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DFG löscht „wunderbares Statement“ von Dieter Nuhr

Es ist gruselig. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) dankt dem Satiriker, bildenden Künstler und Autor Dieter Nuhr ganz herzlich für sein „wunderbares Statement“ – und löscht es, weil es ein paar Nörglern nicht gefiel. Eine Erklärung dafür gibt es nicht. Die Löschung sieht nach einer politischen Abrechnung derjenigen aus, die Nuhr wegen seiner Entthronisierung Gretas („Greta ist nicht der Messias. Das ist Jürgen Klopp“) auf den Index gesetzt haben. Dieter Nuhr war im Juli von der DFG gebeten worden, für die Kampagne #DFG2020 eine 30sekündige Sprachnachricht zum Thema Wissenschaft einzusenden.

Für das Wissen entscheiden

Mit “DFG2020 – Für das Wissen entscheiden” will die DFG „ihre Überzeugung für eine freie und erkenntnisgeleitete Forschung in die Gesellschaft tragen“.

https://twitter.com/dfg_public/status/1288066607949008896

Und mit der neuen Floskel „Liebe alle“ lädt sie alle, auch die zeitkritischen Geister, ein, ihr Statement abzugeben.

Statement von Dieter Nuhr

Dieter Nuhr gab das folgende Statement ab:

„Wissen bedeutet nicht, dass man sich zu 100% sicher ist, sondern dass man über genügend Fakten verfügt, um eine begründete Meinung zu haben. Weil viele Menschen beleidigt sind, wenn Wissenschaftler ihre Meinung ändern: Nein, nein! Das ist normal! Wissenschaft ist gerade, DASS sich die Meinung ändert, wenn sich die Faktenlage ändert. Wissenschaft ist nämlich keine Heilslehre, keine Religion, die absolute Wahrheiten verkündet. Und wer ständig ruft „Folgt der Wissenschaft!“ hat das offensichtlich nicht begriffen. Wissenschaft weiß nicht alles, ist aber die einzige vernünftige Wissensbasis, die wir haben. Deshalb ist sie so wichtig.“

Der DFG gefiel das Statement von Dieter Nuhr und twitterte:

Die DFG habe sich für den Beitrag zunächst bedankt, sagt Dieter Nuhr. Sie habe ihm geantwortet:

„Wir danken ganz herzlich für Ihr wunderbares Statement – Ihren pointierten Kommentar über die Relevanz und die Erklärung von Wissenschaft.“

Der Beitrag wurde von der DFG zunächst veröffentlicht, aber am 30.7. aufgrund der „starken und sehr kritischen Resonanz“ wieder aus dem Netz genommen, um „die DFG zu schützen“. Die Zitate seien wörtlich, sagt Dieter Nuhr.

Auf Twitter ist der Beitrag von Dieter Nuhr (wieder?) zu sehen.

Der Kritik Dieter Nuhrs, dass sich die DFG aktiv daran beteiligt, Kritik als Ketzerei zu verfolgen und Andersdenkende mundtot zu machen, ist berechtigt und der Vorgang keine Neuheit. Dass der Versuch aber bis in einen zentralen Bereich der Wissensvermittlung zum Erfolg führt, deren Worte sich als Schall und Rauch erweisen, findet nicht nur Dieter Nuhr als erschreckend. Welche Existenzberechtigung hat eine wissenschaftliche Institution, die ideologischen Zwängen nachgibt?

Dieter Nuhr schreibt in seiner Antwort auf Facebook:

„Ich halte das indessen für ein Phänomen, das die demokratische Diskussion ernsthaft gefährdet, schon weil sie indessen den Wissenschaftsbetrieb weltweit erreicht hat. An Universitäten wird indessen überall massiv darauf hingearbeitet, dass Andersdenkende gar nicht mehr hineingelassen werden. Das ist nicht nur empörend, sondern beängstigend. In was für einem Land wollen wir leben? In einem Land, in dem öffentliches Nachdenken zunehmend durch Denunziation und soziale Ausgrenzung bestraft wird? Mir gruselt es.“

Wer ist die DFG?

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft e.V. (DFG) ist ein eingetragener Verein zur Förderung der Wissenschaft und Forschung in der Bundesrepublik Deutschland. Ihre Aufgabe ist die finanzielle Unterstützung von Forschungsvorhaben, die sich auf den Hochschulbereich konzentrieren. Dafür erhielt die DFG 2019 von Bund und Ländern mehr als 3 Milliarden Euro Fördermittel. Rund zwei Drittel dieser Mittel zahlt der Bund, den Rest zahlen die Länder.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft wurde 1920 als Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft gegründet, 1949 wiederbegründet und, nach der Verschmelzung mit dem Forschungsrat (1951), in Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG umbenannt. Ihre Mitglieder sind laut BMBF 69 Hochschulen, 16 außerhochschulische Forschungseinrichtungen, 8 Akademien und 3 Wissenschaftsverbände.
Zentrales wissenschaftliches Gremium ist der Senat, dem 39 wissenschaftliche Mitglieder aller Fachrichtungen angehören. Er berät unter anderem Regierungen, Parlamente und Behörden.

Der Hauptausschuss trifft auf Grundlage der Senatsbeschlüsse die wesentlichen forschungspolitischen Entscheidungen der DFG. Er entscheidet unter anderem über die an die DFG gerichteten Anträge. Er besteht aus den 39 Mitgliedern des Senats, aus Vertretern des Bundes, die insgesamt 16 Stimmen führen, aus 16 Vertretern der Länder sowie aus zwei Vertretern des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft.

Kommentar Wolfgang Kubicki, Bundestagsvizepräsident

Titelfoto: henseling, „Wand im Wandel“, Ein Wand in Hamburg St. PauliCC-Lizenz (BY 2.0)

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