Südwestfalen

Die IHK in Südwestfalen fordert: Energiemix beibehalten

In Südwestfalen funktioniert die Wirtschaft. Noch.

Der Wirtschaft in Südwestfalen bereitet die Energiewende Sorgen. Für das produzierende Gewerbe sei eine verlässliche Energieversorgung besonders wichtig, sagt die IHK Siegen. Spannungs- und Frequenzschwankungen könnten leicht zu Produktionsausfällen oder zu Schäden führen. Der steigende Anteil volatiler Energiequellen, wie der Windenergie, darf aus Sicht der IHK die Versorgungssicherheit nicht gefährden. Auf absehbare Zeit müsse deshalb am Energiemix festgehalten werden. 

Zum IHK Bezirk in Südwestfalen gehören die beiden Kreise Siegen-Wittgenstein und Olpe. Sie bilden die Arbeitsmarktregion Siegen. In diesem Wirtschaftsraum leben rund 421.000 Einwohner. Gemessen am Wachstum der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, mit einem hohen Fachkräfteanteil, gehört diese Region zu den wachstumsstarken Bereichen des Landes Nordrhein-Westfalen.

 

Besondere Unternehmensstruktur in Südwestfalen

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Siegen weist auf die besondere Unternehmensstruktur in ihrem Bezirk hin. Vorherrschend sind klein- und mittelständische Unternehmen. Nur rund ein Dutzend der Unternehmen beschäftigen mehr als 1000 Mitarbeiter.

Die besondere Unternehmensstruktur hat Folgen für die Verbundenheit der Menschen mit der Region und den Unternehmen. Das Unternehmen wird in der Regel nicht durch ein anonymes Management, sondern durch Eigentümer-Unternehmer, die auch mit Eigenkapital für das unternehmerische Risiko haften, geführt. “Daraus resultiert eine starke Bindung der Unternehmer an die Region und an das eigene Unternehmen”, schlussfolgert die IHK. Die Typisierung gelte nicht nur für das verarbeitende Gewerbe, sondern auch für den Dienstleistungssektor.

Aus der Tatsache, dass der Schwerpunkt der Unternehmen im verarbeitenden, energieintensiven Gewerbe liegt, ergeben sich besondere Anforderungen an die Rahmenbedingungen, die von der Politik bestimmt werden.

 

Auswirkungen Energiewende in NRW

Die Wirtschaftsregion Siegen gilt in Nordrhein-Westfalen landesplanerisch als „gering verdichtet“ und gehört danach zu den „ländlich“ definierten Räumen. Gegenüber den verdichteten Regionen sind diese ländlichen Räume allerdings die Gewinner der Beschäftigtenentwicklung in den zurückliegenden Jahren. Gerade sie haben einen besonders hohen Anteil industrieller Arbeitsplätze. In der Region dominieren die Herstellung von Metallerzeugnissen, der Maschinenbau und die Sanitär- und Elektroindustrie. Diese Branchen sind naturgemäß energieintensiv.

Etwa 39 Prozent der Unternehmen im IHK-Bezirk sehen in den Energie- und Rohstoffpreisen ein Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung des eigenen Unternehmens. Der  Präsident der Industrie- und Handelskammer Siegen, Felix G. Hensel, warnt, dass in einigen Bereichen die Energiekosten bei weit mehr als zehn Prozent des Umsatzes  liegen. Er hält diese Zahlen für alarmierend. Sie sind aus seiner Sicht “ein schlechtes Signal für die künftige Wirtschaftskraft vor Ort und im Land.“

Die IHK weist darauf hin, dass industrielle Stromabnehmer in Deutschland je KWh das Doppelte dessen zahlen, was Wettbewerber in Frankreich, den Niederlanden oder Skandinavien zahlen.

Eine Verbilligung der Industriestrompreise durch Umlage über die privaten Haushalte fordert die IHK Siegen nicht. Sie fordert, dass die Versorgungssicherheit nicht gefährdet und deshalb auf absehbare Zeit am Energiemix festgehalten werden muss.

 

Widerstand gegen den Landesentwicklungsplan NRW

Der Landesentwicklungsplan (LEP) NRW stößt in Südwestfalen bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Siegen auf massiven Widerstand.

Der Landesesentwicklungsplan sieht in Südwestfalen 18.000 Hektar als Windvorranggebiete vor. Dies sei befremdlich, meint die IHK. In Südwestfalen werde einem Minimum an gewerblicher Flächeninanspruchnahme mit einem Maximum an Flächenausweisung für Windenergie begegnet.  IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener kritisiert den Plan mit den Worten: „Mit der Energiewende geht eine Dezentralisierung von Versorgungsstrukturen einher, die sich nicht mit zentral formulierten Vorgaben und Quoten verträgt.“

Die IHK fordert die heimischen Landtagsabgeordneten auf, sich für Verbesserungen einzusetzen.

 

Quellen:

Foto: grafic-vision, pixabay

 

 

 

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Preisobergrenzen für Strom

Preisobergrenze für Strom in Großbritannien?

Eine Preisobergrenze für Strom in Großbritannien in Sicht

Die britische Regierung steht politisch unter Druck, eine Preisobergrenzen für Strom einzuführen. Regierungsquellen deuten darauf hin, dass Preisobergrenzen innerhalb von vierzehn Tagen und vor den Kommunalwahlen am 4. Mai eingeführt werden, so dass die Regierung politische Vorteile daraus gewinnen kann, berichtet die Daily Mail.

Dem Plan des Torymitglieds MP John Penrose sieht eine “relative Preisobergrenze” vor. Danach soll ein Tarif festgesetzt werden, der nie mehr als einen bestimmten Prozentsatz über dem günstigsten Angebot eines Stromlieferanten liegt. Der Vorschlag wird von Industrie- und Regierungsquellen gleichermaßen als das wahrscheinliche Modell für Preisobergrenzen angesehen .

In einer Vorlage zu einer Regierungsberatung zu diesem Thema, das die The Mail on Sunday einsehen konnte, schlägt Penrose vor, dass die Einführung einer relativen Preisobergrenze von einer “Sonnenklausel” begleitet werden sollte, die darauf abzielt, die Preisobergrenze dauerhaft zu verhindern.

Ministerpräsident Theresa May habe wiederholt den Energiemarkt kritisiert und im vergangenen Monat erklärt, dass die Energiepreise innerhalb von 15 Jahren um 158 Prozent gestiegen seien, wobei die ärmsten Familien von den höchsten Tarifen getroffen wurden.

 

18 Prozent höhere Stromkosten für britische Stromkunden allein in diesem Jahr

Der Energieversorger EDF Energie hat laut Daily Mail  letzte Woche erneut für Empörung gesorgt, als das Unternehmen die Strompreise zum zweiten Mal in vier Monaten anhob. Ab dem 21. Juni sollen die Strompreise um 9 Prozent und die Gaspreise um 5,5 Prozent steigen. Das bedeutet, dass 1,5 Millionen EDF-Kunden 18 Prozent mehr für Strom in diesem Jahr zahlen werden, nahezu £ 100 mehr als bisher. EDF ist eines der Big Six Energieunternehmen, die die Energieversorgung mit etwa 90 Prozent Marktanteil beherrschen.

“Preiskappen sehen unvermeidlich aus und ich kann es bis zu einem Punkt verstehen”, sagte Peter Atherton von Cornwall Energy. “Wir sind in einer Periode, in der die Preise sehr stark ansteigen werden, auch wenn sich die Großhandelspreise aufgrund der Kosten der Regierungspolitik stabilisieren.” Es sei aber noch schwer zu sehen, ob die Preiskappen eine gute Idee sind, wendet er ein. Jeder Preismechanismus sei offen für Manipulation und sogar eine relative Preiskappe würde Unternehmen den Weg öffnen, um ihre Tarife in einer Weise zu manipulieren, die billige Angebote umgehen könnten.

Quelle:

http://www.dailymail.co.uk/money/news/article-4414598/Calls-sunset-clause-caps-energy-bills-loom.html

Foto: geralt, pixabay

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Stabilisierung des Stromnetzes – Milliardengrenze bereits 2015 überschritten

Der Fluch der bösen Konzeptlosigkeit

Netzstörungen: Der unheilbare Erbdefekt der Energiewende

Foto: flightlog

Im Stromnetz gibt es keine Energiereserven. Bei jedem Nulldurchgang der Spannung – dies erfolgt 100 Mal pro Sekunde – enthält es faktisch keinerlei elektrische Energie. Der gesamte Bedarf der nächsten Halbwelle muss erneut von den Generatoren in den Kraftwerken bereitgestellt werden. Und zwar in ganz exakt der Menge, die für genau diese Halbwelle benötigt wird. Würde das nicht mit höchster Präzision erfolgen, käme das Netz aus dem Takt – mit fatalen Folgen. Denn schon geringe Überschüsse oder Defizite in der Menge der bereitgestellten Energie bringen die exakte Synchronität der vielen Erzeuger aus dem Takt und gefährden das System als Ganzes. Dies gilt ausnahmslos für alle Störgrößen im Netz, auch für die ohne Rücksicht auf den aktuellen Bedarf hineingepressten Strommengen aus Wind- und Solarenergie. Kürzliche Alarmmeldungen der Netzbetreiber zeigen, dass hier inzwischen ein Kipppunkt in bedrohliche Nähe gerückt sein dürfte.

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Bild 1. Mit zunehmender Einspeisung von Strom aus Sonne und Wind steigt auch die Zahl der erforderlichen Netzeingriffe exponentiell an. Der Trend weist steil nach oben (Grafik: M. Limburg, Daten: [NETR])

Am 17. Januar 2016 wurde die deutsche Presse durch eine alarmierende Meldung des Netzbetreibers Tennet plötzlich aus ihrer üblichen Jubelstimmung bezüglich der wunderbaren Fortschritte der „Energiewende“ aufgeschreckt: Grund war eine von dpa verbreitete Meldung des Tennet-Chefs Urban Keussen des Inhalts, dass die Kosten für Maßnahmen zur Stabilisierung des Stromnetzes bereits 2015 die Milliardengrenze geknackt hätten. Wie ernst die Lage innerhalb kürzester Zeit geworden zu sein scheint, zeigt sich am Anstieg der Zahlen. So sprang der Kostenaufwand für Maßnahmen, mit deren Hilfe die Netzgesellschaften Störungen u.a. durch kurzfristigen Zukauf von Regelenergie ausgleichen müssen, allein bei Tennet innerhalb von nur einem Jahr von 74 Mio. € auf rund 225 Mio. € hoch. Das ist eine Steigerung um gut 300 %. Insgesamt musste Tennet für diese sowie weitere Maßnahmen rund 700 Mio. € aufwenden, und bei den anderen Netzbetreibern sah es nicht viel besser aus. Auch bei 50 Hertz liefen Kosten von gut 300 Mio. € auf, und für alle vier Netzbetreiber zusammen kamen mehr als eine Mrd. € zusammen. Tendenz stark steigend, Bild 1.

Damit hatte man offensichtlich nicht gerechnet. Die Netzgebühren dürften dadurch so stark nach oben gehen, dass allein dies die Haushaltsstromkosten um sechs Prozent nach oben treibt. Die Ursache ist klar: Es liegt am Stromaufkommen aus „erneuerbaren“ Energien, insbesondere am Windstrom, von dem 2015 besonders viel eingespeist wurde. Diese Erklärung ist allerdings nicht „politisch korrekt“, weshalb die Netzbetreiber sofort anfingen, lautstark über zu geringe Leitungskapazitäten zu jammern und die dringende Notwendigkeit der Errichtung neuer Trassen wie „Süd-Link“ oder „Süd-Ost“ zu betonen. Dies verschleiert die wahren Ursachen und dient nur den eigenen Interessen. Um zu verstehen, was wirklich vor sich geht, muss man sich zunächst mit den Besonderheiten der „EE“-Stromerzeugung aus Wind und Sonne befassen.

Wind- und Solarstrom stören, statt zu helfen

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Bild 2. Das deutsche Stromnetz war bisher eines der stabilsten in Europa. Dargestellt sind die Stromausfälle in Minuten pro Jahr und Abnehmer (Grafik: [VESI])

Zunächst muss man sich dabei den entscheidenden und grundsätzlich nicht behebbaren „Erbdefekt“ von Wind- und Solarstrom vergegenwärtigen: In einem 50-Hz-Netz stören sie, statt zu helfen. Bei allen anderen Stromerzeugern kann man die Leistung präzise auf den aktuellen Netzbedarf hin regeln und die Einspeisung ins Netz so den ständig auftretenden kleineren und größeren Schwankungen anpassen. Diese Abweichungen sind prinzipiell unvermeidlich. Deshalb haben zahlreiche Wissenschaftler und Ingenieure Jahrzehnte damit verbracht, ihre Auswirkungen durch ausgeklügelte Methoden abzufangen und zu minimieren. Lohn der Mühe war eine äußerst stabile Stromversorgung. Deshalb gehörte Deutschland bezüglich der Stabilität seiner Stromversorgung noch in den Jahren 2009/2010 im europaweiten Vergleich zur Spitzengruppe, Bild 2.

Im Unterschied zu allen anderen Kraftwerkstypen richtet sich die Stromerzeugung von Windenergieanlagen und Fotovoltaikfeldern nicht nach dem jeweiligen Bedarf, sondern ist grundsätzlich und ausschließlich von den Launen des Wetters abhängig. Hinzu kommt die nur für Ideologen verständliche Festlegung, dass dieser ohne Rücksicht auf den Bedarf erzeugte Strom auch noch per Gesetz Vorrang vor allen anderen Erzeugern hat. Diese müssen daher zusätzlich zu den von den Unwägbarkeiten des Verbrauchs verursachten Schwankungen auch noch die erratischen, von Windböen und Wolkenabschattungen herrührenden Sprünge der Einspeisung von Wind- und Solaranlagen abfangen und ausgleichen. Diese werden naturgemäß umso größer, je mehr derartige Anlagen ans Netz gebracht werden. Allerdings behaupten die Vertreter der EE-Branche, durch die Verteilung von Anlagen über größere Gebiete würden sich örtliche Schwankungen zunehmend ausgleichen und so verstetigen. Auch gebe es einen Ausgleich zwischen Wind- und Sonnenstrom. Doch wie stellt sich dies in der Praxis dar?

Einspeisung von Wind- und Solarenergie im Dezember 2015

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Bild 3. Grafische Darstellung der Summenleistung der deutschen Wind- und Solarerzeuger im Dezember 2015, basierend auf viertelstündlich aufgezeichneten Daten der Strombörse EEX (Grafik: Autor)

Als Musterfall nehmen wir die Solar- und Windenergieeinspeisung vom Dezember 2015, einem Monat, der sich zur Freude der Branche durch eine besonders hohe Windausbeute auszeichnete, Bild 3.

Wie man sieht, ist der Verlauf schon beim Wind sehr unruhig. Die kurzen, aber intensiven „Solarnadeln“ tragen noch zur Verstärkung dieser Diskontinuität bei. Die Summenkurve erhält dadurch ein geradezu extrem sägezahnartiges Profil. Bei einer installierten Gesamtkapazität von mehr als 84 GW schwankt die abgegebene Leistung zwischen 1,7 und 35,6 GW, das ist ein Verhältnis von 21/1. Trotz der enormen nominellen Kapazität erreichte der Nutzungsgrad nie mehr als 42 %. Im schlechtesten Fall lag er nur bei 2 %. Benötigt wurden dagegen zwischen 35,5 und 88,8 GW: Zu mehreren Zeitpunkten in diesem Monat waren die „Erneuerbaren“ demnach mehr oder weniger ein Totalausfall. Fast die gesamte Leistung im Netz musste von zuverlässigen, regelbaren Stromerzeugern geliefert werden. Man sieht auf den ersten Blick, warum Wind- und Solarstrom für die Versorgung einer Industrienation ungeeignet sind. Das ist ein angesichts der riesigen nominellen Kapazität sehr ernüchterndes Ergebnis. Angesichts der Verteilung von etwa 25.000 Windenergieanlagen und noch viel mehr Solaranlagen über ganz Deutschland kann man auch die Behauptung, dass es hierdurch zu einer Verstetigung der Erzeugung käme, als eindeutig widerlegt betrachten.

Extreme Schwankungen

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Bild 4. Am 6. und 7. Dezember brach die Gesamtleistung der Wind- und Solarproduktion innerhalb von 28 Stunden um 33,9 GW ein (Grafik: Autor)

Ein weiterer Negativpunkt sind nicht nur die Schwankungen der „EE“-Leistungen an sich, sondern auch die geradezu extremen Geschwindigkeiten, mit der dies erfolgt. Besonders anschaulich erkennt man dies, wenn man sich das Geschehen am 6. und 7. Dezember in hoher zeitlicher Auflösung ansieht, Bild 4.

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Bild 5. Als am 6.12. sowohl Sonne als auch Wind keine Lust mehr hatten, mussten die regelbaren Kraftwerke laut EEX-Daten ihre Leistungsabgabe in nur 35 Stunden um 270 % (!) auf 38.000 MW steigern (Grafik: Autor)

Doch das ist nur ein Teil der Fakten, denn im gleichen Zeitraum zog auch noch der Strombedarf des Landes deutlich an und erreichte in der Spitze fast 90 GW. Noch bis zur Tagesmitte des 6.12. hatten jedoch die regelbaren Kraftwerke wegen des Vorrangs für die „EEG-Stotterstromlieferanten“ Wind und Sonne ihre Leistungsabgabe teils stark reduzieren müssen. Als dann am 6.12. sowohl Sonne als auch Wind keine Lust mehr hatten, mussten die in Betrieb befindlichen Einheiten einen regelrechten Alarmstart hinlegen und ihre Leistungsabgabe in nur 35 Stunden um 38.000 MW steigern, Bild 5.

Vergleicht man diese Zahl mit der Größenordnung üblicher Kohlekraftwerksblöcke von rund 1 GW, so mussten demnach über einen Zeitraum von 35 Stunden insgesamt 38 Kraftwerke von Stillstand auf Volllast hochgejagt werden. Das geht im Prinzip nur bei Gas- und Steinkohlekraftwerken. Schaut man sich die in Bild 5 farbig gekennzeichneten Anteile der verschiedenen Kraftwerkstypen an, so sieht man, dass es vor allem die heute so verächtlich gemachten Kohlekraftwerke waren, die zusammen mit den im Grundlastbetrieb laufenden Kernkraftwerken Deutschland vor einem Blackout gerettet haben. Alle anderen Kraftwerkstypen haben gar nicht die Kapazität, Energie in solchen Größenordnungen bereitzustellen.
Das Ganze hatte jedoch seinen Preis: Kein Kraftwerksbetreiber jagt gerne seine Anlagen derart rücksichtslos von ganz unten im Eilgang auf Volllast. Bei den riesigen, mehr als 10.000 t wiegenden Kesselanlagen, Leitungen und Ventilen kommt es dadurch zu erheblichen Schäden u.a. durch Wärmespannungen. Das muss natürlich dann auch bezahlt werden. Wie teuer der Spaß wirklich war, kann man aus zwei Zahlenangaben von Tennet ermessen: In einer am 19. November herausgegebenen Pressemitteilung wurden die Kosten zur Beherrschung der allein den „erneuerbaren“ zuzurechnenden Notmaßnahmen im Netzgebiet von Tennet noch auf knapp 500 Mio. € beziffert [TENN]. Nur wenige Wochen später war von 700 Mio. € die Rede [SPIE]. Ein rasanter Kostenanstieg, der sich in den kommenden Jahren noch erheblich steigern dürfte. Interessant ist hierbei übrigens auch die Aufschlüsselung der Kosten, die sich wie folgt darstellt: 225 Mio. € für das Hoch- bzw. Herunterfahren von Kraftwerken, 152 Mio. € für den Abruf der Netzreserve und 239 Mio. € für das Notabschalten von Windkraftanlagen. Im Vorjahr hatten die Vergleichszahlen noch bei 74, 92 resp. 128 Mio. € gelegen.

Das Problem der Kurzfrist-Gradienten

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Bild 6. Die Auftragung der EX-Daten über die kurzfristigen Schwankungen des Aufkommens an Wind- und Solarstrom bei viertelstündlicher Auflösung zeigt ein ruheloses Hin und Her mit Amplituden bis zu mehr als 3.700 MW/h (Grafik: Autor)

Neben der soeben beschriebenen Problematik längerfristiger starker Schwankungen speziell im Windenergie-Aufkommen gibt es noch ein weiteres, darunter versteckt liegendes Problem: Ständige starke kurzfristige Schwankungen, die erst bei feinerer zeitlichen Auflösung sichtbar werden. Leider stehen dem Autor lediglich Daten mit viertelstündlicher Auflösung (Bild 6) zur Verfügung, es gibt jedoch Hinweise, dass sich solche Schwankungen auch bis unterhalb des Minutenbereichs auswirken.

Diese Schwankungen, die von der maximalen Amplitude her dem vollen Leistungsumfang von vier großen Kohlekraftwerken entsprechen, treten selbst bei schwächeren bis mittleren Windgeschwindigkeiten nahezu ununterbrochen auf und müssen daher ununterbrochen durch entsprechende Gegenmaßnahmen der Netzbetreiber ausgeglichen werden. Aus der Sicht eines Regelungstechnikers stellen Wind- und Solarstrom eine ständige Quelle von Störimpulsen dar. Diese müssen zu Lasten und auf Kosten der andern Netzteilnehmer aufgefangen und kompensiert werden, denn die Energiebilanz im Netz muss im 10-Millisekunden-Takt stets ausgeglichen werden.
Zugleich ist diese Grafik eine weitere Widerlegung jener Ideologen, die trotz solcher längst vorhandener Gegenbeweise stur behaupten, Wind und Sonne taugten als Energielieferanten für eine moderne Stromversorgung. Im Gegenteil gilt: Solange die Anteile dieser Anlagentypen an der Gesamtversorgung unbedeutend waren, konnte deren Gezappel noch hingenommen werden, weil es im „Grundrauschen“ der übrigen Störimpulse mehr oder weniger folgenlos unterging. Jetzt, wo ihre Anteile die 20-%-Marke überschreiten, beginnen sich die nachteiligen Auswirkungen ernsthaft bemerkbar zu machen. Und es wird rasant schlimmer werden, weil mit Verschiebung der Technologieanteile nicht nur die Störungen zunehmen, sondern zugleich auch die „Ausgleichskapazitäten“ der vom Markt verdrängten regelbaren Kraftwerke drastisch reduziert werden.

Alptraum voraus!

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Bild 7. Darstellung der Einspeisung von Wind-und Solarstrom in einem hypothetischen Dezember 2050 mit angenommen identischem Wetterverlauf wie im Dezember 2015 (Grafik: Autor)

Die jetzt beschriebene Situation wurde von Fachleuten schon seit Jahren vorausgesehen, und es gab entsprechende Warnungen zuhauf. Diese wurden lange nicht zur Kenntnis genommen. Dabei handelt es sich bei dem, was wir jetzt zu sehen bekommen, erst um die Spitze des Eisbergs, der vor dem Bug unseres „garantiert unsinkbaren“ Energiewende-Dampfers sichtbar geworden ist. Um seine wahren Dimensionen deutlicher erkennen zu können, machen wir eine Projektion in die Zukunft, genauer gesagt ins Jahr 2050, bis zu dem ja laut der aktuellen Planungen der EE-Anteil an der Stromerzeugung auf 80 % anwachsen soll. In einem kürzlich erschienenen Artikel wurde für diese Projektion ein Mengengerüst samt Verteilung auf die verschiedenen Technologien entwickelt [EIK2]. Dabei wurden auch der Strombedarf der von der Politik geforderten Umstellung des Autoverkehrs auf batteriebetriebene Fahrzeuge sowie der sich bereits abzeichnende Niedergang der Stromproduktion aus „Biogas“ sowie Müll berücksichtigt. Letztlich werden neben den 20 % konventioneller Kraftwerke vor allem die Windenergie sowie ein deutlich kleinerer Anteil Solarstrom das Geschehen bestimmen, während Wasser bei unter 3 % verharren dürfte. Nach Umrechnung mit den Nutzungsgraden ergeben sich dann folgende Kapazitäten: Wind rund 333 GW und Solar rund 52 GW. Damit hat man Umrechnungsfaktoren, mit deren Hilfe man den hypothetischen Dezember 2050 (mit angenommen identischem Wetterverlauf wie 2015) nachvollziehen kann, Bild 7.

Beim Vergleich der Bilder 4 und 7 fällt zunächst auf, dass der Anteil der Solarstromerzeugung erheblich geringer ist als 2015. Dies entspricht dem heute bereits zu beobachtenden Trend, weil Solarstrom von allen „erneuerbaren“ Technologien die mit Abstand unwirtschaftlichste ist. Das ist jetzt anscheinend auch der Politik klargeworden, weshalb die Förderung stark zurückgefahren wird.
Weitere Auffälligkeit ist das extrem hohe Niveau der Stromerzeugung an windreichen Tagen, das mit bis zu 245 GW weit über dem Tagesbedarf liegen dürfte. Damit sind je nach aktueller Netzlast Überschussleistungen von bis zu mehr als 200 GW vorprogrammiert. Für diese gibt es derzeit kein realistisches Speicherkonzept. Im Gegenteil, man findet seitens der „EE“-Lobbyisten abwiegelnde Aussagen wie die, dass man sich erst in etwa 20 Jahren ernsthaft um diese Thematik werde kümmern müssen [AGOR]. Dabei wird unter anderem ignoriert, dass für die Bewältigung solch gigantischer Leistungen auch entsprechende Leitungskapazitäten benötigt werden, egal wohin man mit dem Strom letztlich gehen wird. Man möge sich vor Augen halten, welche Probleme und welche Kosten allein ein einziges vergleichsweise kleines 4 GW-Leitungsprojekt wie SüdLink mit sich bringt. Wo, wie und mit welchem Aufwand sollen dann Leitungen mit einer Kapazität von mehr als 200 GW errichtet werden? Allein dieses Leitungsnetz könnte mit Zusatzkosten von rund einer halben Billion € zu Buche schlagen.
Die Kehrseite der Medaille ist der je nach Wetterlaune jederzeit mögliche Einbruch der „EE“-Leistung. Im vorliegenden Fall stünden am 7.12. lediglich noch 11.470 MW zur Verfügung. Je nach aktueller Netzlast käme es daher zu einem Defizit von bis zu mehr als 76 GW. Selbst bei der hohen Ausbaustufe des Jahres 2050 sind Wind und Strom offensichtlich ungeeignet zur Sicherung der Grundlast.
Ebenfalls ungeklärt ist auch die Frage, wo diese 76 GW Leistung denn herkommen sollen, wenn wir kaum noch über konventionelle Kraftwerke verfügen werden. Selbst wenn man über die rund 70 % Verluste bei Power-to-Gas hinwegsehen möchte: Wer soll denn die Investitionen in Errichtung und Unterhalt eines Parks moderner Gaskraftwerke mit einer solch hohen Kapazität, die eventuell nur für wenige Stunden im Jahr benötigt würden, finanzieren? Schließlich müssen solche Anlagen mit einer vierschichtigen Belegschaft rund um die Uhr bereitstehen. Und das sind nicht nur ein paar Portiers und Schalterumleger: Für den Betrieb solch komplexer Anlagen braucht es eine Vielzahl gut ausgebildeter und durch ständige Erfahrung trainierter Spezialisten.

Noch extremere Schwankungen…

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Bild 8. In den 28 Stunden zwischen 12 Uhr am 6.12 und 16.00 Uhr am 7.12. 2050 würde die Leistungsabgabe von Wind- und Solarkraftwerken um mehr als 201 GW einbrechen (Grafik: Autor)

Wie bereits weiter oben ausgeführt, stellten Schwankungen der Abgabeleistung von „EE“-Erzeugern die Netzbetreiber schon 2015 und insbesondere im Dezember vor erhebliche Herausforderungen, wodurch die entsprechenden Kosten auf insgesamt über 1 Mrd. € hochschossen. Probleme bereitete insbesondere der schnelle und steile Abfall in der Größenordnung von 1 GW/ h zwischen dem 6.12. und dem 7.12. Dies würde sich im fiktiven Dezember 2050 noch wesentlich gravierender darstellen, Bild 8.

Im Prinzip würde nach dieser Projektion die Leistungsabgabe innerhalb von 28 h um mehr als 201 GW zurückgehen. Dies entspräche einer mittleren Änderungsgeschwindigkeit von rund 7,2 GW/ h bzw. der vollen Leistung von acht modernen Gas-und-Dampf-Turbinen des Typs „Irsching 5“ mit je 860 MW. Gasturbinen deswegen, weil auch bei „Power-to-gas“ die Rückumwandlung zu Strom ja durch Kraftwerke erfolgen muss. Als Wermutstropfen und Warnhinweis sollte allerdings die Tatsache dienen, dass das in Irsching installierte Kraftwerk wegen katastrophaler Unwirtschaftlichkeit zur Stilllegung angemeldet werden musste.

Daher stellt sich die Frage, woher all die benötigten Kraftwerke kommen sollen. Geht man von einer Netzlast von 106 GW und der „EE“-Minimalleistung von 11.500 MW am 7.12. aus, so müsste man 89 Kraftwerke dieses Typs innerhalb von 28 Stunden ans Netz bringen, damit die Lichter in Deutschland nicht ausgehen. Zu diesen Fragen gibt es seitens der Wind- und Solarlobby zwar wortreiche Beteuerungen, aber keine überzeugenden Antworten.

…und nicht mehr beherrschbare Kurzfrist-Gradienten

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Bild 9. Die Auftragung der kurzfristigen Schwankungen des Aufkommens an Wind- und Solarstrom bei viertelstündlicher Auflösung zeigt ein ruheloses Hin und Her mit Amplituden bis zu mehr als -26.500 MW/h (Grafik: Autor)

Was die bereits im Zusammenhang mit Bild 6 erläuterten Kurzfrist-Gradienten angeht, so würden diese im fiktiven Dezember 2050 bis zu -26.500 MW/h erreichen, Bild 9.

Eine weitergehende Diskussion ist nach den bereits zu Bild 6 gegebenen Erläuterungen nicht mehr erforderlich. Mit den heute bekannten bzw. verfügbaren Technologien sind solche Schwankungen schlicht nicht beherrschbar, nicht zuletzt auch deshalb, weil die für ein eventuelles Auffangen erforderlichen Ressourcen durch die Vernichtung konventioneller Kraftwerkstechnologie immer weiter zurückgebaut werden.

Untaugliche Gegenrezepte

Natürlich stellt sich an diesem Punkt die Frage, wie es denn angesichts der jetzt „plötzlich“ auch für die Allgemeinheit sichtbar gewordenen Probleme weitergehen soll. Besonders unerfreulich ist ja, dass dieses Dilemma schon längst vorhersehbar war und es genug Warnungen gab. Jetzt ist der Salat auf dem Teller und den Verantwortlichen bei den Netzbetreibern fällt dazu als erstes die Forderung nach einem verstärkten Ausbau der Netze zur besseren Verteilung des Stroms aus „erneuerbaren“ Energien ein. Dabei ist dies alles andere als sinnvoll, denn es bedeutet nur, die von den Windquirlen ausgehenden Störimpulse großflächiger zu verteilen, ohne dass sie dadurch behoben würden. Das einzige Ergebnis wäre, dass man damit noch mehr Verbraucher mit immer massiveren Störungen „beglücken“ würde. Was man im Ausland davon hält, zeigt sich an den Sperrtrafos, die mittlerweile von Polen und Tschechien zur Abwehr deutschen Windstroms an den Grenzen aufgestellt werden.
Der Grund für die Vorschläge der Netzbetreiber ist allerdings leicht zu verstehen, wenn man ihr Geschäftsmodell berücksichtigt. Ihnen ist es egal, wo der Strom herkommt oder wo er hinfließt und was für Probleme es damit gibt. Sie verdienen nämlich an Problemen. Sie verdienen an neuen Leitungen, an den Durchleitungsgebühren und auch an der Behebung von Störungen, sie verdienen an allem. Die Aufwendungen, welche jetzt so lautstark beklagt werden, sind für sie „Wareneinkauf“, auf den sie ihren staatlich zugesicherten Profit oben draufschlagen dürfen. Wenn sie eine neue Leitung ziehen, so spielen Kosten oder die tatsächliche Auslastung keine wirkliche Rolle. Alle Aufwendungen müssen vom Verbraucher via Durchleitungsgebühr beglichen werden. Die Politik hat es geschafft, aus den früheren Verbundversorgern, die mit einem ganzheitlich optimierten Konzept agierten, ein chaotisches Mit- und Gegeneinander einzelner Akteure zu schaffen, die jeweils nur ihre eng begrenzten Partikularinteressen vertreten und denen alles, was links oder rechts davon passiert, völlig egal ist. Die Zeche zahlt wie immer der Verbraucher, und sie wächst immer schneller.
Während die Kanzlerin mit ihrer in den DDR-Jahren erworbenen Betonkopf-Mentalität stur an ihrem „Energiewende“-Kurs festhält, zeigen sich bei ihrem SPD-Koalitionspartner Anzeichen für erste Absetzbewegungen. Gabriel, der bereits vor einiger Zeit durch den Spruch auffiel, dass man uns im Ausland wegen der Energiewende „sowieso für bekloppt“ halte, scheint ebenso wie in der Flüchtlingsfrage die Zeichen der Zeit erkannt zu haben und sprach in den letzten Tagen davon, die Kohlekraftwerke länger laufen zu lassen. Womit im Prinzip das Ende der Wende eingeläutet würde.

Fred F. Mueller

Quellen:
[AGEB] http://www.ag-energiebilanzen.de/viewpage.php?idpage=139
[AGOR] http://tinyurl.com/jode6ds
[BDEW] http://tinyurl.com/jox5h7d
[BDPR] http://tinyurl.com/zc6cxu7
[EIKE] http://www.eike-klima-energie.eu/news-cache/strom-und-co2-deutschland-im-treibsand-der-illusionen/
[EIK2] http://www.eike-klima-energie.eu/news-cache/energiewende-plan-und-orientierungslos-im-nebel/
[LIMU] Limburg, M.; Mueller, F.F.: Strom ist nicht gleich Strom. Kap. 23, „Strompreise – dank EEG hinauf zu den Sternen“. ISBN 978-3-940431-54-7.
[NETR] http://www.netztransparenz.de/de/Redispatch.htm
[QUAS] http://www.volker-quaschning.de/datserv/windinst/index.php
[SPIE] http://tinyurl.com/hpyvnb9
[STILL] http://tinyurl.com/nddurkc Abgerufen am 30.12.2015
[TENN] http://tinyurl.com/hfvgbed
[VAFI] http://www.vafinans.se/ravaror/diagram/eex-strom-phelix-baseload-year-future/EURO
[VESI] http://tinyurl.com/zgn48e2


Leseempfehlung:

stromMichel Limburg, Fred Mueller, Arnold Vaatz:
“Strom ist nicht gleich Strom. Warum die Energiewende nicht gelingen kann.”
Erhältlich bei ► Storchmann Medien
108 Abbildungen, gebunden, 19,90 €, Versand kostenfrei.

Der Ingenieur Michael Limburg und der Wissenschaftsjournalist Fred F. Mueller erklären in einfachern, auch für Laien leicht verständlichern Weise, wie unser Stromversorgungssystem funktioniert.

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Feldheim: Enercons Superbatterie – eine Quelle zur permanenten Geldbeschaffung?

alte batterie (piqs.de ID: 27e76611823378c119abac9e4f4b1769)

Seit fünf Tagen ist Enercons Superbatterie in Betrieb. Die Anlage hat rund 13 Millionen Euro gekostet und muss in spätestens acht Jahren erneuert werden, möglicherweise auch schon viel früher – für wiederum 13 Millionen Euro. Eine unglaubliche Quelle permanenter Geldbeschaffung.

Deshalb lohnt es sich, die gefeierten Akkus aus Feldheim unter die Lupe zu nehmen. Das Projekt sei ein „Meilenstein für die Systemintegration der erneuerbaren Energien“, sagte der brandenburgische Minister für Wirtschaft und Energie, Albrecht Gerber (SPD),  bei der Eröffnungsfeier. Und er müsste es wissen, denn er hat zu verantworten, dass fünf Millionen Euro Steuergelder als Förderung vom Land Brandenburg in dieses Projekt flossen.

Der Laborversuch läuft in Feldheim, einem kleinen, 135-Einwohner-Dorf in Brandenburg.

Die Akkus eignen sich nicht als Speicher für eine zuverlässige Stromversorgung, sie gleichen nur Versorgungsschwankungen im Netz aus. Kein einziges Grundlastkraftwerk wie Kohle- oder Kernkraftwerk wird durch sie überflüssig. Ein Sicherheitsrisiko besteht ebenfalls: Lithium-Ionen-Akkus können explodieren. Jeder Handybenutzer hat davon gehört, einige haben dies selbst erlebt.

In der überregionalen Presse findet dieses Großereignis allerdings wenig Beachtung. Der Hype hat sich offenbar gelegt, seitdem bekannt ist, wie teuer der wenige Minuten dauernde Leistungsausgleich für die unzuverlässigen Windkraftindustrieanlagen sein wird: Auf jeden Einwohner Feldheims entfallen alle acht Jahre rund 100.000 Euro. Dr. Winfried Ludwig, von der Bürgerinitiative Fichtenwalde “Natürlich gegen Lärm”, hat die Zahlen auf das Bundesland Brandenburg hochgerechnet. Dabei ergibt sich eine Investitionssumme, die dem 24-fachen des Landeshaushaltes entspräche, auf die Bundesrepublik Deutschland hochgerechnet betrüge die Investition 8.145.312.500.000 Euro.

Quellen:

Siehe auch: http://ruhrkultour.de/feldheim-eine-13-millionen-euro-megabatterie-fuer-die-selbstversorger/

 

Foto: connor212, “batterie”, © www.piqs.de
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Orkan Niklas stellt Energiewendelügen bloß

Vom Sturmwind verweht

Die Lügen und Verdrehungen mancher Trolle, die sich gerne in energiewende-kritischen Foren wie EIKE herumtreiben, haben manchmal extrem kurze Beine. Die vermutlich schnellste Widerlegung eines solchen Trolls durch die Natur selbst innerhalb von wenig mehr als 24 Stunden erfolgte jetzt durch den Orkan Niklas, der vom 30. 3. bis zum 1.4. über Deutschland zog und dabei erhebliche Verwüstungen anrichtete.

Ein Orkan wie Niklas knickt selbst kräftige Bäume wie Streichhölzer

Im Zusammenhang mit dem ständigen Zubau von Wind- und Solarkapazitäten in Deutschland hatte der Verfasser vor kurzem im Rahmen eines Leserkommentars bei EIKE darauf hingewiesen, dass damit Zeiten näher rücken, in denen die Netze an Tagen mit entsprechenden Wetterlagen so mit „erneuerbarem“ Strom verstopft werden, dass auch das Dumping der Überproduktion im Ausland nicht mehr ausreicht, um ökologisch eigentlich sinnvolle Stromerzeuger wie Wasserkraftwerke oder Kraft-Wärme-Kopplungskraftwerke vor erheblichem wirtschaftlichem Schaden zu bewahren. Dieser Hinweis erboste einen der besonders aktiven Trolle mit dem Pseudonym Holger B. dermaßen, dass es ihm augenscheinlich den Schlaf raubte und er am 29.3. morgens um 0.16 Uhr die spöttisch gemeinte Frage stellte, „welche Konstellation von Hoch- und Tiefdruckgebieten sich einstellen muss, das gleichzeitig über ganz Deutschland Sturm weht und Sonne von blauen Himmel scheint“ [BUROW].

Wenn Wind und Sonne gleichzeitig verrückt spielen …

Nun, zur Kenntnis des verehrtesten Herrn Holger B. und seiner Spießgesellen, er hätte in dieser Nacht besser daran getan, auf die bereits deutlich erkennbaren und auch schon hörbaren Vorzeichen des heraufziehenden Orkans Niklas zu achten. Bereits am gleichen Tag wurde diese Frage eindeutig, aber ganz und gar nicht in seinem Sinne beantwortet: Es gab mit dem Sturm jede Menge Windstromproduktion, aber zugleich dank streckenweise blauen Himmels auch einen kräftigen Schub an Solarstrom.
Dazu meldete die FAZ am 3.4. unter der Schlagzeile „Stromnetz Orkan kostet Stromkunden mehrere Millionen“ [FAZ], dass die Orkan-Tage die Netzbetreiber einen zweistelligen Millionenbetrag gekostet hätten, der zu Lasten der Verbraucher gehe. Die Lage sei so brenzlig gewesen, dass Hunderte Windräder einfach abgeschaltet werden mussten.
In der gleichen Meldung wird hervorgehoben, dass wegen des starken Windes und einer parallel hohen Solareinspeisung auch ein neuer „Ökostromrekord“ erzielt worden sei. Nach Auswertung aller Daten habe Agora Energiewende für 14.15 Uhr eine Wind- und Solareinspeisung von rund 44.000 Megawatt ermittelt, was der Leistung von 31 Atomkraftwerken entspreche.

Tabelle 1: Nominelle Börsenverluste durch Negativstrompreise am 29.und 30.3. Hinweis: Jede Zahl unter 50 €/ MWh bedeutet in Wirklichkeit, dass die meisten konventionellen Kraftwerke bereits Verluste einfahren (Grafik: Rolf Schuster)

Tabelle 1: Nominelle Börsenverluste durch Negativstrompreise am 29.und 30.3. Hinweis: Jede Zahl unter 50 €/ MWh bedeutet in Wirklichkeit, dass die meisten konventionellen Kraftwerke bereits Verluste einfahren (Grafik: Rolf Schuster).

Nach den Statistiken, die EIKE-Autor Rolf Schuster in bewundernswerter Fleißarbeit regelmäßig auswertet und der Öffentlichkeit zugänglich macht, waren Ende Februar 2015 in Deutschland insgesamt 78.000 MW Wind- und Solarstromkapazität installiert, davon 40.000 MW Wind und 38.000 Solar. Verrechnet man dies mit den Angaben im FAZ-Artikel, so haben die Windenergieanlagen mit bis zu 75 % ihrer Kapazität eingespeist, während die Solaranlagen immerhin noch auf bis zu 37 % ihrer Nennkapazität kamen. Letzteres ist angesichts des Ende März noch recht niedrigen Sonnenstandes eine beachtliche Zahl. Hätte uns Niklas im Hochsommer erwischt, so hätten wir mit vermutlich mehr als 10.000 MW zusätzlicher Solareinspeisung zu kämpfen gehabt. Die Folgen von Niklas für die Börsenstrompreise verdeutlicht die von R. Schuster ermittelte Tabelle 1.

… zahlt der Stromverbraucher nochmal obendrauf

Nach diesen Daten musste aufgrund der Wetterlage allein am 29.3. und 30.3. Strom im Wert von fast 3 Mio. € zu Negativpreisen ins Ausland verschenkt werden. Doch das war nur ein kleiner Teil der tatsächlich anfallenden Verluste, die von den Netzbetreibern auf einen „unteren bis mittleren zweistelligen Millionenbetrag“ (also irgendwo zwischen 10 und 60 Mio. € für gerade einmal 3 Tage) geschätzt wurden. Den Angaben im FAZ-Artikel zufolge mussten insgesamt 20.300 Megawatt an Netzreserven (6.700 MW) und zusätzlichen Kraftwerkskapazitäten (13.600 MW) zur Stabilisierung der Stromversorgung in Süddeutschland eingesetzt werden. Zudem seien Hunderte Windräder mit 2.300 Megawatt Leistung zwangsweise abgeschaltet worden. Dies bedeutet, dass die Windbarone noch Geld dafür bekamen, dass sie keinen Strom produzierten, weil sonst das Netz zusammengebrochen wäre. Die den Netzbetreibern durch den unsinnigen „EE-Strom“ insgesamt entstandenen Kosten, die eigentlich der Energiewende zugeordnet werden müssten, finden sich jedoch nur zum geringsten Teil auf dem EEG-Konto wieder, sondern werden zum größten Teil über die Netzkosten versteckt auf die Strompreise umgelegt.

Et hätt noch emmer joot jejange – wirklich?

Diesmal haben die Netze der Belastung noch standgehalten. Doch wer jetzt glaubt, man könne sich trotz des weiter anhaltenden Zubaus von Wind- und Solarkapazitäten im Rahmen der „Energiewende“ aufatmend zurücklehnen und darauf vertrauen, dass sie auch künftig solch außergewöhnliche Belastungen unbeschadet überstehen werden, dem sei gesagt, dass dem beileibe nicht so ist. Das „Rheinische Grundgesetz“ mag in der Kölner Politik Geltung haben, doch für die Physik der Stromversorgung gilt dies mitnichten. In Deutschland sollen im Rahmen der „Energiewende“ bis 2050 rund 330.000 GW Windenergiekapazität und möglicherweise bis zu 100.000 MW Solarkapazität installiert werden. Das Resultat wird sein, dass unsere Netze schon an mäßig windigen Schönwettertagen völlig mit „Ökostrom“ überflutet werden, für den es mangels geeigneter Speichertechnologien keine Verwendung gibt. Das wird zwangsläufig zum Zusammenbruch der Stromversorgung führen. Da würde uns auch keine der „Stromautobahnen“ helfen, die uns die gewissenlosen Profiteure der Energiewende und ihre Speichellecker als angebliche Wunderwaffe gegen die Folgen ihrer eigenen Politik andrehen wollen.
Fred F. Mueller

Quellen:

[BUROW] http://www.eike-klima-energie.eu/climategate-anzeige/sonnenfinsternis-was-haben-mister-spock-und-agora-energiewende-gemeinsam/
[FAZ] http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/orkan-kostet-stromkunden-mehrere-millionen-13520933.html

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Offshore kontra Onshore: “Es ist ein Teufelskreis” – und es wird richtig teuer.

Foto: Windpark Rødsand II, Eon

Foto: Windpark Rødsand II, Eon

Das Urteil der KPMG über Onshore-Windkraftanlagen ist vernichtend. “Die Energiewende schaffen wir nicht mit ein paar Windrädern, die in dünn besiedelten Gebieten vor sich hin kreiseln.” KPMG, eine der vier größten internationalen Prüfungsgesellschaften kommt zu dem Ergebnis: “… der Strom, den diese Anlagen produzieren, reicht nicht aus, um sich von der Kernenergie lösen zu können.”
Ein Offshore-Wind-Park dagegen könne ein Kraftwerk ersetzen. “Sie sind größer, technisch anspruchsvoller und müssen vorausschauender gewartet werden, weil man nicht einfach mal hinfahren kann, wenn was kaputt ist. Der Strom muss von hoher See dorthin gebracht werden, wo er gebraucht wird, zum Beispiel ins Ruhrgebiet. Doch darauf ist das Netz bisher nicht ausgerichtet.”

Ohne staatliche Förderung sei die Stromversorgung durch Erneuerbare Energien nicht möglich, sagt KPMG: “Das alles kostet viel Geld. Und ist ohne staatliche Förderung nicht zu stemmen.”

Offshore-Windparks sind teuer, sie kosten bis 2 Milliarden Euro, und  Landwirte, engagierte Bürger oder Genossenschaften können die dafür notwendigen Finanzmittel nicht aufbringen. Für die großen Versorger lohne sich der Einstieg in die erneuerbaren Energien aber nur, wenn sie im großen Stil einsteigen. Für Betreiber und Investoren müssen sich die Offshore-Anlagen lohnen, wenn nicht, dann finden sie international genügend Alternativen. “Es ist ein Teufelskreis”, sagt KPMG.

Den Teufelskreis bezahlen die Stromkunden, so lange sie können.

KPMG, Der Wind dreht sich

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Science on Demand – Wissenschaft auf Anforderung

Ein wenig Wind hat ein Diskussionspapier von Wissenschaftlern der Friedrich-Alexander-Universität ErlangenNürnberg(FAU), das von einigen Medien übertrieben als “Studie” bezeichnet wurde, mit der Behauptung aufgewirbelt, Erneuerbare Energien sparten deutschen Stromverbrauchern im Jahr 2013 rund 11,2 Milliarden Euro. Nicht der Inhalt ist bemerkenswert, schließlich kann man über alles diskutieren, sondern die fett gedruckte Überschrift der Pressemitteilung der Universität, die ihre Runde durch die Medien machte. Sie kann hier nachgelesen werden: Pressemitteilung

Erfolgreich in Sachen PR

Die Chance für eine positive, politisch korrekte Titelzeile mit Bezug auf wissenschaftliche Forschungsergebnisse lässt sich auch wiwo nicht entgehen: “Forscher: Energiewende hat Deutschland 29 Milliarden Euro gespart”. Dass wiwo die Erfolgsmeldung selbst nicht ganz geheuer ist, ist jedoch offensichtlich: “Der verstärkte Ausbau der erneuerbaren Energien seit dem Atomausstieg im Jahr 2011 habe den Deutschen sogar Geld gespart. Ja, Sie haben richtig gelesen … gespart!”

Tabelle_3

Zuletzt seien durch das EEG im Jahr 2013 für die Letztverbraucher der Bundesrepublik Deutschland 11,2 Mrd. Euro eingespart worden, behaupten die Forscher. Dass das vorliegende Diskussionspapier im Auftrag der Siemens AG im Herbst 2014 vor dem Hintergrund öffentlicher Diskussionen um stetig steigende Strompreise entstand, verhehlen die Forscher nicht.

Siemens sieht sich als “die klare Nummer eins bei der Nutzung von Windenergie auf dem Meer”. Der Mischkonzern sieht einen wesentlichen Teil seiner Zukunft in den Erneuerbaren Energien, und versucht, nachdem er aus der Solartechnik ausgestiegen ist, sein Image als “grüner Konzern” zu retten und bedient sich der Möglichkeiten einer ökonomisierten Wissenschaft.

Trouble Shooting – Versuch, die selbstgemachten Probleme schönzurechnen

Die Forscher betrachten die Jahre nach der Stilllegung von acht der siebzehn deutschen Kernkraftwerke im Jahr 2011. Sie behaupten, dass es ohne den massiven Zubau Erneuerbarer Energien zu erheblichen Preissteigerungen an den Strommärkten gekommen wäre. Er habe Europa vor einer Energiekrise bewahrt. Niemand hat Deutschland zum Atomausstieg gezwungen.

Rudolf Kipp hat in Science Sceptical berechnet, dass die Verbraucher wegen der Langfristverträge am Terminmarkt durch das EEG im Jahr 2013 nicht 11,2 Mrd. Euro gespart, sondern 13,6 Mrd. Euro zu viel gezahlt hätten.

Auch ein Mitglied der Bürgerinitiative BI Siegtal hat die Autoren des Diskussionspapiers in einem Schriftstück, das uns dankenswerter Weise ein Mitglied der Initiative zur Verfügung gestellt hat, auf gravierende Fehler hingewiesen.

BI Siegtal

Sehr geehrter Herr Karl,
sehr geehrter Herr Dillig,

mit zunehmender Belustigung habe ich soeben Ihre Studie “Deutschland ohne Erneuerbare Energien” gelesen.

http://www.evt.cbi.uni-erlangen.de/…/Energiestudie.shtml

Besonders angetan hat es mir Ihre Behauptung auf Seite 22, dass die konventionellen Kraftwerke alleine sehr oft gar nicht in der Lage gewesen wären, den benötigten Strom zu liefern – woraus Sie dann Mondpreise für den entsprechenden Börsenhandel ableiten.
Wie erklären Sie dann z.B., dass am 3.12.2014 (ein Mittwoch) gegen 17:00 Uhr immerhin 12,1 GW aus Kernenergie, 18,2 GW aus Braunkohle, 29,5 GW aus Steinkohle, 14,5 GW aus Erdgas und 4,1 GW aus Pumpspeicherkraftwerken (zusammen 78,4 GW) stammten, während die PV-Anlagen zur selben Zeit mal wieder 0 GW erzeugten und die Windenergieanlagen mit 1,43 GW auch weit unterhalb des Durchschnitts (oder gar der installierten Nennleistung) blieben? Der Verbrauch lag in diesem Moment immerhin bei stolzen 77,7 GW.
(http://www.agora-energiewende.de/ser…/aktuelle-stromdaten/ )

Was wäre also selbst in diesem Extremfall mit der Stromversorgung geschehen, wenn wir gar keine Windräder und PV-Anlagen gehabt hätten?
Ich verrate es Ihnen: Es hätte schlicht überhaupt keinen Unterschied gemacht. Und aus welchem Grund sollte der selbe Kraftwerkspark nicht die selbe Leistung an jedem beliebigen anderen Tag des Jahres leisten können?

Umgekehrt wird die Frage viel Interessanter: Was wäre denn an diesem 3.12.2014 gegen 17:00 Uhr geschehen, wenn die konventionellen Kraftwerke (tatsächlich) nicht mehr in der Lage wären, den Strombedarf auch ohne die EEG-subventionierten Anlagen bereitzustellen?
Und das gilt natürlich nicht nur für diesen Fall. Schön war z.B. auch der 17. Juli 2014, als alle bundesdeutschen Windenergieanlagen gemeinsam (also auch die Offshore-Windparks) gegen 9:45 Uhr lediglich 24 MW erzeugten. (http://www.eex-transparency.com/ )

Windenergie ist nunmal eine völlig chaotische Form der Stromproduktion. Dass PV-Anlagen an jedem einzelnen Tag des Jahres zwischen Abend und Morgen gar keinen Strom erzeugen, muss ich Ihnen hoffentlich nicht erst erklären. Dass sie im Winterhalbjahr oft auch tagsüber nur sehr bescheidene Beiträge zur Stromversorgung liefern, sollte ebenfalls offensichtlich sein.
Warum ist dann aber dennoch bisher unsere Stromversorgung nicht zusammengebrochen? Wer hat uns vor einem “Black Out” bewahrt?
Stellen Sie sich angesichts dieses Szenarios nicht automatisch die Frage, ob es sinnvoll ist, weitere konventionelle Kraftwerke abzuschalten, bevor dieses offensichtliche Problem der EEG-subventionierten Stromerzeuger behoben wurde?

Sicher, das hat mit dem Thema Ihrer Studie nichts zu tun. Vermutlich aus gutem Grund. Aber wie oben beschrieben, ergibt sich diese Frage nunmal dennoch direkt aus den Aussagen Ihrer Studie.
Außerdem ist es doch höchst peinlich, wenn man sein auftragsgemäßes Studienergebnis nur dadurch erreichen kann, indem man so tut, als würden die konventionellen Kraftwerke nicht etwa wegen der privilegierten Stromproduktion der EEG-subventionierten Anlagen reduziert, sondern behaupten muss, dass sie zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr Strom produzieren konnten. (Inwieweit das im Sinne des Auftraggebers ist, der ja immerhin selbst maßgeblich an der Technologie des konventionellen Kraftwerkparks beteiligt ist, wage ich zudem zu bezweifeln. Ich käme mir als Siemens AG jedenfalls schon etwas seltsam vor, wenn mir vorgehalten würde, dass die mit Siemens-Technik ausgestatteten Kraftwerke gar nicht das leisten können, was sie vorgeben.)

Außerdem unterschlagen Sie in Ihrer Milchmädchenrechnung (wissentlich?) auch, dass die Privatkunden-Strompreise nahezu gar nichts mit den Börsenpreisen zu tun haben, weil diese Stromversorgung weitestgehend über langfristige Lieferverträge gesichert ist. Somit ist schon der Ansatz Ihrer “Studie” grundlegend falsch. (Darum, dass wir mit unseren Stromüberschuss aus nicht steuerbaren   Stromerzeugungsanlagen insbesondere die Strompreise in den Niederlanden drastisch gesenkt haben, ging es in Ihrer Studie ja leider nicht.)

Mir persönlich wäre ein so gravierender Fehler ja zutiefst peinlich…
Ach nein – ein Fehler war es ja gar nicht. Die Studie ist schließlich eine Auftragsarbeit. Aber man hätte sich doch ein wenig mehr Mühe geben können, damit die Schönrechnerei nicht ganz so offensichtlich ist, oder?

Mit freundlichem Gruß
M.S BI Siegtal

 

Kommentar von Hans-Lothar Fischer zu “Sonne und Wind entlasten Verbraucher um Milliarden“, wiwo, 03.02.2015

Stellen wir uns einen Kellerraum vor, der mit normalem Strom beleuchtet wird. Zünden wir in dem erleuchteten Keller eine Kerze an, so macht sich das in der Helligkeit vor Ort nicht bemerkbar. Schalten wir aber die Elektrobeleuchtung aus, dann stiftet die brennende Kerze doch begrenzten Nutzen. So ähnlich ist es mit dem EEG: Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums deckten Windkraft und Photovoltaik zusammen im Jahre 2013 insgesamt 2,1 % des Energiebedarfs. Für 2008 deckten diese Energiequellen zusammen nur 1,1% des Energieverbrauchs. In fünf Jahren hat sich der Anteil zwar fast verdoppelt, aber doch nur um einen Prozentpunkt erhöht. Gemessen an den erheblichen bisherigen Anstrengungen, hat der Ausbau der erneuerbaren Energien nicht zu bedeutenden Energieeinsparungen geführt. Würde im Verkehrssektor beispielsweise 12% weniger Kraftstoff verbraucht, so sparte dies mehr Energie ein als die bestehenden Wind- und Sonnenkraftanlagen insgesamt produzieren. Selbst wenn alle Haushalte in Deutschland ihren Strom allein aus Wind- und Sonnenkraft bezögen, so wären erst knapp 4% der Energiewende geschafft. Dies liegt daran, dass der Stromverbrauch der privaten Haushalte nur 26% des gesamten Stromverbrauchs ausmacht, und dieser wiederum nur 14% des gesamten Energieverbrauchs, und 26% von 14% sind eben nur 3,6%. Der Beitrag der Windkraft zur Energiewende sieht nur deshalb so groß aus, weil er in Einheiten der kleinen “Münze” Haushaltsstrom angegeben wird.
Wäre Wolfram Engels noch Herausgeber der Wirtschaftswoche, wären die Tage des Herrn Dürand in der Wiwo-Redaktion wohl gezählt.
http://www.wiwo.de/politik/deutschland/strompreise-sonne-und-wind-entlasten-verbraucher-um-milliarden/v_detail_tab_comments/11323822.html?pageNumber=1&commentSort=debate

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Diskussionspapier:

Marius Dillig, Jürgen Karl: „Deutschland ohne Erneuerbare Energien?“ Stromkosten und Versorgungssicherheit ohne die Einspeisung Erneuerbarer Energien in den Jahren 2011-2013, Lehrstuhl für Energieverfahrenstechnik Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Februar 2015

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Wettervorhersagen für die Windkraftbetreiber: Prognosefehler erhöhen die Kosten

Netzentgelte: Auf Steigflug programmiert

Foto: erhard.renz, “Erhard bestens gelaunt”
Oder: “Der Windtanz”

Die Entwicklung des Wetters hat entscheidenden Einfluss auf das menschliche Leben, nicht nur mit Blick auf die Landwirtschaft, sondern darüber hinaus auch auf Transport, Verkehr und – im Fall schwerer Stürme oder Überschwemmungen – auf Leib und Leben sowie Hab und Gut großer Teile der Bevölkerung. Entsprechend groß ist der Aufwand, mit dem man schon seit Jahrzehnten versucht, das Wettergeschehen mit Hilfe von aufwendigen mathematischen Modellen vorauszuberechnen. Ausgangspunkt sind die durch ein Netz von Wetterstationen, Satelliten sowie weitere Messsysteme regelmäßig erfassten Daten wie Temperatur, Luftdruck, Luftfeuchtigkeit, Sonnenscheindauer, Niederschlag etc. Doch wie nicht zuletzt die US-Meteorologen am Beispiel des falsch eingeschätzten Blizzards in New York zeigen, sind ihre Prognosen alles andere als fehlerfrei.

Der Wind, das himmlische Kind – führt die Meteorologen immer mal wieder an der Nase herum

Für solche Wettervorhersagen wird ein sehr großer wissenschaftlicher Aufwand getrieben. Im Bereich der Meteorologie gibt es zahlreiche Institute, in denen hochkarätige Wissenschaftler tätig sind. Diesen stehen Computersysteme der Spitzenklasse zur Verfügung, da enorme Datenmengen in kürzester Zeit verarbeitet werden müssen. Die entsprechenden Programme sind sehr aufwendig und werden ständig überarbeitet und verbessert. Dennoch gibt es immer wieder unerfreuliche Überraschungen, und Vorhersagen über Zeiträume von mehr als drei Tagen sind von eher begrenzter Brauchbarkeit. Selbst im 24-h-Bereich kommt es gar nicht so selten vor, dass die Wetterprognosen erheblich danebenliegen.
Von Bedeutung ist dies auch im Energiesektor, denn mit zunehmendem Anteil an Strom aus Wind- und Solaranlagen hat die Sicherheit, mit der ihre Produktion vorausberechnet werden kann, immer größere Bedeutung für die Planungen der Betreiber von Kraftwerken und Stromnetzen.

Bedeutung von Wetterprognosen für die Netzgebühren

Die Planbarkeit des Stromaufkommens aus „erneuerbaren“ Quellen ist deshalb von Bedeutung, da der Einsatz von Grund-, Mittel- und Spitzenlastkraftwerken im Voraus geplant werden muss. Großkraftwerke sind aufgrund ihrer Größe träge und können nicht abrupt ein- oder ausgeschaltet werden. Nur Pumpspeicherkraftwerke lassen sich innerhalb von 1-2 Minuten hochfahren, reine Gaskraftwerken benötigen dafür es schon etwa 15 Minuten. Bei Kohlekraftwerken kann dies je nachdem, ob sie schon mit vorgewärmtem Kessel im „Hot Standby“ bereitstehen oder gar aus der Kaltreserve hochgefahren werden müssen, einige Stunden bis einige Tage dauern. Vor diesem Hintergrund können sich Irrtümer der Wettervorhersage als sehr teuer erweisen.
Grundlage der Einsatzplanung der Netzbetreiber sind die Prognosen über den zu erwartenden Verlauf des Tagesbedarfs. Diesen Bedarf kann man heute mit zufriedenstellender Sicherheit prognostizieren und die Einsatzpläne der konventionellen Kraftwerke darauf abstimmen. Anders sieht es dagegen mit der schwankenden Erzeugung aus Windenergie- und Solaranlagen aus. Probleme bereiten vor allem kurzfristige Schwankungen im Bereich von 0–48 Stunden, weil in diesem Zeitbereich Abweichungen oft durch Regelenergie ausgeglichen werden müssen.
Diese Regelenergie muss separat beschafft werden und stellt daher einen zusätzlichen Kostenfaktor dar. Zudem kann es bei größeren Prognoseabweichungen zu Spannungsschwankungen kommen, durch die in Extremfällen sogar die Netzsicherheit in Gefahr geraten könnte [SOWI]. Laut der gleichen Quelle hat deshalb die Bundesnetzagentur die Verteilnetzbetreiber bereits im Januar 2011 aufgefordert, die Prognosemethoden ihrer Solarstromeinspeisung zu verbessern.

Prognosequalität bei Wind: Anspruch…

Schaut man sich das Prospektmaterial von Prognosefirmen an, die Vorhersagen für die Leistungsabgabe von Windparks feilbieten, so stehen dort Aussagen wie: „Für beliebige Standorte und Regionen in Deutschland, Europa und weltweit“ (liefern wir) „eine zuverlässige Windleistungsprognose der zu erwartenden Windleistung – und zwar bis zu 10 Tage im Voraus und mit einer zeitlichen Auflösung von bis zu 15 Minuten [WIPR]. Weiter heisst es dort: „Die Windleistungsvorhersage beruht auf der optimalen Kombination verschiedener Wettermodelle, der Einbindung der lokalen Gegebenheiten in der Umgebung der Windparks sowie der numerischen Wettervorhersage.

Bild_1

Bild 1. Prognose für das Aufkommen an Windstrom am 30. November 2014 im Vergleich zur tatsächlichen Produktion (Daten: EEX) Abbildung durch Anklicken vergößern!

Auf der Grundlage ausgewählter Windparks wird die gesamte Windstromeinspeisung einer Region ermittelt. Hierbei werden die repräsentativen Standorte so gewählt, dass sie die regionale Verteilung der Windenergieanlagen sehr genau widerspiegeln. Die Genauigkeit der Vorhersage variiert mit der Wettersituation“. Letzterer Satz lässt natürlich etwas aufhorchen. Doch kann man bei Wikipedia dazu beruhigende Aussagen wie folgende finden: „Die Genauigkeit der Vorhersage für ganz Deutschland beträgt für den Zeitraum einer Vorhersage ca. 95 Prozent (normierte Standardabweichung ca. 5 %). Ein hoher Wert ist wichtig, weil somit Regelenergie und damit Kosten eingespart werden können [WIKI]. Klingt im Prinzip ganz ordentlich. Doch wie sieht das in der Realität aus?

… und Wirklichkeit
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Bild 2. Tagesverlauf der absoluten Abweichung in fehlenden MW eingespeister WEA-Leistung (rot, linke Vertikalachse) sowie die prozentuale Abweichung (rechte Vertikalachse) am 30. November 2014 (Daten: EEX)

Dazu werfen wir einen Blick auf die Prognosen für das Aufkommen an Wind- und Solareinspeisung am 30.11. 2014 sowie auf die entsprechenden Ist-Zahlen. Diese Werte waren bisher leicht überprüfbar, da sie von der Strombörse EEX bereitgestellt wurden und dort über Jahre hinweg im Archiv abgerufen werden konnten(1) [EEX]. Die für den entsprechenden Tag geltenden Prognosen wurden jeweils zum Tageswechsel bereitgestellt und spiegelten den jeweils aktuellsten Stand der heute verfügbaren Prognosefähigkeiten wider. Vor allem die Werte für den Vormittag sind daher Kurzzeitprognosen über 6 bzw. 12 Stunden, so dass die erzielte Genauigkeit Rückschlüsse auf die Voraussagequalität gerade auch in diesem Kurzzeitbereich zulässt. Für das Windstromaufkommen des 30.11.2014 zeigt Bild 1 den Tagesverlauf für die Prognose im Vergleich zur tatsächlichen Produktion. Die entsprechenden Absolut- und Prozentualwerte der Abweichungen zeigt Bild 2. Man erkennt, dass der Fehler bereits bis zur Mittagszeit bei bis zu 1.250 MW bzw. 17 % liegt. Das entspricht nahezu der Leistung von zwei Kohlekraftwerken. Nach einem kurzen Einbruch um die Mittagszeit herum ging es mit der Prognoseabweichung dann jedoch nochmal so richtig nach oben, mit einem Maximum von knapp 2.700 MW bzw. 28 % etwa gegen 15.00 Uhr. Anders ausgedrückt: Allein für die Fehlprognose beim Wind mussten demnach konventionelle Kraftwerke mit der Leistung von vier Kohlekraftwerken nahezu im Alarmstart hochgejagt werden.

Prognosefehler Solar
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Bild 3. Prognose für das Aufkommen an Solarstrom am 30. November 2014 im Vergleich zur tatsächlichen Produktion (Daten: EEX)

Noch beschämender für die Qualität der Wetterprognosen stellt sich die Situation dar, wenn man sich statt der Windprognose diejenige für Solarstrom ansieht, Bild 3.

Während laut Prognose in der Mittagszeit eine Solarleistung von rund 5.600 MW zu erwarten war, speisten die Solarpaneele um die Mittagszeit leidglich 1.760 MW ein.

Die Differenz von bis zu 3.800 MW bzw. 81 % ist sogar noch größer als bei der Windenergie und entspricht der Leistung von mehr als fünf weiteren Kohlekraftwerken, Bild 4.

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Bild 4. Tagesverlauf der absoluten Abweichung in fehlenden MW eingespeister Solarleistung (rot, linke Vertikalachse) sowie die prozentuale Abweichung (rechte Vertikalachse) am 30. November 2014 (Daten: EEX)

Zwar fiel das Maximum des Prognosefehlers zeitlich nicht mit dem der Windenergie zusammen, so dass im Endeffekt nicht noch mehr Kraftwerke zugeschaltet werden mussten, doch hätte es der Wettergott an diesem Tag ohne weiteres auch in der Hand gehabt, beide Defizite gleichzeitig auftreten zu lassen.

Düstere Zukunftsaussichten

Das, was über das deutsche Stromversorgungssystem am 30. November 2014 hereingebrochen ist, lässt für die Zukunft schlimmes befürchten.

Mit dem weiter massiv voranschreitenden Ausbau der sogenannten „erneuerbaren“ Energien muss die Kapazität der Windenergie gegenüber dem Stand vom November 2014 nochmals um den Faktor 9,16 gesteigert werden. Statt der aktuell vorhandenen 35.400 MW wären dann insgesamt 324.100 MW am Netz. Mit diesem Faktor müsste auch der Prognosefehler multipliziert werden. Statt bei maximal 2.700 MW läge dann der Prognosefehler für den Windenergieertrag bei bis zu 24.700 MW, die kurzfristig zusätzlich ans Netz gebracht werden müssten.

Bild_5

Bild 5. Bei Annahme gleicher Wetterverhältnisse wie am 30.11.2014 würde der Prognosefehler am 30.11.2050 bei bis zu 24.700 MW liegen.

Das Vorhalten einer derartig massiven Reserve wäre weder technisch noch wirtschaftlich zu bewältigen. Das hier vorgestellte Beispiel zeigt jedoch vor allem eines: Trotz hochmoderner Prognoseinstrumente für das Wettergeschehen und des damit verknüpften Leistungsangebots aus Wind- und Solarenergie werden die Prognosefehler unweigerlich weiter anwachsen. Dies bedeutet wiederum eine entsprechende Zunahme des Einsatzes von Regelenergie, der vollumfänglich auf die Netzgebühren aufgeschlagen wird. Das EEG und seine Umsetzung bewirken daher Preiserhöhungen nicht nur im Bereich des EEG-Zuschlags sowie aufgrund der Netzausbaukosten, sondern zusätzliche Aufschläge für die Beschaffung der zur Stabilisierung der Netze erforderlichen Regelenergie. Zusätzlich zum EEG-Zuschlag sind deshalb auch die Netzentgelte massiv auf Steigflug vorprogrammiert.

Folgerungen für die Glaubwürdigkeit von Klimaprognosen

Die hier dargelegten Prognoseabweichungen legen zudem geradezu zwingend eine weitere wesentliche Schlussfolgerung nahe: Sie rechtfertigen erhebliche Zweifel an der Gültigkeit der uns seitens der sogenannten Klimaforschung präsentierten Langzeitprognosen über die Klimaentwicklung kommender Jahrzehnte. Laut Wikipedia basieren Klimamodelle auf Meteorologiemodellen, wie sie auch zur numerischen Wettervorhersage verwendet werden. Diese Modelle werden jedoch „für die Klimamodellierung erweitert, um alle Erhaltungsgrößen korrekt abzubilden. In der Regel wird dabei ein Ozeanmodell, ein Schnee- und Eismodell für die Kryosphäre und ein Vegetationsmodell für die Biosphäre angekoppelt“ [WIKL].

Wenn allerdings bereits die Zuverlässigkeit von Meteorologiemodellen über Zeiträume von weniger als 24 Stunden so gering ist, dass derartig massive Abweichungen auftreten wie am hier vorgestellten Beispiel nachgewiesen, dann fragt man sich, was nach zusätzlicher Befrachtung durch weitere mit Unsicherheiten belastete Modelle noch an Glaubwürdigkeit vorhanden sein dürfte. Und man fragt sich vor allem, woher Herrschaften wie Edenhofer, Schellnhuber oder Rahmstorf die geradezu missionarische Überzeugung nehmen, mit der sie ständig ihren Klimaalarmismus in die Welt trompeten.

Fred F. Mueller

(1) Wie verlogen und auf Täuschung der Öffentlichkeit unsere Energiepolitik inzwischen ist, kann man aus der Tatsache erkennen, dass EEX diese Daten – einschliesslich des Archivs – seit kurzem nicht mehr der Öffentlichkeit zugänglich macht, sondern sie hinter einer Bezahlschranke verbirgt und ausserdem potenzielle Nutzer durch Knebelverträge binden will. Die sogenannte „Transparenz“, mit der man immer noch großspurig hausieren geht, ist nur noch bewusste und verlogene Intransparenz gegenüber dem Bürger. Es wäre sinnvoll, wenn sich mal die eine oder andere Bürgerinitiative mit den rechtlichen Möglichkeiten beschäftigen würde, ob und wie man hier echte Transparenz erzwingen könnte.

Quellen:
[EEX] http://www.transparency.eex.com/de/
[EIKE] http://www.eike-klima-energie.eu/climategate-anzeige/energiewende-land-unter-im-stromsee-nur-hohe-nutzungsgrade-machen-sinn/
[SOWI] http://de.wikipedia.org/wiki/Solarstromprognose
[WIPR] http://www.energymeteo.de/leistungen/previento.php?gclid=CIHnpMzxsMICFWXHtAodDi0AXQ
[WIKI] http://de.wikipedia.org/wiki/Windleistungsvorhersage
[WIKL] http://de.wikipedia.org/wiki/Klimamodell

 

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Negative Strompreise – ein unkalkulierbares Risiko für Stromverbraucher

Börsengrafik

Börsengrafik

Zwischen Dezember 2012 und Dezember 2013 kam es an 97 Stunden zu negativen Strompreisen. Dadurch mussten die Stromverbraucher rund 90 Millionen Euro zusätzlich für die Förderung der Erneuerbaren Energien zahlen. Bis 2022 könnten voraussichtlich an rund 1.000 Stunden im Jahr negative Strompreise zu verzeichnen sein, mit entsprechend höheren, nicht kalkulierbaren Belastungen für die Stromkunden. Bis zu 1,75 Milliarden Euro dürften für den Exportstrom als EEG-Umlage gezahlt worden sein. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie von Energy Brainpool im Auftrag von Agora Energiewende.

Negativer Strompreis

Wenn die Stromproduzenten an der Strombörse dafür bezahlen müssen, dass ihnen ausländische Verbraucher den überschüssigen Strom abnehmen, anstatt Geld von ihnen zu erhalten, nennt man dies einen negativen Strompreis. Weder die Stromabnahme noch die Preise sind kalkulierbar. Sicher ist nur, dass nicht abgenommer Strom zur Instabilität des Netzes und zur Abschaltung (Blackout) führen kann.

Die Erneuerbaren Energien decken nicht den Strombedarf und sind unzuverlässig

Die Studie von Energy Brainpool kommt zu dem Ergebnis, dass es durch Erneuerbare Energien bislang noch nie einen Stromüberschuss gegeben hat. “Selbst in Spitzenstunden wurden nie mehr als 65 Prozent des Strombedarfs in Deutschland aus Windkraft, Photovoltaik, Biomasse und Wasserkraft gedeckt.”

Das ist nicht überraschend für diejenigen, die sich regelmäßig die Daten von Agora Energiewende ansehen. Die Grafik zeigt die Stromerzeugung und den Stromverbrauch im November 2014.

November_2014Die Ergebnisse der Erneuerbaren Energien sind ernüchternd:

  • Deutschland liegt mit etwa 25.000 Windkraftanlagen nach China und den USA auf Platz drei.
  • Mit etwa 8.000 Biogasanlagen ist Deutschland internationaler Spitzenreiter.
  • Spitzenreiter im internationalen Vergleich ist Deutschland auch bei der installierten Leistung von Photovoltaik-Anlagen.

Trotz des beeindruckenden Einsatzes Erneuerbarer Energien können sie Deutschland nur unregelmäßig mit überflüssigem Strom versorgen. Sie sind ein mit über 20 Milliarden jährlich hoch subventioniertes Zusatzangebot, das weder die Industrie noch Privathaushalte zwingend braucht.

Eine größere Anzahl von Windkraft- oder Solaranlagen ist gut für die Windkraftindustrie und für Projektierer, aber für eine kontinuierliche Stromversorgung ohne Bedeutung. Mit doppelt so vielen Anlagen lässt sich nicht doppelt so viel Strom produzieren. Was jeder Laie weiß: Kein Wind – kein Strom.

Kohle-, Braunkohle- oder Kernkraftwerke müssen weiterhin am Netz bleiben

Damit die Stromversorgung trotz des Ausbaus der Erneuerbaren Energien funktioniert, müssen weiterhin Kohle-, Braunkohle- oder Kernkraftwerke am Netz bleiben. Die Must-Run-Kapazität in Deutschland ist mit etwa 20 bis 25 Gigawatt angegeben. Aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften können die herkömmlichen Kraftwerke nicht flexibel auf den schwankenden Strom der Erneuerbaren Energien und auf sinkende Börsenpreise reagieren. Sie werden durch die politisch beschlossene Bevorzugung der Erneuerbaren Energien unrentabel. Die von Agora Energiewende, der Thinktank der Bundesregierung, in Auftrag gegebene Studie nennt drei Gründe, warum konventionelle Kraftwerke mit einer Leistung von 20 bis 25 Gigawatt bei sehr niedrigen oder sogar negativen Strompreisen nicht vom Netz genommen werden.

  • Zu hohe Kosten
    “Braunkohle- und Kernkraftwerke lassen sich bei einem hohen Angebot von Strom aus Windkraft und Photovoltaik nicht für wenige Stunden ausschalten. Das An- und Abfahren wäre für die Kraftwerksbetreiber teurer als die Inkaufnahme von negativen Strompreisen, bei denen die Kraftwerksbetreiber dann für die Abnahme des Stroms zahlen.”
  • Gefährdung der Wärmelieferung
    “Kraftwerke, die neben Strom auch Wärme für Industrie und Haushalte liefern (KWK-Anlagen), können bislang auch bei einem Überangebot von Strom nicht vom Netz genommen werden, weil damit die Wärmelieferungen gefährdet würden.”
  • Systemstabilität
    “Für die Zuverlässigkeit des Stromsystems wichtige Systemdienstleistungen – etwa Regelenergie – fallen derzeit in konventionellen Kraftwerken quasi als Nebenprodukte der Stromerzeugung an. Etliche Kraftwerke laufen daher aus Gründen der Systemstabilität selbst dann, wenn der von ihnen erzeugte Strom vom Markt gar nicht gebraucht wird.”
Die negativen Strompreise werden weiter steigen, folglich auch die Strompreise für die Verbraucher

An den physikalischen Eigenschaften kann auch der politische Wille, die Erneuerbaren Energien weiter auszubauen, nichts ändern. Die Erneuerbaren Energien führen ab einer bestimmten Obergrenze zwangsläufig zu einem Stromüberschuss, der mit dem wachsenden Ausbau von Windkraft- und Solaranlagen ständig weiter anwachsen wird. Die Stunden, in denen negative Strompreise erzielt werden, treiben die Strompreise weiter in die Höhe und sind nicht kalkulierbar. Nicht berücksichtigt ist die Tatsache, dass die Anlagen nur dann wirtschaftlich und einigermaßen störungsarm zu betreiben sind, wenn sie in Grundlast durchlaufen. Häufiges An- und Abfahren würde die Zuverlässigkeit und die Lebensdauer der Anlagen senken, den Verbrauch erhöhen und, da sie als systemrelevant einzustufen sind, durch weitere Subventionen der Steuerzahler und Verbraucher und durch höhere Strompreise bezahlt werden müssen.

Mit dem wachsenden Anteil der Erneuerbaren Energien an der gesamten Stromerzeugung wachsen zugleich auf Grund des Erneuerbare Energien Gesetzes außerdem die EEG-Umlagen und verteuern den Strom für die Endverbraucher. Die Energiewende ist unbezahlbar.

“Wir haben uns geirrt bei der Energiewende”

“Wir haben uns geirrt bei der Energiewende. Nicht in ein paar Details, sondern in einem zentralen Punkt”, sagt Patrick Graichen. “Die vielen Windräderund Solaranlagen, die Deutschland baut, leisten nicht das, was wir uns von ihnen versprochen haben. Wir hatten gehofft, daß sie die schmutzigen Kohlekraftwerke ersetzen würden, die schlimmste Quelle von Treibhausgasen. Doch das tun sie nicht.”

Patrick Graichen ist immerhin ein Vordenker der Energiewende und nicht irgendwer. Er leitet den Thinktank Agora Energiewende, die einflussreichste Denkschule der Energiepolitik in Deutschland.

Quelle:

► Negative Strompreise: Ursachen und Wirkungen (PDF 4.06 MB)

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Das EEG und die Strompreise

“Verstehen Sie das EEG und die Strompreise?”, fragen zwei Fachleute. Der Diplom-Ingenieur Eberhard Wagner und der Diplom-Physiker Horst Wetzel haben die amtlichen Daten aus den „Prognosen der EEG-Umlage für die Jahre 2013 und aktuell 2014“ gründlich untersuchtweiterlesen

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