DFR

Bleibt in Deutschland die Kernforschung erhalten?

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat in einer neuen Richtlinie erklärt, dass die Kernforschung in Deutschland aus Gründen der Sicherheit erhalten bleiben soll. Das 7. Energieforschungsprogramm sieht eine kontinuierliche technisch-wissenschaftliche Begleitung der Kernforschung auf höchstem Niveau vor. Überrascht hat das Institut für Festkörperkernhysik (IFK) zur Kenntnis genommen, dass sein Projekt, der Dual Fluid Reaktor, namentlich als förderungswürdig genannt wird. Gefördert werden sollen dem Energieforschungsprogramm der Bundesregierung zufolge grundlegende sowie anwendungsorientierte und praxisrelevante Forschungsarbeiten mit Bezug zur nuklearen Sicherheit.

Die neue „Richtlinie zur Förderung von Zuwendungen im Rahmen des 7. Energieforschungsprogramms der Bundesregierung in der nuklearen Sicherheitsforschung und der Strahlenforschung“ wurde am 29. Juli 2021 im Bundesanzeiger veröffentlicht. Sie ist laut BMBF als strategisches Element der Energiepolitik an den Zielen der Energiewende ausgerichtet.

„Unsere Energiewende: sicher, sauber, bezahlbar“

Das BMBF folgt dem Leitgedanken der Bundesregierung, die lautet: „Unsere Energiewende: sicher, sauber, bezahlbar“ sein. Die gemeinsamen Ziele hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) wie folgt formuliert:

  • 65 Prozent Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch bis 2030.
  • 55 Prozent weniger Treibhausgasemissionen bis 2030 gegenüber 1990.
  • 50 Prozent weniger Primärenergieverbrauch bis 2050 gegenüber 2008.

Als zukünftige Energieformen lässt das BMWi nur Wind- und Solarkraft gelten. Das Ministerium fordert: „Weg von nuklearen und fossilen Brennstoffen, hin zu erneuerbaren Energien und mehr Energieeffizienz.“ Die Kernenergie wird vom BMWi als wichtigste Option für eine „sichere, umweltverträgliche und wirtschaftlich erfolgreiche Zukunft“ prinzipiell ausgeschlossen. Nicht jedoch vom BMBF.

Mit seinem Energieforschungsprogramm greift das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) entscheidende Lücken in dem Energiefahrplan des Wirtschaftsministeriums auf. Die Lücken des BMWi sind ein Beispiel für seine unfassbare Ignoranz gegenüber der Realität. Das BMWi ignoriert, dass weltweit Kernkraftwerke gebaut und Weiterentwicklungen erforscht werden und Deutschland teuren Atomstrom aus dem Ausland importiert, um die Lücken in der Stromversorgung, durch den Mangel an Wind und Sonne entstehen, zu überbrücken. Ferner ignoriert das Wirtschaftsministerium die Relevanz der Kernenergie für medizinische und technische Zwecke. Die Notwendigkeit von Fachwissen für den Abbau stillgelegter Kernkraftwerke und die Bedeutung der wissenschaftlichen Mitwirkung im Interesse der Sicherheit bei internationalen Kernkraftprojekten fällt ebenfalls durch das analytische Raster der Atomkraftgegner.

BMBF und BMWi haben unterschiedliche Vorstellungen von der Sicherheit der Energieversorgung in Bezug auf die Kernenergie. Im Interesse der Sicherheit plant das Forschungsministerium die Förderung von grundlegenden sowie anwendungsorientierten und praxisrelevanten Forschungsarbeiten im Bereich der Kernenergie. Dabei geht es dem Ministerium um den

  • „sicheren restlichen Leistungsbetrieb sowie den anschließenden mehrjährigen Stilllegungsbetrieb“ (dies erfordere aus Sicht des BMBF eine „konti­nuierliche technisch-wissenschaftliche Begleitung auf höchstem Niveau“) und um den
  • „Erhalt der notwendigen nationalen Expertise auch für die Mitwirkung in nationalen und internationalen Gremien“ (dies sei dringend notwendig, sagt das BMBF).

Aus Sicht des BMBF muss die nukleare Sicherheits- und Entsorgungsforschung sowie die Strahlenforschung gefördert werden. Aus seiner Sicht tragen sie dazu bei, den Stand von Wissenschaft und Technik weiterzuentwickeln und damit einen substanziellen Beitrag zum Aufbau, der Weiterentwicklung und dem Erhalt der wissenschaftlich-technischen Kompetenz zu leisten: „Sie trägt damit maßgeblich zum Konzept der Bundesregierung zur Kompetenz- und Nachwuchsentwicklung für die nukleare Sicherheit bei.“

Die Entwicklungsfähigkeit der Kernforschung soll in Deutschland erhalten bleiben

Erklärtes Ziel des Forschungsministeriums ist, den Stand von Wissenschaft und Technik im Bereich der nuklearen Sicherheits- und Entsorgungsforschung sowie der Strahlenforschung weiterzuentwickeln, um die wissenschaftlich-technische Kompetenz Deutschlands nicht zu verlieren.

Das BMBF nennt als konkrete Ziele der Fördermaßnahme im Sinne des Kompetenzerhalts „den Abschluss von wissenschaftlichen Qualifikationen (Bachelor, Master, Promotionen und Habilitationen); die Stärkung der Vernetzung mit internationalen, insbesondere europäischen Forschergruppen (u. a. durch gemeinsame Forschungsarbeiten an ausländischen, kerntechnischen Infrastrukturen), die Verbesserung des Zugangs deutscher Forscher zu kerntechnischen für die Forschung genutzten Infrastrukturen auch im Ausland, die Einrichtung unterschiedlicher Summer-Schools im Themenbereich und die Vernetzung mit industriellem Know-how durch die Einbindung von Industriepartnern in die Verbundprojekte. Insbesondere ist eine KMU-Beteiligung erwünscht.“

Außer der Strahlen- und Entsorgungsforschung nennt das Forschungsministerium „Reaktorsicherheitsforschung mit Fokus auf noch nicht kommerzialisierte Reaktorkonzepte“. Darunter fallen:

  • „Konzepte kleiner, modularer Reaktoren mit vergleichsweise geringem radioaktivem Inventar (small modular ­reactors)
  • Salzschmelzreaktoren (wie den sog. dual fluid reactor)
  • Weiterentwickelte Leichtwasserreaktoren der Generation 3+
  • Sicherheitskonzeption und Betrachtung möglicher Störfälle bzw. Auswirkungen
  • Einbezug von Querschnittstechnologien wie Wissensbasierten Entscheidungssystemen oder Künstlicher Intelligenz
  • und verwandte Gebiete der Forschung.“

Der „dual fluid reactor“ ist ausdrücklich genannt. Das Projekt Dual Fluid Reaktor (DFR), ist der Öffentlichkeit spätestens durch die skandalöse Entscheidung der Jury bei den GreenTec Awards 2013 bekannt. Sieger in seiner Rubrik beim Onlinevoting, gehöre nicht in einen Umweltpreis, meinte die Expertenjury von GreenTec Awards und beschloss am 7.6.2013, das Ergebnis des Onlinevotings zu Gunsten des DFR zu ignorieren. „Die GreenTec Awards werden keinesfalls Bühne für Kernkraftexperimente sein“ teilte GreenTec Awards dem DFR-Team mit und lud das zuvor eingeladene Team kurzerhand wieder aus. Ein Urteil des Landesgerichts zu Gunsten des IFK erzeugte zwar Nervosität bei der Jury, die glaubte, das Thema Kernenergie habe sich durch den Ausstiegsbeschluss der Bundeskanzlerin erledigt. Es blieb jedoch bei der rechtswidrigen Entscheidung der Veranstalter. Das DFR-Projekt wurde ausschließlich durch private Mittel des IFK-Teams finanziert.

In Vergessenheit geriet das Projekt jedoch nicht. Sporadisch erschienen immer mal wieder Berichte über den DFR in den Medien.

Zurück zur Wissenschaft

Deutschland hat durch die Fixierung der Bundesregierung auf Wind- und Solarenergie seinen Spitzenplatz in der Kernforschung verloren. Gleichzeitig hat es den wirtschaftlichen Niedergang Deutschlands durch die Unterversorgung mit Strom eingeläutet. Selbst der Bundesrechnungshof warnte Ende März 2021: “Eine zuverlässige und preisgünstige Versorgung von privaten Haushalten und Wirtschaft mit Strom ist zunehmend fraglich”. Zu wesentlichen Aspekten der Energiewende schweige das BMWi, warf der Präsident des Bundesrechnungshofes dem Wirtschaftsministerium vor.

Mit dem Abschalten der Kernkraftwerke Ende 2022 entsteht jedoch eine Versorgungslücke, die nicht durch Stromimporte aus dem Ausland aufgefangen werden kann. Die Bundesregierung hat bis zum heutigen Tag sämtliche Warnungen ignoriert und verlässt sich noch immer auf Aussagen der Wind- und Solarenergie-Lobbyisten.

Die Versorgungslücke weist nicht nur darauf hin, dass wir mit Stromrationierungen rechnen müssen. Es wächst darüber hinaus auch die Gefahr eines flächendeckenden Blackouts, der die die Zahl der Opfer bei der Flutkatastrophe im Ahrtal weit übersteigen würde. Es gibt ebensowenig wie bei dem Hochwasser im Ahrtal Vorbereitungen für den Katastrophenschutz. Für die Mängel beim Katastrophenschutz sind Politiker zur Verantwortung zu ziehen.

Federführend waren bei der Energiewende die Grünen, die ihren politischen Erfolg der Anti-Atomkraftbewegung und der Angstmacherei verdanken.

Die Grünen forderten 2015 in ihrem Bundestagsantrag „Keine öffentlichen Forschungsgelder für den Wiedereinstieg in atomare Technologien – 6.Energieforschungsprogramm vollständig in Richtung Energiewende weiterentwickeln“ (Bundestag-Drucksache 18/5211 – pdf-Download) den völligen Verzicht auf Nuklearforschung. Die Energiewende auf der Basis von Erneuerbaren und Effizienz sei die große Chance für den Innovations- und Industriestandort Deutschland, hieß es in ihrem Antrag. Eine konsequent betriebene Energiewende ohne Atomkraft biete Energiesicherheit, Nachhaltigkeit und technologisches Exportpotenzial.

Damit der Atomausstieg in Deutschland vollständig umgesetzt und die Energiewende gelingen könne, dürften nach Ansicht der Grünen keine weiteren öffentlichen Gelder in die Erforschung von Kernfusion, Transmutation und Reaktoren der IV. Generation investiert werden. Stattdessen seien die in der Fortführung des 6. Energieforschungsprogramms vorgesehenen öffentlichen Forschungsgelder vollständig für das Gelingen der Energiewende durch Forschung für mehr erneuerbare Energien, Energieeinsparung und Energieeffizienz sowie für die Sicherheits- und Endlagerforschung einzusetzen.

Die Grünen haben einen Traum. Sie behaupten, die Energiewende auf der Basis von Erneuerbaren und Effizienz sei die große Chance für den Innovations- und Industriestandort Deutschland. Sie räumen ein, dass Deutschland kaum Rohstoffvorkommen hat und das Know-How „der hier lebenden Menschen“ die wichtigste Ressource sei. Jedoch überschätzen die Grünen die Bedeutung der sogenannten Erneuerbaren für den wissenschaftlichen Fortschritt und unterschätzen die Innovationskraft anderer Länder.

https://www.bmbf.de/bmbf/shareddocs/bekanntmachungen/de/2021/07/2021-07-29-Bekanntmachung-Zuwendungen-SiFo.html

Wenige Wochen vor den Wahlen zum 20. Deutschen Bundestag, am Sonntag, 26. September 2021, zeichnet sich für die Grünen bei der Sonntagsfrage Bundestagswahl ein Sprung nach oben, von 8,9 auf rund 20 Prozent, ab. Die Gier der Grünen nach einem Klimaschutzministerium mit Vetorecht ist unüberhörbar. Deutschland wird die Grenzen seines Wachstums und das Ende vieler Träume auf die harte Art erleben.

IFK über den Dual Fluid Reaktor:
„Unsere Entwicklung unterscheidet sich fundamental von allem, was man bisher als Kernkraft kannte. Deshalb halten wir darauf ein Patent – das erste auf eine Reaktorentwicklung seit den 60er Jahren. Wir machen Kernkraft der fünften Generation: intelligent, hoch wirksam und sicher.“

https://dual-fluid.com/


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