Amazon

Amazon und die Gunst der Corona-Stunde

Die staatlich verordnete Schließung von Geschäften kommt Amazon zugute. Denn die Zerstörung des kleinen Einzelhandels vollzieht sich seitdem wie in einem Zeitraffer. Die Kunden werden dem Onlinehandel zugetrieben und sind für den stationären Einzelhandel weitgehend verloren. Am meisten profitiert davon der staatlich geduldete Steuerflüchtling Amazon.

„Wir sind im Krieg“ zitiert der Spiegel Trumps martialischen Corona-Auftritt. „Die Welt nach dem Corona-Krieg“ lautet die Überschrift in der taz. Selbst Hans-Werner Sinn sagt: „Der Kampf gegen das Corona-Virus ist ein Krieg.“

Der Krieg ohne Atomraketen, Bomber und Drohnen trifft Gewerbetreibende, stationäre Einzelhändler, Freiberufler und Künstler dennoch in ihrer Existenz. Für sie bedeutet der Krieg gegen die Coronaviren Krieg um ihre Lebensgrundlagen, und nicht ein Krieg gegen die Viren.

Amazons Corona-Stunde

Die Ausgangssperren und Kontaktverbote haben dazu beigetragen, dass seit dem 12. März die Amazon-Aktie um rund 15 Prozent emporgeschnellt ist. Der Konzern hat binnen 10 Tagen um etwa 100 Milliarden Euro an Marktwert zugelegt. Und sein Gründer wie Hauptaktionär Jeff Bezos ist damit in nicht einmal zwei Wochen um gut 10 Milliarden Euro reicher geworden.

Amazon erzielte 2019 einen Umsatz von 280 Milliarden US-Dollar und einen Gewinn von 11,6 Milliarden US-Dollar. Der Börsenwert Amazons beträgt rund eine Billion US-Dollar (Januar 2020). Nach Apple und Microsoft ist Amazon das drittwertvollste Unternehmen der USA und der weltgrößte Online-Händler.

Im Unterschied zu Einzelhändlern leistet dieser Gigant keine oder nur geringe Steuern. Das Unternehmen soll einem Medienbericht zufolge 2018 prozentual weniger Steuern als die ärmsten 20 Prozent der US-Amerikaner gezahlt haben.

Marktbereinigung

Bei Amazon nehmen die Bestellungen im „Corona-Krieg“ zu. Der Handelsriese kann seine Marktmacht dank der Corona-Krisenpolitik weiter ausbauen. Amazon kündigte an, in den USA 100.000 zusätzliche Voll- und Teilzeitkräfte für Lager und Auslieferung anzuheuern, um die gestiegene Nachfrage bewältigen zu können. Dass Amazon die Stundenlöhne für Beschäftigte in den USA, Kanada und Europa sogar erhöhen will, erfreut die Beschäftigten, Politiker und Gewerkschafter. Derweil entgehen dem stationären Einzelhandel und seinen Beschäftigten die lebensnotwendigen Einnahmen. Die steuerzahlenden, meist inhabergeführten Geschäfte und auch die Geschäftsketten wissen nicht, wovon sie die Gehälter und die Mieten in den nächsten Monaten bezahlen sollen.

Aus dem ursprünglichen Online-Buchhändler Amazon, hat sich seit 1994 ein Online-Kaufhaus entwickelt, das Privatverkäufern und Händlern eine Marktplattform anbietet. An den Verkäufen ihrer Produkte ist Amazon stets mit 15 Prozent beteiligt. Bei den oft sehr geringen Margen im Einzelhandel ein schlechter Deal für den Einzelhändler, aber für viele von ihnen ein letzter Versuch.

Amazon stellt die Stellenausschreibungen als eine Hilfsaktion für Beschäftigte dar, die dank Amazon gemeinnützig tätig werden. Gemeinden werde dadurch geholfen, weil den älteren Menschen und anderen Personen mit Gesundheitsproblemen die bestellten Produkte bis zur Tür geliefert würden, behauptet der Marktführer. Das ist ein schlechtes Argument, denn im Unterschied zu den Paketauslieferern von Amazon nehmen die Mitarbeiter im stationären Handel auch durch ihren persönlichen Kontakt während der gesamten Öffnungszeiten mit den Kunden soziale Funktionen im Sinne der Gemeinnützigkeit wahr.

In seinem Firmenblog wendet sich Amazon gezielt an Beschäftigte aus den Bereichen des Gastgewerbes, der Restaurants und Reisen. Das Unternehmen behauptet, dies sei als eine temporäre Hilfe für jene gedacht, die im Rahmen der COVID-19-Pandemie ihren Arbeitsplatz verloren haben oder in den Urlaub geschickt wurden. Wenn sich die Dinge wieder normalisiert hätten, könnten sie zu ihrem früheren Arbeitgeber zurückgehen.

Amazon wirbt qualifiziertes Personal ab, das in den entsprechenden Branchen zum Neuaufbau und zur Aufrechterhalten der stationären Nahversorger dringend gebraucht wird. Zugleich lockt Amazon mit höheren Stundenlöhnen, die in der Nahversorgung kaum bezahlt werden können.

Geldspritzen

Die Bundesregierung hat am 23. März 2020 die Eckpunkte für einen weitreichenden Schutzschirm (PDF, 192 KB) beschlossen. Bund und Land unterstützen Selbstständige in der Corona-Krise mit Sofort-Zuschüssen. Die Soforthilfe muss als Betriebseinnahme versteuert werden. Eine Antragstellung ist bis spätestens 30.04.2020 möglich. Anträge können gewerbliche und gemeinnützige Unternehmen, Solo-Selbstständige und Angehörige der Freien Berufe, einschließlich Künstler/innen, mit bis zu 50 Beschäftigten (umgerechnet auf Vollzeitkräfte) stellen. Informationen darüber sind auf den Homepages der Handels- und Handwerkskammern zu finden. Beispiel: IHK Mittleres Ruhrgebiet.

Das Programmvolumen umfasst bis zu 50 Mrd. € bei maximaler Ausschöpfung von 3 Mio.
Selbständigen und Kleinstunternehmen über 3+2 Monate.

Diese Hilfe wird den Ruin kleiner Geschäfte nicht aufhalten, sondern lediglich verzögern. Ihre Leistungsfähigkeit spielt dabei keine Rolle, sondern lediglich die Frage nach dem vorhandenen Eigenkapital. Bevor die ganz großen Fische die größeren Fische fressen, fressen diese zunächst die kleinen. Jeder Eingriff in einen außer Kontrolle geratenen Markt scheint lediglich der schnellen Marktbereinigung zu dienen. Sie kommt vor allem Großunternehmen und Banken zugute.

Die Krisenpolitik der Bundesregierung wird die beschleunigte Marktbereinigung in vielen Wirtschaftsbereichen nicht umkehren können. Der Ökonom Sinn empfiehlt Maßnahmen, die die Firmen vor Insolvenzen retten sollen. Dazu zählt Sinn Steuererleichterungen und staatliche Bürgschaften, die es den Firmen möglich machen, Überbrückungskredite von den Banken zu erhalten. Damit sollen sie nach der Überwindung der Seuche wieder durchstarten können.

Die von der Bundesregierung angekündigten Unterstützungsgelder in Form von Krediten werden bei den meisten Unternehmen nicht ankommen. Banken, über die die Kreditvergabe erfolgt, müssen mit einem Risiko von derzeit 20 Prozent Bankenkapital einsteigen. Sie gewähren Kredite nur dann, wenn sie sicher sind, dass sie ihr Geld auch zurückerhalten. Diese Sicherheit können ihnen in der Regel aufgrund fehlenden Eigenkapitals nur wenige Unternehmen bieten.

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In eigener Sache

Amazon ist einer der größten Profiteure der Corona-Krise. Kleinere Buchhandlungen müssen ihre Läden schließen, viele von ihnen dauerhaft. Es ist wenig bekannt, dass kleine, stationäre Buchhandlungen Bücher auch online anbieten. Zu denselben Konditionen. Wer den Steuerflüchtling Amazon nicht mehr länger fördern möchte, ist bei Storchmann Medien gut aufgehoben. Die Zusammenarbeit mit einem der größten Zwischenbuchhändler Deutschlands bietet Ihnen höchste Professionalität. Durch den Kauf von Büchern, Hörbüchern, eBooks und anderen Produkten des Buchhandels unterstützen Sie auch Ruhrkultour. Wir freuen uns, wenn Sie von dieser Möglichkeit Gebrauch machen.
Ihr Team von Ruhrkultour

Titelfoto: LNLNLN, pixabay

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