Felix Letkemanns kommentiert Harald Lesch

Gut erklären können, reicht nicht, es muss auch stimmen. Eine Antwort an Harald Lesch

Gut erklären können, reicht nicht, es muss auch stimmen. Das gilt auch für den Allrounder Prof. Harald Lesch, der es den Zuhörern leicht macht, ihm zu folgen. Felix Letkemanns kommentiert ein Video von Harald Lesch zum Thema Flüssigsalzreaktor. Er stellt Lesch als Verbreiter von Falschinformationen zur Rede.

“Gibt es eine Möglichkeit, Atomkraft komplett ohne Risiko zu erzeugen?”

Etwas schwieriger ist der Nachweis in Fragen der Kernenergie nicht nur deshalb, weil die Materie kompliziert ist, sondern vor allem deshalb, weil die vereinten Kräfte aus Politik, Nicht-Regierungsorganisationen und Kirchen der modernsten aller Energieformen nahezu den Garaus gemacht haben. Aber es gibt sie, die aufmerksamen Beobachter, die die Verbreiter von Falschinformationen zur Rede stellen. Aber es ist unwahrscheinlich, dass sie von Harald Lesch eine Antwort auf ihre Fragen erhalten.

“Gibt es eine Möglichkeit, Atomkraft komplett ohne Risiko zu erzeugen?” fragt Harald Lesch und stellt in dem Video den Flüssigsalzreaktor vor. “Eine sehr interessante Idee …”, sagt er.

Felix Letkemanns kommentiert Harald Leschs Vortrag mit folgenden Worten: “Harald Lesch hat ein Video zum Flüssigsalzreaktor gemacht und dort mit alternativen Fakten um sich geworfen. Deshalb eine Antwort, in der ich ein paar (nicht alle!) Sachen richtigstelle. Ich habe Herrn Lesch bereits vor ein paar Monaten eine Mail zu diesem Thema geschrieben, allerdings gab es damals nur eine automatische Antwort.”

Wie gefährlich das Tritium ist, mag man daran sehen, dass es bei Amazon käuflich erworben werden kann:  http://amzn.to/2m7jx0N

Kritik an Harald Lesch

Auch von anderer Seite kam Kritik an Leschs Video. Weil es keine “Atomlobby” gibt, kümmert sich ein privater Verein (Nuklearia) darum, dass das Wissen über die Kernenergie in Deutschland nicht gänzlich verloren geht. Rainer Klute kritisiert Harald Lesch in drei Punkten:
“1. In Hamm-Uentrop hat man einen Thorium-Hochtemperaturreaktor gebaut, aber – anders als Lesch behauptet – keinen Flüssigsalzreaktor, sondern einen Kugelhaufenreaktor. Der Kernbrennstoff befand sich in tennisballgroßen Kugeln. Dieses Reaktorkonzept hat China aufgegriffen und errichtet gerade eine Anlage, die 2018 in Betrieb gehen soll.
2. Weder der Thorium-Hochtemperaturreaktor in Hamm noch irgendein Thorium-Flüssigsalzreaktor ist ein Schneller Brüter, auch wenn Lesch das behauptet. Übrigens eignet sich ein Schneller Brüter – genauer: ein Schneller Reaktor – sehr wohl dazu, aus Atommüll Strom zu machen. Russland zeigt uns, wie das geht: http://nuklearia.de/2016/12/09/strom-aus-atommuell-schneller-reaktor-bn-800-im-kommerziellen-leistungsbetrieb/
 .
3. Lesch erklärt die Selbstregulierung eines Thorium-Flüssigsalzreaktors, als ob es ein völlig neuartiges Konzept wäre. Ist es aber nicht, denn das macht bereits jeder herkömmliche Kernkraftreaktor so, Stichwort: negativer Reaktivitätskoeffizient. Eine Ausnahme ist der russische RBMK-Reaktor (Tschernobyl-Typ), von dem leider noch 11 Blöcke laufen.”

Schlussfolgerung

Es liegt auf der Hand, dass die Schlussfolgerungen Harald Leschs nicht stimmen können, wenn er grundlegende Dinge nicht weiß – oder nicht wissen will.

Ein neuartiges Konzept für einen Flüssigsalzreaktor (Dual Fluid Reaktor) stellt das Institut für Festkörper-Kernphysik, Berlin, vor: http://dual-fluid-reaktor.de/index.php/technik

Versand kostenfrei. Der Ingenieur Michael Limburg und der Wissenschaftsjournalist Fred F. Mueller erklären in einfachen, auch für Laien leicht verständliche Weise, wie unser Stromversorgungssystem funktioniert.
Versand kostenfrei.

    ________________ WERBUNG ________________    
VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 2.0/5 (2 votes cast)
Wasserkraft

Kaliforniens Staudammkrise erinnert an die tödliche Geschichte der Wasserkraft

Staudämme galten in den 1960er und 70er Jahren als Symbole des Fortschritts, des Wachstums – und der Macht erinnert “Planet Wissen” den Leser. Es habe Zeiten gegeben, da haben Staudämme amerikanischen Präsidentschaftskandidaten zum Wahlsieg verholfen. Die Befürworter Erneuerbarer Energien verbinden diese Quelle kohlenstofffreier Energie, die Wasserkraft, mit der Hoffnung, dass sie dazu beitragen können, Kohle- und Kernenergie abzulösen. Sie ignorieren, dass es eine absolute Sicherheit bei keiner Art der Energiegewinnung gibt und jede Art Verluste nach sich zieht.

Die Funktion der Staudämme wird von Planet Wissen kurz beschrieben. “In den Dämmen fällt das gestaute Wasser auf Turbinen, die nichts anderes sind als moderne Wasserräder. Bloß treiben sie keinen Mühlstein an, sondern Generatoren, die die Rotationsenergie schließlich in elektrische Energie umwandeln. In Strom, den alle Volkswirtschaften brauchen.” Planet Wissen erinnert aber auch daran, dass der Boom der Staudammprojekte nicht frei von den Interessen vor allem für die westlichen Industrien war, die die Riesenturbinen geliefert und gute Geschäfte gemacht hätten.

Kaliforniens Staudammkrise bei Oroville

Kaliforniens Staudammkrise bei Oroville habe die tödliche Geschichte der Wasserkraft wieder ins Bewusstsein gerufen, sagt Dave Mosher.

Die USA erhalten durch Staudämme etwa 6 Prozent ihrer Energie. Aber, sagt Dave Mosher, diese Woche veranschauliche die Staudamm Krise in Oroville, Kalifornien, dass die hydroelektrische Energie-Technologie an ein großes, wenngleich seltenes Risiko gekoppelt sei: Katastrophaler Zusammenbruch und Überschwemmungen.

Zählen Staudämme zu den riskanteren Stromquellen der Welt?

Dave Mosher verweist auf eine Datenanalyse des Reporters Phil McKenna in New Scientist im März 2011. Das Magazin griff auf Daten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Organisation for Economic Cooperation and Development), der Internationalen Energieagentur (International Energy Agency) und anderer Quellen zurück. Ihnen zufolge können Dämme zu den riskanteren Stromquellen der Welt zählen.

Phil McKennas analysierte die unmittelbaren und späteren Todesfälle, die für zehn Terrawattstunden (TWh) der weltweit erzeugten Energie auftraten – weltweit werden etwa 20.000 TWh Strom pro Jahr produziert.

Diesen Daten zufolge gebe es Todesfälle für jede Art der Energiegewinnung, in der Rangliste sei Wasserkraft tödlicher als Kernenergie und Erdgas:

  • Kernenergie: 0,2 bis 1,2 Todesfälle pro 10 Milliarden KWh (am wenigsten tödlich)
  • Erdgas: 0,3-1,6 Todesfälle je 10 Milliarden KWh
  • Wasserkraft: 1.0-1.6 Todesfälle pro 10 Milliarden KWh
  • Kohle: 2,8 bis 32,7 Tote pro 10 Milliarden KWh (tödlichste)

Trotz des Kraftwerksunfalls in Tschernobyl, der schätzungsweise 9.000 Krebstodesfälle verursacht habe, sei die Kernkraft eine der sichersten Möglichkeiten zur Stromerzeugung (im Gegensatz zum Volksglauben).

Quelle: https://www.newscientist.com/article/mg20928053.600-fossil-fuels-are-far-deadlier-than-nuclear-power/

Kohle gelte wegen der Todesfälle, die sie durch Luftverschmutzung verursacht, als das tödlichste Risiko.

Schätzungen der Zahl der Todesfälle pro Terawattstunde, die auf Daten der Weltgesundheitsorganisation und der Arbeitsschutzstatistik basieren, gehen davon aus, dass fossile Kraftwerke zu weit mehr Todesfällen beitragen als Windenergie, meint mediamatters.org, ignoriert jedoch, dass die Windenergie wegen ihrer zufallsabhängigen Stromproduktion kein Ersatz für herkömmliche Kraftwerke sein kann.

27.3.2013 – mediamatters.org

 

Zusammenbruch von Chinas Banqiao-Staudamm

Falls die Todesfälle, die durch den tragischen Zusammenbruch von Chinas Banqiao-Staudamm verursacht wurden, in die Berechnungen einbezogen würden, könne Wasserkraft als eine der gefährlichsten Stromquellen betrachtet werden, sagt Dave Mosher. Am 8. August 1975 zerstörte ein ungewöhnlicher Taifun, der alle Niederschlags-Rekorde brach, den Staudamm. Er schickte eine Wasserwand von fast zwanzig Metern Höhe und 12 Kilometern Breite flussabwärts. Darüber berichtet der investigativen Journalist Dai Qingin seinem Buch “Der Flussdrache ist gekommen!” (The River Dragon Has Come!)

Die Sturzflut zerstörte andere Dämme entlang des Flusses und tötete schätzungsweise 85.000 Menschen. Bei der Berücksichtigung späterer Todesfälle durch Hochwasserkrankheiten und Hungersnöte könne die Zahl der Todesfälle bei 220.000 bis 230.000 Menschen liegen.

Dieses verheerende Unglück hebe das statistische Risiko von Staudämmen auf 54,7 Todesfälle pro 10 TWh – ein etwa 46 Mal höheres Risiko als durch die Kernenergie. Die Zeitschrift Business Insider, in der der Artikel von Dave Mosher zuerst veröffentlicht wurde, kontaktierte die National Hydropower Association und bat um einen Kommentar, welche Gefahr durch Staudämme in den USA drohe, erhielt aber keine umgehende Antwort.

Die Chinesen haben 1993 den Banqiao-Damm wieder aufgebaut und die Lehren aus der Tragödie gezogen, sagt Dave Mosher. Der entscheidende Unterschied zwischen den beiden Ereignissen sei, dass die Behörden in den USA in der Lage gewesen seien, mehr als 180.000 Menschen in dieser Region von Kalifornien sofort zu evakuieren. Es bleibe abzuwarten, ob der Oroville-Stausee tatsächlich zusammenbrechen wird. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung seines Artikels (13.2.2017) hatte er sich stabilisiert.

Aussichten für Oroville

18.02.2017: Das Wetteramt in Los Angeles sprach vom heftigsten Niederschlag, der den Südwesten Kaliforniens «seit sechs Jahren und vielleicht sogar seit Dezember 2004 und Januar 1995» am 17.2.2017 treffen könnte. Im Norden von Kalifornien überwachten Einsatzkräfte den maroden Oroville-Staudamm, der in den vergangenen Tagen bereits viel Wasser abgefangen hatte. Dessen Abflusskanäle befinden sich in Reparatur. Behördenvertreter zeigten sich zuversichtlich, dass das Reservoir auch erneute Regenmassen bewältigen könne. Einwohner in den unter den Stausee gelegenen Orten durften inzwischen wieder in ihre Häuser zurückkehren, sitzen dort aber angesichts des kommenden Regens auf gepackten Sachen. Ihnen sei mitgeteilt worden, dass die Anordnung zur erneuten Räumung von einem Augenblick auf den anderen kommen könnte, berichtet bluewin.ch.

 

Quellen:

  • http://www.planet-wissen.de/kultur/architektur/staudaemme/index.html
  • http://www.businessinsider.com.au/dam-safety-statistics-risk-of-death-2017-2?r=US&IR=T
  • http://www.sciencealert.com/california-s-dam-crisis-highlights-the-surprisingly-deadly-history-of-hydroelectric-power
  • https://www.newscientist.com/article/mg20928053.600-fossil-fuels-are-far-deadlier-than-nuclear-power/
  • https://weather.com/de-DE/wetter/ausland/news/erste-tote-kalifornien-droht-der-hefigste-sturm-seit-22-jahren
  • https://www.bluewin.ch/de/news/vermischtes/2017/2/17/regenfront-erreicht-kalifornien—alarm-am-oroville-stausee-.html


Titelfoto: Real Thing TV


Ruhrkultour Leseempfehlung:

Versand kostenfrei. Der Ingenieur Michael Limburg und der Wissenschaftsjournalist Fred F. Mueller erklären in einfachen, auch für Laien leicht verständliche Weise, wie unser Stromversorgungssystem funktioniert.

Versand kostenfrei

Der Ingenieur Michael Limburg und der Wissenschaftsjournalist Fred F. Mueller erklären in einfacher, auch für Laien leicht verständlicher Weise, wie unser Stromversorgungssystem funktioniert.

“Die Energiewende, die Umstellung unserer Stromversorgung auf sogenannte “Erneuerbare Energien” wird in eine Katastrophe führen, wirtschaftlich ebenso wie technisch. Obwohl das Konzept technisch nicht machbar ist, wurden hierfür bereits mehr als 500 Milliarden Euro ausgegeben. Dieses Geld wird unserer Volkswirtschaft bitter fehlen, wenn sie darangehen muss, den künftigen Scherbenhaufen zusammenzukehren. Hier erklären zwei ausgewiesene Fachleute, warum.”

VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 0.0/5 (0 votes cast)

Teure Hinterlassenschaften – Die Rückbaukosten von Windrädern

Windkraftanlagen sind nach Angaben von Herstellern und Planungsbüros auf eine Lebensdauer von etwa 20-25 Jahren ausgelegt. “Ausgelegt” heißt aber nicht, dass sie dieses Alter auch erreichen. Nicht berücksichtigt sind zum Beispiel Faktoren, die die Lebenszeit einer Anlage von vornherein durch ihre Position im Verbundsystem eines Windparks reduzieren.

Ein Windrad, das aus der Windrichtung gesehen in der ersten Reihe eines Windparks liegt, wird selbst unter günstigen Bedingungen im Durchschnitt nur 15 Jahre alt. Die hinter der ersten Reihe liegenden Windkraftanlagen werden je nach Entfernung zur ersten Reihe im Durchschnitt zwischen 5 und 12 Jahre alt. Die Folgen für die Ertragsberechnungen von Windkraftanlagen in nicht optimalen Windgebieten liegen auf der Hand: sie müssen häufiger ausgetauscht oder stillgelegt werden, als erwartet. Die Stilllegung zieht hohe Kosten und auch Umweltprobleme nach sich.

Stillgelegte Windenergieanlagen müssen zurückgebaut werden

Stillgelegte Windenergieanlagen müssen zurückgebaut werden und dürfen nicht als Ruine in der Landschaft stehen bleiben. Dies schreibt das Baugesetzbuch vor (§ 35 Abs. 5 Satz 2 BauGB). Um eine Betriebsgenehmigung zu erlangen, müssen Anlagenbetreiber (bzw. Vorhabenträger) eine Verpflichtungserklärung zum Rückbau der Anlage samt der Beseitigung von Bodenversiegelungen abgeben. Dies ist eine zusätzliche Genehmigungsvoraussetzung gemäß § 6 BImSchG für Windvorhaben im Außenbereich. Diese bodenrechtliche Regelung dient der “größtmöglichen Schonung des Außenbereichs”. Der Rückbau bedeutet den “vollständigen Abriss aller baulichen Anlagen, die dem privilegierten Vorhaben gedient haben, einschließlich Beseitigung von Bodenversiegelungen, die mit diesem Vorhaben in einem funktionalen Zusammenhang gestanden haben.“ (Außenbereichserlass, Rückbauverpflichtung). So weit, so gut.

Aber es gibt keine Sicherheit dafür, dass der Rückbau auch tatsächlich durchgeführt wird, wie dieses Foto aus Oldenburg/Bensersiel zeigt. Das alte Fundament der sogenannten „Zeiger-Mühle“ betrachten verärgerte Landschafts- und Naturschützer als ein „Denkmal“ der verfehlten Entsorgungspolitik im Landkreis Wittmund.

Fundament der nach einem Gerichtsurteil versetzten „Zeiger-Mühle“ in Oldendorf/Bensersiel, LK Wittmund. Im Hintergrund die versetzte Anlage, Foto (C): Manfred Knake

Die Verpflichtungserklärung zum Rückbau der Anlage ist kein vollstreckbarer Titel. Um zu verhindern, dass ein Verpächter oder eine Gemeinde im Fall einer Insolvenz des Betreibers oder bei einem Betreiberwechsel auf den Rückbaukosten sitzen bleibt, müssen finanzielle Rücklagen und Bürgschaften für den Rückbau bereitgestellt werden. Damit sichergestellt wird, dass die Verpflichtung auch tatsächlich eingehalten wird und der Verursacher die Kosten für den Rückbau trägt, muss der Anlagenbetreiber oder Vorhabenträger bis spätestens zum Baubeginn eine finanzielle Sicherheitsleistung beibringen, in der Regel eine selbstschuldnerische Bankbürgschaft, sodass im Falle einer Insolvenz die eingebrachte Rücklage zum Tragen kommen kann.  In einer Nebenbestimmung kann außerdem zum Beispiel geregelt werden, dass bei einem Betreiberwechsels eine neue Bankbürgschaft vorgelegt werden muss. Eine Sicherheit für den Grundstückseigentümer/Verpächter oder die Gemeinde besteht dennoch nicht.

Gigantisches Volumen

Die moderne E 126 erreicht eine Gesamthöhe von fast 200 Metern. Sie benötigt ein Fundament von 1.500 Kubikmetern Beton, der mit 180 Tonnen Stahl armiert ist. Auf dem runden Fundament, das 3.500 Tonnen wiegt, steht der Turm aus konischen Stahlbeton-Segmenten, der 2.800 Tonnen auf die Waage bringt. Das auf dem Turm sitzende Maschinenhaus mit Generator wiegt 340 Tonnen, die Nabe mit den Rotorflügeln aus glasfaserverstärktem Kunststoff noch einmal 320 Tonnen. Damit der Boden das Gesamtgewicht von über 7.000 Tonnen tragen kann, muss er zuvor mithilfe von Schottergranulat, das in 30 Meter tiefe Bohrlöcher gepresst wird, verdichtet werden.

Wie teuer ist der Rückbau einer Windkraftanlage?

Der Windenergie-Erlass NRW sieht vor,  dass die Sicherheitsleistung „den Rückbau der Windenergieanlage einschließlich des den Boden versiegelnden Fundaments am Ende der voraussichtlichen Lebensdauer der Anlage vollständig abdecken“ muss (Windenergie-Erlass NRW, Ziffer 5.2.2.4). Danach sind 6,5 Prozent der Gesamtinvestitionskosten des Vorhabens als Sicherheitsleistung anzusetzen, je nach Hersteller und Bautyp auch höher oder niedriger. Die Einschätzung übernimmt ein Fachunternehmen (z. B. Abbruchunternehmen). Die zuständige Genehmigungsbehörde hat einen Ermessensspielraum, sie muss den zukünftigen finanziellen Aufwand für den Rückbau prognostisch abschätzen.

NRW nennt ein Beispiel: Betragen die Gesamtinvestitionskosten für eine Anlage zwei Millionen Euro so ist eine Sicherheitsleistung in Höhe von 130.000 Euro je Anlage (6,5 Prozent) nachzuweisen (z. B. Bankbürgschaft), sofern keine hiervon abweichenden Kosten festgestellt werden.  Für alle bis zur Novelle des Baugesetzbuches im Sommer 2004 errichteten Windenergieanlagen greifen diese Regelungen aufgrund des Bestandsschutzes nicht in dieser umfassenden Form. Es gibt lediglich bauordnungsrechtliche Möglichkeiten, den Rückbau im Falle der Betriebsaufgabe behördliche anzuordnen. Dies bedeutet aber einen finanziellen Aufwand, den man dadurch zu umgehen versucht, dass “finanzielle Anreize” geschaffen wurden, um die alte Anlage durch eine neue, effizientere Anlage zu ersetzen (Repowering).

Auf die brandenburgischen Richtwerte beruft sich auch beruft sich auch klimaretter.info. Zehn Prozent der Rohbausumme, die wiederum mit 40 Prozent der Herstellungskosten angesetzt wird, für den Rückbau kalkuliert werden müssen – am Ende seien  das also vier Prozent der Baukosten. Das Onlinemagazin lässt einen Sprecher des Bundesverbandes Windenergie zu Wort kommen, der sagt, dass man in der Praxis von etwa 30.000 Euro pro Megawatt installierter Kraftwerksleistung ausgehen könne. Dieser Wert entspreche “den heutigen Erkenntnissen”. Auf die Windenergieanlage Enercon WKA E-126 umgerechnet betrüge der notwendige Rückstellung rund 60.000 Euro pro Megawatt installierter Kraftwerksleistung, insgesamt 440.000 Euro.

Ob damit die Rückbaukosten wirklich abgedeckt sind, ist fraglich. Und ob tatsächlich 6,5 Prozent der Gesamtinvestitionskosten des Vorhabens als Sicherheitsleistung angesetzt werden, unterliegt einem Ermessensspielraum der Genehmigungsbehörde.

Aus Frankreich liegt der Kostenvoranschlag einer Abbruchfirmen im Departement Aisne vor. Er kommt auf rund  345.000 Euro pro Windrad, ohne Mehrwertsteuer. Dabei ist das Gelände frei zugänglich.

Was gehört zum Rückbau einer Windkraftanlage?

Die Verpflichtung zum Rückbau des gesamten Vorhabens beinhalte die Beseitigung der baulichen Anlagen einschließlich Nebenanlagen, Leitungen, Wege und Plätze und der durch die Anlagen bewirkten Bodenversiegelung. Ziel sei es dabei, den ursprünglichen Zustand mit der entsprechenden Bodenqualität wiederherzustellen. Diese Erläuterung erhielt der CDU-Abgeordneten Steeven Bretz, Brandenburg, auf eine kleine Anfrage. Er wollte wissen:

“Welche Auflagen sind mit dem Rückbau von Windkraftanlagen – insbesondere im Hinblick auf eine vollständige Beseitigung und Entsorgung der Stahlbetonfundamente, der Türme und Turbinen sowie der Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes im Bereich der Zuwegung und der von den Windkraftanlagen genutzten Fläche – verbunden?”

Der Umfang der Beseitigungspflicht wird nicht generell, sondern nur im Einzelfall festgelegt. Der zuständigen Behörde muss im Falle der dauerhaften Nutzungsaufgabe von Windkraftanlagen ein Konzept für die Beseitigung der Anlage vorgelegt werden. Die unteren Bauaufsichtsbehörden sind nach § 74 Abs. 1 BbgBO ermächtigt, Beseitigungsanordnungen zur Herstellung rechtmäßiger Zustände zu erlassen.

Die Behörde entscheidet über den Umfang der Rückbaumaßnahmen. Wie detailliert müssen der Abbau der Anlage einschließlich Fundament, die Beseitigung der Nebenanlagen (z.B. Trafostation), die Beseitigung der Wege und sonstiger versiegelter Flächen (z.B. Kranstellflächen), die Beseitigung von Anpflanzungen und die anschließende Rekultivierung aufgeführt werden? Wenn die Behörden bei der Genehmigung unterschätzt haben, werden sie Nach-Forderungen stellen können?

Die Berechnung der Rückbaukosten

Bei der Berechnung der Rückbaukosten wird von der Öffentlichkeit häufig nur dem Abbau der Rotorblätter, der Gondel und des Schaftes Beachtung geschenkt, vielleicht noch der Zuwegung, den Kabeln und Trafohäuschen, weniger dem Fundament. Und das hat, wie man sieht, gute Gründe.

Das erste Video zeigt den spektakulären Rückbau von insgesamt drei Windkraftanlagen auf der Hornisgrinde, die durch eine einzige, größere Anlage ersetzt wurden (Repowering).  Es handelt sich um zwei Seewind Modelle, ein Modell 20/110 mit 110 kW und ein Modell 25/132 mit 132 kW, ersetzt durch eine Enercon E-70. Die Beseitigung der beiden Fundamente wird nicht gezeigt.

Das zweite Video dokumentiert die Beseitigung des Fundaments einer relativen kleinen Windkraftanlage (Nordex N50, am Standort Kirchberg Jagst in Kleinallmerspann). Das Fundament wird vollständig entfernt. Die Arbeit gibt  eine Vorstellung von dem Aufwand, der bei größeren Anlagen getrieben werden muss.

Das Fundament einer 200 m hohen und 7.000 Tonnen schweren Enercon WKA E-126 wiegt 3.500 Tonnen und besteht aus 1.400 Kubikmetern hochfestem Beton. Völlig zu Recht bemerkt ein Youtube-Nutzer, dass so ein Rückbau von Windkraftanlagen wirklich zeitaufwändig sei , wenn er sich dieses Video ansehe. Ihn interessiere, wie lang es dann dauern würde, bis man ein Fundament von zum Beispiel einer Enercon E-126 vollständig entfernt habe?

Berechnungen der Rückbaukosten weichen extrem stark voneinander ab. Bei der Planung kann in einem ersten Schritt ein Steuerberater einer Gemeinde oder einer Bürgerinitiative für eine Wirtschaftlichkeitsberechnung von Windkraftanlagen hilfreich sein, wie Johann Richter zeigt. Er setzte 2011 für eine Rückbaurückstellung jährlich einen Betrag von € 12.500 an (€ 250.000 in 20 Jahren) an und empfahl wegen der extremen Unterschiede bei Gewinn- und Verlustberechnungen, seine Berechnungen von einem neutralen Gutachter überprüfen zu lassen.

Die Baukosten der E-126 zum Beispiel betragen 11 Mio €. Ein Rückbau kann bei 6,5 % der Baukosten in 20 Jahren, wie laut Windenergie-Erlass NRW vorgesehen, nicht nur € 700.000, sondern ohne weiteres auch eine Million Euro und mehr kosten.

Keine detaillierte Aufschlüsselung für den Rückbau erforderlich

In der bereits erwähnten kleinen Anfrage wollte der Abgeordnete Steeven Bretz, CDU-Fraktion Brandenburg, wissen: “Wie hoch sind die Kosten für den Rückbau erfahrungsgemäß?” Er bat um eine detaillierte Aufschlüsselung nach Rückbau der Zuwege und genutzten Flächen, nach Rückbau und Entsorgung des Turmes und der Turbine in Abhängigkeit zur Größe des Windrades und nach Rückbau und Entsorgung des Betonfundamentes in Abhängigkeit zur Größe des Windrades.

Das Bundesland Brandenburg antwortete, es setze bei der Ermittlung der Rückbaukosten und nach der Verwaltungsvorschrift zur BbgBO (Nr. 67.3.3.7) 10 Prozent der Rohbaukosten an. Bei Windenergieanlagen seien als fiktive Rohbausumme 40 Prozent der Herstellungskosten gemäß § 4 Absatz 2 Satz 3 der Brandenburgischen Baugebührenordnung (BbgBauGebO) zu berücksichtigen und kommt damit für eine Enercon WKA E-126 auf einen  Rückstellungsbetrag von € 440.000.

Eine detaillierte Aufschlüsselung erhielt der Abgeordnete allerdings nicht. Begründung: “Sonstige Erfahrungswerte zu den Rückbaukosten liegen nicht vor.”

Der Teufel steckt im Kleingedruckten

Das Neumarkter Landratsamt hatte 2013 den Betreiber eines großen Windrades vor der Errichtung oder Inbetriebnahme der Anlage zu einer Sicherheitsleistung in Form einer „selbstschuldnerischen“ Bankbürgschaft in Höhe von 770.00 Euro verpflichtet. Die Sicherheit sollte dazu dienen, dass am Lebensende einer Windmühle nicht eine Ruine in der Landschaft stehen bleibt, sondern dass der uralte Stromerzeuger „rückgebaut“, spurlos beseitigt werden kann — auch dann, wenn vielleicht der Betreiber dafür nicht aufkommen kann, weil er längst insolvent ist.  Das Landratsamt geht von einer Lebensdauer derAnlagen von zwei oder drei Jahrzehnten aus. Nach seiner Darstellung ist dieses Verhalten bei den Rückstellungen für den Abbau nicht bei allen Investoren gegeben: „Zum Teil werden die Rückbaukosten zu niedrig angesetzt“, sagt Jürgen Schreiner von der Landkreisbehörde. Die Bürgschaften dienten dazu, dass die öffentliche Hand im Notfall das Geld hat, um eine ausgemusterte Anlage beseitigen zu lassen — wobei die Gemeinden und Kreise trotz der möglichen „Ersatzvornahme“ nie Eigentümer der Windräder werden.

Doch der Teufel steckt in allerlei Kleingedrucktem — vor allem für die Grundstückseigentümer. Denn in zahlreichen Fällen verkaufen die Land- und Forstwirte jene 2000 bis 3000 Quadratmeter pro Windrad nicht an die Investoren, sondern verpachten sie langfristig und bleiben Eigentümer. Für die könnte es tatsächlich eng werden, wenn der Betreiber längst in einer Insolvenz untergegangen ist. Denn nach Angaben des Landratsamtes haftet zuerst der Grundstückseigentümer notfalls aus der Privatschatulle; die von den Genehmigungsbehörden erwirkte Bankbürgschaft sei da „nachrangig“, erklärt Jürgen Schreiner.

Für eine dynamische Anpassung der Rückbaukosten gibt es keine rechtliche Handhabe

Der Bayerische Bauernverband (BBV) und der Landkreis als Genehmigungsbehörde beklagen gleichermaßen: Eine Anpassung der zu erwartenden Rückbaukosten sei nach einem gewissen Zeitablauf durch Gutachten und Neubewertung nur möglich, wenn sich der Investor kooperativ zeige und diese freiwillig vereinbare. BBV-Geschäftsführer Bayerl fordert hier unmissverständlich eine Absicherung „von Amts wegen“. Doch Jürgen Schreiner vom Landratsamt bedauert: „Wir sind uns des Problems bewusst, aber es gibt keine rechtliche Handhabe, eine Dynamisierung einzubauen.“

Die Windkraftlobby erzählt den Bürgern gerne von den hohen Rückbaukosten der Kernkraftwerke. Die Rückbaukosten der Windräder bleiben bleiben entweder unerwähnt oder werden sehr niedrig angesetzt.

In Zusammenhang mit der Wirtschaftlichkeitsberechnung lohnt es sich für Ratsmitglieder eine kritische Schrift über „Kommunale Windparks“ der Gemeinde Weisenheim, über die wir 2014 berichtet haben, nachzulesen.

Versteckte Rückbaukosten, Rosstäuscher  – alles ganz easy!

“Windräder erzeugen umweltfreundlichen Strom, können jederzeit wieder demontiert werden ohne strahlende Erde zu hinterlassen und sie helfen die CO 2 Problematik zu entschärfen.” So oder ähnlich werben die Hersteller von Windkraftindustrieanlagen, aber auch die Anhänger der Erneuerbaren Energien. Die Rotorblätter, die Gondel und der Generator werden per Kran vom Turm gehievt und anschließend in ihre Einzelteile zerlegt. Das Kupfer aus den Kabeln oder der Stahl aus den oberen Turmsegmenten lässt sich wiederverwenden. Der Betonturm wird vor Ort zersägt oder gesprengt. Das Material lässt sich für den Straßenbau verwenden. Die Rotorblätter würden in der Regel geschreddert und als Brennmaterial in der Zementindustrie genutzt. Vieles davon lasse sich wiederverwerten. So einfach stellt topagrar der Rückbau dar. Er koste nach Angaben des Instituts für Integrierte Produktion Hannover (IPH), auf das sich topagrar beruft, zwischen 20.000 und 30.000 Euro pro Anlage. Die Einnahmen aus dem Verkauf der Rohstoffe seien dabei schon eingerechnet.

Die Einnahmen aus dem Verkauf der Rohstoffe lassen sich nicht beziffern. Es gibt keine Möglichkeit, die Menge der Rotorblätter, die in den nächsten Jahren anfallen wird, ohne schwerwiegende gesundheitliche Schäden für die Bevölkerung zu entsorgen.  Die Realität der Energiewende sieht so aus: Windkraftanlagen sind SONDERMÜLL! Seit 2005 bleibt nur die thermische Beseitigung und Verwertung der Rotorblätter, vorrangig in Müllverbrennungsanlagen und Zementwerken oder der Export oder die Deponierung. Nach dem Recycling, falls es denn stattfindet, bleiben schätzungsweise an die 20 Prozent nicht wiederverwertbaren Abfalls zurück. Radioaktivität zerfällt, die nuklearen Abfälle aus Kernkraftwerken lassen sich recyclen, Sondermüll bleibt ewig giftig.

Der Rückbau von Windkraftanlagen ist nicht nur aufwändig, sondern auch teuer, und die Kosten für den Sondermüll sind unkalkulierbar. Der Rückbau einer einzigen Anlage kann für den Grundstückseigentümer/Verpächter/die Gemeinde den wirtschaftlichen Ruin bedeuten. Die Untertreibung der Kosten durch topagrar ist schlichtweg ein Skandal.

Demontage-Unternehmen warten auf Aufträge. Aber eine Gewähr, dass die Windkraftanlagen im großen Stil demontiert werden können, dass es sich für die Abbaufirmen und Windparkbetreiber überhaupt lohnt, gibt es nicht. Bekannt ist lediglich, dass sich die bisherige Demontage-Strategie nicht mehr lohnen werden, meinen die Mitarbeiter am IPH. Es gibt Überlegungen dazu, mehr nicht. “Müsste”, “könnte” – die üblichen Konjunktive der Erneuerbaren Industrie.


James Lovelock ist einer der Gründerväter der grünen Bewegung. Berühmt wurde er für seine Erfindung der “Gaia-Theorie”. Er hat seine Verzweiflung zum Ausdruck gebracht, dass die ursprünglichen Absichten der Bewegung missverstanden worden seien, als Lizenz, unser “unbezahlbares ökologisches Erbe” beiseite zu schaffen. In einem Brief an eine örtliche Planungsbehörde schrieb James Lovelock:

“Wir müssen dafür Sorge tragen, dass die sich drehenden Windmühlen nicht wie die Statuen auf den Osterinseln werden – Denkmäler einer gescheiterten Zivilisation.”


Quellen:

  • http://www.nordbayern.de/region/neumarkt/ruckbau-von-windradern-finanziell-riskant-1.3268766
  • http://www.energiedialog.nrw.de/rueckbau-von-windenergieanlagen-eine-ungeloeste-problematik/
  • http://www.bi-greinereck.de/images/document/869592/Wirtschaftlichkeit_von_Windkraftanlagen-Vortrag-1.pdf
  • http://www.wattenrat.de/2015/02/03/rueckbau-von-windkraftanlagen-wer-entsorgt-die-fundamente/
  • http://www.nordbayern.de/region/neumarkt/ruckbau-von-windradern-finanziell-riskant-1.3268766
  • http://www.steeven-bretz.de/image/inhalte/file/KA%2064%20Antwort.pdf
  • http://www.klimaretter.info/energie/hintergrund/19919-wenn-windraeder-zu-alt-werden
  • https://www.topagrar.com/news/Energie-Energienews-So-soll-der-Rueckbau-von-Windkraftanlagen-gelingen-2832044.html
  • http://www.stop-eolien02.fr/2016/11/demantelement-le-cout-reel.html
  • http://www.wind-turbine-models.com/turbines/392-nordex-n-50
  • http://www.windenergie-im-binnenland.de/foundations.php
  • http://www.epenportal.de/web/datapool/storage/files101784/ENERCON_Entsorgungskosten.pdf
  • http://www.windenergie-im-binnenland.de/foundations.php
  • http://ruhrkultour.de/wp-content/uploads/2017/01/Windrad-Demontage-Fundamente.pdf

Fotos:
Windräder Silhouette: https://pixabay.com/de/wind-windpark-landschaft-licht-sun-374904/
Osterinseln: MattJP, “tongariki sunrise visitors”, © www.piqs.de


Ruhrkultour Leseempfehlung:

etscheit_

VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 3.0/5 (2 votes cast)

Großwindanlagen: Die Verbrechen der Saubermänner

Prof. Michael Elicker, Staatsrechtler, schildert in einem Beitrag die Möglichkeiten, mit Mitteln des Strafrechts gegen Windkraft-Großprojekte vorzugehen. Er nennt Beispiele für strafbares Verhalten der Vertreter von Windkraftunternehmen, Kommunen und Genehmigungsbehörden. Sie können Betroffenen helfen, Straftaten zu erkennen und den kriminellen Akteuren durch entsprechende Anzeigen das Handwerk zu legen.

Großwindanlagen:
Die Verbrechen der Saubermänner

Oder: Immer Ärger mit JUWI

Foto: bugdriver

Bürger- und naturschutzfreundliche Vorgaben des Europarechts und insbesondere der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes zum Klagerecht im Bereich des Naturschutzes wurden von der Bundesrepublik Deutschland bisher unzureichend umgesetzt. Auch halten die meisten deutschen Verwaltungsgerichte entgegen des Europarechts an einer äußerst restriktiven Umgrenzung des Personenkreises fest, der zu Klagen gegen die Industrialisierung unserer Naturräume durch Großwindanlagen befugt sein soll. Natur und viele Bürger werden dadurch im Ergebnis weitgehend (rechts-)schutzlos gestellt. Es kann noch so illegal in den Wäldern gewütet werden – dem vor den Verwaltungsgerichten klagenden Bürger wird in der Regel schon auf der Ebene der Zulässigkeit gesagt, dass ihn das alles nichts angehe.

Neben dem fortdauernden juristischen Kampf um die Durchsetzung des bürgerfreundlichen europäischen Rechts muss daher eine weitere Möglichkeit der Abwehr in den Vordergrund treten, um eine Art von Waffengleichheit zwischen betroffenen Anwohnern und Natur auf der einen Seite und den so vielfach von Staat und Kommunen begünstigten Windkraft-“Investoren” auf der anderen Seite herzustellen: Das “scharfe Schwert” des Strafrechts. Aus persönlicher Erfahrung kann ich berichten, dass die meisten erfolgreichen Abwehrkämpfe gegen entsprechende Großprojekte auch eine strafrechtliche Komponente hatten.

Dieser Beitrag soll Beispiele für strafbares Verhalten der Vertreter von Windkraftunternehmen, Kommunen und Genehmigungsbehörden geben, die Betroffenen helfen können, Straftaten zu erkennen und den kriminellen Akteuren durch entsprechende Anzeigen das Handwerk zu legen. Nicht von ungefähr hat es in jüngster Zeit mehrere juristische Veröffentlichungen zu strafrechtlichen Fallstricken und kriminellem Verhalten sowohl aufseiten der Unternehmen der Branche als auch aufseiten der öffentlichen Hand gegeben.

 

Teil 1: Ausgangssituation, Verbrechen (!) des banden- und gewerbsmäßigen Betruges

Auf die harte Tour lernen mussten es viele Kommunen oder auch Kleinanleger, die sich als Betreiber an “Windpark”-Projekten beteiligt haben, dass die Gewinne jedenfalls im Bereich des Binnenlandes in Projektierung, Aufstellung und Vertrieb von Anlagen liegen, nicht aber im Betrieb der Räder. Deshalb bemühten und bemühen sich die Initiatoren ja gerade stets darum, “Dumme”, d.h. vor allem Kommunen und Bürger zu finden, die den undankbaren Part des Betreibers übernehmen und ihr Geld damit verbrennen.

Bitte lesen Sie hier weiter: https://deutscherarbeitgeberverband.de/aktuelles/2016/2016_02_03_dav_aktuelles_grosswindanlagen.html


Ruhrkultour Leseempfehlungen: 

elicker

Versand kostenfrei

etscheit_

 

VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 0.0/5 (0 votes cast)

Die chaotische Windkraft ist die Ursache für Süd-Australiens Blackout

cohesion-1156942_640Die bisher bekannten großflächigen Stromausfälle (Blackouts) haben unterschiedliche Ursachen, wie zum Beispiel der Stromausfall 2003 in den USA, der durch einen Softwarefehler verursacht wurde, oder der Stromausfall in Europa im November 2006, der auf einer mangelhaften Planung einer zeitweiligen Abschaltung zweier Hochspannungsleitungen beruhte. Neu sind dagegen systembedingte Blackouts, die nicht auf einzelnen Fehlern beruhen, sondern ausschließlich mit der Einspeisung des Stroms aus Erneuerbaren Energien in die Stromnetze zusammenhängen.

Das Risiko flächendeckender Blackouts steigt, weil die Stromsysteme nicht mit schnellen oder großen Frequenzschwankungen der Erneuerbaren Energien fertig werden können.

Ein Untersuchungsbericht der Australischen Energiemarktkommission, über den “Stop These Things” * informiert, kommt zu dem Ergebnis, dass Frequenzschwankungen am 28. September letztlich zu einem “schwarzen System” (Blackout) in Süd-Australien geführt haben. Die Kommission war im Jahr 2005 von der australischen Regierung eingesetzt worden, um die wichtigsten Energiemärkte zu überwachen. Sie fand heraus, dass das Netz am sichersten sei, wenn Spannung und Frequenz durch einen sofortigen Ausgleich der Stromversorgung gegenüber der Nachfrage ausbalanciert werden. Große Abweichungen oder schnelle Frequenzänderungen könnten die Abschaltung der Stromquellen zur Folge haben, was möglicherweise zu kaskadierenden Stromausfällen und schließlich zu einem “schwarzen System” führe, warnt der Bericht.

In Südaustralien war am 28. September die Stromversorgung zusammengebrochen, nachdem Stürme die Übertragungsleitungen außer Funktion gesetzt hatten und das vom Wind abhängige Stromnetz des Staates nicht mit der plötzlichen, schnellen und großen Frequenzabweichung fertig werden konnte. Zugleich war die Verbindung mit Victoria unterbrochen, auf die Süd-Australien für eine stabile Grundlast hätte zurückgreifen können.

Der Kommissions-Bericht besagt, dass Spinngeneratoren, Motoren und andere Vorrichtungen, die mit der Frequenz des Elektrizitätssystems synchronisiert sind, in der Vergangenheit eine natürliche Trägheit geschaffen haben, die es dem System ermöglicht hat, unkontrollierte Frequenzänderungen zu bewältigen. Aber Technologien wie Wind oder Solar haben keine oder eine sehr niedrige Trägheit und daher nur eine begrenzte Fähigkeit, schnelle Frequenzänderungen zu dämpfen. “Die Suche nach neuen Wegen zur Trägheit und Reaktion auf Frequenzänderungen erfordere Arbeit”, sagte Kommissionspräsident John Pierce.

Der Energieminister Josh Frydenberg erklärte, die Regierung von Turnbull habe den Bericht begrüßt, da er die Angriffe auf die Verfolgung unrealistisch hoher Ziele in Bezug auf die Erneuerbare Energien stärke. “Sie haben nicht berücksichtigt, dass die zunehmende Menge an Solar- und Windenergie, die sie in das System einspeisen, die Energiesicherheit auf dem nationalen Strommarkt verringert”, sagte er. Die zunehmende Menge an Solar und Wind sei eine echte Herausforderung für die Sicherheit des nationalen Elektrizitätsmarktes, da es sich um nicht-synchrone Erzeugungstechnologien handle. Statt dessen habe man mit Blick auf die Vorteile von Wasserkraft, Gas und Kohle die Sicherheit des Stromnetzes für selbstverständlich gehalten. Da mehr intermittierender Strom ins Netz komme, müssten neue Märkte für Dinge wie Trägheit geschaffen werden, die für die Energiesicherheit wesentlich seien.

Der australische Energieminister Tom Koutsantonis sagte, es gebe eine dringende Notwendigkeit für eine nationale Politik, die Erneuerbaren Energien in den nationalen Energiemarkt zu integrieren. Der aktuelle Mangel an föderaler Führung zu diesem Thema sei, dass Kohlekraftwerke in einer ungeplanten Art und Weise vom Markt genommen werden, ohne Investitionen in die neuen Entwicklungen zu tätigen.

Kritiker warnen vor einem schnellen Ausstieg aus Kohle und Gas, weil dadurch die Gefahr von Blackouts wachse. “Stop These Things” bezeichnet es als blamabel, dass der australische Energiemarktbetreiber (AEMO), der für den Betrieb der größten Gas- und Elektrizitätsmärkte Australiens und der Energiesysteme verantwortlich ist, versucht, die Windparkbetreiber wegen angeblich fehlender Informationen zur Gefahr eines Blackouts zu beschuldigen, selbst aber nicht über das technologische Risiko eines flächendeckenden Blackouts informiert zu sein scheint. Es würde genügen, im Internet zu recherchieren, um das technologische Risiko zu begreifen, sagen die australischen Windkraftgegner und verweisen auf Siemens, eine Quelle, die auch deutschen Windkraftanlagenbetreibern und Verantwortlichen leicht zugänglich ist. Siemens wäscht seine Hände in Unschuld, denn das Unternehmen, eines der vier größten Windkraftanlagenbauer der Welt, weist auf seiner Internetseite (in englischer und deutscher Sprache) auf das Risiko hin:

“Die Natur stellt uns vor verschiedene Herausforderungen. Starker Wind kann extrem hohe mechanische Belastungen erzeugen, daher sind Windkraftanlagen normalerweise so programmiert, dass sie sich automatisch abschalten, wenn die Windgeschwindigkeit im 10-Minuten-Durchschnitt 25 m/s überschreitet. Dies kann eine erhebliche Herausforderung für das Netzsystem darstellen, z. B. wenn sich die Anlagen in großen Windparks gleichzeitig abschalten. Das „High Wind Ride Through“-System zur Verbesserung der Netzstabilität ersetzt das festgelegte Abschalten bei einer bestimmten Windgeschwindigkeit durch eine intelligente, lastabhängige Reduktion der Leistung bei hohen Windgeschwindigkeiten. Diese Lösung ermöglicht eine stabilere Netzeinspeisung durch Windkraftanlagen.”

Stabiler als was? “Stabilere” heißt: Nicht stabil. Sind die Netzbetreiber auf eine gleichzeitige Abschaltung großer Windparks bei Sturm oder Hackerangriffen vorbereitet? Südaustralien hatte sein letztes Kolekraftwerk erst im April 2016 abgeschaltet.

Noch sind Kohle- und Kernkraftwerke in Deutschland in Betrieb. Aber die Energieziele der Bundesregierung haben ein Eigenleben entwickelt und sich von den physikalisch-technischen Möglichkeiten losgelöst. Mit jeder neu hinzu kommenden  Windkraftindustrieanlage und der gesetzlichen Regelung, dass Erneuerbare Energien vorrangig ins Stromnetz eingespeist werden, wächst die Gefahr für einen längerfristigen Blackout. Der Stromausfall geht schnell, nicht aber die Synchronisation der Netze. Sie kann Tage, wenn nicht Wochen dauern.

“Windkraftanlagen tun was bei Stürmen? Nein, können Sie nicht hören?”

Quelle:

Chaotic Wind Power the Cause of South Australia’s Infamous Blackouts

*”Stop These Things” ist eine australische “Küchentisch Gruppe” (“kitchen table group”), die über Fehlentwicklungen der Windindustrie und Energiepolitik in Australien informiert. Die Gruppe besteht aus Bürgern, ist nach eigenen Angaben von keiner politischen Partei oder der Industrie abhängig und erhält auch keine Finanzierung von außenstehenden Gruppen oder Einzelpersonen. Sie informierte unter anderem über den Blackout im September 2016.

Foto: pixabay


Ruhrkultour Leseempfehlung:

Versand kostenfrei. Der Ingenieur Michael Limburg und der Wissenschaftsjournalist Fred F. Mueller erklären in einfachen, auch für Laien leicht verständliche Weise, wie unser Stromversorgungssystem funktioniert.

Versand kostenfrei

VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 0.0/5 (0 votes cast)

Strom aus Atommüll – Fiktion, oder was?

Gäbe es keinen “Atommüll”, wäre die bunte Welt der Kernkraftgegner um einen wichtigen Punkt ärmer. Denn die Kernkraftgegner wollen partout nicht auf diesen identitätsstiftenden “Green Blob” verzichten. Aber es gibt eine Lösung, keine Wunschvorstellung, sondern ein real existierendes Kernkraftwerk, das etwas kann, wozu kein Windrad in der Lage ist: Aus nuklearen Abfällen Strom gewinnen. Dominic Wipplinger und Rainer Klute stellen diese umweltfreundliche Technik vor.

Strom aus Atommüll: Schneller Reaktor BN-800 im kommerziellen Leistungsbetrieb

bn-800_-_strom_aus_atommuell_-_wer_etwas_will_findet_wege

Foto: Rosatom

Seit dem 31. Oktober 2016 und damit gut einem Monat läuft Block 4 des russischen Kernkraftwerks Beloyarsk im kommerziellen Leistungsbetrieb. Es handelt sich um einen sogenannten Schnellen Reaktor vom Typ BN-800 mit einigen Eigenschaften, die ihn vom Gros der sonst üblichen Leichtwasserreaktoren abheben. Für das amerikanische Kraftwerkstechnikfachmagazins „POWER Magazine“ waren diese Besonderheiten jüngst Grund genug, der noch jungen Anlage die Auszeichnung „Top Plant“ zu verleihen.

Ein wesentlicher Punkt, der zu dieser Entscheidung führte, ist die Fähigkeit des BN-800, nicht nur Uran, sondern auch Plutonium und die übrigen Transurane als Brennstoff zu nutzen. Diese hochradioaktiven und langlebigen Stoffe fallen beim Betrieb üblicher Kernreaktoren als Atommüll an und lassen sich dort nicht weiter verwerten. Allerdings enthalten diese Abfälle noch 96 Prozent der ursprünglich im Kernbrennstoff steckenden Energie, also fast alles. Schnelle Reaktoren wie der BN-800 sind in der Lage, diese Energie freizusetzen und Strom daraus zu gewinnen. Die bessere Brennstoffausnutzung führt zu viel weniger Reststoffen, die außerdem erheblich geringere Halbwertszeiten aufweisen und somit viel schneller abklingen.

Russland will die Abfälle herkömmlicher Leichtwasserreaktoren reyclen und das Atommüllproblem innerhalb der nächsten Jahrzehnte mit Hilfe Schneller Reaktoren lösen. Fachleute nennen das Atommüll-Recycling auch das »Schließen des Brennstoffkreislaufs«. Der BN-800 ist für Russland ein wichtiger Meilenstein auf diesem Weg. Er zeigt, dass das Verfahren funktioniert – und zwar nicht nur im Labor oder mit einem Forschungsreaktor, sondern in einer industriellen Großanlage im kommerziellen Leistungsbetrieb mit einer planbaren und zuverlässigen Einspeisung von 800 Megawatt in das Stromnetz der Oblast Swerdlowsk.

geschlossener_brennstoffkreislauf_mit_thermischen_reaktoren_und_schnellen_bruetern

Geschlossener Brennstoffkreislauf mit thermischen Reaktoren und Schnellen Brütern. Quelle: Deutsche Nucleopedia

Von Beloyarsk 4 versprechen sich die russischen Reaktorbauer wichtige Betriebserfahrungen für den Nachfolger des BN-800: Der BN-1200 soll eine um 50 Prozent höhere Leistung bringen, zugleich aber einfacher und preiswerter als der BN-800 sein und weiter gesteigerte Sicherheit bieten. Der erste der BN-1200-Reaktoren soll ebenfalls am Standort Beloyarsk entstehen; eine Entscheidung darüber wird 2019 erwartet und hängt von den Ergebnissen des BN-800 ab.

Der Reaktorkern des BN-800 wird nicht mit Wasser gekühlt, sondern mit flüssigem Natrium. Anders als in gewöhnlichen Kernkraftwerken gibt es keinen Moderator, der die bei der Kernspaltung freiwerdenden Neutronen abbremst. Der BN-800 arbeitet mit schnellen, energiereichen Neutronen – daher die Bezeichnung »Schneller« Reaktor. Zwar sind weltweit eine ganze Reihe Schneller Reaktoren in Betrieb, doch ist Beloyarsk 4 nach Stilllegung des französischen Superphénix 1997 der leistungsstärkste und zusammen mit seinem Vorläufer BN-600 der einzige kommerziell betriebene Kernkraftwerksblock mit einem derartigen Reaktor. Der BN-600 steht als Block 3 ebenfalls im Kernkraftwerk Beloyarsk und ist bereits seit 1980 in Betrieb.

Der BN-800 nutzt im Gegensatz zu den meisten gewöhnlichen Kernkraftwerken kein angereichertes Uran als Brennstoff, sondern Plutonium-Uran Mischoxid (MOX). In seiner gegenwärtigen Kernkonfiguration kommen Plutonium aus ehemaligen sowjetischen Kernwaffen sowie abgereichertes Uran zum Einsatz, das als Abfallprodukt bei Anreicherung und Wiederaufarbeitung anfällt. Damit soll der BN-800 den russisch-amerikanischen Abrüstungsvertrag (START) erfüllen, der auf beiden Seiten die Vernichtung von 34 Tonnen waffenfähigen Plutoniums vorsieht. Allerdings setzte Russland Anfang Oktober 2016 den START-Vertrag einseitig aus. Präsident Putin warf den USA vor, ihren Verpflichtungen nicht nachzukommen, da das Land die Herstellung von Plutonium-Uran Brennstoff aufgegeben habe.

Wie es mit der Vernichtung des Waffenplutoniums in Russland weitergeht, ist noch unklar. Sie sollte sich eigentlich über die nächsten Jahre erstrecken. Jedenfalls kann der BN-800 wie erwähnt auch Plutonium aus den gebrauchten Brennelementen gewöhnlicher Kernkraftwerke als Brennstoff nutzen.

 

Effektive Plutonium-Verwertung

Als Schneller Reaktor kann der BN-800 Plutonium effektiver verwerten als ein gewöhnliches Kernkraftwerk mit thermischem Leichtwasserreaktor, in welchem die bei der Kernspaltung entstehenden Neutronen durch das auch als Moderator dienende Kühlwasser abgebremst werden. Beim Einsatz von Plutonium als Brennstoff in einem thermischen Reaktor wird nur ein Teil der Plutonium-239-Kerne gespalten. Ein anderer Teil wandelt sich durch Neutroneneinfang in Isotope wie beispielsweise Plutonium-240 oder Plutonium-242 um. Da Isotope mit gerader Massenzahl im thermischen Neutronenspektrum schlecht spaltbar sind, nimmt ihr Anteil immer weiter zu, bis sich das Plutonium nicht mehr für den Einsatz in thermischen Reaktoren eignet.

Schnelle Neutronen hingegen neigen eher als thermische Neutronen dazu, Plutoniumkerne zu spalten, statt von ihnen absorbiert zu werden. Vor allem aber können sie auch die im thermischen Spektrum schlecht spaltbaren Isotope zerlegen. In einem Brennstoffkreislauf mit thermischen und Schnellen Reaktoren lässt sich das Plutonium daher vollständig verwerten. Die Plutoniumqualität verschlechtert sich im Schnellen Reaktor nicht weiter, sondern verbessert sich sogar. Im Idealfall kann man auf diese Weise das gesamte anfallende Plutonium verwerten, sodass am Ende kein Plutonium übrigbleibt, das endgelagert werden müsste.

 

Kartogramm des BN-800-Reaktorkerns (Brenner mit Equilibrium-Brennstoffkreis) von innen nach außen:legende

 

Der BN-800 kann aber nicht nur vorhandenes Plutonium als Brennstoff nutzen, sondern auch neues Plutonium aus Uran-238 erbrüten. Natururan besteht fast vollständig aus Uran-238, genauer: zu 99,3 Prozent. Es ist ein Uran-Isotop, das von thermischen Neutronen nicht gespalten werden kann und daher in herkömmlichen Reaktoren fast nutzlos ist. Durch Neutroneneinfang wandelt sich ein Uran-238-Atom jedoch in ein gut spaltbares Plutonium-239-Atom um; man spricht von »Brüten«. Dieser Prozess ist an sich nichts Außergewöhnliches, findet in jedem normalen Kernreaktor statt und trägt durch die Spaltung der Plutonium-239-Kerne auch dort mit einem gewissen Anteil zur Gesamtleistung bei.

Gegenwärtig ist der Kern des BN-800 für die Vernichtung des Waffenplutonium ausgelegt; er arbeitet als »Schneller Brenner«. In einer anderen Kernkonfiguration kann er aber auch mehr Plutonium erbrüten als er verbraucht (»Schneller Brüter«). Dadurch lässt sich letztlich das gesamte Uran-238 als Brennstoff nutzen, sodass aus einer gegebenen Menge Natururan über 100 mal mehr Energie als in konventionellen Kernkraftwerken gewonnen werden kann. Abgebrannter Brennstoff wird fast vollständig wiederverwertet, sodass als Abfall nur die mit überschaubaren Halbwertszeiten von weniger als 100 Jahren radioaktiven Spaltprodukte sowie geringe Mengen an Transuranen zurückbleiben. Hier dürften in Russland künftig auch bleigekühlte Schnelle Reaktoren wie der BREST-300 eine Rolle spielen.

 

Höhere Temperaturen ermöglichen höhere Effizienz

Auch sonst bietet der BN-800 einige technische Besonderheiten und Vorteile gegenüber gewöhnlichen Kernkraftwerken. Durch die Verwendung von flüssigem Natrium als Kühlmittel erreicht er Dampftemperaturen von 490 °C. Zum Vergleich: Konventionelle Kernkraftwerke kommen auf Dampftemperaturen um 280 °C. Die höhere Temperatur ermöglicht eine kompaktere und effizientere Heißdampfturbine. Die thermodynamische Nettoeffizienz des Kraftwerks liegt bei fast 40 Prozent, während sie bei gewöhnlichen KKW oft nur rund 30 Prozent beträgt. Trotz der hohen Temperatur wird der Primärkreis des Reaktors nicht unter erhöhtem Druck betrieben, da Natrium auch bei Normaldruck erst bei etwa 900 °C siedet. Der Primärkreis des BN-800 ist mit primären Umwälzpumpen und Wärmetauschern vollständig in einem natriumgekühlten Reaktorkessel untergebracht, der sich wiederum in einem Sicherheitsbehälter befindet. Ein Kühlmittelverluststörfall im Primärkreis ist dadurch einfach zu beherrschen und gleichzeitig sehr unwahrscheinlich.

Da Natrium und Wasser chemisch unter starker Wärmefreisetzung heftig miteinander reagieren, wird, wie bei natriumgekühlten Reaktoren üblich, zwischen dem Primärkreislauf und dem Wasser-/Dampfkreislauf ein weiterer, nicht radioaktiver Natriumkreislauf eingesetzt. Dies verhindert, dass bei einer Dampferzeugerleckage radioaktives Natrium freigesetzt wird.

 

Schnelle Reaktoren: die Zukunft der Kernenergie

Mit dem BN-800 im kommerziellen Leistungsbetrieb stellt Russland seine Technologieführerschaft bei Schnellen Reaktoren eindrucksvoll unter Beweis. Dennoch arbeiten auch in anderen Teilen der Welt Staaten und Unternehmen an fortschrittlichen Reaktorkonzepten, die den hochaktiven, langlebigen Atommüll beseitigen und zugleich die Reichweite des Brennstoffs Uran um Jahrtausende verlängern, von Thorium als alternativem Kernbrennstoff ganz zu schweigen.

Speziell natriumgekühlte Schnelle Reaktoren sind in China und Indien von strategischer Bedeutung. Indien wartet auf den Abschluss des Genehmigungsverfahren zur Inbetriebnahme des Prototype Fast Breeder Reactors (PFBR) im Kernkraftwerk Kalpakkam. Ein Prototyp zwar, aber mit einer elektrischen Leistung von immerhin 500 Megawatt. Frankreich arbeitet am 600-MW-Demonstrationsreaktor ASTRID (Advanced Sodium Technological Reactor for Industrial Demonstration); eine Entscheidung über den Bau der Anlage soll 2019 fallen. Japan hat sich ASTRID wegen Problemen mit dem eigenen Schnellen Brüter Monju angeschlossen. Technisch besonders interessant ist der PRISM (Power Reactor Innovative Small Module) von GE Hitachi Nuclear Energy, da er metallische Brennelemente verwendet, die sich in einem besonders einfachen und kostengünstigen Verfahren, dem Pyroprozess, aufbereiten und per Stangengießverfahren herstellen lassen. Der Reaktor selbst ist fertig entwickelt und wartet auf einen ersten Kunden, möglicherweise Großbritannien, wo über 100 Tonnen Waffenplutonium zu entsorgen sind.

Schnelle Reaktoren sind die Zukunft der Kernenergie.

Mehr zum BN-800:
Mehr zum Atommüll:

 

Von Dominic Wipplinger und Rainer Klute


Dominic Wipplinger

Dominic Wipplinger studiert Elektrotechnik ist in der Österreichischen Kerntechnischen Gesellschaft und in der Nuklearia aktiv. Er hat bereits in etlichen Kernkraftwerken als Messtechniker gearbeitet.

 

 

Rainer Klute

Rainer Klute ist Diplom-Informatiker, Nebenfach-Physiker und Vorsitzender des Nuklearia e. V. Seine Berufung zur Kernenergie erfuhr er 2011, als durch Erdbeben und Tsunami in Japan und das nachfolgende Reaktorunglück im Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi auch einer seiner Söhne betroffen war.

 


Leseempfehlung Ruhrkultour:

humpich

 

VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 5.0/5 (2 votes cast)

Küchenphysik vom WDR oder: Wie man die Angst bei Laune hält

Angst verfliegt durch Aufklärung, Phobien sind hartnäckig, sie verschwinden manchmal nur mit Hilfe von Therapien. Nichts wäre schlimmer für Gegner der Kernenergie als der Verlust der Angst vor radioaktiver Gefahr. Das brächte Weltbilder zum Schmelzen. In gewissen Abständen wird deshalb immer wieder die Gefahr eines atomaren GAUs beschworen. Mal ist es ein Nagel in der Betonwand eines Reaktors, wo er nicht hingehört, mal sind es Risse, oder es sind die Notkühlwasser. Dass vielen Menschen durch die Nuklearmedizin das Leben gerettet wurde, dass jede Industrie Gefahren birgt, zum Teil größere, als das Risiko durch einen GAU zu sterben oder durch radioaktive Strahlen an Krebs zu erkranken, dass bis zu 40.000 Menschen jährlich durch Krankenhauskeime ihr Leben verlieren, ist für fundamentale Kernenergiegegner im Vergleich zu den Risiken von Kernkraftwerken ohne Bedeutung, obwohl kein Industriebauwerk besser bewacht, besser kontrolliert und transparenter sein dürfte. Die Relationen sind längst verloren gegangen, wie auch jetzt wieder beim Thema Vorheizen des Notkühlwassers.

ghost-156969_640In seiner jüngsten Kritik an Kernkraftwerken vermutet der für WDR und ARD tätige Journalist Jürgen Döschner, dass in zahlreichen Atomkraftwerken in Europa übermäßige Alterung und Materialfehler die Stabilität der Reaktordruckbehälter beeinträchtigen. Nach Recherchen von WDR und “Süddeutscher Zeitung” (SZ) sei in mindestens 18 aktiven Atomreaktoren in Tschechien, Belgien, Frankreich, Finnland und der Slowakei das Notkühlwasser auf bis zu 60 Grad Celsius vorgeheizt worden. Dadurch solle offenbar das Risiko verringert werden, dass der stählerne Reaktordruckbehälter reißt, wenn er bei einem Störfall mit zu kaltem Wasser gekühlt wird. Die Folge eines solchen Bruchs könnte eine Kernschmelze sein, sagt Döschner.

 

Dr. Anna Veronika Wendland erläutert, was dran ist am neuesten nuklearen Aufreger.

Die Historikerin Dr. Anna Veronika Wendland, Herder-Institut in Marburg, forscht zur Geschichte von Atomstädten und kerntechnischen Sicherheitskulturen. Ab und zu arbeitet sie dafür auch in Kernkraftwerken. Diesen Artikel hat sie zwischen zwei Spätschichten im KKW Grohnde im schönen Weserbergland geschrieben.

Breaking News: Wenn ich eine heiße Auflaufform aus dem Ofen nehme und sie kalt abschrecke, kann sie springen. Daher benutze ich warmes Wasser. WDR und Süddeutsche Zeitung haben diesen Effekt gerade entdeckt und Experten befragt, welche den sofortigen Produktionsstopp von Auflaufformen aus Glas fordern: zu gefährlich. Die Leute könnten ja fahrlässig doch kaltes Wasser wählen.

So ähnlich liest sich die angebliche Enthüllung des oben genannten Recherchenetzwerks über »marode Kernkraftwerke«, die man daran erkenne, dass ihr Notkühlwasser »offensichtlich« vorgeheizt werden müsse. Andernfalls könnten Risse im Reaktordruckbehälter entstehen. Aber wie soll man denn dann noch kühlen, wenn selbst das Notkühlwasser warm ist?

 

Physikkenntnisse? Nein danke!

Die Lösung liegt da, wo der WDR nicht gerne seine Nase hineinsteckt: in der Fachliteratur zur Kern- und Verfahrenstechnik. Bei 310 Grad Celsius mittlerer Kühlmitteltemperatur im Primärkreislauf eines Druckwasserreaktors sind auch 50 – 60 Grad Not»kühl«wasser zwar zu heiß für die Badewanne, aber nicht zu warm für einen Kernreaktor nach seiner Abschaltung. Dieses Wasser nimmt im Notkühlfall – wenn also ein Leck überspeist werden muss oder aus anderem Grunde die übliche Wärmeabfuhr über die Dampferzeuger nicht genutzt werden kann – immer noch genügend Wärme zur Abfuhr der Nachwärme aus dem Reaktorkern auf. Sie wird vom Notkühlsystem über Zwischen- und Nebenkühlsysteme weiter abgeführt.

Ich warte darauf, dass der WDR Anstoß an der Bezeichnung »Kühlmittel« für das Primärkreislaufwasser im Normalbetrieb nimmt, da eine Temperatur von mehr als 300 Grad doch nicht mehr als kühl zu bezeichnen seien. Und genau hier treffen wir auf ein Grundproblem unserer Berichterstattung: Menschen ohne solide physikalisch-technische Wissensbasis holen sich Experten, die ihnen nach dem, wie sie finden, kritischen Munde reden, und bringen das Ergebnis dann als alltagssprachliche Küchenlogik unters Volk. Denn gegen Kernkraftwerke zu sein entspricht in dieser Logik ja auch, auf der guten Seite zu sein, auf der Seite der kritisch-nachfragenden Neinsager nämlich.

Jedoch sind es eigentlich Jasager, mit denen wir es zu tun haben: Jasager im Mainstream des Antiatom-Diskurses. Denn bis heute gehört der nukleare Alarmismus und das Schwarz-Weiß-Denken der 1980er zum guten Berichtston, obwohl die Kerntechnik längst über den Stand dieser Zeit hinaus ist – und der Lieblingsfeind, die deutsche Atomlobby, längst das Zeitliche gesegnet hat. Unsere Atom-Alarmisten hängen zudem der Doktrin an, derzufolge nur eine hundertprozentig risikofreie Technologie akzeptabel sei. Gibt es ein Risiko? Dann wäre diese Technologie besser nie in die Welt gekommen.

In unseren Redaktionen, deren kerntechnische Grundkenntnis sich in der Regel auf die Schullektüre von Gudrun Pausewangs Nuke-Porns für den bundesdeutschen Opferdiskurs beschränkt, reicht daher die Nachricht vom Notkühlwasser, das gar nicht kalt ist, für die Auslösung des nuklearen Notstands.

 

Worum es wirklich geht

Kernquerschnitt eines VVER-440-Reaktors mit Dummie-Brennelementen (grau) an den Außenpositionen nahe der Druckbehälterwand

Kernquerschnitt eines VVER-440-Reaktors mit Dummie-Brennelementen (grau) an den Außenpositionen nahe der Druckbehälterwand

Worum es dabei wirklich geht: Bei erhöhter Versprödung des Stahls infolge Neutronenbeschusses ist die Vorwärmung des Notkühlwassers in vielen Anlagen eine normale Vorkehrung, so im östlichen Europa, wo die Kernkraftwerke mit VVER-Druckwasserreaktoren sowjetischer Bauart ausgerüstet sind. Aufgrund eines (im Vergleich zu den heute bei uns laufenden Konvoi- und Vorkonvoi-Anlagen) schmäleren Wasserspalts zwischen Reaktorkern und Druckbehälterwand ist insbesondere in den VVER-440-Anlagen die Neutronenfluenz und damit auch die Versprödungsgeschwindigkeit höher. Wer sich zur materialwissenschaftlichen Seite dieser Problematik detaillierter informieren möchte, dem sei der Beitrag der Nuklearia zum Fall der belgischen Anlagen Tihange und Doel (»Belgische Rissreaktoren«) empfohlen.
Es gibt in solchen Fällen höher versprödeter Komponenten mehrere Möglichkeiten, Abhilfe zu schaffen: materialschonende Fahrweisen der Anlage, eine spezifische Beschickung des Reaktorkerns mit Brennelementen, und Maßnahmen zur Regenerierung des Reaktordruckbehälters. In Osteuropa werden alle drei Ansätze verfolgt: Man beheizt die Flutbehälter für das Notkühlsystem, man stellt auf die Außenpositionen im Reaktorkern Brennelement-Dummies aus Stahl, die die Strömungseigenschaften des Kerns erhalten, aber den Neutronenbeschuss des Druckbehälterstahls verringern, und man regeneriert den Reaktorstahl.

Wie regeneriert man einen Reaktordruckbehälter? Das ist eine wichtige Frage, denn der Reaktordruckbehälter (RDB) ist eine der wenigen Komponenten eines Kernkraftwerks, die nicht redundant, das heißt, in mehrfacher Ausführung vorhanden sind. Seine Integrität ist folglich das K.O.-Kriterium für die Laufzeit der Anlage. Daher werden in älteren osteuropäischen Anlagen die Reaktordruckbehälter einer sogenannten Wiederholungsglühung unterzogen. Der Reaktor wird entladen, und an das leere Druckgefäß wird ein Aggregat montiert, das den Behälterstahl für rund 150 Stunden auf eine Temperatur von ca. 475 Grad Celsius bringt. Diese Wärmebehandlung erneuert die kristallinen Binnenstrukturen des Werkstoffs, welche durch den Neutronenbeschuss verändert wurden, was zur Versprödung und damit höherer Empfindlichkeit für Temperaturschocks geführt hatte. Die Wiederholungsglühung beseitigt diesen Effekt und stellt das ursprüngliche Elastizitätsverhalten wieder her.

Osteuropa hat also eigentlich eine gute Strategie zur Erhöhung der Komponentensicherheit gefunden – was natürlich gar nicht zu den von deutschen Journalisten in solchen Zusammenhängen gerne produzierten Klischees von instabilen Staaten, autoritärer Herrschaft und maroden Industrieanlagen passt.

Eigentlich ist das Gegenteil der Fall: Während sich westliche Betreiber mit den anlagenschonenden Ansätzen begnügen – so z.B. im Falle des inzwischen stillgelegten schwäbischen KKW Obrigheim – geht Osteuropa unter russischer Technologieführerschaft seit Jahren neue Lösungswege, und – auch nicht unwichtig – setzt zudem in Neubauten sicherheitstechnisch fortgeschrittene Reaktorkonzepte in die Tat um.

Anlagenschonende Ansätze wiederum sind kein Ausweis für die Instabilität eines Systems. Es gibt sie überall in der Verfahrenstechnik. Man wärmt Systeme vor oder schaltet sie auf eine bestimmte Weise, um beispielsweise Kondensationsschläge in Rohrleitungen oder Materialschäden durch zu steile Temperaturgradienten zu verhindern. Niemand würde auf die Idee kommen, solche Anlagen in der Chemieindustrie oder auch in Kohle- und Gaskraftwerken nicht mehr zu betreiben, weil es ohne schonende bzw. vorgeschriebene Fahrweise zu Problemen kommen könnte.

Die Experten, die vom WDR befragt wurden, sehen das anders – denn sie können gar nicht anders. Sie sind auf jener Linie, dass nur ein nie gebautes KKW ein sicheres sei, und haben als Gutachter von Ökoinstituten und als Ministeriale unter Rot-Grün diese Politik in Berichte und Rechtstexte umgesetzt. Da kann man auch die AfD als alleinige Experten für Migrationspolitik anhören – aber diese Reportage muss erst noch geschrieben werden.

 

Die wahre Enthüllung wartet noch

All den Alarm-Experten sei jedoch versichert: Die wirkliche Enthüllung wartet noch auf einen aufmerksamen Rechercheur – jene über die akut drohenden Versorgungs- und Umweltrisiken im Zuge einer fehlgeplanten Energiewende, an der die Öko-Experten gut mitverdienen.

Die 25 Milliarden Euro pro Jahr, welche dieses Experiment am offenen Energieherzen unserer Industriegesellschaft kostet, wären anderweitig besser investiert. Denn man kann Europas alternden Reaktorpark entweder durch Kohlekraft und Chaos ersetzen, wie es Deutschland macht, oder durch bessere Kernkraftwerke.

Dr. Anna Veronika Wendland

 

Dr. Anna Veronika Wendland ist Osteuropa-Historikerin und Forschungskoordinatorin am Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung in Marburg. Sie forscht zur Geschichte von Atomstädten und nuklearen Sicherheitskulturen in Ost- und Westeuropa, unter anderem auch im Zusammenhang des transregionalen Sonderforschungsbereiches SFB-TRR 138 »Dynamiken der Sicherheit« der Universitäten Marburg und Gießen sowie des Herder-Instituts, in dem es um Versicherheitlichungsprozesse von der Antike bis zur Jetztzeit geht. Sie ist Vorstandsmitglied des Nuklearia e. V.

 

VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 5.0/5 (7 votes cast)

EU unterstützt russisches Kernkraftprojekt in Ungarn

Die Europäische Kommission hat nach abgeschlossener Untersuchung den von Russland durchgeführten Bau des Kernkraftwerks Paks in Ungarn genehmigt.

Das Paks Kernkraftwerk, das über 50% der elektrischen Energie im Land erzeugt, liegt 100 Kilometer von Budapest entfernt. Die Station wurde zu Zeiten der Sowjetunion aufgebaut. Derzeit laufen auf der Anlage vier Kernkraftwerke mit VVER-440 Reaktoren. Unter VVER-Reaktoren (WWER – Wasser-Wasser-Energie-Reaktor) werden bestimmte Typen von Druckwasserreaktoren sowjetischer beziehungsweise russischer Bauart zusammengefasst. Die Bezeichnung Wasser-Wasser steht für wassermoderiert und wassergekühlt. (Wikipedia)

Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge könnten die Arbeiten an zwei weiteren VVER-440-Reaktoren an diesem Kernkraftwerk bereits 2017-2018 beginnen. Außerdem gewährt Moskau der ungarischen Regierung ein Darlehen in Höhe von 10 Milliarden Euro für die Durchführung des Projekts.

 

Quellen:

http://russianconstruction.com/news-1/25497-eu-supports-russian-nuclear-project-in-hungary.html

Foto: Budapest Business Journal

 

VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 5.0/5 (2 votes cast)

Rolls Royce plant eine neue Generation von Mini-Kernreaktoren auch für den Export

Mit einer neuen Generation von Mini-Kernreaktoren könnte Großbritannien 40.000 hoch qualifizierte Arbeitsplätze schaffen und für die britische Wirtschaft Hunderte von Milliarden durch den Export generieren, sagt Rolls-Royce. Die britische Regierung hatte einen Wettbewerb mit über  250 Millionen Pfund unterstützt, um “kleine modulare Reaktoren” (SMRs) zu entwickeln. Außer Rolls-Royce nahmen die amerikanische NuScale Power, der französische EDF und das chinesische Nuklearunternehmen CNNC an dem Wettbewerb teil, berichtet The Telegraph.

Mini-Kernkraftwerke – Small and Medium Sized Reactors (SMRs)

Die Regierung vertrete die Auffassung, dass diese Mini-Kernkraftwerke lebenswichtig für die Sicherung der zukünftigen Energieversorgung in Großbritannien sein könnten, ebenso für die Ziele des Klimawandels, berichtet The Telegraph. Ihre Größe betrage etwa ein Zehntel der Größe eines konventionellen Kernkraftwerks, also etwa zehn Fußballfelder.

Rolls-Royce hat seit über 50 Jahren Erfahrung mit Nuklearantrieben für U-Boote der Marine und leitet ein Konsortium von etwa einem Dutzend Unternehmen, die sich für die Entwicklung der Technologie entschieden haben. 2012 hatte der Technologie-Konzern vom britischen Verteidigungsministerium einen Milliarden-Auftrag zum Bau der nächsten Generation britischer Atom-U-Boote erhalten.

Harry Holt, Leiter des Nukleargeschäftes von Rolls-Royce, sagte laut The Telegraph, dass ihr Vorschlag sehr stark an britischen Interessen ausgerichtet sei. Man rede hier von hochwertigem geistigem Eigentum, und der britische Inhalt sei sehr hoch. Dies treffe nicht auf britische Unternehmen zu, die niedrigwertige Arbeit wie das Gießen des Betons für die Bauarbeiten verrichteten.

Die Herkunft der Wettbewerber könnte ein entscheidender Faktor für die Wahl des Gewinners sein, meint The Telegraph. Das riesige Kernkraftwerk Hinkley Point in Somerset werde von EEF mit finanzieller Unterstützung aus China gebaut, wobei der Einsatz von ausländischem Know-how und Geld politisch umstritten sei.

Die Reaktoren von Rolls sollen um 220 Megawatt (MW) Leistung erzeugen und bis 440MW skaliert werden können. Im Vergleich dazu werden von Hinkleys traditionellem Design um 3,2 Gigawatt (GW) Leistung erwartet.

Brexport

Rolls schätzt die britische Nachfrage nach SMRs auf  7GW und die des globalen Marktes zwischen 65GW und 85GB in den nächsten zwei Jahrzehnten ein. Der Gesamtwert der Anlagen liege zwischen 250 Milliarden und 400 Milliarden britische Pfund.

Die Regierung unterstütze diese Technologie, und dies sei eine Gelegenheit, um das gesamte Paradigma der Technologie von der Einfuhr von Know-how nach Großbritannien bis zu seinem Export in andere Länder zu ändern, sagte Holt. Er habe hinzugefügt, dass die Technologie bei den meisten wichtigen Märkten für KMU außerhalb Europas ein wichtiger Teil jeder “Brexport” -Kampagne sein könnte, um Handelsbeziehungen zu Ländern außerhalb der EU zu gewährleisten.

Geringe Kosten durch Massenfertigung

Das Rolls-Royce Konsortium geht davon aus, dass es 1,2 Milliarden Pfund kosten werde, um die SMR-Technologie vollständig zu entwickeln, und weitere 1,7 Milliarden, um den ersten SMR zu starten. Die Kosten werden dann voraussichtlich fallen, da sie modular in “Blöcken” in Fabriken gebaut und dann vor Ort montiert werden.

Dies bedeutet, dass sie schneller gebaut werden können, als herkömmliche “maßgeschneiderte” Designs wie Hinkley und billiger sind, da sie im Vergleich zu Hinkley Massenprodukte sind. Ihr niedriger Preis werde auch die Finanzierung erleichtern, sagt Rolls Royce.

Hinkley Point werde frühestens 2025 Strom erzeugen. Der erste SMR von Rolls-Royce könnte bis 2028 an das Energienetz angeschlossen sein, abhängig davon, wen die Regierung als Gewinner des Wettbewerbs auswählt, sagte Holt. Die Entscheidung könnte schon in diesem Herbst fallen.

Quellen: 

Foto: O Palsson, “The Atomium (2)”, © www.piqs.de

VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 5.0/5 (1 vote cast)

Friedliches Atom in jedem Haus – Russland setzt auf innovative Reaktoren

Мирный атом в каждый дом! Friedliches Atom in jedem Haus – Russland setzt auf innovative Reaktoren und betreibt den aktuell modernsten Reaktorblock der Welt. Rosatom berichtet, dass am 26. Oktober 2016 der innovative Reaktorblock Nr. 6 im Atomkraftwerk Nowoworonesch, ein Atomrekator der Generation 3+, auf 100% seiner Leistung hochgefahren wurde. Die Anforderungen, die nach Fukushima entwickelt wurden, sind laut Rosatom in einer bisher einzigartigen Kombination von aktiven und passiven Sicherheitssystemen berücksichtigt worden. Die Anlage sei “vollkommen resistent gegen externe und interne Störeinflüsse”. Der russische Block Nr. 6 des Atomkraftwerks Nowoworonesch nimmt weltweit als erstes Kernkraftwerk dieser neuen Generation seinen Betrieb auf. Andere Länder werden folgen, denn Reaktoren der Generation 3+ werden derzeit in einigen anderen Ländern gebaut.

Kolumne

Dirk Egelkraut

Und vor 10 Jahren, 2006, wollte es niemand glauben, jetzt habe ich es meinen schärfsten Kritikern doch gezeigt: Russland hat den Rest der Welt in der technologischen Entwicklung im Bereich der Kernkraftwerke abgehängt und betreiben den aktuell modernsten Reaktorblock der Welt – von den evolutionären Modellen auch noch den fortschrittlichsten.

Mit der ersten Volllast und Versuchen in diesem Leistungsbereich ist damit der dritte Teilschritt zur Inbetriebnahme abgeschlossen. Nun beginnt der vierte Schritt, in dem die russische Aufsichtsbehörde Rostechnadzor den Block für die kommerzielle Inbetriebnahme abnehmen wird. Ab Dezember 2016 soll der Block, ein WWER-1200/392M als AES-2006, dann regulär seine 1200 MW in das Stromnetz in Zentralrussland einspeisen. Im Dezember 2017 wird die Inbetriebnahme des zweiten Blocks folgen.
Nowoworonesch II hat gezeigt, dass es möglich ist, dass eine reorganisierte Atomwirtschaft unter einer Staatsholding ROSATOM sehr gesund für die Entwicklung ist. Binnen weniger Jahre hat Russland über 24 Reaktorblöcke exportiert, die bereits auf dem WWER-TOI-Modell basieren, deren technische Basis Nowoworonesch II ist. Rosatom hat damit in weniger als einem Jahrzehnt die Weltmarktführung übernommen. Anlagen auf Basis des TOI-Modells werden in den nächsten Jahren in Asien, in West- sowie Osteuropa, sowie in Afrika entstehen.

Mit den Neubau von diesen Reaktoren endet die Ära der Sowjetanlagen auf dem russischen Territorium, damit die der älteren kleineren WWER-440, sowie die durch Tschernobyl bekannten Reaktoren des Typs RBMK-1000. Den ersten Schritt macht hier auch Nowoworonersch: Im Dezember 2016, mit der kommerziellen Übergabe des leistungsstärksten russischen Reaktorblocks für den kommerziellen Betrieb, wird der WWER-440/179 Nowoworonesch-3 seine letzten Kilowattstunden erzeugen und stillgelegt werden, 2018 wird auch mit der Inbetriebnahme des ebenfalls innovativen Blocks Leningrad II-1 (mit WWER-1200/491 als AES-2006) auch die Ära der RBMK enden mit der Stilllegung des ersten RBMK-Blocks Leningrad-1 auf dem ehemaligen Territorium der UdSSR.

Und jetzt stellt sich wieder die ewige Frage: Soll die Welt wirklich am deutschen Wesen genesen? Ich finde, dass es kaum sein kann, dass ein Land, das neben evolutionäre Reaktoren auch auf innovative Reaktoren setzt, nicht falsch liegen kann. Die Lösungen für die gesamte Endlagerproblematik gibt es längst. Deutschland war bereits in den 1980ern imstande diese zu realisieren, sie wurden allerdings verhindert. Russland praktiziert bereits diesen Prozess. Daher die Frage: Weshalb sollte man sich nicht in diesem Fall ein Beispiel an Russland nehmen und es auch machen? ….Aber klar, das phöse Atom und Russland sowieso…

In Russland nennt man es übrigens das friedliche Atom – Мирный атом. Bereits Igor Kurtschatow wusste das, als er den WWER-210, den ersten WWER, in Nowoworonersch baute. Sein Motto war “Lasst es Atomarbeiter sein, und keine Soldaten” – Пусть будет атом рабочим, а не солдатом! Die moderne Variante steht heute am Eingang eines Kernkraftwerks mit WWER-1200 in Weißrussland: Friedliches Atom in jedem Haus – Мирный атом в каждый дом!

 

Foto:Rosatom

https://www.facebook.com/rosatomgermany

VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 5.0/5 (2 votes cast)
image_pdfimage_print