Norwegen plant organisatorische Grundlagen für eine umfassende Feinsteuerung des Bürgerhandelns

Damit der Staat besser beurteilen kann, wie gesund bzw. ungesund seine Bürger sich ernähren, und feststellen, welche Gruppen er besonders bearbeiten muss, wenn er die Ernährungsgewohnheiten verbessern will, braucht er die Daten von digitalen Bezahlterminals.

Norbert Häring informiert seine Leser über einen Vorstoß des norwegischen Statistikamts SSB, das seiner Recherche zufolge den größten Betreiber von digitalen Bezahlterminals Nets verpflichten will, ihm alle Daten der über die Terminals abgewickelten Kartenzahlungen zu übermitteln. Übermittelt werden Namen, Adressen, Kaufdatum und Preise der einzelnen Produkte.

Um die alarmierenden Nachrichten zu überprüfen, fertigte er mit maschineller Hilfe eine Übersetzung der Kosten- und Nutzenabschätzung der Statistikbehörde an und stieß dabei auf eine Beschreibung der Sensibilität der Daten von Statistik Norwegen, die nach seiner Meinung “eine gute Ahnung davon gibt, was hier schiefgehen könnte”. SSB weist auf das Risiko hin:

„(Die Daten) identifizieren sowohl den Karten- als auch den Kontoinhaber und listen alle mit der Debitkarte getätigten Transaktionen mit Angabe von Zeit und Ort der Nutzung (z. B. Geschäft) auf.
Darüber hinaus können in den Zahlungsvorgängen besondere Kategorien personenbezogener Daten enthalten sein, da die Art des Nutzerstandorts unter anderem die Religion, die politische Meinung, den Gesundheitszustand, die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft oder sexuelle Beziehungen des Kontoinhabers implizieren kann.“

“Wenn das norwegische Statistikamt seine Absicht wie geplant umsetzen kann, bedeutet das, dass die organisatorischen Grundlagen für eine umfassende Feinsteuerung des Bürgerhandelns geschaffen werden”, sagt Norbert Häring. Er fügt hinzu:

Neben der politischen Bekämpfung von Bestrebungen dieser Art und derer, die sie vorantreiben, ist Barzahlen die wichtigste Form des Widerstandes.

Titelbild: johnhain, pixabay


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