Josie, der Hambi-Song und das Forschungszentrum Jülich

Das Internet vergisst nie. Erst recht nicht, wenn die Betriebsratsvorsitzende des Forschungszentrums Jülich (FZ Jülich) in einem Song RWE und seine Mitarbeiter öffentlich herabwürdigt.

Zwar hat Gabi Bockholt ihr Video (siehe unten) nach Protesten  inzwischen gelöscht, aber die Beschimpfung des Unternehmens und der RWE-Kollegen vom Braunkohletagebau ist damit nicht aus der Welt.

Dieser Fall hat allerdings ein besonderes “Gschmäckle”, denn Gabi Bockholt ist Betriebsratsvorsitzende eines Forschungszentrums der Helmholtz-Gemeinschaft, deren Aufgabe es ist, “Forschungsziele des Staates und der Gesellschaft zu verfolgen.” Damit erweitert sich der Kreis derjenigen, die auf unangenehmste Weise von dem öffentlichen Auftritt der Betriebsratsvorsitzenden berührt sind.

Zur Helmholtz-Gemeinschaft, benannt nach dem Physiologen und Physiker Hermann Ludwig Ferdinand Helmholtz, gehören mehr als 39.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in 18 Forschungszentren. Das Jahresbudget der Gemeinschaft beträgt 4,5 Milliarden Euro. Ihre Aufgabe besteht darin, “langfristige Forschungsziele des Staates und der Gesellschaft zu verfolgen, einschließlich Grundlagenforschung, in wissenschaftlicher Autonomie.” Sie nimmt für sich in Anspruch, strategisch-programmatisch ausgerichtete Spitzenforschung zu betreiben, woraus sich zwangsläufig hohe Anforderungen an das Personal ergeben.

Eines dieser Forschungszentren ist das Forschungszentrum Jülich, das an Schlüsseltechnologien in den Bereichen Information und Gehirn sowie Energie und Umwelt arbeitet. Der Betriebsrat des Forschungszentrums repräsentiert die Belegschaft des Betriebs, kann aber auch in bestimmten Angelegenheiten völlig gleichberechtigt mit dem Arbeitgeber mitentscheiden. Insofern kommt dem Betriebsrat in einem Forschungszentrum und erst recht dem Betriebsratsvorsitzenden eine besonders anspruchsvolle Aufgabe zu.

 

Ein offener Brief an das FZ Jülich

Hans Josef Roggendorf, ehemaliges Mitglied des RWE-Power-Gesamtbetriebsrats und aktiver Gewerkschafter in der IGBCE, wandte sich per e-Mail in einem offenen Brief an das Forschungszentrum Jülich. Er schreibt: “Ihre Betriebsratsvorsitzende Gabriele Bockholt hat sich wiederholt öffentlich in ehrverletzender Art und Weise mit einem Liedbeitrag gegenüber dem RWE – und damit implizit auch gegenüber den mehr als 9.000 dort beschäftigten Kolleginnen und Kollegen – geäußert. Sein Brief wurde unter anderem auf der Facebook-Seite Wir im Rheinischen Revier für eine faire Berichterstattung“  veröffentlicht.
Als gewählte Arbeitnehmervertreterin verbiete es sich, sich in dieser verächtlichen Art gegenüber Gewerkschaftern und Arbeitnehmern anderer Unternehmen öffentlich zu äußern, sagt Hans Josef Roggendorf. Seine implizit formulierte Frage, ob die gewählte Arbeitnehmervertreterin nicht vielleicht die Meinung des FZ Jülich vertrete, ist berechtigt und angesichts des konzertierten Vorgehens gegen RWE und seine Mitarbeiter auch notwendig. Vom FZ Jülich erwartet Hans Josef Roggendorf eine Stellungnahme sowie eine “öffentlich wahrnehmbare Distanzierung” von Frau Bockholts Äußerungen.

In einem Leser-Kommentar zu dem offenen Brief heißt es: “Man muss trotzdem deutlich machen, dass man mit sowas nicht einverstanden ist! Wenn man sich immer denkt „da passiert doch eh nichts“ kann man sich auch direkt irgendwo stumm auf ne Bank setzen und abwarten, bis die Aktivisten die Welt regieren. Das nennt man dann Kapitulation.”

 

“Hambi-Song” 2017

Gabi Bockholt gab am 27 07 2017 im Hambacher Forst den “Hambi-Song”zum Besten. Sie hatte es 2017  selbst veröffentlicht, inzwischen aber gelöscht. Die Band nennt sich “josie, kurt and famous artist”.

Gepostet von Iris Steffan am Montag, 15. Oktober 2018

Titelfoto: geralt

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8 Gedanken zu „Josie, der Hambi-Song und das Forschungszentrum Jülich

  1. Weder gibt es eine Wetterstatistik = Klima, die es zu “retten” gilt, noch gibt es einen Umweltschaden durch das Verbrennen von Braunkohle, den es zu “bekämpfen” gilt. Was für ein Irrenhaus ist Deutschland eigentlich geworden, dass Menschen nicht nur ideologisch verblendet sind, sondern sich auch noch gegenseitig die Augen auskratzen?

    Zwar sehe ich ein, dass ideologisch Verblendete für den Darwin-Award auserkoren sind, doch ich grenze mich gegen jeglichen Unfug ab, um mein Leben vor diesen Narren zu bewahren.

    Warum trampeln die “Bewahrer” des Hambacher Forstes zwischen den Bäumen herum, um Pflanzen zu zerstören und Tiere aufzuscheuchen? Wie sieht es mit Abfällen aus? Haben sie diese alle wieder mit nach Hause genommen oder liegt deren Müll jetzt im Wald herum? Andernorts werden Wälder gerodet, um nutzlose Windkraftwerke zu bauen!

    Wer kann sich noch dunkel an die Photosynthese im Biologieunterricht erinnern?
    https://www.dzig.de/Energiewende-und-FakePower_Kohlendioxid-und-Photosynthese

    Wer läuft in der Nähe von Inden an der stillgelegten Braunkohlefabrik vorbei und bewundert den Riesenwuchs von Wildblumen und Wildkräutern, von Büschen und Bäumen? Wer befragt die Landwirte, die einen minimalen Bedarf haben, ihre Felder zu düngen? Das soll “Umweltverschmutzung” sein?

    Ohne die Spurengase Kohlendioxid und Methan stirbt die Menschheit, weite Teile der Tierwelt und die Pflanzenwelt aus.

    Die Schuld der Deutschen
    Die Deutschen sind die einzigen Deppen auf diesem Planeten, die führend an der Energiewende festhalten, während immer mehr Staaten von der FakePower oder dem Fake-Strom abrücken:

    Die Energiewende in ihrem Lauf
    halten weder Ochs’ noch Esel auf!

    Obwohl Sonnenlicht und Kohlendioxid im planzlichen Chlorophyll Sauerstoff und Wasser hervorbringen, wird behauptet, das Spurengas Kohlendioxid sei trotz 400 ppm in der Atmosphäre schuld an den Hitzewellen, welche die Erde heimsuchen. Ohne Sauerstoff und ohne Kohlendioxid erstirbt fast das gesamte Leben auf der Erde. Der Wert schwankt außerdem wetterbedingt innerhalb eines Tages, weil Kohlendioxid zu Boden sinkt oder durch Winde emporgeschleudert wird.

    Kohlendioxid, das durch Vulkane, Brände und Verbrennungen in die Atmospäre gelangt, ist zu vernachlässigen im Vergleich zu den Mengen, die durch Atmung und durch Kleinstlebewesen entstehen. Es spielt keine Rolle, ob der Kohlendioxidgehalt auf 1000 oder 2000 ppm steigt. Er betrug im Laufe der Erdgeschichte bereits ein Mehrfaches des jetzigen Wertes. Es ist immer noch ein Spurengas, ohne das kein Mensch und kein atmendes Tier überleben kann.

    Gärtner reichern die Luft in Gewächshäusern mit Kohlendioxid an, um ihren Ertrag zu steigern. Niemand schleppt sie deswegen vor Gericht! Warum nicht? Bertolt Brecht: “Unsichtbar macht sich die Dummheit, indem sie sehr große Ausmaße annimmt!”

    Das wahnsinnige Deutschland schaffte es, den Strompreis in zwanzig Jahren zu verdoppeln, um eine doppelte Infrastruktur zur Stromerzeugung zu finanzieren. Der Betrug ist offensichtlich: Die FakePower oder der Fake-Strom aus Voltaik, Wind und Biogas ist teuer und unzuverlässig, untauglich zur Einspeisung ins Netz.

  2. Das ist die Krux mit diesem Internet. Was einmal drin ist….. Wenn man nicht ganz klar im Kopf ist ( Alkohol? Drogen? Anderes? ) macht man so einen Fehler und setzt dieses miserabel gemachte Kabarettstück in`s Netz. Da kommt mir Goethes “Zauberlehrling” in den Sinn. Was tatsächlich im Kopf dieser Dame vorging/vorgeht ist für vernunftbegabte Menschen nicht nachvollziehbar.

  3. HALLO? Hier wird natürlich nicht erwähnt, wogegen Frau Bockholt hier ansingt: gegen die Rodung des Hambacher Forst und gegen die klimafeindliche Politik von RWE. Dass “die Aktivisten die Welt regieren”, damit ist nun wirklich in absehbarer Zeit nicht zu rechnen – lächerlich! Dass Unternehmen wie RWE dies tun könnten, ist leider wahrscheinlicher. Ich kenne Frau Bockholt persönlich als engagierte Verfechterin von Menschlichkeit und Gerechtigkeit. Ich finde es toll und mutig von ihr (gerade als Betriebsratsvorsitzende), dass sie sich öffentlich gegen die RWE-Politik stellt (die Profit über den Schutz der Umwelt stellt), und ich erlebe gerade den Shitstorm gegen sie mit , mit unglaublich vielen Verdrehungen von Tatsachen. Ob ihre Meinung bezüglich des Vorgehens von RWE (zB. im Hambacher Forst) berechtigt ist oder nicht, ist leider kein Thema in Ihrem offenen Brief, Herr Roggendorf. Nicht Frau Bockholt sollte hier in der Kritik stehen, sondern RWE. Hier wird gerade der Versuch unternommen, eine Einzelperson mundtot zu machen und beruflich zu erledigen (heute “mobbing” genannt), mit einem mächtigen Unternehmen im Nacken. Wer ist denn da Opfer und wer Täter???

    1. Ich kann doch nicht die einen als Klimakiller beschimpfen und selber verantwortlich sein für Atommüll !? KFA steht für Kern Forschungs Anlage

      1. KFA (Kern-Forschungs-Anlage) gibt es schon lange nicht mehr und Kernforschng wird in Jülich auch seit Jahrzenten keine mehr betrieben….
        Aber als Betriebsratsvorsitzende geht sowas natürlich gar nicht, es wäre nicht schlimm gewesen wenn sie irgendwo mit demonstriert hätte und hätte Flyer oder so verteilt, aber lautstark die Schimpfwörter rauskrakelen ist in ihrer Position, auch wenn es in ihrer privaten Freizeit ist, ein absolutes NoGo.

    2. Sehr geehrte “Redaktion Ruhrkultour”,
      (sehr geehrter Hans Josef Roggendorf,)
      auf Ihrer Internetseite veröffentlichen Sie das privat aufgenommene Video mit einen satirischen Protestsong von Frau Bockhold, in dem sie ihre private Meinung vorträgt – ohne jegliche Beziehung zu ihrer Arbeitstelle. Auf dem Video sind keine der Personen erkennbar. Sie veröffentlichen zusätzlich das Porträtfoto von Frau Bockholt, ihren Namen und stellen zusätzlich ihren Arbeitgeber sowie ihre dortige Funktion heraus. Dann rufen Sie indirekt zu einer Diffamierung von Frau Bockholt auf.
      Statt demokratiefeindliches Mobbing an der Arbeitsstelle schlage ich Ihnen die erstnsthafte inhaltliche Auseinandersetzung mit (satirischer) Kritik und Ihnen unangenehmen Meinungen vor. Diese dürfen auch Sie selbst gerne in lustiger Form vortragen, aufnehmen und hier zusammen mit Ihrem Portraitfoto, ihrem vollständigen Namen, Ihrem Arbeitgeber und Ihrer dortigen Funktion veröffentlichen.
      Ich solidarisiere mich mit Frau Bockholt und stehe für ihr Recht auf freie persönliche Meinungsäußerung und ihr Recht auf Satire und Kabarett ein. Ich wehre mich vehement gegen Ihr demokratiefeindliches Mobbing.
      Einem ehemaligen Mitglied des RWE-Power-Gesamtbetriebsrats und aktiver Gewerkschafter in der IGBCE hätte ich dies nicht zugetraut. Ich hoffe, daß nicht auch RWE eine solche Haltung einnimmt, denn undemokratische Unternehmen brauchen wir nicht in Deutschland.
      MfG, Peter Kämmerling, Aachen

      1. Sehr geehrter Herr Kämmerling,
        Sie ergreifen Partei für Frau Bockholt, worüber wir uns im Grunde freuen. Wir sind sicher, dass Sie Ihrem Gerechtigkeitsempfinden auch schriftlich Ausdruck verliehen haben, als Mitarbeiter und Lieferanten von RWE, ebenso Polizisten, von Kohlegegnern mit Steinen, Zwillen und Molotowcocktails und Fäkalien angegriffen wurden und das Leben von Mitarbeitern durch Sabotagaktionen an der Hambachbahn gefährdet wurde.

        Grundsätzlich stellen wir klar, dass wir nicht die private Meinung von Frau Bockholt kritisieren. Dies geht aus unserer Sicht eindeutig aus dem Artikel hervor. Der Mobbing-Vorwurf trifft nicht den Sachverhalt. Das Video stand fast ein Jahr der Öffentlichkeit auf Youtube zur Verfügung, war von Frau Bockholt 2017 persönlich eingestellt worden und wurde erst kürzlich von ihr gelöscht. Es kursieren Kopien des Videos im Internet, was Frau Bockholt bis zum Protest eines RWE-Mitarbeiters vor wenigen Tagen auch nicht zu stören schien.

        Worauf es uns ankommt: Frau Bockholt ist keine x-beliebige Privatperson, sondern Betriebsratsvorsitzende in einem Forschungsinstitut, das Spitzenforschung betreibt. Die Forschung wird mit staatlichen Mitteln finanziert. Frau Bockholt ist auch keine x-beliebige Mitarbeiterin des Forschungszentrums Jülich, sondern hat eine repräsentative Funktion für die gesamte Belegschaft und somit auch für das Forschungszentrum Jülich selbst. Das Forschungszentrum sollte aus unserer Sicht zu der öffentlich getätigten Aussage von Frau Bockholt Stellung nehmen. Wir würden selbstverständlich auch eine Stellungnahme von Frau Bockholt veröffentlichen. Die Verunglimpfung von 9.000 RWE-Mitarbeitern im Braunkohletagebau, deren Existenz gefährdet ist, ist ehrverletzend. Insofern unterstützen wir das Schreiben von Herrn Roggendorf an das Forschungszentrum Jülich und erklären uns solidarisch mit den Mitarbeitern von RWE. Es geht um mehr: 40 Prozent der Bevölkerung in NRW hängen noch für Jahrzehnte von der Verstromung der Braunkohle ab. Die Vergiftung des gesellschaftlichen Klimas durch fanatisierte Kohlegegner akzeptieren wir nicht und wehren uns dagegen mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen.

        Zum Schluss: Uns war nicht ersichtlich, dass es sich bei dem Spaziergang im Hambacher Forst 2017 um eine Kabarettveranstaltung gehandelt hat. Aber es ist zumindest eine gedankliche Anregung, den unsäglichen, aus unserer Sicht irrationalen Aufmarsch der Kohlegegner im Hambacher Forst als Kabarett zu betrachten.

        Mit freundlichen Grüßen
        Faina Faruz
        Redaktion Ruhrkultour

  4. Das sind nun mal die Guten – gerne im Parteien-, Gewerkschafts-, Kirchen-, NGO-, ….-Umfeld.
    Danach sagt man: Uuups, wollte ich gar nicht und schon ist alles gut!

    Schon fühlt sich die grüne Seele wieder gut und der Herr Roggendorf ist ein Knecht von RWE, der nur denunziert und hetzt. Kommt mir so bekannt aus anderen Zeiten vor…

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