Stromversorgung

Erbitterte Debatte in den USA über die Zukunft der Stromversorgung

Wissenschaftler engagieren sich in einer zunehmend bitteren und persönlichen Fehde, wie viel Energie die Vereinigten Staaten aus erneuerbaren Quellen zukünftig beziehen können. Eine große Gruppe von Forschern widerspricht der Behauptung, die USA könnten sich in dreißig Jahren vollständig auf Erneuerbare Energien umstellen. Sie geht davon aus, dass auch über 2055 hinaus fossile Brennstoffe genutzt werden. Eine entscheidende Rolle spielt in der Debatte das Stromnetz. Über die Auseinandersetzung, die in einer populären Zeitschrift veröffentlicht wurde, berichtet die Washington Post.

 

Wieviel Erneuerbare Energie ist möglich?

Im Jahr 2015 hatten laut Washington Post der Stanford-Professor Mark Jacobson und seine Kollegen argumentiert, dass zwischen 2050 und 2055 die Vereinigten Staaten völlig von “sauberen” Energiequellen versorgt werden und weder Erdgas, Biokraftstoffe, Kernenergie oder stationäre Speicher benötigt werden.

Im Jahr 2016 erhielten die Vereinigten Staaten nur 6,5 Prozent des Stroms aus Wasserkraft, 5,6 Prozent vom Wind und 0,9 Prozent von Solar. Dennoch begeisterte das Papier Befürworter der Erneuerbaren Energien und wurde von Senator Bernie Sanders, berühmten Unterstützern wie der Schauspieler Mark Ruffalo und viele Umwelt-Gruppen aufgenommen. Eine Umstellung auf 100 Prozent Erneuerbare Energien wäre eine massive Verschiebung der aktuellen Energieversorgung.

Jacobsons Idee war laut Washington Post in den USA immer umstritten. Jetzt haben nicht weniger als 21 Forscher eine Studie in den einflussreichen Proceedings der Nationalen Akademie der Wissenschaften veröffentlicht (die auch die ursprüngliche Studie von Jacobson im Jahr 2015 veröffentlichte). Der Lead-Autor dieser Studie ist Christopher Clack vom National Oceanic und Atmospheric Administration Earth System Research Laboratory.

Die Forscher argumentieren, dass die Arbeit von Jacobson und seinen Kollegen ungültige Modellierungswerkzeuge verwende. Außerdem enthielte sie Modellierungsfehler und unplausible und unzureichend gestützte Annahmen.

 

Überschätzte Erneuerbare Energien

Christopher Clack sagte: “Wir dachten, wir müssten einen Peer-Review-Artikel schreiben, um einige der Fehler hervorzuheben und eine breitere Diskussion darüber zu entfachen, was wir wirklich brauchen, um den Klimawandel zu bekämpfen”. Als einzige Möglichkeit, es in einer fairen und unvoreingenommenen Weise zu tun, sei ein Peer-Review infrage gekommen. Dadurch sei gewährleistet, dass externe Schiedsrichter sicherstellen können, dass die Studie keine Unwahrheiten enthält.

Die Studie von Clack wird von einer Reihe bekannter Forscher, einschließlich des prominenten Klimaforschers Ken Caldeira der Carnegie Institution, des Energieforschers Dan Kammen von der University of California in Berkeley und des ehemaligen EPA Science Advisory Board Vorsitzenden Granger Morgan unterstützt.

In einem Brief, der gleichzeitig in der von der Washington Post erwähnten Zeitschrift erschien, feuern Jacobson und drei Stanford-Kollegen zurück, dass Clacks Kritik selbst “mit Fehlern durchsetzt” und “nachweislich falsch” sei. Jacobson unterstellte auch, dass seine Kritiker zugunsten der Kohlenstoff-basierten Brennstoffe wie Öl, Gas und Kohle sowie Kernenergie voreingenommen seien.

 

An den Stromnetzen scheiden sich derzeit die Geister

Kritiker haben der Washington Post zufolge stets behauptet, dass eine geringe Menge an Wind- und Solarenergie problemlos in das Stromnetz eingespeist werden könne, eine zu große Menge es destabilisieren könne. Das Stromnetz werde immer einige grundlastfähige (“baseload”) Energiequellen wie Kernkraft, Kohle oder Gas benötigen, die kontinuierlich Leistung erbringen, anstatt intermittierend von der Verfügbarkeit von Sonne oder Wind abhängig zu sein.

Die Washington Post führt die Auseinandersetzung zwischen den Forschern auf die Trump-Regierung zurück. Sie habe nach Ansicht der Washington Post signalisiert, dass sie nicht glaube, dass das nationale Stromnetz eine schnelle und gründliche Verschiebung hin zu Erneuerbaren Energien unterstützen kann, wie Jacobson vorschlägt. In der laufenden Woche soll die Freigabe einer Studie über den Einfluss der Erneuerbaren Energien über das Stromnetz durch den Energieminister Rick Perry erfolgen. Die Washingon Post vermutet, dass sie die Angst vor Erneuerbarer Energie schürt und das Stromnetz als Argument verwendet, um Wind und Solar zu kritisieren und darzustellen, wie sie das Stromnetz beeinträchtigen.

Die Debatte ist aus Sicht der Washington Post entscheidend. Denn während es großartig sei, über Wind und Solar in der Theorie zu sprechen, sei es die Realität, dass die Elektronen, die sie erzeugen, durch Drähte und Sendestationen gesendet werden müssen, um die Bedürfnisse an bestimmten Orten und zu bestimmten Zeiten zu befriedigen. “Wir müssen uns mit einer Möglichkeit beschäftigen, Elektrizität in großem Maßstab zu speichern, ein zurzeit größtenteils ungelöstes Problem.”

Dieses Problem sehen Jacobson und seine Kollegen nicht. Sie halten den Befürchtungen laut Washington Post entgegen, dass die variablen oder “intermittierenden” Stromquellen nicht immer ihre Produktion danach ausrichten würden, wenn die Leute sie am meisten brauchen. (“The research, said Jacobson and his co-authors, should put to rest fears that adding large amounts of wind and solar to the grid would be destabilizing because these variable or “intermittent” sources of electricity would not always line up their production with the times when people need them most.”)

 

Keine 100%ige Stromversorgung aus erneuerbaren Energien

Clack und sein Team halten die Studie von Jacobson als Richtschnur für die zukünftige Stromversorgung der USA für ungeeignet: “Die zahlreichen Unzulänglichkeiten und Fehler der Studie machen sie als Leitfaden für die wahrscheinlichen Kosten, die technische Zuverlässigkeit oder die Machbarkeit eines 100%igen Wind-, Solar- und Wasserkraftwerks” unsolide, schreiben sie. “Es ist eine Sache, den potenziellen Einsatz von Technologien in einer klar abgegrenzten hypothetischen Analyse zu erforschen; es ist eine ganz andere, zu behaupten, dass ein Modell, das diese Technologien in einer beispiellosen Größenordnung verwendet, schlüssig die Machbarkeit und Zuverlässigkeit des modellierten Energiesystems zeigt, das von der Mitte des Jahrhunderts an umgesetzt wird.”

Besonders bemerkenswert findet die Washington Post, dass in der Studie von Jacobson und seinen Kollegen die Kernenergie keine Berücksichtigung findet. Sie produziere keine Treibhausgase und laufe 24/7 ohne Unterbrechung. Auch Kohlenstoffabscheidungen und -speicherung werden nicht erwähnt. Sie können dazu beitragen, die Emissionen von Kohle- und Erdgasanlagen zu senken, meint Washington Post. Bioenergie, die oft als entscheidend für die Begrünung der Strom- und Verkehrssektoren gehalten würden, seien nicht genannt.

 

Ein bunter Mix aus technischen und sozialen Ideen

Jacobson habe eine Antwort auf die Kritik an seiner Studie in der Zeitschrift veröffentlicht und Zeile für Zeile der Studie von Clack widersprochen. Zusätzlich zu seinen Einwänden, die seine Arbeit geprägt haben, hat er der Washington Post zufolge darauf hingewiesen, dass die Autoren mehr darauf ausgerichtet seien, Kohlendioxid-Emissionen zu senken als sich für andere soziale Vorteile zu interessieren, an denen er, Jacobson, und seine Mitautoren interessiert seien. “Wir interessieren uns für Luftverschmutzung, Gesundheit, Energiesicherheit, Atomwaffenverbreitung, die Verringerung der Gefahr für die Gesellschaft”, sagte er. (“We’re interested in air pollution, health, energy security, nuclear weapons proliferation, reducing the risk to society of all the dangerous considerations,” he said.)

Es gibt zahlreiche komplexe Behauptungen und Gegenbehauptungen in der Debatte, sagt die Washington Post. Das sei ein Teil des Problems, meint David Victor, ein energiepolitischer Forscher an der Universität von Kalifornien in San Diego und ein Co-Autor der neuen Kritik. Die vorliegenden Studien scheinen technisch verankert zu sein und sehr komplex. Alle weisen darauf hin, dass das Problem mit einer Reihe von Optionen, die offenbar politisch sehr attraktiv sind, lösbar ist”, sagte er über Jacobsons Studien. Er hält dies für den Grund, warum die Forschung so einflussreich war.

“Unsere Analyse schlägt vor, dass wir an keiner dieser Analysen festhalten”, sagte David Victor. “Ich kann verstehen, dass die Emotionen hoch gehen, aber wir haben eine Pflicht als Wissenschaftler, die Tatsachen zu nennen, wie wir sie sehen.” (“Our analysis suggests … that none of that work holds up,” Victor said. “So I can totally understand that emotions are high, but we have a duty as scientists to call the facts as we see them.”)

 

Quellen:

Foto: scym, pixabay

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Grüne Pro-Atom-Umweltschützer

Grüne Pro-Atom-Umweltschützer in Finnland

Grüne Pro-Atom-Umweltschützer gewinnen in Finnland Wahlen

Mehr als hundert Kandidaten hatten zu den anstehenden Kommunalwahlen in Finnland eine Erklärung unterzeichnet, in der die finnischen Städte aufgefordert wurden, die Möglichkeiten zur Nutzung kleiner Kernreaktoren für Fernwärme zu erkunden. Unter den Unterzeichnern habe es eine bedeutende Anzahl von Kandidaten der Grünen gegeben, schreibt J. M. Korhonen. Wenn Finnland das erste Land mit einer grünen Partei sei, die die Kernkraft unterstützt, würde dies Schockwellen durch die Politik der grünen Parteien rund um den Globus senden, meint ein Leser. Das Wahlergebnis vom 9. April 2017 liegt jetzt vor: Die Grünen haben große Gewinne und mit einem Stimmenanteil von 12,4 % das beste Wahlergebnis ihrer Geschichte erzielt. Und ein Erfolg für Grüne Pro-Atom-Umweltschützer.

 

Pro-Atom ist wählbar

In Finnland haben die Gemeinden eine beträchtliche Befugnis. Sie können zum Beispiel Umweltbemühungen Entscheidungen über Energiequellen, die von kommunalen Energieunternehmen genutzt werden, unterstützen oder verhindern. Insofern hat das Wahlergebnis eine hohe Bedeutung für Finnland.

Die Hauptthemen, die die Menschen in Finnland motiviert haben, Grün zu wählen, sind wahrscheinlich Bildung, starke städtische Politik und die Opposition gegen die rechtspopulistische Finnen-Partei. Darüber macht sich J. M. Korhonen auf seinem Blog sicher keine Illusionen. Aber er registriert eine wesentliche Änderung in der Einstellung zur Kernenergie. Die politische Linie der Grünen sei zwar immer noch anti-nuklear, aber die Wahlergebnisse halten Umweltschützer für ermutigend. Der grüne Sieg sollte zumindest einige Neubewertungen in anderen Parteien verursachen und dazu beitragen, dass Umweltfragen in der Zukunft an Bedeutung gewinnen.

Die Grünen sind nach den Wahlen die stärkste Partei in Jyväskylä, eine mittelgroße Universitätsstadt. In Helsinki und Turku nahe an zweiter Stelle und an dritter Stelle in Tampere.  Bemerkenswert sei auch, sagt J. M. Korhonen, dass die Grünen in der Lage waren, Sitze und in einigen Fällen sogar Mehrheiten in den Gemeinderäten vieler kleinerer Ortschaften zu gewinnen. Damit sei es den Grünen, die bisher meist auf Städte konzentriert waren, gelungen, nun wahrheitsgemäß behaupten zu können, eine bundesweite politische Bewegung zu sein.

 

Ablehnung der Kernenergie ist Luxus

J. M. Korhonen hatte bereits im März über zwei interessante Entwicklungen in der finnischen Politik geschrieben. Zuerst hätten vier städtische Wahlkandidaten aus der traditionell stark anti-nuklearen Partei der Grünen eine Erklärung veröffentlicht. Sie legten dar, dass die Menschheit nicht mehr den Luxus habe, die Kernenergie abzulehnen. Zweitens hätten weit über hundert Wahlkandidaten aus allen großen Parteien, auch Kandidaten der Grünen, eine Petition unterzeichnet. Sie verlangten Machbarkeitsstudien für die nukleare Fernwärme, um finnische Städte mit Wärme zu versorgen.

Die Anzahl der pro-nuklearen Umweltschützer wachse, für sie seien die Ergebnisse besonders interessant, sagt J. M. Korhonen. Anscheinend hätten selbst stark pro-nukleare Positionen die Wahl nicht verhindern können, und in einigen Fällen könnte die pro-nukleare Einstellung dem Kandidaten sogar tatsächlich zum Wahlsieg verholfen haben. Elf Unterzeichner des Atom-Fernwärmevorschlags wurden als Vollmitglieder ihrer jeweiligen Stadt- oder Gemeinderäte gewählt, die vier ausdrücklich pro-nuklearen Grünen erhielten genug Stimmen für die Wahl als Vize-Räte.

 

Zwei Wahlsieger

Unter den gewählten Ratsmitgliedern ist das Mitglied der Piratenpartei, Nuklear-Physiker und Doktor der Philosophie, Petrus Pennanen. Er war der Initiator des Vorschlags, Kernkraftwerke für Heizungen zu nutzen, um Kohle und Biomasse in Helsinki zu ersetzen. Zwar seien auch andere Faktoren bei der Wahl im Spiel gewesen, aber man könne sagen, die stark pro-nukleare Politik und die Einstellung zu Gunsten strenger Klimaschutzregeln haben seinen Wahlerfolg nicht behindert, sagt J. M. Korhonen.

Ein weiterer sehr interessanter Fall sei die sehr gute Vorstellung des Parteimitglieds der Grünen, Atte Harjanne, ein 32-jähriger Doktorand am finnischen Meteorologischen Institut, gewesen. Atte habe sich als ein starker Befürworter aller Alternativen zur Minderung der Emissionen bekannt gemacht. Er hatte offiziell vorgeschlagen, die Atom-Opposition der Grünen zu beenden. Noch kurz vor den Wahlen hatte er eine Erklärung zu Gunsten des umstrittenen Fennovoima-Atomkraftwerksprojekts veröffentlicht. Trotz solcher Haltungen, die immer noch ein Anathema für viele traditionelle Grüne seien, und trotz seines relativ geringen Bekanntheitsgrades, habe Atte als Erstkandidat mehr als genug Stimmen für einen Sitz im Stadtrat von Helsinki erhalten.

 

Die Bedeutung und das Potenzial der Kernenergie in Finnlands Kampf um das Klima

Die Gemeindewahlen und ihre Ergebnisse seien ein ermutigendes Zeichen. Die Bedeutung und das Potenzial der Kernenergie im Kampf um das Klima fange an, sich sogar in den traditionellen Bastionen der Anti-Atom-Bewegung zu verbreiten. Und es sei möglich, als pro-nuklearer Grüner in den Rat der Hauptstadt Finnlands gewählt zu werden. Die starke Präsentation der Grünen Partei zeige zumindest, dass anspruchsvolle, starke Klimapolitik einen Erfolg bei den Wahlen nicht verhindert. Sie könne sogar helfen, als Politiker gewählt zu werden.

J. M. Korhonen ist Doktorand an der Aalto School of Economics in Helsinki, Finnland.
https://jmkorhonen.net/

 

Zukunftsaussichten für die Grünen in Deutschland

Auf die Schockwelle für die Grünen müssen wir in Deutschland nicht warten. Sie haben sich in ihrer Besessenheit gegen die Kernkraft von Greenpeace und anderen Kräften ins Abseits drängen lassen, sich zum Sterben hingelegt und werden nach ihrem Selbstmord noch aus dem Grab heraus rufen: Atomkraft ist viel zu gefährlich!

 

Titel-Foto: tpsdave, “Oulu, Finnland”, pixabay

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Daseinsvorsorge

Chinas Energieversorgung zielt auf pragmatische Daseinsvorsorge

Langfristige Planungen auf realistischer Grundlage

Chinas Energiepolitik: Daseinsvorsorge im Vordergrund

Fred F. Mueller

Wenn deutsche Politiker und „Qualitätsmedien“ über China schreiben, dann fast immer in belehrendem Ton. China wird als der große Umweltverschmutzer mit massiven Defiziten bei Demokratie und Menschenrechten dargestellt. Zudem werde dort rücksichtslos kopiert, um dann mithilfe billiger, weitgehend entrechteter Arbeiterheere minderwertigen Ramsch in riesigen Mengen zu produzieren und damit die Weltmärkte zu fluten. Nun steht es außer Zweifel, dass unser Gesellschaftssystem dem Bürger mehr individuelle Freiheiten einräumt als das chinesische. Doch wie sieht es mit der Zukunfts- und Daseinsvorsorge für die Bevölkerung aus? Wie will der Riese aus Fernost seine Bewohner künftig mit ausreichender, sicher verfügbarer und bezahlbarer elektrischer Energie versorgen?

In Deutschland will man dem Bürger eine streng asketische Zukunft verordnen. Um die uns angeblich drohende Klimakatastrophe durch konsequente „Dekarbonisierung“ zu verhindern, soll die Bevölkerung zu massivem Konsumverzicht erzogen werden. Das geht schon bei Nebensächlichkeiten los, so z.B. im Bundesumweltministerium, wo Besucher keine Fleischgerichte mehr erhalten werden [VEGG]. Das Umweltbundesamt riet hingegen zu einem 40tägigen freiwilligen „Autofasten“ ab Aschermittwoch [AUFA]. Die Regierung selbst definiert in einem Bericht an ein UNO-Gremium ihre Ziele bezüglich der Energieversorgung wie folgt: „Der Gesamt-Primärenergieverbrauch soll bis 2020 gegenüber 2008 um 20 % sinken, bis 2050 wird eine Senkung um 50 % angestrebt. Der Bruttostromverbrauch soll bis 2050 gegenüber 2008 in einer Größenordnung von 25 % vermindert werden“ [STZI].

Rechnet man diese Angaben entsprechend um, so hat sich Deutschland demnach zu einer Verbrauchsobergrenze von lediglich noch ca. 436 TWh (Terawattstunden) verpflichtet, für die Stromproduktion ergäbe sich daraus ein Maximalwert von ca. 450 TWh. Im Jahr 2016 lag sie dagegen mit 648,2 TWh um volle 44 % darüber. Da zudem Öl, Gas und Kohle (und zugleich die Kernkraft) drastisch reduziert werden sollen, kann man sich ausmalen, welche Abstriche am bisherigen Lebensstandard auf die Bevölkerung zukommen. Und die Umstellung des Verkehrs auf Elektroautos sollten wir auch nicht vergessen: 45 Mio Pkw und die bisher mit Diesel betriebenen Flotten von LKW und Bussen würden alleine schon beim jetzigen Stand jährlich 337 TWh benötigen. Da bliebe für den restlichen Bedarf der Bevölkerung nicht allzu viel übrig. Aber das steht auf einem anderen Blatt und soll hier nicht weiter vertieft werden.

Chinas Zukunftsplanung beim Strom…

Rechnet man die für Deutschland vorgesehenen 450 TWh jährlicher Stromproduktion auf die Gesamtbevölkerung von 82 Mio. um, so sollen jedem Bürger künftig pro Jahr rechnerisch ca. 4.500 kWh zur Verfügung stehen. Das sind etwa 30 % weniger als 2016. Wie sieht es diesbezüglich in China aus? Dazu gibt es in der Zeitschrift Nuclear Street News [CHIN] aktuelle Zahlen der dortigen National Energy Administration (NEA). Demzufolge liegt der aktuelle Pro-Kopf-Verbrauch an elektrischer Energie in China nach einem Ranking des „Index Mundi“ derzeit bei 3.926 kWh. Das ist lediglich rund ein Drittel der 12.186 kWh, die jedem US-Bürger zur Verfügung stehen.

Doch während Deutschland seinen Bewohnern den Energieverbrauch massiv kürzen will, sieht man in China die ausreichende Verfügbarkeit von Energie als eine unabdingbare Voraussetzung zur Aufrechterhaltung einer Hochzivilisation. Deshalb plant man eine kontinuierliche Steigerung. Aktuell befindet sich das Land diesbezüglich nur auf dem 69. Rang, was sich auch im Lebensstandard widerspiegelt. Bis zum Jahr 2030 will die Staatsführung 5.500 kWh pro Kopf und Jahr erreichen und diesen Wert bis 2050 auf 8.500 erhöhen. Damit befände man sich dann an der Schwelle zu den 25 bestversorgten Ländern der Erde.

…setzt ein wenig auf Wind und Sonne…

Bild 1

Viele Ideologen der „erneuerbaren“ Energien sehen China derzeit als eine Art gelobtes Land von Wind- und Solarenergie, weil man dort im Rahmen des laufenden Fünjahresplans bis 2020 insgesamt 343 Mrd. € in „CO2-freie“ Stromerzeugungstechnologien investieren will [SPIE]. Die Entwicklung der entsprechenden Investitionen veranschaulicht Bild 1.

Die Vertreter der „erneuerbaren“ Energien setzen große Hoffnungen auf China, das inzwischen gut 35 % der weltweiten Investitionen auf diesem Gebiet tätigt (Grafik: [REN21]) Schaut man auf die Entwicklung z.B. der Kapazität der installierten Windenergieanlagen [WIWI], so findet man beeindruckende Zahlen und Steigerungsraten (Bild 2).

Bild 2

Vertreter der „erneuerbaren“ Energien stellen diese gerne als vorbildlich für den Rest der Welt heraus.

In den vergangenen zwölf Jahren steigerte China die Kapazität der installierten Windenergieanlagen um mehr als das Hundertfache von 1,26 auf 149 GW [WIWI]. Auch bei der Solarenergie wurden hohe Steigerungsraten erzielt.

Diese Euphorie etlicher „Öko-Energetiker“ rührt allerdings wohl zu einem nicht geringen Teil daher, dass viele unter ihnen kaum Übung darin haben, nüchterne Fakten wie Dimensionen, Aufwendungen und Kosten einer technisch anspruchsvollen Aufgabenstellung zu erfassen. Zunächst muss man sich vor Augen führen, wie riesig das Land im Vergleich zu Deutschland ist. Chinas Kraftwerke erzeugen derzeit jährlich ca. 5.000-6.000 TWh an elektrischer Energie, rund 8-9 Mal soviel wie Deutschland. Hiervon sind allerdings lediglich rund 23 % „erneuerbar“, und davon zählen mehr als 18 % zu den „konventionellen“ Erneuerbaren, nämlich der Wasserkraft, zu der insbesondere der Drei-Schluchten-Staudamm beiträgt.

Bild 3. Anteile der verschiedenen Energieträger an der chinesischen Stromproduktion im Jahre 2014. Daten: [WIKI]

Eine Aufschlüsselung der Beiträge der verschiedenen Energieträger für das Jahr 2014 zeigt Bild 3.

Im Jahr 2014 trugen Wind mit 2,7 % und und Solar mit 0,5 % demnach zusammen nur etwas mehr als 3 % zu Chinas Stromerzeugung bei, was trotz der beeindruckenden Brutto-Kapazitätsangaben an den im Vergleich zu konventionellen Kraftwerken beschämend schlechten Nutzungsgraden der „erneuerbaren“ Energielieferanten liegt. Bis zu deutschen Dimensionen – derzeit ca. 18 %, davon 12 % Wind und 6 % Solar – wäre auf jeden Fall noch ein weiter Weg zurückzulegen, und 80 oder gar 100 % sind für das Schwellenland China finanziell auf keinen Fall zu bewältigen.

Bereits jetzt stößt man dort trotz dieser vergleichsweise niedrigen Prozentsätze hart an seine Grenzen, insbesondere was die Belastung der Stromnetze angeht, deren Errichtungs- und Betriebskosten in diesem riesigen Land entsprechend hoch sind. Bereits 2015 wurden deshalb 15 % der chinesischen Windenergieproduktion schlicht „weggeworfen“ [CHDI]. Dies zeigt sich auch am Nutzungsgrad, der mit durchschnittlich 15,8 % selbst unter den deutschen Werten liegt. Das führte zu Auseinandersetzungen zwischen den Provinzen, deren Netzbetreiber versuchen, diesen Störstrom möglichst aus ihren Netzen herauszuhalten, und der Zentralregierung, die aus diversen Gründen gerne mehr davon verwendet sehen möchte.

Interessanterweise scheint die Zentralregierung angesichts dieses Gegenwindes jetzt ihre Ziele in diesem Bereich zurückzuschrauben. So hieß es noch 2016 aus der NEA, dass man im laufenden Fünfjahrplan die Kapazitäten bei Wind von 129 GW auf 210 GW und bei Solar von 43 GW auf 110 GW ausbauen wolle, was dann noch auf auf 250 GW Wind und 150 GW Solarkapazität aufgestockt wurde [CHDI].

Bild 4. Im Bereich Fotovoltaik sind chinesische Hersteller an der Weltspitze

Inzwischen scheint man jedoch wieder umzudenken. Kürzlich gab es Berichte, dass diese Aufstockung zurückgenommen wurde und China jetzt wieder zu den ursprünglichen niedrigeren Zahlen zurückkehre, wobei darin jetzt auch Offshore eingebunden ist [RECH]. Zudem gibt es Meldungen über Einschnitte bei den Vergütungssätzen für Fotovoltaik.

…und immer stärker auf Kernkraft

Ein entscheidender Punkt, den viele Anhänger der „Erneuerbaren“ bei ihren Blütenträumen bezüglich asiatischer Nationen häufig übersehen, ist der Pragmatismus dieser Länder bei der Bewältigung existenzieller Herausforderungen. So z.B. in Japan, wo Greenpeace, WWF und Co. seit den Nuklearhavarien von Fukushima die Wiederinbetriebnahme von Kernkraftwerken mit allen Mitteln bekämpfen und behindern, wobei ihnen die internationalen Medien als Sprachrohr und Multiplikator dienen. Hierbei fällt unserer von diesen „Fake-News“-Medien eingeschläferten Bevölkerung anscheinend nicht einmal der Umstand auf, dass diese Organisationen offensichtlich auch dort unten erstaunlich häufig von Leuten mit erkennbar westlicher Herkunft geführt werden.

Da die Inbetriebnahme freigegebener Kernkraftwerke kaum vorankommt und sich die „Erneuerbaren“ als kostspieliger Irrweg erwiesen haben, setzt Premier Shinzo Abe jetzt stattdessen auf Kohle und will in den kommenden Jahren 45 neue Kohlekraftwerke bauen lassen. So dämlich, sich gleichzeitig von der Kern- und der Kohlekraft zu trennen, ist man in Japan nicht.

Deshalb hätten auch die jubelnden „Ökos“ sich nicht davon täuschen lassen sollen, als China dreistellige Milliardeninvestitionen in CO2-freie Stromerzeugungstechnologien ankündigte. Für China sind dies nur Peanuts, und sehr zum Leidwesen von Greenpeace & Co. gehört zu ihren Planungen auch die Kernenergie. Und hier hat China wirklich große Pläne, denn das Land wurde in seiner diesbezüglichen Entwicklung durch die Fukushima-Ereignisse erheblich zurückgeworfen. Chinas Führung hat ab 2011 auf diesem für das Land extrem wichtigen Sektor zunächst zahlreiche Projekte gestoppt und sich ausreichend Zeit genommen, um die Situation und die mit der Kernkraft verknüpften Risiken ausführlich zu analysieren. Man nahm lieber eine mehrjährige Verzögerung in Kauf, als unvertretbare Risiken für das Land einzugehen. Im Unterschied zu Deutschland hat man anschließend jedoch beschlossen, die Kernkraft weiter auszubauen. Im aktuellen Fünfjahrplan ist nahezu eine Verdopplung der Nuklearkapazität des Landes vorgesehen [CHNU].

Im November 2016 waren in China 36 Kernkraftwerke mit einer Kapazität von 31,4 GW in Betrieb. Von den derzeit im Bau befindlichen 40 Reaktoren [STAT] sollen allein in diesem Jahr fünf in Betrieb genommen werden. Bei acht weiteren ist der Baubeginn noch in diesem Jahr vorgesehen, und zugleich sollen acht weitere Projekte „auf Kiel gelegt“ werden. Aktuell veröffentlichter Planungsstand sind 58 GW KKW-Kapazität bis 2020 und 150 bis 250 GW bis 2030 [CHIN]. Damit würde die Nuklearkapazität des Landes innerhalb von nur 13 Jahren um den Faktor acht (!) zulegen. Für die Zeit nach 2030 sagen Berichte über entsprechende Planungen noch weit höhere Zuwachsraten voraus. Ein wichtiges Hemmnis scheint derzeit der Mangel an geeigneten Fachleuten zu sein. In Betrieben und Universitäten arbeitet man bereits daran, diese Ausbildungsgänge entsprechend auszubauen. Für den Zeitraum nach 2040 soll in China dann die Stunde der „schnelle-Neutronen“-Reaktoren („schnelle Brüter“) schlagen, die nuklearen Abfall, Plutonium sowie abgereichertes Uran verwerten können. Ihre Kapazität soll bis 2100 auf 1.400 GW anwachsen [NUK]. Das allein entspräche etwa 1.000 bis 1.400 weiteren Kernkraftwerken.

China will mit jeder Technologie verdienen

Betrachtet man die Lage der verschiedenen Energiesektoren in China, so erkennt man eine geschickte Verknüpfung mit einer mehrgleisigen Handelsstrategie. Man setzt einerseits auf den aktuell ungebrochenen weltweiten Markttrend zugunsten von Wind und Solar. Dieser soll künftig ja zusätzlich durch jährliche Klima-Ablasszahlungen von 100 Mrd. US-$ Dollar der Industrieländer für Energieprojekte in der 3. Welt befeuert werden. Nicht zuletzt deshalb stützt China durch große inländische Investitionen die eigenen Industrien und ermöglicht es ihnen, auf diesen Märkten in vorderster Position mitzumischen. Dies dürfte erklären, warum die Zentralregierung aktuell neben der hohen Kapitalbindung sogar negative Auswirkungen im Lande in Kauf nimmt.

Langfristig setzt man jedoch erkennbar auf die Kernenergie. Auch wenn deren Anteil im eigenen Land ebenso wie die Marktchancen im internationalen Umfeld im Moment noch gering sind, so sind die Investitionen ebenso wie die Entwicklungsaktivitäten erkennbar auf hohe Steigerungsraten ausgelegt. Aufgrund der hohen Nutzungsgrade der Kernkraft erbringt die Investition in ein GW Kernenergie jährlich rund 6 Mal soviel Strom wie Windenergieanlagen mit gleicher Kapazität. Geplant sind derzeit 61 GW Wind und 27 GW KKW, welche den gleichen Stromertrag liefern wie 162 GW Windenergieanlagen. Aus diesen Zahlen ist die Stoßrichtung der chinesischen Energiepolitik klar abzuleiten.

Zudem ist sich China bewusst, dass dieser Markt in vielen Ländern erst dann attraktiv werden dürfte, wenn sich der aktuelle Hype mit den „Erneuerbaren“ totgelaufen hat. Bis es soweit ist, wird man für die künftigen eigenen KKW-Modelle über internationale Zulassungen verfügen, so beispielsweise in Großbritannien. In einigen Jahren wird Deutschland mit brummendem Schädel aus seinem energetischen Selbstzerstörungsrausch namens „Dekarbonisierung“ aufwachen. Dann werden lächelnde chinesische Handelsdelegationen bereitstehen, uns alles zu liefern, was für die Versorgung der deutschen Bevölkerung mit preisgünstiger und sicher verfügbarer Energie so benötigt wird. Zu großzügigsten Konditionen, versteht sich. Allerdings dürfte die Inzahlungnahme gebrauchter Solarpaneelen und Windanlagen nicht dazugehören.
Fred F. Mueller

Quellen:

[AUFA] http://www.n-tv.de/politik/Umweltamt-ruft-zum-Autofasten-auf-article19723009.html
[CHDI] https://www.chinadialogue.net/blog/9113-All-eyes-on-China-s-13th-Five-Year-Plan-for-energy/en
[CHIN] http://nuclearstreet.com/nuclear_power_industry_news/b/nuclear_power_news/archive/2017/03/02/china-maps-out-its-nuclear-future-030202#.WLmmXH_OxLh
[CHNU] http://www.world-nuclear-news.org/NP-China-sets-out-nuclear-plans-for-2017-0203174.html
[DACA] http://dailycaller.com/2017/02/01/japan-infuriating-enviros-by-building-45-new-coal-power-plants/
[NUK] http://www.world-nuclear.org/information-library/country-profiles/countries-a-f/china-nuclear-power.aspx
[RECH] http://www.rechargenews.com/wind/1188761/china-eases-back-2020-re-targets-with-latest-5yp-goals
[REN21] RENEWABLES 2016 – GLOBAL STATUS REPORT RENEWABLE ENERGY INDICATORS Key Findings
[SPIE] http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/china-investiert-343-milliarden-euro-bis-2020-in-oekostrom-und-atomkraft-a-1128741.html
[STAT] http://de.statista.com/statistik/daten/studie/157767/umfrage/anzahl-der-geplanten-atomkraftwerke-in-verschiedenen-laendern/
[STZI] Bericht der Bundesregierung zum High-Level Political Forum on sustainable Development 2016, 12. Juli 2016. http://www.bmz.de/de/index.html
[VEGG] http://www.spiegel.de/politik/deutschland/umweltministerium-serviert-bei-veranstaltungen-nur-noch-vegetarische-kost-a-1135231.html
[WIKI] https://en.wikipedia.org/wiki/Renewable_energy_in_China
[WIWI] https://en.wikipedia.org/wiki/Wind_power_in_China

 


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“Klimaschutz und wirtschaftliches Handeln sind kein Gegensatz mehr” – Aus dem Grundsatzprogramm der NRWSPD 2017

Die SPD Nordrhein-Westfalen (NRWSPD) hat am 24.01.2017 ihren Entwurf des NRW-Regierungsprogramms vorgestellt. Er soll auf dem Landesparteitag am 18. Februar 2017 in Düsseldorf beschlossen werden. Da die NRWSPD darin “die langen Linien sozialdemokratischer Regierungspolitik in den nächsten fünf Jahren” vorstellt, sollte dem Plan Beachtung geschenkt werden. Er beinhaltet eine planwirtschaftliche Verschmelzung von Wirtschaft und Ideologie (Klimaschutz). Im Landtag bildet die NRWSPD mit 99 Abgeordneten die größte Fraktion. Die Sozialdemokraten erhielten 39,1 % der Stimmen bei den letzten Landtagswahlen 2012.

 

Ein Energieplan, der keiner ist

Die Sozialdemokratie in NRW stelle sich “mit konkreten, durchdachten und erprobten Konzepten der Verantwortung für das größte Bundesland. Denn nur, wer selbst einen klaren Kompass hat, kann im Wandel Orientierung und Sicherheit geben und unser Land in eine gute Zukunft führen”, heißt es auf der Homepage der Partei.

Diese Zielsetzung gilt auch für den Punkt “Energiewende”, der dem Punkt  “Wir gestalten nachhaltiges Wachstum sozial” untergeordnet ist. Ein qualitatives Wachstum wird angestrebt. Es soll die natürlichen Ressourcen schonen und für alle Menschen, und nicht nur einige wenige, zu steigendem Wohlstand führen.
Die NRWSPD ist überzeugt, dass sie im Rahmen der Energiewende “bestehende zukunftsfähige Arbeitsplätze sichern und neue Arbeitsplätze schaffen” kann, “indem Energie immer klimafreundlicher und sauberer wird, indem Energieversorgung für Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Unternehmen sicher und bezahlbar bleibt.” Die Energiewende ist aus Sicht der SPD der Motor der Wirtschaftsentwicklung und schließt neben der Stromerzeugung und -nutzung auch die Gebäudeheizung und eine Verkehrswende ein. “Mit unserer modernen und zugleich praktikablen Klima- und Umweltpolitik bewahren wir die natürlichen Lebensgrundlagen für  alle Menschen in NRW: Unser Landesnaturschutzgesetz sichert die biologische Vielfalt und beugt dem Artensterben von Pflanzen und Tieren vor.”

Ob die Klima- und Umweltpolitik wirklich praktikabel ist, muss sich erst noch herausstellen. Zunächst spiegelt der Plan nichts anderes wider, als die Hoffnung, die Wirtschaft anzukurbeln. Das ist natürlich kein Plan, sondern bestenfalls eine Plan-Idee oder Vision, mit der die NRWSPD das Industrieland NRW möglicherweise in ein Museum verwandeln wird. Immerhin sieht sie die Fortsetzung der “großen Tradition des Reviers” in einem “Anschluss an die Route der Industriekultur”. Der Idee fehlt die vernünftige Berechnungsgrundlage, die aus einer Idee einen Plan macht. Die Leitideen zur Energiewende sind ohne realen Bezug.

“Wir haben einen klaren Plan und wir halten, was wir versprechen”, sagt die SPDNRW. Diese Aussage müsste einen nicht verunsichern, kann sie aber, denn auch die “Die Olsen Bande” hatte stets einen Plan. Die NRWSPD schreibt zum Thema Energiewende im Grundsatz fort, was Greenpeace in seiner Vision “Der Plan” zum Thema Energie niedergeschrieben hat. Ein Plan, der in Wirklichkeit keiner ist und nach Ansicht von Ökonomen, Naturwissenschaftlern und anderen Fachleuten an der Realität scheitern wird. Es sei nur eine Frage der Zeit, wie lange der Todeskampf der Energiewende dauern werde, sagen sie.

Kernpunkte der NRWSPD zur Energiewende

Seit der Übernahme der Regierungsverantwortung 2010 werde ein klares Ziel verfolgt, heißt es im Programm der NRWSPD: “Wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten machen unser Land zukunftssicher.” Im Parteiprogramm steht, was wir in Zukunft von einer sozialdemokratisch regierten Landesregierung zu erwarten haben. Der Blick auf die Pläne der SPD zur Energieversorgung ist wichtig, weil Energie die Grundlage unserer Zivilisation ist, also über die Zukunft unserer Wirtschaft und Gesellschaft und unseren Wohlstand entscheiden wird.

Einige Kernpunkte der NRWSPD zur Energiewende:

  • Ein gleichzeitiger Ausstieg aus Kohle- und Kernkraft ist nicht möglich. (Einen Zeitplan gibt es nicht.)
  • Kernenergie wird abgelehnt. (Neuere Entwicklungen im Bereich der Kernenergie nimmt die NRWSPD nicht zur Kenntnis.)
  • Damit keine neuen Atomkraftwerke in Belgien gebaut werden müssen, bietet die NRWSPD dem belgischen Nachbarland “zur Absicherung der Versorgungssicherheit eine langfristige energiepolitische und energiewirtschaftliche  Zusammenarbeit an.” (Wie lange kann und soll Belgien mit Kohlestrom aus Deutschland versorgt werden?)
  • Den Import vom Atomstrom lehnt die NRWSPD ab. (Ein falsches Versprechen. Wenn der Ausstieg aus der Kohleverstromung erfolgen soll, ist Deutschland auf den Import von Atomstrom angewiesen.)
  • Die NRWSPD will sich deutschlandweit für den weiteren stetigen Ausbau der Erneuerbaren Energien einsetzen. (Eine Forderung, die frei von jeglicher realistischen Analyse der ökonomischen, ökologischen und wirtschaftlichen Erfolgsaussichten ist.)
  • Die Sozialdemokraten NRW halten am Einspeisevorrang für erneuerbar erzeugten Strom fest. (Eine planlose, riskante Entscheidung, die den Zusammenbruch des Stromnetzes in Kauf nimmt. Die Steuerzahler und Stromkunden subventionieren sie jedes Jahr mit mehr als 25 Milliarden Euro, Tendenz steigend.)
  • Bis 2025 soll die Stromversorgung mit regenerativen Energien 30 Prozent erreichen. (Eine Wunschvorstellung, da aus technischen Gründen eine gleichmäßige Stromversorgung auch über das Jahr 2025 hinaus nicht zugesagt werden kann.)
  • Energie- und stromintensive Unternehmen sollen auch über das Jahr 2017 hinaus entlastet und Bestandsschutz für
    die Befreiung von der EEG-Umlage bei eigenerzeugtem Strom gewährt werden. (Die Kosten für den Bestandsschutz und für die steigenden Kosten der Strominfrastruktur tragen die Steuerzahler und Stromverbraucher.)
  • Die Digitalisierung der Energieversorgung („Smart Energy“) soll gemeinsam mit Industrie und Energiewirtschaft systematisch vorangetrieben werden. (Der Staat und Großkonzerne bestimmen über das Energiemonopol.)
  • “Im Blick” der NRWSPD sind die “Anpassungsmöglichkeiten an den Strommarkt der Zukunft. Dies gilt für die Privathaushalte, die Industrie und die Energieversorger in Nordrhein-Westfalen.” (Angela Merkel: “marktkonforme Demokratie”.)
  • NRW soll “Leitmarkt im Bereich der Speichertechnik und der Sektor-übergreifenden Kopplung von Energieverbrauch und industrieller Produktion” werden. (Forschung ja, aber Abhängigkeit der Stromversorgung von einer Wunschvorstellung?)
  • Klimaschutz und wirtschaftliches Handeln werden zu einer Einheit: “Klimaschutz als Motor für den Fortschritt begreifen. Klimaschutz und wirtschaftliches Handeln sind kein Gegensatz mehr. Wir lassen nicht zu, dass sie gegeneinander ausgespielt werden. Mit unserem Klimaschutzplan haben wir einen Instrumentenkasten mit konkreten Vorschlägen entwickelt, der alle Akteure verantwortlich einbezieht.” (Gesinnungspolitik)
  • Stahl, Chemie, Automobil- und Maschinenbau sollen am Standort Deutschland ihren Stellenwert behalten. (Die Strompreise in Deutschland sind auf Dauer nicht konkurrenzfähig. Um die Industrien in Deutschland zu behalten, müssen die Steuerzahler und Verbraucher für die Mehrkosten aufkommen, andernfalls verlassen die Industrien Deutschland. Aktivierung von Erpressungspotenzial und Abgabe der Regierungsverantwortung an die Industrie.)
  • Für eine gerechte Gestaltung der Netznutzungskosten will die NRWSPD prüfen, ob die Infrastrukturkosten für den überregionalen Stromtransport steuerfinanziert werden können. “Dies senkt den Strompreis und führt zu einer gerechteren Verteilung der Kosten.” (Kosten für die Steuerzahler und Verbraucher auf ständig steigendem Niveau.)
  • Die Maßnahmen zur Verhinderung von Energiearmut sollen konsequent fortgesetzt werden. (Welche Maßnahmen?)

 

Quelle:

„Der NRW-Plan. Unser Programm für 2017 – 2022“

Programme anderer Parteien:

CDU: https://www.cdu-nrw.de/sites/default/files/media/docs/37lpt2015_grundsatzprogramm_cdu_nrw.pdf
FDP: https://www.fdp.nrw/sites/default/files/2017-01/Landtagswahlprogramm.pdf

Das Programm für NRW

 

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Fritz Vahrenholt: Deutschlands Energiewende – Eine sich anbahnende Katastrophe

Am 17. Januar 2017 hielt Fritz Vahrenholt vor über 200 Zuhörern in London im House of Commons einen Vortrag zur deutschen Energiewende. Eingeladen hatte die Global Warming Policy Foundation, auf deren Webseite jetzt auch der Vortrag als Briefing-Text erschien.

Fritz Vahrenholt war von Februar 2008 bis Juli 2012 Vorstandsvorsitzender des RWE-Tochterunternehmens RWE Innogy. Seit 2012 ist Vahrenholt Alleinvorstand der Deutschen Wildtier Stiftung, die sich für den Schutz und die Förderung heimischer Wildtiere einsetzt. Seit 1999 ist er als Honorarprofessor an der Universität Hamburg im Fachbereich Chemie tätig. (Wikipedia)

Das pdf können Sie hier herunterladen (engl.).

Quellen: 

 

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Wer hat Angst vor Donald Trump?

Aus Angst, ihre über Jahrzehnte sorgfältig gesammelten Daten zum Klimawandel könnten unter der Administration des zukünftigen Präsidenten der USA, Donald Trump, verloren gehen, haben etliche US-Wissenschaftler laut “Washington Post” begonnen, ihre Erkenntnisse zu kopieren und auf unabhängigen Servern zu sichern. Die Angst geht um im öko-industriellen Komplex der USA, in dem Wissenschaft, Verwaltungen und Unternehmen zu einem Klima-Netzwerk verschmolzen sind. Die zukünftige Regierung Trump könnte die Umweltpolitik vom Kopf auf die Füße stellen und die Generierung von Daten der “Klimaschützer” überprüfen. Eine Möglichkeit, sich tiefen Einblicken in die Konstruktion der Klimawandelpolitik und der Vetternwirtschaft zu entziehen, besteht am ehesten in der Flucht.

 

Neugestaltung des Energieministeriums

Eine Schockwelle hatte kürzlich ein fünfseitiges, aus 74 Fragen bestehendes, internes Dokument der Berater von Donald Trump, das an die Mitarbeiter des Umweltministeriums versandt wurde, bei den “Klimaschützern” ausgelöst. Die Fragen sind Bestandteil der Pläne zur Neugestaltung des Energieministeriums. Das Berater-Team will sich damit eine Übersicht über das Engagement der Mitarbeiter bei der Unterstützung der Klima Agenda von Präsident Barack Obama verschaffen. Darüber informierte die Nachrichtenagentur Bloomberg.

 

“Carbon Metrics”- das Maß aller Dinge in der globalen Umweltpolitik

Die Berater Donald Trumps haben das Energieministerium gebeten, Mitarbeiter und Auftragnehmer zu benennen, die an den UN-Klimaverhandlungen teilgenommen oder an der Begrenzung des nationalen CO2-Ausstoßes gearbeitet haben, ebenso diejenigen, die der Obama-Regierung bei der Entwicklung eines Programms zur Berechnung der sozialen Kosten von “Carbon Metrics” geholfen haben. “Carbon Metrics” wurden zur Schätzung und Begründung neuer Klima-Vorschriften benutzt. Ihnen kommt nach Ansicht der Heinrich-Böll-Stiftung eine zentrale Bedeutung zu: “Carbon Metrics” sind zum Maß aller Dinge in der globalen Umweltpolitik geworden.”

Trumps Berater-Team sucht außerdem nach Informationen über Kredit-Programme des Ministeriums, Forschungsaktivitäten und über die Grundlagen seiner Statistiken. Das Umweltministerium spielte unter Obama eine wichtige Rolle für die “Saubere Energietechnologie”. Es war zuständig für Kreditgarantien und der “Brutkasten” zur Bestimmung von Effizienzregeln für Geräte. Das Ministerium stützt sich auf Zehntausende von Auftragnehmern, die die Arbeit der rund 13.000 direkt Beschäftigten ergänzten, berichtet Bloomberg.

Viele Mitarbeiter weigern sich, Trump die Namen zu geben, die am Thema Klimawandel gearbeitet haben. Das ist nicht verwunderlich. Der zukünftige Präsident der USA habe Personen für sein künftiges Kabinett ausgewählt, die Umwelt- und Klimaschutz kritisch sehen, sagen sie. Die meisten eine ihre Ablehnung der wissenschaftlich akzeptierten Theorie des von Menschen gemachten Klimawandels, meint die FAZ. Was haben die Mitarbeiter zu befürchten, wenn es stimmen sollte, dass die Theorie des von Menschen gemachten Klimawandels wissenschaftlich akzeptiert ist? Oder ist sie es vielleicht doch nicht? (“Die fabelhaften 97 % – der Mythos vom Klima-Konsens der Wissenschaftler“)

Der strategisch angelegte Ausbau von grünen Stellen in den Verwaltungen, kombiniert mit der gezielten Förderung grün-freundlicher Unternehmen und Medien, gehört in Deutschland zum Plan der Grünen. Wibke Brems, energiepolitische Sprecherin der grünen Landtagsfraktion in NRW, zählt nach Angaben der “Neue Westfälische” schon heute landesweit 30.000 Beschäftigte in den Branchen, die mit erneuerbaren Energien zusammenhängen: von der Forschung und Entwicklung bis hin zu den Maschinenbauern und Getriebeherstellern. Und Johannes Remmel, grüner Umweltminister in NRW, erklärt, ganz im Stile der Heiratspolitik der Habsburger (“Kriege führen mögen andere, du, glückliches Österreich, heirate”), seine Partei arbeite weiter an einer “Durchgrünung“. Geht der Plan nicht auf, wäre dies das Ende der herbeischleichenden grünen Neuen Weltordnung, sagen Kritiker der grünen Energiepolitik.

 

Das Konzept der “Durchgrünung”

Seit dem persönlichen Beschluss der Bundeskanzlerin und Physikerin Dr. Angela Merkel zum Ausstieg aus der Kernenergie, am 9. Juni 2011, zwei Tage nach Überreichung der “Presidential Medal of Freedom” durch US-Präsident Barack Obama, am 7. Juni 2011, war die Synchronisaion mit den Energieplänen der USA vollzogen, und die deutsche Klimaschutzbewegung unterstützt den Großlabor-Versuch des öko-industriellen Komplexes in deutschland.

“Presidential Medal of Freedom”

Die „Presidential Medal of Freedom“ wird jährlich an Menschen vergeben, die einen besonders verdienstvollen Beitrag zur Sicherheit oder den nationalen Interessen der USA, dem Weltfrieden oder für bedeutende kulturelle oder andere wichtige öffentliche oder private Vorhaben geleistet haben.

Eine besondere Rolle spielt in diesem globalen Klima-Spiel, in dem es vordergründig um das Kllima geht, bei genauem Hinsehen aber um die politische und wirtschaftliche Vormachtstellung der USA die Clinton-Foundation. Kurz vor der Wahl des neuen Präsidenten in den USA im November 2016 spendete das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) der Clinton Foundation bis zu 5 Millionen Dollar deutsche Steuergelder. Eine Verfassungswidrigkeit, die unter anderen politischen Bedingungen sicher ein Nachspiel haben würde.

Eine Berechnung der Gesamtkosten für die “Durchgrünung” gibt es nicht. Allein die Subventionen, die staatliche Einrichtungen Privatleuten und Unternehmen, darunter auch Greenpeace Energy, für Erneuerbare Energien gewähren, betragen, jährlich wachsend, zurzeit rund 30 Milliarden Euro.

 

Die Schockwelle erreicht auch Deutschland

Unter den Beschäftigten in den verschiedenen Klimaschutz-Programmen herrscht nach der Wahl Donald Trumps, auch in Deutschland große Aufregung. Der US-Senator für Massachusetts Ed Markey, Demokrat, hat Donald Trump vor einer”Bestrafung aus politischen Gründen” gewarnt. Sie wäre gleichbedeutend mit einer illegalen modernen politischen Hexenjagd, sagte er.

Deutsche Klimaretter äußern auf ihrer Facebookseite ähnliche Befürchtungen: “Trump will vom Energieministerium eine Liste mit ALLEN Angestellten, die zur Klimapolitik gearbeitet haben. Beobachter befürchten eine politische Hexenjagd wie zu Zeiten McCarthys.” Bei dem gefürchteten US-Senator aus Wisconsin ging es Anfang der 1950er Jahre allerdings um die ideologisch begründete Verfolgung von Kommunisten, bei der Untersuchung des Klima-Netzwerkes durch das Berater-Team Donald Trumps geht es dagegen offenbar um mögliche Korruption und Netzwerke, die zu nichts anderem dienen, als sich einen wirtschaftlichen Vorteil auf Kosten der Steuerzahler zu verschaffen.

Kurz vor der Präsidentschaftswahl im November 2016, in Erwartung des Sieges von Hillary Clinton, vertraten Ex-Vizepräsident Al Gore und mehr als ein Dutzend Generalstaatsanwälte die Auffassung, Meinungs- und Staatsmacht könnten und müssten das „richtige Denken” zum “Klimawandel” juristisch anordnen. Zur Zeit McCarthys waren es Generalstaatsanwälte, die Angeklagte fragten: “Sind Sie jetzt, oder waren Sie schon einmal ein Mitglied der Kommunistischen Partei?” Heute heiße es: “Sind Sie jetzt, oder waren Sie schon einmal ein Klimawandel-Leugner?”, schreibt die Washington Times.

Die von staatlicher Seite tolerierten und unterstützten Kampagnen gegen “Klimaskeptiker” oder “Klimaleugner” waren eine Vorstufe von Gesinnungsurteilen, die aus der Kritik an der Hypothese vom menschengemachten Klimawandel ein Bundesverbrechen hätte machen können, so die Washington Times.  “Unterm Strich ist es einfach”, zitiert die Zeitung den New Yorker Generalstaatsanwalt Eric Schneiderman auf einer Pressekonferenz: “Der Klimawandel ist real.” Der Generalstaatsanwalt habe die Unterstützung von mehr als einem Dutzend anderer Staatsanwälte erhalten, die sich dafür aussprachen, Einzelpersonen und Organisationen, die “die konventionelle Weisheit über den Klimawandel kritisieren”, zu untersuchen und, wenn möglich, strafrechtlich zu verfolgen.

Die Schockwelle, die durch die Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der USA ausgelöst wurde, könnte dazu beitragen, dass sich in den USA kein Wahrheitsministerium etablieren kann, sondern der Wahrheit über den Klimawandel auf den Grund gegangen wird.

Quellen:

Foto: harry67m, “Flucht von Alcatraz”, © www.piqs.de


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Eine raffinierte Falle für die Umweltministerin

“Wir haben uns auf einen Text für den Klimaschutzplan 2050 geeinigt”, schrieb Barbara Hendricks gestern, am 11.11.2016, auf ihrer Facebookseite. “Ich bin froh und erleichtert über diese Einigung. Ich danke meinen Kabinettskollegen für ihre konstruktive Mitarbeit an dem Plan. Der Klimaschutzplan soll nun bis Montag im Umlaufverfahren vom Kabinett beschlossen werden. Ich bin zuversichtlich, dass ich den Plan dann pünktlich zum Beginn des Ministersegments der Klimakonferenz in Marrakesch vorstellen kann. Das ist ein wichtiges Signal, dass Deutschland beim Klimaschutz handlungsfähig bleibt.”

BUNDjugend Berlin, antwortete auf diesen Post der Umweltministerin: “Liebe Frau Hendricks,
wollen sie das wirklich als Erfolg verkaufen? Wäre es nicht vielleicht besser gewesen zu sagen “Da mache ich nicht mit!” und zurückzutreten? Das hätte eine ernsthafte Diskussion ausgelöst (ist schon mal ein Minister zurück getreten, weil er*sie von den Kolleg*innen an ihrer Aufgabe gehindert wurde?).
Sie wissen ganz genau, was ein Papier ohne konkrete Maßnahmen wert ist. Das ist so schade, denn wir haben sie als Ministerin wahr genommen, die ein ernsthaftes Ziel für mehr Klimaschutz hatte.”

Diese und andere Warnungen hört Frau Hendricks nicht. Und so entgeht ihr die raffiniert aufgestellte Falle, die sie zur Sündenböckin für die verfehlte Energiewende der Bundeskanzlerin machen wird.

 

Über das rechtzeitige Aufbauen von Sündenböcken

„Klima-Risiken“: Mit Eleganz aus der Schusslinie

Wer die Zeichen richtig zu deuten vermag, kann bereits heute erkennen, dass wichtige „Frontfiguren der Klimarettung“ sich darauf vorbereiten, das sinkende Schiff zu verlassen, bevor der Sog des unausweichlichen Scheiterns sie bzw. ihre politische Karriere in Gefahr bringen könnte. Musterbeispiele hierfür liefern die deutsche „Klimakanzlerin“ nebst ihrem Wirtschaftsminister „Siggi die Kugel“ sowie ihr Schweizer Pendant, die für die Energiepolitik des Alpenlandes zuständige Bundesrätin. Beide haben in ihrem jeweiligen Bereich weitgehend erreicht, was sie erreichen wollten, nämlich eine kaum noch aufzuhaltende Vernichtung der Stromerzeugung aus Kernkraft bzw. – in Deutschland – aus Kohle. Doch jetzt, wo die unausweichlichen Folgen langsam erkennbar werden und in Zukunft Wählerstimmen kosten könnten, bekommt man den Eindruck, dass diese LeithammelInnen versuchen, sich rechtzeitig aus der Schusslinie zu bringen und andere als Blitzableiter für den Volkszorn vorzuschieben.

Wenn etwas „Mutti Merkel“ auszeichnet, dann ist es ein hochentwickeltes Gespür für politische Stimmungen und Strömungen. In ihrer Person scheint dieser Instinkt mit der sorgfältigen kommunistischen Agitprop-Ausbildung ihrer DDR-Jugend eine für ihre politische Karriere äußerst vorteilhafte Symbiose eingegangen zu sein. Hinzu kommt die Bereitschaft, getroffene Entscheidungen jederzeit umzustoßen, wenn Volkes Stimmung zu kippen scheint. Paradebeispiel hierfür ist die Bedenkenlosigkeit, mit der sie nach Fukushima die deutsche Kernenergie der Vernichtung preisgab, wofür sie die eigentlich zuständige Reaktorsicherheitskommission kaltstellte und durch eine ihr hörige Ethikkommission überging.
Dass bei solchen abrupten Manövern auch schon mal politische Weggefährten aus der Kurve getragen werden, ist selbst der ihr sehr zugetanen Presse aufgefallen. Dort hat man sich darauf eingestellt, dass die Aussage, die Kanzlerin stehe „voll hinter“ jemandem, durchaus den Auftakt zu einem jähen Karriereknick markieren kann. Hiervon können diverse Ex-Weggefährten und Koalitionspartner ein Lied singen.

 

Deutliche Signale für eine erneute Kanzlerkandidatur

piranhas-123287_640Von daher gibt die Tatsache zu denken, dass sie, die früher eifrigst an ihrem Ruf als „Klimakanzlerin“ gefeilt hat, sich bei den großen UN-Klimakonferenzen auffällig zurückhält und ihre Koalitionspartnerin „Burning Barabara*)“ Hendricks selbst beim „Durchbruch von Paris“ allein auf die große Bühne treten lässt. Auch Gabriel, ebenfalls ein Mensch mit wachem Machtinstinkt, scheint es vorzuziehen, sich lieber nicht in Marrakesch als Weltretter feiern zu lassen. Beide scheinen erkannt zu haben, dass die „Klimarettung durch Dekarbonisierung“ in absehbarer Zeit in einer Katastrophe münden wird. Da ist es besser, sich diesbezüglich vor der Kandidatur für die Wahl 2017 diskret im Hintergrund zu halten und geeignete Personen dazu zu ermuntern, sich dem künftigen Volkszorn auszusetzen. Umwelt-Barbara ist hierfür geradezu prädestiniert. Ihr fehlen augenscheinlich die Intelligenz und die Phantasie, um die unausweichlichen Folgen Ihres Tuns für Volkswirtschaft und Arbeitsplätze zu begreifen. Zugleich ist sie fanatisch genug, um unbeirrt gegen den immer deutlicher werdenden Widerstand anderer Ministerien sowie betroffener Industrieverbände anzuwüten. Ihre Weggenossen haben sie demnach da, wo man sie haben wollte: Als Köder für die Piranhas, sobald sich der Volkszorn genügend hoch aufgebaut hat. Diese raffiniert aufgestellte Falle ist ein deutliches Signal dafür, dass sowohl Merkel als auch Gabriel an ihrer jeweiligen Kanzlerkandidatur arbeiten. Für nachteilige Konsequenzen bringen sie zugleich eine sehr passende Sündenböckin mit.

 

Das Netz der Mutterspinne…

Während Siggi bereits vor einiger Zeit erkennen ließ, dass er die Klimarettung nicht ernst nimmt, scheint Merkel weiter an die Richtigkeit ihrer Politik zu glauben und treibt diese unbeirrt voran. Sie hat sowohl auf europäischer als auch auf weltweiter Ebene über Jahre hinweg Netzwerke aufgebaut und Verbündete in entscheidende Positionen gehievt. So wurden Typen wie Prof. Schellnhuber vom PIK (Potsdam Institut für Klimafolgenforschung) zu internationalen Chefideologen mit direktem Einfluss auf UN-Gremien und kirchliche Beratungskommissionen gepusht.
Auf aktives Betreiben von Frau Merkel wurden zahllose Bindungen und Zusicherungen festgeklopft, wofür zugleich eigene Souveränitätsrechte aufgegeben wurden. Dadurch wurde die Nation in ein dichtes Spinnennetz von Verpflichtungen eingesponnen. Bereits heute kann Deutschland z.B. von europäischen Institutionen nahezu nach Belieben in die Zange genommen werden, siehe das Gezerre um Themen wie die Pkw-Maut, nitrathaltige Gülle auf den Feldern oder Abgasvorschriften, mit denen die Autoindustrie vernichtet wird. Dabei darf Frau Merkel darauf vertrauen, dass die Verantwortung für ihr Handeln nicht ihr angelastet, sondern dank der ihr hörigen Journaille den von ihr geschickt aufgebauten Popanzen zugeschoben wird.

 

Verbündete in Sicherheit bringen

Zu ihrer Strategie gehört auch, dass sie solche Verbündete, auf die sie Wert legt, rechtzeitig aus der direkten Verantwortung herauszieht. Paradebeispiele hierfür sind der ihr ergebene Minister Altmaier, den sie rechtzeitig aus der Verantwortung für die „Energiewende“ herauszog, bevor er politischen Schaden nehmen konnte. Als Chef des Bundeskanzleramts schwebt er jetzt nahezu unangreifbar über den Niederungen der Tagespolitik und den entsprechenden Risiken.
Weiteres typisches Beispiel für die clever und langfristig angelegte Merkelsche Politik des Fädenziehens im Hintergrund ist auch der Fall ihrer Busenfreundin Hildegard Müller. Diese übernahm 2008 die Aufgabe, Widerstände der deutschen Stromerzeuger gegen die „Energiewende“ zu brechen, indem sie den Chefposten im wichtigsten Branchenverband BDEW übernahm. Als Statthalterin Berlins gelang es Müller, den Verband konsequent „grün zu tönen“ [WELT], indem sie ihn so konsequent an den Bedürfnissen der „neuen Energiewelt“ ausrichtete, dass „mehr als 30 namhafte Ökostromunternehmen Mitglieder des BDEW wurden, darunter Branchengrößen wie Enertrag, Belectric, Grundgrün, Next Kraftwerke, First Solar sowie alle Offshore-Windpark-Betreiber…..Das Ergrünen des Verbandes zeigte sich auch in einer Reihe von Personalentscheidungen: So wurde der frühere Grünen-Politiker und Atomkraftgegner Johannes Kempmann zum Präsidenten des BDEW gewählt. Mit Tilmann Schwencke übernahm im Juli vergangenen Jahres ein Windkraftmanager die Position des Geschäftsbereichsleiters Strategie und Politik“.
Für ihren durchschlagenden Erfolg – am 9.11. musste E.ON bekanntgeben, dass nach einem erneuten Verlust von 9 Mrd. € das Eigenkapital faktisch aufgezehrt ist – wurde Fr. Müller üppig belohnt. Man holte sie rechtzeitig aus dem inzwischen kastrierten Verband heraus und brachte sie auf der RWE-Vorstandsetage unter. Dort gilt sie als künftige Vorstandsvorsitzende der neuen RWE-Tochtergesellschaft für erneuerbare Energien, Vertrieb und Netze. Wenn sie will, kann Mutti für die Ihren sehr fürsorglich sein, die Zeche zahlen eh die Opfer, in diesem Falle RWE und die per EE-Umlage ausgeplünderten Bürger.

 

Der clevere Siggi

Nachfolger von Altmeier wurde Gabriel, der jedoch zu schlau war, den ihm zugedachten „Dekarbonisierungsköder“ anzunehmen, und die Rolle des Blitzableiters seiner Parteigenossin vom Niederrhein zuschob. Mit einer bemerkenswerten Volte hat er ihr vorerst auch die Verabschiedung ihres „Klimaschutzplans“ vermasselt, so dass sie möglicherweise mit leeren Händen nach Marrakesch fliegen muss. Zwar ist jetzt wieder die Rede von Versöhnung und einer Einigung in letzter Minute, aber das Hin und Her zeigt überdeutlich, wie zerstritten die Politik in dieser Frage inzwischen ist. Mit seiner Blutgrätsche gegen Merkels EE-Politik präsentiert sich Siggi zugleich als alternativer Kanzlerkandidat für die Wahl 2017.

 

Geht die Schweiz volles Risiko?

Ebenso wie bei der deutschen Bundeskanzlerin scheint sich jetzt auch der Schweizer Bundesrätin Leuthard eine Möglichkeit zu eröffnen, die Risiken der „Klimarettung“ anderen anzuhängen. Sie verfolgt ihr Ziel „Energiestrategie 2050“, dessen Konsequenzen ebenso desaströs wären wie die des deutschen „Klimaschutzplans“, gerne mit Trippelschrittchen unter Wahrung von Rückzugsoptionen, so dass die wahren Konsequenzen erst spürbar werden, wenn sie selbst nicht mehr in Verantwortung genommen werden kann. Allerdings fehlte ihr bisher ein passender Blitzableiter. Da sich jetzt auch in der Schweiz langsam Widerstände aufbauen, ist es ganz opportun, dass ihre ungeduldigeren Verbündeten gerade jetzt massiv vorpreschen. Auf Initiative der Grünen soll die Schweiz am 27. November per Volksabstimmung die kurzfristige Stilllegung von drei Kernkraftwerken beschließen, die derzeit noch 15 % zur nationalen Stromproduktion beitragen.

energiewende

Das künftige EE-Paradies Schweiz – garantiert touristen- und zugvogelfrei (mit freundlicher Genehmigung der Alliance Energie Schweiz)

Bis 2029 sollen dann auch die beiden restlichen KKW abgeschaltet werden, wodurch insgesamt sogar 40 % der Schweizer Stromproduktion ausfallen würden. Von der langfristigen Zielsetzung her entspricht dies zwar durchaus Leuthards Plänen, engt jedoch ihren politischen und wirtschaftlichen Spielraum stark ein. Wird die Initiative angenommen – worauf derzeitige Umfrageergebnisse hindeuten -, so könnte es passieren, dass es nicht Deutschland sein wird, sondern die sonst so bedächtig agierende Schweiz, die der restlichen Welt den Beweis dafür liefert, dass die „Dekarbonisierung“ nichts weiter ist als ein extrem teurer Irrweg. Die Grünen bekämen den Volkszorn voll zu spüren und Leuthard hätte ein prima Schlupfloch zur Hand. Das könnte sich noch als sehr praktisch erweisen…

 

Und die Urgewalt aus den USA?

donald-trump-1541036_640Eine ganz neue Dynamik dürfte die „Klimarettungspolitik“ der UN in nächster Zeit aufgrund des Wahlsiegs von Trump erhalten. Monatelange Hasskampagnen in Europas linksgrün dominierten Medien und seitens vieler Politiker und Intellektueller haben ihn nicht aufhalten können. Was von ihm letztlich zu halten sein wird, muss allerdings die Zukunft zeigen. Auch sein „Yes we can“-Vorgänger sprang als Tiger, bevor er in Windeseile alle Versprechen über Bord warf, um jetzt als abgetretener Bettvorleger vor die Tür des Oval Office gekehrt zu werden.
Vorschnelle Nobelpreise wird man Trump sicherlich nicht verleihen. Die schrankenlose Hexenverfolgung gegenüber „Skeptikern“, die sich in den USA bereits breitmachte, dürfte unter ihm jedoch erstmal gestoppt werden. Vieles spricht dafür, dass er Obamas Klimapolitik zurückstutzen wird, aber man sollte im Auge behalten, dass die Nation zutiefst gespalten ist und es gegen jede seiner Maßnahmen zu teils erbittertem Widerstand kommen wird. Zudem hat er weder eine ausformulierte politische Position noch eine erprobte Mannschaft vorzuweisen. Erste Stellungnahmen vom PIK aka Schellnhuber und von „Mutti“ lassen jedoch erkennen, dass er ihre Kreise bereits empfindlich gestört hat. Das macht zwar Hoffnung auf mehr, doch kann verfrühte Euphorie auch zu bitteren Enttäuschungen führen.
Fred F. Mueller
10.11.2016

*) Der Spitzname bezieht sich auf einen länger zurückliegenden Vorfall, bei dem Frau Hendricks bei einer hitzigen Diskussion mit einem oppositionellen Politiker ihre Zigarette auf dessen Hand ausgedrückt haben soll.

Quellen:

[WELT] https://www.welt.de/wirtschaft/energie/article150857574/Cheflobbyistin-der-Energiebranche-wechselt-zu-RWE.html

Fotos: pixabay


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POPs läuten ab Heute eine neue Etappe der Energiewende ein

scaffolding-179206_640Wer denkt bei Pop schon an etwas Böses? Pop ist im Englischen eine Bezeichnung für Papa, Paps oder Opa, also für jemanden, der sich, jedenfalls im Normalfall, liebevoll um seine Kinder und Enkelkinder kümmert. POPs steht aber nicht für viele freundliche Opas, sondern ist die Bezeichnung für “persistent organic pollutants”. POPs läuten eine neue Etappe der Energiewende ein.

Ab dem 30.9.2016 gilt die neue POP-Verordnung (EU) 2016/460. Der BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft e. V. spricht von “einer dramatischen Auswirkungen auf die Entsorgung von Dämmstoffen” und warnt davor. Verschwörungstheorie? Alarmisten? Skeptiker? – Nichts dergleichen.

  • 08.05.2013 – Weltweites „Aus“ für Flammschutzmittel HBCD | Umweltbundesamt
    www.umweltbundesamt.de/presse/…/weltweites-aus-fuer-flammschutzmittel-hbcd
  • 26.02.2014 – Ausstieg aus dem Flammschutzmittel HBCD | Umweltbundesamt
    www.umweltbundesamt.de/themen/ausstieg-aus-dem-flammschutzmittel-hbcd
  • 13.11.2015 – Dämmstoff Polystyrol gilt bald als Sondermüll | NDR.de – Ratgeber …
    www.ndr.de/…/Daemmstoff-Polystyrol-gilt-bald-als-Sondermuell,polystyrol100.html
  • 02.02.2016 “Schädliches Flammschutzmittel HBCD darf weiter verwendet werden …
    www.umweltbundesamt.de/themen/schaedliches-flammschutzmittel-hbcd-darf-weiter
  • 16.02.2016 – Abfallverordnung macht alte EPS-Dämmung zu Sondermüll …
    www.enbausa.de/…/abfallverordnung-macht-alte-eps-daemmung-zu-sondermuell-528…
  • 26.03.2015 – Kein Märchen: Entsorgung von Styropor kein Problem …
    wdvs.enbausa.de/blog/kein-maerchen-entsorgung-von-styropor-kein-problem.html
  • 19.07.2016 – EU setzt Verbot von Flammschutzmittel HBCD um | Umweltbundesamt
    www.umweltbundesamt.de/themen/eu-setzt-verbot-von-flammschutzmittel-hbcd-um

Die POP-Verordnung

In der Dämmstoffindustrie wird HBCD als Brandschutzmittel verwendet. Es findet sich in nahezu allen verbauten Dämmmaterialien. Hexabromcyclododecan (HBCD oder HBCDD) ist ein additives Flammschutzmittel, das überwiegend in Polystyrolschaum, in hochschlagfestem Polystyrol und in Polstermöbeln eingesetzt wird. Dadurch wird insbesondere erreicht, dass sich lokale Brandherde langsamer entwickeln.

Die Menge des jährlich anfallenden HBCD-haltigen Dämmstoffabfalls beziffert der BDE-Präsident Peter Kurth auf “mehrere hunderttausend Tonnen”, das Portal Kommunalwirtschaft auf lediglich ca. 10.000 Tonnen. Sie wurden bisher in herkömmlichen Müllverbrennungsanlagen mit verbrannt. Einen alternativen Entsorgungsweg für den Dämmstoffabfall gibt es nicht, weshalb der BDE Die POP-Verordnung als dramatisch bezeichnet.

Die FAZ sieht exakt die Befürchtungen bestätigt, über die sie in den vergangenen Jahren wiederholt berichtet hat: Styropor muss künftig gesondert erfasst und verbrannt werden, es darf weder deponiert noch exportiert werden, der klassische Mischmüll-Transport beim Abriss von Häusern ist damit passé. Künftig müssen Müllverbrennungsanlagen Styropor gesondert verbrennen. Dafür benötigen sie eine spezielle Genehmigung, die nach Angaben aus der Branche „ähnlich aufwendig wie eine komplette Neugenehmigung, womöglich sogar mit Bürgerbeteiligung“sei. Der Engpass, der durch die neue Verordnung entstanden sei, treibe “schon jetzt die Preise in schwindelerregende Höhen. Bis zu 7000 Euro je Tonne für die Verbrennung von sortiertem Styropor würden verlangt. Selbst echter Sondermüll kostet weniger als 2000 Euro je Tonne.”

Quellen:

 

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Im Namen des Klimaschutzes drohen Steuererhöhungen für Fleisch, Wurst, Milch und andere tierische Produkte

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt hat am 2.9.2016 in Berlin das Gutachten „Klimaschutz in der Land- und Forstwirtschaft sowie den nachgelagerten Bereichen und Ernährung und Holzverwendung“ entgegengenommen. Das Gutachten wurde vom Wissenschaftlichen Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz (WBAE) und vom Wissenschaftlichen Beirat für Waldpolitik (WBW) beim BMEL (Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft) erstellt.

Der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz soll das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft bei der Entwicklung seiner Politik “in diesen Bereichen” unterstützen. Das Klima gehört nicht zu den Kernaufgaben des Beirats. Keines der 19 Beiratsmitglieder ist für die komplexe, junge Wissenschaft fachlich qualifiziert, es zählt das Klima nicht einmal zu seinen Arbeitsschwerpunkten.

Das unabhängige, interdisziplinäre Gremium, das auf ehrenamtlicher Basis arbeitet und Gutachten und Stellungnahmen erstellt, empfiehlt eine höhere Mehrwertsteuer auf Fleisch, Wurst, Milch und andere tierische Produkte. Die Berater begründen die Anhebung des Mehrwertsteuersatzes von sieben Prozent auf 19 Prozent damit, dass bei der Produktion tierischer Lebensmittel mehr Treibhausgase entstünden als bei pflanzlichen. Mit dieser Feststellung treffen sie genau ins Schwarze – der grünen Partei.

Die Landwirtschaft ist der Öko-Markenkern der grünen Partei

Der Anteil des Ökolandbaus sollte nach dem Willen der damaligen Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Renate Künast, von 2,5 Prozent im Jahr 2002 auf 20 Prozent gesteigert werden. 2014 betrug der Anteil der ökologisch bewirtschafteten Fläche an der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche immer noch magere 6,3 Prozent, und der Zuwachs stagniert. Der Ökologische Landbau ist somit weit vom 20-Prozent-Ziel der Bundesregierung weit entfernt, stellte das Umweltbundesamt 2015 fest.

Eine Massendemonstration unter dem Demospruch “Wir haben es satt”, zu der Verbraucherverbände 2014 aufgerufen hatten, hatte die Grünen überrascht. Sie entdeckten ein beachtliches grünes Wählerpotenzial und beschlossen, die Landwirtschaft bei ihrer Neuaufstellung nach der Bundestagswahl zum zentralen Öko-Markenkern neben der Energie- und Umweltpolitik auszubauen. Die Welt schrieb: “Sie stellen bäuerliche Betriebe gegen Agrarindustrie, Gesundheitsstandards gegen Gentechnik und die Förderung ländlicher Entwicklung in den Regionen gegen pauschale Direktzahlungen an die Erzeuger. Sie sehen ein Megathema mit einer verheißungsvollen Zukunft für die Partei. Das Spektrum reicht von Ernährungsfragen über Tierschutz bis zu Verbraucherrechten; sogar für internationale Sozialstandards bei der Lebensmittelproduktion fühlen sie sich zuständig. Schon länger arbeiten sie an der Vorbereitung ihrer neuen Markenstrategie.”

Der Klimawandel ist der Versuch, der Öko-Landwirtschaft Flügel zu verleihen.

Klimaschutz – neue Markenstrategie des Öko-Landbaus

Der Klimaschutz gehört zur neuen Markenstrategie des Öko-Landbaus. Im Sinne dieser Strategie äußerte sich der Vorsitzende des WBAE, Prof. Dr. Harald Grethe, anlässlich der Vorstellung der Studie. Er erklärte:

“Zur Erreichung der langfristigen Klimaschutzziele wird von der Landwirtschaft ein erheblicher Beitrag notwendig. Auch die Konsumenten können bei der Lebensmittelwahl einen wichtigen Beitrag leisten. Wir sind uns bewusst, dass die notwendige Transformation zu einer Landwirtschaft und Ernährung mit erheblich reduzierten Treibhausgasemissionen Jahrzehnte beanspruchen wird. Sie sollte daher als langfristiger Lern- und Anpassungsprozess aufgefasst werden.”

Harald Grethe ist Professor für Internationalen Agrarhandel und Entwicklung an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der allgemeinen Gleichgewichtsmodellierung von Marktintegrations- und Politikszenarien in Entwicklungsländern sowie den Auswirkungen einer zunehmenden Ressourcenknappheit, der Analyse der EU-Agrarpolitik, den Markt- und Politikentwicklungen im Rahmen der Bioökonomie sowie der Umsetzbarkeit und den Marktwirkungen von nachhaltigen Diäten.

BUND: Ökologischer Landbau ist ein besonders wirkungsvoller Beitrag zum Klimaschutz

Die WBAE-Studie stellt zwar fest, dass bei der Produktion tierischer Lebensmittel mehr Treibhausgase entstünden als bei pflanzlichen, teilt aber nicht die Auffassung der Grünen,  dass der Verzehr von ökologisch angebauten, regionalen Produkten keinen oder keinen generellen Beitrag zum Klima liefert. Künast hatte sich bereits als Bundesministerin für die Abschaffung sogenannter Agrarfabriken eingesetzt. Sie wollte kleine Betriebsgrößen fördern. Ihre Perspektive hieß „ökologische und regionale Produktion“.

Der BUND widerspricht den Empfehlungen der WBAE und teilte der Presse 2.9.2016 mit, dass “im Gegensatz zu den Aussagen des Gutachtens gerade der ökologische Landbau ein besonders wirkungsvoller Beitrag zum Klimaschutz” sei. Verfügt er über nicht nur über das Fachwissen von Klimaforschern, sondern auch über ein größeres Fachwissen, als die 19 Berater des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft?

Was von der Kritik des BUND an der Studie zu halten ist, verrät der Vorwurf des Umweltverbandes, dass das “Klimaschutz-Gutachten” der Beiräte des BMEL den Wert von Naturwäldern verkenne: “Keinesfalls dürfen wir beim Schutz der Wälder hierzulande oder im Ausland Abstriche machen, immerhin sind es unsere grünen Lungen und wichtige Wasserspeicher. Wir müssen insgesamt weniger Rohstoffe und Energie verbrauchen”, fordert der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger.  Aber ist es nicht ausgerechnet der mitgliederstarke BUND, der die Lunge durchlöchert? Durch seine prinzipielle Unterstützung des massiven Ausbaus von Windkraftindustrieanlagen hat er einen maßgeblichen Einfluss auf die Zerstörung der Wälder durch die Windindustrie. Und es ist sicher kein Zufall, dass sich Informationen des BUND über Windkraftanlagen wie ein Werbeprospekt der Windindustrie lesen: “Windenergie – das Arbeitspferd der Energiewende“.

BMEL und NGOs für Steuerhöhungen – “Wer will, kann ja trotzdem sündigen, wer das Geld nicht hat, wird zum Glück gezwungen.”

Auf der Suche nach Möglichkeiten, über Steuernahmen die eigentlich unbezahlbare Energiewende so lange wie möglich zu retten, ist der Regierung jede Idee willkommen. Das weiß auch der Beirat und erklärt, dass bei der Produktion tierischer Lebensmittel mehr Treibhausgase entstünden als bei pflanzlichen. Dies reicht als Argument für die Empfehlung, den regulären Mehrwertsteuersatz auf 19 Prozent statt 7 Prozent anzuheben. Mit dieser Empfehlung der WBAE-Studie, die von Greenpeace kurz und sachlich falsch als “Klimagutachten” bezeichnet wird, findet der Beirat Anerkennung beispielsweise beim BUND und bei Greenpeace, die ebenfalls mit höheren Steuern und Abgaben sympathisieren.

Der BUND fordert die Einführung einer Stickstoffabgabe, um “die Belastung von Natur und Landschaft mit Stickstoff zu reduzieren”. Dadurch soll der Konsum von tierischen Produkten verringert werden.

Greenpeace hat 2013 eine Studie beim Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) in Auftrag gegeben, die zu folgendem Ergebnis kommt: “Wenn Fleischprodukte nicht mehr, wie bisher, über den ermäßigten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent subventioniert wären, sondern mit den vollen 19 Prozent besteuert würden, hätte das direkte Auswirkungen auf den Fleischverbrauch in Deutschland.” Die Anhebung des Mehrwertsteuersatzes auf 19 Prozent für Fleisch sei gut “für Gesundheit und Umwelt”. Greenpeace ist überzeugt, dass die Menschen dann deutlich weniger Fleisch essen würden: Jährlich im Durchschnitt fast zehn Prozent weniger Schweinefleisch – das beliebteste Fleisch hierzulande -, ein Kilo Geflügel und ein halbes Kilo Rindfleisch. Das hört sich nicht viel an, aber hochgerechnet würde es bedeuten, dass im Jahr etwa 3,8 Millionen Schweine, 60 Millionen Hühner und 180.000 Rinder weniger geschlachtet würden. Das würde so viel CO2 einsparen, wie knapp zwei Millionen Autos pro Jahr ausstoßen. Agrarflächen zum Futtermittelanbau in der Größe des Ruhrgebiets würden frei werden.” Frei wofür? Für den Anbau von Raps, wodurch die grüne Idee vom “Bio-Sprit” der Biodiversität endgültig das Ende bereiten kann?

Mit Steuern schöpft der Staat nur mehr Geld ab

Mit Steuern schöpfe der Staat nur mehr Geld ab, was erst einmal wenig damit zu tun habe, wie die Tiere gehalten werden, meint heise.de und liegt damit sicher nicht falsch. Die Frage, ob denn “der einfache Schluss daran etwas ändert, dass alles besser wird, wenn es nur teurer auf den Markt kommt”, stellen sich die Klimaschützer nicht.

Ob der Fleischkonsum geringer wird, ist ebenfalls fraglich, weil die auf Billigpreise trainierten Kunden vermutlich eher auf minderwertige Produkte umsteigen werden. Das weiß auch Greenpeace und fordert, dass “jegliche Art von staatlichen Subventionen für Massentierhaltung und Billigfleisch abgeschafft werden müssen”. Erforderlich seien strengere Auflagen und Kontrollen von Mastbetrieben und eine Bindung der Größe der Tierhaltung an die bewirtschaftete Fläche in landwirtschaftlichen Betrieben. Für Auflagen und Kontrollen braucht man allerdings keine Steuererhöhung.

Der Weg der grünen Politik

Den Grünen ist es gelungen, scheinbar weniger attraktive Ministerien wie Umwelt-, Landwirtschafts- und Familienministerien zu besetzen und sie zu Zentren politischer Entscheidungen auszubauen. Ihren langen Marsch durch die Institutionen und NGOs werden künftige Generationen aufarbeiten, um erklären zu können, wie ein friedlicher Putsch zum Ruin einer Gesellschaft führen konnte. Der Prozess der Deindustrialisierung Deutschlands schreitet voran, an Universitäten und Hochschulen gewinnen Genderdebatten und Streitigkeiten um die Einrichtung von Gebetsräumen und Spielzimmern für den Nachwuchs von Studenten an Bedeutung, qualifizierte Fachkräfte flüchten ins Ausland, die Medien stehen mehrheitlich auf Grün. Die grüne Politik knüpft sich jetzt die Landwirtschaft vor. Der Weg führt über die Bundesländer und die Provinz.

“Die Öko-Partei will die Landwirtschaft zu ihrem neuen Markenkern machen. Doch im Bund sind die Grünen zu schwach zum Öko-Powerplay – die Agraroffensive wird in den Ländern vorbereitet”, schrieb die Welt am 23.02.14. In sechs von sieben Ländern, in denen die Grünen mitregieren, haben sie sich die Agrarressorts gesichert, von Schleswig-Holstein bis nach Baden-Württemberg.” (Mecklenburg-Vorpommern gehört nicht dazu, dort ist seit 1998 ein SPD-Politiker Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz, aktuell der dienstälteste Landesminister in Deutschland.)

In der Provinz balle sich die Agrarkompetenz der Ökopartei, meint die Welt – “und dort soll der neue Machtfaktor formiert werden. Was die 63 Grünen-Abgeordneten als kleinste Oppositionsfraktion im Bundestag nicht verhindern können, lassen dann die Landesagrarminister später im Bundesrat entweder vor die Wand fahren oder, so gut es geht, nachverhandeln.”

 

Foto: BMEL
v.l. Prof. Dr. Harald Grethe (Vorsitzender WBAE), Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt, Prof. Dr. Hermann Spellmann (Vorsitzender WBW) bei der Überreichung des Gutachtens.


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Naturstromspeicher

“Naturstromspeicher” – Der Erfolg eines Lügensystems

Fehlende Stromspeicher sind eine permanente Einladung an Hasardeure zum Etikettenschwindel. Sie sind die Achillesverse der Energiewende. Man werde sie schon rechtzeitig erfinden, verkünden die Lobbyisten der Wind- und Solarindustrie seit Jahren, aber sie würden erst dann benötigt, wenn die Windenergie und Solaranlagen genügend Strom erzeugten. Nachdem hunderte von Milliarden Euro in den Ausbau der Wind- und Solarindustrie gesteckt wurden, gibt es Strom aus Erneuerbaren Energien in Spitzenzeiten im Überfluss, aber immer noch keine geeigneten Stromspeicher. Die Energiewende ist außer Kontrolle geraten und schafft dadurch ein goldenes Zeitalter für Glücksritter in der Ökoindustrie, die sich um Projekte wie zum Beispiel das Projekt “Naturstromspeicher” in Gaildorf, im Nordosten Baden-Württembergs, scharen. 

pinwheel-1056108_640Die Erneuerbaren Energien sind weit davon entfernt, den Strombedarf jemals decken zu können, sie sind unberechenbar und erzeugen zu bestimmten Zeiten so viel Strom, dass sie die Netze überlasten. Das Ausland schützt sich vor der “Stromflut” aus Deutschland. Entweder verwendet es sogenannte Phasenschieber, die eine Überlastung und einen Blackout der eigenen Stromnetze verhindern (Polen, Tschechien, Slowakei). Oder es nimmt Deutschland den Strom gegen Bezahlung hoher Beträge ab (Österreich, Schweiz). Dadurch werden die eigenen, sauberen Wasserkraftwerke in deren Ländern unrentabel und geraten in Existenznot.

Die Begleiterscheinungen der ungeplanten und auch für die stabile Stromversorgung in Europa gefährlichen Energiewende in Deutschland machen sich skrupellose Geldschneider aus dem Bereich der Technologie zu Nutze. Fördergelder fließen in Mengen. Auch die verrücktesten Ideen werden von Politikern und Medien als innovative Ideen gefeiert, die sich bei genauerem Hinsehen dann doch als Luftnummern entpuppen. Eine solche Luftnummer ist das kombinierte Windkraft-Pumpspeicherkraftwerk “Naturstromspeicher”.

“Naturstromspeicher” – Ein Musterprojekt der Unvernunft in Gaildorf

Den beschönigenden Namen “Naturstromspeicher” verlieh der Baukonzern Max Bögl (Neumarkt/Oberpfalz) einem Pilot-Projekt in Gaildorf,  Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald, für das er eigens eine GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung) ins Leben rief, die MBS Naturstromspeicher GmbH. In der nordbayerischen Presse, im Einzugsgebiet des Baukonzerns, wurde das Projekt überschwänglich „über den grünen Klee“ gelobt, berichtet die “Bürgerinitiative Gegenwind Husarenhof” auf ihrer Homepage. Warum auch nicht, denn das Vorhaben wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit als Musterprojekt propagiert und mit Mitteln in Höhe von 7.150.000 € aus dem Umweltinnovationsprogramm gefördert. Eine Lizenz zum Gelddrucken für die Projektierer, Verpächter und andere Subventionseinstreicher. Und eine Verführung für eine untertänige Presse.

Firmengruppe Max Bögl

Die Firmengruppe Max Bögl ist ein Bauunternehmen mit Sitz in Sengenthal bei Neumarkt in der Oberpfalz. Es ist international tätig, der Umsatz belief sich 2015 auf 1,6 Mrd. Euro. Die Rechtsform ist eine Stiftung & Co. KG. Für den Bau der Windenergie-Pumpspeicher-Anlage ist die MBS Naturstromspeicher GmbH zuständig.
Zu den Projekten von Max Bögl gehören die Errichtung der größten freitragenden Halle der Welt, der Luftschiffhalle der Cargolifter AG in Brand bei Berlin, der Bau von drei U-Bahnhöfen in Amsterdam, der Bau von Fahrwegträgern für die erste kommerziell betriebene Transrapidstrecke der Welt in Shanghai, der Bau einer Staumauer, Renovierung von Brücken, Bau von Stadien und Shopping-Centern und der Bau des Windkraftwerks auf dem Winnberg im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz (Bayern) usw.  Auch am Bau des Fildertunnels in Stuttgart war Böger beteiligt.

Einige Projekte waren mit Skandalen verbunden, in denen es um Bestechung und auch um Todesfälle ging. Zu den skandalträchtigen Projekten gehört auch die Cargolifter AG. Die Halle wurde gebaut, aber für das Luftschiff gab es, wie Ingenieure 2002 in der Sendung Panorama berichteten, keinen seriösen Bauplan. Panorama berichtet: “Es war möglicherweise ein gigantisches Betrugsmanöver, das Anleger und den Staat über 300 Millionen Euro gekostet hat. Das legen Aussagen beteiligter Ingenieure und Techniker nahe, die jetzt gegenüber dem ARD-Fernsehmagazin Panorama ihre Erlebnisse schildern.”

Die Presse in der Hand der Windkraft-Profiteure

Die Projekt-Homepage “naturspeicher.de” von Bögl zeigt den Fortschritt der Bauarbeiten des “Naturstromspeichers”, der aus einer Kombination aus vier Windkraftindustrieanlagen, die Bögl mit dem freundlicher klingenden Namen “Windpark” bezeichnet, mit einem Pumpspeicherkraftwerk:

Ein Blick hinter den Bauzaun. Keine „Sommerpause“ für den Naturstromspeicher: Auch in den vergangenen Wochen wurde im Wald oberhalb von Gaildorf kräftig gearbeitet.”

“Hinter dem Bauzaun” sind Bilder einer zerstörten Landschaft zu sehen, so dass der Anblick
Naturschützern die Sprache verschlägt. (s. unten). Der “Naturstromspeicher” wird als Vorzeigeprojekt gefeiert. Soll die Landschaftszerstörung ein Vorbild sein?

Bögl erwähnt die Regionalzeitung “Rundschau – Südwestpresse” anerkennend und verlinkt sie. Bögl: “Der Redakteur zeigte sich nach dem Termin vor Ort besonders beeindruckt davon, wie auf der Baustelle alles Hand in Hand läuft.” Der Redakteur war dermaßen beeindruckt, dass er seinen Text von der Vorlage des Bögl-Unternehmens abschrieb:

“Keine Sommerpause beim Naturstromspeicher. Auf der Baustelle für das Projekt Naturstromspeicher in Gaildorf kennt man keine Sommerpause. Während der Ferien wird eifrig gearbeitet.”

“Naturstromspeicher”

“Naturstromspeicher” gibt es nicht, so wenig wie es Naturstrom gibt. Die Bezeichnung nährt die Illusion, dass die Anlage in Gaildorf Strom speichern kann, um damit die Bevölkerung zu versorgen (Gaildorf hat rund 12.000 Einwohner). Das ist Unsinn, und Bögl behauptet dies auch nicht. Es geht lediglich, wie immer in der Werbung, um einprägsame Begriffe und Bilder, die, ebenso wie “Windpark”, positiv besetzt sind und Emotionen berühren. Die Bezeichnung “Naturstromspeicher” lässt sich reibungsfrei in die Ideologie von Politikern aus den etablierten Parteien, von Kirchen und NGOs implementieren.

Dies erleichtert ihnen, ihr Zusammenspiel mit Konzernen, die im Bereich der Erneuerbaren Energien tätig sind, zu rechtfertigen.
Manche Kritiker hat diese Art der Connection zwischen Politik, NGOs und Konzernen dazu bewogen, von einer “linksversifften Mafia” zu sprechen. Damit meinen sie einen ökologisch-industriellen Komplex, der sich im Namen des Klimawandels ohne Rücksicht auf die negativen Folgen der Energiewende auf Kosten der Bevölkerung die eigenen Taschen vollstopft. Die Industrieanlage in Gaildorf, hergestellt mit Erdöl und Strom aus Kohle- und Kernkraftwerken, gilt für sie nur als ein weiteres Beispiel.

Modellprojekt der Energiewende

Der “Naturstromspeicher” wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit als ein Modellprojekt der Energiewende vorgestellt. Unter der Bezeichnung “Naturstromspeicher” bietet Bögl die Anlage auch anderen Interessenten zum Kauf an. Der Werbe-Flyer der MBS Naturstromspeicher GmbH enthält wichtige Schlüsselworte der Öko-Werbeindustrie für Erneuerbare Energien: Speicher, Ausgleich von Spannungsschwankungen im Stromnetz, Flexibiliät, Stabilität, Wirtschaftlichkeit, überschaubare Kosten. Die Aufzählung genügt, die Versprechen sind verklausuliert, Berechnungen des wirtschaftlichen Nutzens gibt es nicht oder werden nicht veröffentlicht.

Das heißt: Auch in Zukunft werden Grundlastsysteme in demselben Umfang wie bisher zur Verfügung stehen müssen. Gleichzeitig verbessert ihr Einsatz die Auslastung und damit die Wirtschaftlichkeit der Brennstoffreserve.”Sollten Flexibilitätskraftwerke gebaut werden, um die Brennstoffreserven (Kohle, Öl, Uran) zu schonen, könnte man sich die Vergeudung von Brennstoffreserven  für den Bau von Flexibilitätskraftwerken ersparen, denn die Brennstoffreserven für Kernkraftwerke reichen hunderttausende von Jahren. Kohle- und Kernkraftwerke sorgen dagegen für eine gleichmäßige Auslastung und stehen zu jeder Tages- und Jahreszeit zur Verfügung. Windkraft- und Solaranlagen sind für die Versorgung unwirtschaftlich und überflüssig.

Ohne eine genaue Aufschlüsselung der Kosten für Wartung, Rückbau, Eingriffe ins Wassersystem, in die Biosphäre, für Umweltfolgeschäden, sind Werbeversprechen dieser Art Betrug.

Das Konzept für überschaubare Fixkosten

“Neben einem unkomplizierten Genehmigungsverfahren sorgt das Konzept für überschaubare Fixkosten statt individueller langwieriger Projektarbeit.”Ein “unkomplizierten Genehmigungsverfahren” ist nur möglich, wenn bestehende Landschafts-, Natur- und Tierschutzgesetze gekippt werden.

 Werbe-Flyer “Naturstromspeicher”  Die Realität
“Bisher brauchen wir überwiegend Brennstoff-getriebene Kraftwerke, um die schwankende Stromerzeugung von Erneuerbaren Energien auszugleichen.” Es ist ein fundamentaler Unterschied, ob Kraftwerke grundlastfähig (Kohle, Gas oder Kernkraft) sind oder nicht (Windenergie- und Solaranlagen).
“Das übernehmen in Zukunft zu einem Gutteil spezielle Flexibilitätskraftwerke wie der Naturstromspeicher.”
“Sie können Regelleistung für den kurzfristigen Ausgleich anbieten.”
Den Ausgleich das Pumpspeicherwerk nur für maximal 2 Stunden (für 12.000 Einwohner) übernehmen. Dann müssen Kohle- und Kernkraftwerke einspringen. Dadurch erhöht sich deren Verschleiß – mit Auswirkungen auf die Stromkosten.
“Flexibilitätskraftwerke werden zur zweiten Säule der Energiewende.” Spezielle “Flexibilitätskraftwerke” existieren als Träumereien, nicht in der Realität. Solange dezentrale Energieerzeuger mit überregionalen Stromnetzen verbunden sind, ist eine sichere Stromversorgung insgesamt nicht möglich.
“Naturstromspeicher” sind keine zweite Säule der Energiewende, sondern der zweite Griff am Sarg des Untergangs.
“Und das gleich mit dreifachem Nutzen: Sie vermeiden die teure Abregelung der Anlagen für Erneuerbare Energien und halten die Netze stabil.
“Unser Pumpspeicher fügt sich ohne größere
Einschnitte gut in die Landschaft ein. Deshalb kann er problemlos an vielen Standorten realisiert werden.”
Die Landschaftszerstörung ist gravierend und bleibend, wie man aus den von dem Unternehmen selbst beigefügten Fotografien ersehen kann. Die Eingriffe in die Landschaft sind irrational.
“Das Druckrohr aus Polyethylen (PE) verbindet Ober- und Unterbecken. Unsere spezielle Verlegetechnik, eine Eigenentwicklung, erlaubt einfaches und schnelles Bauen.” Polyethylen (PE) ist ein Erdölprodukt. Auch die Maschinen, die für den Bau des
“Naturstromspeichers” benötigt werden, bestehen aus Industrieprodukten. Sie werden mit Hilfe der Primärenergie Kohle und Erdöl hergestellt. Anstatt fossile Energien zu sparen, kurbelt die Energiewende deren Verbrauch an.

Etikettenschwindel

Viele Fragen sind ungeklärt. Die im Becken befindlichen Fische werden abgefischt, heißt es. Wie oft? Was passiert mit den Schwebstoffen, die sich im Wasser befinden (Sand, Sedimente)? Wie oft müssen Revisionstaucher den im Turm integrierten Wasserspeicher säubern? Die Anlage fällt komplett aus, wenn der Fluss nicht genügend Wasser führt. Sowohl bei der Erstbefüllung als auch zur Wiederbefüllung nach Reparaturen beträgt eine Wasserentnahme aus dem Kocher genehmigte 2 m³/s, sofern der verbleibende Mindestabfluss des Kocher 10 m³/s beträgt.

Die Vermutung liegt nahe, dass es bei Großprojekten (Berliner Flughafen, Stuttgart 21, Energiewende), in denen Staat und Großunternehmen miteinander verwoben sind, nicht um die Lösung von Aufgaben, sondern um die Verteilung von Geld geht, wobei Institutionen wie zum Beispiel die Fraunhofer Gesellschaft als staatlich subventionierte Auftragsnehmerin dafür die wissenschaftliche Fassade liefern. So ist es auch nicht verwunderlich, das die Bürgerinitiative Vernunftkraft zu dem Ergebnis kommt: “Was beim ersten Hören und für unbedarfte Ohren gut klingt, ist in Wahrheit ein doppelter Etikettenschwindel: Erstens gibt es keinen “Naturstrom” und zweitens sind Pumpspeicherkraftwerke keine ernstzunehmende technische Option.”

Dennoch werde von vielen Politikern der Eindruck erzeugt, als sei die Speicherung bereits Realität oder in greifbarer Nähe. Dr.-Ing. Detlef Ahlborn geht der physikalischen Plausibilität verschiedener “Speichertechnologien” auf den Grund.

Meinungswandel in Gaildorf

Die “Bürgerinitiative Gegenwind Husarenhof” ist überzeugt, dass sich “angesichts des jetzt auch für die breite Öffentlichkeit immer stärker ins Bewusstsein rückenden Naturfrevels und der immer deutlicher zutage tretenden Nachteile für Mensch, Landschaft und Natur” die Einstellung der Bevölkerung geändert habe. Die Stadt Gaildorf hatte im Jahr 2011 eine Umfrage zum Projekt Naturstromspeicher initiiert. Beim Bürgerentscheid stimmten 25,2 % der Wahlberechtigten für das Projekt, 19,3 % lehnten es ab; damit erhielt die Stadtverwaltung vom Wähler den Auftrag, mit den Investoren Verhandlungen über die Nutzung städtischer Grundstücke zu führen. (Wikipedia)

Heute sei es “höchst fraglich”, meint die Bürgerinitiative, ob das Projekt noch Zustimmung finden würde: “Nach der zwischenzeitlich in breiten Bevölkerungskreisen in Gaildorf und Umgebung / Hohenlohe und in angrenzenden Regionen angesichts des Natur- und Landschaftsfrevels eingetretenen Ernüchterung” würde die Quote auf dem Niveau liegen, das “ziemlich exakt dem heutigen Stimmen-Reservoir von SPD und Grünen in Gaildorf und Umgebung entsprechen dürfte…“, nämlich zwischen 20 und 35 Prozent.

El Hierro – Ein Lehrstück

Der “Naturstromspeicher” in Gaildorf ist eine Kombination aus einem Windpark mit einem Pumpspeicherkraftwerk, vergleichbar mit dem Projekt auf der Insel El Hierro. Obwohl El Hierro im Unterschied zu Gaildorf (Beobachtern prognostizieren die Windhöffigkeit vor Ort – d.h. die jahresdurchschnittliche Windgeschwindigkeit – unterhalb der als notwendig angesehenen 6 m/sek) über optimale Windverhältnisse verfügt, hat das Projekt 2016 endgültig Schiffbruch erlitten. Fred F. Mueller hat die Gründe für das Versagen analysiert: Das bittere Ende eines Energiewende-Märchens.

 

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Titelfoto: “Naturstromspeicher”


Ergänzungen:

28.08.2016: Das Umweltinnovationsprogramm gibt als Leistung der vier Windenergieanlagen jeweils 5 Megawatt an. Die elektrische Speicherkapazität des Pumpspeicherkraftwerks wird mit 70 Megawattstunden angegeben.

29.08.2016: Die Naturstromspeicher GmbH beabsicht, in deutschen Mittelgebirgen pro Jahr fünf neue Anlagen dieser Bauart zu errichten. Die Konsequenzen wären fatal für die Landschaft und die Menschen. Das Wasser landet bei diesem Projekt in 4 kleineren Oberbecken am Fuß der Windkraftindustrieanlage. Die Becken müssen zum Schutz der Anlage (Verunreinigung des Wassers) und der Menschen und Tiere (Sog) eingezäunt sein. Das Oberbecken braucht einen großen Abstand zu Bäumen und Büschen. Beispiel: Herdecke, Pumpspeicherwerk Koepchenwerk Oberbecken

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