverlust ebenso wie die Belehrungsversuche höflich mit einem gelassenen Lächeln zur Kenntnis und werden sicherlich ihre Programmierer angewiesen haben, ihre Systeme schleunigst so „fool-proof“ im eigentlichsten Sinne des Wortes zu machen, dass selbst dem tumbesten ausländischen Besucher in Zukunft solche vermeidbaren Peinlichkeiten erspart bleiben.
Wobei diese Sache gleichzeitig ein grelles Schlaglicht auf die Qualität der Personalpolitik höchster deutscher Regierungskreise wirft. Entscheidendes Kriterium der Auswahl ist vermutlich die stromlinienförmige Anpassung an die Vorstellungen und Wünsche der Führungsfigur. Sachkunde zum Beispiel bezüglich der Kenntnis fremder Mentalitäten und Kulturen scheint dagegen in den Stellenbeschreibungen zu fehlen.

Deutschland: Vom Möchtegern-Vorbild zur Lachnummer?

Einer der wenigen im Kabinett, von dem man ab und zu den Eindruck erhält, dass er sich noch die Fähigkeit zu unabhängigem Denken bewahrt hat, scheint Minister Gabriel sein, der im Zusammenhang mit der Energiewende schon vor knapp einem Jahr folgende bemerkenswerten Aussagen tätigte:
„Die Wahrheit ist, dass die Energiewende kurz vor dem Scheitern steht.“
„Die Wahrheit ist, dass wir auf allen Feldern die Komplexität der Energiewende unterschätzt haben.“
„Für die meisten anderen Länder in Europa sind wir sowieso Bekloppte.“
Natürlich ist und bleibt S. Gabriel einer der Hauptverantwortlichen der aktuellen Energiewendepolitik, und er wird sicherlich nicht seine Karriere mit Alleingängen riskieren. Aber in dem Haufen sonstiger Jasager im Kabinett scheint er fast der einzige zu sein, der intelligent genug ist, um zu verstehen, was man da mit Deutschland zurzeit anrichtet.

Fred F. Mueller

Quellen:

[FOCU] http://www.focus.de/finanzen/news/wirtschaftsticker/unternehmen-deutschland-will-oeko-energien-weltweit-zum-durchbruch-verhelfen_id_4570969.html
[RUHR] http://ruhrkultour.de/energie-4-0/
[FAZ] http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/asien/angela-merkel-wirbt-fuer-atomausstieg-bei-japan-besuch-13471829.html

VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 5.0/5 (2 votes cast)

Sigmar Gabriel: “Lassen sie uns den Quatsch beenden”

Marietta Slomka zweifelt die demokratische Legitimation der Abstimmung der SPD Mitglieder über die große Koalition an. Jana Stegemann: “Es war einer der seltenen authentischen Momente in politischen TV-Sendungen, in denen die Gesprächspartner mehr von sich preisgeben, als ihnen recht ist.”
schroeder

Es wäre jedoch zu einseitig, den verbalen Schlagabtausch auf die Befindlichkeiten der beiden Gesprächsteilnehmer zu reduzieren. Horst Seehofer (CSU) eilte nämlich Sigamr Gabriel zu Hilfe. In einer SMS an ZDF-Intendant Thomas Bellut habe Seehofer sich beschwert, berichtet meedia.de. Slomka hätte Gabriel “vorgeführt wie einen Schulbuben.” Die Fragen Slomkas, wie der SPD-Chef mit verfassungsrechtlichen Fragen bezüglich des Mitgliederentscheids zum Koalitionsvertrag umgehe, seien “absurd” gewesen. Auch die Ex-Familienministerin Kristina Schröder (CDU) verteidigte ungefragt den SPD-Chef auf twitter.
Die Politiker mögen unterschiedliche persönliche Gründe für die Kritik an der Moderatorin haben. Sie selbst sagte in einem Interview (Bild plus) dazu:  “Ich war erstaunt, dass mein Gesprächspartner bereits die neutral formulierte Eingangsfrage nach den Skeptikern in der SPD mit einem persönlichen Angriff erwiderte. Als habe es solche kritischen Stimmen gar nicht gegeben. Auch die Diskussion über mögliche demokratische oder gar verfassungsrechtliche Bedenken habe ja nicht ich erfunden, die gibt es.”

Slomka hat Recht: Das Thema beschäftigt Verfassungsjuristen. Einer der renommiertesten Staatsrechtler Deutschlands, Christoph Degenhart, wirft die Frage auf, inwieweit das Vorgehen der SPD mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Er halte sie “in diesem Fall für verfassungsrechtlich nicht legitim“, sagte Degenhart Handelsblatt Online. Degenhart begründete seine Vorbehalte mit dem Grundsatz des freien Mandats nach Artikel 38 des Grundgesetzes, der auch bei der Kanzlerwahl gelte, schreibt das Handelsblatt. Er habe erläutert: Auch wenn natürlich das Ergebnis der Mitgliederbefragung für die Abgeordneten bei der Stimmabgabe nicht formell verbindlich ist, kommt die Befragung aus meiner Sicht jenen Aufträgen und Weisungen nahe, die nach Art. 38 Abs. 1 Satz 2 GG ausgeschlossen sind“. Die Parteien als solche dürften aber nicht über die Stimmabgabe der Abgeordneten bei der Kanzlerwahl bestimmen. Die Mitgliederbefragung habe jedoch „Elemente eines imperativen Mandats, das es nach dem Grundgesetz nicht geben darf“.

Warum reagierte Gabriel auf die Frage nach der verfassungsrechtlichen Bedenken aggressiv? Einen Aspekt, der zu einer möglichen Antwort führen kann, nennt der Blog “Glitzerwasser”: “Wer so aggressiv auf den Vorwurf von verfassungsrechtlichen Bedenken zum Mitgliederentscheid der SPD reagiert, hat Angst vor dem Argument.” SPD-Chef Gabriel habe selbst welche verfassungsrechtlichen Argumente ins Feld geführt und auf Artikel 21 des Grundgesetzes hingewiesen: »Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit.« Was hat dieser Mitgliederentscheid mit der demokratischen Willensbildung des Volkes zu tun? Liegt er nicht eher im Bereich des gesetzeswidrigen sogenannten imperativen Mandats der Abgeordneten? Darüber diskutieren zurzeit Verfassungsrechtler.
Die Hypothese: Die Aggressivität Sigmar Gabriels und die Unterstützung aus Kreisen der CDU und CSU signalisiert keine Problem von Politikern mit der Presse und den Medien, sondern ein schwerwiegendes politisches Problem: “Deutschland befindet sich im Würgegriff der Parteien, die nicht mehr an der Willensbildung mitwirken, sondern diese bestimmen wollen.”
Deshalb: Augen und Ohren auf!

 

VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 0.0/5 (0 votes cast)